Panoramafreiheit ade?

Veröffentlicht: Samstag, Juni 7, 2008 in Photos

Gerade bin ich im Blog Kreative Strukturen auf folgende bedenkliche Entwicklung gestoßen: Die Panoramafreiheit in Deutschland ist gefährdet. Ich finde, dass dieser Punkt unbedingt diskutiert werden muss (und er passt zufällig auch gerade sehr gut zum Seminarthema):

Panoramafreiheit ist, so steht’s in Wikipedia geschrieben,

… die Freiheit, urheberrechtlich geschützte Gegenstände (z. B. Kunstobjekte oder Gebäude), die von öffentlichen Verkehrswegen aus auf Privatgrundstücken zu sehen sind, bildlich wiedergeben zu dürfen. Dies betrifft sowohl das bloße Anfertigen etwa einer Fotografie als auch ihre Veröffentlichung.

Dies ist momentan in Deutschland unter bestimmten Bedingungen erlaubt: Der Gegenstand muss bleibend und öffentlich zugänglich sein, und die Aufnahme muss von einem öffentlichen Ort aus gemacht worden sein.

Dies scheint die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ ändern zu wollen, wie man hier und hier nachlesen kann. Zumindest für die gewerbliche Nutzung von Fotografien öffentlicher Werke muss (wenn ich das richtig verstanden habe) dann gelöhnt werden. Bauwerke sind zwar im momentanen Vorschlag noch ausgenommen, aber wenn einmal der Damm gebrochen ist (so die Initiative Pro Panoramafreiheit), fällt diese Ausnahme bestimmt auch bald.

Mir stellen sich dabei einige Fragen (für den Fall, dass diese Empfehlung eines Tages Gesetz werden sollte):

  • Wann ist eigentlich etwas, das in der Gegend rumsteht, ein Werk?
  • Wenn ich ein öffentliches Werk (sagen wir mal, ein Denkmal) fotografiere und es nur bei flickr ohne gewerbliche Absicht hochlade, dann müsste das doch trotzdem erlaubt sein, oder? Zumindest bezieht sich der Vorschlag der Kommission nur auf die gewerbliche Nutzung. Wobei vermutlich wieder einmal nicht klar ist, was „gewerblich“ bedeutet (das ist nämlich meines Wissens was anderes als „kommerziell“).
  • Angenommen, es ist erlaubt. Darf ich dieses Bild dann unter eine Lizenz stellen, welche die kommerzielle Nutzung erlaubt, oder muss ich dann auch bei der Lizenzwahl darauf achten, dass andere dieses Bild nur nicht kommerziell weiterverwenden dürfen?

Wie immer machen solche Gesetzesempfehlungen die Sache nur noch viel komplizierter als sie jetzt schon ist.

Literatur:

Kommentare
  1. Stormcloud sagt:

    Wirklich eine sehr interessante und spannende Frage. Das würde ja dann auch etwa die „Strudelmaschine“ betreffen, die ich neulich fotografiert habe. Wo soll das nur noch hinführen? Solange es nur die „gewerbliche“ Nutzung betrifft, bin ich zwar noch beruhigt, aber wir wissen ja, wie klein der Schritt zum Generallverbot ist.

  2. Lars sagt:

    Das ist mal wieder eine Sache von der ich bis zu diesem Artikel noch nie etwas gehört hatte, ist natürlich für kleine Fotografen ein kompliziertes Feld, ein professioneller verdient natürlich auch Geld mit seinen Bildern, trotzdem bleibt die Formulierung schwierig.

  3. cspannagel sagt:

    @Lars Ich hatte bislang auch noch nie davon gehört. Es gibt schon tolle Begriffe. „Panoramafreiheit“.

    „Kurze und knappe Erklärungen“ sind hier vermutlich nicht möglich.😉

  4. Ich sehe mich schon ein Creative-Commons-Schild neben meine Hausnummer nageln, falls ich mal ein Haus baue. Aber wahrscheinlich darf ich das dann gar nicht, weil das Urheberrecht beim Architekten liegt. Und wenn der das dann nicht will darf ich wahrscheinlich mein eigenes Haus nicht fotografieren. Aber vielleicht gibt’s dafür dann eine Ausnahme … brrrrr

  5. cspannagel sagt:

    Die Idee mit dem Creative-Commons-Schild ist wirklich genial! Das könnte zu einer super Geschäftsidee werden. An Ihrer Stelle würde ich dann versuchen, einen Online-Handel mit Creative-Commons-Schildern aufzumachen.🙂

  6. arual0 sagt:

    Falls das Creative-Commons-Logo verwendet wird, müsste man aber soweit ich das verstehe einen Hyperlink in das Schild einbauen~😀 (http://creativecommons.org/policies)

  7. […] Zuletzt habe ich über einen Vorschlag der Enquete-Kommission “Kultur in Deutschland” gebloggt, der sich gegen die Panoramafreiheit richtet. Ich bin per Zufall auf die Thematik im Weblog Kreative Strukturen gestoßen. Bis zu diesem Zeitpunkt kannte ich das Wort Panoramafreiheit noch gar nicht. Genau das fasziniert mich am Lesen von Weblogs: Man bekommt unglaublich viel von Dingen mit, von denen man bislang gar nicht wusste, dass es sie gibt. […]

  8. Réka sagt:

    Meiner Meinung nach ist es reine Bürokratie. Wie der Professor, der uns and der Uni Jura lehrte, sagte: je mehr Gesetze und Regeln wir haben, desto komplizierter ist es eine gewisse Situation zu bewerten.

  9. cspannagel sagt:

    @Reka: Genau – keinem ist damit geholfen. Nur den Juristen.🙂

  10. skepsis08 sagt:

    Das ist ja mal wieder so typisch, dass mich das schon gar nicht mehr berührt. Is ja schon traurig, dass man sich schon daran gewöhnen kann so viele unsinnige Gesetze zu haben! Für jeden Künstler kann es doch eigentlich nur von Nutzen sein, wenn seine Werke in aller Munde, bez. Linse sind! Also ich würd mich freuen, wenn ich mein Bild, meine Skulptur oder ähnliches unerwartet in einer Fachzeitschrift oder so sehen würde. Aber wenn man natürlich mit der reinen Fotografie des Werkes noch Geld zocken will, finde ich das erbärmlich!!

  11. Oliver sagt:

    Och nö, blos nicht. Als Fotograf kann ich darauf echt verzichten. Ich denke da nur an den Eifelturm. Copyright auf die Beleuchtung, drum kann man kein Bild vom Eifelturm bei Nacht auf deviantArt und Co finden. Ist doch irgendwie Panne. Zwar ist es als Dekoration zum eigentlichen Motiv erlaubt, aber das ist dann wieder so was schwammiges, dass man sich fragen muss wo die Grenze ist. Ne, auf sowas kann ich echt verzichten.

    Aber die Idee mit dem cc Schild gefällt mir. Nur bitte kein cc-by, sonst weiß ja jeder wo man wohnt😉 . Ich frage mich was Googlemaps dann mit seiner Straßenansicht macht… als Mittel gegen das fände ich das sogar richtig nützlich…

  12. cspannagel sagt:

    -by ist meines Wissens immer bei CC mit dabei.🙂

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