Eine sehr lange Leiter scheint es zu sein. Ich schaue nach oben und kann das Ende kaum erblicken. Ich ergreife die nächste Sprosse und setze meinen Fuß vorsichtig auf. Ich lasse mit meiner anderen Hand los und fasse wiederum eine weitere Sprosse der Leiter, ziehe mich ein Stück nach oben. So geht es ein ganze Weile lang. Es ist anstrengend. Diese Anstrengung befriedigt mich aber in einer gewissen Weise. Ich bin es, der die Mühe auf sich nimmt und die Leiter erklimmt. Ich bin es, der – Schritt für Schritt, Sprosse für Sprosse – seinem Ziel näher kommt. Ich habe den Eindruck, dass es eine Leistung ist, die ich selbst erbringe, und ich bin stolz darauf. Ich schaue wieder nach oben, kann das Ende nicht erblicken. Zweifel überkommen mich. Bin ich überhaupt auf der richtigen Leiter? Führt sie mich an mein Ziel? Wie kann ich sicher sein, wenn ich das Ende nicht sehen kann? Vielleicht stelle ich, oben angekommen, fest, dass ich die falsche Leiter gewählt hatte? Dann müsste ich wieder hinabsteigen und eine andere Leiter suchen… Diese Gedanken wurden dadurch unterbrochen, dass ich ins Leere griff. Ich bemerkte zu spät, dass die nächste Sprosse einen viel größeren Abstand zur vorherigen Sprosse hatte als bisher. Ich strecke mich, stelle mich auf die Zehenspitzen, wohl wissend, dass ich jederzeit abrutschen könnte. Erreichen kann ich die nächste Sprosse dennoch nicht. Ich mache einen erneuten Versuch, wieder vergeblich. Die Sprosse ist zu hoch, ich komme nicht ran. Plötzlich ergreift mich eine riesige Hand. Sie ist viel größer als ich. Ich weiß nicht, woher sie kam, und ich kann nicht die Person erblicken, zu der sie gehört. Sie nimmt mich sanft zwischen die Finger und zieht mich von der Leiter weg. Ich werde ein Stück nach oben gehoben. Es kommt mir vor wie ein Wunder, die Rettung im richtigen Moment. Ich versuche die Sprosse zu ergreifen, die eben noch unerreichbar schien. Doch nun bin ich zu weit weg von der Leiter, und die Hand hebt mich weiter hoch, an der Sprosse vorbei. Auch an der nächsten und übernächsten Sprosse werde ich vorbeigehoben, immer weiter, immer höher. Schließlich setzt mich die Hand oben, am Ende der Leiter, ab. Ich bin tatsächlich am Ziel. Es war die richtige Leiter, ich habe es geschafft. Ich… nein, nicht ich habe es geschafft. Die Hand hat mich hochgehoben. Ich habe nichts mehr beigetragen. Ich habe das Gefühl, dass die Hand es mir zu einfach gemacht hat. Es war nicht meine Leistung, ans Ziel zu gelangen. Ich bin oben, aber ich bin unglücklich darüber. Ich schaue nach unten und denke: Wie schön wäre es, wenn ich jetzt sagen könnte, dass ich es geschafft habe, die Leiter zu erklimmen. Wie schön wäre es.
Mathematische Probleme sind oft für diejenigen sehr schwierig, die sich gerade in ein mathematisches Teilgebiet einfinden. Sie kennen den Lösungsweg nicht, und vieles ist im Ungewissen. Erste Ideen führen oft nicht zum Ziel, und man versucht, einen passenden Ansatz zu finden. Wenn man schließlich nach viel Mühe und nach Irrwegen die Lösung vor Augen hat, ist man stolz darauf, die Aufgabe gelöst zu haben. Manches Mal kommt man aber nicht weiter, man findet keine Ansatz, sieht den nächsten Schritt nicht. Hier ist es die Aufgabe des Lehrenden, Hilfe zu geben und zu unterstützen. Oft wird dabei aber zu viel verraten, und nicht selten sogar die Lösung. Als Student habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass Tutoren mir zu viel verraten haben. Eine ernüchternde Erfahrung – ich wollte die Aufgabe doch selbst lösen! Darüber hinaus wird auch oft geholfen, wenn noch keine Hilfe notwendig ist. Lehrende laufen durch den Raum und geben den Lernenden Tipps, wo vielleicht noch gar keine notwendig sind. Als Lehrender sieht man oft direkt, wenn ein Student in die falsche Richtung läuft, und man kann sich kaum zurückhalten, ihn nicht auf den falschen Weg aufmerksam zu machen.
Hilfe sollte nur dann gegeben werden, wenn der Lernende auch die Hilfe wünscht (help on demand). Diese Hilfe muss dann aber auch minimal sein in dem Sinne, dass der Lernende auf die nächste Sprosse gehoben wird, an eine Stelle, von der aus er selber weitermachen kann.
Wenn man weiter über dieses Bild nachdenkt, kommen einige Fragen auf: Gilt dieses Bild – neben der Lösung mathematischer Probleme – nicht für jegliche Lern- und Bildungsprozesse? Gilt es nicht immer dort, wo Hilfe gesucht und Hilfe angeboten wird? Sollte Hilfe nicht generell den Hilfesuchenden in die Lage versetzen, das Problem (was auch immer das Problem ist) selbst lösen zu können? Ist Hilfe, die dem Hilfesuchenden das Problem aus der Hand nimmt, nicht prinzipiell unpädagogisch?
*m.g.* hat mich auf die Idee gebracht, dass Studierende, die bei mir/uns eine wissenschaftliche Hausarbeit schreiben, relativ am Anfang ihrer Arbeit einen Gastbeitrag in meinem Weblog veröffentlichen können. Dies ermöglicht es ihnen, recht früh im Entstehungsprozess ihrer Qualifikationsarbeit Rückmeldungen von außen – d.h. von euch – zu bekommen. Ich finde, das ist eine grandiose Idee, und ich werde das in Zukunft allen Studierenden anbieten. Hier ist gleich ein erster Beitrag von Georg Feidenheimer und Simon Knoblauch. Sie setzen im Rahmen einer Geometrie-Veranstaltung, in der wir auch das Geowiki verwenden, ein System ein, das es ermöglicht, studentische Lösungen aus Aktivitätsphasen anynom nach vorne an den Dozentenrechner zu holen und dann bestimmte Lösungen (z.B. solche mit typischen Fehlern) zu präsentieren und gemeinsam zu besprechen. Bitte schön, Herr Feidenheimer und Herr Knoblauch, Sie haben das Wort:
Schule der Zukunft
Jeder Schüler hat einen Bildschirm vor sich auf dem Tisch liegen und bearbeitet die Aufgaben, die der Lehrer vorher über das Netz verteilt hat. Hat jemand eine Frage, so muss er sich nicht mehr bemühen die Aufmerksamkeit des Lehrers durch Heben des Zeigefingers auf sich zu lenken, sondern schreibt diese einfach auf und schickt sie ihm über das Netz zu. Im Zeitalter unserer „Schule der Zukunft“ haben die Schüler also die Möglichkeit anonym Fragen zu stellen, ohne sich vor den Reaktionen der Mitschüler und Lehrer fürchten zu müssen. Sie können sich also mitteilen, ohne Angst zu haben, dass sie jederzeit ausgelacht werden könnten. Außerdem herrscht in der „Schule der Zukunft“ kein Papierchaos mehr, denn mit einem „Klick“ verschickt der Lehrer die Aufgaben digital an seine Schüler. Die Schüler schicken die Lösungen zurück. Jeder kann sich alles auf einem Speichermedium sichern, mit nach Hause nehmen, damit lernen, Aufgaben bearbeiten oder, wer mag, auch einfach ausdrucken und abheften.
Uni der Zukunft
Ebenso könnten Vorlesungen, Seminare und Übungen in der Zukunft aussehen. Studenten trauen sich meist nicht zu fragen oder zu kritisieren. In der Zukunft können sie dies alles anonym tun. Keiner weiß, wer die Frage stellt. Der Dozent kann hier kleine Aufgaben in die Vorlesung einbinden, die von den Studenten bearbeitet und anonym an ihn zurück geschickt werden. Jetzt hat er die Möglichkeit, sich die Lösung herauszusuchen, welche er am geeignetsten für den weiteren Verlauf der Veranstaltung hält. Von außen betrachtet könnte man solch eine Veranstaltung mit einem riesigen Gehirn vergleichen. Ein „Instructor“ (Lehrer, Dozent) entscheidet dabei, welcher (Hirn)impuls wichtig ist und genau diesen gibt er dann zur Diskussion frei. Ebenso, wie in der Schule der Zukunft, kann hier natürlich auch alles abgespeichert und mit nach hause genommen werden.
Aktuelle Situation in der Schule
Der Lehrer verteilt Arbeitsblätter, welche die Schüler bearbeiten sollen. Zuvor erklärt er an einer OHP-Folie, wie er sich die Bearbeitung der Aufgaben vorstellt. Der eine oder andere Schüler fragt vielleicht mal nach, wenn er etwas nicht verstanden hat. Viele jedoch schauen auf das Blatt und wissen immer noch nicht was zu tun ist, sei es wegen mangelnder Aufmerksamkeit oder auch einfach weil sie es nicht verstanden haben. Die Schüler bearbeiten die Aufgaben, der Lehrer läuft durch die Reihen und erklärt hier und da noch einzelnen, wenn er etwas bemerkt. Bei der anschließenden Besprechung ruft der Lehrer einen Schüler auf, der die Aufgabe nochmal vorliest und seine Lösung auf die Folie schreibt. Ist nur noch wenig Zeit, übernimmt dies meist auch der Lehrer. Ist die Lösung richtig, ist alles wunderbar, alle nicken und gehen in die Pause. Ist die Lösung falsch, wird sie, falls noch Zeit ist, von einem anderen Schüler verbessert. Falls nicht, wieder vom Lehrer. Und dann gehen ebenfalls alle in die Pause.
Nächste Stunde:
Lehrer: „Kann mir jemand sagen was wir letzte Stunde gemacht haben?“
Schüler kramen in Ihren Ranzen und blättern ihre Ordner durch.
Susi: „Ja, das AB (xy).“
Mark-Oliver: „Das hab ich nicht…!“
Classroom Presenter
Der Classroom Presenter ist ein von der Universität Washington entwickeltes Programm für Tablet PCs. Das Programm erlaubt, dass der Vortragende in seine Folien skizziert, um manches deutlicher zu machen, und dass Zuschauer, die ihren PC mit dem Netzwerk verbunden haben, Notizen und Kommentare anonym an den Vortragenden senden können. An der PH Heidelberg erproben wir gerade eine Übungsveranstaltung für die Einführung in die Geometrie mit genau diesem „Werkzeug“.
Der Dozent bekommt alle in dieser Gruppe gesammelten Lösungen, kann sofort drauf zugreifen oder auch mit nach Hause nehmen, sie neu bearbeiten und in anderen Veranstaltungen einsetzen. Jeder Student hat die Möglichkeit sich anonym zu äußern.
Man stelle sich folgende Situation vor:
Ein Seminar mit einem Dozenten und seine Studenten. Jeder Einzelne hat einen Tablet PC mit Internetanschluss vor sich liegen:
Der Dozent öffnet als „Instructor“ das Programm und beginnt eine neue Präsentation. Jeder der Studenten öffnet das Programm ebenfalls, jedoch im Modus „Student“, und steigt in die Präsentation des „Instructors“ mit ein. Der „Instructor“ öffnet jetzt ein neues Deck und hat somit ein weißes Blatt vor sich liegen. Dieses weiße Blatt hat dann auch jeder einzelne Student vor sich. Alles, was der „Instructor“ jetzt aufschreibt, wird auch bei den Studenten sichtbar. Zum Beispiel könnte der „Instructor“ auch eine vorgefertigte Aufgabe einfügen, die seine Studenten bearbeiten sollen, um ihm diese anschließend bearbeitet wieder zurück zu schicken. Zusätzlich kann man auch noch einen „Public Display“ anschließen, den man wiederum mit einem Beamer verbindet, an dem man dann das aktuelle Deck des „Instructors“ sieht. Sobald die Lösungen der Studenten jetzt anonym beim „Instructor“ eingehen, kann er sich aussuchen, welche dieser Lösungen er als Beispiel mit der gesamten Gruppe bespricht. Dies hat den Vorteil (außer dem der Anonymität), dass er sich vorher überlegen kann, welche Lösung in dieser Situation am besten geeignet ist, um das Seminar weiter zu gestalten. Oder er nimmt die Lösungen einfach mit nach Hause und gestaltet daraus eine neue Aufgabe. Was folgt ist kein Papierchaos mehr. Alle können ihre Sachen abspeichern und mitnehmen. Jeder kann anonym Fragen stellen. Der Dozent kann die verschiedenen Lösungen weiter bearbeiten und auch anderweitig verwenden.
Zwischenbilanz
Was bisher geschah……
Die Technik war am Anfang die größte Herausforderung, der wir uns haben stellen müssen. W-Lan, Software und Co. haben uns lange auf Trab gehalten, bis die mittlerweile ca. sechs Jahre alten Rechner einigermaßen so funktioniert haben, wie wir es wollten.
Der Unterschied zu Powerpoint-Präsentationen ist der, dass man in Powerpoint nichts unterstreichen oder markieren kann, während man vorträgt. Mann muss vor an die Wand, um auf etwas zu zeigen oder auch anders gestikulieren, um etwas zu verdeutlichen. Mit dem Classroom Presenter ist das alles nicht mehr nötig, denn man kann viel besser verdeutlichen, was man meint, wenn man direkt in die Folie skizziert. Am Anfang unseres Projekts gingen wir noch aus Gewohnheit an die Wand um mit der Hand direkt auf etwas zu zeigen.
Haben die Studenten die Aufgaben gelöst und kommen dann Unmengen an Lösungen bei uns an, ist dies zunächst sehr gut, da wir jetzt eine ganze Menge Stoff haben, an den wir anknüpfen können. Jeder einzelne Lösungsvorschlag wird auf einer nebenstehenden Leiste angezeigt.
Die Folien werden leider so klein angezeigt, dass man nichts lesen kann. Zwar kann man die Größe noch ein wenig variieren, doch bekommt man die Folien einfach nicht groß genug, um anständig darin lesen zu können. Wenn man die Folien jetzt anklickt sieht man sie zwar in voller Größe auf dem Bildschirm aber auch gleichzeitig über den „Public Display“, was wir noch nicht möchten. Dieses Problem haben wir behoben, indem wir einen größeren Bildschirm angeschlossen haben und den Beamer immer ausschalten, wenn wir uns die Lösungen anschauen. Natürlich ist das nicht die optimale Lösung. Dieses Problem müsste im Programm selber behoben werden, indem es einen Button gibt, nach dessen Betätigung man sich anschauen kann was man will und sich am Public Display und an den Displays der Studenten nichts verändert.
Ein weiterer Punkt ist die Fähigkeit, auf die Schnelle alle oder zumindest die meisten Lösungsvorschläge vergleichen zu können und zu entscheiden, welche Folie jetzt die geeignetste wäre.
Außerdem ist uns aufgefallen, dass jeder Student eine Lösung gestaltet, welche er dann zu uns schickt – anders als bei konventionellen Methoden, bei denen dann die Hälfte der Studenten wartet bis die andere Hälfte einen Lösungsvorschlag erbringt.
Aus einer Umfrage in der Übungsgruppe kam deutlich hervor, dass durch die visualisierten Gedankengänge der Kommilitonen jeder einzelne Student einen besseren Zugang zu der Materie erlangt.
Verbindung zu Geowiki
Als Beispiel für die Verwendung der Studentenlösungen zeigt sich das bei Geowiki eingestellte Quiz zur „Einführung in die Geometrie“. Herr Schnirch hat hier zwei Lösungen der Studenten eingestellt und Aussagen zu diesen dazugeschrieben. Jetzt können die Studenten ankreuzen. Was stimmt, was stimmt nicht? Am Ende können sie sogar, mit Hilfe des Korrekturbuttons, sehen, ob sie mit ihren Aussagen richtig liegen oder nicht.
Dies ist erst der Anfang dieses Projekts. Sicher tauchen noch mehr Aufgaben im Geowiki“ uf, welche auf Lösungen von Studenten im CPS-Versuch basieren.
Was meint Ihr zu dem Versuch?
Was haltet ihr von unserer Vorstellung der zukünftigen Schule bzw. Uni?
Habt ihr Vorschläge oder Bedenken?
Was haltet ihr von der Möglichkeit anonym Fragen stellen zu können?
Was haltet ihr davon, dass dem Dozenten bzw. Lehrer immer alle Lösungen digital zur Verfügung stehen?
Schreibt was auch immer euch auf der Seele brennt. Zerpflückt den Versuch, zerpflückt das Programm. Jede Anregung, die wir von euch bekommen, hilft uns weiter.
Jede Lerngruppe ist anders. Das gilt auch für die Studierenden in Hochschul-Lehrveranstaltungen. Von Semester zu Semester ändern sich die Wahrnehmungen von Studierenden, was die Inhalte und die Methodik von Seminaren und Vorlesungen anbelangt. Mal ist beispielweise eine Lerngruppe der Methode des aktiven Plenums aufgeschlossen, mal nicht. Darüber hinaus probiert man als Dozent auch mal etwas Neues aus, man führt neue Rahmenbedingungen ein oder man verwendet eine Methode, die einem (zunächst) sinnvoll erscheint.
Wichtig ist daher, dass man sich Feedback von den Studierenden frühzeitig einholt und adäquat reagiert. Eine solche Reaktion kann beispielsweise darin bestehen, methodische Vorschläge von Studierenden aufzunehmen – oder nicht. Im letzteren Fall sollte man dann aber auch die Kritik der Studierenden eingehen und begründen, weshalb man trotzdem so und so verfährt und nicht anders. Im Großen und Ganzen sind solche Feedback-Schleifen wichtig, um Frust frühzeitig zu vermeiden, um voneinander zu lernen, und um die Lehrveranstaltungen didaktisch und methodisch zu verbessern.
Die hochschulweiten Evaluationen, die vom Gesetz her vorgeschrieben sind, dienen dafür nur bedingt. Zum einen sind die Fragebogen, die eingesetzt werden, oft nicht derart aussagekräftig, dass sich methodische Konsequenzen daraus ableiten lassen. Zum anderen finden die offiziellen Befragungen oft zu spät statt, und dann ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.
Früher habe ich nach ca. dem ersten Drittel der Veranstaltung von den Studierenden Feedback-Zettel ausfüllen lassen. Diese Zettel bestanden aus zwei Spalten. Eine Spalte war mit einem lachenden Smilie überschrieben, eine mit einem weinenden. Die Studierenden waren aufgefordert, positive und negative Elemente der Lehrveranstaltung zu beschreiben, immer im Sinne konstruktiver Kritik – bei negativer Kritik war ein Verbesserungsvorschlag hinzuzufügen. Vorteil dieser Methode ist, dass man ehrliches Feedback erhält, weil die Befragung anonym stattfindet. Insbesondere bei großen Lehrveranstaltungen führt dies allerdings zu einem erheblichen Auswertungsaufwand. Ich saß oft Abende da und habe die Feedback-Zettel gelesen, Exemplare eingescannt und das Fazit in der nächsten Veranstaltung anhand der eingescannten Zettel gemeinsam mit den Studierenden gezogen. Nachteilhaft ist ebenso, dass man bei mancher Kritik den Eindruck hat, dass eine Diskussion unter Studenten sinnvoll wäre, sodass bestimmte Kritikpunkte unter den Studierenden selbst geklärt und gegebenenfalls relativiert werden.
Eine andere Methode, die ich einmal ausprobiert habe, war eine offene Diskussion zur Verbesserung der Lehrveranstaltung. Während hier die Möglichkeit zum direkt Austausch besteht, hatte ich dabei allerdings den Eindruck, dass sich manch Studierender scheut, offen Kritik zu äußern. Schließlich stand ich als Dozent vorne und habe die Kritikpunkte aufgenommen, und ich prüfe sie ja auch irgendwann. Da kann man noch so sehr versichern, dass man auch für negative Kritik offen ist, die Scheu besteht trotzdem.
Seit einiger Zeit verwende ich eine Methode, die Jean-Pol Martin in der Schule eingesetzt hat. Zu Beginn der Feedback-Phase (ca. 20 Minuten vor Ende einer Sitzung) zeichne ich die Tabelle mit einem lachenden und weinenden Smilie an die Tafel. Danach fordere ich drei Studierende auf, nach vorne zu kommen: Ein Studierender schreibt die positiven Punkte auf, einer die negativen, und ein dritter ruft die Meldungen aus dem Plenum auf und moderiert die Diskussion. Ich selbst verlasse für 10 Minuten den Raum und warte vor der Tür. Nachdem die Studierenden gemeinsam ihre Punkte an der Tafel festgehalten haben, werde ich wieder in den Raum geholt. Ich lese mir die Punkte durch und frage nach. Dabei berichten mir die Studierenden von der vorherigen Diskussion und führen die Argumente an, die genannt wurden. Bei Bedarf fotografiere ich dann noch das Tafelbild, um das Feedback festzuhalten.
Diese Methode, bei der es sich letztlich um ein aktives Plenum handelt (diesmal aber ohne Dozent im Raum), vereinigt alle Vorteile und vermeidet alle Nachteile, die oben genannt wurden:
Die Methode ist zeitsparend und vermeidet “Auswertungsabende”.
Die Studierenden können gleich über bestimmte Punkte diskutieren und aushandeln, welche davon wie an die Tafel geschrieben werden.
In der anschließenden Diskussion mit mir weiß ich als Dozent nicht, von wem genau welche Punkte geäußert wurden; die Beiträge sind für mich als Dozent anonym.
Die Rückmeldungen von Studierenden zeigen mir, dass diese Methode für sehr gut befunden wird.
In der Hauptschule habe ich diese Methode noch nicht eingesetzt. Irgendwie scheue ich mich davor, Unterricht in der gleichen Weise von Schülern diskutieren zu lassen wie Vorlesungen von Studierenden. Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich zu konstruktiver Kritik führen würde. Vielleicht sollte ich mich das aber einfach mal trauen und mich überraschen lassen.
Was meint ihr dazu? Welche Feedback-Methoden verwendet ihr?
Am Institut für Datenverarbeitung/Informatik der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist für das Projekt „Vernetzung heterogener Teilsysteme in Verwaltung, Forschung und Lehre“ zum 1. September 2010 die Stelle einer akademischen Mitarbeiterin / eines akademischen Mitarbeiters (TVL EG 13) zu besetzen. Die Stelle ist auf 2 Jahre befristet.
Das gemeinsame Projekt „Vernetzung heterogener Teilsysteme in Verwaltung, Forschung und Lehre“ der Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg strebt eine Vernetzung der Verwaltung und des Bereichs Forschung und Lehre durch Realisierung eines Integrierten Informations- und Campusmanagements an. Referenzmodelle für die Prozesse in den Bereichen Studierendenverwaltung, Personalverwaltung, Veranstaltungsmanagement und Prüfungsverwaltung, die an den beiden Pilothochschulen in Freiburg und Weingarten erarbeitet werden, sollen von der zu besetzenden Stelle auf die lokalen Gegebenheiten der Pädagogischen Hochschule Heidelberg übertragen und gegebenenfalls angepasst werden.