Archiv für Oktober, 2007

Schlechte und gute Folien

Veröffentlicht: Montag, Oktober 22, 2007 in Didaktik des Informatikunterrichts, Teaching

Im Rahmen eines Seminars habe ich heute eine Einheit “Methodentraining: Foliengestaltung” durchgeführt. Diesmal aber anders als sonst. In der Regel habe ich einen Vortrag über Foliengestaltung gehalten. Im Gegensatz dazu habe ich heute einen Ansatz gewählt, bei dem die Teilnehmer aktiv werden müssen. Ich habe einen schlechten Foliensatz erzeugt, der zunächst von den Teilnehmern analysiert werden musste. Anschließend haben wir alle Kritikpunkte gesammelt. Hierzu zählten beispielsweise die folgenden Punkte:

  • viel zu viel Text: besser durch Bilder, Grafiken oder Tabellen ersetzen
  • schlechter Kontrast zwischen Hintergrund und Schrift
  • Schriftart: besser serifenlose Schrift (z.B. Arial) als Serifenschrift (hier Times New Roman)
  • Titelfolie und Übersicht haben gefehlt
  • Rechtschreibfehler auf den Folien
  • und natürlich lästige und sinnlose Animationen

Anschließend durften die Teilnehmer die schlechte Folien in gute ändern.

Meiner Meinung nach hat dieses Vorgehen den Teilnehmern mehr Spaß gemacht als die Vortragsvariante. Aber ich kann mich auch täuschen (Teilnehmer dürfen hier gerne widersprechen :-) )

Wer möchte, kann sich auch die katastrophalen Folien runterladen. (Nach Aussage einer Teilnehmerin hätte ich sie auch noch katastrophaler gestalten können, mit Clip Arts und Soundeffekten und so…)

Out: Klassische Vortragsseminare

Veröffentlicht: Montag, Oktober 15, 2007 in Didaktik des Informatikunterrichts, Teaching

Klassische Vortragsseminare sind out. Jedenfalls ist klar, dass die Lernwirksamkeit traditioneller Seminare von Studierenden eher als niedrig beurteilt wird. In der Regel hält in solchen Seminaren jeder Teilnehmer einen Vortrag, die anderen hören zu. In der darauffolgenden Woche hält dann jemand anders einen Vortrag. Oft werden diese Sitzungen nur “abgesessen”, weil die Themen der anderen häufig als irrelevant wahrgenommen werden.

So hat es mich heute auch nicht verwundert, dass die Teilnehmer meiner Seminars “Didaktik des Informatikunterrichts” aufstöhnten, als ich traditionelle Seminare ins Gespräch gebracht hatte. Von den Studierenden kamen anschließend sehr viele gute Anregungen, wie man traditionelle Seminare verändern müsste, um sie interessanter zu machen. Hier einige Beispiele:

  • Die einzelnen Themen sollten nicht einfach so nebeneinander stehen, sondern auch Bezüge untereinander haben.
  • Reine Vorträge sind langweilig. Es sollte auch Aufgaben und Arbeitsphasen für die Teilnehmer geben. Die Aufmerksamkeit kann auch durch Methodenwechsel aufrecht erhalten werden.
  • Die Dozenten sollten mehr Rückmeldung geben und Falsches nicht einfach stehen lassen.

Bereits im Vorfeld hatte ich mir ein Seminarkonzept überlegt, das die Nachteile des traditionellen Seminars zu umgehen versucht. Dabei habe ich mich an zwei bereits bestehenden Konzepten orientiert.

Das eine Konzept ist Lernen durch Lehren (LdL). Dabei handelt es sich um eine Unterrichtform, in der Schüler (bzw. Studierende) die Gestaltung der Unterrichtsstunden übernehmen. Dabei hat beispielsweise jeweils ein Schüler die Verantwortung für eine Stunde. Der “Lehrer-Schüler” muss dabei Lernprozesse planen, gestalten und reflektieren. Er arbeitet also didaktisch. Neben dem Halten von Vorträgen bzw. Präsentationen sollten aber auch Arbeitsphasen für die Mitschüler eingeplant werden (beispielsweise durch den Einsatz eines Arbeitsblatts, Gruppenarbeit, …). Das Konzept Lernen durch Lehren wird u. a. von Jean-Pol Martin stark vorangetrieben (vielen Dank an Steffen Büffel für diesen Hinweis). Auf Martins Projektseite sind mehrere sehenswerte Videos zu LdL enthalten. Insbesondere das Interview mit Jean-Pol Martin finde ich sehr gut.

Das andere Konzept ist das Matrixseminar nach Giani und Schroeder (2004). In diesem Konzept ist zentral, dass sich alle Studierenden auf das Thema der nächsten Woche vorbereiten. Der Vortragende der nächsten Woche stellt hierzu eine Woche vor seiner Seminarsitzung eine Kurzzusammenfassung seines Themas ins Netz, begleitet von einer Aufgabe für seine Kommilitonen. Diese müssen die Aufgabe bearbeiten und die Lösung dem Vortragenden noch vor der Seminarsitzung zukommen lassen. Dieser kann sich so ein Bild vom Stand der anderen machen und die Lösungen auch in seine Stunde einbauen.

Insgesamt wird in beiden Konzepten die Aktivität der Teilnehmer stärker gefordert als in klassischen Seminaren. Ich bin gespannt, wie die Mischung aus Lernen durch Lehren und Matrixseminar gelingen wird.

Literatur:

Giani, E. & Schroeder, U. (2004). Seminarkonzept zur aktiven Teilnahme mit BSCW-Unterstützung. Workshop “Elektronische Unterstützung der Präsenzlehre” auf der GI Jahrestagung 2004, Lecture Notes in Informatics, LNI Vol. P-50, Ulm 2004, p. 424 – 428.

Martin, J.-P. (2002). Lernen durch Lehren (LdL). Die Schulleitung – Zeitschrift für pädagogische Führung und Fortbildung in Bayern. Heft 4. Dezember 2002. 29. Jahrgang, S.3-9

Virtueller Rechentisch

Veröffentlicht: Freitag, Oktober 12, 2007 in Mathematics, Tools

VirtuellerRechentisch

Vor einiger Zeit habe ich mal ein bisschen mit Fotos rumgespielt und dabei den virtuellen Rechentisch programmiert, auf dessen Oberfläche man Rechenpfennige bewegen kann. Damit kann man das Rechnen auf der Linien (nach Adam Ries) mit authentischen Objekten nachvollziehen.

Wer möchte, kann sich auch die Offline-Version herunterladen.

(Die beiden Löcher in dem Tisch kommen übrigens daher, weil irgend so ein Scherzkeks im Laufe der Jahrhunderte die Tischplatte als Tür benutzt hat.)

Prozessorientierte completion problems

Veröffentlicht: Freitag, Oktober 5, 2007 in Jacareto, Research

Am letzten Wochenende fand die Tagung des Arbeitskreises Mathematikunterricht und Informatik der GDM in Soest statt. In diesem Rahmen habe ich einen Vortrag gehalten zum Thema Computerbasierte Aufgaben zum Vervollständigen von Teillösungen. In diesem Vortrag habe ich die Frage beantwortet, wie man prozessorientierte Vervollständigungsaufgaben (process-oriented completion problems) für die Nutzung von Software erstellen kann.

Kurze Erläuterung, was prozessorientierte completion problems sind: Bildschirmvideos sind allseits bekannt als Mittel, Prozesse mit Software aufzuzeichnen (beispielsweise in einer Tabellenkalkulation o.ä.). Andere können sich diese Prozesse dann ansehen und die einzelnen Schritte zur Lösung eines Problems mit der gezeigten Software nachvollziehen. Werden in dem Video auch Problemlösestrategien externalisiert, spricht man von prozessorientierten Lösungsbeispielen (process-oriented worked examples; vgl. van Gog, Paas & van Merriënboer, 2004). Prozessorientierte Vervollständigungsaufgaben (process-oriented completion problems) sind hingegen unvollständige Lösungsbeispiele. In ihnen wird beispielsweise nur der Anfang eines Problemlöseprozesses vorgeführt. Die Aufgabe der Lernenden ist es dann, diesen zu vervollständigen. Prozessorientierte completion problems kann man aber nicht mit normalen Bildschirmvideos herstellen. Wenn der Lerner sich das Video angesehen hat, kann er den Prozess nicht einfach fortsetzen. Er muss zunächst alle im Video gezeigten Schritte in seinem Programm (z.B. der Tabellenkalkulation) durchführen, bevor er weitermachen kann. Praktisch wäre es hingegen, wenn das Bildschirmvideo direkt im Programm ablaufen würde. An dieser Stelle hat mein Vortrag angesetzt: Ich habe gezeigt, wie man mit CleverPHL prozessorientierte completion problems herstellen kann. Die mit CleverPHL aufgezeichneten Aktionen werden nämlich direkt im Programm wiedergegeben. Der Lerner kann nach Betrachten des Videos direkt “weitermachen”.

CleverPHL ist Teil das Capture&Replay-Frameworks Jacareto und kann kostenlos heruntergeladen werden. Es kann Aktionen in Programmen aufzeichnen, die in der Programmiersprache Java geschrieben sind.

Das Ganze wird auch einem Beitrag für den Tagungsband erläutert werden. Für diejenigen, die es nicht erwarten können ;-) : Das Prinzip habe ich auch in meiner Dissertation beschrieben (unter dem Begriff unvollständige Modellierung).

Die Tagung des Arbeitskreises war übrigens sehr schön. Es gab viele wertvolle Diskussionen. Ein Grund, sich auf das Treffen im nächsten Jahr zu freuen.

Literatur:

van Gog, T., Paas, F. & van Merriënboer, J. J. G. (2004). Process-Oriented Worked Examples: Improving Transfer Performance Through Enhanced Understanding. Instructional Science 32, 83–98

Spannagel, C. (2007). Benutzungsprozesse beim Lernen und Lehren mit Computern. Hildesheim, Berlin: Franzbecker.

Interessante Suchanfragen

Veröffentlicht: Mittwoch, Oktober 3, 2007 in Queries

Es macht mir immer wieder Spaß, in meiner Weblog-Statistik die Suchanfragen durchzusehen, über die Personen auf mein Weblog gekommen sind. Die Highlights kann ich ja einfach mal veröffentlichen. Hier ist das erste Highlight:

die extras vom skype für was sind die

Wer gibt denn sowas in google ein?

Zumindest bin ich der erste Treffer bei dieser Suchanfrage. :-)

Fallbasiertes Erste-Hilfe-Training

Veröffentlicht: Dienstag, Oktober 2, 2007 in Learning, Teaching

Ich bin Ersthelfer an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Das bedeutet, dass ich regelmäßig an Erste-Hilfe-Schulungen teilnehme. Heute war wieder eine solche Schulung. Ich bin für diese Trainings immer sehr dankbar, da man doch so einiges vergisst.

Das Training heute war anders als das letzte, und mir hat es richtig gut gefallen. Der Ansatz, den der Trainer gewählt hat, war fallbasiertes Lernen (case-based learning).  Zwei Teilnehmer haben eine Situation nachgespielt. Ein Teilnehmer (der Verletzte) erhielt eine Karte, auf der Stand, welche Verletzung er hat und wie er sich verhalten soll. Ein anderer Teilnehmer (der Helfer) musste dann auf die Situation angemessen reagieren (er kannte natürlich nicht den Inhalt der Karte). Anschließend wurde gemeinsam über die Situation diskutiert: Hat der Helfer richtig reagiert? Wie hat der Verletzte sich bei der Hilfsmaßnahme gefühlt? Was hätte man besser machen können?

Dieses Training hat mir wieder einmal gezeigt, dass ich die Inhalte in meinen eigenen Lehrveranstaltungen mehr an Fällen ausrichten muss. So kann an konkreten Handlungen diskutiert werden. Theoretische Überlegungen gehen dann von der Situation aus und lassen sich daran verankern. Außerdem werden Inhalte dadurch lebendig und bleiben nicht so theoretisch-trocken.

Außerdem habe ich erfahren, dass es seit 2006 eine standardisierte vereinfachte stabile Seitenlage gibt. Interessant.

Kategorisieren und Klassifizieren

Veröffentlicht: Dienstag, Oktober 2, 2007 in Mathe und der Rest der Welt, Mathematics

Ich möchte ein neues Artikel-Format in meinem Weblog einführen, ähnlich wie es beim Weblog DIE mathematiKLernseiten gemacht wird: Wenn mir inhaltliche Fragen gestellt per E-Mail gestellt werden, die auch andere interessieren könnten, dann beantworte ich sie in meinem Weblog. Dem Studierenden, der mir diese Frage gestellt hat, schicke ich dann den Link zurück. Einerseits ist damit dem Studenten geholfen. Andererseits haben evtl. auch andere etwas davon. Außerdem kann man über Kommentare gemeinsam zu den Inhalten ins Gespräch kommen.

Hier die erste Frage:

Was ist der Unterschied zwischen Kategorisieren und Klassifizieren? Oder kann man beide Begriffe synonym verwenden?

Diese Frage beantwortet der Wikipedia-Artikel über Kategorisierung sehr schön: Kategorisierung und Klassifizierung bedeuten im Grunde genommen dasselbe, „Klassifizierung“ bezieht sich jedoch auf mathematische oder technische Prozesse oder Strukturen, „Kategorisierung“ auf Psychologie und Bedeutung.

Ich würde auch sagen, dass Kategorisierung eher ein psychologischer Begriff ist (Lernen von Konzepten und Denken in Konzepten). Klassifizierung ist eher ein mathematischer Begriff (Zuordnung von Objekten zu Klassen). Aber vermutlich gibt es auch andere Definitionen und Bedeutungen dieser Begriffe. Vielleicht kann hierzu an dieser Stelle eine Diskussion entstehen?