Ein Plädoyer für eine wissenschaftsmündige Gesellschaft

Veröffentlicht: Samstag, März 15, 2008 in Web 2.0

Einer der besten Artikel, die ich in jüngster Vergangenheit gelesen habe: Der Dreiteiler über Wissenschaftsblogs von Marc Scheloske auf wissenswerkstatt.net. Er bringt dort genau auf den Punkt, wie ich mir die Verwendung von Weblogs in der Wissenschaft vorstelle:

  • Wäre es nicht ideal, wenn zwischen Wissenschaftlern einer Disziplin ein reger Ideenaustausch in Weblogs stattfinden würde?
    So können sich Menschen vom Fach gegenseitig helfen und wertvolle Anregungen geben.
  • Wäre es nicht ideal, wenn zwischen Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen ebenfalls spontan und kreativ über Weblogs kommuniziert werden würde?
    So würden Wissenschaftler Anregungen aus anderen Fächern bekommen und evtl. vorhandene „Scheuklappen“ für einen wertvollen Blick nach links oder rechts ablegen.
  • Wäre es nicht ideal, wenn sich auch Nicht-Experten in den Diskurs einmischen und sich an der Diskussion beteiligen würden?
    So würde mancher Wissenschaftler die Bodenhaftung behalten und hätte zudem einen Anreiz, seine Expertise allgemeinverständlich darzulegen.

Insbesondere der letzte Punkt beeindruckt mich. Scheloske formuliert es so:

Bedingung ist freilich, daß sich der wissenschaftliche Blogger darüber im Klaren ist, daß er sich innerhalb seines Blogs angreifbar macht: wer als akademischer Star für gewöhnlich nur mit Kollegen derselben Hierarchiestufe diskutiert, der wird überrascht sein, wenn ihm irgendein Student eine flüchtig dahingeschriebene Argumentation „zerpflückt“ – daß im Impressum möglicherweise ein „Prof. Dr.“ steht, interessiert für den Blogdiskurs kaum.

Der offene Dialog zwischen Wissenschaftlern und Nicht-Wissenschaftlern über Weblogs könnte ein erster Schritt in eine wissenschaftsmündige Gesellschaft werden, also eine Gesellschaft, in der jeder an der wissenschaftlichen Diskussion teilhaben kann.

Marc Scheloske zählt gerade einmal 180 Wissenschaftsblogs in Deutschland. Vermutlich gibt’s schon noch ein paar mehr, weniger leicht auffindbare. Trotzdem: Viel zu wenig!

Hier geht’s zum Dreiteiler:

Kommentare
  1. Ein Ort, an dem Wissenschaftler aktiv arbeiten und permanent „angemacht“ und kritisiert werden, auch in Bereichen, wo sie meinen, Spezialisten zu sein, ist die Wikipedia. Ein heilsamer Ort, wo jeder Wissenschaftler Demut lernt.

  2. cspannagel sagt:

    Vielleicht bewirkt das Social Web als Ganzes, dass Menschen (Wissenschaftler und Nicht-Wissenschaftler) weniger die Möglichkeit haben, sich selbst als „herausragende Personen“, sondern mehr als Teil des Ganzen (der Gemeinschaft) zu begreifen (Netzsensibilität).

    Dagegen steht allerdings die Tatsache, das Weblogs natürlich auch Selbstdarstellungen sind. Aber man muss vielleicht jedes Weblog als eine Selbstdarstellung unter ganz vielen, die miteinander vernetzt sind, begreifen, um auch dieses Bild zu relativieren.

  3. […] Zeichen stehen auf Öffnung. Public Understanding of Science, Wissenschaftskommunikation oder Wissenschaftsmündigkeit – mit Schlagworten wie diesen wird gerade in den letzten Jahren immer stärker eine […]

  4. […] – Zusammenfassung der Diskussion – Chrisp’s virtual comments: Der öffentliche Wissenschaftler – Chrisp’s virtual comments: Kooperatives Schreiben – Chrisp’s virtual comments: Ein Plädoyer für eine wissenschaftsmündige Gesellschaft […]

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