Archiv für März, 2008

Besuch im Mathematikum

Veröffentlicht: Dienstag, März 18, 2008 in Mathematics

Vor zwei Wochen haben wir einen Institutsausflug ins Mathematikum nach Gießen gemacht. Dort gibt es zahlreiche spannende “hands-on activities”, die einen zum Staunen und Grübeln bringen. Besonders beeindruckt haben mich die Seifenblasenformen in verschiedenen Halterungen (Würfel, Tetraeder, …). Außerdem lustig: Man kann sich selbst in eine Seifenhülle einhüllen, wie folgendes Foto eindrücklich belegt:

Christian in der Seifenhülle

Richtig gut finde ich am Mathematikum, dass es keine Erklärungen gibt. Das heißt: Man muss selbst denken! In vielen Situationen kann man heute irgendwo irgendwas nachschauen (was ja auch gut ist), aber darüber vergisst man häufig das eigene Denken. Das Mathematikum bringt einen immer wieder in Situationen, in denen man wirklich ins Nachdenken kommt, und falls man keine Erklärung findet, bleibt einem immerhin das Wundern und Staunen. Toll!

Integration (aber richtig)

Veröffentlicht: Dienstag, März 18, 2008 in Web 2.0

Mit Web-2.0-Diensten ist schon ein richtiger Schritt in Richtung Integration verschiedener Dienste gemacht worden. RSS-Feeds ermöglichen die Zusammenführung von Informationen von verschiedenen Stellen, und Mashups verbinden Dienste verschiedener Anwendungen, um dadurch eine neue Gesamtfunktionalität zu schaffen. Auf meiner pageflakes-Seite beispielsweise kann ich Informationen aus verschiedenen Anwendungen nebeneinander darstellen, indem ich entsprechende “Flakes” auswähle und anordne.

Was mir aber immer noch fehlt, ist die tatsächliche Integration der Information. Momentan stehen die Dienste in Web-2.0-Services oft nur nebeneinander, beispielsweise wenn man mehrere RSS-Feeds in getrennten Widgets irgendwo einbindet. Verknüpfungen zwischen den Feeds werden aber nur selten geboten.

Ich denke beispielsweise an die folgenden Szenarien:

  • Ich suche in einer Suchmaschine nach einem Begriff, beispielsweise “Social Software”. Neben den “normalen” Suchergebnissen wird mir außerdem angezeigt, dass ein Bekannter von mir in seinem Weblog gerade gestern über “Social Software” einen Artikel geschrieben hat, und dass ein anderer Freund vor zwei Tagen einen passenden Link in seinem Social-Bookmarking-Dienst abgelegt hat.
  • Ich schreibe einen Weblog-Artikel, beispielsweise über “Social Software”. Dabei erscheint unter dem Artikel ein Bereich, in der diejenigen Elemente aus RSS-Feeds angezeigt werden, die sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigen (natürlich nur diejenigen RSS-Feeds, die ich selbst abonniert oder entsprechend für diese Funktion angegeben habe).
  • Ich lese News und bekomme bei jeder Meldung angezeigt, wer von meinen Bekannten sich dazu bereits in irgendeiner Form geäußert hat.

Ich denke nicht mal an eine Verknüpfung über Semantik im Sinne des semantic web. Für die oben beschriebene Art der Integration würde das einfache Scannen von RSS-Feeds nach gleichen oder ähnlichen Begriffen vollkommen genügen. Meine Ansicht nach müsste also noch viel mehr echte Verknüpfungsarbeit von den Tools selbst geleistet werden, um einen echte Vernetzung zu erreichen. Momentan leistet man diese Art der Verknüpfung noch selbst.

Kennt jemand Anwendungen, die in diese Richtung gehen?

Würfel- oder quaderförmige Behältnisse

Veröffentlicht: Dienstag, März 18, 2008 in Teaching

Ich möchte demnächst die Temperaturabnahme heißen Wassers in verschiedenen Behältnissen demonstrieren und suche dafür Glasbehälter, die würfel- oder quaderförmig sind. Folgende Bedingungen wären ideal:

  • Der Würfel / Quader ist aus einem Material, dass annähernd 100°C heißes Wasser aushält (Glas?).
  • Das Gefäß ist durchsichtig, so dass man den Inhalt sehen kann.
  • Das Behältnis gibt es in verschiedenen Größen (also beispielsweise Würfel mit 10 cm, 20 cm und 30 cm Kantenlänge). Falls es sich um Quader handelt, sollten die unterschiedlichen Quader ähnlich sein (im mathematischen Sinn).
  • Idealerweise sollten die Behälter nur oben ein kleines Loch zum Einfüllen des Wassers haben. Ein Deckel stattdessen wäre auch super. Zur Not können sie oben auch komplett offen sein.
  • Falls es sich um Quader handelt, dann sollten sie eher hoch als breit sein, d.h. die kleinste Seitenfläche sollte die Öffnung haben (ähnlich einem Standzylinder).

Kennt jemand solche Gefäße? Oder vielleicht einen Händler, der solche Gefäße vertreibt?

[ebenfalls gepostet im Forum chemikalien.de]

Computer sind immer noch nicht richtig im Klassenzimmer angekommen. Es gibt so viele wirklich gute Werkzeuge, die das Lernen unterstützen können (beispielsweise Tabellenkalkulation und dynamische Geometriesysteme in der Mathematik, Google Earth in der Geographie, Simulationen in der Physik, …). Dennoch lassen sich diese Werkzeuge in der Regel nicht ohne organisatorischen Aufwand einsetzen:

  • Oft muss der Computerraum in der Schule reserviert werden. Ein Raumwechsel ist notwendig.
  • Sind Laptops vorhanden (vermutlich noch eine Seltenheit), so muss dafür gesorgt werden, dass die Akkus aufgeladen sind, und der Laptop-Schrank muss u.U. geholt werden.
  • Darüber hinaus ist immer ein administrativer Aufwand notwendig, um die Software auf dem aktuellen Stand zu halten usw.

Der Idealzustand hingegen wäre, dass der Computer einfach am normalen Schülerplatz vorhanden ist und bei Bedarf hervorgeholt und verwendet wird, ähnlich wie der Taschenrechner. Ob das mit Laptops jemals der Fall sein wird, wage ich zu bezweifeln, trotz 100-Dollar-Laptop-Initiativen u.ä.

Wagen möchte ich hingegen einmal eine Prognose: Der Einsatz von IT im Unterricht wird durch die Verfügbarkeit leistungsfähiger, mobiler Kleingeräte (“Gadgets”) erst richtig ins Rollen kommen. Wenn auf Geräten in Handygröße bzw. Taschenrechnergröße die Lernanwendungen laufen, dann erst können die IT-Werkzeuge ohne großen Aufwand bei Bedarf verwendet werden. Mir schwebt der Schüler vor, der sich im Mathematikunterricht sein Gadget schnappt und auf dem darauf gespeicherten dynamischen Geometriesystem Konstruktionen erstellt oder im Tabellenkalkulationssystem des Handys Berechnungen durchführt.

Dabei würden nicht mal hohe Anschaffungskosten anfallen – ein Handy hat ohnehin jeder. Eine wichtige Voraussetzung wäre allerdings, dass die Software auch auf beliebigen Gadgets läuft (beispielsweise per Java).

Wir sind heute zwar noch nicht so weit, dass dieses Szenario in der Breite realisiert werden kann, aber wir sind auf dem besten Wege dahin. In der Online Education Database werden beispielsweise 100 Ways to Use Your iPod to Learn and Study Better beschrieben (via JochenEnglish). Es ist natürlich abzusehen, dass die Kleingeräte in Zukunft noch leistungsfähiger und flexibler einsetzbar werden.

Ich freue mich schon auf meine Veranstaltungen in ferner (?) Zukunft, in denen ich den Teilnehmern sagen kann: “Nehmen Sie mal Ihren MP3-Player raus und untersuchen Sie mal die folgende Konstruktion, die Sie sich hier herunterladen können.” :-)

Ein Plädoyer für eine wissenschaftsmündige Gesellschaft

Veröffentlicht: Samstag, März 15, 2008 in Web 2.0

Einer der besten Artikel, die ich in jüngster Vergangenheit gelesen habe: Der Dreiteiler über Wissenschaftsblogs von Marc Scheloske auf wissenswerkstatt.net. Er bringt dort genau auf den Punkt, wie ich mir die Verwendung von Weblogs in der Wissenschaft vorstelle:

  • Wäre es nicht ideal, wenn zwischen Wissenschaftlern einer Disziplin ein reger Ideenaustausch in Weblogs stattfinden würde?
    So können sich Menschen vom Fach gegenseitig helfen und wertvolle Anregungen geben.
  • Wäre es nicht ideal, wenn zwischen Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen ebenfalls spontan und kreativ über Weblogs kommuniziert werden würde?
    So würden Wissenschaftler Anregungen aus anderen Fächern bekommen und evtl. vorhandene “Scheuklappen” für einen wertvollen Blick nach links oder rechts ablegen.
  • Wäre es nicht ideal, wenn sich auch Nicht-Experten in den Diskurs einmischen und sich an der Diskussion beteiligen würden?
    So würde mancher Wissenschaftler die Bodenhaftung behalten und hätte zudem einen Anreiz, seine Expertise allgemeinverständlich darzulegen.

Insbesondere der letzte Punkt beeindruckt mich. Scheloske formuliert es so:

Bedingung ist freilich, daß sich der wissenschaftliche Blogger darüber im Klaren ist, daß er sich innerhalb seines Blogs angreifbar macht: wer als akademischer Star für gewöhnlich nur mit Kollegen derselben Hierarchiestufe diskutiert, der wird überrascht sein, wenn ihm irgendein Student eine flüchtig dahingeschriebene Argumentation “zerpflückt” – daß im Impressum möglicherweise ein “Prof. Dr.” steht, interessiert für den Blogdiskurs kaum.

Der offene Dialog zwischen Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern über Weblogs könnte ein erster Schritt in eine wissenschaftsmündige Gesellschaft werden, also eine Gesellschaft, in der jeder an der wissenschaftlichen Diskussion teilhaben kann.

Marc Scheloske zählt gerade einmal 180 Wissenschaftsblogs in Deutschland. Vermutlich gibt’s schon noch ein paar mehr, weniger leicht auffindbare. Trotzdem: Viel zu wenig!

Hier geht’s zum Dreiteiler:

Selektive Wahrnehmung

Veröffentlicht: Freitag, März 14, 2008 in Psychology

Endlich: Ich hab schon oft davon gelesen, aber nie ein entsprechendes Video zur selektiven Wahrnehmung gefunden. Auf martins privatem weblog gibt’s eins. Wirklich beeindruckend!

Gute und schlechte Tags: eine Umfrage

Veröffentlicht: Freitag, März 14, 2008 in Web 2.0

Steffen Büffel veranstaltet momentan gemeinsam mit dem Institut für Wissensmedien in Tübingen eine Umfrage zum Thema Tagging. Ich habe gerade teilgenommen, und da ich die Umfrage für sehr gut halte, möchte ich hier ein bisschen Werbung dafür machen. Man kann dabei sogar durchaus etwas über Tagging und auch über das eigene Verhalten beim Taggen lernen! Also: teilnehmen! :-)

Zur Umfrage: Good Tags, Bad Tags!

Netzsensibilität und verteilte Kognition

Veröffentlicht: Freitag, März 14, 2008 in Cooperative Learning, Learning

Jean-Pol Martin hat einen Begriff geprägt, der mir im Lichte des Web 2.0 und zukünftiger Möglichkeiten zur Vernetzheit äußerst gut gefällt: Netzsensibilität. Nach Martin bezeichnet der Begriff “ein sowohl kognitiv als auch emotional wahrgenommenes Gespür für die Interdependenz und Verwobenheit der Welt und aller ihrer Konstituenten (Menschen, Regionen, Länder, Kontinente)”. Sie bezieht sich sowohl auf reale als auch virtuelle Netze. Damit in Zukunft Menschen miteinander fruchtbare Diskussionen führen und wertvolle Verbindungen eingehen, müssen sie sensibler für ihre Vernetztheit und deren Bedeutung für die Kommunikation werden. Eng damit zusammen hängt seine Metapher von Neuronen, die durch Interaktion ein gemeinsames Ganzes schaffen. Netzsensibilität bedeutet in diesem Bild, dass man wissen und fühlen mus, dass man als einzelnes Neuron Teil eines großen Netzes ist, indem man gemeinsam Wissen konstruieren kann.

Stark erinnert mich dieses Konzept an den Ansatz der verteilten Kognition (distribution cognitions), der u.a. von Salomon geprägt wurde. Hier wird der soziale Aspekt der Wissenskonstruktion hervorgehoben. Man konstruiert nicht als einzelner Wissen, sondern im Austausch mit anderen. Dabei sind Menschen mit unterschiedlichem Vorwissen und unterschiedlichen Kompetenzen beteiligt, sodass die gesamte kognitive Konstruktionsleistung erst durch die Vernetzung der “einzelnen Gehirne” zustande gebracht wird. Kognitionen können nach diesem Ansatz aber nicht nur “auf mehrere Köpfe verteilt” werden, sondern auch auf Werkzeuge. So nimmt mir beispielsweise ein Tabellenkalkulationssystem lästige Rechnungen ab, sodass meine eigene Kapazität frei wird für wertvollere Überlegungen. Das Tabellenkalkulationssystem und ich sind dann ein System verteilter Kognitionen.

Insgesamt sollten beide Ansätze bewirken, sich als einzelnen Denker nicht allzu wichtig zu nehmen und sich vielmehr als Teil der denkenden Gruppe zu begreifen, die sich auf der Basis unterschiedlicher Fähig- und Fertigkeiten gegenseitig unterstützt und weiterbringt.

Literatur:

Dreckige Wäsche

Veröffentlicht: Samstag, März 8, 2008 in Web 2.0

Schade, dass Personen, die eigentlich eine Vorbildfunktion hinsichtlich des Web 2.0 einnehmen sollten, unnötigerweise private Dinge falsch platzieren und damit die positiven Aspekte des Web 2.0 in Frage stellen, wie man einem Artikel der Süddeutschen entnehmen kann. Darüber hinaus sind sich viele Blogger immer noch nicht ihrer Verantwortung bewusst, wenn Sie über andere Personen schreiben. Man darf eben nicht alles bloggen, was “blogbar” ist. Es gibt neben den rechtlichen Grenzen auch moralische. Und wenn das Web 2.0 zum Sinnbild öffentlicher Beleidigungen und Denunziation wird, wird es immer schwieriger, die positiven Aspekte herauszustellen und den Nutzen für die persönliche Kompetenzentwicklung und das kooperative Lernen herauszustellen.

Was ist so schwierig daran, sich auf die fruchtbare Diskussion von Inhalten zu beschränken und von privaten, persönlichen und intimen Dingen die Finger zu lassen? Vielleicht sollte man – wie im Bewerberblog vorgeschlagen – über einen Blogger-Ethos nachdenken? Vielleicht mit einer Art Button (“Gütesiegel”), das man sich selbst auf sein Weblog klebt (“Ich blogge fair!” o.ä.)? Gibt’s so etwas vielleicht schon? Was meint ihr: Wo sind die Grenzen dessen, worüber man bloggen darf bzw. sollte?

[sz-Artikel gefunden im bewerberblog]

Selbstgespräche

Veröffentlicht: Samstag, März 8, 2008 in Zeitgeist

Woran ich mich immer noch nicht gewöhnt habe, sind die Menschen, die durch die Straßen gehen und Selbstgespräche führen. Also nur scheinbar. Weil Sie mit Stöpsel im Ohr über ihr Handy telefonieren. Ich muss sagen, ich war schon einige Male irritiert und dachte, einen “Verrückten” vor mir zu haben, der aber doch irgendwie zu normal wirkte.

Schön, dass ich nicht der einzige bin, dem’s so geht. Umberto Eco geht’s nämlich auch so, wie im Interview mit Martin Scholz auf der Seite von Frankfurter Rundschau Online zu lesen ist: “Seit es das Handy gibt, können wir auf der Straße immer öfter Menschen beobachten, die scheinbar mit sich selbst sprechen, während sie spazieren gehen. Früher hätte man ein solches Verhalten als seltsam oder anormal bezeichnet. Damals waren es die Dorftrottel, die in einer Ecke standen und mit sich selbst sprachen. [...] Heute ist so was selbstverständlich und in Italien besonders ausgeprägt. Die Menschen haben einen Stöpsel im Ohr, und sie telefonieren. Nur sieht man das nicht auf den ersten Blick, wenn man hinter ihnen hergeht.

[Interview gefunden im weiterbildungsblog]