Etherpads für Gruppenarbeitsphasen

Veröffentlicht: Montag, März 27, 2017 in FlippedClassroom
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Fazit: Etherpads sind ein unglaublich nützliches Werkzeug für die Strukturierung von Gruppenarbeiten in einem Seminar. Man spart damit Zeit für bei den Phasenwechseln – und gewonnene Zeit kann wiederum für inhaltliche Aktivitäten verwendet werden.

Nach Gruppenarbeitsphasen in Lehrveranstaltungen entsteht immer wieder die Schwierigkeit, die Gruppenergebnisse im Plenum effizient zu besprechen. Dabei kann viel Zeit verloren gehen, etwa wenn eine Gruppe ihre Ergebnisse an die Tafel schreibt oder wenn USB-Sticks zum Dozentenrechner getragen werden, um ein digitales Ergebnis zu präsentieren. Außerdem bekommen die Teilnehmer*innen oftmals nicht alle Gruppenergebnisse zu sehen, sondern nur einige wenige – für die Präsentation aller Ergebnisse ist kaum Zeit.

Neben der Möglichkeit, Digitalfotos zu erstellen, sind Etherpads ein tolles Werkzeug, um Gruppenarbeitsphasen effektiver zu gestalten, insbesondere dann, wenn die Gruppenergebnisse Texte oder Textfragmente sind, und wenn die Gruppen unterschiedliche Inhalte bearbeiten und am Ende der Arbeitsphase alles zusammengetragen werden soll.

Beispiel: In meinem Informatikdidaktikseminar sollen sich Gruppen von je 3 Studierenden in einer der ersten Veranstaltungen jeweils ein Informatikkonzept (Algorithmus, Daten, Information, System, …) auswählen und anhand von vier Kriterien (Horizonal-, Vertikal-, Zeit- und Sinnkriterium) begründen, warum es sich dabei um ein zentrales Konzept der Informatik handelt. Hierfür richte ich ein Etherpad (beispielsweise ein ZUMPad) ein, in dem ich die Arbeitsergebnisse der Gruppen schon einmal strukturell vorbereite:

Im Seminar geben ich den Gruppen dann den Link und bitte alle, in der Arbeitszeit (10-15 Minuten) ihre Ergebnisse in das Etherpad einzutragen. Zeitlich synchron können dann alle das Dokument bearbeiten, und jeder sieht in Echtzeit, wie sich das Dokument füllt. Dieses Vorgehen hat die folgenden Vorteile:

  • Unkomplizierte Einrichtung: Ein Etherpad ist schnell angelegt, schnell vorstrukturiert, und die Studierenden können es sofort und ohne Anmeldung bearbeiten.
  • Live-Monitoring: Ich kann vom Dozentenrechner aus sehen, wie weit die jeweiligen Gruppen sind. Wenn ich merke, dass eine Gruppe stark hinterher hinkt, kann ich zu ihr hingehen und mit ihr über ihre Schwierigkeiten sprechen. Alternativ kann ich auch direkt ins Dokument kleine Hinweise und kurzes Feedback hineinschreiben, ohne extra zu der Gruppe zu gehen. So bekomme ich als Dozent viel mehr von den einzelnen Gruppen mit, als wenn ich herumlaufe, und ich kann gezielt und intensiver mit einzelnen Gruppen sprechen, ohne dabei den Gesamtüberblick zu verlieren.
  • Präzision des Arbeitsauftrags: Wer kennt nicht die Situation, dass einem nach fünf Minuten Gruppenarbeit einfällt, dass man noch etwas vergessen hat zu sagen. Die schlechte Variante ist dann laut zu rufen „Hört bitte alle nochmal her, ich hab noch vergessen was zu sagen!“ Damit reißt man alle aus ihren Diskussionen heraus. Wenn man ein Etherpad verwendet, dann kann man die Zusatzinformation in den Textbereich der ersten Gruppe hineinschreiben und dann per Copy & Paste bei allen anderen Gruppen ebenfalls eintragen. Die Gruppen sehen die Zusatzinformation dann an ihrer Stelle des Dokuments.
  • Austausch zwischen Gruppen: Bereits während der Gruppenarbeitsphase können die Studierenden auch bereits die Zwischenstände der anderen Gruppen sehen und sich daran orientieren. Sie können auch bei den anderen Gruppen kommentieren und korrigieren. Dies kann man auch systematisieren, in dem man zwei Phasen der Gruppenarbeit einführt: In der ersten Phase arbeiten alle an ihren Ergebnissen. In der zweiten Phase bittet man die Gruppen, sich alle Ergebnisse der anderen Gruppen anzusehen und ggf. zu kommentieren.
  • Präsentation im Plenum: Nach der Gruppenarbeit ist es leicht, diskussionswürde Ergebnisse herauszugreifen und zu besprechen. Dazu wirft man einfach das Etherpad per Beamer an die Wand. Als Dozent hatte man während der Gruppenarbeitsphase schon genügend Zeit, sich präsentations- und diskussionswürde Ergebnisse herauszusuchen. Und wenn man das Zwei-Phasen-Modell durchgeführt hat, ist es auch gar nicht mehr notwendig, alle Ergebnisse zu besprechen, sondern nur besonders gute oder solche mit typischen Fehlern. Insgesamt spart man so jede Menge Zeit bei den Phasenwechseln – wertvolle Zeit für die intensive Diskussion von Ergebnissen oder für weitere inhaltliche Aktivitäten.

Etherpads haben den Vorteil, dass sie relativ schnell angelegt werden können und keiner der beteiligten Personen einen Account braucht. Nachteilhaft ist, dass die Etherpads vom Anbieter nicht ewig bereit gestellt werden. Man muss damit rechnen, dass das Etherpad in einem halben Jahr nicht mehr existiert. Der Anbietet Titanpad schließt jetzt beispielsweise auch ganz seine Pforten. Das ist aber für das oben beschriebene Szenario unerheblich, da es sich sowieso nur um eine zeitlich befristete Aktivität handeln. Nach der Veranstaltung kann man das Etherpad zum Beispiel als PDF-Datei exportieren und so für alle Teilnehmer*innen sichern.

Frage: Auf welche Weise habt ihr Etherpads in Lehrveranstaltungen eingesetzt? Lasst uns mal Einsatzmöglichkeiten sammeln!

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Kommentare
  1. Martin Laidig (und Band) sagt:

    Noch setze ich die Technik nicht ein, nehme aber die Anregung gerne auf. Ich halte bei uns (Heidelberger Druck) regelmäßig Schulungen zu Sharepoint Online. Da ergeben sich vergleichbare Situationen. Vielleicht kann ich in zwei Wochen Anfängererfahrungen berichten. Auch wenn die dann nicht auf Etherpad sondern auf Office365 basieren. Aber der Grundsatz „Ein Dokument – viele gleichzeitige User“ ist der gleiche.

  2. Hallo Christian, ich verwende Padlets. Bei den Etherpads hat es sich bei mir immer häufiger ergeben, dass SchülerInnen die Ergebnisse der anderen verändert oder (aus Versehen) gelöscht haben. Das ist bei Padlet weniger möglich, dafür kann man dann auch besser die Übersicht behalten. Darüber hinaus haben viel gewartet, bis einer was schrieb und die eigenen Ergebnisse davon abhängig gemacht. Bei padlet kann ich moderieren und Beiträge erst freischalten.
    Mir gefällt es besser, wenn die Schüler/Studenten Ihre Arbeit auf ein Blatt machen und das Ergebnis dann abfotografieren und hochladen. Das Kommentieren ist mir das (digital) wichtigere, daher Ergebnis selbst analog. Wobei es wahrscheinlich spannender ist, einem Prozess beizuwohnen? Muss auch nochmal überlegen, ob das etherpad nicht besser ist… Empfehlung: ZUMPad, die geben so schnell nicht auf 🙂
    Liebe Grüße Sebastian

  3. karlkirst sagt:

    Das ZUMpad (https://zumpad.zum.de) soll noch besser werden (mehr sinnvolle Funktionalitäten erhalten). Das ist das Ziel der ZUM (zum.de). – Gut Ding will Weile haben, aber vielleicht gibt es im Herbst dann einige gute Nachrichten 😉

  4. Stefan Weber sagt:

    Einige (unstrukturierte) Gedanken hierzu:

    Das Etherpad ist für Vorlesungsmitschriften ein Traum, ich habe vor einiger Zeit selbst als Studierender auch hierzu und zu weiteren didaktischen Möglichkeiten eine Micro-Teaching Einheit inklusive schriftlicher Ausarbeitung verfasst, bei Interesse kann ich dir diese gerne zukommen lassen.

    Als Plugin lässt sich das Etherpad übrigens auch in LMS wie beispielsweise Moodle oder Stud.IP einbinden, die genauen Plugin-Namen weiß ich gerade nicht, die Suchmaschine der Wahl hilft hierbei sicher weiter.

    Oft wird für kollaboratives Arbeiten auch Google Docs verwendet, welches ähnlich arbeitet, aber eben den Nachteil hat, dass man einen Google Account braucht – ich rate daher auch weiterhin immer zu Etherpads, da sie sehr niedrigschwellig sind und keinerlei Registrierung benötigen.

    Vielen Menschen ist auch nicht klar, dass der zufallsgenerierte Link des Pads, z.B.
    http://www.Link-zum-Etherpad.com/apeigtapig (fiktiver Link), konkret die randomisierte Komponente „apeigtapig“ am Ende des Links auch manuell ausgetauscht werden kann durch etwas anderes, z.B. http://www.Link-zum-Etherpad.com/Der-Name-Meines-Seminars-der-aber-nicht-einfach-zu-erraten-sein-sollte
    Hierbei ist zu beachten, dass Etherpads immer öffentlich sind. Falls jemand auf die Idee kommen sollte, unter http://www.Link-zum-Etherpad.com/Notenliste die Noten der Studierenden hochzuladen – dieser Link ist besonders leicht zu erraten und sollte daher nicht verwendet werden. Abgesehen davon sollten in einem Etherpad sowieso NIEMALS sensible Daten stehen, da sie öffentlich sind.

    Hier eine Liste mit weiteren Etherpads:
    https://github.com/ether/etherpad-lite/wiki/Sites-that-run-Etherpad-Lite

    Gute Übersichten zum Thema Etherpad / Kollaboratives Arbeiten:
    http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/kollaborativ/index.html
    http://pb21.de/2010/11/kollaboratives-schreiben-i-uberblick/
    http://pb21.de/2010/11/kollaboratives-schreiben-ii-etherpad/

  5. Zwecks Hereingabe oder Verdeutlichung des Gruppenarbeitsauftrages habe ich häufiger notes.typo3.org genutzt. Nutzbar ist das Ganze natürlich auch als Feedback-Instrument, was ich hin und wieder genutzt habe, was aber in meinen Augen ein Padlet (padlet.com) auch gut tut (wie ein Vorredner ja schon treffend bemerkte). In letzter Zeit ist leider bei notes.typo3.org der Server häufiger abgeschmiert, was mich dazu veranlasst hat, mir Alternativen zu suchen. Denn die tolle Gruppenarbeit von bspw. 30 Min. ist bei einem externen Server dann einfach weg. Zunächst suchte ich alternative Etherpads (von denen es ja tatsächlich wie Sand am Meer gibt), aber nutze nun tatsächlich eher freigegebene Google Docs, auf die Schüler ja via Link auch locker zugreifen können. Da sind dann auch Tabellen möglich. Mehr brauche ich im Moment nicht. Padlets werde ich vermutlich nur für Feedback weiternutzen. Arbeitsergebnisse aus den Google Docs dann auf meiner Platte ablegen. Ich bin ein Freund von „meine Daten gehören zu mir“!

  6. Jochen Weißenrieder sagt:

    Fragen der Selbstlernphase gebündelt zu sammeln und auszudifferenzieren war unser Einsatzszenario von Etherpads. Studierende erhielten eine Lese=Schreib-Aufgabe für zu hause. Fragen, die zum Thema aufkamen (naja – die Studierenden mussten jeweils 3 Fragen stellen), wurden in einem Etherpad gesammelt und sortiert. Einerseits hatten wir als Dozierende somit einen schnellen Überblick zur Vorbereitung. Andererseits wurden die Fragen dadurch auch präziser, weil die Studierenden oftmals Unterfragen zu größeren Fragen stellen konnten.

  7. Marcus Speh sagt:

    Ich verwende mittlerweile statt Etherpad die Anwendung OneNote und zwar in Verbindung mit einem Grafiktablett. Da kann ich Diskussionen moderieren und verfolgen ohne mich zur Tafel wenden zu müssen (oder zur Flipchart), Fotos und Audio einbinden (bzw. sogar im Notizbuch aufnehmen). Trotzdem umsonst und teilbar (auch mit Editier-Zugang). Gibts als Klienten oder Online – ich verwende beides. Etherpad ist immer noch cool, wenn man z.B. anonym Präsentationen kommentieren lassen möchte, so verwende ich es vor allem.

  8. gophi sagt:

    Hat dies auf gophis mobile Rund-Reise rebloggt und kommentierte:
    Christian Spannagel bloggt über seine Erfahrungen im Umgang mit Etherpads als Strukturierungswerkzeug in der Lehre und welche weiteren Vorteile damit einhergehen können.

    Lesenswert!! (deswegen teile ich ihn ja auch ;))

  9. zumlicht sagt:

    Hat dies auf drewesbloggt rebloggt.

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