Archiv für April, 2011

Statements zur Lehrerbildung

Veröffentlicht: Samstag, April 23, 2011 in Bildung, Hochschuldidaktik, Schule

Am 7. Mai 2011 findet in der Reinhardswald-Grundschule in Berlin ein Bildungskongress von Bündnis 90/Die Grünen statt. Im Rahmen dieses Bildungskongresses wird in verschiedenen Foren über Bildungsqualität gesprochen. Ich bin dorthin eingeladen worden, um am Forum zum Thema Gute Schule braucht gute LehrerInnen – ein Forum zur LehrerInnenbildung teilzunehmen. Ich darf dort ein zehnminütiges Impulsreferat halten, mit dem in die Diskussion eingeleitet wird. Die Leitfrage dabei ist, welche Kompetenzen Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Studium erwerben sollen, um später guten Unterricht machen zu können.

Ich habe mir ein paar Statements überlegt, die ich dort gerne einbringen möchte. Im Folgenden erläutere ich die Statements kurz. Darüber hinaus würde ich gerne EURE Anliegen/Ideen/Vorstellungen mit nach Berlin nehmen. Insofern möchte ich gemeinsam mit euch hier diskutieren, auf welche Aspekte ich ebenfalls eingehen soll. Vielleicht habt ihr auch Beispiele, die erwähnenswert sind, und Erfahrungen, mit denen ich die Statements unterfüttern kann? Vielleicht habt ihr weitere Statements?

Statement 1: Im Lehramtsstudium müssen bildungswissenschaftliche, fachliche, fachdidaktische und unterrichtspraktische Kompetenzen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander und miteinander vernetzt erworben werden, und zwar in lehramtsspezifischen Lehrveranstaltungen!

Viele Lehramtsstudierende beklagen sich über die Curricula der universitären Lehramtsstudiengänge: Zu viel Fachliches, kaum Pädagogik/Didaktik. Darüber hinaus gibt es beispielsweise in der Mathematik häufig die Situation, dass die Lehrveranstaltungen für Bachelor- oder Masterstudierende und für Lehramtsstudierende gemeinsam angeboten werden, die Ausrichtung der Veranstaltungen aber an den Anforderungen der “reinen” Mathematikstudierenden erfolgt, obwohl weitaus mehr Lehramtsstudierende in der Veranstaltung sitzen. Lehramtsstudierende werden oft nicht als bedeutsam wahrgenommen, man “schleppt die Lehrämtler halt so mit”. Sie haben also nicht nur überwiegend fachliche Veranstaltungen, sondern diese werden auch noch auf einem Niveau abgehalten, das nicht auf das spätere Berufsfeld zugeschnitten ist. Selbstverständlich ist ein solides fachliches Fundament für Lehrerinnen und Lehrer unerlässlich, und zwar vertieftes Wissen in den schulrelevanten Bereichen. Spezifisch fachdidaktisches Wissen ist aber ebenso unerlässlich, z.B. um Kenntnis darüber zu haben, wie man Schülerinnen und Schüler mit guten Aufgaben kognitiv aktiviert (siehe z.B. die COACTIV-Studie).

Darüber hinaus müssen Studierende logischerweise umfassende theoretische Kenntnisse über pädagogische, allgemeindidaktische und lern- und entwicklungspsychologische Aspekte erwerben. Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass man seine Kinder weder vom pädagogisch unfähigen Fachidioten noch vom fachlich unfähigen Superpädagogen unterrichtet sehen möchte. Das bedeutet letztlich, dass bildungswissenschaftliche, fachliche und fachdidaktische Kompetenzen in einem ausgewogenen Verhältnis erworben werden müssen – und miteinander vernetzt werden müssen! Dabei ist es aber wichtig, dass die Studierenden nicht nur den historischen Blick über die Pädagogik von Comenius bis Montessori erhalten, sondern insbesondere Inhalte, Ideen und Theorien kennen lernen, die im Zusammenhang mit der Unterrichtspraxis stehen.

Richtig: Ebenso müssen frühzeitig unterrichtspraktische Erfahrungen gemacht werden, damit man sein zukünftiges Berufsfeld kennen lernt und sich selbst in der Unterrichtssituation erproben kann. Wie immer gilt: Es ist nicht die Erfahrung, die zählt, sondern die reflektierte Erfahrung. Das heißt, die Unterrichtspraxis muss begleitet und gemeinsam mit einem Hochschuldozenten reflektiert werden.

Also: Fachliche, fachdidaktische, bildungswissenschaftliche und unterrichtspraktische Kompetenzen müssen das ganze Studium hindurch gleichermaßen erworben werden. Das Verhältnis dieser Kompetenzbereiche passt an den Pädagogischen Hochschulen Baden-Württembergs meines Erachtens sehr gut und kann als Beispiel für andere Hochschulen und Bundesländer dienen.

Statement 2: Keine Bildung ohne Medien

Ein besonderes Anliegen ist mir persönlich die Medien- und IT-Kompetenz. Wir bilden heute Lehrerinnen und Lehrer aus, die 40 Jahre ihren Beruf ausüben werden. In diesen 40 Jahren wird sich UNGLAUBLICH viel tun im IT- und Medienbereich. Lehrerinnen und Lehrer dürfen also nicht nur heutige Technologien kennenlernen, weil diese sowieso schnell wieder “out” sind, sondern sie müssen fit gemacht werden, mit der Zeit gehen und sich vernünftig mit neuen Entwicklungen auseinander setzen zu können. Denn eins ist sicher: Die Kinder und Jugendlichen jeder Zeit werden mit den Technologien spielend umgehen können, nur leider unreflektiert. Dies muss in der Schule aufgegriffen werden.

Das Internet wird eine nie dagewesene Rolle in Lern- und Bildungsprozessen einnehmen, und wir können heute kaum einschätzen, was da noch alles passieren wird. Wir können heute aber bereits das Web konstruktiv und produktiv in Lernprozesse einbinden und damit die Lehramtsstudierenden an die reflektierte und vernünftige Nutzung von Web-Tools heranführen. Denn: Diese Werkzeuge lassen sich prima für die Öffnung von Lehr-Lern-Situationen einsetzen. (Auch dies wird ein Punkt in dem Forum sein)

Natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass auch andere allgemeine Kompetenzen wichtig sind: interkulturelle Kompetenz, Klassenführung, Sprechkompetenzen und wie sie alle heißen. Es wird ganz schön viel abverlangt von Lehrerinnen und Lehrern…

Statement 3: Nicht Wasser predigen, aber Wein trinken

Wer kennt nicht die 90-minütigen Frontalvorlesungen über selbstentdeckendes Lernen? Oder die Vorlesungen, in denen der Dozent eine PowerPoint-Folie nach der anderen zeigt mit der Überschrift “Methodenvielfalt”? Wir, d.h. diejenigen, die in der Lehramtsausbildung tätig sind, müssen Vorbilder sein. Wir müssen unsere Fachvorlesungen nach allen Regeln der Fachdidaktik gestalten. Welch eine Chance! Man kann dann mit Studierenden in Fachvorlesungen über die didaktisch-methodische Gestaltung der Fachvorlesung diskutieren. Wir müssen zeigen, dass wir mit Kritik und eigenen Fehlern konstruktiv umgehen. Wir müssen zeigen, dass wir an Rückmeldungen und Verbesserungsvorschlägen von den Studierenden interessiert sind und diese auch begründet umsetzen (oder auch nicht, Hauptsache begründet!). Wir müssen Medien und IT kompetent einsetzen. Oh – richtig – wir müssen uns selbst in diesem Bereich ständig up-to-date halten und weiterbilden, denn: Schließlich sagen wir ja den Studierenden, dass sie es in ihrem Lehrerberuf später auch tun müssen. Lasst uns in unseren Veranstaltungen nicht über Didaktik reden, lasst sie uns leben.

Statement 4: Kampf den Platitüden!

In pädagogische Grundhaltungen schleichen sich sehr leicht extreme Ansichten ein: Frontalphasen sind schlecht. Eigenes Handeln ist immer gut. Alles muss selbstentdeckt werden. Es muss konstruktivistisch gelernt werden. Und so weiter. Und so weiter. Und so weiter. Wie seicht ist das denn? Wir müssen dringend weg von solchen Platitüden. Nehmen wir mal den Konstruktivismus. “Dabei handelt es sich um konstruktivistisches Lernen.” Wenn ich solche Sätze höre, dreht sich mir der Magen um. Selbstverständlich ist Lernen immer konstruktivistisch. Es geht ja gar nicht anders. Das ist ja der Witz am Konstruktivismus. Es wird immer vom Individuum in Lernkontexten eine eigene Bedeutung konstruiert. Solche Platitüden schleichen sich in die Hochschullehre ein, wenn rein theoretisch gearbeitet wird und dadurch immer mehr Luftschlösser gebaut werden. Ich plädiere dafür, mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben und einen klaren Blick auf Unterricht und die lernenden Schülerinnen und Schüler zu behalten. Dabei hilft es Hochschuldozenten übrigens, selbst ab und zu mal in der Schule zu unterrichten.

Selbstverständlich haben auch frontale Unterrichtsgespräche ihre Berechtigung – aber auch Phasen entdeckenden Lernens. Es geht um die Vielfalt, die Abwechslung, die angemessene Methodenwahl. Und es geht darum, ehrlich und aufrichtig einzusehen, dass eine Methode in dieser oder jener Situation völlig in die Hose gegangen ist, und anschließen zu reflektieren, welche Methode wohl geschickter gewesen wäre – und dies beim nächsten Mal auszuprobieren. Ich plädiere dafür, dass wir uns in der Lehramtsausbildung nicht von pädagogischen Ideologien, sondern von Visionen leiten lassen. Das ist ein Unterschied.

Statement 5: Selbstreflexion ist absolut notwendig, aber verdammt anspruchsvoll.

Tja. Mir wird in letzter Zeit immer mehr bewusst, wie schwierig Selbstreflexion eigentlich ist, und wie viele Menschen Probleme damit haben. Sein eigenes Verhalten ständig auf den Prüfstand zu stellen und immer zu reflektieren ist verdammt anspruchsvoll. Aber wir müssen das tun! Lehrerinnen und Lehrer müssen letztlich Aktionsforscherinnen und Aktionsforscher sein. Dazu zählt, die Schwierigkeiten und Probleme im Unterricht sehen zu wollen und anzunehmen, sie zu ergründen, sich kundig zu machen, kreative Ideen zu haben, diese tatsächlich in die Tat umzusetzen und anschließen kritisch zu prüfen. Und auch hier gilt: WIR (die Hochschuldozenten) müssen es vormachen!

So, das wären meine 5 zurzeit noch etwas rohen Statements. Welche Statements würdet ihr ergänzen? Welche Ideen habt ihr zu meinen Statements? Erzählt mir, was ich noch erzählen könnte! :-) Lasst uns diskutieren und gemeinsam die Statements schärfen und weiterentwickeln – wir haben noch zwei Wochen Zeit!

Spaßige, kreative und kommunikative Spontan-Gelegenheiten

Veröffentlicht: Dienstag, April 19, 2011 in Spaß, Spiel

Neulich habe ich die Wand vor meiner Bürotür neu gestaltet: Ich habe ein magnetisches Tafel-Memo-Spiel, das ich im Unterricht verwendet habe, daran angebracht. (Danke an die netten Tutorinnen der Mathematikdidaktischen Werkstatt, die bei der Produktion des Spiels geholfen haben!) Die Aufforderung “Spielt doch mal!” lädt dazu ein, das Spiel auch zu verwenden, beispielsweise wenn man auf die Sprechstunde wartet oder wenn man einfach daran vorbei geht. Ich habe mir auch überlegt, dass ich bestimmte Fragen von Studierenden nur dann beantworte, wenn Sie ein Match gegen mich gewinnen. :-)

Spielt doch mal!

Seit dem das Spiel dort hängt, wird es immer wieder verwendet, und die Menschen haben Spaß damit. Manche hängen die Karten auch einfach zu einem geometrischen Muster um, ohne zu wissen, was der eigentliche Zweck des Spiels ist. Aber das ist auch vollkommen egal – jeder kann kreativ mit dieser “Situation” umgehen. Locker erinnert mich das an die Hole-in-the-Wall-Experiments von Sugata Mitra: Er hat Computer in indischen Slums installiert und beobachtet, wie die Kinder dort dadurch angeregt werden und sich selbst Dinge beibringen (Vielleicht sollte ich auch einmal vor meiner Bürotür filmen? :-) ):

Dann ist mir neulich beim Laufen durch Würzburg etwas (entfernt) ähnliches aufgefallen: Dort steht auf einem Platz nicht nur eine kleine Bank (wie eben Bänke in Städten rumstehen), sondern es sind gleich zwei Bänke mit einem Tisch. Einfach so, mitten auf einem kleinen Platz. Welch eine Einladung! Man könnte sich beispielsweise dort hinsetzen und gemeinsam Pizza essen oder ein Gesellschaftsspiel spielen.

Weshalb gibt es in unserer Welt so wenige Kreativanregungen, Spaßeinladungen, Kommunikationsgelegenheiten? Hätten wir nicht alle mehr Spaß, wenn man draußen beim Warten auf den Bus einfach mit jemandem, der auch wartet, irgendetwas spielen könnte, was dort einfach so “ist”? Stattdessen findet man in deutschen Einfahrten folgende Hinweise:

Spielverderber

Viel Spaß beim Füße still halten und ruhig sitzen bleiben.

Suchbegriffe

Veröffentlicht: Freitag, April 15, 2011 in Spaß

Hach, weil’s so schön ist, mal ein Auszug von Suchbegriffen, mit denen Menschen auf mein Weblog gestoßen sind (diesmal keine Top 10, sondern eine Auswahl aus Suchbegriffen der letzten Woche). Meine Kommentare in eckigen Klammern dahinter:

  • musterlösung spannagel ph heidelberg arithmetik [Hihi, gibt's nicht im web :-) ]
  • zusammenzustellen oder zusammen zu stellen ?? [Zwei Fragezeichen in der Suchanfrage??]
  • ueber die henne fuer die schueller [Hä?]
  • spiel beteutet von kompetenzen [Hä?]
  • virtuelle haareschneiden am pc [Ich glaube nicht, dass man da bei mir fündig wird]
  • wikipedia wissenschaftlich entkalkung [Sollten wir Wikipedia wissenschaftlich wirklich entkalken?]
  • ordnung ist das halbe leben [genau!]
  • fernsehsüchtig extrembeispiele [Und wen gefunden? Mich!]
  • dr. christian spannagel [Ganz wichtig! Niemals jemanden ohne Titel suchen!]
  • kann man kompetenz in prüfungen messen? [Gute Frage! Findet man bei mir die Antwort?]
  • babypopo nicht symmetrisch [Babypopo??]
  • was ist der zweck von powerpoint [Ich bin immer wieder verwundert, dass Menschen ganze Fragesätze eingeben]
  • meine ansichten [Wer bitte googelt "Meine Ansichten"? Ich hoffe, er oder sie hat seine/ihre Ansichten gefunden]

wird fortgesetzt… :-)