Archiv für Freitag, Oktober 3, 2008

Kontextbezogene Filterung von Informationen

Veröffentlicht: Freitag, Oktober 3, 2008 in Web 2.0

In letzter Zeit mache ich mir öfter Gedanken über die Fülle an Informationen, die auf einen “einströmen”, insbesondere angeregt durch die Diskussionen auf dem BarCamp Stuttgart und der Scope. Die Idee, relevante Informationen über das Abonnieren von RSS-Feeds zu erhalten, ist ja schon mal nicht schlecht. Allerdings habe ich mittlerweile 554 Feeds abonniert, und wenn ich mal einige Tage nicht in meinen Feedreader geschaut habe, bleibt mir eigentlich nichts außer alle Beiträge als “gelesen” zu markieren.

Was ich eigentlich gerne hätte, wäre nochmals eine Filterung meiner Feeds hinsichtlich des Kontexts, in dem ich mich gerade bewege. Beispiel: Ich schreibe einen Weblog-Artikel über die Scope. Nach dem Veröffentlichen des Artikels hätte ich es eigentlich gerne, dass mir ein Tool sagt: “Diese von dir abonnierten Feeds enthalten auch Beiträge zum Thema Scope”. Oder wenn ich einen Link speichere, dann würde ich gerne sehen, in welchen Artikeln meiner Feeds dieser Link auch erwähnt wird usw.

Ich hätte also gerne ein Werkzeug, das mich darauf hinweist, dass es zu meinem aktuellen Kontext weitere Informationen gibt. Diese Infos holt es aus den RSS-Feeds, die ich abonniert habe – ich kann also festlegen, welche Quellen gescannt werden sollen. Das alles kann von mir aus erst mal über Stichwortsuche funktionieren, Semantik ist fürs erste mal nicht notwendig.

Gibt’s sowas? Kennt jemand ein Tool, das diesen Ansatz verfolgt?

“Digital Natives” in Schule und Beruf

Veröffentlicht: Freitag, Oktober 3, 2008 in Conferences, Cooperative Learning, Web 2.0
Schlagworte:

Am Mittwoch fand die Scope 08 in Heidelberg statt – ein wirklich inspirierendes Treffen! Es war open-space-artig organisiert, und gelandet bin ich in einer Session zur Frage, wie sich Schule und Arbeitgeber ändern müssen, um fit zu sein für “digital natives”. Ich werde hier ein paar Aspekte festhalten, die wir diskutiert haben (auch wenn es vielleicht etwas ungeordnet wirkt).

Zunächst einmal ist mittlerweile klar, dass “digital natives” bzw. “net generation” Trendwörter sind, die mit Vorsicht gebraucht werden sollten. Gibt es überhaupt so etwas wie “digital natives”? Ich jedenfalls habe nicht den Eindruck, dass Schüler und Studenten wesentlich höhere IT-Kompetenz mitbringen als früher. Man geht zwar flink mit Tools wie schülerVZ oder ICQ um. Oftmals findet man aber eine Datei, die man gerade erst heruntergeladen hat, auf der Platte nicht wieder, oder man hat keinerlei Vorstellung davon, was mit einer E-Mail auf dem Weg von A nach B im Netz passiert. Nichtsdestotrotz ist das Internet mit seinen Informations- und Kommunikationsfeatures sehr viel stärker in den Alltag der Menschen integriert als früher – und dies sollte auch Konsequenzen für die Schule und für den Beruf haben.

In unserer Session wurde beispielsweise hervorgehoben, dass Arbeit und Privatleben immer mehr verschwimmen. Kann und sollte man am Arbeitsplatz zwischen privaten und geschäftlichen Mails unterscheiden? Ist eine Begrenzung des Internetzugangs am Arbeitsplatz eigentlich noch zeitgemäß? Kreative Köpfe werden freien Zugang zu beliebigen Informationsressourcen benötigen – darauf müssen sich Arbeitgeber einstellen.

Weiterhin diskutierten wir, dass das Knüpfen von Kontakten im Web 2.0 häufig oberflächlicher Natur ist (ohne dabei werten zu wollen): Man lernt sich z.B. über Kommentare in Weblogs kennen, abonniert einander und kontaktiert sich über XING. Dieses komplexe, “oberflächliche” Kontaktnetz birgt aber große Potenziale: In bestimmten Situationen kann man gezielt Kontakte um Rat fragen, sich über bestimmte Themen austauschen oder ähnliches. Die Beschäftigung mit den Kontaktnetzen kostet natürlich auch Zeit, und so liegt die Frage nahe, ob Arbeitgeber ihren “digital natives” diese Zeit zubilligen möchten. Schließlich lassen sich die Qualität der Kontaktnetze und der Nutzen, der sich hieraus für die Firma ergibt, schlecht messen.

Ebenso kam zur Sprache, dass es in Firmen immer problematischer wird, das “richtige” Kommunikationsmittel zu wählen. Wenn ich etwas von einem Kollegen möchte: Maile ich? Rufe ich ihn an? Schicke ich ihm eine Nachricht über ICQ? Oder etwa Twitter? Während man durch ein Telefonat den anderen evtl. aus einem Arbeitsprozess herausreißt, bekommt man auf eine E-Mail vielleicht überhaupt keine Antwort. Die richtige Wahl hängt von vielen Faktoren ab (Kollege, Anliegen, Tageszeit, …). Doch wie lernt man so etwas? Wer ist dafür verantwortlich, dass unsere Kinder lernen, wie man die Kommunikationsmittel zielgerichtet einsetzt? Die Eltern? Die Schule? Die Ausbilder? Oder muss man sich das selbst erarbeiten?

Zum Schulunterricht wurde geäußert, dass dieser in Zukunft weniger inhalts-, sondern mehr prozessorientiert sein sollte. Dies äußerte Stephen Downes auch im Interview auf der Scope 08 unter Verweis auf seinen Artikel Things You Really Need to Learn, den ich unbedingt einmal lesen muss. Das Thema Prozessorientierung spricht mir aus der Seele, weil ich mich genau damit auch in meinen Forschungsarbeiten befasse. In der Session kam dabei auch die Problematik zum Ausdruck, dass offene Unterrichtsformen und Kompetenzorientierung mit zentralen Prüfungen und Vergleichbarkeit schwer zu vereinbaren sind – oft ein Dilemma.

Schließlich wurde noch der Aspekt der Fehlerkultur angesprochen. Wenn man im Web miteinander arbeitet (egal ob in der Schule oder in der Firma), dann kann es passieren, dass man die Fehler, die man macht, für jeden offen einsehbar sind (beispielsweise im Wiki oder im Weblog). Die Menschen in einem solchen Umfeld müssen sich als trauen, Fehler zu machen, und sie müssen den Nutzen von Fehlern erkennen. Hier sollten meiner Ansicht nach Lehrer und Arbeitgeber als gutes Beispiel vorangehen: Wenn diese den Schülern bzw. Mitarbeitern zeigen, dass sie selbst konstruktiv mit ihren eigenen Fehlern in diesen Umgebungen umgehen, dann kann wirklich eine konstruktive Atmosphäre entstehen, in der Fehler gemacht werden dürfen und in der alle gemeinsam aus diesen Fehlern lernen können (ein Aspekt, den ich auch im Kontext öffentlicher Wissenschaft aufgegriffen habe).

Insgesamt haben wir in unserer Session (natürlich) kein Produkt oder ähnliches erzeugt – dafür bin ich aber mit vielen neuen und alten Gedanken aus den Gesprächen bereichert herausgegangen.

Was denkt ihr über die oben beschriebenen Punkte?