Heute habe ich mich mit einer guten Freundin über das Thema Märchen und Beziehungen unterhalten. Dabei sind wir auf das Thema “Verlieben” gestoßen. Sie fand es “schade”, dass ich denke, dass ich mich nicht mehr verlieben kann, nicht verlieben will und auch glücklich damit bin. Ich gebe hier einmal ein Stück des Dialogs wieder (wobei es nicht der Original-Dialog ist, sondern hier und da von mir dreist verändert wurde, um die Aussage stärker hervortreten zu lassen
):
D: “Und was ist, wenn du dich verliebst?”
C: “Ich glaube, ich kann mich nicht mehr verlieben, und ich bin auch ganz froh darum.”
D: “Das ist aber schade! Das ist doch ein wahnsinnig schönes Gefühl, um das du dich da beraubst!”
C: “Ja, das stimmt. Aber es ist auch gefährlich. Es hat etwas von einem Rausch. Ein Liebesrausch, sozusagen. Rausch bedeutet aber auch, dass man nicht mehr klar denken kann und klar sieht. Man sieht den anderen nicht so, wie er ist, sondern man idealisiert ihn. Man verhält sich auch nicht mehr normal, sondern so, dass es dem Geliebten oder der Geliebten gefällt. Wenn es der andere ebenso macht, dann bindet man sich Stück für Stück aneinander, und zwar in einem Verliebtheitsnebel, in dem man nicht klar sieht. Irgendwann lichtet sich der Nebel langsam, und man beginnt, den anderen realistisch zu sehen – und dann beginnen die Beziehungsprobleme.”
D: “Aber trotz der ganzen Probleme, die dann vielleicht kommen, ist doch der Liebesrausch ein Gefühl, auf das ich nicht verzichten möchte.”
C: “Der Liebesrausch ist eine extreme Situation, genau wie der Drogenrausch. Manch einer würde auch sagen, dass er auf Drogenräusche nicht verzichten möchte und dafür alle möglichen Risiken eingeht. Wer Drogen des Rausches wegen nimmt, geht körperliche Risiken ein. Wer sich wegen des Liebesrausches verliebt, der geht Beziehungsrisiken ein. Ich verzichte auf diesen Rausch, und ich denke, das ist gut so. Das wird der anderen Person, mir, uns beiden und der ganzen Situation eher gerecht.”
D: “Das klingt aber sehr rational und unemotional.”
C: “Wenn man auf Liebesräusche verzichtet, dann heißt dies nicht, dass man auf Emotion und Liebe verzichtet. Wenn auf einer Emotionsskala von 0 bis 100 die Verliebtheit bei 95-100 liegt, und wenn man Verliebtheit ablehnt, dann bedeutet das nicht, dass man sich auf der Emotionsskala bei 0 befindet. Man kann doch trotzdem emotionale, tiefe, innige Bindungen mit Menschen eingehen (sagen wir mal, auf 70 bis 80 der Skala), ohne dabei ins Extrem zu gehen.”
D: “Ich finde es schade, dass du mit 34 Jahren schon so desillusioniert bist.”
C: “Betrachte dir das Wort einmal genauer: des-illusioniert. Keine Illusionen mehr. Das Wort trifft den Sachverhalt, den ich beschrieben habe, genau. Ich will keine Illusion. Ich will reelle Gefühle. Desillusioniert zu sein ist fantastisch! Ich will echte Emotionen, die ein reelles Gegenstück haben. Keine Emotionen, die auf Illusionen basieren. Ich empfinde das als einen Schritt in meiner persönlichen Weiterentwicklung. Oder, um mit Frau Fridurs Worten zu sprechen: Ich bin froh, diesen Schuhen entwachsen zu sein.”




