Vor ca. 3 Monaten wurde ich von Ricarda T. Reimer gefragt, ob ich am 30.10. nicht an einem wissenschaftlichen Tagesgespräch über forschendes Lernen an der UZH in Zürich teilnehmen möchte. Ich habe natürlich gerne zugesagt, allerdings unter dem Hinweis, dass forschendes Lernen eigentlich gar nicht mein Thema ist. Sie meinte, das mache nichts.
Mittlerweile ist es mein Thema.
Wie kam es dazu? Mir ist neulich (eine Woche vor dem Tagesgespräch) klar geworden, was der Begriff für mich bedeutet. Für mich bedeutet er nicht so sehr, Studierende in die Methodik empirischer Forschung und wissenschaftlich exakten Arbeitens einzuweisen. Hierbei fließt oft sehr viel Energie in die Methodik, und die Inhalte bleiben auf der Strecke. Es handelt sich dabei sowieso mehr um “Forschung lernen” und nicht um “forschendes Lernen”. Der Unterschied ist subtil.
Man muss den Begriff auf sich wirken lassen. Forschen.
Bei dem Bild eines Forschers habe ich eine Person vor Augen, die sich durch Dickicht kämpft, um eine seltene Pflanze zu finden. Oder eine Person, die sich in einem Busch versteckt, um ein Tier zu beobachten. Oder jemand, der mit viel Geduld solange mit einem Löffel gräbt, bis er was findet. Ein Forscher ist jemand, der neugierig und wissbegierig ist. Das sind Eigenschaften, die man bei so manchem vermisst, der sich heutzutage “Forscher” nennt.
In diesem Sinne haben wir in der Bildungsexpedition forschend gelernt. Wir sind “rausgefahren” und haben Fragen gestellt, neugierig hingesehen und fleißig dokumentiert. Und genau diese Form des forschenden Lernens versuche ich mittlerweile, in meinen Lehrveranstaltungen umzusetzen: Die Studierenden forschen außerhalb der Hochschule (im “Bildungsdschungel”) und versuchen, relevantes Wissen für ihre Fragestellungen zu finden. Zwei Beispiele:
- In meinem Seminar Didaktik des Informatikunterrichts dürfen Studierende selbst entscheiden, wie sie das Seminar gestalten. Sie kamen von selbst auf die Idee, an Schulen zu gehen und Lehrer, Schüler und andere Personen über Informatikunterricht zu befragen. Sie gehen raus und filmen, interviewen und protokollieren.
- In der Kombiveranstaltung AnOrMaL (gemeinsam mit Ulli Kortenkamp an der PH Karlsruhe) suchen Studierende Personen, die sich beruflich in irgendeiner Weise mit Mathematik auseinandersetzen müssen, interviewen sie und versuchen, sich in das entsprechende mathematische Teilgebiet einzuarbeiten. Als ersten Schritt sind die Studierenden durch die Gegend gezogen und haben “Mathe im Alltag”-Fotos geschossen – wenn das mal keine forschende Vorgehensweise ist!
Für mich hat der Begriff “forschendes Lernen” in den letzten Wochen diese besondere Bedeutung bekommen. Ich werde diese Sichtweise in das wissenschaftliche Tagesgespräch einbringen und freue mich auf eine anregende Diskussion.
Zum runden Abschluss dieses Beitrags eine Diskussion im Rahmen der Bildungsexpedition mit Michael Kerres und seiner Gruppe über die Frage: Ist das eigentlich Forschung? (zu 12:38 springen)
“Ist das Forschung?” ist übrigens eine andere Frage als “Ist das forschendes Lernen?”.





