Seit Schulmeisters Veröffentlichung Ansichten zur Kommentarkultur in Weblogs juckt es mir in den Fingern. Ich trage mich seit zwei Tagen mit dem Gedanken, einmal Rolf Schulmeisters Weblog (bzw. das Weblog des Zentrums für Hochschul- und Weiterbildung in Hamburg) zu untersuchen. Nach einigem Hin- und Her habe ich mich nun entschieden, diese mühsame Aufgabe auf mich zu nehmen.
Eins ist mir wichtig: Diese Analyse ist als SPASS gemeint und soll auch so aufgefasst werden. Ich hoffe, dass Rolf Schulmeister auch diesen kleinen Ulk versteht.
Vorbemerkung
Bei dem ZHW-Weblog handelt es sich um ein Gruppenblog, in dem mehrere Personen bloggen,oft einfach auch nur unter dem Namen ZHW. 3 Blogartikel stammen von Rolf Schulmeister, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass er auch mal unter dem Namen ZHW gebloggt hat (dies kann nicht nachvollzogen werden).
Im ersten Beitrag vom 21. April 2008 steht:
Dieses Weblog wird ab jetzt von einer Reihe von Autor(innen) geführt werden. Die unterschiedlichen Perspektiven und Interessen der Mitglieder des ZHW, die sich in den namentlich gekennzeichneten Beiträgen widerspiegeln werden, sollen einen Eindruck vermitteln, woran wir im ZHW gerade arbeiten oder planen und welche Themen uns beschäftigen.
Wir hoffen, dass die eine oder andere Nachricht auch – ganz im Sinne der Web 2.0-Idee – zur Online-Diskussion anregen wird und wir mit Ihnen ins virtuelle Gespräch kommen.
Wollen wir mal sehen, ob das ZHW-Weblog diesem Anspruch gerecht geworden ist.
Die Stichprobe
Nimmt man die Weblogs, ausgehend von der Blogroll des ZHW-Weblog, die sich wechselseitig verlinken, dann erhält man ein Netz von genau zwei Weblogs (nämlich ein Netz bestehend aus dem ZHW-Weblog und dem Weblog von Kerstin Mayrberger). Ok, bleiben wir mal beim ZHW-Weblog – dieses Weblog liegt ja in unserem hauptsächlichen Interesse.
Quantitative Analyse
In die quantitative Analyse sollen einmal alle Beiträge seit Gründung des ZHW-Weblogs eingehen. Ich habe zunächst einmal das Weblog um nicht zum Inhalt oder Kommentar zählende Informationen gestrippt (was bedeutet das eigentlich?). Der erste Beitrag erschien (wie oben bereits beschrieben) am 21. April 2008. Seitdem sind ingesamt 38 Blogartikel erschienen. Das sind bei ca. 22 Monaten Laufzeit in etwa 1,73 Blogartikel pro Monat. Insgesamt wurden 19 Kommentare eingestellt, und zwar auf 15 Blogartikel verteilt (das sind 39% aller Artikel). Dies bedeutet, dass in der Regel 1 Kommentar gegeben wurde, wenn ein Artikel kommentiert wurde. Die Höchstzahl an abgegebenen Kommentaren pro Artikel war 3. Das Verhältnis “Kommentare / alle Posts” beträgt 0,5, das Verhältnis “Kommentare / Posts mit Kommentar” beträgt 1,27. Das ist vergleichbar mit einigen von Schulmeister untersuchten Weblogs (wobei Schulmeister auf S. 20 ein Verhältnis “Posts : Kommentare” mit weniger als “1 : 1″ als “schon quantitativ betrachtet sehr dünn” bezeichnet) . Unter den 19 Kommentaren waren übrigens 9 Trackbacks, d.h. (mit viel gutem Willen) waren es 10 echte Kommentare. Immerhin (in ca. 2 Jahren).
)
Ich hoffe, man verzeiht mir, dass ich nicht die Wörter in Artikeln und Kommentaren gezählt habe.
Art der Kommentare
Ich habe versucht, dieselben Kategorien wie in der Untersuchung von Schulmeister anzulegen (Sachbezug, Sozialbezug, Selbstbezug, Hinweise, Restkategorie). Mit bestem Wissen und Gewissen bin ich auf folgende Zahlen gekommen: 4 der echten Kommentare haben Sozialbezug, 3 haben Sachbezug, einer Selbstbezug und 3 sind Hinweise. Also immerhin 30% haben Sachbezug.
Qualitative Analyse des Weblogs
Viele Artikel im ZHW-Weblog sind Ankündigen (z.B. von Forschungsprojekten, Stellenausschreibungen u.ä.) oder Berichte zu ähnlichen Themen. Es ist schwierig, echte Kategoriegrenzen zu ziehen, aber ich würde sagen, 33 Artikel haben diesen Ankündigungs- oder Berichtcharakter. So ist es kaum verwunderlich, dass die vier Artikel, die ich eindeutig in “echte Inhaltsdarstellungen” einordnen würde, auch die meisten Kommentare erhielten, so beispielsweise ein historischer Artikel über Weblogs von Rolf Schulmeister und ein Artikel über einen Referenzrahmen für e-Learning-Angebote von Kerstin Mayrberger mit jeweils 3 Kommentaren. Wobei zu sagen ist, dass im ersten Fall die drei Kommentare Trackbacks sind und im zweiten Fall eine Nachfrage zu einem PDF-Dokument und zwei Antworten dazu.
Fazit
Betrachtet man das ZHW-Weblog, so könnte man zu der Auffassung kommen, dass Artikel, die hauptsächlich im Ankündigungs- und Bericht-Stil geschrieben sind, nicht so recht förderlich für eine wissenschaftliche Kommentarkultur zu sein scheinen. Jedenfalls helfen auch die explizitien Aufforderungen in den jeweiligen Artikeln, dass doch bitte kommentiert werden solle, nicht, mehr Kommentare zu erhalten wie z.B. im Blog-Beitrag über die Teilnahme an der Demo, der mit einem fettgedruckten
Was meinen Sie? Was waren Ihre guten Gründe für oder gegen die Beteiligung am Bildungsstreik? Schreiben Sie uns einen Kommentar!!!!
endet – leider erfolglos (0 Kommentare). Vielleicht ist es aber auch nicht der Charakter der Artikel, sondern die Tatsache, dass auf Nachfragen nicht geantwortet wird, wie beispielsweise hier.
Oder vielleicht ist auch der Grund, dass es sich nicht um ein persönliches Weblog mit persönlichen Reflexionen handelt, sondern um ein institutionelles Gruppenweblog?
Na, was sagt uns das jetzt? Ich würde folgendes sagen:
Das ZHW-Weblog ist wie viele andere Weblogs deswegen wertvoll, weil aktuelle Informationen zu einem bestimmten Themenbereich (nämlich den Themen des ZHW) eingestellt werden und sich Menschen, die an den Aktivitäten des ZHW interessiert sind, auf diese Weise leicht informieren können. Es ist doch nicht schlimm, dass wenig kommentiert wird. Weshalb auch, wenn es dort wenig zu diskutieren gibt? Die Autoren möchten anscheinend keine kontroversen Beiträge einstellen, welche zu heftigen Diskussionen führen könnten. Also: Die Intention des Weblogs scheint (auch wenn im ersten Weblog anders formuliert) die Information über das ZHW zu sein. Insofern entspricht doch das Kommentarverhalten in diesem Weblog exakt der Intention der bloggenden Autoren.
Schulmeister schreibt auf S. 21:
Im Bildungsbereich sollte man allerdings erwarten können, insbesondere wenn man die Absicht hat, diese Methode im Studium als Lern- oder Lehrmethode einzuführen, dass der Aus-
tausch von Ideen und Meinungen zu wissenschaftlichen Diskursen führt. Web 2.0 erhebt den Anspruch auf Partizipation, auf aktive Teilhabe, dieser Anspruch scheint aber noch nicht eingelöst zu werden.
Ich weiß nicht: Ich würde dieses Zitat wirklich (und das meine ich absolut ehrlich) nicht auf das ZHW-Weblog beziehen wollen, weil ich das Gefühl hätte, diesem Blog damit Unrecht zu tun. Insofern wünsche ich (und auch das ist aufrichtig gemeint) dem ZHW-Weblog zukünftig weiterhin viele Leser – denn, auch das muss man sagen: Über die Reichweite des Blogs und die Anzahl der Leser können nur die ZHW-Leute etwas sagen!
Und ich ende mit einem Ausruf, der die Ernsthaftigkeit dieses Blog-Beitrags nochmals unterstreichen soll:
Helau!