Archiv für März, 2009

Der Erich-Hammer-Bericht

Veröffentlicht: Samstag, März 21, 2009 in LdL, Uncategorized

Am Donnerstag hab ich Lutz in Heidelberg besucht, um die Schulstunde von Erich Hammer und die Schülerinterviews, die wir im Rahmen unserer Bildungsexpedition geführt haben, auf 10-Minuten-Youtube-Format zu bringen. Lutz hat seit Donnerstag dann noch mit Hochdruck am Video gearbeitet. Hier ist das Resultat: eine Übungsstunde im Mathekurs, 13. Klasse, FOS/BOS Kitzingen, Außenstelle Würzburg:

In dieser Schulstunde sieht man sehr schön, wie LdL im Matheunterricht funktionieren kann, selbst wenn  es sich  nicht um eine Einführungsstunde zu einem bestimmten Thema handelt. Dabei zeigt der Film, dass durch LdL sogar frontale Stunden zu einem echten Gruppenerlebnis werden können. Ich kann mir nach dem Besuch der Stunde durchaus vorstellen, dass in eine solche Klassenatmosphäre auch andere Methoden und Sozialformen sehr gut einbettbar sind.

Was ist eure Meinung? Bitte kommentiert!

Und: Vielen Dank an dich, Lutz! Es macht wirklich Spaß, mit dir zusammenzuarbeiten!

Computerselbstwirksamkeit erheben mit CUSE-D

Veröffentlicht: Donnerstag, März 19, 2009 in Selbstwirksamkeit
Schlagworte:

Komplizierter Begriff, aber tolles Konzept: “Selbstwirksamkeitserwartung” oder einfach nur “Selbstwirksamkeit”. Dieser Begriff bezeichnet das Zutrauen einer Person in sich selbst, eine bestimmte Handlung erfolgreich durchführen zu können.

Ein Beispiel: Thomas traut sich in Mathematik nichts zu – er denkt, dass er “zu dumm” ist, die Aufgaben zu lösen. Er hat eine niedrige Selbstwirksamkeit bzgl. Mathematik. Dafür hält er sich selbst für einen guten Tennisspieler, und er traut sich zu, auch gute Gegner schlagen zu können – seine Selbstwirksamkeit bzgl. Tennis ist hoch.

Selbstwirksamkeit ist in der Regel auf ein gewisses Gebiet bezogen. So gibt es beispielsweise auch so etwas wie Computerselbstwirksamkeit: Wenn ich eine niedrige Computerselbstwirksamkeit habe, dann traue ich mir nicht zu, erfolgreich mit dem Computer umzugehen und lasse lieber die Finger davon. Wenn ich denke, dass ich der Computermensch schlechthin bin, dann wage ich mich auch an schwierige Probleme, gebe nicht gleich auf, wenn etwas nicht funktioniert, und probiere auch einfach mal was aus.

Wenn man eine Lehrveranstaltung hält, in der die Teilnehmer u.a. bestimmte Dinge am Computer lernen sollen, dass wäre es somit wünschenswert, wenn sie nicht nur kompetent würden, sondern wenn sie sich auch kompetent fühlen würden. Ansonsten kann es dazu kommen, dass Personen mit niedriger Computerselbstwirksamkeit gar nichts am Computer machen, selbst wenn sie es könnten. Solche Lehrveranstaltungen sollten also so gestaltet sein, dass sie die Teilnehmer nicht nur kompetenter, sondern auch “selbstwirksamer” machen. Hierzu gibt es verschiedene Strategien (bei Bedarf kann ich dazu auch mal einen Weblog-Beitrag schreiben). Dieser Beitrag soll aber eine andere Frage beantworten: Wie kann ich als Dozent feststellen, ob meine Veranstaltung selbstwirksamkeitsfördernd ist? Klar: Ich muss die Computerselbstwirksamkeit vorher und nachher erheben. Aber mit welchem Fragebogen?

Christine Bescherer und ich haben uns zahlreiche Fragebogen zur Erhebung der Computerselbstwirksamkeit angeschaut und uns für einen Fragebogen von Cassidy und Eachus entschieden: Computer User Self-Efficacy Scale, oder kurz CUSE. Wir haben den Fragebogen ins Deutsche übersetzt (CUSE-D) und haben ihn in mehreren Lehrveranstaltungen eingesetzt und auf Gütekriterien untersucht. Das Ganze ist auch in einem Artikel beschrieben, der gerade erschienen ist. Wer mal reinschnuppern möchte, hier ist er:

Spannagel, C. & Bescherer, C. (2009). Computerbezogene Selbstwirksamkeitserwartung in Lehrveranstaltungen mit Computernutzung. Notes on Educational Informatics – Section A: Concepts and Techniques 5(1), 23-43.

Eine Sache stört mich noch am Fragebogen: Er ist mit 30 Items ziemlich lang. An der Reduktion arbeiten aber gerade Kollegen. Also: Stay tuned! :-)

Mit Blogpatenschaften die Vernetzung fördern

Veröffentlicht: Montag, März 16, 2009 in Gastbeitrag, Web 2.0

Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, in meinem Blog auch Gastbeiträge aufzunehmen, da ich dies für eine sehr schöne weitere Möglichkeit der Vernetzung halte. Daher bin ich ganz besonders froh darüber, dass diejenige Person den ersten Gastbeitrag in meinem Weblog verfasst hat, die sich im besonderen Maße für Gastbeiträge (insbesondere von “Offlinern”) einsetzt: Ina Müller-Schmoß, die Initiatorin von blogpatenschaften.de. Somit: Voilá – der erste Gastbeitrag in meinem Weblog:

Vor einiger Zeit hatte mich Christian gefragt, ob ich nicht mal das Projekt Blogpatenschaften bei ihm im Blog vorstellen möchte. Das will ich hiermit gerne tun.

Mit Blogpatenschaften wollte ich herausfinden, ob man die Vernetzungsmöglichkeiten von Blogs oder Microblogging-Systemen, wie z.B. Twitter dazu nutzen kann, zivilgesellschaftliches Engagement mehr ans Licht zu holen und miteinander zu vernetzen. Es gibt viele Menschen, die sich in ihrem privaten Umfeld für Umwelt, Bildung, Gesundheit oder andere soziale Themen einsetzen, deren Engagement jedoch von den klassischen Medien kaum wahr genommen wird. Darüber hinaus gibt es viele Einzelakteure, die gar nichts voneinander wissen. Für sie könnte eine bessere Vernetzung untereinander hilfreich sein.

Auch ist es so, dass im Internet zum einen oft jene Themen dominieren, die sowieso schon in den klassischen Medien präsent sind oder es geht um viel Technisches (welches Plugin ist mal wieder in Mode) oder um SEO-Aspekte (wie bekomme ich möglichst viele Backlinks und kann mit meinem Blog Einnahmen erzielen) oder die Blogosphäre dreht sich gern auch mal um sich selbst.

So betrachtet ist es kein Wunder, wenn Außenstehende, die kaum Berührungspunkte zum Internet haben, hier zunächst für sich keinen Mehrwert erkennen können und Bloggen und Twittern für reine Zeitverschwendung halten.

Im vergangenen Jahr habe ich auf der Re:publica08 und dem ersten SocialCamp in Berlin viele engagierte Leute getroffen, die wie ich der Meinung waren, dass man mit dialogorientiertem Internet vernachlässigte Themen aufgreifen und transportieren kann, am besten direkt heraus aus ihrer jeweiligen Nische bis hin zu einer Veröffentlichung in den klassischen Medien (Print, Radio und Fernsehen).

Ich dachte damals daran, z.B. für eine Suppenküche, ein Altenheim oder eine Selbsthilfegruppe einen PC mit Internetzugang kostenlos bereit zu stellen und Interessierten zu zeigen, wie das Bloggen funktioniert. Eine Art Blogpatenschaft also. Ich stellte mir dazu eine Kooperation vor mit Gewerbetreibenden aus dem jeweiligen Umfeld (Computerschule, PC-Firma …), die dadurch eine Möglichkeit bekommen, sich konkret vor Ort zu engagieren. Die Firma sollte die Bereitstellung von Hard- und Software finanzieren und eine Gruppe von engagierten BloggerInnen würde den Umgang mit Blogs, Twitter, Communities, Kommentarfunktion erklären und zeigen, wie Vernetzung funktioniert und möglichst auch regelmäßig dazu Hilfestellung geben.

Das das so einfach nicht geht, wurde mir schnell klar! Die angesprochenen Einrichtungen verstanden gar nicht, wieso es für sie gut sein sollte zu bloggen, und nannten auf mein Nachfragen hin sofort (ohne sich auf die Idee einzulassen) viele Gründe, warum das für sie nicht in Frage käme (Zeitmangel, Geldmangel, Arbeitsaufwand, Schulungsbedarf, Unsicherheit in Fragen des Datenschutzes, Verlust der Kontrolle über das, was innerhalb der Einrichtung gesprochen wird). Für Firmen, die ich wegen einer möglichen PC-Spende incl. Support angesprochen hatte, war das alles noch zu sehr „Beta“. Weiteres Nachfragen meinerseits erübrigte sich dann auch, weil keine der angesprochenen Einrichtungen überhaupt einen Bedarf nach „Web 2.0“ sah und ich als Privatperson ja nur sehr begrenzte Ressourcen habe. Meine ersten Nachfragen offline ergaben also: Kein Bedarf für so was wie Blogpatenschaften.

Online sah das ganz anders aus: Über mein Blog hatten sich inzwischen so um die 30 Blogger und Bloggerinnen gemeldet, die sich vorstellen konnten, in ihren eigenen Blogs Gastbeiträge von anderen zu veröffentlichen oder einem Web-Einsteiger das Bloggen zu erklären oder auch Patenschaften über eine Person oder ein bereits bestehendes sozial engagiertes Projekt zu übernehmen. Hans Fährmann eröffnete zusätzlich noch die www.offene-plattform.de, ein Blog für alle, die kein eigenes Blog haben (wollen) und es gab erste Gastbeiträge über interessante Projekte: Hier einige Beispiele:

Online gab es sofort Zuspruch und Unterstützung. Offline verstanden viele nicht, was ich ihnen da vorschlage. Natürlich ist es zunächst auch kein großer Aufwand, einen Link zu setzten und sich online zu vernetzen. Hier liegt die Herausforderung eben genau darin, dass engagierte Onliner eben auf Offliner zugehen müssen und nicht darauf warten können, dass hier jemand von sich aus nachfragt. Im Sinne einer Blogpatenschaft ist mehr gefragt, als nur mal schnell einen Link zu setzen. Mir wurde klar: Um “Offliner” dafür zu gewinnen, über ihre Themen zu bloggen, muss man ihnen zunächst von den Möglichkeiten des Web 2.0 erzählen. Und man muss selbst den Kontakt herstellen. Das habe ich dann in meinem ganz persönlichen Umfeld hin und wieder ausprobiert, mit dem Ergebnis, dass der eine oder andere hier tatsächlich profitieren konnte.

Insgesamt und über den eigenen Tellerrand geblickt, finde ich, dass sich im zurückliegenden Jahr in Sachen soziales „Social Web“ einiges getan hat. Gerade auch durch Angebote, wie die Treffen im Rahmen der Socialbar sowie zahlreiche engagierte Internet-Plattformen, interessante Netzwerke, einen Nachhaltigkeits-News-Reader und ganz konkrete Einzel-Aktionen (Brunnen für Tani oder Aktion Uwe) kommt das Web 2.0 als Kommunikationstool so langsam auch im „Sozialen Sektor“ an.

Mit Blick auf Blogpatenschaften und meine ursprüngliche Idee, in Kooperation mit Gewerbetreibenden oder Bildungseinrichtungen vor Ort Brücken zwischen Online und Offline zu bauen, bin ich gespannt, wie es in Zukunft weiter geht.

Ich bin auch gespannt – vielen Dank für deinen Gastbeitrag!

Interview mit Jean-Pol Martin

Veröffentlicht: Sonntag, März 15, 2009 in LdL

Lutz legt jetzt richtig los: Hier ein Video-Interview mit Jean-Pol Martin, das wir damals aufgezeichnet haben, als wir in Eichstätt waren. Any comments?

Das volle Video gibt es auf Lutz’ Blog.

Auf Kaffeepause mit Erich Hammer

Veröffentlicht: Samstag, März 14, 2009 in LdL

Momentan bin ich auf dem ZUM-Wiki-Seminar und erlebe anregende Diskussionen über Wikis und Twitter. Parallel findet eine intensive Diskussion über LdL statt (an der ich mich momentan leider kaum beteiligen kann, weil die “Realdiskussionen” hier mich voll und ganz in Anspruch nehmen). Nicht vorenthalten möchte ich euch das Video eines gemeinsames Gesprächs von uns und Erich Hammer über LdL im Mathematikunterricht. Wieder einmal: Vielen Dank,Lutz!

Ich würde mich freuen, wenn hier wieder so fleißig diskutiert würde wie bislang – ich werde hinzustoßen, so bald ich kann!

Ein Vorgeschmack auf den Mathe-LdL-Film

Veröffentlicht: Donnerstag, März 12, 2009 in LdL

Kurz bevor ich ins Bett gehe, muss ich noch unbedingt das gerade eben vom grandiosen Lutz Berger hochgeladene erste Vorgeschmack-Video zu unserem Unterrichtsbesuch bei Erich Hammer posten. Danke, Lutz!

LdL im Matheunterricht

Veröffentlicht: Mittwoch, März 11, 2009 in LdL

Heute waren wir (einige Teilnehmerinnen des Informatikdidaktikseminars, Lutz Berger und ich) wieder mal auf “Bildungsexpeditionsreise”: Wir haben Erich Hammer in Würzburg besucht. Erich hat dort an der FOS/BOS Kitzingen (Außenstelle Würzburg) einen Mathekurs (13. Klasse), den er nach LdL unterrichtet. Wir haben wieder gefilmt und interviewt. Die Videos werden demnächst online gestellt. Hier aber – wie immer – erst mal mein persönlicher Eindruck.

Es war eine Offenbarung für mich. Und das ist nicht übertrieben, auch wenn es so klingt. Wir haben uns zu Beginn der Stunde im Raum platziert, und alles, was ich wusste, war, dass es sich um eine Übungsstunde handelt (weil sich – so Erich – unter LdL-Einführungsstunden jeder etwas vorstellen kann, Referate und so, und eine Übungsstunde ist etwas außergewöhnlicher).

Wir haben uns also in der Klasse platziert, und Erich beginnt die Stunde mit: “Wir machen mal ein paar Ableitungen mit der Logarithmusfunktion. Wer fängt an?” Erich setzt sich, ein Schüler steht auf und geht an die Tafel. Erich diktiert eine Funktion, der Schüler schreibt den Term an die Tafel. Mein spontaner Gedanke: “So, jetzt bildet der Schüler die Ableitung, setzt sich, und der nächste kommt dran. Was daran ist LdL?”

Dann ging’s los – und augenblicklich wandelte sich das große Fragezeichen über meinem Kopf in ein großes Ausrufezeichen. Der Schüler dreht sich um fragt die Klasse: “So, was können wir als erstes machen?”. Schüler äußern Ideen, und der Schüler setzt sie an der Tafel in die Tat um. Immer wieder stellt er Fragen, in etwa wie diese : “Können wir das noch weiter zusammenfassen?”, “Können wir hier noch kürzen? Oder sind wir schon fertig? und “Konnte jeder folgen?” Nachdem die Ableitung bestimmt ist, setzt er sich, der nächste Schüler geht an die Tafel, Erich liest den nächsten Term vor, der Schüler dreht sich wiederum um und leitet den Klassendialog.

Wenn ein Schüler etwas nicht verstanden hat, fragt dieser sofort nach: “Wieso können wir das so umformen?” und “Warum dürfen wir das jetzt?” Ein anderer Schüler antwortet. Wenn Fehler entstehen, hat diesen in der Regel sofort ein Schüler entdeckt und äußert die Korrektur. Sie wird sofort in die Tat umgesetzt. Dabei handelt es sich um pures Neuronenverhalten, so wie ich es noch nie direkt erlebt habe. Die Schülerbeiträge kommen Schlag auf Schlag – ohne Eingreifen des Lehrers.

Es kam auch vor, dass Schüler einen Fehler nicht entdeckt haben. Dann griff Erich ein: “In der letzten Zeile ist auch ein beliebter Fehler. Gut, dass wir ihn gemacht haben. Wer sieht’s?” Hier wird auch deutlich, wie Fehler gehandhabt werden: Als Lerngelegenheit. Dies haben auch die Schüler im anschließenden Interview geäußert: Sie sind froh, dass sie Fehler machen können, ja sie finden es geradezu gut, Fehler machen zu dürfen. Und: Nicht der Lehrer berichtigt dies in der Regel, sondern die anderen Schüler – ein sehr angenehmer Gedanke.

So kam es auch, dass die Schüler in dieser Stunde ganz frei ihre Gedanken geäußert und Ideen in den Raum geworfen haben. Die Aufgabe des Schülers an der Tafel besteht zum Teil im selbst durchgeführten Rechnen/Umformen/…, zum anderen (und das ist der wesentliche Teil) in der Steuerung und Moderation des Klassengesprächs.

In der zweiten Hälfte der Stunde hat die Klasse gemeinsam eine Kurvendiskussion an der Tafel durchgeführt. Dabei kamen sie immer wieder in Situationen, in denen sie sich entscheiden mussten: “Sollen wir das so notieren oder so?” – “So ist’s besser, das ist einfacher.” – “Aber so ist’s auch nicht falsch.” – “Lasst uns einfach mal so weitermachen.” Konflikt, Diskussion, Aushandlung, Einigung. Weiter geht’s.

Erich sagt, dass er auch ab und zu mal Inhalte selbst einführt, wie beispielsweise den Ableitungsbegriff und Integrale. Dann gibt es aber nur kurz Input, und schon sind die Schüler an der Reihe, das eben vernommene auf neue Fälle zu übertragen. “Wer kommt an die Tafel und probiert das mal mit dieser Funktion aus?” Und schon übernimmt wieder “das Gehirn” (die Klasse).

In der von uns besuchten Stunde hat Erich vielleicht 10 Sätze gesagt. Der restliche Gesprächsanteil geht auf das Konto der Schüler.

Ich kann nur sagen: Freut euch auf das Video – das muss man wirklich gesehen haben.