Archiv für Sonntag, Juni 15, 2008

Feedback zu meiner Lehre

Veröffentlicht: Sonntag, Juni 15, 2008 in OeffentlicherWissenschaftler, Teaching

Dies ist ein Artikel, der in erster Linie die Teilnehmer meiner Lehrveranstaltungen anspricht, aber auch alle anderen interessierten Personen:

In allen Situationen, in denen Menschen lehren und lernen, ist Feedback sehr wichtig, damit das eigene Handeln realistisch bewertet und gegebenfalls angepasst werden kann. So ist das Feedback des Dozenten zum Lernverhalten der Studierenden wichtig, damit diese wissen, ob sie auf dem richtigen Weg sind oder ob sie Dinge besser machen können. Ebenso ist aber auch das Feedback der Studierenden an den Dozenten sehr wichtig, denn auch Dozenten benötigen Rückmeldungen zu ihrem Lehrverhalten, damit sie wissen, was sie bereits ganz gut machen und was sie besser machen könnten.

Ich bin sehr stark an Ihrer Meinung zu meinen Lehrveranstaltungen interessiert. Als öffentlicher Wissenschaftler möchte ich dabei die Diskussion nicht im “Geheimen” führen, sondern öffentlich. Warum das?

  • Ich bin für maximale Transparenz meines wissenschaftlichen Handelns. Ich werde von öffentlichen Mitteln bezahlt und möchte daher auch meine Arbeit öffentlich machen.
  • Der Diskurs über meine Lehrveranstaltungen kann nicht nur mir nützen, sondern auch anderen Personen (Dozenten, Lehrern, …). Wenn wir gemeinsam diskutieren, wie ich meine Lehrveranstaltungen verbessern kann, dann können sich vielleicht auch andere Personen Anregungen holen. Ebenso können Personen von außen wertvolle Anregungen liefern!
  • Die Diskussion kann über mehrere Semester hinweg fortgeführt werden, und Teilnehmer zukünftiger Veranstaltungen können nachvollziehen, welche Überlegungen und Diskussionen zu bestimmten didaktischen Veranstaltungskonzepten geführt haben. Die Entwicklung meines Lehrkonzeptes wird so transparent.

Ich lade Sie daher dazu ein, mit mir in die Diskussion zu treten. Ich habe meine Lehrphilosophie bei Wikiversity öffentlich beschrieben. Dort gibt es auch eine Diskussionsseite. Da es sich um ein Wiki handelt, können Sie Ihr Feedback, Ihre Anregungen und Ihre Kritik auf jeder Seite einfach einbringen. Klicken Sie auf “Bearbeiten”, tragen Sie Ihre Ideen ein, und speichern Sie den Text.

Und: Nur Mut! Ich verspreche Ihnen, dass ich keine Äußerung übel nehmen werde (und diese Versprechung mache ich hier immerhin öffentlich!). Im Gegenteil: Ich bin für Kritik jeglicher Form sehr dankbar. Ich kann trotzdem verstehen, wenn Sie diesbezüglich Bedenken haben. Daher müssen Sie auch Ihren Namen nicht angeben (lediglich die IP-Adresse wird bei Wikiversity vermerkt). Sie dürfen aber natürlich auch gerne ohne Weiteres Ihren Namen nennen: Dies würde es uns erleichtern, die Diskussion auch bei einem Treffen z.B. “auf dem Gang” oder “in der Mensa” aufzugreifen und weiterzuführen, oder Sie wissen untereinander, wer welche Äußerung gemacht hat, und können darüber z.B. vor der Lehrveranstaltung weiterdiskutieren.

Also: Ich bin gespannt auf Ihre positiven Rückmeldungen, Ihre Kritik und Ihre Verbesserungsvorschläge!

Wertschätzung

Veröffentlicht: Sonntag, Juni 15, 2008 in OeffentlicherWissenschaftler

Heute ging das Neuron!-Treffen in Ludwigsburg zu Ende. Es war ein Treffen voller Anregungen und Denkanstöße, die mich weiterhin stark beschäftigen werden. Ein Begriff, der mich in unseren Diskussionen stark beeindruckt hat, ist der Begriff Wertschätzung.

Durch mein Konzept des öffentlichen Wissenschaftlers möchte ich deutlich machen, dass ich jede Idee, jeden Beitrag, jede Kritik, jeden Verbesserungsvorschlag zu meiner wissenschaftlichen Tätigkeit wertschätze. Dabei ist völlig unerheblich, von wem die Anregungen kommen. Egal ob Wissenschaftler, Student, Schüler, Lehrer, irgendwer, ganz egal: Jeder Beitrag zählt. Jeder.

Ich habe schon oft gehört, dass Menschen sich nicht trauen, Beiträge zu verfassen, weil sie denken, sie wären unerheblich, sie könnten sie nicht intelligent genug formulieren, oder sie hätten zu wenig Hintergrundwissen und würden deshalb vermuten, dass sie etwas Dummes sagen würden. Hierzu ein ganz deutliches Statement: Es ist genau das Gegenteil der Fall. Ich habe so oft die Erfahrung gemacht, dass gerade diejenigen Äußerungen besonderen Tiefgang hatten, die mit einer derartigen Unsicherheit geäußert wurden. Beiträge, die mit “Ich bin ja nicht sicher, ob das überhaupt irgendwie wichtig ist, aber…” und “Ich verstehe nicht viel von der Sache, aber könnte man nicht sagen, dass…” sind in der Regel die eigentlich wertvollen. Und zwar deswegen, weil sie Äußerungen mit einer gewissen Echtheit sind und jeglicher Pseudointellektualität (!) entbehren. Genau diese Beiträge sind nämlich intelligent. Sie beruhen nicht unbedingt auf “Gelehrtheit” und auf akademischen Graden, sondern auf persönlicher Einsicht. Sie sind die Produkte eigenen Denkens, und nicht einfach Rezitationen von fremden Gedanken, denen man so oft in “wissenschaftlichen” Diskursen begegnet. Alexander hat dies am Wochenende sehr schön formuliert: Nicht der Titel ist entscheidend, sondern der Mensch. Nur weil jemand einen Doktortitel hat, bedeutet das nicht, dass er klügere Sachen als andere von sich gibt. Es bedeutet nur, dass er sich über einen längeren Zeitraum hinweg mit einem Thema intensiv auseinandergesetzt hat. Mehr nicht. Jegliche Meinung zählt zu einem bestimmten Thema, egal, wie viel man schon darüber gelesen hat. Belesenheit kann einem gerade zu den Blick auf die wesentlichen Erkenntnisse versperren.

Sollte man sich also als Dozent und Wissenschaftler im Bildungsbereich nicht geradzu die Meinung von Schülern, Lehrern, Studenten, Kollegen, Eltern, bildungsinteressierten Menschen, … zu seiner eigenen Tätigkeit einholen? Sollte man nicht geradezu den Diskurs suchen, um möglichst viele, gute Anregungen aus möglichst vielen Perspektiven zu erhalten?