Archiv für Dezember, 2008

Ein Resümee zu 2008

Veröffentlicht: Dienstag, Dezember 30, 2008 in Miscellaneous

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, und es ist Zeit einmal zurückzublicken und zu schauen, was 2008 alles passiert ist. Und ich muss sagen: Wow! Das war ein wirklich tolles, produktives, inspirierendes und motivierendes Jahr! Ich erinnere mich (in ungeordneter Reihenfolge):

  • Ich war auf zwei grandiosen EduCamps und habe dort wahnsinnig interessante Menschen kennengelernt, mit denen ich weiterhin in sehr engem Kontakt stehe und viele kleine und große Aktionen und Projekte durchführe: Jean-Pol Martin, Alexander Rausch, Lutz Berger, Jana Hochberg, Wolfgang Schreiber, undundund (ich kann gar nicht alle nennen). Aus dem ersten EduCamp ist zudem das Netzwerk Neuron! hervorgegangen – ein Netzwerk, dass mich wirklich nachhaltig geprägt hat. Ich bin sehr dankbar für die wertvollen neuronalen Anregungen und Diskussionen.
  • Nicht weniger inspirierend war das BarCamp Stuttgart. BarCamps zählen seit diesem Jahr zu meinem festen Repertoire an Konferenzen.
  • 2008 war das Jahr der Mathematik. Ich habe einen Kinderuni-Vortrag über Mathematik und Pinguine gehalten und gemeinsam mit dem Institut eine Lange Nacht der Mathematik organisiert, die ein voller Erfolg wurde.
  • Zahlreiche Forschungsprojekte sind gestartet bzw. wurden bewilligt; so beispielsweise mein Projekt Informatikspezifische Prozesse beim Lernen und Lehren mit Computern, das BMBF-Projekt Semiautomatische Analyse individueller Lernprozesse in der Mathematik (SAiL-M), und das strukturierte Promotionskolleg “Mathematisch-naturwissenschaftliches Lernen in lebensnahen Anwendungskontexten” (letzteres startet im Februar 09).
  • Ich habe angefangen zu twittern – und habe das Tool wirklich schätzen gelernt. Mein Weblog ist ohnehin schon ein Teil von mir.
  • Im Jahr 2008 habe ich mich endgültig entschieden, meine wissenschaftliche Tätigkeit (Forschung und Lehre) öffentlich zu machen – als öffentlicher Wissenschaftler. Daraus sind (in Kooperation mit anderen) das Netzwerk openscientists.org und die entsprechende XING-Gruppe entstanden. Einblick in meine Tätigkeit kann man in meiner Wikiversity-Seite bekommen.
  • Auf der DeLFI-Tagung habe ich gemeinsam mit Ulrik Schroeder den Best Paper Award für den Artikel GUI-Adaptation in Lernkontexten bekommen – eine schöne Belohnung für die jahrelange Arbeit, die wir in die Konzeption und Implementierung von Jacareto/CleverPHL gesteckt haben.
  • Ich habe mit Wolfgang und Schreiber und Studierenden gemeinsam am Lernbaumwiki gearbeitet. Dabei handelt es sich um ein erstes Weltverbesserungsprojekt, das mich zu weiteren Aktionen inspiriert hat und weiterhin inspiriert. Die nächsten Projekte sind bereits in Planung (u.a. das Projekt mit Karlheinz Pape).
  • Für den Einsatz von Web-2.0-Anwendungen in der Lehre habe ich den Lehrpreis der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und den Lehrpreis des Landes Baden-Württemberg bekommen. Das sind Auszeichnungen, die mich ganz besonders freuen.
  • Das Journal Notes on Educational Informatics ist online gegangen.
  • Ganz besonders gefreut habe ich mich über die irren Dinge, die in meinem Seminar Didaktik des Informatikunterrichts zum Thema LdL geschehen sind. Darauf hin haben Studierende die Maschendraht-Community gegründet – eine weitere Erfolgsstory.

Mir fallen noch unendlich viele andere Dinge ein – ich kann hier gar nicht alles schreiben. Wenn meine nächsten 35 Dienstjahre genauso umwerfend werden, dann ist’s kaum auszuhalten. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr.

Eines muss ich noch loswerden: Ganz besonders ist mir in diesem Jahr die Bedeutung sozialer Netze bewusst geworden. Nichts von dem, was mich in diesem Jahr begeistert hat, habe ich alleine gemacht. Immer waren andere Menschen beteiligt. Hiermit möchte ich allen danken, die mir ein so wundervolles Jahr 2008 bereitet haben. Ich freue mich darauf, mit euch allen das Jahr 2009 zu einem ebenso besonderen Jahr zu machen!

Interview mit Nils van den Boom

Veröffentlicht: Mittwoch, Dezember 24, 2008 in LdL, Web 2.0

Lutz Berger hat mal wieder bzgl. LdL “zugeschlagen” und ein Interview mit Nils van den Boom geführt. Nils setzt LdL im Informatikunterricht ein und diskutiert darüber mit meinen Studenten.

Das Modell der Kooperation zwischen Studenten in Hochschulveranstaltungen und Lehrern oder Referendaren an der Schule ist wirklich klasse. Ich hoffe, dass sich in Zukunft wieder solche Gelegenheiten ergeben.

OpenStreetMap: Wir werden’s testen

Veröffentlicht: Dienstag, Dezember 23, 2008 in Standardanwendungen II, Teaching, Web 2.0

Demnächst werde ich meinen ersten Kartierungstest mit openstreetmap.org durchführen. Im nächsten Jahr möchte ich das nämlich in meiner Lehrveranstaltung “Standardanwendungen II – Tabellen und graphische Darstellungen” mit meinen Studenten ausprobieren. Dabei geht’s im Detail um folgendes:

OpenStreetMap ist ein freies Projekt für Karten (ähnlich google maps, nur eben unter einer freien Lizenz). Bei OpenStreetMap kann sich jeder beteiligen und Daten hinzufügen. Darüber hinaus hat OpenStreetMap den Vorteil, dass die Daten sehr detailliert sein können: Briefkästen, Waldwege in unterschiedlicher Beschaffenheit und Abwasserkanäle können eingetragen werden.

Wie kann man sich dort beteiligen: Man latscht mit einem GPS-Tracker (zum Beispiel diesem hier) durch die Gegend und zeichnet alle GPS-Daten auf (also den Weg, den man gelaufen ist). An markanten Punkten (Kirchen, Briefkästen, öffentlichen Toiletten, usw.) setzt man außerdem im GPS-Tracker eine Marke. Nach der Aufzeichnung lädt man die Daten in openstreetmap.org hoch und ergänzt das dort bereits vorhandene Kartenmaterial durch die eigenen Daten.

Für den schulischen Einsatz im Geografie-Unterricht ist das natürlich genial: Man liest nicht nur Karten, sondern man erstellt welche. Dabei muss man sich zum Beispiel Gedanken machen, welcher Art der Weg war, den man gelaufen ist, oder welche Beschaffenheit das Gelände hatte. Man liefert als Schulklasse einen Beitrag für die Allgemeinheit und bezieht die Motivation aus der Tatsache, dass man tatsächlich diejenigen Karten verbessern kann, die unzählige Menschen nutzen.

Openstreetmap habe ich zum ersten Mal kennen gelernt, als Bodenseepeter und Friedel Völker darüber auf dem BarCamp Stuttgart darüber berichtet haben (siehe auch meinen damaligen Bericht). Seitdem lässt mich der Gedanke nicht mehr los, das selbst mal mit einer Studentengruppe auszuprobieren. Im Januar starten wir einen Test. Vorab hat Jonathan mir schon mal gezeigt, wie alles im Detail funktioniert. In den nächsten Tagen werde ich mal ein bisschen was aufzeichnen – mal sehen, welche Briefkästen ich hinzufügen kann.

Twitter, Chats, Großraumbüros und Jogginghosen

Veröffentlicht: Dienstag, Dezember 2, 2008 in Twitter
Schlagworte:

Ein Kommentar von itari zu meinem Beitrag Twitter und der sechste soziale Sinn beginnt folgendermaßen:

Im Moment erkenne ich noch nicht, warum Twitter für die geschilderte Situation des wechselseitigen Wahrnehmens mehr Vorteile haben würde als ein Chat-Channel.

itaris Kommentar hat mich dazu angeregt, über die Unterschiede zwischen Twitter und einem normalen Chat-Channel nachzudenken – und diesen Gedanken gleich einen eigenen Artikel zu widmen. Was ist so besonders an Twitter – gegenüber einem Chat-Channel? Hier einige Überlegungen:

Twitter kann als Chat verwendet werden – fraglich ist, ob es das sollte. Mehr als kurze Wortwechsel finden dort eigentlich in der Regel nicht statt. Wenn man sich zahlreiche Tweets ansieht, so wird man feststellen, dass doch neben direkten Gesprächen die Status-Updates vorherrschen. Menschen schreiben, was sie gerade denken, fühlen, tun oder vorhaben zu tun. Sie schreiben, welche interessanten Webseiten sie gerade gefunden haben, sie regen sich über Fernsehsendungen auf, oder sie fragen, ob jemand eine Kippe hat (ohne eine echte Reaktion zu erwarten). Wenn ich twittere, dann bin ich eigentlich nicht in erster Linie daran interessiert, mit anderen zu sprechen. Ich bin in erster Linie daran interessiert, an den Gedanken anderer, ja sogar an deren Leben teilzuhaben.

Chatten ist eine Tätigkeit, der man entweder hauptsächlich nachgeht (“Ich will jetzt chatten”), oder beiläufig im Kontext einer anderen Tätigkeit (beispielsweise in Form eines Chat-Channels, während man eine Online-Vorlesung verfolgt). Beides Situationen ist gemeinsam, dass man sich bewusst auf ein Gespräch mit anderen einlässt – sei es, um einfach “kontextlos” zu quatschen, oder um sich “kontextgebunden” auszutauschen, z.B. über die Vorlesungsinhalte. Zudem erwartet man eine Antwort des Gegenübers. Twitter ist – anders. Twitter ist allgegenwärtig. Ich twittere nicht mit der Intention, mich auf ein Gespräch einzulassen. Ich twittere einfach, weil ich eine Information in mein Netz einspeisen möchte – völlig egal, ob das jemand mitkriegt oder nicht. Ich erwarte keine Antwort. Und ich lese auch nicht die Tweets der anderen Personen in meinem Netz, um ein Gespräch zu beginnen. Ich lese sie, einfach um zu wissen, was die anderen so machen. Natürlich ergeben sich dabei immer wieder kurze Sequenzen des direkten Austauschs, sei es über @’s oder über direct messages – das sind aber eher beiläufige kurze Intermezzi der direkten Kommunikation.

Um ein Bild zu gebrauchen: Stellen wir uns vor, wir seien in einem Großraumbüro ohne Trennwände. Jeder kann sehen, was der andere macht. Ab und zu geht man durch’s Büro und schaut sich um. Wenn man etwas bestimmtes bei einem Kollegen sieht, dann spricht man ihn kurz darauf an, dieser antwortet, und man geht weiter. Man ist allzeit “aware” der Dinge, die in der Gruppe passieren. So bekommt man auch z.B. mit, wenn sich zwei Personen untereinander kurz austauschen, einfach im Vorbeigehen. Das ist Twitter. Chatten hingegen ist anders: Chatten ist mehr wie die Mittags- oder die Kaffeepause, in der alle ihren Arbeitsplatz verlassen, in die Kantine gehen, sich eine halbe Stunde hinsetzen und plaudern – einfach um zu plaudern. Hierfür gibt es bestimmte Zeiten oder Gelegenheiten. Twitter hingegen “ist immer” – allgegenwärtig. Hier spielt nicht nur das gesprochene Wort eine Rolle, sondern das, was man tut. Twitter ist authentischer, unmittelbarer, direkter am Leben.

Ein weiteres Bild: Chatten ist wie sich mit Freunden in einem Café oder einer Kneipe treffen und quatschen. Man macht sich schick, geht an einen bestimmten Ort, trifft sich dort, redet, und nach einer gewissen Zeit geht man wieder. Eine herausgehobene Situation, in der viele versuchen “sich zu geben”, “sich darzustellen”, “zu wirken” usw. Twitter hingegen ist mehr wie Alltag – in der Jogginghose vor dem Fernseher, bügelnd mit der Kippe im Mund, gähnend im Zug sitzend, und alle sind dabei.

Ich weiß genau, was einige jetzt denken: Auf Twitter kann man auch unauthentisch sein. Ehrlich gesagt – ich glaube es nicht.