Hörsaalspiele

Veröffentlicht: Sonntag, Januar 13, 2013 in Hochschuldidaktik

In den letzten Wochen treffe ich immer wieder auf die Themen „Lernspiele“, „game-based learning“ und „gamification“ – dank verschiedenster Zufälle und Ereignisse. Eines davon ist eine Anfrage von Kristina Lucius auf einen Eintrag in meiner Wiki-Seite zu meinen Forschungsideen (Game-based learning im Hörsaal). Ja, und seitdem haben Kristina und ich begonnen, Gedanken und Ideen zum Thema „Hörsaalspiele“ zu spinnen. (Kristina macht dies sehr ausführlich in ihrem extra dazu angelegten Blog Gedankenspiele, den ich jedem Interessierten wärmstens empfehlen möchte – open science in Reinform!).

Dank flipped classroom habe ich 90 Minuten Zeit für Interaktion im Hörsaal – und damit auch für Spiele. Letzte Woche hab ich mal ein Spiel ausprobiert. Total simpel, erst mal einfach so: Ich hab den Hörsaal in zwei Hälften geteilt (linke Gruppe / rechte Gruppe). Thema: Primfaktorzerlegung. Ich nenne eine Zahl und schreibe sie an die Tafel (z.B. 825). Aufgabe für die Gruppen ist es nun, die korrekte Primfaktorzerlegung der Zahl zu nennen (im Beispiel wäre das 3*5*5*11). Die Gruppe derjenigen Person, die zuerst das richtige Ergebnis ruft, bekommt einen Punkt. Die Gruppe mit den meisten Punkten gewinnt. Taschenrechner und elektronische Geräte dürfen nicht verwendet werden.

Simpler geht’s nicht, und macht trotz (oder wegen?) der Einfachheit Spaß. Durchaus knackig wurde es dann bei Zahlen wie 2479, deren Primfaktorzerlegung relativ schwierig zu ermitteln ist (37*67). Da war es schon mal ein paar Minuten absolut still im Hörsaal, bis einer sich getraut hat, ein Ergebnis zu rufen. Oder witzig war auch, einmal eine Primfaktorzerlegung einer Zahl wie 127 zu erfragen (127 ist eine Primzahl, die Primfaktorzerlegung ist somit 127).

Insgesamt wurde dabei einerseits das Ermitteln der Primfaktorzerlegung geübt (dies wurde zuvor in Videos erläutert). Darüber hinaus wurde deutlich, dass es sich dabei um kein einfaches Problem handelt – und das was dann eine prima Gelegenheit, das RSA-Verfahren zur Verschlüsselung kurz anzureißen, dessen Sicherheit auf der Schwierigkeit beruht, sehr große Zahlen in ihre Primfaktoren zu zerlegen.

Mit Kristina hab ich im Vorfeld erörtert, ob es denn problematisch ist, eine Hälfte der Teilnehmer(innen) als „Verlierer“ nach Hause zu schicken, und wie man das verhindern könnte. Eine Idee war: Die Verlierer werden auch irgendwie belohnt, z.B. durch die Tatsache, dass sie sich Aufgaben für die Gewinner für ein Spiel in der nächsten Woche ausdenken dürfen. Dazu kam es letztlich nicht, was ich aber auch (gefühlt) für nicht so schlimm halte. (Studierende dürfen und sollen hier gerne Ihren Eindruck schildern!)

Nach einer Schulpraktikumsstunde am Tag drauf, in der Tafelfußball gespielt wurde, habe ich mich gefragt, weshalb ich nicht selbst auf die Idee gekommen bin, das genau so zu machen… das Ganze hätte auch als Tafelfußball-Spiel umgesetzt werden können, und schon hätten wir in der Fachveranstaltung auch ein Beispiel für ein typisches Spiel im Schulunterricht gehabt. (Eine Erklärung des Spiels gibt es unter sachunterricht-petersen.de).

Also, hier gibt es noch viel zu entdecken… insgesamt erscheint es mir sehr lohnenswert, über Hörsaal-Spiele nachzudenken, und ich bin gespannt, was Kristina alles herausfindet. Viel zu geben scheint es dazu nicht, oder es ist schwer zu finden… hat jemand von euch Tipps?

Kommentare
  1. eni sagt:

    Hmm. Ich komme aus dem sozialpädagogischen Studium und da spielen wir recht oft, je nach Seminarthema. In den Vorlesungen eher nicht, aber kam auch schon vor. Ohne Spiel könnte ich mir das Studium gar nicht vorstellen🙂

    Zum einen zur Auflockerung der Gruppe an sich, zum anderen natürlich um gruppenpädagogische Praktiken auszuprobieren und zu analysieren. Ich selber bin eher introvertiert und immer ganz froh wenn es nicht die ganze Gruppe sein muss. Erfahrungsgemäss sind immer welche dabei die jeden Quatsch freudig mitmachen während andere (ich!) lieber beobachten. Grundsätzlich wird das aber immer gerne angenommen und die anschliessende Diskussion zeigt auch dass durch Vermittlung im Spiel vieles besser hängenbleibt als bei einer reinen Theoriestunde. Das merkt man besonders gut bei Spielen die einen „Aha!“-Effekt auslösen, wenn der Dozent anschliessend erklärt warum man das eigentlich machen sollte🙂

    Aber höhere Mathematik im Spiel? Hmmm. Zum reinen Begriff „Hörsaalspiele“ wird es wohl nicht allzu viel geben. Da kann man besser in klassische und neue Gruppenspiele schauen und überlegen wie man diese thematisch abwandelt. In der Richtung sollte es jede Menge geben. Auch gezielt für junge Erwachsene im Bildungskontext. Mathematikspiele für Kinder im Unterricht gibt es sehr viele, aber höhere Mathematik lässt sich vermutlich nicht so leicht umsetzen, da eher abstrakt? Eventuell lohnt sich aber mal ein Blick auf Portale die freie Materialien dieser Art für Lehrer anbieten. Ich bin nicht aus dem Fachbereich und kann daher nicht einschätzen inwiefern man mathematische Basisspiele auf „Universitätsniveau“ heben könnte. Eventuell wäre das mal ein interessanter „Workshop“ zur Ideenfindung für Lehramtsstudierende im Fach Mathematik.

    Wir hatten kürzlich ein Spiel im Seminar gespielt bei dem eine Gruppe Stundenten mit einem kreuz und quer gewickelten Absperrband „eingesperrt“ wurde. Diese sollten dann in Teamwork wieder heraus kommen wobei einige Regeln zu beachten war (Band nicht berühren, Mitspieler nicht loslassen, ect). Eventuell fällt dir was ein wie man Mathematikstudenten in eine Falle stecken könnte aus der sie nur mit einer mathematischen Lösung herauskommen? Ich habe keine Ahnung😐

    Auf Coursera.org (sehr empfehlenswert, btw!) nehme ich momentan am Kurs ‚Game Theory‘ teil. Dort gibt es zu den Videovorlesungen „Online Lab Exercises“. Kleine Spiele bei denen die Studenten spieltheoretische Konzepte auf sehr simple Art (z.B. Matching Pennies) miteinander „erspielen“ und sich dann darüber austauschen. Ich weiß nicht ob ähnliches dort in den mathematischen Kursen auch angeboten wird. Vielleicht magst du mal schauen. Ist kostenlos und sehr qualitativ gemacht.

    Bezüglich der „Verlierer“ würde ich noch anmerken dass das nicht so schlimm ist. Einfach regelmässig die Gruppen durchwürfeln und dann kommt jeder mal dran. Man könnte umgekehrt auch feste Teams für ein komplettes Semester aufstellen welche dann in kurzen aber regelmässigen Spielen/Quizzen/Aufgaben Punkte sammeln und zum Semesterende pädagogisch wertvoll ausgezeichnet werden🙂

    ~eni

  2. @Christian: Danke für den Link zum Tafelfußball – das ist eine schöne Seite für Spiele zum Stundenbeginn! Ideen aus der Praxis eben.
    Hast Du das Spiel ebenfalls an den Beginn der Vorlesung gestellt oder zu einem anderen Zeitpunkt eingesetzt? Offensichtlich hat es (Dir/den Studenten/allen?) Spaß gemacht und das halte ich für ein wichtiges Ziel. Möglicherweise fällt dann das Verlieren doch leichter als ich dachte.
    Weißt Du noch (ungefähr), wie viel Zeit Ihr für das Spiel gebraucht habt? Mich interessiert auch, wie Du die Übergänge gestaltet hast. Einfach abgegrenzt und gesagt: „Jetzt machen wir mit dem Stoff weiter“ oder „unmerklich“ durch das Spiel in das Vorlesungsthema eingestiegen bzw. daran weiter gearbeitet?
    Wie viele Studenten waren in der Vorlesung anwesend? Haben alle mitgespielt und woran konntest Du das evtl. erkennen? Hatten sie den gleichen Spaß am Spiel wie Du? Auch hier die Frage, wie man das schnell und zuverlässig erkennen könnte? Waren „Spielverderber“ dabei? Welche Gründe gab es wohl für die Studenten, sich am Spiel zu beteiligen? …
    Ich freue mich sehr, dass Du ein Spiel im Hörsaal ausprobiert und hier darüber berichtet hast. Vielen Dank dafür!

  3. @Christian: Lee Sheldon hat zur Gamifizierung von Lehrveranstaltungen ein Buch geschrieben: http://www.amazon.com/The-Multiplayer-Classroom-Coursework-ebook/dp/B005FMSVP4. Ein Beispiel gibts auch online: http://gamingtheclassroom.wordpress.com/syllabus/. Allerdings steht nicht die Gamifizierung einer einzelnen Lektion im Vordergrund, sondern die Gamifizierung einer ganzen Lehrveranstaltung.

  4. @eni: Auf die Idee, ‚mal bei den Sozialpädagogen zu suchen, hätte ich auch selber kommen können. Bin ich aber bisher nicht und deshalb danke ich Dir gastweise sowohl für den Kommentar als auch für den Link.
    Du schreibst, dass es eher selten war, dass Ihr auch in der Vorlesung gespielt habt. Kannst Du Dich noch daran erinnern, welche Spiele dabei eingesetzt wurden? Wie groß war etwa die Teilnehmerzahl an diesen Veranstaltungen? Zu welchen Themen habt Ihr gespielt, eher allgemein oder auf das (welches?) Fach bezogen?

  5. m.g. sagt:

    Bei soviel Infantilität schüttelt es mich. Wer glaubt denn eigentlich wirklich daran, dass Spiele etwas bringen außer einer leicht zu durchschauenden Anbiederung der Lehrperson an die Lernenden. Nicht dass ich in der Schule nicht auch Spiele eingesetzt hätte. Aber was wirklich bei rum kommt außer ein wenig Auflockerung ist nicht viel. Erwachsenen Tafelfußball (allein der Begriff ist schon peinlich genug) vorzuschlagen wäre mir peinlich.

    Ganz nebenbei: Tafelfußball firmiert unter der oben angegeben Seite unter Stundeneinstieg. wenn man sich wirklich die Stunde kaputt machen will, kann man ja sowas machen. Man muss sich nach einem solchen Einstieg nicht wundern, wenn konzentrierte Arbeit in der Stunde kaum noch möglich ist.

    Fällt uns denn wirklich nicht mehr ein zur Hochschuldidaktik als das Kopieren von Grundschulideen?

  6. @m.g.: Woher weißt Du, welche Effekte Spiele im Hörsaal haben? Kennst Du Untersuchungen dazu? Warum denkst Du, dass Spiele eine Stunde – oder den Einstieg dazu – kaputt machen können? Warum sollen sich Dozenten nicht der Tätigkeit von Studenten annähern, um sie für ihr Fach zu nutzen? Sie scheinen doch sowieso in der Vorlesung u. a. zu spielen: http://www.youtube.com/watch?v=yC1A1UiV3BY&feature=related. Warum dürfen Ideen nicht kopiert werden?

  7. m.g. sagt:

    @Kristina Lucius: Der Dozentin, um die es in dem Video geht, werden auch Spiele nicht helfen. Der Dozent, der sein Handwerk versteht, braucht keine Spiele. Alles weitere sind meine Erfahrungen.

  8. cspannagel sagt:

    @Eni Danke für deinen ausführlichen Kommentar und die Hinweise auf die Spiele im Sozialpädagogik-Studium. Wir wollen natürlich (so wie du es auch beschreibst) Spiele spielen, die nicht Gruppenprozessen o.ä. dienen, sondern die zum Mathematiklernen passen. Das ist eine interessante Herausforderung, und ich finde zunächst mal den „Anfangsgedanken“ gut, das weiter zu verfolgen. Insofern wäre es aber mit Sicherheit eine lohnenswerte Angelegenheit, auch mal diejenigen Spiele anzusehen, die ihr gespielt habt, und zu überlegen, inwieweit sich die dortigen Mechanismen übertragen lassen. Hast du dazu ein paar Links?

    @Kristina Ich habe das Spiel in der Mitte eingesetzt und habe anschließend ein wenig geplaudert über den RSA-Algorithmus und über Verschlüsselung und Sicherheit. Insofern war der Übergang fließend, weil ich inhaltlich an die Schwierigkeiten im Spiel angeknüpft habe und die fachlich weiter gesponnen habe. Es gab keinen „methodischen Bruch“. Es waren ca. 60-70 Studierende da, und Spielstörer oder Spielverderber gab es nicht. Inwieweit alle Spaß hatten, kann ich natürlich nicht sagen – ich hab aber den Link hier an die Studierenden weiter gegeben in der Hoffnung, dass jemand kommentiert. Eine empirische Untersuchung können/sollten wir mal andenken, aber noch nicht jetzt in der „Experimentierphase“…

    @Nando Danke für den erneuten Hinweis auf das Buch – jetzt hab ichs mir bestellt.🙂

    @m.g. Was genau ist an spielen infantil? Selbst wenn kurze Spiele zu nichts anderem als Auflockerung und Motivation dienen – why not? Sind Auflockerung und Motivation was schlechtes? Ich finde nicht… und wenn dann anschließend mit mehr Motivation weitergearbeitet wird und alles mehr Spaß macht, als wenn man rein ernsthaft an die Sache rangeht: warum nicht? Bei diesem Spiel kam übrigens auch inhaltlich was rum, glaube ich zumindest: Ich hab nämlich die Erfahrung gemacht (wie du auch), dass die Studierenden „Kopfrechnen“ oder „schriftlich rechnen“ (also eigentlich: „ohne Taschenrechner rechnen“) zu wenig beherrschen und zu wenig üben… und solche Spiele sind eine prima Gelegenheit, dies mal zu machen und ein Signal zu setzen. Außerdem – wie gesagt – war das ein prima Aufhänger, um die Schwierigkeiten bei der Primfaktorzerlegung „zu erleben“ – wer versucht denn schon tatsächlich, schwierigere PFZs mal tatsächlich durchzuführen? Und: In diesem Kontext habe ich niemanden „gezwungen“ das zu tun, sondern es spielerisch verpackt.

  9. cspannagel sagt:

    @m.g. „Der Dozent, der sein Handwerk versteht, braucht keine Spiele.“ – Es geht nicht darum, Spiele „zu brauchen“. Die Aussage ist genau so seltsam wie „Der Dozent, der sein Handwerk versteht, braucht keine Motivationsstrategien.“ … wobei Motivationsstragien durchaus zum verstandenen Handwerk zählen können…

  10. @m.g. Über unsere verschiedenen Erfahrungen bin ich sehr verwundert. Wen oder was stellst Du in den Mittelpunkt Deiner Lehrveranstaltung? Meinst Du nicht, dass es sich auch für erfahrene Dozenten lohnt, über das eigene Methodenrepertoire nachzudenken und es ggf. zu erweitern?

  11. Sperling sagt:

    Analog zum opco12 (http://opco12.de/21-april-1-mai-2012-game-based-learning/) finde ich Spiele als Vertiefung des Lernstoffes hilfreich.

    Es ist aber sicherlich darauf zu achten, dass die Spiele für möglichst alle geeignet sind und somit nicht Unruhe oder Frust hervorgerufen wird.
    Haben denn alle Studenten mitgemacht beim Kopfrechenspiel?

    Bezüglich der „Verliererolle“ bin ich der Meinung, dass ein Erwachsener damit umgehen kann.

  12. ST sagt:

    In meinen Vorlesungen setze ich auch an einzelnen Stellen „Spiele“ ein, um bestimmte Aspekte anschaulich zu machen. Wie immer kommt es auf den sinnvollen, methodisch geplanten Einsatz an. Wenn man spielerische Elemente verwendet, nur um die Studierenden bei Laune zu halten, dannn bringt es nichts. Jedoch gibt es immer wieder Inhalte, Probleme, Fragestellungen, die sich wunderbar anhand eines Spiels veranschauchlichen lassen. Wer schon mal „The Beer Game“ gespielt hat, wird den bullwhip effect und dessen Auswirkung nie mehr vergessen.
    Unter http://tastycupcakes.org/ findet man ein paar Spiele.

  13. snufkin sagt:

    Soll es nur um eine stärkere Aktivierung der Studierenden in der Vorlesung gehen, oder um „echtes“ game-based _learning_, bei dem im Spiel neue Inhalte erforscht/erlernt werden?
    Hier ist eine ganz interessante Sammlung von Blogartikeln: http://www.edutopia.org/blogs/beat/game-based-learning
    Falls es nur um „Aktivierung“ gehen soll:
    Learningapps.org bietet vier Quizformate für 2 bis 4 Spieler (Gruppen) an. Dazu benötigt allerdings jede Gruppe ein internetfähiges Gerät. Auch nett sind anpassbare Formate im Stil von „Der große Preis“. Falsch oder nicht gelöste Fragen geben wir dabei an die nächste Gruppe weiter, so dass stets alle Gruppen Lösungen ausdiskutieren – man könnte ja dran kommen…
    Mit Scribblar.com erhalten ziemliche viele Mitspieler die Möglichkeit, ihre Lösungen auf einem (vorbereiteten) Online-Whiteboard einzutragen. Man könnte sogar etwas mit einer Prezi im Mehr-Editoren-Modus veranstalten…

    Um von Februar bis Anfang März Kopfrechnen zu üben, kann man den Studierenden einmal http://www.worldmathsday.com vorstellen, solange sie nicht den Ehrgeiz entwickeln, dort Preise abholen zu wollen, denn eigentlich ist es nur für Schulen. Lehrer dürfen aber auch teilnehmen.

    Und – ich hasse Tafelfussball und Eckenrechnen! Schon immer und aus allen Perspektiven. Der Druck auf die ganz Schlechten und die ganz Guten ist enorm ( und m. E. höchst unpädagogisch).

  14. Menolly sagt:

    Ein kleiner Erfahrungseindruck des beschrieben Hörsaalspiels. In der bisherigen Diskussion gab es ja bereits reichlich positives, aber auch negatives Feedback. Ich persönlich finde, dass ein Spiel wie vergangene Woche durchaus hilfreich sein kann. Immerhin studieren wir ja an der PH Lehramt und selbst wenn das Spiel nur 3/4 des Hörsaals Spaß gemacht hat, zeigt es doch, dass Mathematik Spaß machen kann. Man muss nicht immer alles mit purem „Aufgaben ausrechnen“ um es sich einzuprägen. Natürlich gab es bestimmt einige Studentinnen und Studenten, die abgeschreckt waren, weil die Lösungen teilweise sehr schnell kamen. Doch grundsätzlich konnte jeder konnte mitmachen und einfach mal probieren. Hierzu der Vorschlag einer Kommilitonin: „Es wäre besser gewesen, vorher ein bisschen üben zu können. Immerhin haben alle ganz unterschiedlich viel Übung im Rechnen ohne Taschenrechner. Der Hinweis ‚wer Zeit findet kann sich zu Hause intensiv mit der PFZ beschäftigen, nächste Woche werden wir aktiv damit rechnen‘, wäre einfach prima gewesen. So hätten nicht nur die Blitzrechner eine Chance gehabt.“. Gerade den letzten Punkt hat eine (andere) Studentin geholt, die normalerweise eher unsicher und zurückhaltend ist. Zitat: „Ich hatte da einfach mit kleinen Zahlen rumprobiert und als das nicht geklappt hat, hab ich mit größeren Primzahlen weiter gemacht… Auf einmal hatte ich das Ergebnis und das sogar beim entschiedenen Punkt!“ Es war richtig schön zu sehen, wie sehr sie sich darüber gefreut hat und dass Mathematik den anfangs beschrieben Spaß machen kann.
    Natürlich kam auch die Frage auf: „Und was bekommen die Gewinner?“ Aber im Endeffekt war der reine Sieg schon Belohnung genug.

    Ich kann und möchte natürlich nicht für alle sprechen: Aber vielen, mit denen ich mit unterhalten habe, hat es wirklich Spaß gemacht und durch die „Action“ im Spiel wird die PFZ bei vielen um einiges länger im Gedächtnis bleiben als durch bloßes Abschreiben der Inhalte.

  15. Oliver Tacke sagt:

    Speziell für einen Hörsaal kenne ich nichts, was dort konkret als Spiel gekennzeichnet wäre und habe in den von mir besuchten Vorlesungen auch nichts kennengelernt, was mir im Gedächtnis geblieben ist. Du könntest ein Audience-Response-System wie ARSnova, Socrative, EduVote oder Pingo benutzen, um so etwas wie „Wer wird Millionär“ umzusetzen – bloß mit dem gesamten Plenum als Spieler statt einem einzelnen. Ginge auch ähnlich mit dem „Großen Preis“. Das frisst aber viel Zeit und du solltest prüfen, ob das wirklich sinnvoll in deine Veranstaltungen eingebaut werden kann. Zur Sicherung von Inhalten, hier vielleicht als Semesterabschluss mit Wiederholungsgedanke zum ganzen Semester denkbar.

    Ich kann dir am Freitag Bücher in die Hand drücken, in denen zahlreiche Spiele für kleinere Gruppen vorgestellt werden. Darunter werden vielleicht einige sein, die sich auch für größere Gruppen anpassen lassen UND nicht bloß Auflockerung sind. Je nachdem, ob du bloß fachliche Dinge vermitteln möchtest oder mehr, wirst du mehr oder weniger Brauchbares finden.

    Gamifizierte Veranstaltungen kenne ich eher außerhalb von Vorlesungen bzw. dem Hörsaal. Ich selbst etwa habe vier Semester lang ein Planspiel angeboten (die Beschreibung dauert…).
    Im Studium mussten wir in einem Software-Entwicklungs-Praktikum gruppenweise das Brettspiel Risiko implementieren – mit vielen Extras wie individuelle Karten uuund einer Schnittstelle für individuelle Computerspieler. Jede Gruppe durfte Strategien austüfteln, für die Abschlussveranstaltung einen Computerspieler einreichen, die sich dann auf zuvor unbekannten Karten beharken mussten. Das war toll.

    An der TU Braunschweig läuft gerade eine mit dem Web „gamifizierte“ Vorlesung, da weiß ich aber nicht, wie gut das funktioniert: http://gameducation.posterous.com

  16. m.g. sagt:

    Hätte mir ein Dozent in einer Lehrveranstaltung ein derartiges Grundschulspiel vorgeschlagen, hätte ich ihn gefragt, ob er mich verarschen will, wäre aufgestanden und gegangen.

  17. Oliver Tacke sagt:

    Die einen gehen deshalb, die anderen, weil es ihnen zu dröge ist, wieder andere, weil draußen die Sonne scheint. Also?

  18. @cspannagel Vielleicht geht es doch darum, Spiele zu „brauchen“, z. B. als indirekte Lernzielkontrolle. Der Dozent merkt dann sofort, ob seine Lehre/sein Vortrag von den Zuhörern verstanden wurde. Oder als Möglichkeit der aktiven Wiederholung des Themas, um die neuen Informationen zu behalten. Das funktioniert natürlich auch mit anderen Mitteln und Methoden – diese ließen sich damit erweitern. Als Angebot für alle, die solch‘ ein Zugang mehr anspricht als herkömmliche Wiederholungen, oder?
    Man könnte sogar diejenigen Zuhörer einbeziehen, die weniger gern spielen, z. B. als Beobachter, Ergebnisaufschreiber, Schiedsrichter oder das Spiel als „Lernen“ verpacken. Das ist kein Widerspruch, wenn man ihre Einstellung respektieren will.
    Schließlich können auch die Nicht-Spieler noch durch Zuschauen lernen.
    PS: Schöne Diskussion hier – mit vielen verschiedenen Meinungen zum Nachdenken.

  19. A propos Tafelfußball: Hier gibts eine Learningapp, mit der man unkompliziert Tafelfußball spielen kann: http://learningapps.org/161522

  20. cspannagel sagt:

    An alle: Vielen Dank für die vielen Links und Hinweise! Da ist vieles Interessantes dabei!

    @Kristina Es könnte unter anderem darum gehen, auch die Funktionen von Spielen zu beschreiben. Es „zu brauchen“, um Feedback über den aktuellen Stand zu erhalten, ist eine mögliche Funktion… und ich halte es auch nicht für verwerflich, Spiele „einfach mal so“ zur Auflockerung/zum Spaß/… einzusetzen… ohne inhaltlichen Grund…

    @Sperling Ja, soweit ich das beurteilen kann, haben alle mitgemacht.

    @otacke Zum Response System: Mit dem Gedanken hab ich auch schon gespielt. Letztes Mal hab ich letsfeedback.net eingesetzt (separater Blogartikel folgt). Aber wir sehen uns ja morgen und können noch ein bisschen drüber quatschen!🙂🙂

  21. Oliver Tacke sagt:

    Du SPIELST also mit Gedanken. Wollte das mal so hinschreiben zu diesem Beitrag.

  22. @cspannagel Nachdem Du hier so eine gute Diskussion in Gang gesetzt hast, klingt es hoffentlich nicht undankbar: Ich fände es sogar sehr verwerflich, Spiele „ohne inhaltlichen Grund“ in der Vorlesung einzusetzen. Wer eine Lehrveranstaltung leitet, muss ja sehr genau wissen, wo die Lehr- und Lern-Ziele liegen und vor allem, wie und mit welchen Mitteln man die Zuhörer dorthin führen kann. Insofern übernehmen Spiele tatsächlich Funktionen und haben immer einen inhaltlichen Grund, z. B. „den Stoff“ mit Spaß zu lernen.

  23. cspannagel sagt:

    @Kristina Weshalb sollte ich nicht mal ein Spiel einsetzen zur Auflockerung, zur Motivation, zum Spaß, ohne inhaltlichen Grund? 90 Minuten sind eine lange Zeit… Spiele ohne Grund einzusetzen fände ich verwerflich. Aber ich finde, der Grund muss nicht unbedingt inhaltlich sein; er kann auch motivational sein z.B.

  24. cspannagel sagt:

    … oder ein Spiel, um Konzentration und Aufmerksamkeit herzustellen?

  25. Jetzt hängt es wohl an den Definitionen. Natürlich ist z. B. Motivation ein Grund. Ein sehr guter sogar, wie ich meine. Der Bezug zum Inhalt des Faches darf im Spiel aber nicht verloren gehen.
    Das lässt sich gut miteinander verbinden, nur trennen würde ich es nicht.

  26. Johannes sagt:

    Ich setze bei meinen Übungen auch gerne Spiele ein. Aber bei Spielen ähnlich zu deinem Primfaktorzerlegung-Spiel, bei denen es um Schnelligkeit geht, habe ich ein wichtiges Problem entdeckt: Oft gibt es einen in der Gruppe, der deutlich schneller als alle anderen sind, sodass die anderen Studenten erst gar nicht die Motivation haben, überhaupt nachzudenken, weil sie wissen, der eine ist eh immer schneller.
    Ich finde, Spiele funktionieren am besten, wenn bestimmte Personen gewisse Rollen haben, sodass sich niemand verstecken kann – und jeder kommt mal dran! Beispielsweise ein Rollenspiel, in dem jeder Student ein Rechner in einem verteilten Datenbanksystem spielt und dann mit den anderen kommunizieren muss.
    Ein anderes Spiel: Ich lese einen Text vor und die Studenten, bei denen wieder jeder für ein bestimmtes Konzept verantwortlich ist, hören zu und schreien stopp, wenn der Text gegen ihr Konzept widerspricht.
    Zusammengefasst: Ich finde Spiele in Vorlesungen und Übungen super gut, allerdings bevorzuge ich Kooperationsspiele und keine Wettbewerbsspiele.

  27. cspannagel sagt:

    @Johannes Danke für deinen Kommentar! Evtl. machts auch mal wieder die Mischung (manchmal Wettbewerb, manchmal Kooperation). Hast du Tipps für Literatur?

  28. […] Kurze, knackige Überlegungen bietet der Blog von Kristina Lucius. […]

  29. […] Auseinandersetzung mit dem Konzept stieß ich auch auf das Konzept der Hörsaalspiele (siehe hier und hier) […]

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