Kortenkamp und Spannagel im Gespräch: Wie lässt man Studenten kommunizieren?

Veröffentlicht: Mittwoch, Juli 22, 2009 in Kortenkamp und Spannagel

Ulrich KortenkampViel Spaß mit einer neuen Folge von „Kortenkamp und Spannagel im Gespräch“! 🙂

Ulli: Hi, ich frage mich gerade, wie man möglichst schnell die Kommunikationsinfrastruktur für hochschulübergreifende Studierendenprojekte aufbauen kann. Und was will man eigentlich genau? Im Moment erlebe ich, dass man ständig für jedes Projekt immer wieder alles neu zusammenbaut, und damit einen ungeheuren administrativen Aufwand hat, den man gar nicht haben möchte.

Ist die Lösung, in StudiVZ oder Facebook oder Yahoo oder Google oder wo auch immer eine Gruppe aufzumachen? Dann verliert man leicht den Überblick, denn es ist ja immer auf einer anderen Plattform; ich möchte aber nicht den Tag damit verbringen, auf 15 verschiedenen social networks zu schauen, ob es was neues im Projekt gibt. Klar, man kann per E-Mail benachrichtigt werden, wenn was passiert, aber die Einstellungen dafür sind entweder zu grob oder zu anstrengend.

Der Vorteil bei einer „real world“ Veranstaltung ist, dass man durch die Angabe von Zeit (Mittwoch 10-12) und Raum (B209) sofort alles organisiert hat! Gibt es das auch fürs Internet? Wir treffen uns jede Woche zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmten URL?

Ich weiß, dass es alles technisch überhaupt kein Problem ist, ich merke aber, dass es eben nicht so einfach funktioniert, wie man es gern hätte, insbesondere, wenn man Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Organisationen zusammenbringen möchte.

Hast du eine Lösung?

Christian_Tafel_2Christian: Beim Lesen deines Texts kommen mir zwei Ideen, die nicht unbedingt ideale Lösungen in deinem Sinne sind, aber sie kommen mir halt.🙂

Da wäre zum einen die Überlegung, ob man an dieser Stelle aus Dozenten- oder aus Studentensicht argumentieren sollte. Wenn man letzteres macht und den Web-2.0-Gedanken ernst nimmt, sollte es Studierenden ermöglicht werden, mit denjenigen Tools zu arbeiten, mit denen sie arbeiten möchten. Sie sollten als ihr personal learning environment (PLE) nutzen können und dürfen. Und PLEs bringen es mit sich, dass sie bei jedem Studierenden anders aussehen. Die Situation kann also höchst komplex werden. Wie kann man als Dozent hier den Überblick behalten? Eigentlich nur über RSS-Feeds, die an einer bestimmten Stelle aggregiert werden.

Zum anderen lege ich ganz gerne eine Community-Seite für eine Veranstaltung an, die natürlich auch hochschulübergreifend sein kann. Hierfür nutze ich die Plattform mixxt. Dort hat man alle Funktionalitäten, die man sich so wünscht (Profile, Forum, Wiki, Dateiablage, RSS, …).

Vielleicht ist eine Kombination aus beidem empfehlenswert? Also eine zentrale „Gruppenrepräsentation“ wie eine Online-Community, und die Arbeit wird in den jeweiligen PLEs gemacht und von der Community-Plattform aus verlinkt?

Ulli: Hm, tja, das hilft mir nicht wirklich weiter. Aber die PLEs finde ich klasse!! Das gilt ja auch für mich (mein PLE ist eine Kombination aus Mail.app und NetNewsWire ;-))

Aber noch mal zurück zum Problem: Ich möchte einfach nur sagen „Wir treffen uns dort.“ und alles funktioniert prima. Und am liebsten möchte ich gar nichts dafür tun müssen. Vielleicht ist dafür aber RSS wirklich die Lösung – RSS-feeds kann man auch noch rückwirkend lesen, man hat Überblick darüber, was man schon las und was nicht, und  man muss nicht noch eine Adresse im Web checken.

Also – RSS als Allheilmittel im Web 2.0?

Christian: Ich weiß nicht – wir können es gleich mal hier mit allen diskutieren.🙂 Gerade eben haben wir übrigens ein Bildungsexpeditions-Interview über Adobe Connect abgehalten. Wäre so etwas wie Adobe Connect nicht genau das, was du suchst? (Zur Erklärung für diejenigen, die Adobe Connect noch nicht kennen: Das ist ein Videokonferenz-Tool mit zahlreichen Zusatzfunktionalitäten).

Also: Was meint ihr zu Ullis Frage?

<a href=“http://kortenkamps.net/“><img class=“alignleft size-full wp-image-695″ title=“Ulrich Kortenkamp“ src=“https://cspannagel.files.wordpress.com/2009/06/kortenkamp-ulrich.jpg&#8220; alt=“Ulrich Kortenkamp“ width=“77″ height=“115″ />
Kommentare
  1. Reinmann sagt:

    Hallo ihr beiden,
    „Der Vorteil bei einer ´real world´ Veranstaltung ist, dass man durch die Angabe von Zeit (Mittwoch 10-12) und Raum (B209) sofort alles organisiert hat!“ Ja, und an einer Präsenzuni sollte man das einfach nutzen🙂. Ich merke an mir selbst die Entwicklung, unter bestimmten Bedingungen wieder mehr zur Präsenzsituation zurückzukehren, statt wesentlich mehr Zeit in die Gestaltung eines virtuellen Raums zu investieren. Und es hat u.a. mit den Gründen zu tun, die hier in eurem Zwiegespräch genannt werden: umständliche Vorarbeiten. Ich habe mir auch schon überlegt, dass es das beste wäre, jedem Studierenden statt eines dämlichen Marketing-T-Shirts oder Rucksacks zum Studienbeginn ausreichend Web-Space für einen Studium-Blog zur Verfügung zu stellen, ausschließlich simple (!) Werkzeuge für die Ameldung zu Veranstaltungen und Prüfungen zentral zu implementieren und ansonsten schlicht „leere virtuelle Räume“ als Ergänzung zu den physischen Räumen zu bieten, wo man sich ohne irgendwelche Passwörter treffen kann. Wie das über RSS-feeds funktionieren kann, habe ich nicht verstanden, aber ich habe den Eindruck, mein Wunsch ginge da in diesselbe Richtung. Das eigentliche Lernen findet dann im eigenen Blogs (natürlich im Kopf, aber sichtbar im eigenen Blog) statt. Für das Assessment allerdings habe ich bei diesem Szenario auch noch keine gute Lösung. Aber all dies befindet sich ja aktuell ohnehin nur auf der Stufe des „lauten Denkens“. Leider😉
    Gabi

  2. Adi Kreft sagt:

    Hallo,
    spannende Dialoge. Das Problem ist mir sehr vertraut, da es mich auch sehr lange nervte im Web 2.0 „herumzugurken“.
    Ich meine mit „herumgurken“ die Diskrepanz zwischen den Chancen des WQeb 2.0 und der realen konkreten Ergebnisse.
    Die Dialoge flackern kurz auf und versinken wieder in Nirwana.
    Statt darüber herumzumosern halfen mir einige Videos von Prof.Kruse auf YouTube zum Thema kollektive Intelliogenz.

    Seine Statements plakativ:
    Web 2.0 ist kein Netzwerk, sondern nur Netzzugang.
    3 Elemente weden benötigt für kollektive Intelligenz:
    1. Erregung (Problem)
    2. Handlung (Dialog) …hmm, stimmt das noch? (;-) ) und
    3. Bewertung

    Ferner:
    Das Netzwerk benötigt
    1. totale Transparenz
    2. Verhaltensregeln (verbindliche).

    Auf meine Art habe ich mit meinen Partnern begonnen meine Version der Communities zu realisieren
    Kurzes Zwischenstand nach ca. 3 Wochen – es funktioniert blendend.
    Was habe ich gemacht?
    Ich habe verschiedenen Ebenen der Netzwerkpartner.
    1. Ebene
    eMail, Telefon, Treff. Mehr nicht.
    Anstrengend, mit jedem Partner (fast) anwendbar, nicht sehr effizient. Langweilig, aber Pflicht für die meisten Kontakte.
    2. Ebene
    2.1 Im Google Textdatei für Fragen/Antworten. Zuerst nur dual.
    2.2 Im Google Kalkulationsdatei mit Angaben, wann ich telefonischg erreichbar bin, Uralub etc.
    Ferner:
    TO DOs aufgelistet, bis wann ich was von wem will oder ich abzuliefern habe.
    3. Ebene
    Blog etc.

    So, nun höre ich auf, da es als Kommentar nicht plastisch darstellbar ist.

    Gerne wende ich es mit Interessierten an. adi.kreft@gmail.com

    Grüße

    Adi Kreft

  3. @Gabi Die Variante mit den RSS-Feeds würde keinem synchronen Treffen entsprechen, sondern wäre eine Zusammenschaltung von Informationsstreams der Anwendungen, welche die Teilnehmer zum Lernen und zum Bearbeiten von Aufgaben nutzen. So kann ein Teilnehmer dasjenige Tool nutzen, das er sowieso schon benutzt oder am liebsten nutzen möchte, solange es RSS-Feeds anbietet. (RSS ist dann sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner)

    @Adi Die Tools verwende ich so oder so ähnlich, wie du sie nutzt. Allerdings ist mir noch nicht klar, wie du dadurch Ullis Problem löst…

  4. @Gabi: gibt es bei Euch Rucksäcke? Wow!

    Aber sehe ich recht, dass dieses „wir treffen uns da und dort“ noch nicht zufriedenstellend gelöst ist?

    Das wäre doch wirklich mal ein lohnendes Projekt.

  5. Wieso ist das Problem mit Videoconferencing-Tools (wie beispielsweise Adobe Connect) noch nicht geloest? Da kann man doch sagen: Wir treffen uns am XYZ um ABC Uhr dort:

  6. Weil es mir darum geht die volle Palette (Wiki, Foren, …) zur Verfügung zu haben!

  7. Das passt für mich irgendwie nicht zusammen: Auf der einen Seite steht das synchrone Treffen (am … um … dort…). Auf der anderen Seite gibts Tools wie Wikis und Foren, die eher für asynchrone Kommunikation stehen. Sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem Wiki zu treffen ist vermutlich eher kontraproduktiv, weil man sich gegenseitig beim Verändern behindert. Oder vielleicht versteh ich auch komplett was falsch?🙂

  8. Ja, da verstehst du mein ursprüngliches Problem falsch. Ich versuch’s noch mal:

    In der „real world“ kann man ganz einfach organisieren — die Veranstaltung findet an bestimmten Koordinaten (Ort, Zeit) statt. Man trifft sich und alles ist gut. Es ist hübsch übersichtlich, man weiß, dass man alles von der Konferenz/Vorlesung/Party mitbekommt, wenn man da ist, man braucht kein Passwort, man vergisst nicht, da „immer wieder reinzuschauen“ etc.

    Im Web 2.0 (stellvertretend nehme ich diesen Begriff für alles, was e-* ist) hat man viel mehr Möglichkeiten. Aber: Es ist total kompliziert, das alles beieinander zu halten. Das liegt unter anderem an der Nebenläufigkeit: Es gibt ganz viele Plattformen, es kann alles auch asynchron sein, … . Konkret: Wenn ich sage: Wir machen eine „Web-Konferenz“, dann reicht es eben nicht, einfach nur eine URL (für den Ort) und eine Zeit anzugeben. Irgendwie muss ich auch noch klären, ob alle zu den Tools, die ich verwenden will, Zugang haben, wie ich den evtl. komplizierten Link auch weitergebe, die Teilnehmer müssen sich anmelden/registrieren/ihr Passwort wiederfinden. Und da es keinen fest definierten Start/End-Punkt gibt verlaufen viele Diskussionen einfach im Sande: Nimm blogs als Beispiel — irgendwann kommen keine Kommentare mehr, und dann ist die Diskussion zu Ende. Oder? Naja, man könnte ja noch einen dranhängen.

    Es fehlt uns (auch bei Videochats ist mir das schon aufgefallen) an solchen erlernten Dingen wie das Melden und Verabschieden am Telefon (oder auch das Begrüßen und Verabschieden bei Treffen). Eine Versammlung wird eröffnet und geschlossen – virtuelle Veranstaltungen hören irgendwie auf. Und könnten weiter gehen. Es bleibt ein unbefriedigtes Gefühl.

    Ich denke schon, dass man einiges davon lösen könnte, zum Beispiel über eine Platform, die genau das bietet: Unifizierte virtuelle Kommunikation und Diskussion mit Anfang und Ende. Ich sage dann nur noch „Wir treffen uns bei http://treffen.bei/Kommunikation-Von-Studenten“ und alles ist gut. Die Platform müsste dann anbieten, das mit jeglichem social network zu verknüpfen, so dass ich mit meinem facebook-login da mitmachen kann, zum Beispiel. Außerdem werden dann da Anfänge und Enden definiert. Und RSS-Feeds zur Verfügung gestellt, mit denen man den Überblick behält. Und andere Arbeitsmittel mit integriert, beispielsweise könnte man einfach ein Wiki in irgendeiner anderen (unterstützten) Platform anlegen, und auf das haben dann alle Zugriff…

    … also wirklich, das wäre ein supercooles Projekt. Braucht aber viel Denkarbeit und Entwicklungsarbeit. Wer finanziert uns das?

    Ulli

    PS: Ich glaube, Googles „Wave“-Konzept geht teilweise in die Richtung.

  9. Ok, jetzt ist es mir klarer geworden. Ja, lass uns einen Projektantrag schreiben!🙂

  10. Charlie sagt:

    Um auf die Gruppen bei Studi und so zurückzukommen. Das Blöde bei diesen Sachen ist die Anonymität, die aber bei Projekten sehr wichtig ist. Obwohl ich sagen muss,in den Gruppen von dem Sammlerportal http://www.tamundo.de kann man schnell auch richtig individuelle Kontakte knüpfen und Kommunikation aufbauen. Aber ihr habt ja nu ein Konzept🙂

  11. schlind sagt:

    Manchmal gelingt aber auch eine solche (zumindest bilaterale) Kommunikation. Dies ist der Lernblog eines unserer Studenten:

    http://ik.juliusadorf.com/

    und er hat das Projekt auch vorbildlich abgeschlossen.

    Wir Dozenten haben alle Teilnehmer ein Blog anlegen lassen als Reflektionsinstrument über die Lerninhalte (die sich die Teilnehmer auf unserer eLearningplattform z.B. aus Videos angeeignet haben). Wir haben auch selbst ein veranstaltungsbegleitendes Blog geführt. In der Präsenzveranstaltung haben wir in kleinen Gruppen Fragen beantwortet und geübt.

    Zwei Einschränkungen muss ich dazu machen:
    – es waren nur 30 Teilnehmer (im kommenden Wintersemester werden es rund 90),
    – eine Kommunikation zwischen den Teilnehmern ist trotz Anregung unsererseits (in Form eines Arbeitsauftrags) nur punktuell entstanden z.B. http://tointum.wordpress.com/2009/07/13/tubi-ein-kleiner-ik-assistent/

    Es geht also und hat dazu allen Spass gemacht!

  12. Patrick Tunkl sagt:

    Leider keine Zeit für eine lange Antwort, aber etwas, was sehr gut zum Thema passt:

    http://www.supercoolschool.com

    Ein „vitual classroom“ im Internet. Unterricht, also „Treffen“ zu festen Zeiten unter dieser URL. afaik Adobe Connect powered.

  13. cspannagel sagt:

    Danke für den Hinweis!!

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