Out: Klassische Vortragsseminare

Veröffentlicht: Montag, Oktober 15, 2007 in Didaktik des Informatikunterrichts, Teaching

Klassische Vortragsseminare sind out. Jedenfalls ist klar, dass die Lernwirksamkeit traditioneller Seminare von Studierenden eher als niedrig beurteilt wird. In der Regel hält in solchen Seminaren jeder Teilnehmer einen Vortrag, die anderen hören zu. In der darauffolgenden Woche hält dann jemand anders einen Vortrag. Oft werden diese Sitzungen nur „abgesessen“, weil die Themen der anderen häufig als irrelevant wahrgenommen werden.

So hat es mich heute auch nicht verwundert, dass die Teilnehmer meiner Seminars „Didaktik des Informatikunterrichts“ aufstöhnten, als ich traditionelle Seminare ins Gespräch gebracht hatte. Von den Studierenden kamen anschließend sehr viele gute Anregungen, wie man traditionelle Seminare verändern müsste, um sie interessanter zu machen. Hier einige Beispiele:

  • Die einzelnen Themen sollten nicht einfach so nebeneinander stehen, sondern auch Bezüge untereinander haben.
  • Reine Vorträge sind langweilig. Es sollte auch Aufgaben und Arbeitsphasen für die Teilnehmer geben. Die Aufmerksamkeit kann auch durch Methodenwechsel aufrecht erhalten werden.
  • Die Dozenten sollten mehr Rückmeldung geben und Falsches nicht einfach stehen lassen.

Bereits im Vorfeld hatte ich mir ein Seminarkonzept überlegt, das die Nachteile des traditionellen Seminars zu umgehen versucht. Dabei habe ich mich an zwei bereits bestehenden Konzepten orientiert.

Das eine Konzept ist Lernen durch Lehren (LdL). Dabei handelt es sich um eine Unterrichtform, in der Schüler (bzw. Studierende) die Gestaltung der Unterrichtsstunden übernehmen. Dabei hat beispielsweise jeweils ein Schüler die Verantwortung für eine Stunde. Der „Lehrer-Schüler“ muss dabei Lernprozesse planen, gestalten und reflektieren. Er arbeitet also didaktisch. Neben dem Halten von Vorträgen bzw. Präsentationen sollten aber auch Arbeitsphasen für die Mitschüler eingeplant werden (beispielsweise durch den Einsatz eines Arbeitsblatts, Gruppenarbeit, …). Das Konzept Lernen durch Lehren wird u. a. von Jean-Pol Martin stark vorangetrieben (vielen Dank an Steffen Büffel für diesen Hinweis). Auf Martins Projektseite sind mehrere sehenswerte Videos zu LdL enthalten. Insbesondere das Interview mit Jean-Pol Martin finde ich sehr gut.

Das andere Konzept ist das Matrixseminar nach Giani und Schroeder (2004). In diesem Konzept ist zentral, dass sich alle Studierenden auf das Thema der nächsten Woche vorbereiten. Der Vortragende der nächsten Woche stellt hierzu eine Woche vor seiner Seminarsitzung eine Kurzzusammenfassung seines Themas ins Netz, begleitet von einer Aufgabe für seine Kommilitonen. Diese müssen die Aufgabe bearbeiten und die Lösung dem Vortragenden noch vor der Seminarsitzung zukommen lassen. Dieser kann sich so ein Bild vom Stand der anderen machen und die Lösungen auch in seine Stunde einbauen.

Insgesamt wird in beiden Konzepten die Aktivität der Teilnehmer stärker gefordert als in klassischen Seminaren. Ich bin gespannt, wie die Mischung aus Lernen durch Lehren und Matrixseminar gelingen wird.

Literatur:

Giani, E. & Schroeder, U. (2004). Seminarkonzept zur aktiven Teilnahme mit BSCW-Unterstützung. Workshop „Elektronische Unterstützung der Präsenzlehre“ auf der GI Jahrestagung 2004, Lecture Notes in Informatics, LNI Vol. P-50, Ulm 2004, p. 424 – 428.

Martin, J.-P. (2002). Lernen durch Lehren (LdL). Die Schulleitung – Zeitschrift für pädagogische Führung und Fortbildung in Bayern. Heft 4. Dezember 2002. 29. Jahrgang, S.3-9

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