Ein Leben mit Sozialphobie

Veröffentlicht: Dienstag, Mai 31, 2011 in Gastbeitrag

Man bekommt selten mit, welche inneren Kämpfe Menschen führen, denen man begegnet. So war dies bei einer Person, die ich vor einiger Zeit kennen lernte und die nicht namentlich genannt werden möchte (nennen wir sie „phoby“). Ich wusste nicht und merkte nicht, dass sie an Sozialphobie leidet. Letztlich war dies ein Zeichen dafür, dass sie sich sehr gut an ihre Umwelt „anpassen“ kann, aber trotzdem große Ängste verspürt. Neulich meinte sie einmal zu mir, dass sie gerne darüber schreiben würde, um anderen zu erzählen, wie sich Menschen mit Sozialphobie fühlen, sich aber nicht gerne „outen“ würde. Ich bot ihr an, einen Gastbeitrag zu schreiben. Heute schrieb sie mich an und meinte, er sei fertig und würde gut zu meinem letzten Beitrag Memento mori passen. Ich finde das auch.

Ich – das ist eine junge, hübsche und liebenswerte Frau. Dieser positiven Selbstwahrnehmung geht jedoch ein langwieriger Prozess voraus, in dem ich mich immer noch befinde. Von diesem Prozess will ich hier erzählen.

Ich kann mich erinnern, dass ich immer ein schüchternes Kind gewesen bin. Meine Mutter erzählte mir vor kurzem, ich hätte im Kindergarten das gesamte erste Jahr die Erzieherin nicht an mich heran gelassen. Ich wüsste heute gerne, was es war, das mich als Kind dazu veranlasst hat. Ich war immer sehr sensibel und bin es noch heute.

Auch in der Beziehung zu meinen Eltern bohre ich nach Erinnerungen. Ich kann mich erinnern, dass mich meine Eltern manchmal alleine zu Hause ließen. Ich war damals etwa fünf Jahre alt und machte im Entdeckungsdrang Gegenstände kaputt. Als sie wieder kamen, gaben sie mir die Schuld daran, obwohl sie im Grunde Schuld hatten, weil sie mich alleine ließen.

Im heutigen Leben finde ich mich immer wieder in Situationen mit diesem Muster: Ich führe eine Handlung nach bestem Gewissen durch und mir unterlaufen dennoch Fehler, die ich vorher nicht absehen konnte. Ich erfuhr dabei wiederholt von unterschiedlichen Mitmenschen, dass die Absicht meiner Handlung völlig egal ist, wenn etwas Fehlerhaftes dabei heraus kommt.

Ich habe ein sehr großes Verantwortungsbewusstsein für mein Handeln und neige zu starken Schuldgefühlen. Wenn mir andere Menschen Schuld zuschreiben, glaube ich das, unabhängig davon, ob es tatsächlich stimmt.

Dieses Muster zieht sich durch mein gesamtes Leben. Ich bekomme Angst, etwas falsch zu machen, bevor ich überhaupt etwas mache. Es ist der Zwangsgedanke, etwas Falsches zu sagen, wenn ich den Mund aufmache. Es ist ein Gefühl der Unzulänglichkeit, das in einem Gefühl der Lähmung oder in Panikattacken münden kann. Ich bin in solchen Momenten handlungsunfähig. Wenn so etwas passiert, wäre ich gerne weg. Die größte Angst habe ich davor, im Beisein anderer Menschen etwas falsch zu machen, mich dann dafür zu schämen und es nicht verstecken zu können.

Ich hatte sehr lange Zeit meines Lebens Angst vorm Rotwerden. Ich erinnere mich, wie ich mich mit etwa fünf Jahren schämte und rot wurde und mich dann schämte, dass ich rot wurde. So richtig Probleme damit bekam ich als Teenager. Am Ende meiner Schulzeit entdeckte ich dann ein Make up, welches das Rotwerden meines Gesichts verdeckte. Diese „Tarnung“ war von diesem Zeitpunkt an mein ständiger Begleiter.

Meine berufliche Ausbildung erlebte ich als blanken Horror. Unser „Meister“ hat ungezügelt seine Launenhaftigkeit an allen ausgelassen. Ich habe Fehler gemacht, wie das ein Azubi eben macht. Er kritisierte mich wo er konnte und griff mich auf der persönlichen Ebene an. Ich bin oft zum Weinen aufs Klo gegangen. Es war das Durchleben einer Negativ-Spirale: Ich machte immer mehr Fehler, erhielt immer mehr Kritik und bekam immer mehr Angst. Ich wollte da nicht mehr hin, aber wohin hätte ich sonst sollen!?

In dieser Zeit habe ich mich von mir selbst weit entfernt, um das durchzuhalten. Ich wollte die Ausbildung nicht abbrechen, weil ich mir dafür selbst die Schuld gegeben hätte, was ich noch weniger ertragen hätte. Nach beendeter Ausbildung lautete meine traurige Bilanz, dass ich überhaupt nichts kann, weil ich alles falsch mache. Dies wurde mir in der Ausbildung immer wieder gesagt und ich hatte es immer wieder erfahren. Meine einzige Perspektive war eine längere Arbeitslosigkeit. Ich muss dazu sagen, dass ich ein Mensch bin, der seinen persönlichen Wert generell stark über Leistungen definiert.

Als ich so um die 25 Jahre alt war, nahm ich an einer längeren Weiterbildung teil. In diesem Rahmen bemühte ich mich, Referate zu halten. Dies konnte ich nicht ohne mein „Tarn“-Make up. Ich fühlte mich aber auch generell immer wieder beobachtet und aufgrund dessen unwohl. Ich hätte praktisch ständig etwas Falsches machen oder sagen können, was jeder mitbekommen hätte und was hätte kritisiert werden können und mir starke Selbstzweifel eingehandelt hätte. In dieser Zeit begann ich eine Verhaltenstherapie und erfuhr so, dass meine Symptome dem Krankheitsbild der Sozialphobie zugerechnet werden. Durch diese Therapie schaffte ich es, mein Verhalten langsam zu ändern. Ich habe es sogar einmal geschafft, ein Referat zu halten, ohne mich vorher zu schminken. Das war für mich ein riesiger Fortschritt.

Leider kam dann wieder etwas dazwischen, was mich von meiner persönlichen Weiterentwicklung abbringen sollte. Ich kam mit einem Mann zusammen, der es sehr gut verstand, meine Ängste und Schuldgefühle für seine Zwecke zu manipulieren. Er wurde öfter ungeduldig und laut, wofür er anderen Menschen, Situationen oder Gegenständen die Schuld gab. Er betrachtete seine Wutanfälle als persönliches Recht, mit der Begründung, dass er an den jeweiligen äußeren Bedingungen stark leidet. Aufgrund dieser Argumentationsbasis war ich oftmals schuld daran, wenn es ihm schlecht ging. Und wenn ich mal nicht daran schuld war, so war ich dennoch der „Mülleimer“ für seine Wut.

Ich hatte Angst davor, nicht das zu tun, was er will.

Meine Freunde haben viel eher als ich bemerkt, was da vor sich ging. Wieder einmal – aber in ungekannter Intensität – überwältigten mich Schuldgefühle, lähmende Angst und Panikattacken. Ich musste mir also eingestehen, dass die Verhaltenstherapie nicht die gewünschte Wirkung erbracht hatte, da ähnliche Symptome in anderem Kontext auftraten. Vermutlich war also die Verhaltenstherapie nicht die Methode der Wahl für mich gewesen. Ich begann eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie. Nach kurzer Zeit konnte ich damit aber noch weniger anfangen als mit der Verhaltenstherapie. Ich wurde auch nicht richtig warm mit meiner Therapeutin. Als ich die Therapie abbrach, sprach sie ihr Verständnis dafür aus, aber gab mir das Gefühl, meine Entscheidung wäre falsch. Daran erkenne ich zukünftig „schlechte“ Therapeuten: Wenn ich das Gefühl habe, ich muss mich auf sie einstellen, anstatt dass sie sich auf mich einstellen würden. Das sollte aber jeder für sich selbst heraus finden.

Gegenwärtig befinde mich in einem Weiterentwicklungsdrang: Extrovertiertheit ist mein Ventil. Ich bin lebendig, ich bin schön, ich tanze und singe, ich mache alles mögliche, um mich weiter zu entwickeln und dies alles nur für mich: Selbstverteidigung, Selbsthilfegruppe, Hypnosetherapie, Sport, persönliche Sinnfindung, auch durch berufliche Weiterentwicklung.

Heute geht es mir gut. Mein größtes Glück ist, dass ich mich nie ganz selbst verloren habe, weil ich jetzt lerne, dieses Selbst zu sein. Ich habe keine Angst mehr vorm Rotwerden. Kleine „Baustellen“ habe ich immer noch, wie zum Beispiel Angst vorm „Sprechen müssen“ vor Menschen. Ich will meine Angst komplett besiegen und ich glaube daran, dass ich es schaffe. Bald werde ich in der Öffentlichkeit Vorträge halten, damit ich es mir selbst beweisen kann. Ich beginne ein Leben nach eigenen Visionen und Idealen. Trotzdem nehme ich eigene Wünsche immer noch als Konflikt gegenüber gesellschaftlichen Normen wahr. Dies ist auch ein Grund, weshalb ich diesen Bericht anonym verfasst habe.

Ich werde weiter an mir arbeiten, denn heute weiß ich:

Angst ist Manipulation, egal wer dir Angst macht. Angst ist Stagnation. Leben ist Entwicklung und Entwicklung macht Spaß.

http://www.sozphobie.de/

Kommentare
  1. Vielen Dank für diesen Beitrag!
    @Christian: Für mich wieder eine Bestätigung dafür, wie sehr es sich lohnt EHRLICHEN Kontakt zu Menschen zu haben, dem „wirklichen“ Menschen zu begegnen (zu wollen) – nicht nur in meiner Profession!

    Wie schnell sind wir dabei Menschen in eine Ecke zu drängen, Verhalten zu beurteilen, zu bewerten, ohne etwas von dem Mensch dahinter zu wissen oder gar zu verstehen.

    Oft haben wir keine Zeit, keine Lust, kein Interesse (…), haben vielleicht unsere eigenen „Päckchen“ zu tragen und gehen dem lieber aus dem Weg. Zu anstrengend, vielleicht auch zu persönlich, vielleicht auch Angst – Angst davor uns unseren eigenen „Dämonen“ zu stellen… (Der Spiegel)
    Das passiert im Bildungsbereich, das passiert (uns) überall und ständig.

    Ich wünsche mir, dass dieser sehr persönliche Einblick in ein Leben dazu beitragen kann, dass wir uns als MENSCHEN mehr begegnen – nicht immer nur in den zugeschriebenen Rollen.
    Ich mache sehr gute Erfahrungen damit, denn es geht um die Wertschätzung des Menschen. Die bekommt jeder gern – vorausgestzt sie ist ehrlich und das spürt jeder sofort – und ab hier entsteht IMMER eine positive und ehrliche Entwicklung…

    „Beurteile nie einen Menschen, bevor Du nicht mindestens einen halben Mond lang seine Mokassins getragen hast.“

    Dieser alten Indianerweisheit folgend gehören Themen wie Sozialphobie in unserer Gesellschaft hoffentlich bald der Vergangenheit an…
    PS: Das mit den Mokassins funktioniert auch gut in der Lehre =)

  2. phoby sagt:

    Hallo Alexander,

    hier meldet sich phoby

    „Dieser alten Indianerweisheit folgend gehören Themen wie Sozialphobie in unserer Gesellschaft hoffentlich bald der Vergangenheit an…“

    Gib mal bitte ein paar Tipps für die Sozialphobiker hier unter uns, welchen Beitrag diese dafür leisten können. Zum Beispiel wie sie in der Gesellschaft mit ihrer Krankheit offen umgehen können.

    Mir würde es sehr viel bringen, mit meinen Problemen auf ein Verständnis in der Öffentlichkeit zu stoßen. (Aber gerade mit dieser Krankheit hat will man sich nicht gerade outen.)
    Ich hätte dann das Gefühl „sie mögen mich ja! Obwohl ich Sozialphobie habe.
    (Ich hoffe ich habe mit meinem Beitrag hier erstmal einen Anfang in die richtige Richtung machen könne.)

    –> Denn GERADE wir Sozialphobiker machen uns viel Gedanken darüber, wie wir aufgrund unseres Verhaltens Anderen gegenüber wirken.

    Das behindert unsere Entwicklung.

    Sozialphobiker brauchen deshalb mehr Verständnis. Ich vermute mal, dass auch Menschen ohne Sozialphobie davon profitieren würden, weil dann mehr Toleranz herrschen würde.

    phoby

  3. ekirlu sagt:

    @“Phoby“ Vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich selbst habe in meinem Bekanntenkreis einen Menschen, der auch an Soziophobie leidet. Dieser allerdings hat Deinen Weg noch vor sich. Er hat für sich als Verbindung zur Außenwelt „WoW“ gewählt, weil er im Spiel und im Teamspeak nicht er selbst sein muss. Ich habe großen Respekt vor Deiner Offenheit und Deinem Mut und wünsche Dir, dass Du Deine Ziele erreichst!

  4. phoby sagt:

    Hallo ekirlu,

    kannst du mir bitte erklären, was das bedeutet: ?

    „Er hat für sich als Verbindung zur Außenwelt „WoW“ gewählt, weil er im Spiel und im Teamspeak nicht er selbst sein muss. “

    phoby

  5. ekirlu sagt:

    Es bedeutet, dass er (28) zuhause wohnt, bei seinen Eltern. Er spielt World of Warcraft und hat dort in einer „In-Game-Gemeinschaft“ Leute mit denen er spricht, sich unterhält. Er definiert, dass was er kann – seinen Erfolg – über das Spiel, weil dort die Gefahr Fehler zu machen kaum existiert. Es ist logisch folgt einfachen Regeln und da er diese befolgt, ist er gut in dem Spiel. Soziale Kontakte laufen ausschließlich über das „Voice-chat“Programm Teamspeak begleitend zum Spiel.

    Persönliche Gespräche kommen nur mit 3 oder 4 anderen Spielern zu Stande alles andere bleibt oberflächliches Spielgeplänkel.

    Ein „Leben“ außerhalb des Spiels findet wenn überhaupt nur in der Familie statt.

  6. phoby sagt:

    Hallo ekirlu,

    „weil dort die Gefahr Fehler zu machen kaum existiert.“

    „öffentlich“ gemachte Fehler sollten den Wert einer willkommenen Abwechslung haben😉

    lieben Gruß

  7. ekirlu sagt:

    @phoby Zum Thema Fehler verweise ich auf meinen die nächsten Tage erscheinenden Gastblogbeitrag😀

  8. in meinem leben gibt es nur eine handvoll zentraler einsichten, die dann grundlegende änderungen bewirkten. dazu zählt diese:
    alle sog. psychischen störungen zeigen nur grundsätzliche existenzielle „problemfelder“, die die betroffenen mit dem rest der menschen gemeinsam haben. niemals ist es möglich tatsächlich aus dem gemeinsamen „bedeutungswabern“ heraus zu fallen. es sind lediglich quantitative unterschiede, die auftreten. mit Watzlawick gesagt, es sind die lösungsversuche selbst, die unter bestimmten umständen zu äusserst hinderlichen und leidvollen (sekundär)problemen werden können. die primären herausforderungen bleiben immer die gleichen.

  9. Hallo Phoby,

    Tipps zu geben wie die „Sozialphobiker“ offener mit ihrer Krankheit umgehen können ist schwierig, denn:
    1. Wer sind denn DIE Sozialphobiker?
    2. Die Gründe für dieses Phänomen liegen sehr individuell begründet und deswegen
    3. können allgemeine Tipps in der Regel nur kurzzeitig etwas bringen, weil sie die individuelle Geschichte nicht erfassen.
    Ich kenne das aus anderen Zusammenhängen, für die kleine „Lebensberaterbücher“ geschrieben werden und Menschen, die sich (schnelle) Hilfe davon erhoffen, stoßen schnell an ihre Grenzen und legen die Bücher dann wieder weg: „Bringt mir nichts, funktioniert bei mir nicht“.

    Mit diesem Beitrag hast du einen ersten Weg beschritten, mit deiner Problematik nach Außen zu gehen. Das ist gut. Gut ist auch, dass es zunächst anonym ist – denn du weißt nicht im voraus, wie Menschen mit deiner Problematik umgehen werden. Das kann man üben =)
    Einerseits höre ich von Klienten immer wieder, dass sie „da draußen“ nicht ernst genommen werden: „Ist doch gar nicht so schlimm, es geht dir doch gut, du hast einen Job, eine Familie….“. Andererseits sind die „da draußen“ auch häufig überfordert mit einer Problematik (in diesem Fall deiner) umzugehen, sie fühlen sich hilflos, wissen nicht damit umzugehen.

    Hinzu kommt noch, dass die Betroffenen unter Umständen gar nicht verstanden werden wollen, z.B. aus Gründen, die du hier genannt hast:
    „(Aber gerade mit dieser Krankheit hat will man sich nicht gerade outen.) Ich hätte dann das Gefühl „sie mögen mich“

    Zum Thema Verständnis möchte ich den Kreis zu Wertschätzung, Respekt (vor der Person UND deren Lebensumstände!) und der Indianerweisheit zeichnen: Um Toleranz und Verstehen zu erreichen ist es wichtig genau hinzuschauen: Denn wenn ich dich jetzt in die Schublade „Sozialphobiker“ stecke, was passiert dann?
    Es passiert, dass ich denke ich wüsste etwas über dich, nur weil ich mal etwas über Sozialphobiker gelesen habe. Ist das so? Ich denke nein!
    Gehe ich in deinen Mokassins kann ich dir wertschätzend begegenen (denn ich weiß etwas darüber, was es für DICH heißt mit dieser Phobie durch das Leben zu gehen), Respekt davor haben, wie du mit den Dingen umgehst und ich kann davon profitieren, weil ich die Welt mit anderen Augen sehen konnte.
    Neue Perspektiven einnehmen können, Toleranz für das Leben anderer entwickeln usw. – das passiert, wenn sich Menschen wirklich begegnen. Zum Beispiel durch Offenheit, wie du sie gerne hättest.
    Manche wollen das, andere nicht. Das herauszufinden bedarf einem Weg, den ich aber nicht mit allgemeinen Tipps bepflastern möchte. Was nützt es dir, wenn ich schreibe es ist wichtig auf Menschen zuzugehen? Ist das so? Ja, es ist so – aber wenn du das könntest, dann würdest du es tun. Also fehlt noch etwas und genau solche „Etwasse“ gilt es individuell herauszufinden, daran zu arbeiten….

    Mein Tipp, den du gerne möchtest:
    Der Beitrag hier ist ein guter Anfang, um mit Menschen über dein Anliegen in Kontakt zu kommen. Je mehr du über dich und darüber „wie du funktionierst“ erfährst, desto mehr erfährst du auch über andere Menschen.
    Damit du positive Erfahrungen machen kannst ist die Anonymität nicht der schlechteste Weg. Freunde fühlen sich vielleicht schnell überfordert, Andere wollen dich vielleicht nicht verstehen usw. usf.
    UND: Es braucht eine Möglichkeit für dich mit den Rückmeldungen umzugehen: Wenn du wie oben beschrieben merkst, „sie mögen mich“, du aber nicht gut damit umgehen kannst, dann braucht es einen Weg zu lernen, wie du mit deinem „neues Leben“, oder veränderten Situationen umgehst…

    Alexander

  10. phoby sagt:

    Hallo Alexander,

    mein Antwortversuch:

    „1. Wer sind denn DIE Sozialphobiker?“

    –> Für mich persönlich sind DIE Sozialphobiker eine Gruppe, mit denen ich in Kontakt und Erfahrungsaustausch trete, indem ich…

    …sie virtuell hier antreffe: http://www.sozphobie.de/forum/index.php

    …einige von ihnen persönlich treffe zum bundesweiten Forumstreffen der Sozialphobiker (was über obiges Forum organisiert wird)

    …und einige von ihnen in meiner Selbsthilfegruppe treffe.

    Das sind aber nicht alle Sozialphobiker, die es gibt, weil ich dort nur die antreffe, die WISSEN, dass sie das haben (oder zumindest sich damit identifizieren.) und die den Mut haben, dabei zu sein.

    „2. Die Gründe für dieses Phänomen liegen sehr individuell begründet“

    Es mag sein, dass die Gründe für Sozialphobie individuellen Ursprungs sind. Ich möchte aber widersprechen, wenn diese Krankheit als reines individuelles Problem dargestellt wird. Ich vermute vielmehr, dass es sich dabei um eine gesellschaftliche Problematik handelt.
    Weil aber kaum jemand sich dazu (in der Öffentlichkeit) bekennt, wird es sehr schnell als individuelles Problem „abgetan“. Warum bekennen sich so wenige Menschen dazu? Auch weil es in der Gesellschaft als individuelles Problem betrachtet wird. Der Einzelne wird somit wieder auf sich selbst zurückverwiesen.
    Es gibt viele dieser „Einzelnen“. Ich lerne immer mehr Betroffene kennen. Ich dachte immer, ich wäre alleine damit. Ich dachte immer: Solche Probleme wie du sie hast, hat bestimmt kein anderer Mensch auf der ganzen weiten Welt.
    In der Selbsthilfegruppe lernte ich, dass wir Sozialphobiker sehr ähnliche Probleme haben. Individuell unterschiedlich sind die Umstände, in denen die Angst auftritt – jedoch immer in sozialen Kontexten.

    Zu den „Lebensberatungsbüchern“ möchte ich mit einem Spruch antworten, der mir kürzlich in meiner Selbstverteidigungs-Gruppe über den Weg gelaufen ist:

    „Es ist gut,
    wenn ich weiß,
    was ich will.“

    EIGENTLICH möchte ich mich ganz dolle für Sozialphobiker stark machen.
    Aber wie? Einen Verein gründen oder irgendetwas, damit das Problem mehr an die Öffentlichkeit kommt, mehr in der Gesellschaft präsent ist.
    Warum?

    Damit mehr Menschen, eine Möglichkeit bekommen, damit besser umgehen zu können (Betroffene sowie Nichtbetroffene).

    Damit Betroffene besser damit leben können, weil sie dann erfahren, wo und wie sie an sich arbeiten können.

    Damit die Menschen, die noch nicht wissen, dass sie betroffen sind, davon Kenntnis nehmen, dass sie betroffen sind. (Wenn man es nicht weiß, kann man nicht damit arbeiten.)

    Damit Betroffene sich aus der Außenseiter-Rolle erheben können und mehr auf sich selbst höhren, lernen sich selbst ernst zu nehmen.

    UND für die Herstellung einer Umgebung, in der dies alles möglich wird:
    „Neue Perspektiven einnehmen […], Toleranz für das Leben anderer entwickeln usw. – das passiert, wenn sich Menschen wirklich begegnen. Zum Beispiel durch Offenheit“

    ANDERERSEITS will ich noch „Karriere“ machen und will mir durch ein Outing berufliche Chancen nicht verbauen.

     „Denn wenn ich dich jetzt in die Schublade „Sozialphobiker“ stecke, was passiert dann?“

    Ich habe mich ja selbst schon reingesteckt😉 Nur eben anonym, und deshalb nur mit einem Bein.
    Freunde und Bekannte stecken mich nicht in diese Schublade, obwohl ich es ihnen sage.
    Als ich es einmal einer mir fremden Person sagte, (im Nachtleben einer deutschen Großstadt), glaubte sie mir nicht, mit der Begründung, ich würde überhaupt nicht so wirken. Ich fühle mich manchmal schüchtern, aber ich wirke anscheinend überhaupt nicht schüchtern.
    Niemand würde mir glauben, dass ich Sozialphobie habe, wenn ich mit einem T-Shirt mit „Sozialphobie“ drauf, in der Stadt rumlaufen würde.

    Ja, es gibt nicht DEN Sozialphobiker, aber es gibt DEN „Stempel“ Sozialphobiker.

    Liebe Grüße
    phoby

  11. phoby sagt:

    Update:

    ich glaube, es gibt doch nicht DEN „Stempel“ Sozialphobiker.

    (Kann ja gar nicht, da sich ja doch jeder etwas anderes darunter vorstellt…)

    schon eher gibt es DEN „Stempel“:
    „Nicht ganz in Ordnung / Reif für die „Klapse““

    Nicht ganz in Ordnung zu sein, ist gesellschaftlich nicht erwünscht. Demnach gibt es eine Ordnung in unserer Gesellschaft, welche die Menschen teilt in diejenigen ohne und mit Stempel „nicht ganz in Ordnung“.

    Für mich selbst bin ich glücklicherweise gerade in Ordnung, weil ich sage: „Ich ich habe Probleme“. Das wünsche ich mir auch von unserer Gesellschaft.
    Warum?
    Es gibt auch weniger prominente Menschen wie Robert Enke, die davon profitiert hätten / profitieren würden.

  12. phoby sagt:

    Wenn jemand den letzten Satz oben nicht versteht, kann er statt dem „wie“ ein „als“ lesen😉

  13. Hallo Phoby,

    “ Ich möchte aber widersprechen, wenn diese Krankheit als reines individuelles Problem dargestellt wird. Ich vermute vielmehr, dass es sich dabei um eine gesellschaftliche Problematik handelt.“

    Unsere Gesellschaft ist ein wunderbarer Nährboden für Kranheiten, wie du sie beschreibst, das belegen viele Studien. Und dennoch unterscheide ich hier:
    1. Was können wir alle gemeinsam (Gesellschaft) dafür tun die Ursachen, die dieses Phänomen hervorbringen, zu verändern?
    2. Was kann ein Betroffener tun, um wieder in „natürlicher Freiheit“ zu leben – das ist sehr individuell und ich bezweifle, dass die Gesellschaft das für den Betroffenen lösen kann. Das sind meine Erfahrung aus meiner Arbeit und aus Gesprächen mit Betroffenen.

    „EIGENTLICH möchte ich mich ganz dolle für Sozialphobiker stark machen.
    Aber wie? Einen Verein gründen oder irgendetwas, damit das Problem mehr an die Öffentlichkeit kommt, mehr in der Gesellschaft präsent ist.“

    Wenn das dein Anliegen ist, so schau doch mal bei dem http://www.nischenthema.de/ vorbei. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du dort viele deiner Ideen verwirklichen könntest (auch anonym) – zumindest ein Versuch, auch wenn es kein Nischenthema ist, mit dem Ausmaß in unserer Gesellschaft!

    Viele Grüße
    Alexander

  14. phoby sagt:

    Hallo Alexander,

    ich hab mich mal umgesehen bei http://www.nischenthema.de/.

    „1. Was können wir alle gemeinsam (Gesellschaft) dafür tun die Ursachen, die dieses Phänomen hervorbringen, zu verändern?“

    *kopfkratz*
    Ein „gutes Beispiel“ sein?

    und zur zweiten Frage:
    Sozialphobiker müssen von alleine auf die Idee kommen, etwas verändern zu wollen und dann können sie auch was verändern.

    Viele Grüße
    phoby

  15. Fräulein Fridur sagt:

    „Was können wir alle gemeinsam (Gesellschaft) dafür tun die Ursachen, die dieses Phänomen hervorbringen, zu verändern?“

    Weit gedacht: eine andere Ethik? Weg von dem „immer siegen wollen“, „unangreifbar und fehlerlos sein“, weg vom Maschinenmenschen und dieser komischen Art Abgestumpftheit, welche die tolle Leistungsgesellschaft mitbringt? Scheuklappen und Ego runter. Mir persönlich ist es zwar zu anstrengend gleich eine ganze Gesellschaft in Bewegung zu setzen, aber ich kann ja einfach klein anfangen: bei mir. Genau da, wo auch die Soziophobiker anfangen, wenn sie merken, es muss sich was tun: bei sich.
    Aber Gesellschaft vs. persönliche Entwicklung ist ein Fass ohne Boden Thema und ich mag selbst noch ein bisschen drüber nachdenken.

    Jedenfalls: Ich finde es total mutig von dir, das zu thematisieren. Genau so wie z.B. Depressionen ist Soziophobie scheinbar keine Trendsetterkrankheit, wie z.B. burnout und die Tabuisierung dessen hoch, bzw. es ist wahrscheinlich einfach unbekannt, dass es so was gibt.
    Punktum.

  16. cspannagel sagt:

    @Phoby Mich hat bewegt, dass du zuerst gedacht hast, dass du die einzige bist mit diesen Problemen. Das ist oft so, bei vielen Dingen, und manches wird in der Gesellschaft erst sukzessive bekannt. Tinnitus ist so etwas. Vor ca. 20 Jahren war das noch relativ unbekannt, mittlerweile weiß eigentlich jeder, was es ist. Vielleicht war daran auch die Aktivität der Tinnitus-Liga zu Beginn wichtig, jedenfalls gab es eine Zeit, in der viel darüber in den Medien berichtet wurde.

    Ich hatte mal eine Zeit lang das Problem, dass ich nachts nicht einschlafen konnte, weil ich ein komisches Gefühl in den Beinen hatte, das ich nicht beschreiben konnte. Also, wirklich nicht beschreiben. Irgendwie komisch. Ich musste meine Beine dehnen, kurz aufstehen, damit es wieder geht. Ich fand das extrem seltsam, und es hat mich auch ein bisschen beunruhigt. Aber ich fand das nicht so tragisch, deswegen zum Arzt zu gehen, hat ja keine Schmerzen verursacht. War einfach nur komisch. Dann, irgendwann zufällig, habe ich einen Bericht im Fernsehen gesehen, in dem jemand berichtet hat, dass er nachts ein komisches Gefühl in den Beinen hat, das er nicht beschreiben kann. Was? Hä? Ich bin nicht alleine? Das geht anderen auch so? Das war ein Bericht über das „Restless-Legs-Syndrom“. Wenn man Wikipedia Glauben schenken mag, haben das 5-10% (!) der bundesdeutschen Bevölkerung.

    So: Auf einmal hatte das einen Namen, es wurde in den Medien darüber gesprochen, und ich konnte es zuordnen: Okay, es ist das Restless-Legs-Syndrom, haben ganz viele, ist kein Problem. Seit dem hab ich es nur noch ganz selten.

    Will sagen: Man muss in den Medien darüber sprechen, und zwar vernünftig. Es muss vielen Menschen klar werden, dass Soziophobie eine „normale“ Angelegenheit ist, die viele Menschen haben, und wie man damit umgeht usw. Dann haben weniger Menschen Bedenken, über ihr Problem zu sprechen, es wird „gesellschaftsfähig“ und ist nichts seltsames mehr. Problematisch ist es natürlich weiterhin, aber vielleicht nicht mehr so belastend für den einzelnen. Dein Blog-Artikel ist letztlich auch ein Beitrag auf diesem Weg.

  17. cspannagel sagt:

    Noch etwas (gerade angeregt durch eine Mail von jemand anders): Ganz wichtig ist, kleine Schritte ausprobieren und feststellen, dass es nicht schlimm ist und funktioniert. Das steigert die Selbstwirksamkeitserwartung. Kennst du den Begriff? Der könnte interessant für dich sein….

    Früher war ich überhaupt nicht mutig. Ich bin mutiger geworden, weil ich Dinge ausprobiert habe, von denen ich dachte „äh… neee…. lieber nicht… ach komm, egal…“, und dann habe ich gemerkt: Es passiert gar nix schlimmes. Im Gegenteil: Die Reaktionen sind super. Also probiert man, einen Schritt weiterzugehen. Und – zack! – wieder alles ok. Notwendig hierfür ist das Verlangen danach, „weiter“ zu gehen als bislang, und auch ein bisschen Frustrationstoleranz, wenn’s doch mal in die Hose geht. Ist ja eher selten.

    Interessant ist nun: Ich glaube, andere haben ein ganz anderes Bild von mir als ich selbst. Ich habe öfter gehört: „Man, du traust dich was, super!“ – Ich denke dann immer: „Hey, ich bin gar nicht so, eigentlich bin ich ein Feigling, ich hab’s aber gerade erst so ein bisschen gelernt, und alles ist noch vollkommen im Prozess.“ Die Leute wissen nicht, wie ich früher war. Dieses „früher“ ist aber noch in mir, wirkt in mir, und beschäftigt mich. Positiv finde ich: Andere nehmen das gar nicht wahr. Damit ist es…. irrelevant geworden…

  18. Namen, Etiketten, Diagnosen und Öffentlichkeit

    ich hatte vor vielen jahren mal das was man eine schlafstörung nennt, so richtig extrem. ging dann in eine klinik für 2 wochen. dort bekam ich am 1. tag eine therapie verpasst, die zwar für den überwiegenden teil nützlich ist, aber in meinem fall kontraprodukiv war, nämlich NICHT tagsüber zu schlafen. nach nacht- und tagschlaflaboraufzeichnungen und allerlei fragebögen gelangten sie dann schliesslich zu diagnosen. ein biologe sah bei mir eine genetisch bedingte disposition, auf die sich dann ein sekundäres problem aufgepfropft hatte (ich hätte von meiner disposition her mindestes 2x täglich 30-60 min. schlafen sollen, bei nichteinhalten schlafdefizit das in die unfähigkeit überhaupt noch schlafen zu können mündet). nach meinung der psychologin war mein problem nicht genetisch sondern psycho-sozial bedingt. nach meinung des leitenden arztes war ich schlichtweg eine narzisstin (!). anyway, nach den 2 wochen hatte ich ein bundle von neuen begriffen im rucksack, wie z.b. polyphasisches schlafmuster (wie mir der biologe erklärt hatte gibt es die bären, die nicht leicht im schlaf zu stören sind, und die raubkatzen, die immer ein auge offen haben und auf der hut sind). und es gab als sahnehäubchen noch knallharte laboraufzeichnungen, aus denen einige abweichungen gegenüber der norm fest zu stellen waren. –
    im heilen ist unser medizinisches system ja durchaus noch entwicklungsfähig. im systematisieren und katalogisieren wohl geschichtlich unübertroffen😉 (zusammenhang mit abrechnungsverfahren der krankenkassen). –
    das etikettieren ist eine gesellschaftliche praxis mit zwei seiten, man kann zum opfer werden oder zum täter. nachdem ich ein wenig abstand gewonnen hatte haben mir die diagnosen sehr geholfen, ich pickte mir jeweils das heraus, was für mich nützlich war und verschaffte mir damit das, was ich damals brauchte. zugegeben, ein etwas aufwendiges und umständliches verfahren, wenn man es mal gesamtgesellschaftlich und auch unter kostengesichtspunkten betrachtet😉 –
    mit diesem selbtheilungsstil habe ich es geschafft, dass selbst die angeblich genetisch bedingten auffälligkeiten nicht mehr in den schlaflaboraufzeichnungen zu finden sind !!! –
    und von wegen „narzissmus“, den habe ich inzwischen in einer produktiven weise integriert, und grenze mich überwiegend erfolgreich gegenüber überzogenen erwartungen anderer, besonders in der arbeitswelt, ab🙂

    Jutta

  19. phoby sagt:

    Hallo zusammen,

    ich habe eine Postkarte auf der steht das:

    „Irre sind menschlich.“

    Ich habe ein Herz für Individualisten und für alle, die gerne indivdiuell wären!
    Vielleicht wäre das ein Anfang, den Spruch auf einem T-Shirt (Hilfe: Plagiat-Gefahr…was mache ich da?)

    (Postkarte „Irre sind menschlich“, Inkognito, Erkelenzdamm, Berlin, http://www.inkognito.de)

    Naja das nur am Rande.

    @Alexander @Fräulein Fridur @cspannagel und alle anderen auch die fleißigen Twitterer😉
    IHR SEID SUPER!

    @Fräulein Fridur: Ich fühle mich schon wie ne Trendsetterin!😉 –> Soziaphobie als verstecktes Leiden sichtbar machen! Darum kümmer ich mich- schon alleine, weil ich bei mir anfange.

    @cspannagel:
    „Will sagen: Man muss in den Medien darüber sprechen, und zwar vernünftig.“
    Tja. Wer würde sich denn bitte mal opfern? Ich mache es vielleicht…aber vermutlich erst in 10 Jahren, wenn meine „Karriere“ nicht mehr Schaden nehmen kann und dann werde ich auch insoweit geheilt sein, dass ich einschränkungsfrei leben werde. Daher werde ich dann keinen Angriffspunkt mehr darstellen.
    (10 Jahre ist hier willkürlich gewählt. „Heilung“ ist meine Lebensaufgabe. Es wäre also schön, wenn ich es innerhalb meines Lebens schaffe, einschränkungsfrei zu leben.)

    Unter „Selbstwirtksamkeitserwartung“ kann ich mir was vorstellen, auf jeden Fall.

    Deinen letzten Absatz hätte ich auch schreiben können. Genau das erfahre ich auch.
    Genau so, wie ich von dir gedacht hätte, dass du sowieso wahnsinnig mutig bist, hast du es ebenso von mir angenommen😉

  20. phoby sagt:

    Hallo Jutta,

    „das etikettieren ist eine gesellschaftliche praxis mit zwei seiten, man kann zum opfer werden oder zum täter.“

    Es gibt noch eine dritte Seite: Man kann in der Opferrolle mit seinen Opfer-Attributen spielen und dann z.B. sagen: „Ich bin Sozialphobikerin und dass ist auch gut so!“
    Klaus Wowereit hat das schließlich auch geschafft…(ich betrachte hierbei die Etikette „nicht ganz normal“ = gesellschaftlich unerwünscht, die m.E. für Homosexualität ebenso wie auf Sozialphobie zutrifft.)

    Allerdings muss dazu gesagt werden, dass er „es sich (relativ) leisten konnte“, weil…
    …Homosexualität bekannter ist als Sozialphobie
    …Er über eine berufliche Stellung verfügt, die ihm sein Outing erleichterte

    Zum „Selbstheilungsstil“
    Für mich persönlich habe ich diverse Methoden entdeckt, die meinen Heilungsprozess unterstützen und die schon in meinem Ursprungsbeitrag angeklungen sind. Jeder nutzt hierbei andere Methoden. Mein Bauchgefühl sagt mir, was für mich Sinn macht.

    Nochmal meine Methoden zusammengefasst:

    – Weiterbildung und berufliche Orientierung nach persönlichem Interesse

    – Austausch mit Gleichgesinnten

    – Persönliche Interessengebiete erschließen (so lernt man nebenbei Leute kennen, z.B. im Web 2.0)

    – Hypnosetherapie / Selbsthypnose für die tiefgründige Auseinandersetzung mit sich (Was will ich wirklich? Worin liegen die Ursache für meine Probleme?)

    – Selbstverteidigung um die eigene Entschlusskraft und das Abgrenzungsvermögen zu stärken

    – Sport, am besten an der frischen Luft, da geht es einem direkt besser, was auch langfristig das Wohlbefinden positiv beeinflusst

    – Und individuell sinnvoll ausgewählte Konfrontationsübungen

  21. hallo phoby

    ja, spielen ist immer gut weil es (spiel-) raum schafft, aber wie du das richtig bemerkst, mit umsicht😉
    zu den schubladen geht mir folgendes durch den kopf:
    – Homosexualität war so lange eine krankheit bis die öffentlichkeit in den USA bewirkte, dass sie aus dem katalog der krankheiten gestrichen wurde.
    – der begriff Sozialphobie betont ein defizit. aus diesem grund finde ich ihn zum „spielen“ /provozieren, nur bedingt geeignet. ich würde da eher positive einzelaspekte herausgreifen und die betonen.
    – etwas als „krank“ zu klassifizieren kann eine hilfe sein, indem man (mit der äusserung nur eines einzigen begriffs) schnell und wirksam grenzen markiert. dieses vorgehen trägt aber das risiko mit sich, das „kranke“ erst so richtig fest zu schreiben.
    – es wäre doch schön, diese wirkung auch ohne solche hammermethoden erzielen zu können.

    (zum selbstheilungsstil, den hab ich natürlich verkürzt auf das thema etiketten fokussiert dargestellt, es war also nur eine auswahl😉 )

  22. phoby sagt:

    Hallo Jutta,

    „- der begriff Sozialphobie betont ein defizit. aus diesem grund finde ich ihn zum „spielen“ /provozieren, nur bedingt geeignet. ich würde da eher positive einzelaspekte herausgreifen und die betonen.“

    Ja, was anderes würde unsere Gesellschaft wohl nicht gutheißen.

    Ich finde das unterstützt sehr schön die Betroffenen noch mehr darin, immer schön brav diese Kluft zwischen
    – Individuum und Gesellschaft
    – krank und gesund
    – normal und unnormal
    – defizitär und ressourcenreich (oder vllt. anders Antonym?)
    aufrecht zu erhalten.

    Betroffene sollten auf sich selbst hören – aber anstatt dessen verlangt die Gesellschaft den Betroffenen ab, lieber schön weiter das graue gesellschafliche Einerlei mitzuspielen.
    Und immer mit der Angst im Nacken: Ja nicht sozial unerwünscht sein!
    Dieses Versteckspiel geht auf unser aller Kosten!
    Wir könnten alle voneinander lernen, wenn wir mal auf uns selber hören würden und realisieren würden, dass jeder Probleme hat und das das nichts ist, weshalb man sich verstecken sollte
    SONDERN
    dass es eine Bereicherung für ALLE ist, wenn offen mit scheinbar individuellen Problemen umgegegangen wird.

    Was ist das für eine graue Welt?
    Was ist so übelst defizitär an defizitär?
    Warum kann ich nicht das machen was ich will – sondern nur das was andere von mir wollen?

    Warum kann man nicht sagen:
    Ich bin krank/unnormal/defizitär und das ist auch gut so!

    In etwa so, wie Christian hat es oben schon geschrieben hat:
    „Es muss vielen Menschen klar werden, dass Soziophobie eine „normale“ Angelegenheit ist, die viele Menschen haben“

    Das zwanghafte Verstecken scheinbar individueller Defizite ist das eigentlich Defizitäre an unserer Gesellschaft.

  23. phoby sagt:

    Update
    „dass es eine Bereicherung für ALLE ist, wenn offen mit scheinbar individuellen Problemen umgegegangen wird.“

    Derartig emanzipierte Formen des Ausdruckes
    wären keine Bereicherung für alle Instanzen,
    deren Handeln auf die Angst der Gesellschaftsmitglieder angewiesen ist (zum Zweck der Manipulation).

    Mir fallen jetzt nicht alle Instanzen ein, die das betreffen könnte…letztlich sind hier auch eure Überlegungen gefragt.

    Überlegt einmal, wie sehr euer Handeln von Angst geprägt ist.
    In welchen Situationen ist Angst eure Handlungsmotivation und warum?
    Wer steckt dahinter?

    Persönliche Defizite sind OK.
    Darüber sprechen ist kein Defizit, sondern eine Ressource.
    An dieser Stelle verwende ich unverschämter Weise meinen eigenen Verstand😉.

  24. phoby sagt:

    und noch was:

    „Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.“
    (George Bernhard Shaw)

  25. phoby sagt:

    seit gerade eben bin ich bei Twitter als „social_phoby“ anzutreffen🙂

    http://twitter.com/#!/social_phoby

  26. hallo phoby

    du klingst eigentlich alles andere als phobisch, hehe. –
    „Das zwanghafte Verstecken scheinbar individueller Defizite ist das eigentlich Defizitäre an unserer Gesellschaft.“
    da gebe ich dir völlig recht !!
    häufig sind wir sehr kleinlichen bewertungsmustern ausgesetzt, z.b. unterrichtsproben bei lehrern, bewerbungen um stellen etc. bei letzterem bestimmt der markt und bei einem überangebot werden die haare in der suppe gesucht und das ganze zu einem angeblich objektiven masstab erhoben…es hat sich eine unkultur etabliert, die in den defiziten herum stochert, anstatt die stärken zu schätzen und zu entwickeln.-
    du betonst im moment das zeigen, das nicht verstecken von defiziten, ich betone die umlenkung des blicks auf die stärken. aber beides schliesst sich nicht aus, denke ich.

    letztlich geht es doch darum, dass menschen in unterschiedlichen bereichen und situationen hilfe brauchen und geben können.

    was mich noch interessieren würde: hat sich etwas in deiner art und weise dich zu äussern während dieses threads hier verändert ?

    liebe grüsse
    Jutta

  27. phoby sagt:

    Hallo Jutta,

    „du betonst im moment das zeigen, das nicht verstecken von defiziten,
    ich betone die umlenkung des blicks auf die stärken.“

    warum sollte man das trennen?
    Ich finde, das gehört beides zusammen.

    –> Schwäche zeigen kann doch auch mal als Stärke verstanden werden!🙂

    „letztlich geht es doch darum, dass menschen in unterschiedlichen bereichen und situationen hilfe brauchen und geben können. “

    –> JA! Ich habe eine Vision. Menschen, mit solchen Problemen wie ich sie habe (s.o.) möchte ich Mut machen, an sich zu arbeiten/sich weiter zu entwickeln.

    „hat sich etwas in deiner art und weise dich zu äussern während dieses threads hier verändert ? “

    –> naja eher an der Art und Weise zu denken…
    Mir wird bewusst, wie intelligent ich bin😉
    Das Äußern an sich hat sich nicht weiter verändert (der „Habitus“ (vgl. Bourdieu) geht nicht abzuschütteln).

    Es hat enormen Spaß gemacht, zu reflektieren und zu diskutieren. Ohne diesen Thread hätte ich das nicht gemacht.
    Und ohne die Möglichkeit, den Beitrag auf Christians Blog hätte zu veröffentlichen, hätte ich den auch nicht geschrieben.

    So ich muss mal wieder…
    lieben Gruß
    phoby

    Noch was: Es macht unheimlich viel Spaß über Sozialphobie zu twittern😉

  28. @phoby > naja eher an der Art und Weise zu denken…
    Mir wird bewusst, wie intelligent ich bin😉

    bingooo🙂

  29. ricci sagt:

    hey phoby

    erstmal danke für deine offenheit, finde mich in deinen erklärungen und beschreibungen absolut wieder. tut gut zu sehen, dass es noch andere gibt, die das gleiche fühlen wie ich.

    du hast in deinem beitrag von nem make-up geschrieben das gut abdeckt. darf ich dich fragen welches das war? bin schon seit ewigkeiten auf der suche und teste mich durch alles durch, hab aber noch nicht das wahre gefunden.

    ganz liebe grüße und mach weiter so!!

  30. phoby sagt:

    Hallo ricci,

    danke für deinen Kommentar!

    Bis jetzt haben nur Nichtbetroffene hier gepostet und du bist die erste Betroffene neben mir, die hier postet.
    Das ist super!
    Genau das will ich ja auch erreichen, den Dialog zwischen Betroffenen und Nichtbetroffenen herstellen!

    Ich dachte auch immer, die Probleme die ich habe, hat sonst niemand auf der großen weiten Welt! Und ich habe erfahren, dass das nicht stimmt! Durch meine Selbsthilfegruppe.

    Wegen dem Make up.
    Es ist ein Stift „Camouflage Artdeco“. er ist hellgrün. (Da gibt es nur einen.) Es ist wichtig dass er hellgrün ist, weil es die Komplementärfarbe von rot ist. (Demnach kann man auch Blutergüsse mit gelb abdecken, weil es die Komplementärfarbe von Lila/blau ist. Die Komplementärfarbe „schluckt“ die andere Farbe.)
    Ich habe mir mit diesem Stift immer die Wangen übermalt.

    Ich möchte dir dennoch meine persönliche Erfahrung ans Herz legen:
    Die Angst geht nicht weg durch dieses Vermeidungsverhalten, auch wenn es wie die langersehnte Erlösung erscheint.
    Ich konnte meine Angst vorm Rotwerden damit nicht besiegen, sondern durch dieses Vermeidungsverhalten wird die Angst tendenziell verstärkt, weil dadurch das Gefühl verstärkt wird, dass man gezwungen ist, sich selbst zu verstecken.
    Das richtet sich gegen die eigene Persönlichkeit.

    Die Angst vorm Rotwerden war bei mir irgendwann von selbst weg, ich weiß nicht genau wie, wann und wodurch sie wegging.
    Mein Aufmerksamkeits-Fokus hat sich verschoben.
    Ich glaube es hängt damit zusammen, dass ich versuche, mehr auf mich selbst zu hören, mir selbst mehr Glauben zu schenken und in der Interaktion mit Anderen dann so ein Feedback erhalte:

    Es ist OK, wenn du dich als Person mit deinen persönlichen Beweggründen einbringst.

    Es ist auch OK, dass du nicht perfekt bist, dafür mögen wir dich umso mehr!
    Weil wir selbst dann das Gefühl haben, wir sind auch OK, wenn wir nicht perfekt sind.

    Der Inhalt, den du einbringst, ist es Wert, dass du den Mund aufmachst und deine Person unterstreicht diesen Inhalt in ihrer Wirkung.

    Du hast etwas wichtiges zu sagen, und das tust du. Dafür bekommst du unsere Anerkennung.

    Ich tausche mich aus mit Menschen, die ähnliche Interessen haben wie ich.

    Wenn ich heute vor Leuten spreche, bekomme ich immer noch Angst, mich zu versprechen und alles zu vergessen, was ich sagen wollte und negativ bewertet zu werden.
    Aber das geht ja auch bald noch weg!🙂
    Weil ich heute weiß:

    „Angst ist Manipulation, EGAL WER dir Angst macht.“
    und
    „Es ist gut, wenn ich weiß, was ich will.“

  31. Tacid sagt:

    Hi,
    ich muss einfach mal sagen, dass ich es unheimlich cool finde ausgerechnet in diesem Blog über dieses Thema zu lesen! Zähle mich selbst zu den von sozialer Phobie betroffenen und hätte es nie für möglich gehalten, dass das Thema tatsächlich einmal außerhalb der unauffälligen „Community“ der Betroffenen ein Thema sein könnte. Umso überraschender, jetzt genau in diesem Blog, der ja nun wirklich überwiegend eher das „normale“ Leben repräsentiert (bin selbst auf den Blog durch einen extrem gut gehaltenen Konferenzbeitrag von Herrn Spannagel zum Thema E-Learning hierauf aufmerksam geworden), auf einen Teil seiner Persönlichkeit zu stoßen, den man bisher als für die Öffentlichkeit uninteressanten Bereich gehalten hat.
    Mal schauen wer sich hier noch so „outet“🙂

    viele Grüße

    Tacid

  32. phoby sagt:

    Hallo Tacid,

    sehr sehr gut!
    Das ist ein erfolgreicher Tag für mich!
    Meine SP-PR über Twitter und das Forum scheint zu wirken!

    Du bist jetzt schon der zweite Betroffene, der in diesem Kommentar-Stang kommentiert.
    Gestern noch habe ich darauf gewartet:
    Wann melden sich endlich Sozialphobiker in der Öffentlichkeit zu Wort?
    Web 2.0 scheint dabei genau wie für uns gemacht!
    Wir können uns bekennen und dabei unsere Anonymität wahren!
    Ich bin davon begeistert!

    Es ist für uns Betroffene alle wichtig, dass SP zum öffentlichen Thema wird.
    Ich freue mich, dass ich einen Beitrag dazu leisten kann und hoffe, dass es weiter in diese Richtung geht.

    phoby

  33. […] Kürzlich veröffentlichte ich einen anonymen  Gastbeitrag bei Christian Spannagel […]

  34. Chihuahua sagt:

    Hallo an Alle!

    Ich bin auch eine Betroffene. Meine Geschichte ist eine ganz andere, denn ich war als Kind sehr extrovertiert und hatte keine Ängste im Gegenteil ich war ein Haudrauf. Erst durch die Schulzeit wurde ich so, über 7 Jahre lang wurde ich gemobbt, verprügelt und auch öffentlich gedemütigt, sodass ich mein eigenes Ich aus den Augen verlor.
    Mein Leben war (und ist auch heute noch) geprägt von Ängsten und Selbsthass. Mein Selbstwertgefühl ist im Keller, ich gebe mir für alles die Schuld und habe dadurch einen hohen Leidensdruck.
    Ich packe zwar mein Leben an, habe einen Job (im geschützen Rahmen) und eigentlich alles was man braucht um glücklich zu sein, doch ich bin es nicht. Immer ist eine gewisse traurigkeit zu spüren die auch teilweise die überhand gewinnt. Man kann es sehen wie ein Gedankenkarusell was sie mal langsam und mal so schnell dreht das man nicht mehr weiter weiß.

    Ich kann nicht einfach aus dem Haus gehen und sagen „heute wird ein schöner Tag“ nein das sieht eher so aus „was erwartet mich heute, werde ich wieder in panik geraten? werde ich wieder angestarrt, oder gar angesprochen? Hoffentlich geht alles gut“
    Es gibt Tage (manchmal auch Wochen) da möchte ich garnicht aus dem Haus gehen und muss mich richtig dazu zwingen.

    Normal mit Menschen reden oder auch nur Smalltalk ist undenkbar für mich, immer habe ich Angst mich zu versprechen oder einen Blackout zu bekommen. Von mir aus ein paar Worte wechseln das geht schon recht gut, das beschrenkt sich allerdings aus „Hallo, wie gehts?“ und „Tschüss“. Wenn ich angesprochen werde kann ich auch antworten aber nur unter enormen Druck und Angst.
    Schlimm daran ist ja das man nicht nur Psychische Symtome hat, nein die Körperlichen sind auch meist sehr schlimm.
    Wenn man bei jeglicher Art von kommunikation Herzrasen, Mundtrockenheit bishin zu Schwindel und Übelkeit bekommt ist das nun wirklich kein Spaß!

    Ich habe schon oft gehört das ich mir das alles nur einbilde, aber wie kann das sein das mein Blutdruck im Krankenhaus erhört war und zu Hause nicht einmal wieder?

    Ich maße mir niemals an jemanden zu sagen er bilde sich etwas nur ein, denn jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung und kann nur daraus sprechen.

  35. phoby sagt:

    Hallo Chihuahua,

    da hast du ja einen harten Weg hinter dir, auf dem du dich immer noch befindest.
    Sei dir sicher, dafür hast du mein Mitgefühl.
    Vielen Dank für deinen Mut, dich hier so offen zu bekennen.

    Ich wünschte, ich könnte dir eine Unterstützung bieten, in welcher Form auch immer.
    Es ist wichtig, dass du weißt, dass du nicht alleine bist.
    Dieses Ausmaß an Sprechangst, wie du es beschreibst ist wirklich bedrückend.
    Es sollte eine Möglichkeit geben, dass du daran arbeiten kannst.
    Denn ich lese heraus, dass du dich noch nicht augegeben hast.

    Ich weiß noch nicht genau, wie ich dir helfen kann.
    Ich weiß nur, es sollte mehr Möglichkeiten geben für Sozialphobiker, ihre Potentiale entfalten zu können. Und das sollte gesellschaftlich gefördert werden. Ich werde mich in Zukunft dafür einsetzen. Am liebsten wäre ich der Sascha Lobo für Sozialphobiker! Ich hoffe, dass ich irgendwann ein öffentliches Beispiel einer bekennenden Sozialphobikerin bin, um allen Betroffenen Mut zu machen.

  36. phoby sagt:

    Ich kann es einfach nicht lassen: Ich hab jetzt auch noch meinen eigenen Weblog: http://sozialphobikerin.wordpress.com/

  37. […] lesenswert: Im Blog von Christian Spannagel schreibt Phoby einen Gastbeitrag: “Ein Leben mit Sozialphobie“. Sehr interessant ist auch die rege Diskussion in den Kommentaren! Es hat enormen Spaß […]

  38. thomas sagt:

    chapeau für einen mutigen beitrag. ich glaube, du befindest dich auf einem gesünderen weg. ich wünsche dir, dass du ihn weiter beschreitest, selbst mit nackten füßen.

    thomas

  39. thomas sagt:

    … der Pfad, auf dem du gehst, ist zerbrochenes Glas. Zieh dir trotzdem keine Schuhe an, es ist unglaublich, wie stark wir sind. und nach den tränen lade ich dich zum lachen ein.

    liebe grüße von thomas

  40. socialphoby sagt:

    Danke, das rührt mich.

  41. Im Kommentar-Strang bei skippy unter ihren „Über mich :-)“ habe ich wieder einen Anlass zum Schreiben gefunden:

    http://skippyamrhein.wordpress.com/about/#comment-112

    Kleine Kostprobe:
    “Scheinbar sind es gerade die Niederlagen, die uns dazu bringen, unsere Träume zu verfolgen. […] Dieses Thema finde ich auch in meinem Werdegang wieder. Warum also Angst vor Niederlagen haben – wenn sie doch den Nährboden bilden für neue und wichtige Erlebnisse und persönliche Weiterentwicklung? Es ist schade, aus Angst vor Niederlagen es erst gar nicht zu versuchen. Diese Angst ist ein Irrsinn und sie ist Täuschung. Angst verleitet zu scheinbar „sicheren“ Handlungen und erschwert persönliches Wachsen.
    Ich möchte nicht gegen diese Angst kämpfen, weil mir mein Gefühl sagt, dass ihr so nicht beizukommen ist. Ich möchte der Angst sagen:
    Hallo, da bist du ja wieder. Schau dich um, findest du hier etwas, was du gebrauchen könntest? Du kannst solange bleiben, wie du willst, denk aber immer daran, dass ich dir meine Achtsamkeit gegenüberstelle, die dich nicht aus den Augen lässt. „

  42. Maori sagt:

    Erythrophobie ist die groesste Gabe, das groesste Geschenk, was ich in meinem Leben erhalten habe…womit auch immer ich dass verdient habe…es hilt mir dabei ICH zu werden….es ist ein, bei mir, nun schon ueber 10 Jahre andauerndes Leiden…mit einem Kampf gegen das Erröten, in dem ich mich viel in die Arbeit und das Studium gestuertzt habe, ….gefolgt von halbem Burnout und damit einhergehenden Depressionen…ich bin muede vom Kampf!!!
    Seit ich nicht mehr Kämpfe wird es besser, „ES“ ist ein Teil von mir und darf sein und bleiben so lange es moechte….ICH finde mich halt noch😉

    momentaner Lieblingssong: „Wenn du wirklich willst“ —Onkelz

    ist denn hier eigentlich noch was los? hoffe es meldet sich mal jmd…wuerd mal gerne jmd mein neues Social Phobia – Tattoo zeigen…ich bekenne mich, egal was der Rest der Welt von mir haelt!

    Hab im Netz nach dem genauen Wortlaut der Indianischen Weishaut ..aehm Weisheit (na in meinem Fall wohl eher Rothaut😉 ) gesucht und bin dann gluecklicher Weise direkt hier auf diesen Hammer sympathischen Bericht von dir gestossen, phoby

    lg und immer den kopf hoch und atmen

  43. cspannagel sagt:

    @Maori Hier ist die Diskussion vermutlich mehr oder weniger abgeschlossen. Phoby hat aber ein eigenes Weblog aufgemacht – nimm dort doch mal Kontakt zu ihr auf!

  44. Hallo maori,

    ich hab mich eigentlich schon aus dem Netz verkrümelt gehabt…
    und kann nochmal auf dieses Netzwerk verweisen, wo du Gleichgesinnte, Austausch und lokale Gruppen usw. finden kannst

    http://www.sozphobie.de/forum/index.php

    Vielen Dank für deine lieben Wünsche – dir auch alles Gute
    phoby

  45. Maori sagt:

    Hallo, ich nochmal…thx fuer die Hilfe, hab mich mal umgesehen und auch angemeldet, super Seiten!!!

    Es laesst mir aber immer noch keine Ruhe hier nochmal was zu posten! Egal wer dass liest, oder ob ueberhaupt…es brennt mir einfach auf der Seele und muss raus!

    @phoby : „Ich muss dazu sagen, dass ich ein Mensch bin, der seinen persönlichen Wert generell stark über Leistungen definiert.“

    kann ich gut verstehen…war ich auch immer!

    Ich kann sagen, dass ich mit 31 Jahren, so gut aussehe, da traeumen die meisten nur von,sportlich bin, schon an sovielen Stellen auf dieser Erde war, wo die meisten der Menschen niemals hinspucken werden. Dass ich auf der Karriere- und Bildungsleiter so weit oben war…wo 90% aller Menschen niemals hinkommen werden, ein fuer meine Verhaeltnisse prall gefuelltes Bankkonto habe, so dass niemand auch nur jemals daran glauben wuerde ich haette Probleme mit mir oder im Leben!

    ….aber …..Das Alles war die Angst! …davor nicht gemocht zu werden, falsche Erziehung, das nahe bringen persoenlich falscher Werte im Leben! Der Mensch strebt nur nach einem und das ist „Liebe“. Er tut alles aus Liebe….und hat Angst davor nicht geliebt zu werden!

    Angst ist das Superbenzin fuer Erfolg…aber macht Erfolg gluecklich…ich kann fuer mich sagen, ganz klar NEIN! Ich habe ordnungsgemaess alle Werte der westlichen Welt verkoerpert, wie man es immer von mir verlangt hat und habe mich selber dadurch verloren, weil ich es nicht besser wusste!

    Ich moechte hier nur davor warnen, sich erst zu lieben oder ueberhaupt anzuerkennen, wenn….das, oder das oder dann, und und und………..Nein, hier und jetzt, koennen wir uns annehmen und uns lieben, auch mit knallrotem Kopf an der Supermarktkasse unterm Neonroehrenlicht, in der S-Bahn, ohne Job, ohne Geld, ohne Freunde etc…ich koennte die Liste unendlich weiterfuehren…
    Die Werte der westlichen Gesellschaft, standen definitiv ueber meinen eigenen Gefuehlen, meinem eigenen Verlangen, meinen eigenen Wuenschen und Traeumen…mein eigener Wille war gebrochen…jetzt bin ich langsam dabei, wieder eine eigene Meinung zu haben, ICH zu sein.

    Das Problem: Selbstliebe! „Liebe ist nicht kaeuflich, nein, nicht einmal Liebe fuer dich selbst!“ wie mein Freund Samy in seinem Lied „Ego“ so schoen singt…

    Ich dachte immer ich muss sonstwo hin, mir muss sonstwer irgendwie helfen, ich hab sonst was fuerne Krankheit, welche Theraphie solls denn sein???
    Alles quatsch!!!
    Ich kann nur sagen, findet euch selbst wieder, viele haben sich einfach nur selber verloren…alles was ihr sucht, ist in euch…hoert Musik, bohrt in euren Wunden, lasst Traenen raus, lasst Emotionen wieder freien lauf…wie wart ihr als Kinder…unbelastet!!! unversaut!!! hoert Robert Betz seine Hoerbuecher…stellt euch nackt vor den Spiegel und sagt mit einem laecheln im Gesicht, dass ihr euch lieb habt….jedesmal wenn ihr nen Spiegel seht….
    fuer mich gibt es schwarze, weisse, gelbe Menschen und Ich bin halt manchmal rot (Punkt)…liebt eure groessten Schwaechen! Ich weiss, es ist schwierig, wenn man ein halbes Leben dagegen an gekaempft hat und es nun lieben soll…wenn es bei mir passierte, und es ist mehrmals taeglich bis hin zum chronischen Verhalten der Fall gewesen…lasst es zu…spuert es…in meinem Fall, wie die waerme aufsteigt…nehmt es an!….loslassen…wie mit allen Sachen im Leben….angefangen bei den eigenen Problemen bis hin zu Partnerschaften etc…hoert auf den Dingen euren Willen aufzuzwingen…und ihr werdet gluecklich sein.

    Das ist mein Weg! jeder ist bereits auf seinem eigenen Weg…und geht ihn weiter…in diesem Sinne. Ihr seit einzigartig in diesem Universum und das ist auch gut so. Liebt euch und ihr werdet sehen…

    So, was wollte ich nun eigentlich genau sagen….naja, scheiss drauf ;-)…ach ja, dass es gefaehrlich ist wenn man seinen persoenlichen Wert ueber Leistung definiert…typisches Burnoutverhalten

    so vielleicht kann das ja jemals irgendwem helfen und wenn nicht….mir hats auf jedenfall geholfen😀 und ich bin nicht irgendwer, sondern die Hauptperson meines Lebens

    lg

  46. […] Absolut lesenswert: Im Blog von Christian Spannagel schreibt Phoby einen Gastbeitrag: “Ein Leben mit Sozialphobie“. Sehr interessant ist auch die rege Diskussion in den […]

  47. Baldur sagt:

    Guten Tag,

    ich litt auch unter Sozialphobie und habe diese nach meiner Einschätzung größtenteils überwunden. Ich habe meine ganze Jugend über keine Drogen genommen. Selbst bis heute ab dem 18 Lebensjahr nur weiche Drogen (wobei Alkohol wahrscheinlich die gefährlichste Droge von allen ist). Schaut euch die Videos von Dr. phil. Christian Rätsch auf youtube an. Ist sehr unterhaltsam und informativ.
    Als ich das Erste Mal Marihuana geraucht habe hat mir das überhaupt nichts gebracht. Es hat weder Euphorie noch irgendwelche negativen Gedanken ausgelöst. Das Einzigste was ich verspürt habe war ein gewaltiger Druck auf der Brust, der mich dazu verleitete mich auf die Couch und danach ins Bett zu legen. Dort bin ich dann traumlos eingeschlafen. Ich hatte erwartet irgendwie erleuchtet oder euphorisch zu werden jedoch konnte ich ganz normal denken und der Effekt war eher körperlich obwohl es eine Sativa Sorte war genauer gesagt „Super Lemon Haze“. Vielleicht hat der Käskopp im Coffeeshop auch zur falschen Plastikdose gegriffen.. Vielleicht habe ich mir auch einfach so viel reingezogen, dass es mich umgehauen hat was ich allerdings nicht glaube. Halluzinationen hatte ich jedenfalls keine.
    Wie sind eure Erfahrungen mit Weed falls ihr welche zum Besten geben wollt?
    Meine Theorie ist nun, dass Menschen die dazu neigen extrovertiert zu sein eher Marihuana brauchen um glücklich zu werden weil ich viele Kollegen habe, die dadurch total freundlich/fröhlich werden. Menschen die zu Schüchternheit neigen und auch mit sich selbst zufrieden sind und nicht immer soziale Kontakte brauchen könnte da eventuell etwas anderes hilfreich sein, um ihr Bewusstsein zu erweitern / Spaß zu haben was auch immer…
    Ich habe jetzt vor kurzem etwas mehr über halluzinogene Pilze gelesen. Hauptsächlich Erfahrungen von Konsumenten die in Internetforen veröffentlicht wurden. Ich habe auch nach Psilocybin (dem Wirkstoff in den Pilzen) im Zusammenhang mit sozialer Phobie gegoogelt. Jedoch praktisch nichts gefunden.
    Habt ihr Erfahrungen mit Psilocybin? Seid ihr in dem Kontext eher zurückhaltende, ausgeglichene oder eher der kommunkative ausgeflippte Typ?
    Oder findet ihr das einfach total bekloppt?😀

  48. Liebe phoby,

    Es freut mich zu hören, dass alles so weit in Ordnung bei dir ist. Sei dir aber dessen bewusst:

    Deine Angst, Fehler zu machen, musst du ergründen um langanhaltenden Frieden mit dir zu haben. Denn daraus hat sich schlussendlich auch deine soziale Phobie entwickelt. Solange du nicht weisst, was der Auslöser für diese Versagensangst ist, wird sie früher oder später einmal zurückkehren. Suche die Wurzel des Übels, reisse sie aber nicht heraus. Akzeptiere sie als einen wunderschönen Teil von dir selbst und du wirst ewigen Frieden mit dir und der Welt haben.

    Ganz liebe Grüsse,

    Hoffnungs Schimmer

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