Archiv für August, 2011

Desillusioniert? Fantastisch!

Veröffentlicht: Donnerstag, August 18, 2011 in Lifestyle

Heute habe ich mich mit einer guten Freundin über das Thema Märchen und Beziehungen unterhalten. Dabei sind wir auf das Thema “Verlieben” gestoßen. Sie fand es “schade”, dass ich denke, dass ich mich nicht mehr verlieben kann, nicht verlieben will und auch glücklich damit bin. Ich gebe hier einmal ein Stück des Dialogs wieder (wobei es nicht der Original-Dialog ist, sondern hier und da von mir dreist verändert wurde, um die Aussage stärker hervortreten zu lassen :-) ):

D: “Und was ist, wenn du dich verliebst?”

C: “Ich glaube, ich kann mich nicht mehr verlieben, und ich bin auch ganz froh darum.”

D: “Das ist aber schade! Das ist doch ein wahnsinnig schönes Gefühl, um das du dich da beraubst!”

C: “Ja, das stimmt. Aber es ist auch gefährlich. Es hat etwas von einem Rausch. Ein Liebesrausch, sozusagen. Rausch bedeutet aber auch, dass man nicht mehr klar denken kann und klar sieht. Man sieht den anderen nicht so, wie er ist, sondern man idealisiert ihn. Man verhält sich auch nicht mehr normal, sondern so, dass es dem Geliebten oder der Geliebten gefällt. Wenn es der andere ebenso macht, dann bindet man sich Stück für Stück aneinander, und zwar in einem Verliebtheitsnebel, in dem man nicht klar sieht. Irgendwann lichtet sich der Nebel langsam, und man beginnt, den anderen realistisch zu sehen – und dann beginnen die Beziehungsprobleme.”

D: “Aber trotz der ganzen Probleme, die dann vielleicht kommen, ist doch der Liebesrausch ein Gefühl, auf das ich nicht verzichten möchte.”

C: “Der Liebesrausch ist eine extreme Situation, genau wie der Drogenrausch. Manch einer würde auch sagen, dass er auf Drogenräusche nicht verzichten möchte und dafür alle möglichen Risiken eingeht. Wer Drogen des Rausches wegen nimmt, geht körperliche Risiken ein. Wer sich wegen des Liebesrausches verliebt, der geht Beziehungsrisiken ein. Ich verzichte auf diesen Rausch, und ich denke, das ist gut so. Das wird der anderen Person, mir, uns beiden und der ganzen Situation eher gerecht.”

D: “Das klingt aber sehr rational und unemotional.”

C: “Wenn man auf Liebesräusche verzichtet, dann heißt dies nicht, dass man auf Emotion und Liebe verzichtet. Wenn auf einer Emotionsskala von 0 bis 100 die Verliebtheit bei 95-100 liegt, und wenn man Verliebtheit ablehnt, dann bedeutet das nicht, dass man sich auf der Emotionsskala bei 0 befindet. Man kann doch trotzdem emotionale, tiefe, innige Bindungen mit Menschen eingehen (sagen wir mal, auf 70 bis 80 der Skala), ohne dabei ins Extrem zu gehen.”

D: “Ich finde es schade, dass du mit 34 Jahren schon so desillusioniert bist.”

C: “Betrachte dir das Wort einmal genauer: des-illusioniert. Keine Illusionen mehr. Das Wort trifft den Sachverhalt, den ich beschrieben habe, genau. Ich will keine Illusion. Ich will reelle Gefühle. Desillusioniert zu sein ist fantastisch! Ich will echte Emotionen, die ein reelles Gegenstück haben. Keine Emotionen, die auf Illusionen basieren. Ich empfinde das als einen Schritt in meiner persönlichen Weiterentwicklung. Oder, um mit Frau Fridurs Worten zu sprechen: Ich bin froh, diesen Schuhen entwachsen zu sein.”

 

Stelle ausgeschrieben: EDV-Techniker/in

Veröffentlicht: Donnerstag, August 11, 2011 in Announcements

Am Institut für Datenverarbeitung/Informatik der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist zum 1. Oktober 2011 eine Stelle für eine EDV-Technikerin/einen EDV-Techniker ausgeschrieben.

Zu den Aufgabenbereichen gehören:

  • Einrichtung, Betrieb, Wartung und Betreuung von EDV-Arbeitsplätzen
  • Installation von Hard- und Software
  • Fehleranalyse, Durchführung von Reparaturen
  • Mitwirkung beim Server- und Netzwerkbetrieb
  • Technische Mitbetreuung des LSF-Servers
  • Installation, Wartung und Betreuung von Poolräumen
  • Benutzersupport: Hilfe bei allgemeinen und individuellen Problemen im Hard- und Softwarebereich

 

Weitere Informationen gibt es in der Ausschreibung. Bewerbungsschluss ist der 31. August 2011. Wir freuen uns über aussagekräftige Bewerbungen!

Es ist immer wieder schön festzustellen, dass es Begriffe bzw. Konzepte gibt für etwas, das man tut, selbst wenn man diese bis dato noch nicht kannte. Man kann “das was man tut” dann benennen, man kann sich auf einfache Weise darüber austauschen, man kann es abgrenzen gegen andere Konzepte. Man hat alle Vorteile, die Begriffe so mit sich bringen.

Mein neuester Lieblingsbegriff ist: the inverted classroom. (zu deutsch wohl umgedrehter Unterricht, aber bessere Übersetzungsvorschläge sind willkommen). Ursprünglich von @eisenmed und @martinkurz auf diesen Begriff aufmerksam gemacht, hatte ich ihm zunächst nicht viel Beachtung geschenkt. Bis gestern. Zurzeit schreibe ich an einem Artikel für einen Band über Hochschul-Mathematikdidaktik. Darin geht es um das Konzept, wie ich gerade Vorlesungsaufzeichnungen in Mathematikvorlesungen einsetze. Beim Lesen der Literatur (ja, ich komme tatsächlich wieder dazu) bin ich erneut auf diesen Begriff gestoßen und musste feststellen, dass das doch eigentlich genau das ist “was ich tue”.

Worum geht’s? Der Begriff inverted classroom besagt (auf Hochschulvorlesungen übertragen), dass diejenigen Dinge, die sonst in der Vorlesung stattfinden, nach außen verlagert werden, und das, was sonst außerhalb der Vorlesung stattfindet, in die Vorlesung verlagert wird (die damit keine Vorlesung im eigentlichen Sinne mehr ist, sondern mehr eine Plenumssitzung). Die Vorlesungsvideos werden von den Studierenden in Vorbereitung auf die Sizung angesehen. Die Sitzung selbst dient dann der aktiven, gemeinsamen Auseinandersetzung mit den Inhalten (gemeinsames Aufgabenlösen, Diskussionen, Vertiefung  bestimmter Inhalte, …). Dieses Konzept erscheint mir irgendwie total sinnig:

  • Ich sehe es schon lange nicht mehr ein, weshalb ich 200 Menschen zusammenrufen soll, um einen Vortrag zu halten, den ich schon ein paar Mal gehalten habe. Welch kostbare Zeit wird da verschwendet, welch wertvolle Gelegenheit ungenutzt gelassen! Warum sollen alle Studierenden gemeinsam in einem Raum zusammen kommen, um sich kollektiv in den Rezeptionsmodus zu begeben? Brauche ich den gemeinsamen Ort für diese Vermittlungs- und Rezeptionssituation? Wäre es nicht besser, dass wir – wenn wir schon mal alle zusammen in einem Raum sind -  uns dann direkt miteinander austauschen?
  • Wenn ich einen Vortrag in der Vorlesung halte, dann müssen alle im gleichen Tempo folgen. Hier ist nix mit individuellem Lerntempo, Individualisierung, innerer Differenzierung usw. Neee. Alle folgen schön brav im selben Tempo. Wenn jemand zwischendurch aussteigt: selber schuld! Dann gilt für ihn: Einfach alles abpinseln und zu Hause versuchen zu verstehen. Wäre es nicht besser, wenn jeder Lernende den Professor einfach zurückspulen könnte oder auf “Pause” schalten könnte, wenn er mehr Zeit zum Durchdenken braucht?

Die Lösung ist wirklich simpel: Die Rezeptionssituation “nach außen” verlagern, am besten vorverlagern (ähnlich wie Gabi Reinmanns Podcast-Vorlesung). Hier kann jeder in seinem eigenen Tempo rezipieren und durchdenken. Vorlesungsvideos eignen sich in Mathematik besonders gut dazu, weil man alle Schritte, Strategien und Schwierigkeiten erläutern kann und die Lernenden auch “gezwungen” sind, die einzelnen Schritte langsam mitzuverfolgen. Ich habe nämlich schon einige Male versucht, das Lesen mathematischer Texte vorzuverlagern, und mir ist aufgefallen, dass die Studierenden die Texte zwar lesen, aber nicht durchdringen, sondern oft nur oberflächlich überfliegen.

In den Plenumssitzungen selbst werden dann Aufgaben gelöst (z.B. nach dem Think-Pair-Share-Prinzip oder im aktiven Plenum; siehe auch hier). Ich habe Zeit rumzulaufen, den Studierenden zu helfen, mir einen Eindruck zu verschaffen, worauf wir nochmal näher eingehen sollten usw. Und: Ich habe die ganze Vorlesungszeit dafür!

Im letzten Semester hab ich das in der Vorlesung Einführung in die Arithmetik ausprobiert, und  es hat auch ganz gut funktioniert. Im nächsten Semester mach ich das gleich nochmal, und dann wird’s auch ordentlich evaluiert. The inverted classroom bzw. die umgedrehte Mathematikvorlesung – ein äußerst sinnvolles Konzept.

Für Interessierte die Literatur: