Kelche, die an einem vorüberziehen

Veröffentlicht: Donnerstag, August 28, 2014 in Uncategorized

… oder auch nicht.

Schwere und Leichtigkeit

Veröffentlicht: Sonntag, Juni 8, 2014 in Leben

In den letzten Monaten haben mich verschiedene Dinge gedanklich beschäftigt, ohne bislang zu “mentalen Blogartikeln” herangereift zu sein. Dazu zählen unter anderem die Themen Menschenbild, Persönlichkeitsentwicklung und Reflexion. Demnächst werde ich ein paar Artikel dazu schreiben, und beginnen möchte ich heute mit einem Thema, das wunderbar zur Atmosphäre des Wave-Gotik-Treffens passt. Das Thema lautet: Tod.

Das Thema Tod ist für mich eine ganz wesentliche Grundlage, weil die eigene Sterblichkeit letztlich alles bedingt. Denn: ich bin Atheist. Ich glaube an keinen Gott. Ich habe ein stofflich geprägtes Weltbild, eine Seele gibt es nicht. Meine eigene Gehirnaktivität und damit auch mein Denken und Fühlen enden mit meinem Tod. Mich selbst gibt es nur bis zu diesem Zeitpunkt. Mit meinem Tod endet mein Ich.

Der Moment meines Todes wird mein ganz persönlicher Moment sein, in dem ich vollkommen auf mich selbst zurückgeworfen sein werde. Die Welt und das ganze Drumherum wird in diesem Moment vermutlich vollkommen irrelevant für mich sein. Ich und nur ich werde in diesem Moment die Schwelle ins Nichts überschreiten. Welch ein Moment!

Kleiner anekdotischer Exkurs: Als ich Darmstadt als Tutor bei der Klausuraufsicht unterstützen durfte, erzählte eine wissenschaftliche Mitarbeiterin, die alleine Aufsicht in einem anderen Raum gemacht hat, eine kleine Begebenheit. Der Professor lief von Raum zu Raum, um nach dem Rechten zu sehe. Als er bei ihr in den Raum kam, stellte er fest, dass außer ihr niemand Klausuraufsicht machte. Sie bemerkte seine Irritiation und sagte: “Ich bin alleine.” Er antwortete: “Sind wir das letzten Endes nicht alle?” Damals hab ich kurz gelacht, einfach weil’s witzig war. Es gibt aber kaum eine Aussage mit mehr Tiefe als diese. Letzten Endes bin ich allein auf der Welt. Und insbesondere gehen werde ich alleine.

Mein Leben ist endlich. Anschließend kommt unendlich lange nix. Was ist – zeitlich gesehen – ein endliches Leben gegen die Unendlichkeit des Nicht-Seins? Oh man! Ein endliches Leben, dann unendliches Nichts. Unendlichkeit ist verdammt viel länger, und gesamtzeitlich gesehen ist mein eigenes Leben eigentlich nur ein Wimpernschlag oder ein Furz oder so (halt was sehr kurzes). Wie kostbar ist also die eigene Lebenszeit!

Wenn ich im Sterben liegen werde (und aus oben genannten Gründen dauert das hoffentlich noch recht lange), dann will ich mir nicht vorwerfen, mein Leben nicht gelebt zu haben. Das will ich mir am Ende nicht vorwerfen! Das bedeutet aber: Ich kann das Leben nicht herausschieben. Jede Minute Lebenszeit ist kostbar. Der Gedanke ans Sterbebett hat Konsequenzen auf: jetzt.

Also: es ist mein Leben, jede Minute ist kostbar, und ich muss mich darum bemühen, mein Leben so zu gestalten, wie ich mein Leben leben möchte. Das bedeutet also: nicht vor sich herdümpeln in seinem Leben, nicht faul sein, sondern loslegen mit der bewussten Lebensgestaltung. Darin steckt eine große Radikalität!

Neben Radikalität steckt außerdem das ungute Gefühl darin, dass man diesem Anspruch vielleicht nicht gewachsen ist. Schaffe ich das denn? Was, wenn ich zu viel Zeit für Sinnloses verschwende? Oh, und wenn ich über so etwas nachdenke: wieder eine Minute weg! Die Zeit stoppt nie, gnadenlos läuft sie weiter. Tick – tack – tick – tack – …

Ich glaube, ich habe einen ganz guten Weg für mich gefunden, damit umzugehen. Eine Metapher für diesen Weg ist der Schalksnarr. Warum? Er steht für eine wunderbare Kombination aus Ehrlichkeit und Humor. Ehrlichkeit zu sich selbst ist wichtig, damit man seine eigenen Wünsche und Bedürfnisse zunächst einmal wahrnehmen und dann auch ernst nehmen kann. Man muss sein Wesen kennen, wenn man sein Leben sich selbst gemäß gestalten möchte. Die Frage lautet letztlich: Wer bin ich? Was ist meine Wahrheit? Meine persönlichen Themen, die ich für mich über einen längeren Zeitraum herausgearbeitet habe, sind beispielsweise Atheismus, Identität und Polyamorie. Das war zum Teil sehr hart und schmerzhaft. Die Beschäftigung mit bislang ignorierten persönlichen Wahrheiten ist nie angenehm – so lange hat man sie für sich totgeschwiegen! Man hat aber die Wahl: bequem sein und irgendwie leben (so wie man aufgewachsen ist und so, wie alle um einen herum leben, unreflektiert halt) oder Aufwand treiben und sein eigenes Wesen verwirklichen. Nur letzteres würde mich glücklich machen. Nur bei letzterem Weg würde ich am Ende (siehe oben) sagen können: gut gemacht! Also: ehrlich zu sich selbst sein und sich mit seinen eigenen Wahrheiten befassen.

Neben Ehrlichkeit ist Humor die zweite wichtige Komponente des Schalksnarren. Vieles im Leben kann man nicht beeinflussen, und die Tragik der eigenen Endlichkeit wäre unerträglich, wenn es sie hier nicht geben würde: Humor, Spaß, Witz. Die tragischen Dinge sehen, Wahrheiten ehrlich auf den Punkt bringen, aber bitte mit einer Prise Humor. Und damit ist nicht schwarzer Humor gemeint, auch nicht Zynismus. Es ist mehr die Aufforderung zur Leichtigkeit: Lasst uns Spielen! Lasst uns Party machen! Lasst uns tanzen!

Neulich hab ich ein Wort aus der Jugendsprache gelernt (uaaah, wenn ich das schon lese: “Jugendsprache”): YOLO! Das bedeutet: “You only live once!” Und sagen tut man es, wenn man irgendwas tut, was man normalerweise nicht tut. Und wenn ihr mal eine YOLO-Aktion macht und irgendjemand fragt euch, was für einen Sinn das hatte, dann antwortet: Es muss nicht alles Sinn machen, Hauptsache, es hat Spaß gemacht.

Der Schalksnarr schafft es, unbequeme Wahrheiten so zu verkaufen, dass sie mit Humor akzeptiert werden. Genau so sollte man sich selbst seine eigenen Wahrheiten vermitteln. Schwere durch Leichtigkeit leichter machen.

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“Gut gemacht! ” kann ich schon heute zu mir sagen. Ich bin zufrieden, wie ich selbst mit mir und meinem Leben in den letzten Jahren umgegangen bin. Das fühlt sich gut an. Wenn es so weiter geht und wenn sich diese Einschätzung nicht ändert, dann werde ich am Ende vielleicht das gleiche Gefühl haben wie heute, und damit könnte ich glücklich gehen. Und genau das will mich mir zum Ziel setzen: Jeden Tag dieses Gefühl zu haben, das alles so wie es ist genau richtig ist.

Wie sind eure Gedanken dazu? Wie geht ihr mit dem Gedanken an eure eigene Sterblichkeit um?

Jean-Pol Martins Ruhmräume

Veröffentlicht: Mittwoch, April 16, 2014 in LdLChronologie
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Beim Educamp 2014 in Frankfurt habe ich mich besonders gefreut, Jean-Pol Martin wieder zu treffen – so lange haben wir uns nicht gesehen! Und wie hätte es anders sein sollen: Jean-Pol hat wieder einen schönen Begriff mitgebracht: “Ruhmraum”. Durch das Erschaffen von Ruhmräumen schafft man sich Informationsinput, um sein Informationsverarbeitungsbedürfnis zu bedienen und um die Wahrscheinlichkeit für Flow zu erhöhen. (Wir haben schon mal in diesem Blogbeitrag dazu diskutiert.)

Zwei Interviews und eine Session-Aufzeichnung gibt es, dank lutzland:

Workshop-Party

Veröffentlicht: Montag, Februar 17, 2014 in Hochschuldidaktik, Methods

Vor einiger Zeit hat mich Oliver Tacke mit einer Idee infiziert: den Einsatz eines Partyspiels, das “Party Dinner” oder so so ähnlich heißt, und zwar nicht auf einer Party, sondern in einem Workshop. Beschrieben hat Oliver das in seinem Beitrag Aktives Zuhören in der Schillerstraße:

Vor einem Essen in geselliger Runde mit FreundInnen erhält jeder Anwesende geheime Aufträge, zum Beispiel “Klaue deinem Sitznachbarn eine Kartoffel vom Teller, ohne dass er es merkt” oder “Starte eine Diskussion zum Thema XY”. Das ist so ähnlich wie das Prinzip der Sendung Schillerstraße, bloß mit freier Zeiteinteilung. Nach dem Essen werden die Aufträge offen gelegt und es hat derjenige gewonnen, der die meisten absolviert hat.

Ich finde die Idee, das in einem Workshop mit den Teilnehmer_innen sozusagen begleitend zu spielen, total witzig. Heute hab ichs bei meinem Flipped-Classroom-Workshop in der Multimedia-Werkstatt der Universität Frankfurt ausprobiert, und das lief folgendermaßen ab:

  • Ich habe den Teilnehmer_innen anfangs erklärt, dass wir im Rahmen des Workshops auch ein kleines Experiment machen, und ich habe das Spiel “Party Dinner” so wie Oliver beschrieben.
  • Dann habe ich erläutert, dass es zwei Gruppen geben wird: Die rote und die blaue Gruppe. Jeder erhält einen roten oder blauen Geheimauftrag, den er im Rahmen des zweistündigen Workshops erledigen muss, ohne dass es jemand bemerkt. Jeder, dem dies gelingt, verschafft seiner Gruppe einen Punkt. Die Gruppe mit den meisten Punkten hat gewonnen.
  • Funny war: Ich habe die Aufträge vor Workshop-Beginn unter die Stühle mit Tesa geklebt. Ich konnte also sagen: “Um ihren Geheimauftrag zu erhalten, greifen Sie bitte mal vor sich unter den Stuhl… :-)”

Die Geheimaufträge waren dabei beispielsweise die folgenden (eine Gesamtliste gibt es auch):

  1. Wirf in einer Plenumsrunde den Begriff “Vorlesungsobertrottel” ein, ohne dass es auffällig wirkt.
  2. Jemand zweites aus deinem Team hat dieselbe Karte wie du. Findet euch durch Augenzwinkern.
  3. Erkläre einem anderen Teilnehmer, dass du die Kleidung von Christian Spannagel total unangemessen findest, und versuche ihn auf deine Seite zu ziehen.
  4. Versuche, den Text “Flipped Classroom ist cool!” auf dem Präsentationsrechner erscheinen zu lassen.
  5. Bringe in einer Plenumsrunde das Sprichwort “Der dümmste Bauer erntet die größten Kartoffeln” ein, ohne dass es auffällig wirkt.
  6. Überzeuge einen anderen Workshop-Teilnehmer davon, dass der Flipped Classroom gerade in seiner Disziplin besonders gut passt.
  7. Überzeuge einen anderen Workshop-Teilnehmer davon, dich einmal in einer deiner Lehrveranstaltungen zu besuchen.
  8. Sammle mindestens drei Visitenkarten von anderen Workshop-Teilnehmern ein.
  9. usw.

Dabei kann man drei Kategorien von Aufträgen unterscheiden: Diejenige, die einfach nur witzig sind (1-5). Diejenigen, die inhaltlich-sinnvoll sind (6). Diejenigen, die der sozialen Vernetzung dienen (7-8).

An dem Workshop haben ca. 20 Personen teilgenommen. Am Ende hatten acht davon ihren Auftrag erfüllt, vier rote und vier blaue – ein schönes Unentschieden! Eine kurze Feedback-Runde dazu hat ergeben, dass die Teilnehmer_innen es witzig fanden, dass das Spiel nicht gestört hat (bzw. nur eine Person war abgelenkt, als sie versucht hat, einen Text auf den Präsentationsrechner zu bekommen), und dass dies eine zusätzliche Spannung in den Workshop gebracht hat. Witzig war: Mir selbst ist nur eine der acht Auftragserfüllungen aufgefallen, obwohl einige Sprichwörter in der Plenumsrunde genannt wurden, die ich ja selbst eingefordert hatte. Strange!

Fazit: Auf jeden Fall wiederholenswert und ausbaufähig!

Fallen euch noch weitere witzige, inhaltlich-sinnvolle und/oder sozial-vernetzende Aufträge für das Spiel ein?

Regenbogen-Schulbücher!

Veröffentlicht: Freitag, Februar 14, 2014 in Beziehung

Zurzeit gibt es eine hitzige Diskussion um die Bildungsplan-Entwürfe des Landes Baden-Württemberg. Ihr kennt bestimmt die Petition und die Gegenpetition. Vorab: Ich habe die Gegenpetition unterzeichnet, weil ich es wichtig finde, dass dem Thema “Vielfalt sexueller Orientierungen” mehr Raum in der Schule eingeräumt wird. Wenn eine Gesellschaft möchte, dass die Vielfalt der Liebesformen zur Normalität wird, dann ist die Schule eine wichtige Einflussgröße. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass dem Thema “Sexuelle Vielfalt” in dem Papier eine seltsam prominente Rolle eingeräumt wird – besser wäre es, wenn die Vielfalt bezüglich ganz vieler Aspekte in den Vordergrund gerückt wird (also auch Vielfalt bzgl. Kultur, Religion, Behinderung – Nichtbehinderung usw.). Nichtsdestotrotz weist der Bildungsplanentwurf aus meiner Sicht den richtigen Weg, und ich wundere mich über die Emotionalität und  die Heftigkeit, mit der gegen diese Ideen vorgegangen wird.

Ich will hier gar keine allgemeine Diskussion über den Entwurf und die Petitionen anregen (das wurde an vielen anderen Stellen schon ausreichend getan). Ich möchte mal eine Idee in den Raum werfen, die mir persönlich in der Diskussion zu kurz kommt. Aber bevor ich zu der Idee komme, will ich erst mal einen Versuch machen, die Vorstellungen darüber, wie sexuelle Vielfalt in den Unterricht aufgenommen werden soll, zu ordnen.

Eine sehr oberflächliche Vorstellung geht davon aus, dass es sich um eine neue Form des Sexualkundeunterrichts handelt. Dabei geht es bei der Diskussion um die Vielfalt sexueller Orientierungen gar nicht um Sex (die Begriffsverwendung ist missverständlich), sondern um die Vielfalt von Formen von Liebesbeziehungen:  die Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen oder polyamoren Menschen usw. Es geht nicht um die sexuellen Praktiken von diesen Personengruppen. Wenn man die Vorstellung eines “modernen Sexualkundeunterrichts” hat, dann fragt man sich natürlich, welche Bedeutung dieses Thema im Sinne eines Querschnittsthemas durch alle Fächer hindurch hat. Sexualkundeunterricht findet schließlich nicht in allen Fächern statt. Aber eben das ist ja auch nicht gemeint.

Vielmehr ist damit gemeint, dass Unterricht auf die Toleranz und Akzeptanz (ja, auch über diesen Unterschied wurde viel philosophiert) alternativer Formen sexueller Orientierungen im Sinne alternativer Liebesbeziehungen ausgerichtet sein muss, und natürlich spielt dies in vielen Fächern eine Rolle. In den Fächern Deutsch, Geographie, Ethik, Biologie, Kunst, … lassen sich sicherlich vielerlei Bezüge und Diskussionsanlässe herstellen.

Mir persönlich geht das alles aber nicht weit genug. Selbst wenn dieses Thema in mehreren Fächern diskutiert würde, so würde es trotzdem den Anstrich an “Anomalität” haben: Wir müssen darüber sprechen, dass “auch diese Lebensweisen normal sind”, und deswegen sind sie es ja gerade nicht (sonst müssten wir nicht drüber sprechen). Jede explizite Diskussion im Sinne eines “Unterrichtsthemas” birgt die Gefahr, dass eben diese alternativen Formen als nicht gleichwertig betrachtet werden. Schließlich bedürfen sie einer gesonderten Behandlung.

Ich stelle mir die Umsetzung dieses Themenbereichs durch alle Fächer hindurch ganz anders vor. Beispiel: In einem Schulbuch zum Fach Englisch kommt ab und an ein schwules Paar in den Geschichten vor. Einfach so, ohne Thematisierung von Homosexualität. Ganz normal. Es wird nicht problematisiert. Es wird nicht thematisiert. Es gibt einfach Jack und John als Paar. Fertig. Wenn die Kinder von sich aus nachfragen, was es mit Jack und John auf sich hat, dann wird es gemeinsam besprochen. Wenn nicht, dann nicht. Nur so kann doch das Thema im Geiste der Normalität behandelt werden.

Damit würde auch der Einspruch relativiert, man konfrontiere Kinder mit Themen, die sie noch gar nicht beschäftigen, ganz im Sinne “Kinder, wir müssen mal über Homosexualität sprechen.” (Dies wurde beispielsweise bei Maischberger geäußert.) Sondern: Alternative Formen werden als Normalität abgebildet, und wenn Kinder dazu Fragen haben, dann bespricht man sie. So würde sich das für mich gut anfühlen.

Also, ich hätte gerne Deutschbücher, Englischbücher, Mathebücher, Ethikbücher, Physikbücher, Geographiebücher, … in denen heterosexuelle Paare, homosexuelle Paare, polyamore Beziehungen, Patchwork-Familien , …, Menschen unterschiedlicher Kulturen, behinderte und nicht behinderte Menschen, … einfach so auftauchen, in Geschichten und Kontexten, in denen es gerade nicht um diese Themen geht. Das wäre ein plausibles fächerübergreifendes  Vorgehen, das wäre die konsequente Umsetzung der Normalität der Vielfalt. Ich will Regenbogen-Schulbücher haben.

@Schulbuchverlage Könnt ihr das bitte so machen?

@all Wie denkt ihr darüber?

Videos nicht zitierbar?

Veröffentlicht: Samstag, November 23, 2013 in OeffentlicherWissenschaftler, Wissenschaft

Aus der Reihe “Seltsame Gepflogenheiten der Wissenschaft”

Vorhin erhielt ich folgende Anfrage per Mail (wurde von mir nachträglich anonymisiert):

Sehr geehrter Herr Prof. Spannagel, ich arbeite gerade an meiner Bachelorthesis zum Thema XYZ. Bei meiner Recherche zu den mathematischen Grundlagen bin ich über Ihre Vorlesung zur Zahlentheorie bei Youtube gestoßen. Als erstes möchte ich Ihnen ein Kompliment aussprechen, da Sie diese sehr gut und verständlich erklärt haben. Mein Problem ist nun, dass ich diese Grundlagen gerne in meiner Arbeit zitieren möchte, da ich aber keine Videos zitieren kann/darf, ist meine Frage nun an Sie ob Sie eine Möglichkeit wissen, wie ich diese zitieren kann. Können Sie mir möglicherweise die Ursprungsquellen nennen oder haben Sie irgendeine Art der schriflichen Ausarbeitung, die ich zitieren könnte? Mit freundlichen Grüßen, Bettina Beispiel.

Jetzt frage ich mich: Weshalb sollte man keine Videos zitieren dürfen?

  • Vermutung 1: In Texten kann man schneller die zitierte Stelle finden als in Videos. Antwort: Nein, in Videos kann man die Stelle ebenfalls sekundengenau angeben.
  • Vermutung 2: Bei Texten ist das längerfristige Vorhandensein gewährleistet. Antwort: Ich habe schon öfter versucht, an zitierte Bücher ranzukommen, was bei manchen Büchern praktisch unmöglich ist. Schneller hab ich ein Youtube-Video aufgerufen. Außerdem kann man (des Nachweises wegen) Videos ja auch (je nach Plattform) runterladen oder per Screencast aufzeichnen, wenn man einen Beleg längerfristig vorweisen muss.
  • Vermutung 3: Informationen in Texten sind vertrauenswürdiger oder von höherer wissenschaftlicher Qualität als in Videos. Antwort: Weshalb sollte man einem Text von mir eher vertrauen als einem Video?

Wer wissenschaftlich redlich arbeitet, muss alle verwendeten Quellen anführen. Wenn man also Informationen aus Videos bezieht, muss man diese anführen. Also dürften Dozent_innen die Angabe von Videos als Quellen nicht verbieten, weil man sonst zum unredlichen wissenschaftlichen Arbeiten auffordert. Oder muss man die Aufforderung gar so verstehen, dass man Videos beim wissenschaftlichen Arbeiten gar nicht verwenden darf? Ich bin gespannt, wann bei einigen Kolleg_innen ankommt, dass wir uns mittlerweile im 21. Jahrhundert befinden, dem Zeitalter digitaler, multimedialer, weltweit jederzeit abrufbarer Informationen.

Die Zitierbarkeit einer Quelle ergibt sich nicht aus dem Medienformat, sondern aus der Glaubwürdigkeit der Darstellung und der mit einem wissenschaftlichen Blick beurteilten Qualität. In Büchern kann ebenso Mist stehen wie in Videos.

Bitte an meine Student_innen: Bitte verwendet ausgiebig Videos und zitiert daraus, wenn ihr das im jeweiligen Kontext für passend haltet !

Der Mathe-MOOC steht in den Startlöchern!

Veröffentlicht: Montag, Oktober 7, 2013 in MatheMOOC
Schlagwörter:

Ja, bald ist es soweit: Unser Mathe-MOOC “Mathematisch denken!” startet in einer Woche, genauer: am 15. Oktober 2013! Und das tollste: Jeder kann mitmachen!

Wer noch nicht angemeldet ist, sollte das natürlich schleunigst nachholen! :-) Ihr könnt euch auf unserer Kursseite kostenlos anmelden.

Natürlich lernt es sich mit Freunden besser als alleine: Sobald ihr angemeldet seid, bekommt ihr einen persönlichen Link, den ihr an Freunde und Bekannte weitergeben und in euren sozialen Netzen teilen könnt. Und wenn sich Freunde von euch anmelden, bekommt ihr sogar weitere Vorschau-Inhalte freigeschaltet. :-)

Ein wenig später stoßen dann noch unsere Studierenden von der PH Heidelberg mit hinzu. Und dann geht’s rund: Wir werden gemeinsam mathematisch moocen! :-) … vielleicht sei an dieser Stelle noch eine Sache erwähnt: Wir werden kein typischer xMOOC sein mit Videos und Quizzen usw., sondern im Mittelpunkt stehen Aufgaben, die von den Teilnehmer_Innen gemeinsam bearbeitet und diskutiert werden. Und so werden wir Online-MOOC-Teilnehmer_Innen mit unseren Studierenden über die gemeinsame Online-Diskussion zu mathematischen Fragestellungen zusammenbringen.

In diesem Sinne: Wir freuen uns sehr auf den Start und sind irre gespannt. Ihr auch?

Apropos… was ist das eigentlich? Mathematisch denken? Wir haben Mannheimer_Innen befragt!

–> Hier geht’s zur Anmeldung!