Im Urlaub und online?

Veröffentlicht: Dienstag, August 5, 2008 in Web 2.0

In den letzten Tagen wurde ich öfter mal gefragt: “Was? Du bist im Urlaub und trotzdem online?” oder “Du liest deine E-Mails im Urlaub?” oder “Auch im Urlaub öffentlich?”

Mmh. Die Frage “Was? Du bist im Urlaub und trotzdem online?” hat für mich in etwa den gleichen Stellenwert wie die Frage “Was? Du bist im Urlaub und atmest?” Online sein ist für mich gleichbedeutend mit vernetzt sein, und zwar vernetzt mit zahlreichen Menschen und Inhalten, die mich interessieren. Weshalb sollte ich im Urlaub aufhören, am Leben der vielen Twitterati, die ich verfolge, beteiligt sein zu wollen? Weshalb sollte ich im Urlaub nicht mit Studierenden und Arbeitskollegen kommunizieren? Klar – wenn es darum geht, dass ich etwas arbeiten soll, weise ich freundlich darauf hin, dass ich im Urlaub bin. Aber dennoch lese und beantworte ich gerne E-Mails oder kommentiere in Weblogs – einfach weil es mir Spaß macht zu kommunizieren. Und schließlich bin ich ja auch sonst privat online, also selbstverständlich auch im Urlaub.

Vermutlich ist dies eine Frage, die sich besonders im akademischen Bereich stellt, weil man an der Hochschule eben (zumindest geht’s mir so) immer online ist und ständig das Netz benötigt. Da wird vermutlich der Urlaub als “Freiheit vom Netz” empfunden. Stelle man sich aber nun einmal vor, dass man auf der Arbeit überhaupt kein Netz hätte und sonst immer abends privat ins Netz ginge (ich vermute mal, dass es solche Menschen gibt :-). Ist da der Urlaub nicht die ideale Gelegenheit, länger online sein zu können?

Ich denke sogar, dass ich persönlich immer noch zu wenig vernetzt bin (obwohl ich länger online bin als 98% der deutschen Internetnutzer). Ich kann jetzt zwar auch per Handy online gehen. Das Volumen, das ich bei meinem Tarif zur Verfügung habe, ist aber begrenzt, so dass ich unterwegs mit der Vernetztheit haushalten muss. Dennoch: Ich habe die Hoffnung, in naher Zukunft permanent vernetzt zu sein. Das, was viele jetzt vielleicht noch als abschreckend bezeichnen würden, wird sicher kommen, und ich freue mich drauf.

Ich höre schon die altbekannten Stimmen von damals, als die Handys gerade richtig aufkamen und als öffentliches Telefonieren per Handy als Angebertum angesehen wurde. Damals habe ich folgenden Spruch bestimmt einhundert mal gehört: “Ich habe aus Prinzip kein Handy, weil ich nicht immer erreichbar sein möchte”. Mein Einwand, dass man das Handy ja auch einfach ausschalten kann, wenn man nicht erreichbar sein möchte, aber trotzdem eins hat, wenn man erreichbar sein will, hatte damals wie heute irgendwie niemand entkräften können. Genau so sehe ich das auch mit dem permanenten Onlinesein – oder sollte ich besser sagen: mit der permanenten Möglichkeit zum Onlinesein. Denn nichts anderes wird es sein. Wenn ich nicht online sein will, schalte ich den Zugang ab. Aber, bitte: ich will immer die Möglichkeit dazu haben, vernetzt zu sein. Insofern freue ich mich auf die Zukunft – allen Bedenkenträgern zum Trotz!

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Kommentare
  1. René sagt:

    Ein wirklich spannendes Thema, welches wir im Projektblog ja auch – unter einem anderen Schwerpunkt – diskutieren. Bei uns heißt es: Grenzen zwischen Lern- und Lebenswelten.
    So wie bei Dir die Grenzen zwischen Arbeit und Privaten hinsichtlich des Online-Seins offenbar verschwimmen oder bewusst gar nicht vorhanden sind, fragen wir uns, ob dies nicht auch ein sinnvolles Szenario fürs schulische Lernen ist. Wieso künstliche Trennungen aufbauen zwischen Schule und Privat – wieso nicht beim Surfen auch mal auf dem Schulportal vorbeischauen oder im Unterricht das private Netzwerk zur Recherche nutzen?
    Als Historiker halte ich die Trennung zwischen Arbeit und Privaten – so sehr ich sie zugegebenermaßen auch verinnerlicht habe – für recht neu bzw. modern. Lange Zeit war eine solche Trennung der Menschheit fremd und man bewegte sich wie selbstverständlich ohne eine räumliche Trennung – die es zugegebenermaßen damals auch nicht gab.
    Dem neuen Web 2.0-Gedanken der Vernetzung würde es ja geradezu entgegenstreben, sich aus der Community zurückzuziehen. Wie widersprüchlich so etwas ist, zeigt sich immer wieder, wenn Leute Projekte à la “2-Wochen-offline” starten.
    Ich wünsche auf jeden Fall erholsamen online-Urlaub und freue mich natürlich, dass Du nicht “abtauchst”.
    Viele Grüße by http://www.blog.initiatived21.de

  2. cspannagel sagt:

    Die Idee, dies auch im schulischen Bereich umzusetzen, gefällt mir gut. Allerdings wäre hier vermutlich SEHR VIEL Umdenken notwendig – bei Lehrern und Schülern. Ich halte es aber durchaus für denkbar, insbesondere mit Web-2.0-Tools, solche Szenarien schon mal im Kleinen auszuprobieren…

  3. Sammelmappe sagt:

    Noch vor drei Jahren habe ich viel Wert darauf gelegt, im Urlaub nicht online zu sein. Jetzt ist mir das nicht mehr möglich. Ich muss die Blogs vom Spam freihalten und auch einen Teil der E-Mails beantworten. Die dienstlichen E-Mails lese ich im Urlaub, beantworte sie aber nur im akuten Notfall.

  4. cspannagel sagt:

    @Sammelmappe Das klingt aber ganz nach einem notwendigen Übel. :-)

    Ich habe durchaus Lust auf’s Online-Sein!

  5. Jana sagt:

    Im Urlaub hat man endlich mal die Zeit experimentell etwas auf online-Basis zu testen, ohne ständig den Gedanken der Effizienz im Hinterkopf beachten zu müssen, weil man ja noch diese und jene Arbeit rechtzeitig zum Termin fertigstellen muss.
    Dadurch wird der Aufenthalt im Web spielender und in meinen Augen wesentlich entspannter. Damit entspricht dies einigen Anforderungen, die ich an einen Urlaub habe.

  6. cspannagel sagt:

    @Jana Genau so sehe ich das auch! Der Urlaub ist die Zeit, in der man z.B. die Web-2.0-Tools ausprobieren kann, die man sich “schon immer mal” ansehen wollte. :-)

  7. Stormcloud sagt:

    Sehe ich auch so. Nach Friendfeed, Plurk und Pownce wird livestream.fm mein nächstes Testfeld sein.
    Wie wichtig das Online-sein im Urlaub noch sein wird, werde ich noch am eigenen Leib erfahren. Für den 22.08 steht ein Prowiderwechsel an und irgendwie will ich an die “voraussichtlich 6 Tage”, die das dauern soll, nicht wirklich glauben :-(

  8. cspannagel sagt:

    @Stormcloud Ui, “voraussichtlich” 6 Tage klingt gar nicht gut…

  9. Hallo,
    ich bin auch im Urlaub:-)
    eigentlich wollte ich bloß sagen, dass ich Deine Ansicht jetzt nur noch meiner Frau zu erklären brauche…
    Mal im Ernst: Mich interessierte an irgendeiner anderen Ecke Deiner Seiten (gekommen bin ich über die Neuronen bei Mixxt und will jetzt eigentlich nur noch den von Dir dort als interessant angekündigten Beitrag lesen) die ausgefallene Veranstaltung zum WEB 2.0 in der Schule bzw. deren virtueller Ersatz. Am Thüringenkolleg in Weimar (http://www.thueringenkolleg.de) bin ich mit solchen Fragen befaßt und gerade dabei die “Medienkompetenz” der Lehrkräfte zu “pushen” (ich hoffe, dass ist richtig verwendet, wenn man helfen will, noch immer vorhandene Hemmnisse abzubauen um danach die Möglichkeiten im Unterricht zu nutzen.)

    Wegerklärung: Auf einer Deiner Seiten an der PH Ludwigsburg (http://www.ph-ludwigsburg.de/3757.html) fand ich bei Dir ein paar tote Links; das direkte mailen aus dieser Seite war leider auch nicht möglich, obwohl ich einen bzw. sogar zwei korrekt installierte Emailclients habe. Deshalb der Weg über den (oder das) Blog.
    Eigentlich interessiert mich noch mehr in Deinem Umfeld, speziell die Idee des öffentlichen Wissenschaftlers, aber mein Urlaub ist übermorgen zu Ende. Vielleicht bleiben wir ja doch irgendwie vernetzt.

    Vilen Dank für die bisherige Inspiration

    Detlef Wagner

  10. cspannagel sagt:

    Hallo Detlef,

    vielen Dank für dein Interesse! Bei den Links handelt es sich nicht um tote Links, sondern um Links zu Moodle, für die man ein Zugangspasswort benötigt. Das maile ich dir zu (und jedem anderen auch, der mal in den Kurs hineinschnuppern möchte). Aber deine Anfrage regt mich jetzt auch dazu an, mal eine kleine Übersicht über einige der öffentlichen Webaktivitäten des Seminars in meinem Weblog zu machen.

  11. Hey, das ist ein interessantes Projekt. Die Idee an sich ist auch sehr gut… weitermachen

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