In die Zukunft und zurück

Veröffentlicht: Dienstag, Oktober 14, 2008 in Best Practices, Lerncoaching, Tagespraktikum, Teaching, Uncategorized

Vor einiger Zeit hat Max Woodtli einen Vortrag an der PH über Moodle und Lerncoaching gehalten. Seitdem bin ich begeistert von Coaching-Methoden und habe ich auch ein wenig damit beschäftigt. Heute habe ich in der ersten Sitzung meiner Tagespraktikumsgruppe eine Methode angewendet, die mir Max nach dem Vortrag damals beschrieben hat – und sie funktioniert prächtig!

Die Situation: Heute saßen in dem Seminarraum 8 Studentinnen, die am Tagespraktikum teilnehmen. Mein Ziel war es, eine Atmosphäre zu erschaffen, in denen die Studentinnen sich als konstruktives Team auffassen, das gemeinsam die kommenden Aufgaben angeht und sich gegenseitig unterstützt. Dabei wollte ich, dass die Studentinnen sich selbst überlegen, wie sie sich als Team begreifen möchten und wie sie dies konkret umsetzen.

Die Methode: Nach der Vorstellungsrunde habe ich folgende Situation beschrieben:

Stellen Sie sich vor, wir befinden uns nicht im Jahre 2008, sondern im Jahr 2018. In 10 Jahren kommen wir auf die Idee, uns nochmal zu einem Bierchen in einer Kneipe zu treffen, um über alte Zeiten zu plaudern. Natürlich sprechen wir dann auch über das Tagespraktikum. Dabei werden Sätze fallen wie „Ich fand damals sehr gut, dass…“ oder „Ich erinnere mich immer wieder gerne daran, wie wir…“ oder „Einen besonders positiven Eindruck hat bei mir hinterlassen, dass…“. Versuchen Sie sich auszumalen, was Sie gerne in dieser Situation denken würden, und zwar möglichst konkret!

Anschließend haben die Studentinnen für sich einen Satz in der oben beschriebenen Art formulieren müssen. Diese Sätze haben wir dann als Mindmap gesammelt. Anschließen hatten wir ein Bild der Dinge vor Augen, an die wir uns in 10 Jahren gerne erinnern würden. Als nächstes war mein Anliegen, die Studentinnen möglichst konkrete Handlungen ausarbeiten zu lassen, wie wir diese Ziele erreichen können. Dazu versetzten wir uns wieder ins Hier und Jetzt:

Nun begeben wir uns wieder ins Jahr 2008 an die PH. Wir sind in der glücklichen Situation, dass das Tagespraktikum noch komplett vor uns liegt. Das heißt, es liegt in unserer Hand, das Tagespraktikum so zu gestalten, dass wir uns in 10 Jahren genau so erinnern, wie Sie es beschrieben haben. Was müssen wir Ihrer Meinung nach tun, damit dies geschieht? Schreiben Sie wieder einen Satz auf – bitte möglichst konkret ausmalen!

Anschließend entstand wieder eine Mindmap, diesmal mit den konkreten Handlungsanweisungen.

Ich muss sagen, mit dieser Methode schafft man eine sehr gute anfängliche Atmosphäre in einem solchen Seminar. Zudem wird den Teilnehmern bewusst, dass es in ihrer Hand liegt, das Seminar so zu gestalten, dass alle damit zufrieden sind.

Kennt ihr ähnliche Methoden? Habt ihr so etwas auch schon mal ausprobiert?

Kommentare
  1. Hokey sagt:

    Hört sich wirklich toll an! Das muss ich mir sofort notieren…

  2. cspannagel sagt:

    Die Methode heißt übrigens „Lösungszeitsprung“ (nach Szabo). Danke, Max, für den Hinweis!

  3. Christian sagt:

    Eine spannende Idee. Auch bereits notiert. Ich denke auch, dass die positiven Erwartungen auch helfen das Seminar zu etwas positivem zu machen oder zumindest eventuelle anfänglich negative Einstellungen oder Ängste zu relativieren.

  4. rip sagt:

    > wird den Teilnehmern bewusst, dass es in ihrer Hand
    > liegt, das Seminar so zu gestalten, dass alle damit
    > zufrieden sind

    Ganz genau – sehr schöne Idee, danke!

  5. Stormcloud sagt:

    Wirklich eine tolle Idee! Danke!

  6. Der Lehrer / Dozent als Coach – unterstützend, begleitend… ich freue mich für deine Studenten😉 Guter Ansatz!

  7. cspannagel sagt:

    Vielen Dank für die tollen Rückmeldungen! Ich kann nur sagen: Probiert’s mal aus – es macht Spaß!

  8. Hast Du denn einen gravierenden Unterschied in Form eines „AHA-Erlebnisses“ zu anderen Lehrmethoden beobachten können?

  9. Ruth sagt:

    Wäre die andere Frage vielleicht auch interessant? Was werden Sie 2018 sagen, was war nicht effizient? Dann könnte man zusätzlich die Vermeidungsstrategie ausprobieren.

    Kannst Du uns ein paar Beipiele geben, welche neuen Ideen durch die Methode entwickelt haben?

  10. […] passt Christian Spannagels Bericht einer Lernsituation seiner Lehre, die er in seinem Blog unter „In die Zukunft und zurück“ […]

  11. cspannagel sagt:

    @Jana und @Ruth Ich habe die entstandenen MindMaps mal in flickr eingestellt, dann könnt ihr euch einen Eindruck davon von machen, welche Antworten von den Studierenden kamen:
    http://tinyurl.com/4llxpe

    Es handelt sich dabei weder um neue Ideen noch um AHA-Erlebnisse, sondern darum, dass die Studierenden erkennen, dass sie selbst für das Gelingen des Seminars verantwortlich sind, und dass sie selbst formulieren, was man tun muss, damit das Seminar gut verläuft.

    Bislang habe ich immer selbst diese Dinge erläutert („Sie müssen zusehen, dass Ihre Kritik konstruktiv ist, und Sie müssen offen sein für die Kritik von anderen usw.“). Ich halte es aber für viel wertvoller, wenn die Teilnehmer selbst auf diese Ideen kommen! Und das hat geklappt…

  12. Ruth sagt:

    „Montag früh ins Bett“ finde ich super – und das hättest Du den Studierenden sicherlich nie von außen einimpfen können. Mal schauen, wo ich die Methode bei Gelegenheit einsetzen kann.

  13. cspannagel sagt:

    @Ruth Das fand ich auch witzig.🙂

  14. Auch von mir ein Danke!
    Das erinnert mich daran, dass ich mir ein System überlegen wollte, wie ich solche Methoden sammle und auch effektiv wiederfinde. Wahrscheinlich mit einer Mischung aus Delicious und Wikiversity.

  15. cspannagel sagt:

    @highwaystar42 Ich mach das in meiner Philosophy of Teaching auf WikiVersity – Sie vermutlich auch?

  16. apanat sagt:

    Besten Dank für den Hinweis! Gefällt mir sehr gut. Habe gleich einen Mini-Artikel im ZUM-Wiki mit Hinweis auf dich und Szabo daraus gemacht: http://wiki.zum.de/Lösungszeitsprung
    Ich hoffe, ich durfte das

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