(Bildungs-)Wissenschaftler 2.0 – Join the community!

Veröffentlicht: Sonntag, Juli 19, 2009 in Uncategorized

Wenn man einen wissenschaftlichen Artikel schreibt und ihn bei einer Zeitschrift einreicht, dann ist er noch längst nicht veröffentlicht. Bei den meisten Zeitschriften und Konferenzen muss der Artikel zuerst durch ein Review, d.h. andere Wissenschaftler begutachten den Artikel, geben (hoffentlich) konstruktiv Feedback und geben ihr Votum bzgl. der Annahme oder Ablehnung des Artikels ab.

Dieses System hat einen schwerwiegenden Nachteil: Es ist sehr träge. Man reicht einen Artikel ein und bekommt in der Regel drei Monate später eine Rückmeldung. Man arbeitet das Feedback ein und reicht ihn wieder ein (entweder bei derselben Zeitschrift, oder im Falle einer Ablehnung woanders). Dann dauert es wieder drei Monate und so weiter und so fort.

Es wäre stattdessen viel besser, wenn man von Fachkolleginnen und -kollegen schon vor der ersten Einreichung ein Feedback bekommen würde. Wie wäre es, wenn Wissenschaftler sich gegenseitig bereits während der Entstehung von Artikeln gegenseitig reviewen würden? Meiner Ansicht nach hätte das weitreichende positive Konsequenzen. Hier ein kleiner Einblick in eine Utopie:

  • Fehler in Artikeln werden frühzeitig erkannt. Tipps und Hinweise können bereits im Entstehungsprozess berücksichtigt werden. Das würde die Qualität von Fachartikeln steigern und die Chancen für eine erfolgreiche Begutachtung erhöhen.
  • Wissenschaftler an verschiedenen Hochschulen würden stärker an den laufenden Arbeiten der Kollegen beteiligt werden. Sie können die neuen Entwicklungen der anderen bereits in ihre Arbeit integrieren. Ansonsten würden sie davon erst bei Veröffentlichung des Artikels in der Fachzeitschrift erfahren. Und das kann dauern. Der frühzeitige Ideenausausch würde den gesamten Prozess der wissenschaftlichen Wissenskonstruktion beschleunigen.
  • Wissenschaftler würden sich (noch) mehr als Community begreifen, die sich gegenseitig hilft und unterstützt. Kooperation statt Konkurrenzdenken.

Ist das eine Utopie? Gabi Reinmann beklagte sich in ihrem Weblog vor einiger Zeit, dass sie Schwierigkeiten hat, Kollegen zum gegenseitigen Review zu bewegen. Auf der anschließenden Diskussion beruhend haben sie und ich uns entschlossen, diesen Gedanken offensiv anzugehen und eine Community zu gründen, die genau diesen Gedanken verfolgen soll: Wissenschaftler helfen sich im Entstehungsprozess von Artikeln gegenseitig. Entstanden ist hieraus die Community (Bildungs-)Wissenschaftler 2.0, gehostet ist sie bei mixxt.de. Die Idee: Wissenschaftler stellen dort unfertige Artikel, Preprints, Ideenskizzen, … ein und eröffnen eine Forumsdiskussion darüber. Andere Wissenschaftler lesen die Artikel und geben im Forum Feedback. Die Diskussionen finden somit öffentlich statt, sodass sich alle beteiligen können und der gemeinsame Wissensaustausch gefördert wird – ganz im Sinne öffentlicher Wissenschaft. Zielgruppe sind zunächst einmal Wissenschaftler, die sich mit Bildung, Lernen und Lehren, Medien und Pädagogik beschäftigen.

Die Grundsätze dieser Community sind die folgenden:

(Bildungs-)Wissenschaftler 2.0…

  • kommunizieren nicht ausschließlich über Publikationen und Vorträge miteinander, sondern bereits während der Entstehung von Artikeln und Vorträgen.
  • erweitern die Kommunikation über Publikationen und Vorträge, indem diese nachbesprochen und weitergedacht werden.
  • verstehen sich als wissenschaftliche Community, die sich auch ohne formale Kontexte (z.B. finanzierte Forschungsprojekte) gegenseitig unterstützt.
  • haben keine Angst vor „Ideenklau“, sondern bringen sich und die anderen innerhalb der Community durch einen offenen Ideenaustausch weiter.
  • respektieren aber auch die Urheberschaft von Ideen anderer und halten sich an übliche wissenschaftliche Standards des Zitierens.
  • versehen neue Beiträge mit einer „Danksagung“ an die Community, wenn diese nützliche Kommentare, Kritiken, Vorschläge etc. unterbreitet hat (siehe Danksagungsklausel).
  • nutzen die Chance der Co-Autorenschaft, wenn sich durch Ideenaustausch neue Inhalte entwickeln.
  • stellen die Sache in den Vordergrund und nicht sich selbst.

Also: Ist das eine Utopie? Es kommt darauf an, wie viele Bildungswissenschaftler bereits sind, aktiv mitzuwirken! Insofern: Join the community!

Kommentare
  1. […] sollte kein Hindernis sein – im Gegenteil (zum Thema siehe auch Christians Blog-Beitrag hier) Tags » Reviews, Wissenschaft « Autor: Gabi.Reinmann Datum: Sonntag, 19. Juli 2009 […]

  2. […] 2.0“ (hier) aufgesetzt und hier darüber berichtet (Christian schreibt hier darüber). Den Hintergrund zu dieser Community bilden Überlegungen bezüglich des Peer-Reviews […]

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