Uni 2.0: 3 Statements für ciffi

Veröffentlicht: Sonntag, April 18, 2010 in OeffentlicherWissenschaftler, Science, Teaching, Twitter, Web 2.0

Am Samstag darf ich auf einem Podium im Rahmen des tazlab teilnehmen. Das Thema: Uni 2.0. Vorab kann man schon über Fragen abstimmen, die wir – ciffi, cervus, literatenmelu, ich und andere – diskutieren sollen. Leitfragen sind:

Welche Rolle spielen die sozialen Netzwerke beim Studium 2010 ff? Ist Twitter ein Studientool, wie kann es dazu werden? Wie sieht das E-Learning aus, wenn das E-Learning tot ist? Macht Uni 2.0 Wilhelm von Humboldt erst wirklich möglich – weil sich erst jetzt ProfessorInnen und StudentInnen auf Augenhöhe begegnen?

Zur Vorbereitung habe ich mir 3 Statements überlegt und bereits vor einiger Zeit in Wikiversity eingestellt:

  • E-Learning ist tot. Es lebe E-Learning!
  • Im Web 2.0 überzeugt Authentizität, nicht Autorität
  • Neuronenverhalten führt zu einer veränderten Wissenschaftspraxis

Hier jetzt eine etwas ausführlichere Diskussion der Statements. Ich freue mich über Kommentare!

Statement 1: E-Learning ist tot. Es lebe E-Learning!

Dieses Statement hängt eng mit der Frage zusammen, was eigentlich unter E-Learning verstanden wird. E-Learning im „klassischen“ Sinne ist die Bereitstellung von Online-Inhalten (Texte, Videos, multimediale Materialen) zum Selbstlernen, in der Regel begleitet durch Überprüfungsfragen mit Feedback o.ä. Diese Form des E-Learning ist eine Übertragung des instruktionalen Ansatzes aus Realräumen (wie der Vorlesung) ins Web. Damit verbunden sind zwar einige Vorteile (Studierende können im eigenen Tempo und an jedem Ort lernen), aber auch einige Nachteile: Man lernt „einsam“, denn auch Foren und Chats (so meine intuitive Auffassung) sind nur schwer dazu geeignet, ein echtes „Gruppengefühl“ aufkommen zu lassen. Darüber hinaus muss auch irgendjemand die Inhalte erstellen – und Contentproduktion ist extrem aufwändig, insbesondere wenn die Inhalte auch noch ansprechend, d.h. motivierend, gestaltet sein sollen.

Mit dem Web 2.0 ist das anders: Hier tritt die Rezeption vorgefertigter Inhalte in den Hintergrund. Stattdessen ist Wissensproduktion das zentrale Konzept: Lernenden erstellen gemeinsam Inhalte, sie konstruieren Wissen kollaborativ. Darüber hinaus sind sie in jeder Hinsicht vernetzt, auch über die Beschäftigung mit den eigentlichen Lerninhalten hinaus. Wenn Lernende erst einmal über Twitter, Facebook o.ä. miteinander verbunden sind, dann vernetzen sie sich auch über private bzw. persönliche Themen. Und das ist meiner Ansicht nach ganz zentral! Denn: Inhalte schön und gut. Aber Menschen wollen sich nicht nur mit Inhalten beschäftigen, sondern insbesondere auch mit anderen Menschen. Das soziale Netz wird so zu einer Umgebung, in der man sich „ganzheitlich“ kennen lernt und so eine Basis für die gemeinsame inhaltliche Arbeit schafft. Vergleichen wir das mal mit einem Arbeitsplatz: Menschen, die eng zusammen arbeiten, müssen sich doch auch persönlich verstehen, und man tauscht sich auch gerne über persönliche Themen aus. Wenn diese Basis stimmt, dann geht auch die Arbeit besser von der Hand. In einer funktionierenden Gruppe, in der man den anderen Gruppenmitgliedern vertraut, ist man eher bereit, neue Felder zu erforschen, Risiken einzugehen und auch einmal Fehler zu machen. Wenn Steinzeitmenschen früher gemeinsam auf die Jagd gegangen sind, dann musste auch erst mal die Gruppe funktionieren, damit man sicher sein konnte, sich auf den anderen verlassen zu können. Vermutlich haben diese Menschen sich zunächst auch nicht nur über Jagdstrategien unterhalten, sondern haben erst mal Freundschaften geschlossen.

Zurück zur Erstellung von Inhalten durch die Lernenden: Wenn im Team an Inhalten gearbeitet wird, dann kommt sofort der Projektgedanke zum Tragen: Man hat ein Projektziel (irgendein inhaltliches Produkt), und alle müssen gemeinsam mitwirken, um dieses Ziel zu erreichen – wie im Arbeitsleben auch. Und genau das ist alles andere als einfach. Gruppenprozesse sind kompliziert. Studierende müssen aber lernen, mit Konflikten und Problemen umzugehen. Web-2.0-Tools machen diese kollaborativen Arbeitsprozesse sichtbar, da sie schriftlich oder wie auch immer festgehalten sind. Damit werden sie der Reflexion zugänglich gemacht, und die Teamarbeit selbst wird zum Lerngegenstand. Prozessorientierung, Kompetenzorientierung, wie auch immer man diese Art des Lernens bezeichnen möchte: Web 2.0 bietet eine Plattform, diese umzusetzen.

Selbstverständlich wird man weiterhin auch vorgefertige Inhalte in „traditionellen E-Learning-Angeboten“ weiterhin benötigen – nur Wissen im Team konstruieren zu lassen ist Quatsch. Schließlich ist es nur sinnvoll und effizient, wenn das bisherige Wissen der Menschheit nicht immer wieder selbst konstruiert werden muss, sondern wenn Menschen auch auf fertige Wissensbausteine zurückgreifen können. Was wir benötigen, ist eine Verschränkung von instruktionalen und kollaborativen Anteilen in der universitären Lehre.

Statement 2: Im Web 2.0 überzeugt Authentizität, nicht Autorität

Twitter ist „anarchisch“, „bottom up“ – jeder darf gerne ähnliche, weitere Adjektive dazuerfinden. Menschen sind hier nicht hierarchisch „verortet“, sondern in komplexe Netze eingebunden. Es ist eine gänzlich andere Struktur, als sie an Universitäten bislang vorherrschte: Hier gibt es Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter, Tutoren und Studierende. Hat ein Student eine Frage, geht er erst mal zum Tutor. Man belästigt ja nicht den wissenschaftlichen Mitarbeiter mit trivialen Fragen. Kann der Tutor die Frage nicht beantworten, geht man zum wissenschaftlichen Mitarbeiter. Man belästigt ja nicht den Professor mit trivialen Fragen. Erst wenn der nicht weiter weiß, geht man zum Professor – und hat in dessen Sprechstunde das Gefühl, in zu belästigen, weil er einem das Gefühl gibt, eigentlich besseres zu tun zu haben. Naja, ok – das Bild ist irgendwie überzogen, aber jeder, der mal studiert hat, kennt solche Situationen in der ein oder anderen Form. Das Lernen an der Universität ist bislang durchzogen von hierarchischen Beziehungen und der damit einhergehenden „Autorität durch Position“. Und dies wird von Professoren auch hin und wieder als „Schutz“ verwendet. Denn Studierende dürfen sich nich erdreisten, einen Professor zu kritisieren! Immerhin: Er ist der Professor! Was er sagt, ist Gesetz!

Derartige Hierarchien werden durch Bottom-Up-Strukturen unterlaufen. Man nehme das Bild von twitternden Studierenden in der Vorlesung: Der Professor beschallt von vorne, und Studierende „verbünden“ sich zeitgleich „im Untergrund“. Erlebt habe ich das in ähnlicher Form auf der Delfi-Tagung: Hier hat am Ende der Ausrichter der Tagung gesagt, dass das Web 2.0 stärker in Tagungen eingebunden werden sollte – und wir haben die ganze Zeit über schon getwittert und eine parallele Netzstruktur außerhalb der „offensichtlichen Struktur“ geschaffen. Solche Bottom-Up-Kräfte machen Personen, die in der hierarchischen Struktur leben, Angst. Denn die Position hilft auch dabei, einen gewissen „Schein“ aufzubauen, eine „Schutzfassade“. Studenten sind wüste Revolutionäre – also sollten sie besser klein und stumm gehalten werden. Diese Haltung wird in Zukunft keinen Bestand mehr haben.

Es gibt nur eine Lösung: Alle Personen im universitären Lehrbetrieb – insbesondere auch Professoren – müssen aus der autoritären Position heraus in das Netz eintauchen und – authentisch sein. Auch Professoren machen Fehler. Prima! Perfekt! Gibt es etwas, was Studierende noch mehr darin bestärken kann, mit eigenen Fehlern konstruktiv umzugehen, als Professoren, die das in aller Öffentlichkeit tun? Sollten Professoren nicht gerade folgende Position beziehen: „Ok, ich habe in meiner letzten Vorlesung einen wirklich großen Fehler gemacht. Studentin XYZ hat diesen Fehler entdeckt und korrigiert. Super! Schaut her: So geht man mit Fehlern in der Wissenschaft um! Niemand ist als Einzelgänger perfekt, und wenn man in der Gruppe denkt, dann gibt es immer jemanden, der Fehler bemerkt.“ Darüber hinaus sinkt die „Unnahbarkeit“ von Professoren, wenn sie in Twitter, Facebook oder irgendwelchen anderen sozialen Netzwerken kontaktierbar sind. Sie werden so zu Denkpartnern innerhalb des Netzes und verstehen sich auch als „permanent Lernende“.

Ähnlich wie bei Statement 1 bedeuten diese Überlegungen nicht, dass wir das eine aufgeben und das andere machen sollten. Auch hier gilt: Selbstverständlich haben Professoren immer noch ausgezeichnete „Expertenknoten“ im Netz, und auch eine gewisse Autorität muss bestehen bleiben (schließlich prüfen sie ja noch). Hier gilt es, ein „gesundes Mittelmaß“ zu finden: Bestehende Strukturen dürfen nicht beseitigt, sondern müssen aufgebrochen werden. Das ist ein Unterschied.

Statement 3: Neuronenverhalten führt zu einer veränderten Wissenschaftspraxis

Wer als Wissenschaftler das Web 2.0 ernst nimmt, der nutzt es als Plattform für die gemeinsame Konstruktion wissenschaftlichen Wissens. Er verlässt den Elfenbeinturm und vernetzt sich öffentlich mit Wissenschaftlern und Nichtwissenschaftlern, die sich ebenfalls in seinem Inhaltsgebiet tummeln und so zu wertvollen Denkpartnern werden können. Er hält Ideen nicht zurück, sondern diskutiert sie öffentlich. Dies beschleunigt das Vorankommen der Wissenschaft, da Ideen, die „praxisfern“ oder „irrelevant“ sind, schnell identifiziert und aufgegeben werden können. Jean-Pol meinte mal: „Menschen aus der Praxis sind diejenigen, die die Relevanzfrage besonders gut stellen können.“ In der Bildungsforschung wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass diese Frage zu Beginn des ein oder anderen Forschungsprojekts gestellt worden wäre.

Durch solche „kurzfristigen (Mini-)Projekte“ von Wissenschaftlern und Nichtwissenschaftlern ändert sich die Rolle von Wissenschaft in der Gesellschaft: Wissenschaftskommunikation findet nicht „unidirektional“ statt (wissenschaftliches Wissen wird für die Allgemeinheit aufbereitet), sondern bidirektional bzw. vernetzt: Information fließt in verstärktem Maße auch von der „Gesellschaft“ in die Wissenschaft hinein, Wissenschaftler lernen von Nichtwissenschaftlern. Damit werden letztere auch zu Wissenschaftlern – schließlich sind sie am Prozess der wissenschaftlichen Wissensproduktion beteiligt. Dies wirft die Frage auf: Was ist ein Wissenschaftler?

Auch hier wieder: Selbstverständlich wird durch diese Art des gemeinsamen Austauschs nicht jeder zum „Wissenschaftler“ im „herkömmlichen“ Sinn. Aber: Das Web 2.0 hilft dabei, verschiedene gesellschaftliche Bereiche stärker miteinander zu vernetzen und Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenzubringen. Jeder hat dadurch die Möglichkeit, in den Bereich des jeweils anderen „hineinzuwirken“. Dies ist vergleichbar mit der Vernetzung verschiedener „Hirnareale“: Unterschiedlich spezialisierte Neuronen werden „zusammengeschaltet“ und können Informationen austauschen und sich gegenseitig „korrigieren“.

So, jetzt genug geschwafelt – was ist eure Meinung?

Kommentare
  1. Dass Twitter, Blogs & Co. bei der Popularisierung und via Vernetzung auch Erdung der Wissenschaft gute Dienste leisten können, liegt nahe. Hier in Deutschland sehe ich allerdings einen stärker als anderswo ausgeprägten Bedarf an Autorität, der seine Wurzeln vielleicht noch im ständischen Denken hat und recht hartnäckig dem o.g. Anliegen entgegensteht – bis hinein in die desaströse G8-Realisierung unseres Landes.

    Einerseits ist das schade, da Schnittstellen wie z.B. die Schulmeister-Debatte nicht nur unterhaltend, sondern im Bereich „Webgestützte Bildungsneudefinition“ für Pionierarbeit leistende Akademiker wie Dich auch schmerzhaft sein können, andererseits aber auch eine Chance, da es – wenn wir denn vom Fleck des „Bildung hat man oder nicht“-Denkens wegkommen wollen, erstens keine Alternative zu diesem Diskurs gibt, zweitens der kritische Input nichtöffentlicher Wissenschaft und nicht selten gar nicht so verbohrter „Bildungstraditionalisten“ ja nicht einfach am Straßenrand liegen gelassen bzw. ignoriert werden kann und drittens auch die popularisierte Wissenschaft z.B. amerikanischer Ausprägung nicht nur Vorteile hat.

    Was wir, die wir ein neues Kapitel der Bildungstheorie zu erkennen meinen, benötigen, ist ein langer Atem: „Müssen“-Revolutionen sind in Deutschland selten gut gegangen.

    Hoffnungsvoll schaue ich auf die kluge evolutive Strategie der Grünen in manchen Bundesländern, welche die überkommenen und seit PISA nachweislich problematischen Strukturen aufzuweichen trachtet.

    Hoffnungsvoll schaue ich auf sich mehr oder weniger verbindlich vernetzende Lehrkräfte, die Ideen haben und Projekte entwickeln, die ein zeitgemäßes Lernen (denn neu ist es wirklich nicht mehr) realisieren helfen.

    Hoffnungsvoll schaue ich auf Leute wie Dich, die frisch und frei Fenster öffnen und die Welt in den Elfenbeinturm der Wissenschaft einzulassen bereit sind.

    Realitätsbeeinflussend überzeugend ist der Appell zur Umorientierung erst dann, wenn der Mehrwert gewandelter Lehre klar wird. Dies gilt nicht nur für die Uni, sondern genauso für die Schule.

    Danke für die anregenden Statements!

  2. cspannagel sagt:

    @Matthias Richtig – wir alle brauchen einen langen Atem, und wir werden uns irgendwo in der Mitte zwischen beiden „Polen“ durchschlängeln – beide Seiten haben Vor- und Nachteile, und wie es so oft ist bei zwei Extremen: Die Tugend liegt in der Mitte (virtus in medio).

  3. Crossyard sagt:

    Hallo,

    danke für den tollen Beitrag und die – wie ich finde – echt gelungenen Beispiele. Bin schon auf die Veranstaltung am Samstag gespannt und wünsche viel Erfolg.

    Extrem wichtig finde ich den Punkt der Fehlerkultur und der Aspekt, dass es zwischen den „Polen“ verschiedene Wege und Teiletappen gibt, um sich durchzuschlängen. Habe öfters das Gefühl, dass viele Lehrende gerne etwas in Richtung eLearning 2.0 tun möchten, dann denken alles auf einmal implementieren zu müssen und letztlich nichts umsetzen, weil sie Angst haben Fehler zu machen und sich von den vielfältigen Möglichkeiten überfordert fühlen. Diesen zu vermitteln, dass auch kleine Veränderungen unter Umständen großes bewegen können – okay, die 5 Mark werfe ich ins Phrasenschwein😉 – ist in meinen Augen eine notwendige Aufgabe.

    Viele Grüße und weiterhin gedankenanregende Posts

  4. Oliver Tacke sagt:

    Heute früh hatte ich schon einmal etwas hier verfasst, hat mein iPhone aber ins Nirgendwo geleitet. Dummerweise komme ich jetzt nicht mehr drauf, was ich vorhin alles geschrieben hatte😦 Nehme heute mal die Kritikerposition ein.

    *Zu Statement 1: E-Learning ist tot. Es lebe E-Learning!*
    Viele Studierende scheinen aber im Studium die Erfahrung zu machen, dass das Arbeiten im Team keine Vorteile bringt – unabhängig von digitalen Medien. In der Tat gibt es zahlreiche Konflikte, die in Gruppen entstehen können, denen einige vielleicht lieber aus dem Weg gehen. Sie fürchten, ihre Note würde sich durch die Gruppenarbeit verschlechtern, und arbeiten lieber allein. Das könnte aber auch daran liegen, dass sie oft nur inhaltlich betreut werden, mit den Problemen im Team aber selbst fertig werden müssen. Am Ende hat man oft den Fall „gemeinsam einsam“ – auf dem Papier zwar ein Team, in der Praxis jedoch bloß eine Ansammlung von Individuuen.

    Wie ändert man diese Einstellung zur Teamarbeit allgemein, bevor es im Web 2.0 überhaupt losgehen kann? Sanfter Zwang, bis man die Vorteile schätzen gelernt hat? Hilft das Web 2.0 allein schon? Wie kommt man zu diesem Verständnis: „Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Aber wenn du weit gehen willst, geh mit anderen zusammen.“

    *Zu Statement 2: Im Web 2.0 überzeugt Authentizität, nicht Autorität*
    Stimmt, aber es gibt keine bezahlten Lehrendenstellen im Web 2.0. Wer sich im bestehenden System authentisch gibt, kann sich viele Probleme einhandeln und riskiert vielleicht gar sein eigenes Vorankommen, oder noch mehr. Das ist ein sehr schmaler Grat, auf dem man wandelt. Man ist nicht so frei, wie man meinen könnte oder es gerne hätte.

    *Statement 3: Neuronenverhalten führt zu einer veränderten Wissenschaftspraxis*
    Das erinnert mich immer an Star Trek. Captain Picard hat mal gesagt, die Gesellschaft habe sich weiterentwickelt und strebe nach Höherem. Man definiert sich dort nicht über Ruhm oder Reichtum, sondern hat einzig den Drang, neues Wissen zu entdecken.

    Nun hat man aber im 24. Jahrhundert auf der Erde den unschätzbaren Vorteil, dass man sich keine Geldsorgen mehr zu machen braucht. Hier und jetzt benötigen Forscher Geld, sei es für Maschinen, Mitarbeiter, … Das gibt’s begrenzt aus Steuergeldern, mehr gibt’s oft nur über Kooperationen mit Unternehmen – und die sind sicher wenig begeistert davon, wenn von den Forschungs- und Entwicklungsprojekten viel an die Öffentlichkeit dringt. Ja, Institutionen könnten sich auch zusammentun und sich beispielsweise Maschinen teilen bzw. die Ergebnisse austauschen (im Prozess, nicht am Ende als Veröffentlichung); sparte Geld – aber dann muss man womöglich den „Ruhm“ für neue Entdeckungen mit jemandem teilen, man selbst verliert an Bedeutung, bekommt keine neuen Kooperationen, kann seiner Forschung nicht nachgehen, …

    Solange die Wissenschaft so viele Wesenszüge der Wirtschaft trägt, dürfte es für die öffentliche Wissenschaft weiterhin schlecht bestellt sein.

  5. ciffi sagt:

    lieber christian,

    ich finde die thesen originell betitelt, und natürlich kommst du auf die üblichen sachen zu sprechen. und sie sind sogar schöner benannt.

    mich hat nicht überzeugt, wie die tools twitter, youtube etc. eingesetzt werden innerhalb des seminars. es ist entweder zu banal erklärt und/oder zu abstrakt. entschuldige, wenn ich darauf beharre: aber das ist das alte leid. es steht eine insidergruppe, die ich mal die blogger nenne, neben der stino-seite – aber es bleibt unvermittelt. die stinos können nicht verstehen, was die blogger meinen. das ist aber wichtig, wenn die uni2.0 die kreativität jedes einzelnen abziehen soll.

    so, ich finde das wesch-interview, das die sagenhaft blöde taz nicht online stellt, weil es exklusiv holz sein soll (da fallen einem die ohren ab, das kollaborative wird praktisch sabotiert) ist da ein stück weiter und präziser als du das hier schreibst. bei wesch sehe ich die tools und medien von uni2.0 kontrastreicher abgegrenzt. und freilich bin ich bisserl ernüchtert, dass der stein, den @cervus ins wasser geworfen hat, bei euch keine kreise zieht – ich meine vor allem literatenmelu und dich. glücklicherweise sitzen wir ja auf dem podium und können das dort diskutieren.

    eine der spannende frage, auf die ich mir antwort erhoffe: wie kann technologie realität und reale probleme des wahren lebens ins seminar holen?

    anyway, merci für die thesen. ich freue mich auf die debatte am samstag.

    best @ciffi

  6. cspannagel sagt:

    @Crossyard Genau: Wir müssen „interessierten Personen“ helfen, kleine Schritte zu machen bzw. selbst als gutes Beispiel vorangehen! Letzteres ist überhaupt das wichtigste: Um überzeugen zu können, muss man „Modell“ sein.

    @Oliver Danke für deine Kontra-Position!

    zu 1) Wieso muss man die Einstellung der Teamarbeit vor Web 2.0 ändern? Man sollte beides gleichzeitig parallel entwickeln. Es klingt sonst etwa so wie „Man soll erst mal lesen lernen, bevor man ein Buch liest“ – Nein: Man soll durch das Lesen von Büchern lesen lernen. Allerdings erst mal mit sehr einfachen Büchern.

    Das Web 2.0 hilft alleine sicher nicht: Man braucht didaktisch-methodische Konzepte, in denen das Web 2.0 als passendes Werkzeug dient. Anders: Der Dozent muss wissen, wie er seine Lehrveranstaltung unter Nutzung von Web 2.0 sinnvoll gestaltet.

    zu 2) No risk, no fun.

    zu 3) Öffentliche Wissenschaft bedeutet nicht, dass man jede Idee naiv preisgibt (insbesondere dort, wo es auch z.B. um Patente geht). Trotzdem: Im ganzen Arbeitsfeld, in dem sich ein Wissenschaftler bewegt, gibt es genug Inhalte, Fragen, Probleme, die öffentlich diskutiert werden können und über die sich der Wissenschaftler vernetzen kann.

    @ciffi „mich hat nicht überzeugt, wie die tools twitter, youtube etc. eingesetzt werden innerhalb des seminars“ – Auf welches Seminar beziehst du dich? Ich hab nichts von einem Seminar und dem Einsatz von Youtube geschrieben.

    „es ist entweder zu banal erklärt und/oder zu abstrakt.“ – Klar, ich habe ja auch gar nicht erklären wollen, wie man das einsetzt. Das ist nicht die Intention des Artikels gewesen. In meinem Blog hab ich des öfteren Beispiele geliefert. Aber ich werde am Samstag auch konkrete Beispiele nennen.

    „bei wesch sehe ich die tools und medien von uni2.0 kontrastreicher abgegrenzt.“ – Prima, dann brauche ich das ja hier nicht mehr zu machen. Warum auch, wenn er es tut? Das ist Web 2.0: Der Inhalt in der Community zählt.

    „wie kann technologie realität und reale probleme des wahren lebens ins seminar holen?“ – Dadurch, dass die Mauern des Seminarraums durch das Web 2.0 aufgebrochen und Personen von außerhalb am Seminarfortgang partizipieren können (auch bekannt unter der alten pädagogischen Idee der „Öffnung von Unterricht“). Ein paar Links:
    * Infos zum Konzept „Seminare und der Rest der Welt“: http://tinyurl.com/zblnxl
    * Artikel „Öffentliche Seminare im Web 2.0“: http://tinyurl.com/ye7daxj

  7. Oliver Tacke sagt:

    @Christian
    Zu zu 1) Prima, dann gehe ich das vielleicht richtig an (http://www.orgfue.de/geow2010). Allerdings konnte man sich im Vorfeld für verschiedene Seminare entscheiden; kann also sein, dass ich per Selbstselektion die Teilnehmer bekommen habe, die eher keine Probleme mit Teamarbeit haben – und die übrigen haben sich ein Einzelthema-Seminar gesucht.

    Zu zu 2) Das überzeugt mich vielleicht🙂, aber andere dürften da handfestere Bedenken haben…

    Zu zu 3) Richtig, es muss nicht alles öffentlich gemacht werden – es gibt halt starke Parallelen zum Grundkonzept von Open Innovation. Ich habe aber auch schon eine Diplomarbeit mit einem Praxispartner betreut, von der durften wir nicht einmal die Aufgabenstellung veröffentlichen. Wenn ich mir die (Wirtschafts-)Wissenschaft um mich herum so ansehe, beschränkt sich die „Öffentlichkeit“ meist auf das Publizieren von fertigen Texten – egal was sonst machbar wäre.

  8. Andreas Sander sagt:

    Hallo Christian,

    dein Bericht ist mal wieder super! Hast du dir zum Thema eLearning schon mal die Keynote von David Wiley (http://bildung.posterous.com/keynote-on-open-education) angesehen? Sehe es genauso wie er und du😉

    Gruß Andreas

    PS: Freue mich auf morgen!

  9. cspannagel sagt:

    @Oliver Schön, dass du gestern offline vor Ort warst!

    @Andreas Danke für den Link – kannte ich noch nicht!

  10. […] Autorität definiert sich im Netz neu – und zwar durch Popularität und Authentizität (Christian Spannagel hat zu diesem Aspekt Interessantes zu sagen), beides entscheidende Faktoren sowohl für Social […]

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