Archiv für 2010

Vorlesungsvideos Zwischenstand

Veröffentlicht: Mittwoch, Dezember 22, 2010 in Arithmetik, Teaching

Jetzt ist endlich bald die Weihnachtspause und ich kann etwas aufatmen – die letzte Zeit war schon recht anstrengend gewesen. Aus diesem Grunde war’s auch in meinem Weblog in den letzten Wochen eher still – ich bin einfach nicht zum Schreiben gekommen (obwohl ich einige Ideen habe, worüber ich schreiben könnte).

Vielleicht trotzdem jetzt in aller Kürze ein Zwischenstand bzgl. meiner Vorlesungsaufzeichnungen: Die Studierenden äußern sich durchweg positiv darüber, dass Vorlesungsteile in Youtube stehen. So können sie sich diejenigen Aspekte, die sie nicht verstanden haben, nochmals ansehen, bei Bedarf immer und immer wieder. Schon praktisch, wenn man den Herrn Spannagel vor- und zurückspulen kann. 🙂

Meine Videos findet man komplett in einem ZUM-Wiki-Bereich (innerhalb meines dortigen Nutzerprofils):

Ein paar Ausschnitte hier (zum Reinschnuppern):

 

Eines der anregendsten Gespräche hatte ich in Maputo mit Prof. Hans Saar. Hans war früher an der PH Leipzig tätig und ist vor einigen Jahren nach Mosambik ausgewandert. Heute ist er Professor für Pädagogik an der Universidade Pedagogica. In unserem Gespräch ging es unter anderem um die Primarlehrerausbildung und den Grundschulunterricht in Mosambik. Man kann sich kaum vorstellen, unter welchen Bedingungen Lehrerinnen und Lehrer in den Grundschulen arbeiten. Oft lehren sie in drei Schichten: Morgens unterrichten sie 70 Schüler, mittags kommen die nächsten 70, und abends nochmal 70 andere. Und das alles für wirklich wenig Geld! Es freut mich sehr, dass sich Hans bereit erklärt hat, einen Gastbeitrag über die grundlegenden Entwicklungsprobleme des Bildungswesens in Mosambik zu schreiben. Bitte schön:

Das Bildungswesen in Mosambik hat in den zurückliegenden Jahren mit den verstärkten Anstrengungen der Regierung und der Internationalen Gebergemeinschaft eine vor allem in quantitativer Hinsicht durchaus anerkennenswerte Entwicklung genommen. Ausdruck dessen ist die Politik der Expansion der Bildung in allen Provinzen des Landes, sind konkret der weitere Ausbau des Schulnetzes, die Verbesserung der materiell-technischen Basis der Schulen (auf noch immer niedrigem Niveau), der verbesserte Zugang zur Schule für die Kinder und insbesondere der Mädchen, die schnellere Bereitstellung von Lehrern für die Primarschule durch das Ausbildungsmodell 10 plus 1 etc.. Eingangsprofil zum Studium ist damit zum ersten Mal die 10. Klasse,was positiv zu bewerten ist, da es bisher nur Modelle mit der Eingangsvoraussetzung der 4.-8. Klasse gab. Leider wurde gleichzeitig die Ausbildungszeit auf ein Jahr reduziert, was wiederum die Qualität der Ausbildung beeinträchtigt.
Ein weiteres Problem der mosambikanischen Schule ist die mangelhafte Vorbereitung und Durchführung des sogenannten halbautomatischen Übergangs (eine Politik zur Reduzierung der hohen Sitzenbleiberrate, insbesondere in den ersten Grundschuljahren), welcher unter pädagogischen Aspekten durchaus vertretbar ist und einen wertvollen Beitrag zur Ausbildung der Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens aller Kinder leisten kann. Da der mosambikanische Primarschullehrer sich jedoch als Autorität versteht, wurde ihm damit das Machtmonopol der Zensur teilweise genommen, was für ihn unverständlich war und letztlich zu einer Art indirekten Arbeitsverweigerung führen konnte. Nicht das beabsichtigte Ziel, den Kindern mehr Selbstvertrauen zu geben und Kompetenzen ohne das „Schwert der Zensur“ zu entwickeln, wurde erreicht, sondern eine Degradierung von Qualität, so dass wieder mehr Schüler in Grundschulklassen ohne entsprechende Kenntnisse und Könnensqualitäten angetroffen werden.
Einerseits lassen sich im mosambikanischen Bildungswesen durchaus positive quantitative Entwicklungen feststellen, die jedoch unzureichend qualitativ unterlegt sind. Darin besteht u.E. das grundlegende Problem des mosambikanischen Bildungswesens.
Einer durchaus erfreulichen Entwicklung insbesondere unter quantitativem Aspekt stehen also neue große Herausforderungen gegenüber, wie das folgende Beispiel verdeutlicht. Mosambik verfügt in der Regel über insgesamt genügend ausgebildete Lehrer, wobei dies noch nichts über die Qualität der Ausbildung aussagt, sodass es kaum noch zur vertraglichen Bindung nichtqualifizierter Lehrer kommt. Es gibt bereits die Erscheinung, dass es Wartelisten zur Einstellung für den Lehrerberuf gibt. In den nächsten Jahren müssen qualitative Fragen weitaus stärker in strategische Überlegungen und konkretes Denken in allen Bereichen des Bildungssystems zum Tragen kommen.
Die Sicherung einer besseren und auf die mosambikanische Grundschule bezogenen Lehrerausbildung stellt eine der grundlegenden Herausforderungen dar. Der Weg dahin erfordert ein Umdenken aller Entscheidungsträger im Bildungssektor und für die Pädagogische Universität Maputo, die längst nicht mehr lediglich in Maputo zu Hause ist, sondern in fast allen Provinzen des Landes mit Delegationen vertreten ist, sodass man berechtigterweise von einer Landesuniversität sprechen kann.
Ohne die Schaffung neuer Wissenschafts- und Lehrdisziplinen, die einen engen Bezug zur Grundschule haben, wie die Grundschulpädagogik und –didaktik sowie die spezifischen Didaktiken der in der Grundschule vertretenen Fächer wird es kaum eine grundlegende Verbesserung in der Primarschullehrerausbildung und eine dringend erforderliche Verbesserung der Qualität der mosambikanischen Grundschule geben. Diese Entwicklung ist ansatzweise eingeleitet, und das zu erreichende Ergebnis sollten unter anderem Dozenten an den Primarschullehrer ausbildenden Einrichtungen sein, die wesentlich besser als bisher Lehrerstudenten auf ihre Tätigkeit an der Grundschule vorbereiten, die nicht im Allgemeinen verbleiben, sondern der Spezifik des mosambikanischen Grundschulkindes und einer adäquaten Pädagogik/Didaktik verbunden sind.
Unter anderem mit der Vertiefung der Hochschulkooperation zu deutschen Universitäten und der beabsichtigten Gründung eines Zentrums zur Entwicklung der Grundschule und zur Durchführung von Studien in der Provinz Gaza unternimmt die Pädagogische Universität Anstrengungen sich intensiver qualitativen Fragen der mosambikanischen Grundschule und der Primarschullehrerbildung zuzuwenden.

Allgemeinbildung und freie Entfaltung: Eine Diskussion

Veröffentlicht: Mittwoch, Dezember 1, 2010 in Bildung, Educamp, Schule

Auf dem Educamp in Aachen haben Friedrich A. Ittner und André May eine Diskussionsrunde zum Thema „Zukunft der Bildung“ organisiert, die per Video aufgezeichnet wurde. Teilnehmer: Thomas Bernhardt, Felix Schaumburg, Karl-Heinz Pape, Marcel Kirchner und ich (Mostafa Akbari und Jean-Pol Martin sind später noch hinzugestoßen). In der Diskussion, die recht offen angelegt war, unterhielten wir uns über den Wert von Allgemeinbildung, über Möglichkeiten, Unterricht offener zu gestalten, und über Bildungsvisionen.

Einstieg in Wikis: Erstellen eines Glossars

Veröffentlicht: Samstag, Oktober 23, 2010 in Wiki
Schlagwörter:

Ich frage mich immer wieder, wie man Studierenden in kurzer Zeit den Wert eines Wikis und dabei gleichzeitig die zu Grunde liegende Philosophie (Konnektivismus, Netzsensibilität, Partizipationskompetenz, Neuronenmetapher, verteilte Kognition, …) vermitteln kann. In Maputo habe ich etwas ausprobiert, das (so glaube ich zumindest wahrgenommen zu haben) ganz gut funktioniert hat.

Folgendes Szenario: Ich habe zwei Wochen lang in Maputo verschiedene Einheiten zu „Computer im Mathematikunterricht“ mit unterschiedlichen Inhalten gestaltet. Am Ende (das heißt am letzten Tag) galt es nun, die verschiedenen Inhalte nochmals zu rekapitulieren, zusammenzubringen und zu festigen. Die Studierenden sollten die wesentlichen Erkenntnisse zusammentragen. Hierfür habe ich eine Glossar-Seite in unserem Veranstaltungswiki angelegt, und die Studierenden sollten dort alle Begriffe, die sie kennen gelernt hatten, kurz definieren (auf die Idee des Glossars hat mich *m.g.* gebracht, der dies in ähnlicher Weise im GeoWiki versucht hatte). In Kürze die Stichpunkte hierzu:

  • Die Studierenden saßen in Zweier- oder Dreiergruppen vor Computern. Wir hatten ca. eine Stunde Zeit.
  • Jede Gruppe sollte sich selbstständig aus dem Glossar einen Begriff aussuchen, der ihnen besonders gut gefallen hat und den sie gerne definieren möchte. Die Gruppe sollte sich eine kurze, prägnante Definition überlegen und diese eintragen.
  • Wenn sie damit fertig sind, dann sollen sie sich entweder einen anderen Begriff suchen, oder sie sollen sich ansehen, was andere Gruppen geschrieben haben und dies ergänzen oder verbessern.
  • Studierende, die Probleme mit Englisch hatten, sollten den Text auf Portugiesisch einstellen. Andere Gruppen, die portugiesische Texte sehen, sollen diese dann verbessern.

Anschließend habe ich dann mit den Studierenden die Arbeitsweise in einem Wiki reflektiert und Analogien zum aktiven Plenum gesucht. Aus diesen Analogien haben wir die entsprechenden „philosophischen“ Aspekte herausgearbeitet: ein eigenes Wissen soll nicht zurückgehalten werden, verteiltes Wissen wird zusammengetragen, Emergenz, … Gerade das aktive Plenum als „offline-Variante“ und das Wiki als „online-Variante“ eignen sich gut, um in ganz unterschiedlichen Situationen gemeinsame Aspekte zu entdecken.

Ein großes Problem sehe ich noch: Es ist zwar gut verstanden worden, wie man mit einem Wiki arbeitet und wofür das gut ist. Allerdings sind die inhaltlichen Ergebnisse nicht sonderlich überzeugend. Problem: Was macht man jetzt? Die Studierenden arbeiten nicht mehr darin, und die Ergebnisse stehen nun mehr oder weniger halbfertig und halbkorrekt im Internet. Soll ich das als Dozent verbessern? Soll ich einen Kommentar auf die Seite schreiben, der die Inhalte relativiert? Any ideas?

Vorlesung: Die Folge der natürlichen Zahlen

Veröffentlicht: Mittwoch, Oktober 20, 2010 in Arithmetik

Vor einiger Zeit habe ich angekündigt, die Vortragsphasen in meiner Arithmetik-Vorlesung aufzuzeichnen und bei Youtube einzustellen. Die ersten Videos sind jetzt online. Die Themen sind:

  • Die Folge der natürlichen Zahlen; Peano-Axiome
  • Addition von natürlichen Zahlen; rekursive Definition
  • Vollständige Induktion

Viel Spaß beim Anschauen. 🙂

PS: Vielen Dank an Tim Strübig, der die Videos aufnimmt, schneidet, bearbeitet und in Youtube einstellt!

Einige Gedanken zu Teaching Thinking

Veröffentlicht: Dienstag, Oktober 12, 2010 in Teaching Thinking

Hier in Maputo sprudeln nur so die Gedanken. Ich habe mich in den letzten Tagen mehr oder weniger zufällig mit teaching thinking aus verschiedenen Perspektiven beschäftigt und möchte hier mal einige Aspekte festhalten.

Curriculare Fragen: Wenn man eine prozessorientierte Sichtweise auf Lernen und Lehren einnimmt, dann betont man dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur die Inhalte eines Fachs lernen, sondern auch die zentralen Denk- und Arbeitsweisen. Fragen muss man sich dann, welche Denk- und Arbeitsweisen für eine Disziplin zentral sind. Prozesse, die von den jeweiligen Fachexperten methodisch zur Wissensgenerierung in ihrem Fach eingesetzt werden, sind schon mal super Kandidaten. Wir haben in zahlreichen Befragungen von Professorinnen und Professoren diverser Disziplinen erhoben, welche Prozesse diese für zentral in ihrer Wissenschaft halten. So zählen beispielsweise problem solving and problem posing, analyzing, generalizing, finding relationships und classifying zu den zentralen Prozessen der Informatik, während comparing, using metaphor, communicating und presenting in der Germanistik wichtig sind. Auf der Grundlage von Prozessprofilen verschiedener Wissenschaften kann dann entschieden werden, welche Denk- und Arbeitsweisen in welchem Schulfach vermittelt werden sollten.

Methodische Fragen: Gleich nach dem „was?“ stellt sich die Frage des „wie?“ Es gibt zahlreiche Methoden, bei denen die Denkprozesse im Mittelpunkt stehen, und mir begegnen immer wieder neue. So ist das Modell der kognitiven Meisterlehre (cognitive apprenticeship) darauf ausgelegt, dass einerseits die Lehrperson ihre Denkprozesse bei Demonstrationen expliziert (Lernen am Modell), währen die Schüler in Arbeitsphasen angehalten sind, ebenfalls ihre Prozesse zu reflektieren und untereinander zu besprechen. Das aktive Plenum lässt Prozesse in der diskursiven Auseinandersetzung deutlich werden: Hier vollziehen die Lernenden Prozesse als Gruppe und diskutieren die jeweiligen Teilschritte. In der Mathematikdidaktik wären in diesem Zusammenhang auch das EIS-Prinzip und das operative Prinzip zu nennen, die jeweils als Grundannahme haben, dass sich das Denken aus dem Handeln entwickelt. Darüber hinaus werden Prozesse längerfristig nachvollziehbar und zu Objekten der Reflexion, wenn sie kollaborativ verschriftlicht und diskutiert werden, beispielsweise in Web-2.0-Tools wie Wikis.

Philosophische Einordnung: Ich kenn mich in der Philosophie noch nicht so gut aus (andere haben da mehr Zeit für ;-)), dennoch kann ich sagen, dass sich teaching thinking insbesondere mit der Strömung der Aufklärung in Verbindung bringen lässt. „Benutze deinen Verstand!“ ist wohl die eindrücklichste Aufforderung an die Menschen, sich aus ihrer selbst verschuldeten Unmündigkeit zu befreien. Uns leuchtet daher die Forderung nach eigenständigem Denken aufgrund unserer „Aufklärungsvergangenheit“ sofort ein. In Mosambik scheint man sich damit noch schwer zu tun (in diese Richtung geht auch ein Kommentar von Florentina Sauerbach). Ein Gespräch mit einem sehr netten Kollegen heute hat ergeben, dass ich durch meinen Teaching-Thinking-Ansatz in meinem Kurs hier in Maputo praktisch zufällig ins Schwarze getroffen habe.

Aus meiner eigenen Lehrerfahrung kann ich sagen, dass man einen ganz anderen Blick auf Lehr-Lernsituationen erhält, sobald man eine prozessorientierte Sichtweise einnimmt. Mir persönlich sagt diese Sichtweise sehr zu, und ich werde versuchen sie zu „pflegen“, und zwar in zweifacher Hinsicht: Einmal als „Basis-Philosophie“ für meine Lehrveranstaltungen, und natürlich als didaktisch-methodischer Inhalt in meinen Vorlesungen und Seminaren.

Resümee der ersten Maputo-Woche

Veröffentlicht: Freitag, Oktober 8, 2010 in Maputo

Ich habe das Gefühl, dass bereits ein Monat in Maputo vergangen ist. Dabei bin ich nicht mal sieben Tage hier. Das Leben hier hat einen ganz anderen, faszinierenden Rhythmus. Ich finde es zum Beispiel schön, dass hier niemand pünktlich ist. Typisch für Maputo ist, dass man sich z.B. um 10 Uhr verabredet. Um 10:30 Uhr kommt der Anruf, dass noch was dazwischen gekommen ist, wir verschieben das Ganze auf 11:30 Uhr. Um 11:45 kommt der Anruf, dass man „gerade unterwegs“ ist. 13:30 Uhr schließlich wird vereinbart, dass man sich um 15 Uhr trifft. Das Treffen selbst findet dann um 15.45 Uhr statt. 🙂 Viele Deutsche würden damit vermutlich nicht gut umgehen können. Ich genieße es. In Deutschland wird das Leben von der Uhr diktiert. Hier, wo niemand Wert auf  Pünktlichkeit legt, empfinde ich die Unpünktlichkeit als Freiheit. Man fühlt sich einfach entspannt. Witzig ist zum Beispiel auch, dass das Seminar „eigentlich“ um 16:00 Uhr beginnt. Um 16:30 Uhr, also dann, wenn 80% der Studierenden da sind, wird begonnen. Bei einer Feedbackrunde haben die Studierenden als positiven Aspekt geäußert, dass wir zeitig beginnen. Glaubt man das?

Die Arbeit mit den Rechnern funktioniert nun, nachdem wir an einem Tag Probleme hatten, mit Laptops ins Netz zu gehen. In einem Raum hatten wir zwar WLAN,  aber 70% der Laptops ließen sich nicht richtig konfigurieren. Also sind wir ins Medienzentrum umgezogen, ein Raum mit ca. 30 Rechnern. Der Raum strahlt an allen Ecken und Enden Pragmatismus aus. Die Rechner funktionieren alle solala, Stecker hängen teilweise aus der Wand, und man nimmt sich einfach ein LAN-Kabel von einem Rechner und  stöpselt es in seinen Laptop, und man ist im Internet (insofern man eine funktionstüchtige Buchse für das  andere Ende des Kabels gefunden hat, also eine, in der der Stecker nicht komplett verschwindet). Nix mit Zugangsdaten oder sowas. Bei den Lautsprechern fehlt die Ummantelung des Steckers, also werden einfach die losen Kabelenden in die Steckdose gesteckt. Alles kein Problem. Es funktioniert. Nur seinen USB-Stick sollte man nicht in die Rechner dort stecken. Einen durfte ich mir komplett formatieren, weil ich mir annährend unendlich viele Viren auf den Stick geholt habe.

Die Studierenden beginnen nun alle, Englisch zu sprechen. Ich habe ihnen deutlich gemacht, dass ich genau so Probleme mit Englisch habe wie sie, und dass es nur darum geht, dass wir irgendwie miteinander kommunizieren. Das aktive Plenum lasse ich komplett auf Portugiesisch durchführen und Punkte an der Tafel festhalten. Anschließend lasse ich mir die Punkte übersetzenund ich muss sagen, einen Teil verstehe ich auch so (mit Latein und Englisch im Hintergrund).

In den letzten drei Tagen haben wir uns intensiv mit Logo beschäftigt: Turtle-Grafik, Modularisierung, Rekursion und teaching thinking. Ich muss sagen, dass ich mich während des Seminars inhaltlich selbst enorm weiterentwickelt habe. Mir war zum Beispiel der starke Bezug zwischen Logo und teaching thinking vorher nicht in dem Maße bewusst. Ich habe dies hier verstärkt wahrgenommen, weil zahlreiche Studierende Schwierigkeiten damit hatten, selbst neue, kreative Ideen zu entwickeln. Einige haben nur die Beispiellösung von der Tafel abgeschrieben, zum Laufen gebracht, haben aber die Hürde nicht geschafft, selbst eigene  Lösungen zu neuen Aufgaben zu entwickeln. Oft höre ich den Satz  „Teacher, this is too difficult.“ (Ich mag die Anrede „Teacher“ irgendwie, die muss ich in Deutschland auch mal einführen :-)), und meine Antwort war: „Okay, this is difficult. You see, the turtle is not doing what you intended. Now, you have to think about that. Rethink your solution.“ Ich muss nochmal in Erfahrung bringen, woran das liegt. Eventuell sind sie mehr gewöhnt, Vorträge zu hören, und weniger, eigene Ideen zu entwickeln. Klar ist mir allerdings geworden, dass es nirgendwo so wichtig ist wie in armen Ländern  Schülern zu helfen, sich zu eigenständigen, kreativen Denkern zu entwickeln – das ist mitunter ihr einziges Kapital. Dies versuche ich den Studierenden, die ja im Bildungsbereich tätig sind oder sein werden, zu vermitteln. Und dabei lege ich Wert darauf zu zeigen, wie man kreatives Denken fördern kann und es sie „am eigenen Leib“ erleben zu lassen. Logo war dazu eine verdammt gute Gelegenheit.

Zum Abschluss  dieses Beitrags noch ein schönes, altes Video von Papert über  Logo, dass es  eigentlich ganz gut auf den Punkt bringt:

Web-2.0-Kenntnisse von Lehrerinnen und Lehrern

Veröffentlicht: Freitag, Oktober 8, 2010 in Gastbeitrag, Schule, Web 2.0

Hier in Maputo habe ich festgestellt, dass die Studierenden kaum Web-2.0-Kenntnisse haben. Einige kennen sogar Wikipedia überhaupt nicht. Das ist aber nichts besonderes: Auch in Deutschland haben Lehrerinnen und Lehrer nur marginale Kenntnisse, während die Schülerinnen und Schüler solche Tools täglich nutzen. Eine sinnvolle Behandlung von Möglichkeiten und Risiken im Unterricht ist daher nur begrenzt möglich. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Hausarbeit wird Katharina Schnorr einen Fragebogen entwickeln, um einmal Web-2.0-Kenntnisse von Lehrerinnen und Lehrern zu erheben. Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse, aber zunächst einmal muss der Fragebogen entwickelt werden. Daher habe ich Katharina Schnorr angeboten, sich durch einen Gastbeitrag von euch Anregungen in meinem Weblog zu holen. Bitte sehr, hier ist er!

Schülerinnen und Schüler bewegen sich heute täglich im Web 2.0, ohne grundlegende Kenntnisse zu den Abläufen und Hintergründen zu haben. Viele veröffentlichen in ihrem Steckbrief in Online-Communities persönliche Fotos und Daten, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was mit diesen Fotos und Daten geschehen kann.

Wie Christian Spannagel in seinem Blog im Artikel Web 2.0 in der Schule: Das „Warum?“ schreibt, kann es also Aufgabe der Schule sein „die Jugendlichen zu einem vernünftigen, reflektierten und produktiven Internetgebrauch zu führen“. Doch dafür ist es unbedingt nötig, dass die Lehrinnen und Lehrer grundlegende Kenntnisse haben, wie dieser vernünftige, reflektierte und produktive Internetgebrauch stattfinden kann. Aus diesem Grund versuche ich in meiner wissenschaftlichen Hausarbeit herauszufinden, in welchen Bereichen die Kenntnisse der Lehrerinnen und Lehrer ausreichend für die Schule sind, aber auch vor allem in welchen Bereichen Kenntnisse und Fertigkeiten fehlen. Dafür erstelle ich derzeit einen Fragebogen, mit dem ich die Kenntnisse von Lehrern zum Web 2.0 erheben möchte. Als ein Ergebnis der Arbeit soll aus den erhobenen Daten eine Handreichung für Lehrerfortbildungen entstehen.

Ein Bereich des Fragebogens soll ein Wissenstest werden, in dem die Lehrer Fragen im folgenden Stil beantworten sollen:

1. Was ist ein Wiki?
a. Ein Artikel aus Wikipedia
b. Anwendung zur kollaborativen Texterstellung und Bearbeitung
c. Programm zum Schreiben von Texten auf dem PC
d. Eine Warnung auf Wikipedia vor falschen Artikeln
e. Ein Mikrobloggingsystem

2. Wer kann bei Wikipedia Artikel erstellen und ändern?
a. Nur angemeldete Nutzer
b. Autoren der Seite
c. Jeder; angemeldet und nichtangemeldet
d. Nur nichtangemeldete Nutzer
e. Nur Wissenschaftler

Diese beiden Fragen stammen aus dem Bereich „Wiki“. Weitere Bereiche sollen sein: Datenschutz, RSS-Feeds, Weblogs, Twitter, Online-Communities, Podcasts und Social Bookmarking.

Christian Spannagel hat mir nun angeboten seinen Blog dazu zu nutzen, weitere Ideen für Fragen zu sammeln: mit eurer Hilfe! Also: wer von euch kann mir Anregungen geben, was man in einem solchen Wissenstest fragen könnte? Vielleicht seid ihr absolute Experten in einem Bereich und habt super Ideen dazu. Gerade in Bereichen wie Datenschutz ist es doch sehr schwer als Laie wasserdichte Fragen zu formulieren. Wenn jemand noch Ideen für andere Bereiche hat, die man abfragen könnte oder ihr der Meinung seid bestimmte Bereiche sollten nicht abgefragt werden, her damit :-)! Was auch immer euch dazu einfällt… ich bin für jede Anregung dankbar!

Teaching Thinking in Maputo

Veröffentlicht: Mittwoch, Oktober 6, 2010 in Maputo

Heute hatte  ich meine erste Veranstaltung in Maputo  im Rahmen der Veranstaltung Laboratory on Mathematics and Mathematics Education. Die Veranstaltung findet täglich von 16 Uhr bis 21 Uhr statt. Die Uhrzeit ist so gewählt, weil viele der Studierenden tagsüber arbeiten, unter anderem als Lehrerinnen und Lehrer, und „nebenbei“ den Master machen. In der Round of Introductions habe ich auf das Name Game verzichtet, weil die Teilnehmer sich untereinander schon kannten. Stattdessen habe ich nur das Positioning Game durchgeführt. Ich hatte das Gefühl, die Studierenden waren etwas irritiert, schließlich hat’s ihnen aber augenscheinlich Spaß gemacht. Und Irritation (=Perturbation) ist auch genau das, was ich erreichen wollte. Anschließend haben wir Fermi-Aufgaben behandelt. Anfangs wirkten die Studierenden etwas müde (was aufgrund der Bedingungen auch kein Wunder ist). Die sprachlichen Barrieren haben sich als nicht sonderlich hinderlich erwiesen. Ich glaube, sie verstehen mehr Englisch, als ich am Anfang dachte, und es wird auch flexibel und bei Bedarf hin- und herübersetzt. Das Eis wurde schließlich durch ein aktives Plenum gebrochen, wie ich es noch nicht erlebt habe. Ich habe die Studierenden in zwei  Gruppen eingeteilt: Die eine Gruppe sollte sich Pro-Argumente für den Einsatz von Fermi-Aufgaben in der Schule überlegen, die andere Gruppe Contra-Argumente. Nach 10 Minuten Vorbereitungszeit habe ich zwei Studierende nach vorne geholt (zum Schreiben und zum Aufrufen, wie man’s beim aktiven Plenum ja macht), und habe die Runde eingeleitet mit „And now: Fight!“ Und dann ging’s los. Es waren (glaub ich) 20 Minuten erhitzte Diskussion, und die Studierenden haben sich richtig ereifert. Ich habe sie übrigens auf Portugiesisch diskutieren lassen, weil ich wollte, dass sie möglichst frei sprechen (Mein Kollege Prof. Cherinda hat mir während der Diskussion immer wieder einiges nebenbei übersetzt). Letztendlich glaube ich, dass die Studierenden dabei wirklich Spaß hatten (ich werde sie aber noch fragen). Anschließend habe ich ihnen noch das Erich-Hammer-Video als Beispiel gezeigt, auf Englisch übersetzt und daran erläutert, wie man die Methode auch im Mathematikunterricht einsetzen kann, und habe ihnen ein wenig über die Neuronenmetapher und Klasse als Gehirn (Jean-Pol Martin) erzählt. Ich finde es toll, dass das aktive Plenum praktisch von alleine gelaufen ist, und durch den Extrakt an der Tafel habe ich auch kontrollieren können, ob alles einigermaßen mit rechten Dingen zuging. Das heißt, das aktive Plenum funktioniert nicht nur mit Verkehrsplanern, sondern auch dann, wenn der Dozent eine andere Sprache spricht. 🙂 Und  – auch schon oft erlebt – am Ende standen wesentliche Argumente tatsächlich an der Tafel (Bild 1, Bild 2), von den Studierenden selbst entwickelt und ohne, dass ich irgendwas dazu sagen musste. Hätte ich auch gar nicht können, ich kann ja kein Portugiesisch. 🙂

Letztendlich stand die Veranstaltung (sowohl bzgl. Fermi-Aufgaben und bzgl. aktivem Plenum) unter dem Motto  „learning how to think“ und „process-oriented mathematics education“. Bei beiden Themen ging es schließlich darum, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, bestimmte Prozesse durchzuführen wie Problemlösen, Kommunizieren und Argumentieren. (Mir fällt gerade auf, dass ich bislang zu wenig hierüber in meinem Blog geschrieben habe. Prozessorientierte Didaktik ist nämlich mein eigentliches Forschungsgebiet, und in meinem Blog wird das bislang nur indirekt deutlich. Demnächst mehr hier.)

Übrigens war das heute meine erste in Englisch gehaltene Lehrveranstaltung überhaupt. Und ich muss feststellen: Es lässt sich einfach vieles schöner auf Englisch sagen als auf Deutsch (das fällt mir auch immer wieder an englischsprachiger Literatur im Bildungsbereich auf.) Zum Beispiel: This seminar is not only on computers, but on learning philosophies. My goal for this seminar is that we all develop a new perspective on learning and teaching mathematics. Children must see that mathematics is fun, is passion. That there is much to explore and much to discover. […] Computers are just tools, but tools influence our thinking. Because we know computers and what they can to do, we are able to develop new perspectives on learning. […] This seminar is called „laboratory“, so you have to be active. If we were playing football, I would provide you the football field.  But you are the football players, and you have to play in order to have fun. Sagt das mal auf Deutsch. Das klingt echt nur halb so gut. (Ist vermutlich auch nur zu 80% richtig, das Englisch, aber das spielt keine Rolle.)

Morgen werden wir mit teaching thinking weitermachen, aber in einem völlig anderen Kontext: Wir werden die Programmiersprache Logo erforschen. Dort geht es nämlich – ähnlich wie im aktiven Plenum – nicht nur darum, das Denken zu lernen, sondern eine Umgebung zu bieten, in der man keine Angst zu haben braucht, Fehler zu machen. Beides also extrem wichtig für Mathematikunterricht. Dabei werde ich auch den Erfinder von Logo und Visionär im One Laptop Per Child-ProjektSeymour Papert, persönlich zu Wort kommen lassen. Mister Papert, what do you think about teaching thinking?


Hallo 🙂

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Anne Nittmann 

to me

show details 8:41 PM (3 hours ago)
Wie war dein erster Tag?LG Anne
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Anne is not available to chat
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Christian Spannagel 

to Anne

show details 11:11 PM (1 hour ago)
Hi Du,

Wie war dein erster Tag?

Sehr anstrengend – und geil! Es hat alles super geklappt.

Ich bin leider jetzt erst zum Mailen gekommen (sorry). Der Kurs ging bis 21 Uhr.
Anschließend musste mein Begleitprof. noch hier und da was schnell einkaufen  (so
ist das hier, die Leute sind sehr… spontan). Um 22 Uhr war ich dann in meinem Hotel,
und bis 22:30 gibts nur Buffet. Also schnell noch was reingepfiffen, und jetzt habe ich
zum ersten Mal Ruhe heute.

Die Studenten sind sehr mitarbeitswillig, sprechen aber nur schlecht Englisch. Von
19 potenziell teilnehmenden waren nur 10 da, manch einer geht früher (also nach
2 Stunden, obwohl der Kurs 5 Stunden geht usw.). All das ist aber normal und
auch verständlich, schließlich arbeiten die ja alle tagsüber. Ach so, wir haben ca.
30 Minuten später angefangen, weil bis zu dem Zeitpunkt nur 4 anwesend waren.
Aber auch das ist normal (bei Laukenmann und Randler wars genauso). Wenn man
diese Rahmenbedingungen akzeptiert und flexibel bleibt, dann hat man Spaß!

Anfangs waren sie noch sehr zurückhaltend. Dann hab ich aber „Stimmung“ gemacht
und sie „angestachelt“, in dem ich eine Gruppe erzeugt habe, die „pro“ Fermi-Aufgaben
ist, und eine, die „contra“ ist. Dann mussten sie sich Argumente für ihre Position
überlegen. Und dann hab ich gesagt: „And now: Fight!“ – und, hey, dann gings richtig
los. Die müden Geister vom Anfang sind zur Hochform aufgelaufen. Ich habe sie in
Portugiesisch diskutieren lassen, und die haben sich alle richtig erhitzt. Das war
krass! Mein Begleitprof konnte mir das alles nur bruchstückhaft übersetzen, und die
Argumente, die von den Studierenden kamen, waren wirklich gold wert. Hätte ich nicht
mit gerechnet. Und ab da waren sie alle voll mit dabei. Richtig gut!

Außerdem habe ich gemerkt, dass man bestimmte Dinge in Englisch viel besser
rüberbringen kann als im Deutschen: „This course is not only about computers, but
on a new learning and teaching philosophy. We have to show  the children that
mathematics is fun, is passion, is full of sense. That there is much to explore, much to
discover.“ Sag das mal auf Deutsch – klingt nur halb so gut. Oder: „This is a laboratory,
you have to be active. If we were playing football, I would provide you the football field.
But you are the players, and you have to play in order to have fun.“ Krass.
Ich sollte auch in HD Vorlesungen auf Englisch halten. :-)))

Ich bin mal auf morgen gespannt. Morgen dürfen sie in Logo programmieren. Ich glaube,
dann hab ich sie komplett. 🙂

Wie gehts dir und Snow? Alles in Butter?

Liebe Grüße und gute Nacht,

Dein Christian


http://www.ph-heidelberg.de/wp/spannagel/
https://cspannagel.wordpress.com
http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Cspannagel

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Anne is not available to chat

Die Henne-Ei-Frage

Veröffentlicht: Montag, Oktober 4, 2010 in Maputo

Ein wesentlicher Inhalt meines Seminars hier in Maputo ist die Frage, wie man Computer sinnvoll zum Mathematiklernen einsetzen kann, und welche Einstellung zum Lernen und Lehren damit einhergeht (Konstruktionismus, operatives Prinzip, exploratives Lernen, … – mehr dazu demächst auf diesem Sender).

Dabei stellt sich einem natürlich die Frage: Ist das überhaupt sinnvoll, einen Kurs über den Computereinsatz im Mathematikunterricht in Mosambik zu machen? Viele Schulen haben keine Computer, und die Ressourcenlage ist überhaupt schlecht. Ein Kollege hat mir berichtet, dass mitunter 60-100 Schüler in einem Klassenzimmer sitzen, und drei Schüler teilen sich einen Tisch, an dem eigentlich nur zwei Platz haben. An die Förderung von Eigenaktivität, den Einsatz von Methoden wie Gruppenarbeit und die Nutzung von Computern im Unterricht ist dabei nur schwerlich zu denken. Was also soll das?

Im Folgenden seien einmal ein paar Argumente aufgeführt, warum das trotzdem sinnvoll ist:

Concepts first: Prof. Cherinda, mein Kollege und sehr netter Ansprechpartner hier vor Ort, hat es auf den Punkt gebracht: Mosambik kann mit der Ausbildung von Lehrkräften zum Einsatz von Computern nicht warten, bis die Computer da sind. Denn: Wenn sie da sind, dann sollte auch bereits geschultes Personal vor Ort sein. Das klingt auf dem Hintergrund der  Situation in Deutschland mehr als logisch. Bei uns ist es nämlich genau anders herum: Die Computer gibt’s (mehr oder weniger), aber sie werden von vielen Lehrern kaum eingesetzt, weil die entsprechenden Kompetenzen nicht vorhanden oder die didaktischen Konzepte nicht bekannt sind. Prof. Cherinda hat es mit einer Analogie sehr schön veranschaulicht:  Wenn du Auto fahren willst, dann machst du auch zuerst den Führerschein und kaufst dir dann ein Auto (und nicht umgekehrt). Somit ist für mich in diesem Zusammenhang die Henne-Ei-Frage geklärt: In erster Linie müssen die Lehrer ausgebildet sein.

Visions are  necessary: Es geht nicht darum, die Dinge direkt einsetzen zu können, sondern auch darum zu wissen, was prinzipiell möglich ist. Das ist etwas, was mir auch in der Diskussion in Deutschland öfter auf den Senkel geht: Als Einwand gegen neue Konzepte wird oft vorgebracht, dass das so alles gar nicht machbar oder praktikabel ist. Darum geht’s meiner Ansicht nach aber auch gar nicht. Man muss klar unterscheiden zwischen dem, was man im Alltag tut, und dem, was man für wünschenswert hält. Man kann sich auch in kleinen Schritten seinen Visionen nähern, und manchmal ist es auch einfach wichtig zu wissen, dass man es eigentlich lieber anders machen würde.

Cultural dependence: Als externer Dozent kann ich mich nicht komplett aus meinem kulturellen Kontext lösen. Ich kann nicht antizipieren, welche Bedürfnisse hier vor Ort vorhanden sind – das muss ich alles erst noch kennenlernen. Das heißt, ich kann eigentlich nicht mehr machen, als aus meinem Kontext heraus die Veranstaltung zu  gestalten. Wenn dann Differenzen auftreten, werden wir in der Gruppe darüber diskutieren. DAS ist gerade das Wertvolle an dieser Kooperation:  Zwei unterschiedliche Kulturen lernen sich gegenseitig kennen und profitieren voneinander. Letztlich sollen nicht nur die Studierenden etwas lernen, sondern auch ich. Und die Zukunft (also bei meinen nächsten Seminaren hier) kann ich diese Erfahrungen nutzen, um die Inhalte und Methoden des Kurses weiterzuentwickeln.

Was meint ihr dazu?