Archiv für Samstag, März 15, 2008

Computer sind immer noch nicht richtig im Klassenzimmer angekommen. Es gibt so viele wirklich gute Werkzeuge, die das Lernen unterstützen können (beispielsweise Tabellenkalkulation und dynamische Geometriesysteme in der Mathematik, Google Earth in der Geographie, Simulationen in der Physik, …). Dennoch lassen sich diese Werkzeuge in der Regel nicht ohne organisatorischen Aufwand einsetzen:

  • Oft muss der Computerraum in der Schule reserviert werden. Ein Raumwechsel ist notwendig.
  • Sind Laptops vorhanden (vermutlich noch eine Seltenheit), so muss dafür gesorgt werden, dass die Akkus aufgeladen sind, und der Laptop-Schrank muss u.U. geholt werden.
  • Darüber hinaus ist immer ein administrativer Aufwand notwendig, um die Software auf dem aktuellen Stand zu halten usw.

Der Idealzustand hingegen wäre, dass der Computer einfach am normalen Schülerplatz vorhanden ist und bei Bedarf hervorgeholt und verwendet wird, ähnlich wie der Taschenrechner. Ob das mit Laptops jemals der Fall sein wird, wage ich zu bezweifeln, trotz 100-Dollar-Laptop-Initiativen u.ä.

Wagen möchte ich hingegen einmal eine Prognose: Der Einsatz von IT im Unterricht wird durch die Verfügbarkeit leistungsfähiger, mobiler Kleingeräte (“Gadgets”) erst richtig ins Rollen kommen. Wenn auf Geräten in Handygröße bzw. Taschenrechnergröße die Lernanwendungen laufen, dann erst können die IT-Werkzeuge ohne großen Aufwand bei Bedarf verwendet werden. Mir schwebt der Schüler vor, der sich im Mathematikunterricht sein Gadget schnappt und auf dem darauf gespeicherten dynamischen Geometriesystem Konstruktionen erstellt oder im Tabellenkalkulationssystem des Handys Berechnungen durchführt.

Dabei würden nicht mal hohe Anschaffungskosten anfallen – ein Handy hat ohnehin jeder. Eine wichtige Voraussetzung wäre allerdings, dass die Software auch auf beliebigen Gadgets läuft (beispielsweise per Java).

Wir sind heute zwar noch nicht so weit, dass dieses Szenario in der Breite realisiert werden kann, aber wir sind auf dem besten Wege dahin. In der Online Education Database werden beispielsweise 100 Ways to Use Your iPod to Learn and Study Better beschrieben (via JochenEnglish). Es ist natürlich abzusehen, dass die Kleingeräte in Zukunft noch leistungsfähiger und flexibler einsetzbar werden.

Ich freue mich schon auf meine Veranstaltungen in ferner (?) Zukunft, in denen ich den Teilnehmern sagen kann: “Nehmen Sie mal Ihren MP3-Player raus und untersuchen Sie mal die folgende Konstruktion, die Sie sich hier herunterladen können.” :-)

Ein Plädoyer für eine wissenschaftsmündige Gesellschaft

Veröffentlicht: Samstag, März 15, 2008 in Web 2.0

Einer der besten Artikel, die ich in jüngster Vergangenheit gelesen habe: Der Dreiteiler über Wissenschaftsblogs von Marc Scheloske auf wissenswerkstatt.net. Er bringt dort genau auf den Punkt, wie ich mir die Verwendung von Weblogs in der Wissenschaft vorstelle:

  • Wäre es nicht ideal, wenn zwischen Wissenschaftlern einer Disziplin ein reger Ideenaustausch in Weblogs stattfinden würde?
    So können sich Menschen vom Fach gegenseitig helfen und wertvolle Anregungen geben.
  • Wäre es nicht ideal, wenn zwischen Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen ebenfalls spontan und kreativ über Weblogs kommuniziert werden würde?
    So würden Wissenschaftler Anregungen aus anderen Fächern bekommen und evtl. vorhandene “Scheuklappen” für einen wertvollen Blick nach links oder rechts ablegen.
  • Wäre es nicht ideal, wenn sich auch Nicht-Experten in den Diskurs einmischen und sich an der Diskussion beteiligen würden?
    So würde mancher Wissenschaftler die Bodenhaftung behalten und hätte zudem einen Anreiz, seine Expertise allgemeinverständlich darzulegen.

Insbesondere der letzte Punkt beeindruckt mich. Scheloske formuliert es so:

Bedingung ist freilich, daß sich der wissenschaftliche Blogger darüber im Klaren ist, daß er sich innerhalb seines Blogs angreifbar macht: wer als akademischer Star für gewöhnlich nur mit Kollegen derselben Hierarchiestufe diskutiert, der wird überrascht sein, wenn ihm irgendein Student eine flüchtig dahingeschriebene Argumentation “zerpflückt” – daß im Impressum möglicherweise ein “Prof. Dr.” steht, interessiert für den Blogdiskurs kaum.

Der offene Dialog zwischen Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern über Weblogs könnte ein erster Schritt in eine wissenschaftsmündige Gesellschaft werden, also eine Gesellschaft, in der jeder an der wissenschaftlichen Diskussion teilhaben kann.

Marc Scheloske zählt gerade einmal 180 Wissenschaftsblogs in Deutschland. Vermutlich gibt’s schon noch ein paar mehr, weniger leicht auffindbare. Trotzdem: Viel zu wenig!

Hier geht’s zum Dreiteiler: