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Am Freitag wird es im Rahmen des E-Learning-Tags an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, der vom E-Learning-Team der PH Ludwigsburg und von e-teaching.org veranstaltet wird, eine Podiumsdiskussion zum Thema “Wie aktiviere ich (m)eine Community?” geben. Diskussionsteilnehmer sind:

Ich freue mich sehr auf die Podiumsdiskussion und habe mir auch schon im Vorfeld ein paar Gedanken zu Statements gemacht. Ich werde vermutlich mehr zur Aktivierung von Netzen als zur Aktivierung von Communities sagen können (wobei ich Netze allgemeiner sehe als Communities, die für mich eher auf ein bestimmtes Interesse bzw. Ziel ausgerichtet sind; aber vielleicht ist dies auch eine überflüssige Frage). Also, ich werde Statements zur Frage abgeben, wie man Menschen z.B.in Twitter aktiviert, werde dabei auf ganz viele Konzepte von Jean-Pol zurückgreifen (also beispielsweise die Neuronenmetapher und Mensch als Ressource) und das Ganze mit ein wenig öffentlicher Wissenschaft würzen.

Da konnte ich natürlich nicht anders, als zu versuchen, gleich in Vorbereitung auf die Diskussion ein Beispiel für die Aktivierung von Netzen zu erzeugen. Also, Vorgehen nach Standardverfahren:

  • Eine Wikiversity-Seite anlegen, auf der ich meine wesentliches Statements zur Podiumsdiskussion kurz skizziere und Raum für Ideen, Anregungen und Diskussionen biete.
  • Den Link auf die Wikiversity-Seite twittern und am besten auch den anderen Diskussionsteilnehmern mailen.
  • Also: Offensiv für die Diskussion in den eigenen Netzen werben!

Was daraus geworden ist, fand ich unglaublich (und bestätigt mich in diesem Vorgehen). Hier ist die Wikiseite inkl. Diskussion, die übrigens natürlich weitergeführt werden kann. Also: Macht mit, bis Freitag ist noch genug Zeit für gemeinsame Wissenskonstruktionen! :-)

Die Podiumsdiskussion wird übrigens voraussichtlich gestreamt. Also: Stay tuned!

Über Gabi Reinmanns Weblog bin ich auf wikibu.ch gestoßen. Das ist ein Dienst des Zentrums für Bildungsinformatik der PH Bern, der dabei hilft, die Verlässlichkeit einer Wikipedia-Seite einzuschätzen. Beispiel: die Seite Lernen durch Lehren auf wikibu.

  • Zunächst mal gibt es ein Overall-Rating, in diesem Fall 7/10. Durch dieses Overall-Rating kann man sich einen ganz schnellen, groben Eindruck verschaffen.
  • Darüber hinaus kann man sich darüber informieren, wie viele Autoren an der Seite mitgeschrieben haben, wie oft die Seite von Lesern frequentiert wird usw. Darüber hinaus kann man sehen, welcher Anteil eines Artikels in etwa von welchem Autor stammt (bei Lernen durch Lehren z.B. 72 % von Jean-Pol Martin).
  • Besonders gut gefällt mir, dass direkt auf die Diskussionsseite und auf die Versionsgeschichte verwiesen wird. Hier wird auch der “naive Wikipedia-Leser” immer wieder darauf gestoßen, dass die Inhalte der Seite eventuell gerade diskutiert werden und dass es evtl. auch Änderungen gab, die einen Blick wert sind.
  • Wenn momentan die Seite stark bearbeitet oder intensiv diskutiert wird, wird das extra hervorgehoben (”Der Artikel unterliegt derzeit starken Änderungen”).

Alles in allem kann wikibu.ch dabei helfen, recht schnell einzuschätzen, wie die Informationen auf der vorliegenden Seite zu behandeln sind. Insbesondere für den Schuleinsatz ist wikibu.ch ein wertvolles Werkzeug. Es kann helfen, die unreflektierte Informationsentnahme aus Wikipedia-Seiten mit Schülern zu diskutieren. Dabei können auch selbst die Verfahren von wikibu.ch mit den Schülern diskutiert werden: Ist das Overall-Rating sinnvoll? Ist es wirklich immer schlecht, wenn der Artikel in letzter Zeit viel geändert wurde? usw. Ein wertvoller Beitrag für den Erwerb von informationstechnischer Grundbildung! Danke für dieses Tool – und ich bin auf weitere Entwicklungen gespannt.

Perturbationen

Wie perturbiert man?

Zum Beispiel so.

Oder so:

Oder so: ein etwas älteres Bild.

Danke, Jean-Pol, für diese schönen Beispiele! :-)

Ulrich KortenkampUlli Kortenkamp und ich haben nach dem Erfolg unseres Twitter-Gesprächs beschlossen, eine regelmäßige Rubrik in diesem Weblog einzuführen: Kortenkamp und Spannagel im Gespräch. Wir werden über ein bestimmtes Thema diskutieren und schließlich zur allgemeinen Diskussion in den Kommentaren einladen. Wie findet ihr die Idee? Hier ist auch gleich die neue Ausgabe von “Kortenkamp und Spannagel im Gespräch”: Der Sinn und Unsinn von Vorlesungen. Wir freuen uns auf eure Kommentare!

Christian_Tafel_2Christian:

Hi Ulli, in letzter Zeit beschäftige ich mich intensiv mit dem Konzept der “Vorlesung”. Kurz und knapp: Ich finde das Konzept total bescheuert. Selbst wenn sie gut gemacht sind. Die Gefahr ist einfach zu groß, dass Studenten nicht folgen können, wegnicken, irgendetwas anderes machen. Und zu Hause kommen dann die Fragen – insbesondere in Vorbereitung auf Prüfungen.

Weshalb holt man 200 Leute in einem Raum zusammen, um ihnen was zu erzählen? Und zwar etwas, das sie auch selbst in einem Skript lesen können? Lesen kann jeder in seinem eigenen Tempo. Man kann einen Abschnitt nochmal lesen. Und nochmal. Und vielleicht nochmal. Den Dozenten kann man nicht beliebig zurückspulen – zumindest nicht so, dass es den Lerngeschwindigkeiten von 200 verschiedenen Studenten gerecht wird.

Weshalb diese unidirektionale 1:200 Beschallung? Sollte man nicht lieber die Situation nutzen, um 200 Gehirne gemeinsam Probleme lösen und Fragen beantworten zu lassen? Also: Vorher lesen die Studenten den Text, den man normalerweise an die Tafel gepinselt hätte, zu Hause. In der “Vorlesung” wird dann gemeinsam über den Text gesprochen, es werden Fragen aufgeworfen und geklärt, und es wird gemeinsam an Aufgaben gearbeitet. Ich setze ein solches Konzept seit ein paar Wochen um, und ich finde es klappt ganz gut (außer in einem Fall) und macht zudem auch noch Spaß (!).

Also, provokante These: Traditionelle Vorlesungen sind vorsintflutliche Didaktik. Wir können heute anders. Was meinst du dazu?

Ulli:

Na danke – damit bin ich jetzt in der Situation, diese “vorsintflutliche Didaktik” verteidigen zu müssen. ;-)

Also vorab: Ich bin kein Fan von solchen traditionellen Vorlesungen, so wie du sie beschreibst. Ich bin aber auch kein Hardcore-Vorlesungsgegner. Und jetzt versuche ich mal herauszufinden, woran das liegt.

Kommen wir erst einmal zum “Vorlesen”. Klar, man darf davon ausgehen, dass Studierende selbst lesen können – aber sie können das, was ich ihnen “vorlese”, nur dann selbst lesen, wenn ich “ablese”. Und das habe ich noch nie gemacht, und auch noch von keinem Kollegen in der Mathematik gehört. Es gibt Vorlesungen, zu denen noch nicht einmal ein Manuskript existiert, das gab es auch schon früher, und wir können froh sein, dass manche so fleißig waren, diese dann mitzuschreiben, so dass später Bücher erscheinen konnten (mein Lieblingsbeispiel: Felix Klein, ein aktuelles Beispiel: die Vorlesung Geometriekalküle von Jürgen Richter-Gebert an der TU München).

Also, Vorlesungen können durchaus etwas Kreatives (im Sinne des Wortes) sein, bei dem jemand seine Gedanken in Worte fasst, ohne sie vorher niederzuschreiben.

Nicht in jedem schlummert aber das Genie des Felix Klein, es gibt also Vorlesungen, zu denen Schriftfassungen existieren, entweder von anderen, wenn der oder die Vorlesende sich auf Bücher verlässt, oder eigene. Im ersten Fall ist die wichtige Zutat die Auswahl, Ergänzung, Filterung der vorhandenen Literatur (die man nicht durch eine Empfehlung “Lesen Sie das dritte Kapitel, zweiter Abschnitt von diesem und jedes siebte Wort von jenem Buch” ersetzen kann), im zweiten Fall kann man darauf hoffen, dass der gesprochene Vortrag zusätzliche Anekdoten, Informationen, Tipps enthält, die nicht im Buch stehen.

Aber nehmen wir jetzt mal den schlimmsten Fall des echten Vorlesens an. Ich habe schon Vorträge gehört, die abgelesen wurden – die waren nicht immer schlecht, und ich habe sie lieber gehört als gelesen. Ich lese meinen Kindern vor, auch denen, die schon lesen können, sie mögen das. Hörbücher sind der Renner, auch bei Personen, die gut lesen können. Kann es sein, dass die Aufnahme über die Ohren für manche besser ist, selbst wenn das Tempo fremdbestimmt ist? Ich denke ja. Ich selbst habe Vorlesungen im Studium genossen, weil ich darin sitzen konnte, selbst Notizen machen, über das Gehörte nachdenken, über was anderes nachdenken, und der “Audiostream” lief weiter. Ich höre auch gerne Radio, und ich kriege dadurch sehr viel mit, was ich über den Lesekanal nicht aufnehmen kann oder will.

Vorlesungen sind eine andere Form der Wissensvermittlung, und ich möchte sie nicht missen.

Was kann man besser machen? Hier eine Antwort auf tuaw.com:

Brian Brooks, associate dean of the University of Missouri’s Journalism School, knows how his students learn. “Lectures are the worst possible learning format,” he told Columbia Missourian. “There’s been some research done that shows if a student can hear that lecture a second time, they retain three times as much of that lecture.”

Aha! Also, mitschneiden, am besten samt Video von der Tafel/Beamer, und als Podcast ins Netz stellen!
Überzeugt?  Ulli

Christian:

Überzeugt? – Kein bisschen. :-)

Zunächst zum “Ablesen”: Ich selbst habe natürlich auch nie abgelesen. Aber ich habe den Stoff deduktiv an der Tafel entwickelt – und dabei auch für zahlreiche einfache Sachverhalte Zeit “verschwendet”. Muss ich den Studenten wirklich erklären, was Teilbarkeit bedeutet? Muss ich ihnen erläutern, was Primzahlen sind, und wie das Sieb des Eratosthenes funktioniert? Summa summarum macht das 30 Minuten Erläuterungen, die wir für wertvolle Diskussionen hätten nutzen können. Studierende können sich diesen Stoff durchaus selbst erarbeiten, was ein Wert an sich ist. Ich möchte ja, dass sie lernen, sich eigenständig in mathematische Sachverhalte einzuarbeiten. Die wertvolle “Gruppenzeit” können wir dann dazu nutzen, Fragen zu klären oder interessante Fragestellungen in dem Bereich zu diskutieren.

Vorlesungen, in denen nicht “gelesen” (im Sinne von “vorgetragen” wird), können dabei natürlich ebenso kreativ sein. Ich möchte sogar behaupten, dass mehr Freiraum für Kreativität besteht, und zwar nicht nur auf Seiten des Dozenten, sondern auch auf Seiten der Studierenden. Kreativität kannst du also nicht als Argument für klassische Vorlesungen ins Feld führen – wer Kreativität fördern will, sollte Vorträge durch intensive Diskussionen zu interessanten Problemstellungen ersetzen.

Zusätzliche Anekdoten, Informationen, Tipps – genau dafür ist in Vorlesungen, in denen Studierende sich den Stoff in Vorbereitung selbst erarbeitet haben, viel mehr Raum. In dieser Art der Vorlesung bleibt der Dozent ja schließlich nicht stumm. Stattdessen hat er viel mehr Zeit, solche persönlichen Färbungen einzubringen. Und wenn als Literatur ein Werk eines anderen Autors verwendet wird, haben die Studenten gleich die Sichtweise von zwei Experten erfahren.

Und schließlich zu deinem letzten Argument, dass auch abgelesene Vorträge sehr interessant sein können. Das ist natürlich richtig, obgleich ich dies ebenso nicht als Argument gelten lassen möchte – zumindest nicht für die Mathematik. Erstens gibt es meiner Erfahrung nach nur wenige begnadet-gute Vorleser, und ich würde mich nicht dazu zählen. Zum anderen: Was sind denn unsere Lehrziele in Mathematikveranstaltungen? Möchten wir, dass Studenten Erzähltes wiedergeben können? Oder möchten wir, dass sie lernen, Mathematik zu treiben? Ich sehe Prozesse wie Kommunizieren, Argumentieren und Problemlösen im Mittelpunkt meiner Lehre. Hierfür muss ich Zeit einräumen. Und diese Prozesse lernt man hauptsächlich nicht durch zuhören, sondern durch machen. Ich gebe den Studenten 90 Minuten Zeit zu diskutieren und ihre Meinung zu begründen. Stoffinput ist natürlich notwendig. Auch die Inhalte sind wichtig, nicht nur die Prozesse. Wenn ich aber den Stoffinput auslagere, dann fördere ich auch hier Prozesse, nämlich eher “methodische”: das eigenständige Einarbeiten in einen Fachtext, das Stellen von Fragen, die virtuelle Kommunikation (ich lasse Fragen, die während des Lesens aufkommen, gleich in einem virtuellen Forum diskutieren).

Selbst wenn es Übungen zu Vorlesungen gibt, in denen die Prozesse der Studierenden im Mittelpunkt stehen (wenn sie also richtig gemacht sind, also nicht vorlesungsartig, sondern teilnehmeraktivierend wie in SAiL-M), würde ich jederzeit die Vorlesung so gestalten wie ich es im Moment gerade mache. Der Grund: Ich möchte so viel wie möglich Zeit einräumen für gemeinsame Erfahrungen rund um mathematische Prozesse. Ich will, dass die Studenten lernen, mathematisch zu denken und zu handeln und sich eigenständig mit mathematischen Fragen auseinanderzusetzen – in jeder Minute.

Mitgeschnittene und als Podcast bereitgestellte Vorträge sind natürlich auch sehr gut als Vorbereitung und könnte ein Ersatz für den zu lesenden Text sein – und dann kann man sich wieder während der eigentlichen Vorlesungszeit den Prozessen widmen!

Überzeugt?

Ulli:

Nee, keineswegs ;-)

Du schreibst etwas von “wertvoller Gruppenarbeit”. Blasphemisch gesagt: Meine Zeit als Dozent ist auch wertvoll (ich bin ja schließlich der Einzige, der dafür bezahlt wird, an der Veranstaltung teil zu nehmen). Wieso ist die Gruppenarbeit wertvoller? Ich erinnere mich an mein Studium, da gab es Gruppenzeiten, die fanden aber ohne Dozenten statt, wir haben uns (vor und nach den Vorlesungen, und wenn es sein musste auch nachts) gemeinsam die Köpfe zerbrochen, was denn “der da vorne” von uns wollte. Du möchtest das rumdrehen — vorher einzeln lernen, in der “Vorlesungszeit” gemeinsam diskutieren. Warum? Ist das wirklich besser? Wo bleibt die Zeit, in der man etwas erzählt bekommt? Ist die Sendung mit der Maus schlecht, weil ich mir das ja auch selbst zusammensuchen könnte, was ich da erzählt bekomme? Ich sehe auch nicht, dass Diskussionen die Kreativität des Dozenten eher fördern als — ganz krass gesagt — Monologe. Das hängt bestimmt von dem oder derjenigen ab, die erzählen, klar. Aber dass das ganze sowieso eine sehr individuelle Sache ist, darüber sind wir uns eh einig, oder?

Und auch bei deiner Erwiderung zu den “Ablesern” kannst du mich nicht überzeugen. Da ist doch ein Fehlschluss: Natürlich möchte ich *nicht*, dass unsere Studierenden Erzähltes wiedergeben können… äh… doch, das möchte ich natürlich schon, es wäre schon mal eine gute Grundlage. Aber das meintest du ja auch nicht. Also – ich möchte *nicht*, dass unsere Studierenden *nur* Erzähltes wiedergeben können. Aber wo ist denn da die Kausalität? Können sie denn nur das replizieren, was sie selbst erleben? Kann man nicht jemandem erzählen, wie, sagen wir, Projektarbeit funktioniert, sondern muss man sie durchführen? Muss ich jemanden in den Rhein schmeißen, damit er weiß, dass das gefährlich ist? Das Reden und Vorlesen ist eine Kommunikationstechnik, die uns eigentlich davon befreit, alles selbst nachzuerleben. Und das muss weder schlecht noch langweilig noch ineffektiv sein. Nur kurz noch einmal der Hinweis, dass ich nicht sage, dass klassische Vorlesungen super und toll und prima sind. Und ich finde es auch nicht richtig, zu lehren, wie man in der Schule lehren kann, ohne die Erkenntnisse dann auch umzusetzen. Und es ist auch nicht gut, sklavisch jede Woche 1,5 Stunden in der 1:n-Situation zu “belehren”, da sind wir uns einig. Aber ich sehe auch Vorteile, und zwar mehr, als ich vorher dachte… insbesondere dann, wenn man Vorlesungen mit anderen Lehr/Lernformen kombiniert (Tutorien, Exkursionen, Projektarbeit, …), können sie richtig sinnvoll sein. Wir kommen da also nicht weiter. Was meinen denn die Leserinnen und Leser? Wir freuen uns auf Kommentare!!

Überzeugt uns!

Ulli

Das Zentrum für europäische Wissenschaftsforschung in Mannheim und das Institut für Wissensmedien in Tübingen veranstalten am 6. und 7. November einen Workshop für “talented junior researchers” im Web-2.0-Bereich (genauer: ökonomische und psychologische Forschung in diesem Bereich). Deadline für Einreichnungen ist der 26. Juli 2009.

Das freut mich ganz besonders: Die LdL-Community ist diese Woche Community der Woche bei mixxt. Also, wer noch nicht Mitglied ist: Jetzt ist eine günstige Gelegenheit, eins zu werden! :-)

Vor einigen Wochen habe ich in meiner Vorlesung “Elementare Funktionen” von den Studierenden ein Feedback zum Einsatz der Methode LdL in Form des aktiven Plenums eingeholt. Neben den zahlreichen positiven Anmerkungen gab es auch mehrere Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge, die ich versucht habe umzusetzen. Hierzu zählen zum Beispiel das Vorgeben einer klareren Struktur, eine kleine Einführung, in der ich die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte des vorzubereitenden Texts nenne, das zügigere Einschalten des Dozenten in Diskussionen und das Sammeln und Beantworten von Fragen bereits während des Lesens in unserem E-Learning-System STUD.IP. Die letzten beiden Sitzungen haben mir gezeigt, dass die Veränderungen zu einer wirklichen Verbesserung geführt haben. Ich zumindest habe bei dieser Veranstaltung (und in der Vorlesung “Angewandte Mathematik”, die ebenfalls eine Fachvorlesung ist) ein ganz gutes Gefühl mit dem jetzigen methodischen Vorgehen.

Ein kleines Sorgenkind ist allerdings die Didaktik-Vorlesung “Didaktik 8-10 (Didaktik der angewandten Mathematik)”. Hier wollen die Diskussionen nicht so richtig in Gang kommen. Woran das liegt, ist mir mittlerweile auch klar: Ich habe fälschlicherweise angenommen, dass ich in fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Vorlesungen ähnlich vorgehen kann. Ich bin mir mittlerweile bewusst, dass ich in der Didaktik-Vorlesung eine andere “Lernumgebung” schaffen muss. Dabei meine ich nicht “nicht LdL”, sondern: Ich muss andere Aufgaben stellen, ich muss andere Diskussionsanlässe bieten, ich muss anders mit dem vorzubereitenden Text umgehen. Doch kommen wir zunächst erst einmal zu dem Feedback der Studierenden, das sie mir in der letzten Veranstaltung gegeben haben.

Als positive Aspekte wurden ähnliche Punkte genannt wie in der Befragung in “Elementare Funktionen”, daher die positiven Punkte hier nur als Aufzählung: gute Atmosphäre, offene Diskussion, sehr viel intensiver (tiefer gehend & erklärend) als traditionelle Vor-Lesung, sehr locker (zu locker!), Dozent ist offen für Neues und evaluiert, Raum für Diskussionen, Raum für unerwartete (!) Diskussionen, Methodenvielfalt, Schwerpunkt liegt auf Didaktik, Studenten werden mit einbezogen, auf Studentenfragen wird eingegangen, “Ich finde, dass gerade wir als Lehrer eine Vorlesung auch mitgestalten können sollen”, Zeit muss nicht abgesessen werden, sondern verfliegt, Möglichkeit eigene Aufgaben zu formulieren und zu besprechen, Fördern und Fordern stehen im Vordergrund.

Und nun zu den Dingen, die aus Sicht der Studierenden (und auch aus meiner Sicht) nicht funktionieren:

Auch die Studierenden haben vermutet, dass man in der Didaktik-Veranstaltung anders vorgehen muss: “LdL ist träge, ich denke Didaktik ist das Problem, denn wir haben davon ja keine Ahnung, können hauptsächlich vermuten (beim Rechnen leichter)”, “Vieles ist irgendwie ziemlich schwammig. Wie man es besser machen kann? Gerade in einer Didaktik-Veranstaltung brauche ich mehr Eckpunkte und Erfahrungsberichte”

Der Hauptkritikpunkt ist dabei wohl der folgende: Die einleitende Diskussion zu Fragen zum Text und auch die anderen Diskussionen sind zu schleppend. Zu Beginn lasse ich immer einen Studenten eine Diskussion führen, in der das Plenum Fragen zum Vorbereitungstext klärt. In fachwissenschaftlichen Veranstaltungen funktioniert das wunderbar, weil man hier leicht Punkte benennen kann, die man nicht verstanden hat. Bei den Didaktik-Texten ist es aber gar nicht zu einfach, Fragen zu stellen, weil man nicht so richtig weiß, in welche Richtung man fragen soll. Das Ziel der Fragerunde ist unklar. Daher sind die Diskussionen in dieser Vorlesung immer “zu zäh und zu langsam” und “schleppend”. “Der Wert steht in keinem Verhältnis zur benötigten Zeit”. “Die Gesprächsleiter wissen nicht, wo sie hin wollen/sollen”. Eins ist mittlerweile klar: Die einfache Frage zu Beginn “Gibt es Fragen zum Text?” funktioniert hier nicht. Die Studierenden haben dafür zahlreiche Verbesserungsvorschläge genannt: “an konkreten Problemen arbeiten / diskutieren”, “früher abbrechen & eingreifen”, “Klärung der Fragen am Anfang strukturieren”, “Vielleicht können Sie zu Beginn eine Frage in den Raum werfen und dann diskutieren wir untereinander (sorgt evtl. für mehr Struktur)”, “Wenn keine Fragen gestellt werden, vielleicht die Punkte, die Sie (Dozent) für wichtig und schwierig halten”, “evtl. Partnergespräche zu Beginn, um sich abzusprechen”, “Fragen in ersten Minuten sammeln und Plan für Sitzungsverlauf erstellen” ,”Skript auf eine Fragestellung hin durcharbeiten, damit früher eine Diskussion entsteht, aus der wieder neue Fragen entstehen”und “erst Basisinfos geben, danach mit Studenten weiterdiskutieren und überlegen”. Mir ist jetzt klar: Mehr Abwechslung und spannende Fragen zum Einstieg müssen her! Ich werde die zahlreichen Verbesserungsvorschläge der Studierenden aufgreifen und den Anfang evtl. mal so und mal so gestalten. Dann können wir schauen, was am besten funktioniert…

Eine Studentin oder ein Student hat folgenden Strukturhinweis gegeben: 1) Unklarheiten im Text klären 2) Klären, was an dem Text relevant/besonders wichtig ist 3) Schülerfehler/-probleme diskutieren und wie man damit umgehen kann. Ich würde vorschlagen, das folgendermaßen zu adaptieren: 1) Spannende Einstiegsfrage 2) Relevante Teile klären 3) Fragen klären 4) Schülerfehler, gute Einstiege, …

Zudem wünschen sich die Studierenden mehr Unterrichtsbeispiele, und dass die Ergebnisse besser festgehalten werden. Zum Beispiel sollte ich (wie in der anderen Veranstaltung jetzt auch) Zusammenfassungen geben. Auch wünschen sie sich konkretere Hinweise darauf, wie die Klausur aussieht. Dem bin ich bereits nachgekommen und habe Beispiel-Klausuraufgaben bereit gestellt.

Eins muss ich hervorheben: Ich bin mir sicher, dass die Schwierigkeiten nicht an LdL liegen, sondern an der Art, wie ich LdL umgesetzt habe. Ich habe zum Einstieg unglückliche Fragen gestellt und es öfters versäumt, anregende Diskussionsanlässe zu bieten (also, es gab natürlich schon öfter eine sehr gute Diskussion, aber es braucht immer sehr lange, um in Gang zu kommen).

Ein Student / eine Studentin hat auch geäußert, dass sie es schlecht findet, dass Studierende nach vorne kommen und die Diskussionen leiten müssen. Meiner Ansicht nach ist das aber ein ganz wesentliches Element, von dem ich nicht abrücken möchte: Diskussionen verlaufen anders, wenn nicht ich die Diskussion leite. Ich habe es bei den letzten Malen gemerkt: Wenn ich moderiere, dann wird die Diskussion zum “Frage an mich und Antwort von mir”-Spiel. Insofern ist es wichtig, dass die Studierenden “unter sich” diskutieren. Dazu gehört aber eine passende Fragestellung und ein guter Diskussionsanlass – das habe ich jetzt gelernt.

Mmh…vielleicht liegt es auch an etwas ganz anderem? Ein Kommentar war: “Hat es einen Grund, weshalb Sie schwarze Kleidung vorziehen? Oder bilde ich mir das nur ein?” Vielleicht sollte ich mal ganz in weiß kommen? :-)

Powerpoint-Karaoke

Am nächsten Dienstag wird’s mal wieder spannend: Das Literaturcafé der PH Ludwigsburg veranstaltet Powerpoint-Karaoke:

Bei Powerpoint-Karaoke handelt es sich um einen Ableger des klassischen Karaoke, bei dem die Teilnehmer keine Liedtexte nachsingen, sondern aus dem Stegreif einen Vortrag zu ihnen vorher nicht bekannten, zufällig ausgewählten Folien halten.

Ich bin auch mit von der Partie, und zwar als Jurymitglied. Es wird bestimmt irre lustig. Also: Wer kommen kann, der komme: Di, 9.6.2009, 20 Uhr, Literaturcafé PH Ludwigsburg, Eintritt frei

Der Kommentar von apanat zu meinem Beitrag Die weiße Linie der Doppelmoral veranlasst mich nun, etwas deutlich zu machen: mein Verhältnis zu Vorträgen (Danke apanat für den Kommentar – der war wichtig).

Ich verteufele Vorträge nicht und ich finde sie auch nicht schlecht. Wirklich nicht. Fast sogar im Gegenteil: Ich mag gute Vorträge, und ich liebe es einem Vortragenden zuzuhören, der gut reden kann und Medien (wie Folien) richtig einsetzt. Gestern abend erst habe ich mir eine DVD von Manfred Spitzer angesehen, und ich finde, Manfred Spitzer kann wirklich hervorragend vortragen. Er schafft es, ohne viel Medien-Tam-Tam einen lebendigen und abwechslungsreichen Vortrag zu halten und dabei Bilder im Kopf der Zuhörer (zumindest bei mir) zu erzeugen. Hervorragend!

Mich stören also Vorträge keineswegs. Was stört mich denn dann? Mich stört es, wenn in der Hochschullehre der Vortrag als einzige Methode flächendeckend eingesetzt wird. So als wolle man sagen: Liebe Leute, in der Schule ist der reine Frontalunterricht schlecht. Hier habe ich aber keine andere Wahl, weil ihr seid ja so viele. Also setzt euch schön brav hin und hört zu.”

Insbesondere stört mich dies in der Lehramtsausbildung. Wie sollen zukünftige Lehrerinnen und Lehrer schüleraktivierenden Unterricht durchführen, mit Methodenvielfalt und Medienwechsel und allem drum und dran, wenn sie in jeder Bildungsinstitution, in der sie bislang waren (vielleicht die Grundschule ausgenommen, aber die liegt schon zu lange zurück), im Wesentlichen lehrerzentrierten Unterricht genießen durften?

Vorträge sind durchaus wertvolle Methoden – wenn sie (wie jede andere Methode) passend eingesetzt werden und nicht ausschließlich. Ich wende mich also nicht gegen Frontalphasen – viele gute Unterrichtsstunden enthalten diese – sondern ich wende mich gegen bedingungslose frontale Vorträge als methodische Monokultur an der Hochschule.

Ich möchte dabei eigentlich auch niemanden einem Vorwurf machen – welcher Hochschullehrer ist schon hochschuldidaktisch ausgebildet worden (ich ja auch nicht, und ich tappe auch im Dunkeln)? Mein Anliegen ist es einfach, meine Gedanken dazu zu äußern – einmal um sie mir selbst bewusster und klarer werden zu lassen, zum anderen um diese Überlegungen mit euch zu diskutieren.

Mein Vortrag zum Thema Forschen und Lehren in der Öffentlichkeit wurde aufgezeichnet und ist jetzt online. Vielen herzlichen Dank nochmals für die Einladung und für die technisch perfekte Organisation vom mms!

Im Wiki zum Vortrag kann übrigens weiter diskutiert werden – ich freue mich auf eure Kommentare!

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