Wie gewinnt man Mitstreiter für virtuelle Kooperationsprojekte? Diese Frage beantwortet Jean-Pol Martin in einem Beitrag bei den Blogpiloten: Netzsensibilität. Wie man Mitstreiter findet und bindet! 7 Tipps!
Virtuelle Projekte
Freitag, Mai 9, 2008 von cspannagel
Veröffentlicht in Collaboration, Communication, Web 2.0 | 15 Kommentare
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- Also Leute, ich verabschiede mich mal bis Mittwoch aus dem Netz. Die Leute von der Tagung hier kriegen keinen ordentlichen Zugang hin. 4 hours ago
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- Der Vortrag momentan ist eher langweilig und schlecht gemacht. 11 hours ago
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Hi Chrisp, für mich klingt das aber mehr nach einer “Brute Force”-Taktik. Alle Regler hochfahren: viele Leute kontaktieren, viele Ideen haben, viele Details preisgeben — klar, wenn da dann nur 1% hängenbleibt, dann hat man schon ein paar Mitstreiter gefunden… halte ich für keine Lösung.
Je mehr ich mich mit der Frage befasse, wie man das Internet zum “Gehirn” machen kann (im Grunde ist es das schon, nur muss man das erkennen), desto überzeugter bin ich, dass die oben aufgelisteten Regeln zielführend sind, auch wenn sie stressig wirken. Nur so kann der Prozess der Wissenskonstruktion beschleunigt werden, der entsteht, wenn Menschen (als Neurone) wichtige Informationen herausselegiern und zur Verarbeitung weiterleiten. So wird kollektiv relevantes Wissen (und nur “relevantes” ist wahres Wissen) konstruiert.
Das geht alles ein bißchen nach dem Muster: Einer macht, die anderen machen mit. Aber gute Netzwerke und gute Projekte sind immer “in Augenhöhe” gemeinsame Projekte. Es ist schon richtig, daß häufig 1 Person die Iniitierung macht. Aber wenn die “Mitstreiter” nicht in die kooperative Planung (und Sinn- und Zielformulierung!) einbezogen werden, sondern immer mit “neuen interessanten Zielen” der Führungsperson konfrontiert werden, dann kriegt man entweder nur Schlappis ins Netz, oder immer wieder andere und nur für kurze Zeit, oder die guten Leute zeigen den Vogel und verschwinden wieder. Nur Sozialkontakt und Anerkennung und irgendwie Sinn “an sich” reicht überhaupt nicht zur längerfristigen gemeinsamen Arbeit. Es sei denn – ja: Es käme überhaupt nur darauf an, dass das Netz groß ist und busy, egal, was es macht. Aber dann kann es keine Produkte herstellen und keine Probleme lösen. Dann ist es nur ein Selbstzweck. Ja, das Internet wird zum kollektiven Gehirn bzw. zu kollektiven Gehirnen. Aber ich glaube nicht, dass es sich so formal steuert, sondern nur mit Sinn. Und dabei geht es immer um den individuellen persönlichen Sinn der Akteure.
@Ulli: 1% ist immer noch besser als 0%. Von daher halte ich das für eine Lösung.
@Lisa: Du hast natürlich recht – die anderen an der virtuellen Kooperation beteiligten Personen müssen ebenso an der Zielformulierung und Sinnfindung beteiligt sein. Ich denke, Jean-Pol spricht hier vor allem Situationen an, in denen man es mit “trägen” Mitstreitern zu tun hat. Hier sollte jeder, der aktiver beteiligt ist, neue Gedanken und Anregungen einbringen, um die anderen zur Mitarbeit zu motivieren. Dies muss aber nicht unbedingt der Initiator sein. Diese Aufgabe kann von jedem Beteiligten erfüllt werden, dem das Fortkommen des Projekts am Herzen liegt.
@Ulli und Christian
Meine Beschreibung bezieht sich auf die Anfangssituation. Ulli hat völlig recht, wenn Sie die Gefahr von Aktionismus aufzeigt. Aber es benötigt schon einen großen Energieaufwand, um ein virtuelles, kollektives Projekt in Gang zu setzen und in Gang zu halten, auch wenn alle Beteiligten selbständige und aktive Individuen sind. Meist sind diese Leute in verschiedenen Projekten involviert und bereit, auch bei diesem spezifischen mitzumachen, aber es bedarf immer wieder Impulse und Initiativen vom Ursprungsinitiator, damit das Projekt nicht einschläft. Und das kann ganz plötzlich passieren (Chaostheorie).
Diese Erfahrung habe ich auch schon mehrfach gemacht: Die Anfangssituation ist die schwierigste. Natürlich nicht “ganz am Anfang”: Hier beteuern alle Beteiligten noch ihr großes Interesse. Sobald es dann aber ans Eingemachte geht, wird gerne zur Inaktivität übergegangen. Hier bedarf es ständiger Impulse, Anregungen und “incentives”.
@Lisa
“Aber gute Netzwerke und gute Projekte sind immer “in Augenhöhe” gemeinsame Projekte. Es ist schon richtig, daß häufig 1 Person die Iniitierung macht. Aber wenn die “Mitstreiter” nicht in die kooperative Planung (und Sinn- und Zielformulierung!) einbezogen werden, sondern immer mit “neuen interessanten Zielen” der Führungsperson konfrontiert werden, dann kriegt man entweder nur Schlappis ins Netz, oder immer wieder andere und nur für kurze Zeit, oder die guten Leute zeigen den Vogel und verschwinden wieder.”
- Absolut richtig. Aber die von mir oben genannten Regeln sind konform zu deiner Analyse. Die Führungsperson muss alle Verhaltensweisen zeigen, die ich aufgelistet habe (ohne diese Basics läuft überhaupt nichts) und alles, was du positiv genannt hast, einschließen. Beides ergänzt sich. Wichtig ist vor allem, dass Ziele, die man von Anfang an konsensuell festgelet hat, beibehalten werden. Das ist wohl das Wichtigste überhaupt. Dranbleiben!
Sorry, wenn ich hier insistiere, aber mir fallen immer wieder neue Aspekte ein.
Wenn ein Ziel einmal definiert ist, bewirkt jeder Schritt in die festgelegte Richtung, dass eine neue Situation entsteht und sich neue Perspektiven eröffnen (wie bei einer Wanderung im Gebirge z.B.). Daher werden ununterbrochen neue Ideen generiert, die allerdings in der einmal festgelegten Richtung weiterführen. Und der “Führungseffekt” rührt daher, dass meistens nur eine Person sich voll und ganz für den Prozess verantwortlich fühlt und dementsprechend auch viel Energie investiert. Wie hier sichtbar befasse ich mich Tag und Nacht mit diesem Projekt. Es ist dann logisch, dass mir ununterbrochen etwas einfällt. Gut, dass es nicht nur diese Plattform gibt, sondern viele anderen!;-))))
Schönes Bild mit dem Gebirge. Die Führungsperson / der Initiator ist dabei der Führer durch das Gebirge, der immer wieder sagt: Schaut mal, dort hat sich ein Weg aufgetan, den könnten wir auch gehen, wir können aber auch hierlang gehen, diesen Weg halte ich auch für gehenswert” usw.
Die anderen Teilnehmer der Expedition haben dabei immer mehr die Möglichkeit, die Entscheidungen der Gruppe selbst zu beeinflussen (”Ich würde gerne hier lang gehen. Wollt ihr auch?”). Im Idealfall werden Gruppenentscheidungen dabei von allen gleichermaßen angeregt, diskutiert und mitgetragen.
Exakt das!!!!!!!
Ich fühle mich voll verstanden!
Und hier im Video wird es ganz am Ende auch optisch veranschaulicht:
http://de.youtube.com/watch?v=SunpdbwV3HA
Und noch etwas: das “Problem” aber auch die enorme Herausforderung für den “Führer” ist, dass die TN immer kompetenter werden und immer mehr Felder “erobern” wollen. Der Führer muss also schon sehr lange das ganze geplant haben, damit er ganz weit schauen kann, während die TN einen Hügel nach dem anderen klettern!
Das gilt natürlich auch für den Unterricht in der Schule oder an der Uni. Wenn die Leute Blut geleckt haben, dann brauchen sie immer mehr. Meine LK-Schüler haben mich voll ausgesaugt. Sie schrieben jedes Wochenende Hausaufgaben in einem Umfang von etwa 4 Din A4 Seiten (Schreibmaschine) und ich verbrachte meine ganzen Wochenenden zwei Jahre lang nur mit Korrekturen.
Und du merkst hier, wie sehr ich durch die Interaktionen auch für mich selbst lerne und vorankomme!
Aber jetzt ist Schluss, ich habe eine Veranstaltung und fahre dann nach Paris…
Viel Spaß in Paris!
Sehr kritischer Kommentar von Lisa Rosa zu meinen 7 Regeln auf dem Blog von Steffen Büffel und meine Antwort dazu:
“Insgesamt vermisse ich einen Sinn hinter dieser Einstellung zum Netzwerken: Es scheint, als wäre das Netzwerken selbst schon der Sinn.”
- Ja, die Bildung eines Netzwerkes hat bereits einen Sinn. Denn mit einem Netzwerk kann man immer wieder Probleme lösen, die sich neustellen. Auch das Gehirn hat einen Sinn, bevor überhaupt neue Aufgaben angegangen werden.
Guter Punkt! Darüber hatte ich auch schon mal nachgedacht, aber keine so gute Antwort gefunden.