Computer sind immer noch nicht richtig im Klassenzimmer angekommen. Es gibt so viele wirklich gute Werkzeuge, die das Lernen unterstützen können (beispielsweise Tabellenkalkulation und dynamische Geometriesysteme in der Mathematik, Google Earth in der Geographie, Simulationen in der Physik, …). Dennoch lassen sich diese Werkzeuge in der Regel nicht ohne organisatorischen Aufwand einsetzen:
- Oft muss der Computerraum in der Schule reserviert werden. Ein Raumwechsel ist notwendig.
- Sind Laptops vorhanden (vermutlich noch eine Seltenheit), so muss dafür gesorgt werden, dass die Akkus aufgeladen sind, und der Laptop-Schrank muss u.U. geholt werden.
- Darüber hinaus ist immer ein administrativer Aufwand notwendig, um die Software auf dem aktuellen Stand zu halten usw.
Der Idealzustand hingegen wäre, dass der Computer einfach am normalen Schülerplatz vorhanden ist und bei Bedarf hervorgeholt und verwendet wird, ähnlich wie der Taschenrechner. Ob das mit Laptops jemals der Fall sein wird, wage ich zu bezweifeln, trotz 100-Dollar-Laptop-Initiativen u.ä.
Wagen möchte ich hingegen einmal eine Prognose: Der Einsatz von IT im Unterricht wird durch die Verfügbarkeit leistungsfähiger, mobiler Kleingeräte (“Gadgets”) erst richtig ins Rollen kommen. Wenn auf Geräten in Handygröße bzw. Taschenrechnergröße die Lernanwendungen laufen, dann erst können die IT-Werkzeuge ohne großen Aufwand bei Bedarf verwendet werden. Mir schwebt der Schüler vor, der sich im Mathematikunterricht sein Gadget schnappt und auf dem darauf gespeicherten dynamischen Geometriesystem Konstruktionen erstellt oder im Tabellenkalkulationssystem des Handys Berechnungen durchführt.
Dabei würden nicht mal hohe Anschaffungskosten anfallen – ein Handy hat ohnehin jeder. Eine wichtige Voraussetzung wäre allerdings, dass die Software auch auf beliebigen Gadgets läuft (beispielsweise per Java).
Wir sind heute zwar noch nicht so weit, dass dieses Szenario in der Breite realisiert werden kann, aber wir sind auf dem besten Wege dahin. In der Online Education Database werden beispielsweise 100 Ways to Use Your iPod to Learn and Study Better beschrieben (via JochenEnglish). Es ist natürlich abzusehen, dass die Kleingeräte in Zukunft noch leistungsfähiger und flexibler einsetzbar werden.
Ich freue mich schon auf meine Veranstaltungen in ferner (?) Zukunft, in denen ich den Teilnehmern sagen kann: “Nehmen Sie mal Ihren MP3-Player raus und untersuchen Sie mal die folgende Konstruktion, die Sie sich hier herunterladen können.”