Archiv für Februar, 2010

Gedankenimpulse per Twitter-Voodoo

Veröffentlicht: Samstag, Februar 27, 2010 in Bildungsreporter

Gestern haben die Bildungsreporter zum Fernstudientag eine große Aktion gemacht. Stündlich haben Reporter auf unserem 1000mikes-Account gesendet, und nachmittags gabs ne Diskussionsrunde mit prominenten Teilnehmern.

Die Online-Sendungen wurden sehr gut angenommen: Insgesamt gab es über 500 Abrufe. Wer z.B. wissen möchte, welche Geheimnisse die Göre hat, wie man von Rotweinflaschen lernen kann oder wie man mit Weblogs startet, sollte einmal in die zahlreichen Podcasts reinhören, die entstanden sind. Selten so gelernt. -> Zum Archiv

Ich habe um 11 Uhr eine Sendung über Twitter-Voodoo gemacht. Wer sich einmal über Twitter pieksen lassen möchte: Bitte schön.

Nachmittags haben wir eine locker-fröhliche Online-Diskussionsrunde gemacht und dabei gleich etwas ausprobiert: Aufhänger für die Diskussion waren Tweets der Diskussionsteilnehmer. Das hat eine Menge Spaß gemacht und ist meiner Ansicht nach eine gute Methode, Gesprächsanlässe zu erzeugen (das fand z.B. auch Tamara). Mit von der Partie waren (neben zahlreichen Personen aus dem Web) Mostafa Akbari, Benjamin Jörissen, Felix Schaumburg, Oliver Tacke und Joachim Wedekind.Die Diskussion wurde aufgezeichnet und kann also noch betrachtet werden. -> Zur Aufzeichnung der Diskussion

Den ganzen Tag über wurde das Ganze natürlich von Twitter-Voodoo begleitet. In diesem Sinne: Bis zur nächsten Bildungsreporter-Aktion!

Hey, hey, Wiki! Hey, Wiki, hey!

Veröffentlicht: Samstag, Februar 27, 2010 in Schule, Web 2.0, Wiki

Seit kurzem setze ich ein Wiki in meinem Schulunterricht ein (momentan in der 8. und der 5. Klasse). Freundlicherweise hat mir hierfür das ZUMTeam ein Schulwiki im Rahmen der ZUM-Wiki-Family, zu der auch das ZUM-Wiki zählt, eingerichtet. Dieses Wiki ist nun eine Umgebung, in der die Schülerinnen und Schüler meiner Schule und ich gemeinsam arbeiten können.

Inspiration hierfür war mir das Schulwiki des Regiomontanus-Gymnasiums in Hassfurt. Die beiden Lehrerinnen Maria Eirich und Andrea Schellmann, die dieses Wiki eingerichtet und gestaltet haben, besuchten wir zudem im Rahmen unserer Bildungsexpedition und berichteten darüber an verschiedenen Stellen (hier und hier und hier und hier).

Ich konnte jetzt in ein paar Schulstunden Erfahrungen im Einsatz mit Wikis in der Schule sammeln. Ein paar seien hier kurz und knackig dargestellt:

  • Zunächst einmal muss man sich entscheiden, ob die Schülerinnen und Schüler sich mit ihrem vollen Namen einrichten sollen oder mit einem Pseudonym (zunächst viel mir kein besserer Begriff ein. Die Schüler brachten mich auf „Kosenamen“; diesen Begriff verwenden wir seitdem). Ich habe mich entschieden, Kosenamen zu verwenden, und zwar mit folgender Begründung: Ich weiß, dass es zahlreiche Menschen gibt, die nicht möchten, dass etwas über sie im Internet steht (ist für mich nicht wirklich nachzuvollziehen, aber respektieren muss man das). Viele Schüler können in ihrem Alter diesbezüglich noch nicht selbstverantwortlich eine Entscheidung treffen. Insofern gilt meines Erachtens die „so-konservativ-wie-möglich“-Regel. Nachteilig daran ist, dass die Motivation, etwas einzustellen, evtl. nicht so groß ist. Ich muss einfach mal Erfahrungen damit sammeln.
  • Wie erwartet nimmt das Anmelden UNGLAUBLICH viel Zeit in Anspruch. Eine Schulstunde ist nix. So besteht die erste Schwierigkeit darin, den Link zum Schulwiki abzutippen. Ganz zu schweigen von den Problemen, die auftauchen, wenn die Schüler ihre Passwörter in Stunde Nr. 2 nicht mehr wissen und natürlich auch keinen Zugriff auf ihre E-Mail-Adresse haben (so bei mir in der 8. Klasse geschehen). In der 5. Klasse habe ich dann die Strategie gewechselt und habe alle Schüler unter meiner E-Mail-Adresse anmelden lassen. Wenn sie ihr Passwort vergessen haben, können sie mir das sagen, und dann „besorge“ ich ihnen über meine E-Mail-Adresse wieder ein Neues. Dies schützt einen aber nicht davor, dass Schüler 20 Minuten lang versuchen, sich mit ihren Nutzerdaten bei Wikipedia (also dem falschen Wiki) anzumelden.
  • Schwierig wird die Arbeit im Wiki, wenn die Klasse selbst unruhig ist und man den Fehler macht, ihnen keinen Leitfaden o.ä. an die Hand zu geben. Letzte Stunde (die erste Stunde nach der Anmeldung im Wiki) sollten die Schülerinnen und Schüler in der 5. Klasse einfach Infos in ihr Benutzerprofil eintragen. Ich habe das kurz vorgeführt, anschließend durften die Schüler selbst ran. Es gab durchgängig ca. 10 Fragen gleichzeitig, und ich bin von Schüler zu Schüler gehechtet. Da half es auch nichts, die Dinkelschen Kärtchen zu verwenden und den Schülern zu sagen, dass sie zunächst mal ihren Nachbarn fragen sollen. Hier muss ich mit den Schülern noch viel üben, was selbstständiges Arbeiten und gegenseitiges Helfen betrifft. (Es ist an mir, hier Strukturen und Rituale anzubieten und zu üben.) Nett war zudem, dass in dieser Vollkatastrophen-Stunde auch noch ein Blockpraktikant hospitiert hat. Da konnte ich ihm gleich einmal demonstrieren, dass auch Hochschuldozenten in der Lage sind, Stunden volle Kanne in den Sand zu setzen. :-)
  • Ich muss mir dringend etwas überlegen, was die Rechtschreibfehler im Wiki anbelangt. Die gibt es nämlich zu Hauf. Ich denke, das Wiki kann eine Motivation sein, ohne Fehler zu schreiben, weil schließlich alles online steht und andere mitlesen können. Das muss man den Schülern aber erst mal klar machen. Evtl. mache ich mal folgendes: Die Schüler korrigieren sich gegenseitig ihre Benutzerprofile bzgl. Rechtschreibung – so kann auch das Wiki-Prinzip nochmal deutlich werden. Allerdings befürchte ich, dass die Motivation hierfür nicht besonders groß ist.
  • Insgesamt ist zur Motivation zu sagen: Ich dachte zunächst, die Schüler sind motivierter, weil sie etwas ins Web schreiben können und es Spaß macht zu schauen, was die anderen geschrieben haben. Diese Erwartung hat sich etwas relativiert: Die Schüler machen mit, weils Schule ist. Gleichzeitig musste ich Schüler, die sehr motiviert waren, etwas bremsen („Dürfen wir Musik einstellen?“). Super.
  • Einige wenige Schüler haben das Wiki-Prinzip sofort verstanden und produktiv umgesetzt: eine Schülerin beispielsweise hat auf der Startseite völlig überraschend eine neue Seite zur Faschingsparty der Schule angelegt (ich hatte gar nicht gezeigt, wie das geht). Eine andere Schülerin hat sogar von zu Hause aus an ihrem Benutzerprofil gearbeitet. Das sind kleine Pflänzchen, die man pflegen muss. Es wird aber mühsamer, als ich dachte.
  • Insgesamt braucht man ca. 2-3 Schulstunden, bis die Schüler Text in das Wiki schreiben können und auch Links setzen können (das ist viel schwieriger als erwartet). Ich habe den Eindruck, dass ich mit den Schülern die ganz basalen Dinge viel stärker gemeinsam durchführen und üben muss („Jetzt gebt ihr eine eckige Klammer „[„ ein – wie gibt man die ein? – Ja, genau, „Alt Gr + 8“ – so, jetzt kopiert ihr den Link aus dem anderen Browserfenster…“)
  • Nach diesen eher technischen Anfängen werde ich nun mit den Schülern auch inhaltlich im Wiki arbeiten, vermutlich zu den Themen „Internet“ und „Computer“. Dazu muss ich mir in den nächsten Wochen etwas ausdenken.
  • Darüber hinaus werde ich einmal das Wiki im Lehrerkollegium vorstellen. Es wäre schön, wenn der eine oder die andere das Wiki auch einmal nutzen würde.
  • Das Wiki könnte dazu dienen, auch klassenübergreifendes Arbeiten zu ermöglichen (noch nicht getestet, aber angedacht). So schauen bereits auch die Schüler der einen Klasse auf die Profile der Schüler der anderen Klasse. Vielleicht kann man hier auch mal Projekte machen, in denen Schüler verschiedener Klassen mitarbeiten. Die Startseiten (wie beispielsweise die über Alexander von Humboldt oder über Plankstadt) jedenfalls können zukünftig von anderen Klassen weiterbearbeitet werden.
  • Total Web 1.0, aber auch total praktisch: Ich werde in Zukunft vermehrt Arbeitsblätter ins Wiki stellen, selbst wenn die Schüler darin nichts schreiben müssen. Das spart mir Kopien, die Schüler können jederzeit drauf zugreifen (auch zu Hause) und können ihre Blätter nicht verschlampern, und darüber hinaus stehen die Arbeitsblätter dann auch im Web und andere Lehrer können sie verwenden.

Mal sehen, wie es weitergeht. Es bleibt auf jeden Fall spannend. Ich würde mich natürlich sehr über Anregungen und Ideen von euch freuen – am besten hier als Kommentar!

Die Bildungsreporter zum Fernstudientag

Veröffentlicht: Donnerstag, Februar 25, 2010 in Bildungsreporter
Schlagworte:

Morgen veranstalten wir mit den Bildungsreportern eine große Aktion zum Fernstudientag:

Stündlich sendet eine Reporterin oder Reporter über unserer 1000mikes-Account einen Beitrag zu den Themen „distance learning, online communities und social software“. Dabei beziehen wir uns nicht nur auf das Fernstudium, sondern auf ganz unterschiedliche Bildungskontexte.Um 15 Uhr veranstalten wir eine einstündige Online-Diskussion zum Thema. Mit dabei sind Benjamin Jörissen, Felix Schaumburg, Oliver Tacke und Joachim Wedekind.

Jeder kann live zuhören, reinschalten, mitmachen. Getwittert wird mit dem Fernstudientag-Hashtag #fst10.

Es sind sogar noch Sende-Slots frei: Willst du einen übernehmen?

Ansichten zur Kommentarkultur in Schulmeisters Weblog

Veröffentlicht: Montag, Februar 15, 2010 in Uncategorized, Web 2.0

Seit Schulmeisters Veröffentlichung Ansichten zur Kommentarkultur in Weblogs juckt es mir in den Fingern. Ich trage mich seit zwei Tagen mit dem Gedanken, einmal Rolf Schulmeisters Weblog (bzw. das Weblog des Zentrums für Hochschul- und Weiterbildung in Hamburg)  zu untersuchen. Nach einigem Hin- und Her habe ich mich nun entschieden, diese mühsame Aufgabe auf mich zu nehmen.

Eins ist mir wichtig: Diese Analyse ist als SPASS gemeint und soll auch so aufgefasst werden. Ich hoffe, dass Rolf Schulmeister auch diesen kleinen Ulk versteht. ;-)

Vorbemerkung

Bei dem ZHW-Weblog handelt es sich um ein Gruppenblog, in dem mehrere Personen bloggen,oft einfach auch nur unter dem Namen ZHW. 3 Blogartikel stammen von Rolf Schulmeister, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass er auch mal unter dem Namen ZHW gebloggt hat (dies kann nicht nachvollzogen werden).

Im ersten Beitrag vom 21. April 2008 steht:

Dieses Weblog wird ab jetzt von einer Reihe von Autor(innen) geführt werden. Die unterschiedlichen Perspektiven und Interessen der Mitglieder des ZHW, die sich in den namentlich gekennzeichneten Beiträgen widerspiegeln werden, sollen einen Eindruck vermitteln, woran wir im ZHW gerade arbeiten oder planen und welche Themen uns beschäftigen.
Wir hoffen, dass die eine oder andere Nachricht auch – ganz im Sinne der Web 2.0-Idee – zur Online-Diskussion anregen wird und wir mit Ihnen ins virtuelle Gespräch kommen.

Wollen wir mal sehen, ob das ZHW-Weblog diesem Anspruch gerecht geworden ist. ;-)

Die Stichprobe

Nimmt man die Weblogs, ausgehend von der Blogroll des ZHW-Weblog, die sich wechselseitig verlinken, dann erhält man ein Netz von genau zwei Weblogs (nämlich ein Netz bestehend aus dem ZHW-Weblog und dem Weblog von Kerstin Mayrberger). Ok, bleiben wir mal beim ZHW-Weblog – dieses Weblog liegt ja in unserem hauptsächlichen Interesse.

Quantitative Analyse

In die quantitative Analyse sollen einmal alle Beiträge seit Gründung des ZHW-Weblogs eingehen. Ich habe zunächst einmal das Weblog um nicht zum Inhalt oder Kommentar zählende Informationen gestrippt (was bedeutet das eigentlich?). Der erste Beitrag erschien (wie oben bereits beschrieben) am 21. April 2008. Seitdem sind  ingesamt 38 Blogartikel erschienen. Das sind bei ca. 22 Monaten Laufzeit in etwa 1,73 Blogartikel pro Monat. Insgesamt wurden 19 Kommentare eingestellt, und zwar auf 15 Blogartikel verteilt (das sind 39% aller Artikel). Dies bedeutet, dass in der Regel 1 Kommentar gegeben wurde, wenn ein Artikel kommentiert wurde. Die Höchstzahl an abgegebenen Kommentaren pro Artikel war 3. Das Verhältnis “Kommentare / alle Posts” beträgt 0,5, das Verhältnis “Kommentare / Posts mit Kommentar” beträgt 1,27. Das ist vergleichbar mit einigen von Schulmeister untersuchten Weblogs (wobei Schulmeister auf S. 20 ein Verhältnis “Posts : Kommentare” mit weniger als “1 : 1″ als “schon quantitativ betrachtet sehr dünn” bezeichnet) . Unter den 19 Kommentaren waren übrigens 9 Trackbacks, d.h. (mit viel gutem Willen) waren es 10 echte Kommentare. Immerhin (in ca. 2 Jahren). ;-))

Ich hoffe, man verzeiht mir, dass ich nicht die Wörter in Artikeln und Kommentaren gezählt habe.

Art der Kommentare

Ich habe versucht, dieselben Kategorien wie in der Untersuchung von Schulmeister anzulegen (Sachbezug, Sozialbezug, Selbstbezug, Hinweise, Restkategorie). Mit bestem Wissen und Gewissen bin ich auf folgende Zahlen gekommen: 4 der echten Kommentare haben Sozialbezug, 3 haben Sachbezug, einer Selbstbezug und 3 sind Hinweise. Also immerhin 30% haben Sachbezug.

Qualitative Analyse des Weblogs

Viele Artikel im ZHW-Weblog sind Ankündigen (z.B. von Forschungsprojekten, Stellenausschreibungen u.ä.) oder Berichte zu ähnlichen Themen. Es ist schwierig, echte Kategoriegrenzen zu ziehen, aber ich würde sagen, 33 Artikel haben diesen Ankündigungs- oder Berichtcharakter. So ist es kaum verwunderlich, dass die vier Artikel, die ich eindeutig in “echte Inhaltsdarstellungen” einordnen würde, auch die meisten Kommentare erhielten, so beispielsweise ein historischer Artikel über Weblogs von Rolf Schulmeister und ein Artikel über einen Referenzrahmen für e-Learning-Angebote von Kerstin Mayrberger mit jeweils 3 Kommentaren. Wobei zu sagen ist, dass im ersten Fall die drei Kommentare Trackbacks sind und  im zweiten Fall eine Nachfrage zu einem PDF-Dokument und zwei Antworten dazu.

Fazit

Betrachtet man das ZHW-Weblog, so könnte man zu der Auffassung kommen, dass Artikel, die hauptsächlich im Ankündigungs- und Bericht-Stil geschrieben sind, nicht so recht förderlich für eine wissenschaftliche Kommentarkultur zu sein scheinen. Jedenfalls helfen auch die explizitien Aufforderungen in den jeweiligen Artikeln, dass doch bitte kommentiert werden solle, nicht, mehr Kommentare zu erhalten wie z.B. im Blog-Beitrag über die Teilnahme an der Demo, der mit einem fettgedruckten

Was meinen Sie? Was waren Ihre guten Gründe für oder gegen die Beteiligung am Bildungsstreik? Schreiben Sie uns einen Kommentar!!!!

endet – leider erfolglos (0 Kommentare). Vielleicht ist es aber auch nicht der Charakter der Artikel, sondern die Tatsache, dass auf Nachfragen nicht geantwortet wird, wie beispielsweise hier. ;-) Oder vielleicht ist auch der Grund, dass es sich nicht um ein persönliches Weblog mit persönlichen Reflexionen handelt, sondern um ein institutionelles Gruppenweblog?

Na, was sagt uns das jetzt? Ich würde folgendes sagen:

Das ZHW-Weblog ist wie viele andere Weblogs deswegen wertvoll, weil  aktuelle Informationen zu einem bestimmten Themenbereich (nämlich den Themen des ZHW) eingestellt werden und sich Menschen, die an den Aktivitäten des ZHW interessiert sind, auf diese Weise leicht informieren können. Es ist doch nicht schlimm, dass wenig kommentiert wird. Weshalb auch, wenn es dort wenig zu diskutieren gibt? Die Autoren möchten anscheinend keine kontroversen Beiträge einstellen, welche zu heftigen Diskussionen führen könnten. Also: Die Intention des Weblogs scheint (auch wenn im ersten Weblog anders formuliert) die Information über das ZHW zu sein. Insofern entspricht doch das Kommentarverhalten in diesem Weblog exakt der Intention der bloggenden Autoren.

Schulmeister schreibt auf S. 21:

Im Bildungsbereich sollte man allerdings erwarten können, insbesondere wenn man die Absicht hat, diese Methode im Studium als Lern- oder Lehrmethode einzuführen, dass der Aus-
tausch von Ideen und Meinungen zu wissenschaftlichen Diskursen führt. Web 2.0 erhebt den Anspruch auf Partizipation, auf aktive Teilhabe, dieser Anspruch scheint aber noch nicht eingelöst zu werden.

Ich weiß nicht: Ich würde dieses Zitat wirklich (und das meine ich absolut ehrlich) nicht  auf das ZHW-Weblog beziehen wollen, weil ich das Gefühl hätte, diesem Blog damit Unrecht zu tun. Insofern wünsche ich (und auch das ist aufrichtig gemeint) dem ZHW-Weblog zukünftig weiterhin viele Leser – denn, auch das muss man sagen: Über die Reichweite des Blogs und die Anzahl der Leser können nur die ZHW-Leute etwas sagen!

Und ich ende mit einem Ausruf, der die Ernsthaftigkeit dieses Blog-Beitrags nochmals unterstreichen soll:

Helau!

Larbig kommentiert Schulmeister

Veröffentlicht: Montag, Februar 15, 2010 in Web 2.0

Das mache ich in meinem Weblog selten, in diesem Fall  ist es aber angebracht: Ich verweise “lediglich” auf einen Weblog-Artikel mit dem Hinweis, dass dieser unbedingt gelesen werden muss: Herr Larbigs Kommentar zur Schulmeister-Debatte. Unbedingt zu Ende lesen, denn dort macht Herr Larbig etwas wirklich Grandioses!

Schulmeisters Ansichten

Veröffentlicht: Samstag, Februar 13, 2010 in OeffentlicherWissenschaftler, Web 2.0

Im Netz wird gerade Schulmeisters Artikel Ansichten zur Kommentarkultur in Weblogs (der unter Beteiligung von Roland Leikauf und Mathias Bliemeister geschrieben wurde) heftig diskutiert. Fazit von Schulmeisters Artikels ist, dass in Weblogs noch keine recht Kommentarkultur herrscht (im Sinne von wissenschaftlichen Diskursen oder einfach “Threads”), sondern dass Weblogs eher persönlichen Verlautbarungen dienen und Kommentare oft nur Sozial- oder Selbstbezug haben. Der Artikel enthält einige sehr interessante Ansätze, Überlegungen und Ergebnisse, allerdings auch einige kritikwürdige methodische Aspekte. Darauf möchte ich hier nicht näher eingehen; dies wird bereits im von Sandra eingerichteten Etherpad diskutiert (dort kann jeder mitmachen).

Ich möchte mich hier auf eine Aussage von Schulmeister beziehen, die mich doch ein bisschen traurig gemacht hat. Schulmeister hat unter anderem mein Weblog beforscht. Er schreibt (neben einigen wirklich netten Bemerkungen) auf S. 17:

Die von Spannagel freimütig vorgebrachten Berichte über seine interaktiven Lehrversuche wirken so, als würde hier Hochschuldidaktik aus eigenem Erleben neu entstehen. Der Bezug zur eigenen Praxis, die spontan wirkende Reflexion, unbelastet durch pädagogische Theorien (allerdings auch unbelastet von vierzig Jahren hochschuldidaktischer Forschung) — diese Faktoren mögen entscheidend dafür sein, warum sich zu diesen Themen so viele lobend, dankend und staunend äußern [...].”

Zunächst musste ich laut lachen, weil die Formulierung “unbelastet von” wirklich witzig ist. Dann habe ich mir überlegt, wie dies eigentlich gemeint ist. Während der erste Teil (“unbelastet durch pädagogische Theorien”) fast noch als Kompliment an die Lesbarkeit meiner Weblog-Artikel verstanden werden kann, würde ich allerdings beim zweiten Teil (“allerdings auch unbelastet von vierzig Jahren hochschuldidaktischer Forschung”) das nicht mehr so komplimentös verstehen wollen. Insgesamt entsteht der Eindruck, Schulmeister würde bei meinen Beiträgen die wissenschaftliche Untermauerung vermissen. Hierzu einige Gedanken, die mir seit der Lektüre des Texts durch den Kopf gehen:

  • Nur weil ich Theorie nicht expliziere, bedeutet es nicht, dass die Ausführungen in meinem Weblog unbelastet von Theorie und wissenschaftlichen Forschungsergebnisse sind. Ich habe mir mal den Spaß gemacht, einen Weblog-Artikel zu schreiben, den ich so nie geschrieben hätte: Proof Show – eine Methode für Mathematikvorlesungen. Dort habe ich Theorie noch und nöcher reingepackt, einfach mal zu übertreiben und zu “fühlen”, wie es ist, wenn ich einen Weblog-Beitrag mit dem Anspruch von Wissenschaftlichkeit schreibe. Das Resultat: Es fühlt sich komisch an. Ich schreibe meine Weblog-Artikel nicht wie wissenschaftliche Artikel. Ich erhebe nicht mal den Anspruch von Wissenschaftlichkeit an meine Weblog-Beiträge (wobei das natürlich immer davon abhängt, was man unter “wissenschaftlich” versteht. Ich habe zugegebenermaßen selbst einen sehr weiten Begriff von “Wissenschaft”).
  • Meine Weblog-Artikel sind keine inhaltlich abschlossenen Einheiten, sondern Teil meines gesamten Weblogs bzw. Teil der Menge aller vernetzten (Mikro-)Inhalte, die ich ins Netz stelle. Insofern sind meine Weblog-Artikel Teil einer “Gesamtkonzeption”. Innerhalb dieser Gesamtkonzeption sollte eigentlich genug Theorie zu finden sein (man findet sie beispielsweise in meinen oft online stehenden Publikationen). Das soll nicht bedeuten, dass ich von jedem verlange, meine Inhalte nach Theorie zu durchforsten. Aber ich verlange es von jemandem, der mein Weblog beforscht und sich zu der Behauptung hinreißen lässt, meine Äußerungen seien unbelastet von Theorie.
  • Mal ein anderes Gedankenspiel: Nehmen wir mal an, ich hätte keine Ahnung von pädagogischen Theorien und bisherigen empirischen Resultaten. Dürfte ich nicht unbelastet von all dem meine eigenen Lehrveranstaltungen zu optimieren versuchen? Dürfte ich nicht meine Erfahrungen sammeln und öffentlich reflektieren? Dürfte ich nicht andere in meinem Weblog fragen, was sie davon halten, um dann vielleicht in dem ein oder anderen Kommentar Hinweise auf für mich relevante Literatur zu passenden Theorien zu bekommen? Darf ich als Hochschuldozent, unbelastet von hochschuldidaktischer Forschung, meine eigenen Lehrveranstaltungen nicht gestalten und darüber bloggen?
  • Es ist klar: Ich stelle keine wissenschaftlichen Ansprüche an meine Weblog-Artikel. Ich blogge einfach, was mir in den Sinn kommt. Ich erwarte nicht einmal wissenschaftliche Diskurse in Kommentaren (was Schulmeister beklagt). Weblog-Kommentare erfüllen oft einfach “nur” soziale Funktionen – warum auch nicht? Vernetzung ist ein wesentlicher Aspekt sozialer Anwendungen.

Man fragt sich natürlich, wie man auf die Idee kommen kann, den Anspruch von Wissenschaftlichkeit an Weblogs von Wissenschaftlern anzulegen. Ich habe den kursiv gedruckten Teil extra so formuliert, weil er deutlich macht, dass es  theoretisch einleuchtend ist. Anders formuliert: Solche Beiträge sind  vermutlich unbelastet von Praxis (bzgl. Blogging) – ansonsten kann ich mir nicht erklären, wie man überhaupt auf den Gedanken kommen kann, wissenschaftliche Diskurse in Weblogs zu erwarten.

Ich will auf keinen Fall Theorie gegen Praxis ausspielen: Beides (!) ist wichtig. Nur in der Verschränkung  von Theorie und Praxis können meines Erachtens Bildungswissenschaftler wirklich relevante wissenschaftliche Ergebnisse erzeugen. Sind Beiträge hingegen überwiegend unbelastet von eigenen Praxiserfahrungen, dann laufen sie Gefahr, bei Beforschten und Praxisaktiven auf Unverständnis zu stoßen (dies ist aus der empirischen Forschung zu Schule hinlänglich bekannt und auch in diesem Fall passiert). Aber gut, auch das hat seinen Wert: Eine kritische Diskussion wurde angestoßen, und wir alle haben einmal mehr die Gelegenheit, uns darüber bewusst zu werden, warum wir eigentlich bloggen.

Wer noch weiter in die Diskussion zum Beitrag von Schulmeister einsteigen will (oder einfach nur Kommentare mit Sozial- oder Selbstbezug hinterlassen möchte), kann dies hier tun:

Vorbemerkung: Dieser Artikel wird denjenigen, die öfter in meinem Weblog lesen, ein wenig “seltsam” vorkommen. Es handelt sich dabei um ein “Experiment”. Im nächsten Blog-Artikel werde ich auflösen, worum es dabei geht.

Immer auf der Suche nach aktivierenden Methoden für Vorlesungen habe ich in den letzten Wochen etwas Neues ausprobiert: die “Proof Show” oder “Beweispräsentation”. Die Idee hierzu bezog ich aus der Cognitive Load Theory und der damit verbundenen Forschung zu worked examples. Die Cognitive Load Theorie nimmt die Begrenztheit des Arbeitsgedächtnisses, in dem bewusste Denkvorgänge stattfinden, in den Blick (Chandler & Sweller, 1996). Diese Kapazitätsbeschränkung sollte bei jeder Instruktion beachtet werden (Sweller et al., 1998; Paas, Tuovinen, Tabbers & van Gerven, 2003). Man unterscheidet drei Formen von cognitive load (CL; Sweller et al., 1998; Kirschner, 2002; Paas et al., 2003): der intrinsic CL bezieht sich auf die Komplexität des Lerninhalts und kann bei gegebenem Inhalt nicht beeinflusst werden (mittlerweile gibt es aber auch erste Ansätze hierfür: siehe Pollock, Chandler & Sweller, 2002; Gerjets et al., 2004; Mayer & Moreno, 2003). Der extraneous CL wird durch eine schlechte Darbietung hervorgerufen. Der germane CL umfasst diejenigen kognitiven Prozesse, die direkt auf das Lernen bezogen sind. Alle drei Formen von CL addieren sich zu einer Gesamtbelastung des Arbeitsgedächtnisses. Ziel jeder Instruktion muss es sein, bei gegebenem intrinsic CL den extraneous CL zu minimieren und den germane CL zu maximieren.

Worked examples sind beispielhafte Lösungen eines Problems bzw. einer Klasse von Problemen (Paas & van Merrienboer, 1994; Atkinson et al., 2000). Diese haben insbesondere in der Mathematik eine große Bedeutung, weswegen bislang auch vor allem Forschung zu mathematischen Lösungsbeispielen betrieben wurde (vgl. Sweller & Cooper, 1985; Scheiter & Catrambone, 2004). Ein besonderer Typ von Lösungsbeispielen sind prozessorientierte Beispiele, also worked examples, in denen der Prozess der Lösens expliziert wird und nicht nur die Lösung an sich (van Gog, Paas & van Merrienboer, 2004, 2006, 2007). Beim mathematischen Beweisen beispielsweise wird der Unterschied sehr deutlich: Nicht der fertige Beweis wird präsentiert, sondern der Prozess des Beweisens (mit all seinen intuitiven Überlegungen, heuristischen Strategien, Irrwegen, Sackgassen, …).

Lösungsbeispiele reduzieren den extraneous CL dadurch, dass der Lernende nicht nach Lösungen suchen muss, sondern Schemata an den gegebenen Lösungen aufbauen kann. Allerdings führt die Präsentation von Lösungsbeispielen nicht direkt zu einem erhöhten germane CL; Lösungsbeispiele werden oft oberflächlich verarbeitet (“Illusion des Verstehens”). Mögliche Strategien, Lernende zu einer tieferen Verarbeitung anzuregen, sind Beispielvergleiche (Reed & Bolstad, 1991; Quilici & Mayer, 1996), unvollständige Lösungsbeispiele, sogenannte completion problems (van Merrienboer, 1990; Sweller, van Merrienboer & Paas, 1998) oder Aufforderungen, sich die Lösungen selbst zu erklären (Chi et al.,1989; Stark, Mandl, Gruber & Renkl, 2002).

In meiner Vorlesung Algebra II habe ich diese Theorie nun auf das Verstehen von Beweisen übertragen und in das Konzept Lernen durch Lehren (Martin, 2000, 2002) eingebettet: Die Studierenden finden in dem in der Vorlesung verwendeten Algebra-Buch jede Menge Beweise vor. Die Gefahr beim Lesen dieser Beweise ist aber, dass man sie nur oberflächlich versteht und denkt, man hätte sie verstanden. Dieses Problem versuche ich durch folgendes Szenario zu vermeiden: Die Studierenden setzen sich 10 Minuten lang in kleinen Gruppen zusammen und versuchen, sich einen Beweis Schritt für Schritt selbst zu erklären. Das Ziel dieser Phase ist, dass jeder aus der Gruppe fähig sein muss, diesen Beweis der gesamten Gruppe an der Tafel vorzustellen und zu erklären, und zwar als prozessorientiertes Lösungsbeispiel (also mit der Explikation dessen, welche Strategien angewendet werden, was dabei “gedacht” wird). Anschließend kommt aus jeder Gruppe eine Person an die Tafel und führt dem Rest  den Beweis vor (“Proof Show”).

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Studierenden hierdurch Beweisschritte hinterfragen, die sie sonst vielleicht nicht hinterfragt hätten (ist eine Vermutung), und dass Studierende sich auch nicht scheuen, während einer Präsentation bei Unklarheiten nachzufragen. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass dies wesentlich mehr Verständnis bringt, als wenn ich die Beweise präsentieren würde. Im nächsten Semester werde ich auf jeden Fall versuchen, diese Methode weiter auszubauen.

Tafel-Wiki

Veröffentlicht: Freitag, Februar 5, 2010 in Schule, Uncategorized, Web 2.0, Wiki

Wenn man Quellen in Arbeiten verwendet, dann sollte man kritisch mit diesen umgehen – egal, um welche Art Quelle es sich handelt. Man muss wissenschaftlichen Artikeln gegenüber ebenso “grundmisstrauisch” sein wie Wikipedia-Artikeln. Zu diesem vernünftigen Umgang mit Quellen gehört auch das Wissen, wie diese entstehen: Wissenschaftliche Artikel werden in der Regel von einzelnen wenigen Wissenschaftlern geschrieben und oft auch von solchen begutachtet. Manches Buch wird geschrieben, ohne jemals begutachtet zu werden. Und in Wikipedia entstehen Texte durch kollaborative Schreibprozesse und gegenseitige Begutachtung.

Mich würde einmal interessieren, wie viele Menschen eigentlich wissen, wie Artikel in Wikipedia entstehen. Schüler wissen es oft nicht. Diese Erfahrung habe ich zumindest neulich gemacht: Sowohl die Schüler in der 5. als auch in der 8. Klassen waren sich nicht bewusst, dass sie selbst auch jederzeit Artikel ändern können. Ihnen ist also nicht bewusst, dass Wikipedia ein Wiki ist und was das bedeutet. (Woher sollten sie das auch wissen?)

Demnächst möchte ich mit meiner 5. Klasse in einem Wiki arbeiten. Daher habe ich in der letzten Stunde das Wiki-Prinzip eingeführt. Dabei wollte ich zunächst auf allen technischen Ballast verzichten. Ich habe mich daher entschieden, ein Spiel mit den Schülern zu spielen: Tafel-Wiki.

Tafel-Wiki funktioniert folgendermaßen: Die Schüler schreiben sich zunächst auf einen Zettel irgendeinen Satz zu einem Thema auf (z.B. “Piraten!”), den sie zunächst “geheim” halten. An der Tafel steht ebenfalls die Überschrift “Piraten!”. Anschließend darf ein Schüler seinen Satz an die Tafel schreiben und einen anderen Schüler aufrufen. Jetzt kommt ein Schaumstoffwürfel ins Spiel: Jeder Schüler, der nach vorne kommt, wirft zunächst den Würfel. Je nach Würfelergebnis führt er eine bestimmte Aktion aus:

Anschließend wir der nächste aufgerufen usw. So füllt sich Schritt für Schritt das Tafel-Wiki. Zwischendurch wird mal was gelöscht, ein Fehler eingebaut oder ein Fehler wieder entfernt.

Dies ist das Ergebnis von 15 Minuten Tafel-Wiki:

Anschließend habe ich den Schülern erklärt, dass Wikipedia ähnlich funktioniert: Alle können an dem Text ändern. Manchmal werden Fehler gemacht, und Fehler können auch wieder korrigiert werden. Zum Schluss haben die Schüler bei einer Wikipedia-Seite ihrer Wahl versucht herauszubekommen, wie viele Personen an der Seite mitgeschrieben haben.

Ich denke, dass das Prinzip “Man schreibt gemeinsam an einem Text” den Schülern klar geworden ist. Die nächsten Schritte werden das Anmelden in unserem Schulwiki und das Füllen des eigenen Benutzeraccounts sein.

Was haltet ihr von dieser Wiki-Einführung? Habt ihr vielleicht Unterrichtsideen, wie man nun vielleicht ein ähnliches Spiel in einem echten Wiki durchführen kann? Zeitgleich können die Schüler ja schlecht an einer Seite schreiben….