Archiv für Mai, 2008

Viele Wissenschaftler sind im alten Paradigma sozialisiert. Kennzeichen des alten Paradigmas sind Profilierung, Egozentrik, Hierarchie, Misstrauen und Angst vor Irrtum (das klingt jetzt sehr negativ – es ist sicher eine Überzeichnung, aber die Tendenz stimmt). Offene Diskussionen bzgl. der eigenen Forschungs- und Lehrtätigkeit, vielleicht auch noch weltweit im Internet einsehbar, sind in der Regel nicht gewünscht. Dies zeigen beispielsweise auch die Diskussionen um die Plattform meinprof.de. Auf dem EduCamp haben wir in einer Sitzung mit Steffen Büffel über Nachwuchswissenschaftler und das alte bzw. neue Paradigma diskutiert – hier von Mo zusammengefasst.

Ich habe mich jetzt entschlossen, den Weg des öffentlichen Wissenschaftlers einzuschlagen. Inspiriert dazu wurde ich von unserer Arbeit in der Gruppe Neuron!, insbesondere von Jean-Pol Martin, der selbst sehr viel im Internet veröffentlicht und die vollkommene Offenheit bzgl. seiner Gedanken pflegt.

Ich habe zwei Wiki-Seiten angelegt, die momentan zwar noch Baustellencharakter haben, die sich in Zukunft aber weiterentwickeln und mit Inhalten und Diskussionen füllen werden. Die eine Seite beschreibt meine Philosophy of Teaching, die andere mein Forschungsprofil. Ich rege dazu an, ich fordere regelrecht dazu auf, dort zu kommentieren und mit mir in den Dialog über meine Lehr- und Forschungsaktivitäten zu treten. Bislang habe ich diesen Stil ja schon mehr oder weniger in meinem Weblog geführt. Durch die beiden neuen Bereiche möchte ich diese Vorgehensweise aber noch stärker forcieren und noch mehr Informationen im Netz der Diskussion übergeben.

Worüber schreibe ich dort?

  • Ich lege die didaktisch-methodischen Konzepte zu meinen Lehrveranstaltungen offen.
  • Ich reflektiere öffentlich meine Lehrerfahrungen.
  • Ich beschreibe meine Forschungstätigkeit und diskutiere neue Forschungsideen.

Ich möchte damit Kollegen und Studierende gleichermaßen erreichen. Diese Offenlegung kann dabei der engeren Verknüpfung von Forschung und Lehre dienen. Und natürlich dürfen auch alle andere mitdiskutieren. Insbesondere von Menschen, die nicht vom Fach sind, erhoffe ich mir wertvolle Anregungen. Dies hilft dabei, die eigene Forschungsarbeit zu “erden”.

Neben der Publikation fertiger Ergebnisse in Fachzeitschriften und auf Konferenzen erhoffe ich mir durch die öffentlichen Diskussionen insbesondere Anregungen in den frühen Phasen neuer Forschungs- und Lehrideen. Ich sehe dies als Möglichkeit, durch kollektive Wissenskonstruktion neue Ideenressourcen zu erschließen. Darauf freue ich mich sehr!

Twitter in der Disco

Veröffentlicht: Sonntag, Mai 18, 2008 in Web 2.0

Gestern abend bin ich auf folgende Idee gekommen: Wäre es nicht witzig, in der Disco eine Twitterwall, d.h. ein Display, auf dem Twitternachrichten angezeigt werden, zu haben? Die Gäste könnten dann per Handy, UMTS und wasweißich Kommentare abgeben. Zum Beispiel:

  • Ich wünsche mit das Lied XYZ von der Gruppe BlaBlubb.
  • DJ: Spiel mal was Gescheites!
  • Ich suche meine Jacke (schwarz, mit Tribalmuster). Hat sie jemand gefunden?
  • Fährt jemand noch nach Stuttgart zurück und kann mich mitnehmen?

Außerdem könnten Leute auch von zu Hause ihre Kommentare abgeben (z.B., dass sie heute doch nicht in die Disco gehen oder so).

Wär doch lustig…

twhirl

Veröffentlicht: Samstag, Mai 17, 2008 in Web 2.0

Mein dritter Weblog-Eintrag zu twitter heute (egal): Endlich habe ich es geschafft, den TwitterClient twhirl mal auszuprobieren: Gefällt mir sehr gut. Bislang habe ich über mein pageflakes-Twitter-Flake oder über Flock getwittert. Auf Dauer ist dies aber recht unübersichtlich. Zum Beispiel bekommt man dort direct messages nicht mit, und auch persönlich Ansprache (mit @) sieht man nicht sofort. Twhirl hilft dabei durch farbige Hervorhebung von Nachrichten (grün: persönliche Ansprache, gelb: direct messages usw.). Außerdem spart man sich das lästige Tippen von Accountnamen, da man Kontextmenüs zur Verfügung hat.

(Der twhirl-Tipp kam von DenQuer)

Wozu überhaupt Twitter?

Veröffentlicht: Samstag, Mai 17, 2008 in Web 2.0

Der Webworkblogger gibt Antworten: 17 sinnvolle Anwendungsideen für Twitter

Twittervision

Veröffentlicht: Samstag, Mai 17, 2008 in Web 2.0

Nettes Mashup: Twittervision zeigt in Echtzeit auf der Weltkarte, wo gerade jemand getwittert hat.

(gefunden beim webworkblogger)

Neuer Artikel: Lernen mit Web-2.0-Anwendungen

Veröffentlicht: Donnerstag, Mai 15, 2008 in Publications, Research, Web 2.0

In dem Themenheft “Interaktionen”, das im Rahmen der Zeitschrift Navigationen von Kai Schubert, Sigrid Schubert und Volker Wulf herausgegeben wird, ist ein neuer Artikel von Ulrik Schroeder und mir erschienen: Lernen mit Web-2.0-Anwendungen. Hier die Kurzfassung:

In modernen Informations- und Dienstleistungsgesellschaften sind neue Technologien für den Informations- und Wissenserwerb von zentraler Bedeutung. Lernen ist dabei im Wesentlichen lebenslanges Lernen: Personen fordern aus ihrem Arbeitskontext heraus aktiv Informationen an (learning-on-demand) und erarbeiten gemeinsam in Teams Problemlösungen (cooperative learning). Lernumgebungen müssen dabei natürlicher Bestandteil von Arbeitsumgebungen mit einfachem Zugriff und intuitiver Bedienung sein. Zusätzlich sind Möglichkeiten zum kooperativen Lernen und zum sozialen Austausch erforderlich. Da Technologien, die lebenslanges Lernen unterstützen, ein wesentlicher Bestandteil zukünftiger Arbeitsplätze sein werden, müssen in Schulen und Hochschulen entsprechende Kompetenzen im Umgang mit solchen Werkzeugen erworben werden und Lehrpersonen diese adäquat in die Lernprozesse einbauen.

In letzter Zeit verändert sich das Internet im Sinne aktiven, kooperativen Gestaltens. Im Web 2.0 wandern lokale Anwendungen ins Netz, Inhalte lassen sich intuitiv und mit geringen Technikkenntnissen erstellen, und neue Formen von Kommunikation und Kooperation zwischen aktiven Internetnutzern entstehen (social software). Das Web 2.0 bietet Lernenden die Möglichkeit, aktiv und selbstgesteuert Information aufzunehmen und selbst zu gestalten. Dabei spielt die gemeinsame Wissenskonstruktion eine wesentliche Rolle. Wichtig wird dabei das „Lernen lernen“ (Meta-Lernen) mit Techniken des Web 2.0 zu unterstützen und auf das gemeinsame Lernen auszurichten.

In diesem Artikel werden die Eigenschaften des Web 2.0 hinsichtlich aktiven und sozialen Lernens diskutiert. Die Vorzüge verschiedener Web-2.0-Anwendungen wie Wikis, Weblogs, Podcasts und Social Bookmarking werden im Lichte aktiven Lernens in situativen Kontexten erläutert. Dabei wird sowohl auf das Lernen in Schule und Hochschule als auch auf das lebenslange, kontinuierliche Lernen eingegangen.

Und hier noch die genaue Literaturangabe:

Schroeder, U. & Spannagel, C. (2008). Lernen mit Web-2.0-Anwendungen. Navigationen. Zeitschrift für Medien- und Kulturwissenschaften 8(1), 59-79.

Weblogs vs. Heftaufschrieb: 5 Unterschiede

Veröffentlicht: Mittwoch, Mai 14, 2008 in Web 2.0

Jonathan hat in einem Kommentar zu meinem Artikel Weblogs in der Schule einen interessanten Aspekt aufgegriffen:

Mich interessiert übrigens vor allem die Frage nach dem didaktischen Mehrwert der Web2.0-Tools. Also die Vorteile, die sich beim Schreiben in einem Blog für den Lernprozess ergeben, gegenüber dem klassischen Schreiben im Heft. Man lernt ja nicht automatisch besser, nur weil man an einem Computer schreibt.

Das Schreiben an einem Computer hat selbstverständlich keinen Mehrwert. Dies erinnert mich an alte Versuche in der Lernforschung, “Computer gegen Papier” laufen zu lassen, ohne auf die Medieneigenschaften zu blicken. Denn es ist schließlich nicht das Medium an sich, dass einen Vorteil bringt (Texte am Computer lesen ist ähnlich wie Texte auf Papier lesen), sondern das Ausnutzen bestimmter Eigenschaften, die ein Medium gegenüber einem anderen bietet.

Welche Vorteile bietet nun das Schreiben in Weblogs gegenüber dem Schreiben in ein Heft? Mir fallen spontan die folgenden Vorteile ein:

  1. Man schreibt für eine andere Leserschaft. Den Heftaufschrieb liest man vermutlich nur selbst, den Blogeintrag aber potenziell die ganze Welt. Man macht sich beim Schreiben in ein Weblog also mehr Gedanken darüber, wie man die Dinge so aufschreibt, dass es auch andere verstehen. Dies hilft dabei, den Sachverhalt genauer zu durchdenken und seine Darstellung klarer zu fassen. Außerdem erlebt man sich dadurch als autonom und kompetent (vgl. den Artikel von Reinmann & Bianco).
  2. Man kann aus einem Weblog heraus andere Beiträge verlinken, wodurch der Artikel Teil eines Netzwerks und somit Bestandteil eines größeren semantischen Kontexts wird.
  3. Wohl größter Unterschied zum Heftaufschrieb ist aber das Feedback, das man über Kommentare und Trackbacks von Lesern bekommt. Jeder Weblog-Eintrag ist eine Aufruf zu Kommunikation und kollaborativer Wissenskonstruktion.
  4. Wenn man sich durch seine Artikel eine Stamm-Leserschaft hält und selbst regelmäßig die Weblogs eben dieser Leser liegt, dann werden die Weblogs Mittel zur Vernetzung von Menschen (soziale Eingebundenheit). Eine soziale Gruppe mit einem gewissen Interessenskontext bildet sich aufgrund des Weblog-Netzes.
  5. Nicht zu unterschätzen sind technische Trivialitäten wie die Suche über alle Weblog-Artikel. Wenn ich mein Weblog als Wissensmanagementsystem verwende, dann kann ich einfach auf alte Gedanken und Erkenntnisse zugreifen. Beim Heftaufschrieb ist das schon schwieriger.

Diese Liste ist bestimmt nicht vollständig. Welche Gründe fehlen noch? :-)

Virtuelle Projekte

Veröffentlicht: Freitag, Mai 9, 2008 in Collaboration, Communication, Web 2.0

Wie gewinnt man Mitstreiter für virtuelle Kooperationsprojekte? Diese Frage beantwortet Jean-Pol Martin in einem Beitrag bei den Blogpiloten: Netzsensibilität. Wie man Mitstreiter findet und bindet! 7 Tipps!

Weblogs in der Schule

Veröffentlicht: Freitag, Mai 9, 2008 in Web 2.0, Web 2.0 in der Schule

In dieser Woche beschäftigen wir uns im Seminar “Web 2.0 in der Schule” mit den Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Weblogs in der Schule. Im folgenden Video ist eine Mitteilung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars enthalten:

Hier sind einige Texte über Weblogs in der Lehre, die Sie evtl. inspirieren können bzw. deren Inhalte Sie mit Ihren eigenen Gedanken in Verbindung bringen können. Es geht in einigen Texten nicht direkt um Schule, aber vielleicht haben Sie ja Ideen, wie man die dargestellten Szenarien auf die Schule übertragen kann? Schauen Sie doch mal in den ein oder anderen Text hinein! Es lohnt sich wirklich!

Viel Spaß beim Bloggen, Lesen und Kommentieren! :-)

Im Seminar “Computereinsatz in der Schule” behandeln wir verschiedene Rollen des Computers im Unterricht: Computer als Kommunikationsdienst, Computer als Informationsdienst, Computer als Programmiersystem usw. Wie man sich leicht vorstellen kann, gibt es unendlich viele Möglichkeiten, wie man das Seminar inhaltlich ausgestalten kann. Dabei ist problematisch, dass man sich als Dozent sehr leicht verschätzt und Dinge macht, welche die Teilnehmer langweilen oder die bereits in anderen Veranstaltungen gemacht worden sind.

Daher habe ich mit heute entschieden, eine Abwandlung der Galeriemethode zu verwenden, um einerseits die verschiedenen Rollen des Computers im Unterricht gemeinsam mit den Teilnehmern zu elaborieren und um andererseits Themen zu bestimmen, die wir in den weiteren Seminarsitzungen behandeln werden. Folgendes Vorgehen habe ich dabei gewählt: Auf mehrere Whiteboards habe ich jeweils eine Rolle des Computers als Überschrift geschrieben. Die Teilnehmer haben sich in Gruppen zu 2-3 Personen zusammengefunden und auf die Whiteboards verteilt. Die Aufgabe dabei war, zu der Rolle des Computers auf dem Whiteboard ein Brainstorming zu machen. Nach 5 Minuten wurde im Uhrzeigersinn rotiert, sodass die Gruppen jetzt vor einem anderen Whiteboard standen. Hier konnten sie zunächst die Ergebnisse der vorherigen Gruppe lesen und schließlich ihre weiteren Ideen hinzufügen. Nachdem alle Gruppen an allen Whiteboards gewesen waren, sind wir als Gesamtgruppe von Whiteboard zu Whiteboard gelaufen, haben Fragen geklärt und Themen ausgemacht, welche die Teilnehmer besonders interessieren.

Ich muss sagen, dass ich diese Methode für absolut geeignet halte, um in einem komplexen und aspektreichen Themenfeld mögliche Seminarinhalte zu bestimmen, die auch die Teilnehmer interessiert. Vielleicht hat ein Teilnehmer Lust, das zu kommentieren? Wie hat Ihnen die Methode gefallen?

Hier sind übrigens die Ergebnisse. Die Fotos können den Teilnehmern gleichzeitig als Ideensammlung für neue Weblog-Artikel dienen: Vielleicht möchten Sie sich einen Aspekt herausgreifen und einen Artikel dazu schreiben?

Computer als Kommunikations- und Kooperationsdienst
Kommunikations-_und_Kooperationsdienst

Computer als Informationsdienst
Informationsdienst

Computer als Lehr- und Lernmedium
Lehr-_und_Lernmedium

Computer als Denkwerkzeug
Denkwerkzeug

Computer als Programmiersystem
Programmiersystem