Archiv für Dienstag, Februar 21, 2012

#vile12

Veröffentlicht: Dienstag, Februar 21, 2012 in Twitter

Heute hatte ich einen Vortrag in Bad Urach im Rahmen der ViLE-Tagung Demokratie 2.0? Social Web, Gesellschaft und Individuum. ViLE ist die Abkürzung für Virtuelles und reales Lern- und Kompetenz-Netzwerk älterer Erwachsener, und der Vortrag fand in einem ähnlichen Setting statt wie mein Impro-Vortrag vom letzten Jahr (Resümee dazu). Ziel des Vortrags: Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern an ein paar Beispielen den Nutzen des Social Web erläutern – und auch die Risiken. Da einige Teilnehmer(innen) an der Veranstaltung heute auch damals bei deim Impro-Vortrag anwesend waren, wollte ich nicht dasselbe nochmal machen, sondern habe ich mich für einen vorbereiteten, nicht-improvisierten Vortrag entschlossen mit Twitter-Wall und ohne Streaming. Die Twitter-Wall wollte ich eigentlich diesmal nur beiläufig einbinden, mal eins, zwei Fragen in den Äther stellen, eben um kurz Twitter und Twitterwalls zu demonstrieren. Überrascht wurde ich dann aber von der atemberaubend hohen Aktivität in zwei Räumen: sowohl in Twitter als auch im Seminarraum. Ich hatte nicht gewagt zu hoffen, dass heute eine solche hohe Interaktivität zustande kommt – und bin wirklich froh und wirklich überrascht darüber, was heute passiert ist. Im Folgenden ein paar Gedanken dazu:

  • Zunächst mal: Es gibt kein besseres Publikum als eine Gruppe interessierter und witziger Seniorinnen und Senioren. Da muss man wirklich (!) spontan sein. Kaum beginnt man zu reden, kommt die erste Meldung aus dem Saal: “Sie sind ein hübscher junger Mann!” Meine verlegene Frage, ob ich das twittern soll, wurde von einer vehementen Bitte übertönt: “Können Sie sich bitte nach da rechts ins Licht stellen? So sieht man sie nicht!” Also, ich wandere rüber, dann der Einwurf: “Jetzt müssen Sie noch ein bisschen in die Knie gehen!” – Lachen im Raum – und schon waren wir mittendrin! :)
  • Kurz zuvor – während die Teilnehmer noch beim Abendessen waren – hatte ich über Twitter um ein Hallo gebeten. Kurz nach Beginn des Vortrags waren schon so viele Hallos, Helaus und Alaafs eingegangen, dass ich von der Twitterwall in die Twittersuche wechseln musste, um alle Hallos zeigen und alle Twitterer vorstellen zu können. Die Vorstellung machte ich ausfühlich und im Detail, um zu zeigen, wer alles so twittert und dass nicht alles Studenten sind (das war die erste Vermutung von einigen Teilnehmern).
  • Ich führte zuerst kurz in Twitter ein, zeigte meine Timeline und stieß sofort auf einen Tweet von @ankegroener: Baby, frischer Majoran ist der Kracher! Weitere Recherchen ergaben: Linsensuppe in the making. Prima Einstieg in Twitter! Ich erklärte, dass solche Information eben keine Sinnlos-Information ist, sondern “sozialer Kitt”. Menschen sind eben nicht überwiegend an Inhalten interessiert, sondern an Menschen, und gerade das ist das Schöne an Twitter: Zwischen den ganzen Inhalten bekommt man auch persönliche, vermeintlich nutzlose Statusmeldungen, die einem aber in der Summe ganz viel über eine Person vermitteln und letztlich auch für den Witz und den sozialen Zusammenhalt auf Twitter sorgen. Die Abendessen-Diskussion wurde dann zum Running Gag die ganze Veranstaltung hindurch. Als schließlich @otacke per Twitter das Publikum im Raum bat, darüber abzustimmen, ob er heute abend kochen oder nur einen Salat machen soll, waren im Raum alle völlig begeistert: Wir stimmten ab (30 zu 15 für Kochen) und meldeten @otacke das Ergebnis zurück. Später bestanden (!) die Teilnehmer darauf, @ankegroener nach ihrer Suppe zu fragen und @otacke danach, was er denn kocht. Menüfolge? Somit war letztlich glasklar: Solche Informationen sind eben doch nicht unwichtig, im Gegenteil. Verbal überzeugen konnte ich bislang noch nie jemanden davon, heute hat sich’s einfach so ergeben.
  • Auch die anschließenden Fragen an die Twitter-Gemeinde (z.B., ob sie Facebook nutzen und warum, oder ob 140 Zeichen nicht zu einengend seien) und die Fragen im Raum ergaben eine äußerst interessante Diskussion. Die Teilnehmer waren sehr neugierig und haben viel gefragt. So machen Vorträge Spaß! …Also, was heißt hier eigentlich “Vortrag”: Es war definitiv nicht “mein Vortrag”, sondern irgendwie eine Netzaktivität im Offline, im Online und im Dazwischen.
  • Deutlich wurde in der zweiten Hälfte: ein Twitter-Moderator muss her, ein Manuel Andrack; diese Funktion hat @tracernet dankenswerterweise spontan übernommen. Hätte ich mit DIESER heftigen Netzaktivität gerechnet, hätte ich mir das vorher überlegt; trotzdem gut, dass es sich noch spontan ergeben hat. Darüber hinaus habe ich mich geärgert, dass ich nicht doch gestreamt habe. Die Anfrage kam ein paar Mal von den Twitterern – zurecht. Also: Eine Twitterwall “nur zur Demonstration mit eins, zwei Fragen” zu planen mach ich nicht mehr, zukünftig gleich aufs Ganze gehen, mit Streaming und allem drum und dran.
  • Bei solchen Twitter-Aktionen beschleicht mich außerdem immer ein schlechtes Gefühl gegenüber den mittwitternden Menschen “da draußen”: Sie machen alle ganz aktiv mit, bringen sich ein – und ich selbst kann nicht persönlich auf alle Beiträge eingehen, weil die Teilnehmer im Raum einen großen Teil meiner Aufmerksamkeit beanspruchen; und mehr als ein paar Mal die Twitterwall gemeinsam mit den Menschen im Saal durchzugehen oder mal einen Blick zwischendurch draufzuwerfen schaffe ich einfach nervlich nicht :-). Schließlich kommen noch zahlreiche Fragen aus dem Saal, und ich will “nebenbei” ja auch noch nen Vortrag halten. Das Ende von solch einer Aktion kommt auch immer recht abrupt, sodass ich das Gefühl habe, die Twitterer “am Ende irgendwie im Regen stehen zu lassen”. Ich fühle mich anschließend dann immer ein bisschen schlecht. Vermutlich (so hoffe ich) ist das unbegründet, weil alle irgendwie ihren Spaß hatten, die Teilnehmer im Saal (im Gegensatz zu mir) auch die Twitterwall ständig im Blick hatten, und der Twitter-Moderator aus dem Saal heraus auf einige Fragen in Twitter reagieren konnte. Trotzdem, das schlechte Gefühl bleibt: Es sind meine Freunde, und ich beschäftige mich zu wenig mit ihnen während des Vortrags. Ist das gerechtfertigt, oder vergesse ich, dass doch das Netz und dessen Interaktion das eigentlich Wesentliche ist?
  • Also: Danke nochmals GANZ HERZLICH an alle, die mitgemacht haben. HERZLICHEN DANK an: @tracernet, @mons7, @Tastenspieler, @heckerstampehl, @walterspannagel, @hosi1709, @TuraSatana, @VolkmarLa, @woxl, @mkarbacher, @otacke, @jeanpol, @LuciLucius, @jpetermo, @nele_we, @fasnix, @FrauFridur, @enicchi, @Antje, @95_BK, @CaroFNG, @deutschonline, @lress, @UserKingsize, @herrlarbig, @TwitLach, @joergeisfeld, @DoreenKroeber, @FriederK, @kprobiesch, @cmarkefka… (ich hoffe, ich habe niemanden vergessen)

Wie habt ihr die Aktion erlebt? Was hat euch gefallen, was nicht?