Anmeldung zur Sprechstunde per Wiki

Veröffentlicht: Sonntag, Oktober 4, 2009 in Teaching, Web 2.0

Eine Anfrage von Kerstin Mayrberger auf meiner Facebook-Pinnwand hat mich inspiriert, mal einen Weblog-Artikel über eine wirklich praktische Sache zu schreiben: Die Sprechstundenanmeldung per Wiki.

Studierende beklagen sich oft, dass sie zu Sprechstunden kommen und dann ewig warten müssen, bis sie drankommen. Im Extremfall ist die Sprechstunde vorher zu Ende und sie müssen wieder von dannen ziehen. Manchmal kommt man auch gleich von vorneherein umsonst: Man steht vor der Tür des Dozenten und muss lesen, dass die Sprechstunde wegen Krankheit entfällt. Dann ist man aber schon angereist – und das nicht selten mit einem größeren Anfahrtsweg.

Die Abhilfe von all diesen Probleme habe ich vor einiger Zeit bei Thomas Raith an der PH Heidelberg entdeckt: Die Online-Anmeldung zur Sprechstunde per Wiki. Ich habe das Konzept gleich adaptiert und leicht weiterentwickelt. Seit einiger Zeit habe ich nun meine Wiki-Sprechstunden-Anmeldeseite – und die funktioniert folgendermaßen:

  • Die nächsten Sprechstundentermine sind dort eingetragen mit 15-Minuten-Zeitslots. Die Studierenden können jeweils einen Slot für sich belegen, indem sie sich dort eintragen. Da es ein Wiki ist, kann jeder einfach ändern. Erste Bedenken, dass Studierende ohne Wiki-Erfahrung Probleme haben, haben sich nicht bestätigt: Es funktioniert problemlos.
  • Wer nur eine  Unterschrift benötigt, kann einfach so vorbeikommen und muss sich nicht eintragen.
  • Studierende werden darauf hingewiesen, dass sie sich nicht mit vollem Namen eintragen müssen (das wäre nicht ok, weil öffentlich), können es aber. “Micky Maus” oder “B. K.” tun’s natürlich auch – es geht ja nur darum, den Zeitslot zu belegen.
  • Wenn mal eine reguläre Sprechstunde ausfällt, dann gibt es einfach keine Eintragungsmöglichkeit für diesen Termin.
  • Zu Beginn der Seite weise ich auch darauf hin, dass die Studierenden kurz bevor sie in die Sprechstunde gehen nochmal auf die Seite schauen sollen, um nachzusehen, ob sich etwas geändert hat. So stelle ich sicher, dass Studierende nicht umsonst kommen, wenn ich kurzfristig krank geworden bin. Das schreibe ich dann nämlich einfach ins Wiki. Das Konzept hilft also dabei, verlässlich zu sein.
  • An meiner Bürotür hänge ich keine Sprechstundenzeiten mehr aus, weil dieses System zu starr ist und nicht mit der Flexibilität des Wikis mithalten kann. Dort hängt nur der Hinweis auf die Webseite aus.
  • Falls bei großem Andrang eine zusätzliche Sprechstunde außer der Reihe notwendig wird, dann kann ich einfach eine hinzufügen, auch von zu Hause aus, und Studierende können sich gleich dort eintragen. Wirklich sehr flexibel!

Ich habe immer mal wieder Studierende in der Sprechstunde auf die Anmeldung angesprochen. Ausnahmslos alle waren begeistert. Daher halte ich das Konzept wirklich für gelungen und werde es weiterhin verwenden. Ich freue mich, dass auch Kerstin Mayrberger es sofort adaptiert hat, und bin auf ihre Erfahrungen damit gespannt.

Vielleicht ist das auch ein Konzept für euch? Probiert’s mal aus!

[Update] Ich habe noch zwei Vorteile vergessen zu nennen. Vergessener Vorteil 1: Als Dozent sieht man auch sofort, wenn sich niemand angemeldet hat. Dann kann man sich auch mal länger aus dem Büro entfernen und muss nicht die ganze Zeit umsonst “auf Besuch” warten. Vergessener Vorteil 2: Es gibt keine Nachteile.

About these ads
Kommentare
  1. [...] Gefunden unter Anmeldung zur Sprechstunde per Wiki « chrisp’s virtual comments. [...]

  2. Oliver Tacke sagt:

    Interessante Idee.

    Etwas Ähnliches haben wir einmal für eine Klausureinsicht ausprobiert. Klassischerweise ist das in der BWL in Braunschweig so, dass ein Zeitraum von etwa zwei-drei Stunden angegeben wird, in dem man in die Klausur einsehen kann und auch wissenschaftliche Mitarbeiter direkt befragen kann. Punkt. In Konsequenz warten die Studenten ewig, bis sie drankommen. Die Schlange staut sich dann gerade in Grundlagenfächern mit 500+ Teilnehmern durch das Treppenhaus bis auf die Straße. Sieht dann so aus: http://twitpic.com/k7x0z.

    Das fanden wir vier wissenschaftlichen Mitarbeiter eines Instituts sehr unschön und haben folgendes probiert: Wir haben einen kompletten Vormittag lang vier Tracks mit je 10-Minuten-Slots angeboten. Einen von diesen konnte man sich (per PHP-Anmeldeskript, nicht per Wiki) reservieren, und hatte dann die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Mitarbeiters. Unserer Meinung nach ein prima Service – man musste nicht anstehen und hatte auch sofort jemanden für Fragen parat.

    Die Studierenden fanden das aber gar nicht gut! Sie beschwerten sich, man hätte ja nur 10 Minuten für die Einsicht. Nun, die meisten warfen sowieso nur ein paar Minuten einen Blick auf die Kommentare und verschwinden dann wortlos wieder – und niemand wurde nach 10 Minuten herausgeworfen! Außerdem sei die Zahl der Slots ja viel geringer als die Anzahl der Klausurteilnehmer, das sei ja unfair. Es wurden allerdings vielleicht gerade einmal drei Viertel der Slots gebucht. Wir hatten also gar nicht so schlecht geschätzt. Viele Studierende kamen außerdem gar nicht erst und haben so anderen nur (die zeitlich interessanteren?) Plätze blockiert.

    Kurzum: Wir kehrten zum “traditionellen” Verfahren zurück. Es beschwerte sich niemand. Seltsam, aber wahr.

  3. Christian sagt:

    Danke für den Hinweis, ich habe versucht mir was mit doodle zu basteln, das scheint mir aber zu starr:

    http://doodle.com/participation.html?pollId=zvaf4u2sdz2g8tkm

    Vorteil wäre, dass viele Studierende das System schon kennen.

  4. cspannagel sagt:

    @Oliver Klausureinsicht und Sprechstunde sind emotional unterschiedlich besetzt; vielleicht erklären sich daraus die Unterschiede in der Bewertung des Verfahrens.

    @Christian Ja, an doodle dachte ich auch schon. Allerdings ist die tabellarische Repräsentation etwas schwieriger zu dekodieren als die Wiki-seite…

  5. cspannagel sagt:

    @Christian Die Verwendung des Wikis hat auch einen didaktischen Grund: Ich will erreichen, dass die Studierenden lernen, mit Wikis umzugehen, und zwar in einer authentischen Situation. Hier kann schon mal das “Eis gebrochen” werden (“war ja gar nicht so schwer, was zu ändern…”).

  6. Kerstin sagt:

    Zuerst hatte ich auch überlegt, doodle zu nutzen, aber genau wie Christian oben schreibt dieses vorerst gelassen, da es mir a) zu unflexibel und b) für mich zu aufwändig erscheint immer wieder doodles für kürzere Zeitabschnitte anzulegen. Zudem wären zusätzliche Infos zu Besprechungswünschen nur über die Kommentarfunktion möglich und das erscheint mir im Handeling doch sehr umständlich und auch kurzfristige Änderungen sind kaum möglich einzutragen.

    Einziges Bedenken, das ich im Moment habe, ist inwiefern diese öffentliche Wiki-Seite zur Sprechstundeneintragung evtl. von Dritten mit Spam gefüllt werden könnte. Damit es für die Studierenden möglichst niedrigschwellig ist, sich einzutragen, habe ich nämlich (vorerst) auf eine Anmeldung bei wikispaces verzichtet, um auf der Seite schreiben zu können, das Wiki also “öffentlich” gemacht. Aber auch hier gilt: Versuch mach klug …

    Von meinem Erfahrungen mit der Online-Anmeldung werde ich in jedem Fall berichten. Ich bin mal gespannt, inwiefern sich Studierende der (Medien-)Pädagogik darauf einlassen.

  7. Markus Jung sagt:

    Das System macht in der Tat einen sehr nützlichen Eindruck mit Vorteilen für alle Beteiligte. Mir gefällt daran besonders, dass es einfach ist. Kein komplexes System mit Anmeldung, Berechnungen, Design etc.

    Ich habe eine kurze Frage in dem Zusammenhang, die etwas off-topic ist: Ich habe per Fernstudium studiert und kenne daher viele Gepflogenheiten an Präsenzhochschulen nicht.

    Ist es generell so, dass die Sprechzeiten auf 15 Minuten pro Studierenden beschränkt sind? Für die meisten Themen ist das vermutlich ausreichend und zwingt auch dazu, sich vorzubereiten und die Zeit effizient zu nutzen, aber bei komplexeren Problemen scheint mir das doch sehr wenig.

    Oder gibt es dann auch noch die Möglichkeit, einen größeren Slot bzw. mehrere belegen zu können?

  8. cspannagel sagt:

    @Kerstin Vandalismus wird immer als Argument ins Feld geführt, wenn Wikis verwendet werden. Ich denke, man muss ganz klar sagen: Es kommt nicht vor. So ein Sprechstundenwiki hat kaum Attraktionskraft für Vandalen (anders als Wikipedia). Und selbst wenn es mal vorkommen würden, kann man die alten Versionen ja wieder herstellen.

    @Markus Nein, Sprechzeiten sind natürlich nicht auf 15 Minuten beschränkt. Dabei handelt es sich nur um eine pragmatische Lösung fürs Eintragen. Selbstverständlich kann ein Gespräch auch mal länger dauern. Dann muss der Nachfolgende eben 5 oder 10 Minuten warten. Meine Erfahrung mit dem System zeigt aber, dass man mit 15 Minuten in der Regel ganz gut hinkommt.

  9. Oliver Tacke sagt:

    @cspannagel Ja, möglicherweise. Jedenfalls sind sie offenbar mit dem Warteschlangenmodus zufriedener – zumindest meckert da niemand großartig uns gegenüber.

    Liegt vielleicht auch daran, dass in den anderen BWL-Instituten auch so verfahren wird. Ist halt irgendwo “normal”.
    Oder das gemeinsame Warten ist einfach ein soziales Ereignis, das sonst vermisst wird: noch einmal über die Klausur oder die Warterei schimpfen oder so :-)

  10. scheppler sagt:

    Hi Christian, ich weiß, Du bist wohl einer der größten Wiki-Fans im eLearning-Sektor.
    Aber schau Dir doch mal Google Docs an, wo Du einfach ein Formular erstellst, die Studis sich im Formular eintragen und das Ganze schön übersichtlich in eine Tabelle geschrieben wird, die Du dann als Übersicht ebenfalls einbetten kannst, damit man sieht, welcher Termin noch frei ist.

    Neben dem vorgeschlagenen Doodle gibt es noch Morganize und auch http://www.tungle.com

    Bitte nicht als Kritik sondern als Anregung verstehen :-)

  11. cspannagel sagt:

    @scheppler Hey, ich mag Kritik! Also her damit! :-))

    google docs ist auch ne gute Idee… aber braucht man da nicht einen google docs account zum ändern?

  12. @cspannagel WikiVandalismus und WikiSpam ist nicht ganz das Gleiche: Während beim Vandalismus tatsächlich jemand ein individuelles Interesse daran haben müsste, _Deine_ Seite zu verschandeln, muss diese Individualität beim WikiSpam nicht gegeben sein: Es reicht, dass Du öffentlichen Webspace zum Spammen anbietest.

    Doch auch hier lässt sich technisch verschiedenes machen: Ein robots.txt hält die anständigen Suchmaschinen fern, eine Suchmaschinenfalle die unanständigen. Im schlimmsten Fall hält ein Captcha spammende Roboter fern und stellt einen geringen Mehraufwand für ehrliche user/studierende dar.

  13. @Beat Ok, richtig, du hast recht. Danke!

    Ich habe meine Sprechstundenanmeldung bei Wikiversity – ich vertraue mal darauf, dass die entsprechende Mechanismen zur Spamabwehr eingebaut haben. :-))

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s