Archiv für August, 2008

Ist das Web für zukünftige Friseurinnen relevant?

Veröffentlicht: Dienstag, August 12, 2008 in Learning, Teaching, Web 2.0

Eine unerhörte Frage? Stimmt. In ähnlicher Form wurde sie aber tatsächlich gestellt. Auf dem Initiative-D21-Projektblog ist ein Podcast als Mitschnitt einer Talkrunde zu hören, in dem es um den Einsatz und die Rolle des Webs im Unterricht geht. Sehr spannend war dabei die Diskussion gegen Ende des Podcasts auf die Frage eines Teilnehmers hin, ob denn Internet und Vernetztheit für eine junge Hauptschülerin, die gerade mal so ihren Schulabschluss schafft und Friseurin werden will, eine Relevanz hätte. Einige sehr gute Antworten darauf sind im Podcast zu hören, ich möchte meine aber auch noch hinzufügen:

Wenn diese Frage mit “Nein” beantwortet werden kann, dann würde ich doch anschließend gerne weiterfragen, ob denn Englisch, Geometrie und Algebra, Themenfelder aus Geschichte und Sozialkunde, Physik, … eine Relevanz für diese Schülerin haben. Wenn man ihre konkrete Situation und ihren Berufswunsch betrachtet, vielleicht nicht. Aber Schule ist nicht nur berufsvorbereitend, sondern allgemeinbildend. Hierzu zählt, dass Schule die Schüler mit allem ausstattet, das sie als heutige und zukünftige Mitglieder unserer Gesellschaft benötigen. Hierzu zählt insbesondere auch die Kompetenz, sich in virtuellen Plattformen zurecht zu finden, sich dort Informationen zu beschaffen und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Dabei geht es vor allem darum, dass Schüler lernen, das Web effektiv und verantwortungsbewusst zu nutzen und die Grenzen und Risiken einschätzen lernen. Würde jemand die Behauptung aufstellen, das Web sei für Hauptschüler nicht relevant, dann hätte das schon einen diskriminierenden Charakter, weil sie implizieren würde, dass ein gewisser (sozial oft benachteiligter) Teil der Bevölkerung, der ohnehin schon geringere Chancen hinsichtlicher aller möglichen Aspekte hat, auch von wichtigen Informationsressourcen ausgegrenzt werden würde. Man muss im Gegenteil gerade diesem Teil der Bevölkerung Methoden an die Hand geben, informationelle Ressourcen zur Verbesserung der eigenen Lebenssituation selbstbestimmt nutzen zu können. Gerade sozial benachteiligte Menschen in unserer Gesellschaft müssen wir durch Methodenkompetenz stärken – empowerment!

Auf die Frage, ob wir in der Hauptschule das Web überhaupt thematisieren sollten und ob das für die Hauptschüler irgeneine Relevanz hätte, muss man meiner Ansicht nach also antworten: Selbstverständlich!

Interview mit e-teaching.org

Veröffentlicht: Dienstag, August 12, 2008 in Teaching, Web 2.0

Neulich wurde ich von Anne Thillosen von e-teaching.org im Rahmen des neuen Portals Virtuelle Hochschule Baden-Württemberg interviewt. In dieser Gespräch (das mir sehr viel Spaß gemacht hat :-) ) konnte ich ein wenig darüber erzählen, wie ich E-Learning und Web 2.0 in der Lehre und im Rahmen des Konzepts “öffentlicher Wissenschaftler” einsetze. Das Interview kann auf meiner E-Teacher-Seite angehört werden.

Im Urlaub und online?

Veröffentlicht: Dienstag, August 5, 2008 in Web 2.0

In den letzten Tagen wurde ich öfter mal gefragt: “Was? Du bist im Urlaub und trotzdem online?” oder “Du liest deine E-Mails im Urlaub?” oder “Auch im Urlaub öffentlich?”

Mmh. Die Frage “Was? Du bist im Urlaub und trotzdem online?” hat für mich in etwa den gleichen Stellenwert wie die Frage “Was? Du bist im Urlaub und atmest?” Online sein ist für mich gleichbedeutend mit vernetzt sein, und zwar vernetzt mit zahlreichen Menschen und Inhalten, die mich interessieren. Weshalb sollte ich im Urlaub aufhören, am Leben der vielen Twitterati, die ich verfolge, beteiligt sein zu wollen? Weshalb sollte ich im Urlaub nicht mit Studierenden und Arbeitskollegen kommunizieren? Klar – wenn es darum geht, dass ich etwas arbeiten soll, weise ich freundlich darauf hin, dass ich im Urlaub bin. Aber dennoch lese und beantworte ich gerne E-Mails oder kommentiere in Weblogs – einfach weil es mir Spaß macht zu kommunizieren. Und schließlich bin ich ja auch sonst privat online, also selbstverständlich auch im Urlaub.

Vermutlich ist dies eine Frage, die sich besonders im akademischen Bereich stellt, weil man an der Hochschule eben (zumindest geht’s mir so) immer online ist und ständig das Netz benötigt. Da wird vermutlich der Urlaub als “Freiheit vom Netz” empfunden. Stelle man sich aber nun einmal vor, dass man auf der Arbeit überhaupt kein Netz hätte und sonst immer abends privat ins Netz ginge (ich vermute mal, dass es solche Menschen gibt :-). Ist da der Urlaub nicht die ideale Gelegenheit, länger online sein zu können?

Ich denke sogar, dass ich persönlich immer noch zu wenig vernetzt bin (obwohl ich länger online bin als 98% der deutschen Internetnutzer). Ich kann jetzt zwar auch per Handy online gehen. Das Volumen, das ich bei meinem Tarif zur Verfügung habe, ist aber begrenzt, so dass ich unterwegs mit der Vernetztheit haushalten muss. Dennoch: Ich habe die Hoffnung, in naher Zukunft permanent vernetzt zu sein. Das, was viele jetzt vielleicht noch als abschreckend bezeichnen würden, wird sicher kommen, und ich freue mich drauf.

Ich höre schon die altbekannten Stimmen von damals, als die Handys gerade richtig aufkamen und als öffentliches Telefonieren per Handy als Angebertum angesehen wurde. Damals habe ich folgenden Spruch bestimmt einhundert mal gehört: “Ich habe aus Prinzip kein Handy, weil ich nicht immer erreichbar sein möchte”. Mein Einwand, dass man das Handy ja auch einfach ausschalten kann, wenn man nicht erreichbar sein möchte, aber trotzdem eins hat, wenn man erreichbar sein will, hatte damals wie heute irgendwie niemand entkräften können. Genau so sehe ich das auch mit dem permanenten Onlinesein – oder sollte ich besser sagen: mit der permanenten Möglichkeit zum Onlinesein. Denn nichts anderes wird es sein. Wenn ich nicht online sein will, schalte ich den Zugang ab. Aber, bitte: ich will immer die Möglichkeit dazu haben, vernetzt zu sein. Insofern freue ich mich auf die Zukunft – allen Bedenkenträgern zum Trotz!

An den Pädagogischen Hochschulen in Ludwigsburg und in Weingarten sind zwei wissenschaftliche Mitarbeiter-/-innenstellen im Forschungsprojekt “SAiL-M” ausgeschrieben. Hier der Ausschreibungstext:

2 Wiss. Mitarbeiter-/-innenstellen (E 13), befristet auf 3 Jahre für das Forschungsprojekt SAiL-M (Kennwort: WM-SAiL-M-08-10) an den Pädagogischen Hochschulen Ludwigsburg und Weingarten (vorbehaltlich der Projektfinanzierung)


Aufgaben: Mitwirkung im Forschungsprojekt zur semi-automatischen Analyse individueller Lernprozesse in der Mathematik (SAiL-M). Lehre im Umfang von 4 SWS. Die Möglichkeit zur Promotion ist gegeben. Die Stellen sind auf drei Jahre befristet. Je eine Stelle ist am Standort Ludwigsburg und Weingarten angesiedelt.

Voraussetzungen: Abgeschlossenes Hochschulstudium in den Bereichen Mathematik oder Informatik (Lehramt / Diplom / Master) mit Promotionsberechtigung; pädagogische oder psychologische Zusatzqualifikation bzw. Erfahrung in sozialwissenschaftlicher Forschung; Interesse an Fragestellungen zu Mathematikdidaktik und E-Learning in der Hochschullehre.

Weitere Informationen zur Bewerbung gibt es in der Sammelausschreibung der PH Ludwigsburg.