Der Dieckmann diskutiert gerade in seinem Weblog die Frage, ob man als öffentlicher Wissenschaftler seine Ideen einfach so ins Netz stellen sollte. Die Gefahr ist groß, dass andere die Ideen “klauen”, d.h. dass sie die Ideen verwenden und als ihre eigenen Ideen ausgeben. Insbesondere, wenn diese Personen Zugriff auf bessere Ressourcen haben, könnte einen dies dumm dastehen lassen.
Diese Überlegungen möchte ich zum Anlass nehmen, meine Position zu dieser Frage klarzustellen. Ich denke, ein öffentlicher Wissenschaftler muss nicht jede Idee veröffentlichen. In vielen Fällen würde dies vermutlich einfach naiv sein. Ein offensichtliches Beispiel hierfür sind Gebiete, in denen es um Patente geht. Wenn hier ein Wissenschaftler verfrüht bestimmte Ideen veröffentlicht, wäre er vermutlich nicht nur ein öffentlicher Wissenschaftler, sondern auch ein dummer.
Ich bin mir aber sicher, dass genau dieser Wissenschaftler trotzdem genügend Aspekte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit hat, über die er schreiben könnte. Beispielsweise könnte er seine Meinung über einen Fachartikel bloggen und Ideen zu den dort beschriebenen Inhalten äußern, die mit seiner “genialen, aber geheimen Idee” inhaltlich nichts zu tun haben. Dennoch könnte er durch das Veröffentlichen seiner Ideen den Autoren des Fachartikels wesentliche Anregungen zu deren Arbeit geben und eine fruchtbare wissenschaftliche Diskussion starten.
Darüber hinaus sollte man aber auch den folgenden Fall bedenken: Man hat eine Idee und behält sie für sich. Einige Zeit später veröffentlich jemand diese Idee, weil er sie rein zufällig auch hatte. Hätte man sie damals gebloggt oder irgendwie anders veröffentlicht, dann hätte man einen Beleg, dass man diese Idee zuerst hatte (wenn einen das irgendwie beruhigt oder stolz macht. ;-) ) Was ich damit sagen will: Es gibt natürlich Ideenklau. Es gibt aber auch mit Sicherheit Fälle, in denen Ideen dummerweise von jemand anders zuerst geäußert werden, und man sich im Nachhinein ärgert, dass man die Idee nicht zuvor bereits aufgeschrieben hat.
Jeder Wissenschaftler muss entscheiden, welche Gedanken er öffentlich äußert und welche nicht. Alle Gedanken zu äußern wäre vermutlich naiv. Keine zu äußern würde viel Potenzial verschenken. Meine Ansicht ist: Der öffentliche Wissenschaftler sollte versuchen, sich so weit wie möglich nach außen zu öffnen.
Ich würde eine Diskussion darüber spannend finden, in welchen wissenschaftlichen Disziplinen oder inhaltlichen Bereichen es dumm wäre, geniale Ideen zu früh zu veröffentlichen, und in welchen es genau anders herum ist. Was denkt ihr darüber?