Generationenübergreifendes Lernen im Web III

Veröffentlicht: Sonntag, Januar 31, 2010 in Web 2.0

Eine wirklich sehr anregende Veranstaltung war die Tagung zum Lebenslangen Lernen der Landesstiftung Baden-Württemberg am letzten Mittwoch! In einigen Vorträgen wurden Projekte vorgestellt, in denen ältere Menschen an die Rechnernutzung herangeführt werden (beispielsweise in speziellen Seniorenkursen). Das Spektrum ging dabei von absoluten Grundkenntnissen und feinmotorischen Übungen mit der Maus bis hin zum Bewegen in sozialen Netzwerken. Auch der Datenschutz hat nicht gefehlt: Der Landesdatenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg hat einen sehr guten und fundierten Vortrag über Datenschutz im Internet gehalten. Die anschließende Podiumsdiskussion, an der auch ich teilnehmen durfte, war ebenfalls sehr anregend. Hier ein paar Statements, die in der Diskussion fielen:

  • Wichtig beim Erlernen von Softwarenutzung ist, dass sie an einem authentischen Problem erlernt wird. Diese Forderung ist schon lange aus der Forschung zu Software Training bekannt, muss aber immer wieder ins Gedächntnis gerufen werden. Kurse sollten meiner Ansicht (und derjenigen der anderen Podiumsteilnehmer) nach nicht “Internet-Kurs” heißen, sondern z.B. “Reisen planen mit dem Internet”. Der Computer ist dann nicht mehr in sich selbst ruhender Zweck, sondern Werkzeug – das heißt Mittel zum Zweck. Die Motivation, warum ich mich mit dem Computer beschäftigen sollte, wird klar, und vielleicht behält man sich das ein oder andere auch besser, weil man es gleich zu Hause in den entsprechenden Kontexten anwenden kann. Carsten Holtmann vom FZI hat außerdem einen sehr guten Gedanken eingebracht: Wenn ich weiß, dass ich Word lerne, um einen Brief zu schreiben, dann weiß ich auch, wann ich mit  dem Lernen aufhören kann (nämlich dann, wenn ich weiß, wie ich einen Brief schreibe). Habe ich hingegen das Ziel, kontextlos das Programm Word zu erlernen, dann  kann ich schlecht abschätzen, welche Features relevant für mich sind, und ich weiß nicht, wann es “gut” ist.
  • Eine Motivation, sich mit dem Computer zu beschäftigen, kann auch aus den sozialen Gemeinschaften im Web erwachsen, die für ältere Menschen eine Umgebung für Austausch und Kommunikation bieten können. Das Alter baut Mauern. Das Internet kennt aber keine Mauern. Ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind und auch nicht oft Besuch bekommen, kann der Computer so zu einem Mittel werden, soziale Kontakte zu pflegen. Gerade die soziale Funktion des Webs wurde auf dem Podium immer wieder stark betont.
  • Schließlich regte das Video von Jean-Pol, das ich zu Beginn im Rahmen meines ersten Statements einspielen durfte, zu der Überlegung an, dass es nicht nur darum geht, Senioren zu helfen (nämlich mit der Computernutzung), sondern auch darum, dass man durch das Web Situationen schaffen kann, in denen die Senioren die Helfer sind. So können sie per Skype oder Wiki mit anderen Personen in kleinen Projekten kooperieren oder ihr Wissen an andere weitergeben. (By the way: Skype wurde auch als eines der Werkzeuge genannt, die besonders wertvoll für ältere Menschen sind, insbesondere für den Kontakt mit entfernt wohnenden Verwandten).

Zum Abschluss dieses Beitrags möchte ich noch das Video von Jean-Pol einfügen, weil es genau diesen Aspekt nochmal sehr schön zusammenfasst:

Ach, da fällt mir noch etwas ein: Mittlerweile gehe ich zu Veranstaltungen ja immer mit der Frage, wen ich dort aus meinen virtuellen Netzen treffe. Ich freue mich immer schon auf die Überraschungen, die einen erwarten, z.B. wenn man Personen trifft, die man noch nie vorher real getroffen hat, aber mit denen man  intensiv virtuell kommuniziert. Auch an diesem Tag war es wieder so: Ich habe zu meiner großen Freude Walter Spannagel getroffen, mit dem ich mich schon länger über Twitter und Facebook austausche. Wir sind zwar nicht verwandt (was man ja annehmen könnte), haben uns aber auf Anhieb sehr gut verstanden. Das ist aus zwei Gründen kein Wunder: Erstens mal sind alle Spannagels total nett. Und zweitens ist eben das der Vorteil des virtuellen Austauschs: Man kennt sich schon, auch wenn man sich noch nie vorher gesehen hat. Kann nicht genau dieser Effekt genutzt werden, um ältere Menschen zur Internetnutzung zu motivieren? Wie man das anstellt, weiß ich auch noch nicht genau. Vielleicht habt ihr eine Idee?

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Kommentare
  1. Toll. Diese Ideen werden überall redundant eingespeist, so dass die chancen wachsen, dass das sysem in resonanz gerät! Danke Christian!

  2. hosi1709 sagt:

    Danke für die informative Zusammenfassung. Besonders die Hinweise auf “Lernen am konkreten Beispiel” und “Mobilität durch Online-Lernen” erfreut mich natürlich, da das genau das Prinzip von Senioren-Lernen-Online ist. Im Blog zu meinen Online-Stammtischen findet an Beispiele: http://hositest.posterous.com/

  3. Wedernoch sagt:

    Lernen anhand eines eigenen Zieles ist Ausgangspunkt für selbstständiges Weiterlernen. Dazu gehört auch die unkomplizierte Betreuung bei Fragen, wie es Hosi1709 anbietet oder der Kurs bibliothek2.009 angeboten hat. (Was einen riesigen Einsatz bedeutet.)Dann kann alles frei nach dem eigenen Interesse laufen. Ein Selbstläufer wird es, wenn erkannt werden kann, wie nutzbringend und spannend eigenverantwortliches Lernen im Netz ist. Mich begeistert auch die Freiheit, mit der ich mich entscheiden kann, wohin im Netz ich denn gehen möchte. (Bildbearbeitung, Kommunikation,…)
    Ein guter Beitrag Herr Spannnagel. Wie viele Spannagels gibt es denn? Wenn alle nett sind, würde ich mir welche in der Umgebung suchen. :))

  4. @wedernoch: Man kann sich uns annähern über http://www.verwandt.de/karten/absolut/spannagel.html.

    Und den positiven Eindruck in Beziehung auf Christian kann ich nur bestätigen. Hat Spaß gemacht, und ich freue mich schon auf die nächste Live-Begegnung, wann und wo auch immer.

    Und ich denke ebenfalls, dass die Möglichkeiten, Menschen kennenzulernen (zunächst virtuell, gerne dann auch live) oder auch Kontakt mit entfernt lebenden Freunden und Verwandten halten zu können (worüber Carmen Stadelhofer auf dem Seminar berichtet hat), ein sehr guter Motivationsansatz ist.

  5. cspannagel sagt:

    @Wedernoch Genau – die Freiheit des Netzes begeistert mich auch. Und diese Freiheit sollte (gerade) auch für ältere Menschen attraktiv sein, insbesondere wenn die Mobilität eingeschränkt ist.

    @Walter Danke für den Karten-Link. Klasse! (Woher nehmen die die Daten?)

  6. [...] unterstütze in dieser Hinsicht absolut Christian Spannagels Statement, dass Softwarenutzung anhand authentischer Probleme erlernt [...]

  7. [...] virtual comments: Christian erklärt Schülern, wie Wikis funktionieren Generationenübergreifendes Lernen im Web III (mit Bezug zu Jean-Pol Martin) Bildungsreporter: erste [...]

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