Literatursuche in Mosambik

Veröffentlicht: Montag, Oktober 3, 2011 in Maputo, Uncategorized
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Eine Veranstaltung im Rahmen meines Workshops zum wissenschaftlichen Arbeiten in Mosambik hat sich rund um das Thema „Literatursuche“ gedreht. Wie man sich vorstellen kann, ist es in Mosambik erheblich schwieriger an Literatur zu kommen als anderswo auf der Welt. Die Bibliotheken sind nicht sonderlich gut ausgestattet, und ansonsten ist die Infrastruktur, um an Literatur zu kommen, auch nicht so toll. Hieran sieht man, dass das Internet eine ungeheure Bedeutung für Länder wie Mosambik hat, und dass ein wichtiges Bildungs- und Wirtschaftsziel in diesen Ländern sein muss, die Internet-Infrastruktur auszubauen.

Mit den Studierenden im Workshop haben wir folgende Strategien besprochen, wie man herausbekommt, welche Literatur relevant für das jeweilige Forschungsprojekt ist, und wie man sich diese beschaffen kann. Wie immer in Mosambik ist hier eines gefragt: Pragmatismus.

  • Ask an expert! Die einfachste und schnellste Methode, an Hinweise für grundlegende Literatur in einem Gebiet zu kommen, ist diejenige, einen Experten zu fragen. Expertengehirne sind ungeheuer wertvolle Anzapf-Ressourcen. Wir haben den Studierenden deutlich gemacht, dass sie sich nicht zu scheuen brauchen, einem Experten eine E-Mail zu schreiben. In der Regel fühlen sich Experten nicht belästigt, sondern eher geschmeichelt, und geben gerne Auskunft, wenn man freundlich fragt. Und wenn man in die E-Mail schreibt, dass man ein Student aus Mosambik ist, für den es schwierig ist, an Literatur zu kommen… vielleicht schickt einem der ein oder andere Autor dann auch gleich einen Artikel in digitaler Form zurück.
  • Bibliothek: Okay, logo. In die Bibliothek gehen, Register durchsuchen, in Schränken stöbern. Wer eine Arbeit zu einem bestimmten Thema schreibt, der muss das Bücherregal in der Bibliothek zu diesem Thema in- und auswendig kennen.
  • In Online-Datenbanken suchen: Eine der besten Datenbanken für Literatur im erziehungswissenschaftlichen Bereich ist ERIC. Dort kann man nämlich seine Suche einschränken auf Artikel zu einer bestimmten Schulstufe oder auf Journals, die für bestimmte Leserschaften geschrieben sind (Wissenschaftler(innen), Lehrer(innen), …). Darüber hinaus bekommt man eine Rangliste, welcher Autor zu welchem Thema am meisten veröffentlicht hat (zumindest die Suchergebnisse betreffend), und man bekommt über den Thesaurus auch Hinweise auf weitere nützliche Suchbegriffe. Darüber sind manchmal auch die Artikel als Full Text zu haben – oft allerdings gegen Gebühren. Zumindest beim Suchen ist ERIC aber auch jeden Fall hilfreich. Als weitere Suchmaschine habe ich Google Scholar empfohlen. Hier wird direkt rechts neben dem Suchergebnis angezeigt, wenn dieses als PDF-Datei online steht. Ganz oben wird derjenige Artikel angezeigt, der am meisten in anderen Artikeln zitiert wurde – oft handelt es sich dabei also um wichtige oder zentrale Artikel zu einem Suchbegriff. Darüber hinaus bekommt man wertvolle Hinweise auf weitere Artikel, wenn man auf den „Zitiert von..“-Link unter dem Suchergebnis klickt. Als dritte wertvolle Internetquelle schließlich habe ich Google Books empfohlen. Man kann zu Googles Vorhaben, alle Bücher der Welt zu scannen, stehen wie man will – für die Studierenden hier ist es oft die einzige Möglichkeit, einen Blick in ein Buch zu werfen. Und vielleicht hat man dort ja gerade Einblick in das Kapitel, das für die eigene Arbeit relevant ist.
  • Literaturverzeichnisse: Hat man einmal einen Artikel gefunden und gelesen, finden sich im Literaturverzeichnis dieses Artikels viele weitere Hinweise auf Publikationen, die ihrerseits wiederum Literaturverzeichnisse mit Hinweisen haben usw. Die Anzahl der Literaturhinweise wächst hierdurch exponentiell. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Studierenden verstanden haben, was ich in diesem Zusammenhang mit „snowball system“ meinte…🙂.

Tja, und wonach sollte man Ausschau halten?

  • Standardbücher zu einem Thema. Ganz wichtig. Die sollte man kennen.
  • Review-Artikel. Die sind hilfreich, wenn man sich Arbeit sparen möchte: Review-Artikel fassen die Ergebnisse von zahlreichen Studien in einem Bereich zusammen. Man muss also mitunter nicht all diese Studien lesen, sondern nur den Review-Artikel und vielleicht einige ausgewählte Studien, die in diesem Artikel beschrieben werden.
  • Die neueste Literatur. Man muss den aktuellen Stand der Forschung kennen. Das bedeutet, man muss sich um aktuelle Literatur bemühen. Selbstverständlich darf man auch einmal ein ganz besonders wichtiges und zentrales Buch von 1950 einbringen, aber keinesfalls nur oder überwiegend. In diesem Kontext ist es auch hilfreich, sich einfach mal die letzten zehn Bände eines relevanten Journals in der Bibliothek herauszunehmen und diese nach interessanten Artikels zu screenen.
  • Literatur in Portugiesisch UND Englisch: Es ist überall auf der Welt gleich. Studierende vermeiden englischsprachige Literatur. (Okay, nicht überall auf der Welt: in England, in den USA und in Australien zum Beispiel nicht.) Dabei ist es so wichtig, auch englischsprachige Publikationen zu lesen. Ich habe den Studierenden gesagt: „Hey, you are LUCKY guys! You don’t have to write in English. You only have to read it. That means: Nobody knows how long it took you to read an article, and nobody gives you a grade in reading English. You can take your time, and I promise you: you will get used to it.”

Neulich hat mich übrigens wieder Rüdiger besucht (die kleine Eidechse, die ich auch zu Beginn meines Besuchs in meiner Unterkunft gesehen habe und die ihren Namen Herrn Larbig verdankt). Jetzt weiß ich auch, wie sie da reinkommt: durch die Ritze an der Decke. Durch diese Ritze scheinen vermutlich auch die überaus riesigen Spinnen zu kommen…

[Update: Mittlerweile bin ich zu Hause, konnte diesen Artikel uploaden und muss keine riesigen Spinnen mehr fürchten.]

Kommentare
  1. Oliver Tacke sagt:

    Ich würde noch http://www.doaj.org/ ergänzen wollen, ein Verzeichnis von Open-Access-Zeitschriften.

  2. cspannagel sagt:

    @Oliver Danke für den Tipp! Das Verzeichnis kannte ich noch gar nicht!

  3. nici_rav sagt:

    super interessant, sollte man sich immer wieder bewusst machen, wenn man in den überfüllten regalen deutscher Bibliotheken steht !
    Habe mich für eine Projektarbeit auch gerade mit Literatursuche im Studium beschäftigt und dazu Recherchequellen über social bookmaring zusammengestellt. Nicht alles international, aber z.B. eine Liste weltweiter University libraries (http://bit.ly/qjJSpy) und vielleicht noch mehr unbekannte, hilfreiche Links dabei🙂

  4. Ulf Ehlers sagt:

    Super! Die tipps werde ich gleich an meine Gruppe in Kamerun weotergeben. Hast Du Deinen Beitrag dort in engl. Gehalten?

  5. cspannagel sagt:

    @nici_rav Danke für die Linkliste! Ich hab sie gleich mal hier aufgenommen:
    http://tinyurl.com/yjjtqre

    @Ulf Ja, ich hab ihn auf Englisch gehalten. Du bist gerade in Kamerun? Was machst du da? Ich hab auch meine Folien mal online gestellt: http://www.slideshare.net/cspannagel – darfst du gerne verwenden.

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