Immer wieder diskutiere ich mit Leuten darüber, wie man am Besten seine Dateien ordnet. Mittlerweile hat man ja annähernd unendlich viele Texte, Folien, Bilder, Videos und Sonstiges, da muss man schon irgendwie ein gutes System besitzen, damit man seine Dateien auch wiederfindet. Ich möchte vorausschicken, dass es sich bei den Strukturierungsmethoden vermutlich um sehr persönliche Vorgehensweisen handelt, und was dem einen liegt, muss dem anderen noch lange nicht gefallen. Dennoch möchte hier einmal mein System vorstellen, dass ich seit mehreren Jahren anwende und auch froh darüber bin. Das System zeichnet sich dadurch aus, dass es dem Prinzip “Keep it simple” folgt, und dieses Prinzip mag ich.
Beginnen möchte ich aber erst mal mit dem Gegenteil dessen, was ich mache. Das Gegenteil ist das Prinzip, das Windows im Ordner “Eigene Dateien” verfolgt. Dort werden Dateien nämlich nach Dokumenttyp geordnet. Dies drückt sich in Unterordnern wie beispielsweise “Eigene Bilder”, “Eigene Musik” und “Eigene Videos” aus. Für den Privatanwender mag dies eine passende Struktur sein. Man kann im Ordner “Eigene Bilder” seine Urlaubsfotos sammeln, im Ordner “Eigene Musik” seine MP3-Dateien usw. Für meine Arbeit hat sich dieses Prinzip aber als absolut unbrauchbar erwiesen. Beispiel aus dem Lehralltag: Wenn man beispielsweise einen Foliensatz für eine Vortrag zum Thema “Konstruktivismus” erstellt, dann macht man PowerPoint-Folien, man erstellt eine Grafik, man benötigt einige Fotos, die man in die Präsentation einbindet, außerdem greift man vielleicht auf ein paar PDF-Dateien zu, in denen Informationen stehen, die man in der Präsentation gerne rüberbringen möchte. Nach dem eben genannten Ordnungsprinzip müsste man die entsprechenden Dateien dann in den Ordnern “Eigene Präsentationen”, “Eigene Grafiken”, “Eigene Bilder”, “Eigene Dokumente” usw. unterbringen, und dann vermutlich jeweils unter einem Unterordner “Konstruktivismus”. Dabei frage ich mich, was die Strukturierung in Dokumenttypen für einen Sinn haben soll. Man handelt sich dadurch nur ähnliche “Unterstrukturen” in den jeweiligen Ordnern ein, und inhaltlich zusammengehörige Dateien liegen verstreut auf der Platte.
Daher verzichte ich vollkommen auf die Dokumenttyp-Struktur. Ich gruppiere Dateien nur nach inhaltlichen Kriterien. Ich habe beispielsweise einen Ordner “Konstruktivismus”, in dem stecken alle Dateien drin, die irgendwas mit diesem Thema zu tun haben: Folien, Texte, Bilder, Mind maps, … Wenn ich mich irgendwann mit dem Thema “Konstruktivismus” befasse, finde ich in diesem Order alle Dateien, die für mich in diesem Zusammenhang schon mal relevant waren. Dabei versuche ich, möglichst nur auf einer Ebene Ordner anzulegen. Maximal führe ich noch eine weitere Unterebene ein. Ich habe auf der obersten Ebene jetzt mittlerweile 621 Ordner, und ich muss sagen: Es bleibt trotzdem übersichtlich. Wenn man sich mit einem Themengebiet befasst, weiß man selbst relativ gut, welche Ordner Relevanz haben könnten, und alles andere wird mental “ausgeblendet”. Das folgende Bild zeigt einen kleinen Ausschnitt aus meiner Ordnerwelt:
Ich betrachte sozusagen jede Datei als “Objekt” (den Begriff “Lernobjekt” finde ich auch schick), und ich gruppiere alle inhaltlich zusammengehörenden Objekte in einem Ordner. Das finde ich vernünftig.
Ich ordne meine Folien nicht mal mehr in einen “Veranstaltungsordner” ein. Welche Foliensätze ich in einer Veranstaltung benötige, schreibe ich mir einfach in eine Liste in einem Textdokument, das im Ordner “Veranstaltungen” liegt, und lege die Folien dann wie gehabt inhaltlich in den entsprechenden Ordnern ab. Dabei kommt für mich der “Reusability”-Charakter besser heraus. Es ist nämlich schon oft vorgekommen, dass ich gewisse Folien auch in einer anderen Veranstaltung gebraucht habe. Wenn ich dann anfangen würde, Folien herumzukopieren, hätte ich doppelte Foliensätze irgendwo rumliegen, womöglich noch in verschiedenen Versionen. Mit dem von mir favorisierten System habe ich jede Foliensatz genau einmal. Wenn ich etwas an den Folien verbessere, wirkt sich das auf alle Veranstaltungen aus, in denen ich die Folien einsetze.
Der Einwand, der an dieser Stelle immer kommt, ist der folgende: Was macht man, wenn man eine Datei nicht eindeutig zuordnen kann? In solchen Fällen behelfe ich mir damit, dass ich sie in denjenigen Ordner packe, in den sie am besten passt. Im anderen Ordner erzeuge ich eine Verknüpfung auf denjenigen Ordner, in dem ich die Datei abgelegt habe, frei nach dem Motto “Wenn du in diesem Ordner bist, schau auch mal in jenen hinein”. Davon abgesehen hat man dieses Problem in einem hierarchischen Ordnersystem immer, egal, welche Strukturierungsmethode man verwendet. Beim tagging sind wir leider noch nicht angekommen – das wäre meiner Ansicht nach der Idealzustand.
Welche Methoden verwendet ihr? Was hat sich bewährt, was nicht, und warum?





