Classroom Presenter in Geometrieübungen

Veröffentlicht: Freitag, Juli 23, 2010 in Gastbeitrag, Geometrie, Hochschuldidaktik
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*m.g.* hat mich auf die Idee gebracht, dass Studierende, die bei mir/uns eine wissenschaftliche Hausarbeit schreiben, relativ am Anfang ihrer Arbeit einen Gastbeitrag in meinem Weblog veröffentlichen können.  Dies ermöglicht es ihnen, recht früh im Entstehungsprozess ihrer Qualifikationsarbeit Rückmeldungen von außen – d.h. von euch – zu bekommen. Ich finde, das ist eine grandiose Idee, und ich werde das in Zukunft allen Studierenden anbieten. Hier ist gleich ein erster Beitrag von Georg Feidenheimer und Simon Knoblauch. Sie setzen im Rahmen einer Geometrie-Veranstaltung, in der wir auch das Geowiki verwenden, ein System ein, das es ermöglicht, studentische Lösungen aus Aktivitätsphasen anynom nach vorne an den Dozentenrechner zu holen und dann bestimmte Lösungen (z.B. solche mit typischen Fehlern) zu präsentieren und gemeinsam zu besprechen. Bitte schön, Herr Feidenheimer und Herr Knoblauch, Sie haben das Wort:

Schule der Zukunft

Jeder Schüler hat einen Bildschirm vor sich auf dem Tisch liegen und bearbeitet die Aufgaben, die der Lehrer vorher über das Netz verteilt hat. Hat jemand eine Frage, so muss er sich nicht mehr bemühen die Aufmerksamkeit des Lehrers durch Heben des Zeigefingers auf sich zu lenken, sondern schreibt diese einfach auf und schickt sie ihm über das Netz zu. Im Zeitalter unserer „Schule der Zukunft“ haben die Schüler also die Möglichkeit anonym Fragen zu stellen, ohne sich vor den Reaktionen der Mitschüler und Lehrer fürchten zu müssen. Sie können sich also mitteilen, ohne Angst zu haben, dass sie jederzeit ausgelacht werden könnten. Außerdem herrscht in der „Schule der Zukunft“ kein Papierchaos mehr, denn mit einem „Klick“ verschickt der Lehrer die Aufgaben digital an seine Schüler. Die Schüler schicken die Lösungen zurück. Jeder kann sich alles auf einem Speichermedium sichern, mit nach Hause nehmen, damit lernen, Aufgaben bearbeiten oder, wer mag, auch einfach ausdrucken und abheften.

Uni der Zukunft

Ebenso könnten Vorlesungen, Seminare und Übungen in der Zukunft aussehen. Studenten trauen sich meist nicht zu fragen oder zu kritisieren. In der Zukunft können sie dies alles anonym tun. Keiner weiß, wer die Frage stellt. Der Dozent kann hier kleine Aufgaben in die Vorlesung einbinden, die von den Studenten bearbeitet und anonym an ihn zurück geschickt werden. Jetzt hat er die Möglichkeit, sich die Lösung herauszusuchen, welche er am geeignetsten für den weiteren Verlauf der Veranstaltung hält. Von außen betrachtet könnte man solch eine Veranstaltung mit einem riesigen Gehirn vergleichen. Ein „Instructor“ (Lehrer, Dozent) entscheidet dabei, welcher (Hirn)impuls wichtig ist und genau diesen gibt er dann zur Diskussion frei. Ebenso, wie in der Schule der Zukunft, kann hier natürlich auch alles abgespeichert und mit nach hause genommen werden.

Aktuelle Situation in der Schule

Der Lehrer verteilt Arbeitsblätter, welche die Schüler bearbeiten sollen. Zuvor erklärt er an einer OHP-Folie, wie er sich die Bearbeitung der Aufgaben vorstellt. Der eine oder andere Schüler fragt vielleicht mal nach, wenn er etwas nicht verstanden hat. Viele jedoch schauen auf das Blatt und wissen immer noch nicht was zu tun ist, sei es wegen mangelnder Aufmerksamkeit oder auch einfach weil sie es nicht verstanden haben. Die Schüler bearbeiten die Aufgaben, der Lehrer läuft durch die Reihen und erklärt hier und da noch einzelnen, wenn er etwas bemerkt. Bei der anschließenden Besprechung ruft der Lehrer einen Schüler auf, der die Aufgabe nochmal vorliest und seine Lösung auf die Folie schreibt. Ist nur noch wenig Zeit, übernimmt dies meist auch der Lehrer. Ist die Lösung richtig, ist alles wunderbar, alle nicken und gehen in die Pause. Ist die Lösung falsch, wird sie, falls noch Zeit ist, von einem anderen Schüler verbessert. Falls nicht, wieder vom Lehrer. Und dann gehen ebenfalls alle in die Pause.

Nächste Stunde:

Lehrer: „Kann mir jemand sagen was wir letzte Stunde gemacht haben?“
Schüler kramen in Ihren Ranzen und blättern ihre Ordner durch.
Susi: „Ja, das AB (xy).“
Mark-Oliver: „Das hab ich nicht…!“

Classroom Presenter

Der Classroom Presenter ist ein von der Universität Washington entwickeltes Programm für Tablet PCs. Das Programm erlaubt, dass der Vortragende in seine Folien skizziert, um manches deutlicher zu machen, und dass Zuschauer, die ihren PC mit dem Netzwerk verbunden haben, Notizen und Kommentare anonym an den Vortragenden senden können. An der PH Heidelberg erproben wir gerade eine Übungsveranstaltung für die Einführung in die Geometrie mit genau diesem „Werkzeug“.

Der Dozent bekommt alle in dieser Gruppe gesammelten Lösungen, kann sofort drauf zugreifen oder auch mit nach Hause nehmen, sie neu bearbeiten und in anderen Veranstaltungen einsetzen. Jeder Student hat die Möglichkeit sich anonym zu äußern.

Man stelle sich folgende Situation vor:

Ein Seminar mit einem Dozenten und seine Studenten. Jeder Einzelne hat einen Tablet PC mit Internetanschluss vor sich liegen:

Der Dozent öffnet als „Instructor“ das Programm und beginnt eine neue Präsentation. Jeder der Studenten öffnet das Programm ebenfalls, jedoch im Modus „Student“, und steigt in die Präsentation des „Instructors“ mit ein. Der „Instructor“ öffnet jetzt ein neues Deck und hat somit ein weißes Blatt vor sich liegen. Dieses weiße Blatt hat dann auch jeder einzelne Student vor sich. Alles, was der „Instructor“ jetzt aufschreibt, wird auch bei den Studenten sichtbar. Zum Beispiel könnte der „Instructor“ auch eine vorgefertigte Aufgabe einfügen, die seine Studenten bearbeiten sollen, um ihm diese anschließend bearbeitet wieder zurück zu schicken. Zusätzlich kann man auch noch einen „Public Display“ anschließen, den man wiederum mit einem Beamer verbindet, an dem man dann das aktuelle Deck des „Instructors“ sieht. Sobald die Lösungen der Studenten jetzt anonym beim „Instructor“ eingehen, kann er sich aussuchen, welche dieser Lösungen er als Beispiel mit der gesamten Gruppe bespricht. Dies hat den Vorteil (außer dem der Anonymität), dass er sich vorher überlegen kann, welche Lösung in dieser Situation am besten geeignet ist, um das Seminar weiter zu gestalten. Oder er nimmt die Lösungen einfach mit nach Hause und gestaltet daraus eine neue Aufgabe. Was folgt ist kein Papierchaos mehr. Alle können ihre Sachen abspeichern und mitnehmen. Jeder kann anonym Fragen stellen. Der Dozent kann die verschiedenen Lösungen weiter bearbeiten und auch anderweitig verwenden.

Zwischenbilanz

Was bisher geschah……

  • Die Technik war am Anfang die größte Herausforderung, der wir uns haben stellen müssen. W-Lan, Software und Co.  haben uns lange auf Trab gehalten, bis die mittlerweile ca.  sechs Jahre alten Rechner einigermaßen so funktioniert haben, wie wir es wollten.
  • Der Unterschied zu Powerpoint-Präsentationen ist der, dass man in Powerpoint nichts unterstreichen oder markieren kann, während man vorträgt. Mann muss vor an die Wand, um auf etwas zu zeigen oder auch anders gestikulieren, um etwas zu verdeutlichen. Mit dem Classroom Presenter ist das alles nicht mehr nötig, denn man kann viel besser verdeutlichen, was man meint, wenn man direkt in die Folie skizziert. Am Anfang unseres Projekts gingen wir noch aus Gewohnheit an die Wand um mit der Hand direkt auf etwas zu zeigen.
  • Haben die Studenten die Aufgaben gelöst und kommen dann Unmengen an Lösungen bei uns an, ist dies zunächst sehr gut, da wir jetzt eine ganze Menge Stoff haben, an den wir anknüpfen können. Jeder einzelne Lösungsvorschlag wird auf einer nebenstehenden Leiste angezeigt.
  • Die Folien werden leider so klein angezeigt, dass man nichts lesen kann. Zwar kann man die Größe noch ein wenig variieren, doch bekommt man die Folien einfach nicht groß genug, um anständig darin lesen zu können. Wenn man die Folien jetzt anklickt sieht man sie zwar in voller Größe auf dem Bildschirm aber auch gleichzeitig über den „Public Display“, was wir noch nicht möchten. Dieses Problem haben wir behoben, indem wir einen größeren Bildschirm angeschlossen haben und den Beamer immer ausschalten, wenn wir uns die Lösungen anschauen. Natürlich ist das nicht die optimale Lösung. Dieses Problem müsste im Programm selber behoben werden, indem es einen Button gibt, nach dessen Betätigung man sich anschauen kann was man will und sich am Public Display und an den Displays der Studenten nichts verändert.
  • Ein weiterer Punkt ist die Fähigkeit, auf die Schnelle alle oder zumindest die meisten Lösungsvorschläge vergleichen zu können und zu entscheiden, welche Folie jetzt die geeignetste wäre.
  • Außerdem ist uns aufgefallen, dass jeder Student eine Lösung gestaltet, welche er dann zu uns schickt – anders als bei konventionellen Methoden, bei denen dann die Hälfte der Studenten wartet bis die andere Hälfte einen Lösungsvorschlag erbringt.
  • Aus einer Umfrage in der Übungsgruppe kam deutlich hervor, dass durch die visualisierten Gedankengänge der Kommilitonen jeder einzelne Student einen besseren Zugang zu der Materie erlangt.

Verbindung zu Geowiki

Als Beispiel für die Verwendung der Studentenlösungen zeigt sich das bei Geowiki eingestellte Quiz zur „Einführung in die Geometrie“. Herr Schnirch hat hier zwei Lösungen der Studenten eingestellt und Aussagen zu diesen dazugeschrieben. Jetzt können die Studenten ankreuzen. Was stimmt, was stimmt nicht? Am Ende können sie sogar, mit Hilfe des Korrekturbuttons, sehen, ob sie mit ihren Aussagen richtig liegen oder nicht.

Dies ist erst der Anfang dieses Projekts. Sicher tauchen noch mehr Aufgaben im Geowiki“ uf, welche auf Lösungen von Studenten im CPS-Versuch basieren.

Was meint Ihr zu dem Versuch?
Was haltet ihr von unserer Vorstellung der zukünftigen Schule bzw. Uni?
Habt ihr Vorschläge oder Bedenken?
Was haltet ihr von der Möglichkeit anonym Fragen stellen zu können?
Was haltet ihr davon, dass dem Dozenten bzw. Lehrer immer alle Lösungen digital zur Verfügung stehen?
Schreibt was auch immer euch auf der Seele brennt. Zerpflückt den Versuch, zerpflückt das Programm. Jede Anregung, die wir von euch bekommen, hilft uns weiter.

Kommentare
  1. Andrea sagt:

    Hallo zusammen,

    ein interessanter Ansatz. Ich persönlich konnte auch schon bei einem Vortrag einen Tablet-PC benutzen, um Ergänzungen in einem PowerPoint-Vortrag zu machen. Das fand ich schon eine sehr hilfreiche Unterstützung. Der Ansatz, den ihr beschreibt, geht da deutlich drüber hinaus und ich sehe da auch sinnvolle Einsatzbereiche. Allerdings sind mir spontan auch fünf Probleme in den Kopf gekommen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

    1. Der erste Gedanke war: für alle Schüler + Lehrer einen TabletPC + die entsprechende Infrastruktur? In unserem Schulsystem (in dem es leider oftmals noch an der Ausstattung mit normalen PCs scheitert) leider sehr unrealistisch. Trotzdem: als Zukunftsvision denkbar.
    2. Ich betrachte das ganze sehr stark aus der Sicht des Schulunterrichts. Da müssen „irgendwie“ Noten festgesetzt werden. Das, was Ihr oben vorschlagt und auch selber so benennt, ist eine „Anonymisierung“; der Lehrer kann im Unterricht nicht erkennen, von wem Beiträge kamen. Wie sollen da Noten gebildet werden? Nur durch Klassenarbeiten, Tests, Klausuren? Da wird der Druck nur verschoben – das ist in meinen Augen keine wirkliche Besserung.
    3. Ihr schneidet das in eurem Beitrag schon an: die Problematik der Vielzahl an eingegangenen Lösungen. Wie soll man als Lehrender diese Vielzahl schnell überblicken, um eine „passende“ Lösung rauszusuchen?
    4. Eng zusammenhängend mit dem 3. Punkt: Hat ein Dozent/Lehrer wirklich die Zeit, sich ALLE Lösungen immer anzuschauen? Beabsichtigt Ihr das? Wahrscheinlich nicht, aber Schüler/Studenten möglicherweise schon. Wenn man etwas abgibt, hätte man auch gerne ein Feedback. Und damit kommt auch schon der 5. Punkt ins Spiel.
    5. Bei eurem Ansatz ist für die abgegebenen Aufgaben kein individuelles Feedback möglich, da alle Abgaben anonym erfolgen. Gerade individuelles Feedback kann aber sehr motivierend und fördernd sein, und ist dringend notwendig.

    Diese Punkte solltet ihr euch auf jeden Fall mal durch den Kopf gehen lassen – sofern nicht bereits geschehen.

    Gruß,
    Andrea

  2. Oliver Tacke sagt:

    @Christian
    Schöne Idee, aber andere waren schneller🙂 Solche Berichte/Zwischenstände finden sich immer wieder auch unter http://blog.wi2-tubs.de/

    ==

    @Herr Feidenheimer und Herr Knoblauch

    Schule der Zukunft:
    * Gerade am Dienstag habe ich von Erziehungswissenschaftlern erhebliche Skepsis gegenüber solchen anonymen Formaten geerntet: Befürchtung von „Pöbeleien“, Entfremdung wegen fehlender direkter Kommunikation, usw.

    * Die Firma Microsoft (kann man ja mögen oder nicht) hat auf der diesjährigen Cebit ihre Vision eines digitalen Klassenzimmers vorgestellt, siehe beispielsweise http://www.microsoft.com/germany/presseservice/news/pressemitteilung.mspx?id=533115
    Google liefert sicher mehr, vielleicht ist da etwas Passendes/Ähnliches dabei

    * Auf eben jener Cebit gab es auch eine Diskussionsrunde zur „Zukunft der Schule und das digitale Lernen“, siehe http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:O.tacke/Ver%C3%B6ffentlichungen_und_Vortr%C3%A4ge/Cebit2010

    Uni der Zukunft:

    Hierzu (nicht speziell für Geometrie) gibt es beispielsweise das PlugIn „Do It“ in Stud.IP und sicher auch viele weitere für Moodle & Co.

    Man stelle sich folgende Situation vor:
    Wer kommt für die Kosten der Geräte auf? Das ist häufig ein Argument gegen solche Lösungen.

    Zwischenbilanz

    * Vielleicht stellt sich der „MultiPoint Server“ als brauchbar für euch heraus? http://bildungsreporter.wordpress.com/2010/03/23/european-innovative-education-forum-tag-1-lauter-uberraschungen/

    * Mit einem Smartboard kann man auch vergleichsweise einfach in PowerPoint-Präsentationen eingreifen, indem man einfach auf der „Tafel“ malt.

    Vielleicht war ja wenigstens ein interessanter Denkanstoß dabei.

    Viele Grüße
    Oliver Tacke

  3. Sehr interessanter Beitrag – die Pädagogik im Umgang mit den bei uns noch recht frischen technischen Werkzeugen steckt eben noch ziemlich in den Kinderschuhen. Die Entwicklung flexibler und der Lehrkraftzentrierung elegant ausweichender Konzepte wie Strategien sehe ich als große Herausforderung an uns in den nächsten Jahren.

    In Amerika ist man trotz üppigen Ausstattungsvorsprungs aber m.E. auch nicht wirklich weiter (da gibt es nur mehr Angebote von vorgefertigten Aufgaben/Activities, die dann aber auch – meist mehr als weniger passend an den Lernzusammenhang angepasst – nur abgespult werden, aber keinen eigenständigen Wert innerhalb eines kooperativen und kreativen Prozesses erhalten).

    Hinsichtlich Deiner Bewertungseinwände erinnere ich gerne an unsere „Von der summativen zur formativen Bewertung“-Kurzdiskussion (http://goo.gl/irbu): Wenn wir bewertungsmäßig immer noch 1.0 denken, können wir die schönen digitalen Werkzeuge gleich wieder verschrotten (vgl. Sprachlabore und deren elendes Ende in Ermangelung passender Konzepte). Nein, wir müssen stärker hin zu einer formativen Bewertung/Evaluation der Lernprozesse… – hier bietet z.B. Blooms Taxonomie einige Ansatzpunkte, die auch mit dem zarten Pflänzchen der Kompetenzorientierung vermittelbar sind. Aber das sprengt jetzt etwas den Rahmen.

    Der Presenter läuft sogar unter Linux/Wine, mit dem MasterTool http://www.master-tool.de/ ist sogar ein (ebenfalls unter Windows und Linux lauffähiges) recht praktisches Programm erschienen, das noch stärker auf Trainingsmöglichkeiten und Quizerstellung abzielt.

    Umständlich finde ich es dennoch, bei allen Lernenden erst einmal die richtige Software einrichten zu lassen, Cloudlösungen wären da sicher eleganter. Sympathisch ist mir z.B. DabbleBoard http://www.dabbleboard.com , das (ohne Registrierungsbarriere) eine Reihe netter Features hat, die erst nach einigem Umsehen auffallen (z.B. mehrseitige Dokumentenmappen, die z.B. durch PDF-Import erzeugt werden). Selbstverständlich kann man auf DabbleBoard auch kollaborieren…

    Es geht also in die Wolke, die Schnittstellen-Hardware wird in den nächsten Jahren sehr erschwinglich werden – gerade eben habe ich da eine nette Meldung aus Indien gelesen: Ein Tablet für $35 (Quelle: ZDNet http://goo.gl/Hlv4)…

  4. Georg sagt:

    @ Andrea
    Hallo Andrea,
    Dein Kommentar motiviert mich die ganze Materie noch weiter zu durchdenken. Vielen Dank für deine Anregungen. Ich habe meine Gedanken zu deinen Punkten mal aufgeschrieben.
    Zu Punkt 1:
    Ich stimme dir da voll und ganz zu. Es ist wirklich sehr schwer an die benötigten Mittel zu kommen. An der PH konnten die Studenten vor kurzem (bis 11.Juni) Vorschläge äußern was mit einem Teil der Studiengebühren geschehen soll. 80 000€ standen zur Verfügung. Da unsere Tablet PC ihre grenzen erreicht haben, kam uns das auch sehr gelegen. Also beantragten wir einen Satz neuer Tablet PC, Docking Stations in einem abschließbaren Stahlschrank im Lesesaal und mindestens an jedem zweiten Platz einen Lan-Anschluss. Leider ist da nichts draus geworden. Ich denke, dass solange keine handfesten Resultate vorliegen auch kein Interesse besteht, an der Situation etwas zu ändern. Jedoch bedenkt niemand, dass auch der Anfang eines Projekts eines gewissen Einsatzes bedarf.
    Zu Punkt 2
    Ich denke, dass sich die Aktivität der Schüler durch den Classroom Presenter steigern lässt, somit auch ein größerer Lernerfolg entsteht. Die Schüler überlegen nicht lange und drücken ihre Gedanken gleich aus anstatt sie für sich zu behalten im Glauben es könnte doch falsch sein. In unserem Tutorium finden sich oft Folien auf denen etwas durchgestrichen anstatt gelöscht ist oder drunter steht dasselbe nochmal anders mit der Bemerkung es sei besser. Daran bemerke ich, dass die Studenten uns auch die vielleicht nicht ganz richtige Lösung präsentieren wollen. Einfach um zu sehen was sie da denn jetzt stört. Nicht anonymisiert würden sich ganz sicher nur wenige, wenn überhaupt, trauen noch lesbar etwas Falsches stehen zu lassen. Für viele Schüler ist Notengebung in einer Lernsituation ganz sicher ein Grund lieber nichts zu sagen. Ich finde auch es wäre schön ohne Druck Noten zu geben. Jedoch ist es meiner Meinung nach wichtig dass es reine Lernsituationen gibt, in denen keiner befürchten muss eine schlechte Note zu bekommen.
    Zu Punkt 3:
    Wir haben tatsächlich oft Probleme passende Folien für die Besprechung der Aufgaben herauszusuchen. Vergleicht man das jedoch mit der konventionellen Art und Weise bei der man sich nichts außer der Person die man aufruft aussuchen kann zählt das wohl doch als Vorteil. Ruft man jemand auf und er hat, dann auch noch das richtige Ergebnis, sind die restlichen Lösungen nicht mehr wichtig. Beim Classrompresenter habe ich dann doch noch die Qual der Wahl im Bezug auf die Lösungen und nicht die Person. Außerdem können die anderen Lösungen für weitere Stunden verwendet werden.
    Zu Punkt 4:
    Alle Lösungen zu überblicken ist…
    1. …Übungssache. — Je öfter man das macht desto leichter fällt es einem.
    2. …eine Frage der Menge. — Klar!
    3. …auch eine Anforderung an die Technik. — Die Folien sind nur auf sehr kleinem Format an der Seite des Bildschirms zu überblicken( ähnlich wie Miniaturansicht bei Word) da kann man leider nichts lesen. Und wenn man drauf klickt dann sieht man die Folie zwar groß aber auch auf dem Publik Display. Im Programm fehlt einfach ein Button der diese Funktion ausschaltet.
    Wir beabsichtigen nicht alle Lösungen anzuschauen. Jedoch versuchen wir die bestmöglichen Folien zu Präsentieren. Bestmöglich heißt nicht, frei von Fehlern. Im Gegenteil. Bestmöglich heißt, die Folie aufzulegen, die einen typischen, oft begangenen oder auch einfachen Fehler beinhaltet an dessen Besprechung man etwas lernt. Meistens sind es die gleichen Fehler die gemacht werden. Sagen wir, nach einer Aufgabe bekommen wir 20 Lösungen. Darunter Richtige und Falsche. Die Richtigen Interessieren mich zuerst mal nicht. Unter den Falschen gibt es wieder, sagen wir mal drei verschiedene (falsche) Lösungswege. Diese drei möchte ich finden und besprechen. Ich werde auf keinen Fall auf jede Lösung eingehen. Das ist dann gar nicht mehr nötig. Mir reichen diese Drei. So bekommt jeder sein Feedback, wenn auch nicht genau zu seiner Folie, wohl aber zu seinem Fehler.
    Zu Punkt 5:
    Nicht jeder der eine Richtige Lösung hat, bekommt ein individuelles, positives Feedback. Nicht jeder der was Falsch hat bekommt ein individuelles, konstruktives Feedback. Jedoch hat jeder die gleiche Chance eins von beiden zu erhalten. Ich denke, dass gerade deshalb so viele (alle) eine Lösung erarbeiten und sie abschicken.

  5. Karl Kirst sagt:

    „Im Zeitalter unserer „Schule der Zukunft“ haben die Schüler also die Möglichkeit anonym Fragen zu stellen, ohne sich vor den Reaktionen der Mitschüler und Lehrer fürchten zu müssen. Sie können sich also mitteilen, ohne Angst zu haben, dass sie jederzeit ausgelacht werden könnten. “

    Sollte es nicht besser so sein, dass es eine Schule und Unterricht gibt, in der niemand Angst zu haben braucht, eine Frage zu stellen, sei es auch eine noch so „dumme Frage“?

    Ziel muss eine offene Unterrichtsatmosphäre sein. – Ein Klima, das nur noch „versteckte“ Frage erlaubt, würde Ängste nur noch verstärken, befürchte ich, und wäre somit im Sinne eines erfolgreichen Unterrichts kontraproduktiv.

    Ansonsten spricht natürlich nichts dagegen, dass Fragen auch „privat“ an die Lehrkraft gestellt werden, was heute ja auch durchaus gang und gäbe ist.

  6. Georg sagt:

    @Karl Kirst

    „Sollte es nicht besser so sein, dass es eine Schule und Unterricht gibt, in der niemand Angst zu haben braucht, eine Frage zu stellen, sei es auch eine noch so „dumme Frage“?

    Genau so wäre es optimal. Der Classroompresenter soll die verbalen Äußerungen auch nicht unterbinden. Es soll dem Schüler zeigen, dass seine Frage nicht so dumm ist wie er denkt. Er schreibt seine Frage auf, der Lehrer präsentiert sie und die ganze Klasse kann jetzt darüber diskutieren. (Hier hat ein Schüler, der sonst wahrscheinlich nichts gesagt hätte, die Möglichkeit seine Gedanken loszuwerden.) In unserem Tutorium stoßen wir mit Hilfe des Classroompresenters die Diskussionen erst richtig an. Wir geben eine Aufgabe, alle bearbeiten sie und senden uns die Lösungen zu. Wir suchen uns Folien aus über die man gut reden kann und lassen die Gruppe ihre Meinung offen äußern. Hier könnten sich jetzt wieder Einige, weniger Mutige heraushalten, haben aber die Chance sich auch noch anonym zu äußern. Vielleicht sehen dadurch Schüler bzw. Studenten, dass ihre Frage doch nicht so belanglos oder „dumm“ ist und trauen sich dann die nächste, übernächste oder auch über- übernächste Frage auch offen in die Runde zu werfen. Ich denke wir sollten den Schülern einen Raum lassen, in dem sie auch die „skurrilsten“ Fragen loswerden können. Wir als Lehrende müssen dann entscheiden ob es sinnvoll ist, diese Frage zu publizieren.

    „Ein Klima, das nur noch „versteckte“ Frage erlaubt, würde Ängste nur noch verstärken, befürchte ich.“

    Ich stelle mir eine Unterrichtsstunde vor, bei der kein Wort gesprochen wird. Alle sitzen da und starren auf ihren Bildschirm. Es wird zwar viel kommuniziert aber alles geschieht heimlich im Verborgenen. Unsere Schüler würden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu „paranoiden Weltfremden“ aufwachsen. Schüler oder Studenten sollten auf keinen Fall Fragen oder Anregungen nur anonym stellen dürfen. Sie müssen natürlich jederzeit ihre Einwände offen vortragen können. Sie müssen ihre Gedanken verbalisieren und Lösungswege begründen. Der Classroompresenter soll als motivierendes und animierendes Werkzeug verstanden werden das auch den weniger mutigen Schüler bewegt, sich zunächst anonym zu äußern um später auch so viel Selbstvertrauen zu haben, dass er seine Meinung auch offen vertreten kann.

    Gruß,
    Georg

  7. cspannagel sagt:

    @Andrea Vielen Dank für deine kritischen Kommentare unf Fragen. Diese können Herrr Feidenheimer und Herr Knoblauch sicher gut verwerten. Zu Punkt 2: „Wie sollen da Noten gebildet werden? Nur durch Klassenarbeiten, Tests, Klausuren?“ – Ich finde es gut, dass die Beiträge in diesem Konzept nicht benotet werden. Wenn „jeder Furz“ bewertet wird, werden wir es nie schaffen, Schülerinnen und Schülern deutlich zu machen, dass Fehler Lerngelegenheiten sind. Gerade hier hat das Konzept seine Stärke: Fehler können aufgegriffen und diskutiert werden, ohne dass einzelne Schüer „bloß gestellt“ werden.

    @Oliver „Schöne Idee, aber andere waren schneller“ – grmpf.🙂
    „Wer kommt für die Kosten der Geräte auf? Das ist häufig ein Argument gegen solche Lösungen.“ – Die aktuelle Lösung ist sicher nur ein Prototyp. In Zukunft wird sich das Problem vermutlich dadurch lösen, dass alle Schüler leistungsfähige Kleingeräte (Handys, Smartphones, wasauchimmer) besitzen, die einfach verwendet werden können.

    @Karl „Ziel muss eine offene Unterrichtsatmosphäre sein. – Ein Klima, das nur noch „versteckte“ Frage erlaubt, würde Ängste nur noch verstärken, befürchte ich“ – Ich stimme dir voll zu. Wir müssen zu dem Punkt kommen, an dem Schüler sich auch getrauen, nicht-anonym Fehler zu machen und Fragen zu stellen. Ein solches System kann vielleicht kontraproduktiv sein, aber vielleicht auch konstruktiv in dem Sinne, dass es ein erster Schritt in Richtung „offene Unterrichtskultur“ ist. Das werden die Erfahrungen damit zeigen.

    Insgesamt muss ich noch etwas anderes loswerden: Ich finde es schön, wie sich die „Kommentarkultur“ hier im Blog seit dem Artikel über Lobhudelei entwickelt hat. Die Kommentare sind meiner Ansicht nach fühlbar kritischer und konstruktiver geworden. Das macht Spaß!

    Viele Grüße,

    Christian

  8. Georg sagt:

    @Oliver Tacke

    „Schule der Zukunft:
    * Gerade am Dienstag habe ich von Erziehungswissenschaftlern erhebliche Skepsis gegenüber solchen anonymen Formaten geerntet: Befürchtung von „Pöbeleien“, Entfremdung wegen fehlender direkter Kommunikation, usw.“

    Interessant!
    Pöbeleien? Meinst du Mobbing innerhalb des anonymen Netzwerks? „Fehlende direkte Kommunikation“ ? Der Classroompresenter soll eigentlich die verbale Diskussion entfachen, indem er Zusammenhänge hervorbringt, die wahrscheinlich bei konservativem Unterricht nicht angesprochen werden würden. Die Schüler können über den CPS einfach alles verschicken, auch Pöbeleien. Der Instructor entscheidet dann, was er der Klasse zur Diskussion vorsetzt.
    Würde gerne mehr von den Befürchtungen der Erziehungswissenschaftlern lesen.
    Danke für die interessanten Links.

    Gruß,
    Georg

  9. Oliver Tacke sagt:

    @Georg
    Das mit der Pöbelei war auf andere Kontexte gemünzt. Zum einen hatte ich von Versuchen erzählt, mittels Microblogging in Massenvorlesungen einen Rückkanal zum Dozenten zu schaffen. Dort wurde zwar auch „Unsinn“ geposted, allerdings nur zu Beginn (Einführungseffekt – mal sehen, was geht) und als die Postings live an eine Wand projiziert wurden (Aufmerksamkeit).
    Zum anderen ging es um offene Plattformen wie „Sag’s Uns“ (https://sagsuns.tu-braunschweig.de/), wo Kommentare unmoderiert ins Netz gestellt werden. Dort ist es bisher allerdings nicht zu Beschimpfungen gekommen.

    Das Entdecken von diskussionswürdigen Inhalten (bzw. das Aufdecken von Störungen nach Ruth Cohn/TZI, die sonst nicht entdeckt würden) war auch ein Ziel des Versuchs zum Microblogging in Massenvorlesungen.

    Kern der Kritik war aber: „Die können sich doch auch einfach melden und was sagen.“

  10. Oliver Tacke sagt:

    @Christian
    „In Zukunft wird sich das Problem vermutlich dadurch lösen, dass alle Schüler leistungsfähige Kleingeräte (Handys, Smartphones, wasauchimmer) besitzen, die einfach verwendet werden können.“

    Sollen wirklich längere Texte oder gar Zeichnungen auf einem Kleingerät entstehen? Hmm… Ab „Größe iPad“ würde ich sagen okay, aber mit einem Telefon? Die Verbreitung von ersterem – Pads, gerne auch ohne i – dürfte aber noch sehr begrenzt sein. Und die muss ja auch jemand bezahlen, da dürfte es bei nicht so kaufkräftigen Familien schon wieder eng werden und die Schule müsste Geräte zur Verfügung stellen, um niemanden auszuschließen.

    Und technisch bliebe dann die Frage, auf welchem Standard man aufsetzt. Wenn es keine einheitlichen Geräte gibt, müsste man den kleinsten gemeinsamen Nenner wählen und landet vermutlich bei dem, was jeder mobile Browser kann.

    Oder man weicht doch auf von verschiedenen Klassen geteilte Computerräume aus, wo alles vorhanden ist. Das würde wenigstens die Anschaffungskosten für „den ersten Schwung“ reduzieren.

  11. m.g. sagt:

    Hallo an alle,
    der Drops ist so gut wie gelutscht, heute ist offiziell der letzte Tag des Semesters. Was bleibt, sind die üblichen Korrekturen der Klausuren. Das kann noch ein par Stunden warten und ich habe endlich die Zeit, meinen Beitrag zur Idee des Classroom Presenters abzuliefern.

    In der vorigen Woche erschien die Augustausgabe des Rolling Stone. Was interessiert m.g. der Rolling Stone? Man würde ihn doch eher bei der Lektüre des Hammer oder beim Lesen von Rock Hard vermuten! Nun, besagter Augustausgabe lag neben der sonst üblichen Heft-CD eine zweite CD bei. Bei dieser handelt es sich um nichts Geringeres das neue Album von Prince. Die Frau von m.g. ist wohl der größte Princefan der nördlichen Hemisphäre.

    Prince war einer der Vorreiter, die ihre Musik vor allem über das Internet vertrieben. Heute ist seine Seite unten. Man bekommt das neue Album in Deutschland nur über den besagten Rolling Stone.

    Natürlich darf in besagter Augustausgabe ein Artikel zu Prince nicht fehlen. Es ist üblich, wesentliche Aussagen eines Zeitschriftenartikel hervorzuheben. Eine der wichtigsten Aussagen von Prince:

    „Von einem Bildschirm lerne ich nichts. Nur von echten Menschen.“
    (deutsche Ausgabe des Rolling Stone, August 2010, S. 47)

    Auch wenn sich m.g. wünschen würde, dass besagter Künstler, den wir formerly und today als Prince kennen, weniger dem Funk als dem Rock zusprechen würde (er könnte doch so ein Gitarrengott sein …), mit obiger Aussage trifft Prince Roger Nelson ins Schwarze.

    Was hat das mit dem Classroom Presenter zu tun? Nun der Einsatz des Classroom Presenter an sich ist weder gut noch schlecht. Erst ein guter Lehrer wird ihn zu einem didaktisch/pädagogisch wertvollen Werkzeug machen.

    Braucht ein guter Lehrer dieses Werkzeug, dass seine Stärke insbesondere aus der Möglichkeit der Anonymisierung einzelner Schülerbeiträge bezieht? Ich glaube eher nicht. Ich verweise auf den Beitrag von Karl Kirst, er bringt es auf den Punkt.

    Auch wenn ich mitunter noch so technikverliebt bin, ob aPad, bPad oder iWasauchimmer, unsere Bildungsprobleme werden diese Gerätschaften nicht lösen. Sie sind nichts weiter als ein nettes Werkzeug, mitunter auch nicht mehr als ein paar hübsche Gimmicks, die ggf. mittels ein paar Drähten miteinander verbunden sind.

    Lieber Georg, lieber Simon, erinnert Euch an unseren Ansatz für den Einsatz des Classroom Presenters. Eigentlich sollte der Einsatzrahmen viel größer sein: die Vorlesung im Riesenhörsaal H001 bzw. die Massenübung in H002. Nur weil dort die nötigen technischen Möglichkeiten nicht gegeben waren, wählten wir unter der Prämisse des Sammelns von Erfahrungen den Kompromiss der kleinen Übung.

    Mathematik muss aktiv betrieben werden. Aus diesem Grunde finde ich die reine Vorlesung (und bei Lichte besehen mutieren die Massenübungen häufig zur Zweitvorlesung) kontraproduktiv. Insbesonder unsere Studenten, die häufig aus einer Schule kommen, die ihr Ziel offenbar vor allem darin sieht, mehr oder weniger bedeutsame Fakten in die Hirne der Schüler zu dreschen, müssen an ein aktive Auseinandersetzung mit dem Vorlesungsstoff herangeführt werden. Für manch einen scheint eine solche Form der Wissensaneignung derartig neu zu sein, dass er sich fürchtet, vor 130 Kommilitonen „Fehler“ zu machen (egal, ob 120 der Kommilitonen dieselben „Fehler“ machen würden).

    Wie auch immer, echte Übungsanteile in Vorlesungen könnten hilfreich sein. Also her mit den Aufgaben, rein in die Vorlesung damit: Ergänzen Sie die folgende Definition …, machen Sie ein Kreuz an die Stelle, von der Sie vermuten, dass der Beweis ab hier nicht korrekt geführt wird … . Die meisten Vorlesenden werden den Effekt kennen: Man stellt die Aufgabe und gefühlte 0,5 Promille der Studierenden bemühen sich um deren Lösung, der Rest lässt den lieben Gott einen guten Mann sein und harrt der Dinge die da kommen mögen. Ein wenig mehr Erfolg hat man, wenn man mit vorbereiteten Arbeitsblättern in die Vorlesung/Übung kommt. Moderne Handys haben recht gute Kameras. Ein kurzer Klick und schon kann man das Arbeitsergebnis einzelner über die Schnittstelle USB allen präsentieren. Über 100 Arbeitsblätter kopieren bzw. ausdrucken und dann auch noch verteilen, das kann es mal aber nicht immer sein. Hinzu kommt die Angst, das eigenen Arbeitsergebnis könnte falsch sein und alle haben ja gesehen, wessen Arbeitsblätter fotografiert wurden … .

    Für den Lehrenden ist es mehr oder weniger Zufall, wenn er die wirklich typischen Fehler mit seiner Mobilekamera aufdeckt.

    Das faszinierendste unserer Übungen mit dem Classroom Presenter war für mich das einhundertprozentige Engagement aller Übungsteilnehmer bei der Lösung der Aufgaben. Damit hätte ich nicht gerechnet. Was hat die Arbeit mit dem vernetzten Convertible, was die Nutzung eine Papierarbeitsblattes nicht hat? Die Antwort der Studierenden: Die gleiche Chance für alle, dass die eigene Arbeit besprochen wird. Das ist wohl der eigentliche Effekt der Anonymisierung.

    Natürlich spielt die Angst der Blamage in dem doch eher kleinen Rahmen, in dem wir unsere Erfahrungen mit dem Presenter sammelten, keine so große Rolle wie etwa in einer großen Vorlesung.

    Mit letzterer Angst müssen wir leben. Ich persönlich finde es traurig und schade, dass die Dinge so sind wie sie sind. Alle Vorträge mit dem Inhalt, dass jeder Fehler macht und das das nichts Schlimmes ist, helfen nicht. Meine Vorlesungsvideos kamen auch nach YouTube, wenn ich mich vertan hatte und mir ggf. Fehler unterliefen. Alles nutzt nichts, die Angst sich zu blamieren ist zu groß. Einzelne Studierende konnte ich diesbezüglich befragen. Die Antworten bringen mich zu dem Schluss, dass das Problem des Mobbing heutzutage in der Schule größer ist, als ich es je vermutet hätte.

    Ich glaube, dass wir mit der anonymisierenden Wirkung des Classroom Presenters im Rahmen unserer Hochschulveranstaltungen den Studierenden wieder mehr Selbstvertrauen geben könnten.

    Für die allgemeinbildenden Schulen sehe ich das nicht so.

    Grüße und schöne Semesterferien
    m.g.

  12. cspannagel sagt:

    @Oliver „Sollen wirklich längere Texte oder gar Zeichnungen auf einem Kleingerät entstehen?“ – Okay, ja, du hast recht. Eine gewissen Mindestgröße müssen die Geräte haben.

    „Und die muss ja auch jemand bezahlen“ – Ich gehe mal schwer davon aus, dass in 10 Jahren ipad-artige Geräte praktisch nix mehr kosten. Ich stelle mir so etwas wie die „elektronische Schiefertafel“ vor, an die das iPad schon recht nahe herankommt. Dann noch den Classroom Presenter, und das oben beschriebene Szenario dürfte durchaus auch schulpraktikabel sein.

    @m.g. „Von einem Bildschirm lerne ich nichts. Nur von echten Menschen.“ – Der Bildschirm kann einem aber helfen, mit echten Menschen in Kontakt zu treten.

    Nichtsdestotrotz triffst du mit folgendem Satz den Nagel auf den Kopf: „Auch wenn ich mitunter noch so technikverliebt bin, ob aPad, bPad oder iWasauchimmer, unsere Bildungsprobleme werden diese Gerätschaften nicht lösen.“

  13. […] als im Aktiven Plenum erzielt werden kann (Feidenheimer & Knoblauch haben dies einmal in meinem Blog beschrieben). Alles in allem: Ein total spannendes […]

  14. Andreas sagt:

    Hallo, ist da noch jemand?
    Schade, anscheinend ist das Projekt beendet. Löst euch mal vom Klassenzimmer. Eine solche Lösung (Interaktiv), durch eine Person geführt, ist eine ganz tolle Sache im Verkauf. Überall wo Sachverhalte dargestellt werden müssen und diese je nach Kunde, mit Skizzen, Videos oder Bildern untermauert werden. Dabei führt einer das Gespräch. Er hat den „Mastermonitor“ (Tablett, als erweiterter Desktop?), mit Hilfnotizen usw. die der Kunde nicht sieht. Der Kunde schaut auf den Notebookmonitar. Beide können aber mit einem Eingabestift, oder Maus/Tastatur, Eingaben vornehmen. Da alles elektronisch läuft, kann es direkt gespeichert werden und das Gespräch mit sämtlichen Notizen dient im Anschluss als Protokoll. Somit kann ich als Unternehmen einen eindeutigen Gesprächsleitfaden vorgeben, der nun sogar ein meßbares Qualitätslevel darstellt.
    Ich selbst bin nur durch Zufall hier gelandet, weil ich genau so etwas suche. Ich bin Versicherungsmakler.
    Wenn es hier noch jemanden gibt, der an diesem oder einem ähnlichen Projekt weiter gearbeitet hat, oder eine solche Software, wie eben beschrieben, kennt. Soll sich mal mit mir in Verbindung setzen.
    Überigens, kann ich so auch Unterrichtsstoffe ganz toll vorbereiten, so dass ich auch sicher sein kann, dass jeder Lehrer den gleichen Stoff, mit seinen Schülern durch genommen hat. Und bitte, nicht auf das Recht der Selbstverwirklichung eines Lehrers pochen. Das geht als Künstler. Dafür gibt es aber auch nur Geld, wenn es dem Publikum gefällt. Bei der Arbeit mit Schülern, sollten diese im Vordergrund stehen. Sie haben ein Recht auf gleiche Ausbildung. Ob an Schule 1, 2 oder 3. Auch Vertretungen wären damit super umsetzbar.
    So, ich hoffe auf Feedback. Viele Grüße andreas.braun@team-ab.de

  15. […] Super geeignet ist die Lösung zur Präsentation studentischer Arbeitsergebnisse (Danke an Micha für diesen Tipp!). Beispiel: Studierende arbeiten an einer Aufgabe. Man läuft herum, fotografiert die Ergebnisse mit dem iPad, und anschließend zeigt man sie über die oben beschriebene Verbindung auf dem Beamer. Dann kann man verschiedene Lösungen präsentieren und mit Studierenden diskutieren. Hierbei sollte man aber die Bildschirmsychronisation zeitweise ausschalten, weil man den Fotografierprozess nicht allen präsentieren möchte, und weil man bei der Auswahl eines Fotos aus der Fotobibliothek gegebenenfalls auch nicht seine Urlaubsfotos allen Studierenden zeigen möchte. Ein eigener Ordner für Hörsaalfotos ist empfehlenswert. Darüber hinaus ist es gut, wenn man den Studierenden Arbeitsblätter oder vorstrukturierte Seiten zum Ausfüllen ausgegeben hat, weil dann alle Fotos eine gewisse Ähnlichkeit in der Struktur haben (im Vergleich zu beliebig aufgeschriebenen Lösungen in einem Block). Das erleichtert die Diskussion und ist eine “Papier-Variante” des Classroom Presenters. […]

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