Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, in meinem Blog auch Gastbeiträge aufzunehmen, da ich dies für eine sehr schöne weitere Möglichkeit der Vernetzung halte. Daher bin ich ganz besonders froh darüber, dass diejenige Person den ersten Gastbeitrag in meinem Weblog verfasst hat, die sich im besonderen Maße für Gastbeiträge (insbesondere von “Offlinern”) einsetzt: Ina Müller-Schmoß, die Initiatorin von blogpatenschaften.de. Somit: Voilá – der erste Gastbeitrag in meinem Weblog:
Vor einiger Zeit hatte mich Christian gefragt, ob ich nicht mal das Projekt Blogpatenschaften bei ihm im Blog vorstellen möchte. Das will ich hiermit gerne tun.
Mit Blogpatenschaften wollte ich herausfinden, ob man die Vernetzungsmöglichkeiten von Blogs oder Microblogging-Systemen, wie z.B. Twitter dazu nutzen kann, zivilgesellschaftliches Engagement mehr ans Licht zu holen und miteinander zu vernetzen. Es gibt viele Menschen, die sich in ihrem privaten Umfeld für Umwelt, Bildung, Gesundheit oder andere soziale Themen einsetzen, deren Engagement jedoch von den klassischen Medien kaum wahr genommen wird. Darüber hinaus gibt es viele Einzelakteure, die gar nichts voneinander wissen. Für sie könnte eine bessere Vernetzung untereinander hilfreich sein.
Auch ist es so, dass im Internet zum einen oft jene Themen dominieren, die sowieso schon in den klassischen Medien präsent sind oder es geht um viel Technisches (welches Plugin ist mal wieder in Mode) oder um SEO-Aspekte (wie bekomme ich möglichst viele Backlinks und kann mit meinem Blog Einnahmen erzielen) oder die Blogosphäre dreht sich gern auch mal um sich selbst.
So betrachtet ist es kein Wunder, wenn Außenstehende, die kaum Berührungspunkte zum Internet haben, hier zunächst für sich keinen Mehrwert erkennen können und Bloggen und Twittern für reine Zeitverschwendung halten.
Im vergangenen Jahr habe ich auf der Re:publica08 und dem ersten SocialCamp in Berlin viele engagierte Leute getroffen, die wie ich der Meinung waren, dass man mit dialogorientiertem Internet vernachlässigte Themen aufgreifen und transportieren kann, am besten direkt heraus aus ihrer jeweiligen Nische bis hin zu einer Veröffentlichung in den klassischen Medien (Print, Radio und Fernsehen).
Ich dachte damals daran, z.B. für eine Suppenküche, ein Altenheim oder eine Selbsthilfegruppe einen PC mit Internetzugang kostenlos bereit zu stellen und Interessierten zu zeigen, wie das Bloggen funktioniert. Eine Art Blogpatenschaft also. Ich stellte mir dazu eine Kooperation vor mit Gewerbetreibenden aus dem jeweiligen Umfeld (Computerschule, PC-Firma …), die dadurch eine Möglichkeit bekommen, sich konkret vor Ort zu engagieren. Die Firma sollte die Bereitstellung von Hard- und Software finanzieren und eine Gruppe von engagierten BloggerInnen würde den Umgang mit Blogs, Twitter, Communities, Kommentarfunktion erklären und zeigen, wie Vernetzung funktioniert und möglichst auch regelmäßig dazu Hilfestellung geben.
Das das so einfach nicht geht, wurde mir schnell klar! Die angesprochenen Einrichtungen verstanden gar nicht, wieso es für sie gut sein sollte zu bloggen, und nannten auf mein Nachfragen hin sofort (ohne sich auf die Idee einzulassen) viele Gründe, warum das für sie nicht in Frage käme (Zeitmangel, Geldmangel, Arbeitsaufwand, Schulungsbedarf, Unsicherheit in Fragen des Datenschutzes, Verlust der Kontrolle über das, was innerhalb der Einrichtung gesprochen wird). Für Firmen, die ich wegen einer möglichen PC-Spende incl. Support angesprochen hatte, war das alles noch zu sehr „Beta“. Weiteres Nachfragen meinerseits erübrigte sich dann auch, weil keine der angesprochenen Einrichtungen überhaupt einen Bedarf nach „Web 2.0“ sah und ich als Privatperson ja nur sehr begrenzte Ressourcen habe. Meine ersten Nachfragen offline ergaben also: Kein Bedarf für so was wie Blogpatenschaften.
Online sah das ganz anders aus: Über mein Blog hatten sich inzwischen so um die 30 Blogger und Bloggerinnen gemeldet, die sich vorstellen konnten, in ihren eigenen Blogs Gastbeiträge von anderen zu veröffentlichen oder einem Web-Einsteiger das Bloggen zu erklären oder auch Patenschaften über eine Person oder ein bereits bestehendes sozial engagiertes Projekt zu übernehmen. Hans Fährmann eröffnete zusätzlich noch die www.offene-plattform.de, ein Blog für alle, die kein eigenes Blog haben (wollen) und es gab erste Gastbeiträge über interessante Projekte: Hier einige Beispiele:
- Ingo Frost, der selbst kein eigenes Blog hat, stellte das Projekt WikiWoods.org vor.
- Dr. Weinreich schrieb über das Projekt Freiheitsredner.
- Herbert Schmidt berichtete über Senioren im Web 2.0 und startete selbst ein eigenes Blog.
- Dr. Brigitte Reiser schrieb über die NonProfit-Blogparade.
- Dr. Christian Spannagel berichtete über seine Erfahrungen als öffentlicher Wissenschaftler und wie man Lehrveranstaltungen mit Web 2.0 öffnet.
- Der Musiker Nils Kercher (hat bisher noch keine Erfahrungen mit dem Bloggen) stellte auf der Offenen Plattform seine neue CD vor.
- Alexander Klement, der selbst kein eigenes Blog betreibt, schreibt als Co-Blogger bei Blogpatenschaften über sein Projekt Bildungsspender.de.
- Auf der Offenen Plattform gab es außerdem zwei Beiträge von Mitgliedern aus Selbsthilfegruppen, die anonym über ihren Alltag mit einer chronischen Krankheit berichten.
Online gab es sofort Zuspruch und Unterstützung. Offline verstanden viele nicht, was ich ihnen da vorschlage. Natürlich ist es zunächst auch kein großer Aufwand, einen Link zu setzten und sich online zu vernetzen. Hier liegt die Herausforderung eben genau darin, dass engagierte Onliner eben auf Offliner zugehen müssen und nicht darauf warten können, dass hier jemand von sich aus nachfragt. Im Sinne einer Blogpatenschaft ist mehr gefragt, als nur mal schnell einen Link zu setzen. Mir wurde klar: Um “Offliner” dafür zu gewinnen, über ihre Themen zu bloggen, muss man ihnen zunächst von den Möglichkeiten des Web 2.0 erzählen. Und man muss selbst den Kontakt herstellen. Das habe ich dann in meinem ganz persönlichen Umfeld hin und wieder ausprobiert, mit dem Ergebnis, dass der eine oder andere hier tatsächlich profitieren konnte.
Insgesamt und über den eigenen Tellerrand geblickt, finde ich, dass sich im zurückliegenden Jahr in Sachen soziales „Social Web“ einiges getan hat. Gerade auch durch Angebote, wie die Treffen im Rahmen der Socialbar sowie zahlreiche engagierte Internet-Plattformen, interessante Netzwerke, einen Nachhaltigkeits-News-Reader und ganz konkrete Einzel-Aktionen (Brunnen für Tani oder Aktion Uwe) kommt das Web 2.0 als Kommunikationstool so langsam auch im „Sozialen Sektor“ an.
Mit Blick auf Blogpatenschaften und meine ursprüngliche Idee, in Kooperation mit Gewerbetreibenden oder Bildungseinrichtungen vor Ort Brücken zwischen Online und Offline zu bauen, bin ich gespannt, wie es in Zukunft weiter geht.
Ich bin auch gespannt – vielen Dank für deinen Gastbeitrag!