Vorlesungsvideos on demand

Veröffentlicht: Donnerstag, Oktober 20, 2011 in Vorlesungsaufzeichnung

Es ist schon irgendwie auch ein komisches Gefühl, wenn man im Büro sitzt und man sich plötzlich auf dem Gang selbst reden hört. Kurz um die Ecke geschielt, und man sieht, wie Studierende sich die Vorlesungsvideos ansehen – auf dem Handy. Das hatte ich bislang noch gar nicht so richtig im Blick gehabt. Bei der Produktion von Vorlesungsvideos stellt man sich eher vor, dass die Studierende sich diese zu Hause am Rechner oder am Laptop ansehen. Richtig genial wird’s aber natürlich, wenn man die Videos on demand sieht, beispielsweise dann, wenn man Übungsaufgaben löst und man schnell nochmal in eine Vorlesung reinschauen möchte: Handy auf den Tisch, Youtube aufgerufen, Video gestartet… so muss das laufen!

Verblüfft hat mich dabei (obwohl mir natürlich klar ist, dass man das so machen kann), dass Studierende das mittlerweile schon intuitiv und selbstverständlich tun. Ein ähnliches Gefühl hatte ich vor ein paar Jahren, als Studierende den Notenaushang am schwarzen Brett mit ihrem Handy abfotografiert haben. „Klar!“, denkt man sich, „so ist’s praktisch und einfach…“. Einen vergleichbaren Effekt hatte ich, als ich von meinem Kollegen Michael Gieding hörte, dass er bei Übungsaufgaben im Hörsaal herumläuft, bestimmte Ergebnisse mit seinem Handy abfotografiert und dann per Beamer an die Wand wirft. „Logisch“, denkt man, „warum ist man selbst noch nicht darauf gekommen, das zu machen…“. Jetzt hab ich’s gestern mit den Zeichnungen der Mathematiker gemacht. Früher hab ich die Zettel eingesammelt, zu Hause durchgesehen, gescannt und beim nächsten Mal gezeigt. Da war aber dann eine Woche dazwischen. Heute geht’s direkt.

Ich glaube, wir können das Potenzial, das in der Tatsache steckt, dass wir alle ganz einfach Videos und Bilder produzieren und publizieren können, noch nicht wirklich ausmalen… zumindest erweitert sich mein subjektiv wahrgenommener Handlungsspielraum immer weiter, und ich bin noch weit davon entfernt, auf diese Möglichkeiten intuitiv und selbstverständlich zuzugreifen.

Kommentare
  1. …diese Jugend…

    Die intensive Nutzung des Smartphones anstatt von Laptops überrascht mich in letzter Zeit auch immer wieder: wofür einen USB-Stick mit den Verteidigungsfolien, wenn man das Handy ohnehin dabei hat (hoffentlich ruft Mutti dann nicht zu früh an, wie es war). Oder in der Übung: „Habt Ihr kein Aufgabenblatt?“ – „Doch, auf dem Smartphone“ (sehr löblich, Papier sparen).

    Mir gefällt einerseits die Erleichterung für die Studenten, auf Informationen zuzugreifen, aber auch für die Lehrenden, die sich nicht um Skriptveröffentlichungen, Kopierservice etc kümmern müssen und auch das Onlinestellen von Skripten nicht mehr den Puffer zum Abrufen und Drucken zu berücksichtigen braucht.

    Es erfordert nun aber eine andere Disziplin von den Studenten, das überhaupt machen und nicht erst in der Woche vor den Prüfungen…

  2. Lisa Rosa sagt:

    Super! So muss das laufen. Re-Entry vor Ort in den laufenden Lernprozess. Das gefällt mir.

  3. […] Das ist der Satz, der mir in diesem Artikel von Christian Spannagel am besten gefallen hat: “Ich glaube, wir können das Potenzial, das in der Tatsache steckt, dass wir alle ganz einfach Videos und Bilder produzieren und publizieren können, noch nicht wirklich ausmalen.” Genau, wir hatten das Thema vor einigen Tagen auch auf der Agenda, als wir im Rahmen eines Unternehmens-Workshops überlegten, was Trainer heute alles mit der Medien-Power tun können, die ihnen und ihren Teilnehmern zur Verfügung steht. Und was man tun müsste, um dieses Potenzial zu wecken. Denn hier wird es natürlich doch noch anspruchsvoll: eine Infrastruktur hilft sicherlich, etwas Medienkompetenz der Beteiligten, eine Atmosphäre, die Experimente und Engagement zulässt und honoriert sowie schließlich Best Practices, wie dieser Blogpost. Christian Spannagel, cspannagel, dunkelmunkel & friends, 20. Oktober 2011  […]

  4. Name Auchnicht sagt:

    „Notenaushang“.. oh ja! Ich lass dann ja immer tesseract drüberrastern und verknüpf das mit der Teilnehmerliste; macht man das häufig genug, wird die Zuordnung erstaunlich genau. DO NOT LIKE!

    Aber ja, es ist schön zu sehen, dass die nicht mehr ganz so neuen Medien im Alltag ankommen. Leider sind viele Dozenten noch nicht so weit und bewerfen einen immer noch mit viel totem Holz – fuer mich der Grund statt nem neuen Duplexprinter nen Duplexscanner zu kaufen.

  5. […] Spannagel beschreibt in seinem Blogeintrag Video on demand wie er von den Einsatzmöglichkeiten seiner eigenen Vorlesungsaufzeichungen überrascht […]

  6. […] Spannagel beschreibt aktuell, was Digital Natives wirklich ausmacht. Von wegen, j Shareflattr my point of view, tech | code_n, mobile, netzkultur HannoverJS #2 […]

  7. […] Spannagel beschreibt in seinem Blogeintrag Video on demand wie er von den Einsatzmöglichkeiten seiner eigenen Vorlesungsaufzeichungen überrascht […]

  8. Bei meiner nächsten Psychologie-Prüfung werde ich auch auf die Vorlesungen zurückgreifen können, ohne jemals da gewesen zu sein. Das schöne dabei ist sogar, dass die Vorlesungen direkt als mp4 gespeichert wurden, so dass ich keine Mühe habe Sie auf iPhone oder iPad zu packen. Freue mich über solch eine individuelle Lernmöglichkeit;-)
    Finde es toll wenn Lehrende an sowas gedacht haben!

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