Archiv für die Kategorie ‘Bildung’

Eine Woche nach dem Festival

Veröffentlicht: Samstag, Juli 2, 2011 in Bildung
Schlagwörter:

Folgende Sicht auf Lehren und Lernen ist mir sympathisch (Anm.: Manche bezeichnen diese als „konstruktivistisch“; mir gefällt die Bezeichnung nicht. Ist jetzt aber auch nicht so wichtig.): Als Lehrender bereitet man eine Lernumgebung vor, in der die Lernenden sich bestimmte Dinge (Inhalte, Methoden, …) selbst erarbeiten und aneignen. Der Lehrende begleitet diesen Erarbeitungprozess, unterstützt die Lernenden und gibt Feedback. Sowohl das Vorbereiten einer Lernumgebung als auch die Unterstützung während des Lernens sind wichtig: Hierdurch wird den Lernenden eine grobe Richtung vorgegeben, in die sie laufen sollen, und sie werden auf den richtigen Weg zurück gebracht, falls sie sich einmal verlaufen haben. Doch was ist eigentlich eine solche „Lernumgebung“? Hierzu zählen gut gewählte Aufgaben, anregende Fragen, Materialien zur Hilfe, „Tipps und Tricks“, Texte zur Anleitung oder Vorträge zur Einführung. Als Lehrender leitet man also, schubst in die richtige Richtung, hilft, wenn jemand hingefallen ist. Laufen müssen die Lernenden aber selbst. Das ist natürlich anstrengend.

Nehmen wir mal das Beispiel Mathematik: Ein wesentliches Ziel ist, dass die Studierenden lernen „Mathematik zu treiben“. Mathematik treiben lernt man nur, indem man Mathematik treibt. Also, beweisen lernt man, indem man selbst Beweise durchführt. Selbstverständlich steht man dabei zunächst auf dem Schlauch. Es ist also nicht schlecht, wenn der Lehrende erst einmal vorführt, wie man so etwas macht, und dann anschließend die Lernenden unterstützt, wenn sie es selbst machen (Cognitive Apprenticeship nennt man das). Auch diese Vorführung zähle ich zur vorbereiteten Lernumgebung (andere würden das vielleicht nicht dazu zählen; aber andere machen Dinge oft anders).

Wir sind heute in einer tollen Situation: Wir haben die digitale Medienwelt zur Verfügung, in der wir solche Lernumgebungen (zumindest zum Teil, blended-learning-mäßig) digital bereit stellen können. Also, Erläuterungen und Demonstrationen können sich Studierende auch vor einer Vorlesung anschauen, wenn diese aufgezeichnet und ins Netz gestellt wurden. Das können sie dann prima alleine machen, und zwar wann sie wollen und wie oft sie wollen. Die Vorlesungszeit selbst, also die Zeit, in der alle zusammenkommen, kann man dann prima nutzen, um die Studierenden „laufen“ zu lassen, also z.B. gemeinsam Probleme lösen zu lassen und dabei zu unterstützen. Das kann man dann z.B. umgedrehten Unterricht nennen. Muss man aber nicht.

Nehmen wir einmal einen anderen Bereich her. Einen bildungswissenschaftlichen. Thema: Kompetenzen und Bildung. Genauer: Medienkompetenz und Medienbildung. In diesem Bereich kann man sich viele Fragen stellen: Welche Kompetenzen sollen in der Schule / in der Ausbildung / in der Hochschule / … erworben werden? Welche Kompetenzen zählen zur Allgemeinbildung, welche nicht? Wie sollte man sie formulieren? Wie kann man sie erwerben? Wie kann man Lernende beim Erwerb unterstützen? Welche Kompetenzen müssen Lehrende haben? Auf viele dieser Fragen gibt es keine eindeutigen Antworten, sondern man muss Argumente finden, Entscheidungen treffen, Position beziehen. Natürlich könnte man den Lernenden fertige Argumente und Entscheidungen vorsetzen. Wenn man aber möchte, dass sie in diesem Kontext selbst Argumente finden, selbst Entscheidungen treffen, selbst Position beziehen, dann muss man sie laufen lassen – dabei aber natürlich unterstützen! (Das haben wir oben ja schon festgestellt.)

Genau dies habe ich in meiner opco11-Session letzte Woche versucht: Ich wollte keine fertigen Lösungen präsentieren, sondern die Teilnehmer ihre eigenen Lösungen und Positionen finden lassen. Als grundlegende Methode habe ich die „virtuelle Gruppenarbeit“ gewählt, in Etherpads, zu verschiedenen Themen. Die Teilnehmer hatten die Wahl, mit welchem Thema sie sich befassen wollen („wahrgenommene Autonomie“; an dieser Stelle grüße ich Deci und Ryan). Ich habe hierfür eine Wiki-Lernumgebung bereit gestellt mit einigen Infos in Form von Texten und Podcasts und mit Etherpads zur gemeinsamen Arbeit. Ziel: Die Teilnehmer arbeiten sich in einer asynchronen Vorbereitungsphase durch die Materalien, sammeln Argumente und Positionen, um dann in der synchronen „Vortragszeit“ gemeinsam zu einem Ergebnis zu kommen. Das Ganze war eingebettet in das Bild des Musikfestivals. (Das hatte keine echte inhaltliche Bedeutung, sondern hat einfach nur Spaß gemacht.) Dieser „Selbsterarbeitungs“-Ansatz hat meiner Ansicht auch wunderbar in den opco11-Kontext gepasst, in dem es ja auch um das gemeinsame Lernen in virtuellen Umgebungen geht.

Klar ist in einem solchen Szenario: Wer sich nicht vorbereitet, hat nix davon. Wer fertige, womöglich vorgekaute Häppchen erwartet, wird enttäuscht. Selbstverständlich kann man diese Erwartung haben, aber erfüllt wird sie nicht. Typische Gedanken hierbei sind oft: „Wozu gibt’s den Lehrenden, wenn man alles selbst machen muss?“ 🙂 Hierzu als Entgegnung: Es muss Aufwand und Anstrengung beim Lernenden liegen, denn Lernprozesse sind notwendigerweise mit Aufwand und Anstrengung verbunden. Die Frage ist nur, vor welchem Aufwand und welchen Anstrengungen bewahrt man als Lehrender die Lernenden, und vor welchen Anstrengungen bewahrt man sie gerade nicht, weil damit die intendierten Lernziele verknüpft sind? Darüber hinaus ist ein Trugschluss, dass man als Lehrender in einem solchen Szenario keinen Aufwand hat: Die Vorbereitung der Lernumgebung und die Planung der Lernaktivitäten sind verdammt aufwändig. (Im Beispiel opco11 habe ich mich bestimmt zwei volle Tage mit der Zusammenstellung befasst, wenn man auch das Grübeln auf dem Klo oder unter der Dusche dazuzählt).

Bin ich denn mit dem Ablauf und den Ergebnissen aus opco11 zufrieden? Hier muss ich differenziert Antwort geben:

  • Ich hatte zunächst Bedenken, dass in der Vorbereitungszeit nichts passiert. Schließlich machen die meisten Teilnehmer freiwillig mit, und ohne echten Druck könnte ein solcher Vorbereitungsaufwand eher abschreckend wirken. Daher war ich enorm erfreut, dass das Gegenteil passiert ist: Es wurden zahlreiche Ideen, Links, Positionen, … bereits im Vorfeld eingetragen. Die Aufgaben, die eigentlich für die synchrone Arbeitsphase geplant waren, wurden zum Teil auch schon angegangen. Darüber hinaus wurde eine komplett neue Aufgabenstellung (Konzert 6) von den Teilnehmenden selbst organisiert.
  • Wichtig ist während der asynchronen Vorbereitungsphase, dass man als Organisator präsent ist und Anregungen und Denkimpulse gibt. Das war aufwändig, aber notwändig… äh… notwendig. (siehe oben, Punkt „Unterstützung“)
  • Während der synchronen Arbeitsphase gab es leider technische Schwierigkeiten: Die Leitung in der Einführung war schlecht, der Ton katastrophal, und in der Arbeitsphase kamen nur max. 16 Nutzer in ein Etherpad hinein. Ich kannte diese Beschränkung tatsächlich nicht, insofern war ich überrascht, dass es sie gibt. Während der Arbeitsphase haben wir uns dann spontan entschieden, die Moderatoren der einzelnen Räume nach Adobe Connect einzuladen und die Ergebnisse zusammenfassen zu lassen. Diese Spontanaktion war aber letztlich eine Überrumpelung, die ebenso zu technischen Problemen führte (insbesondere bzgl. Audio).
  • Während der opco-Session ist ein Tool-Wunsch in mir entstanden: Ich hätte gerne Etherpads mit Audiochat. Also: Man geht in ein Etherpad rein, und man ist automatisch in einem Audioraum, in dem alle miteinander sprechen können, die gerade in diesem Etherpad arbeiten. Kann das bitte mal jemand implementieren? 🙂
  • Mit den inhaltlichen Ergebnissen bin ich nur teilweise zufrieden. Ich bin geneigt, es schade zu finden, dass die Teilnehmer auf manches Argument nicht gekommen sind, die vorbereiteten Informationen hier und da nicht umfassend genug ausgewertet haben oder nicht auf „meine“ Position gekommen sind. Das ist letztlich natürlich Quatsch: Hätte ich einen Vortrag gehalten und alles erzählt, dann hätte ich vielleicht den Eindruck gehabt, alles wäre „rübergekommen“, aber das ist ja auch oft ein Trugschluss. Die inhaltliche Bewertung fällt mir somit schwer, insbesondere auch aus folgendem Grund: Eigentlich muss jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer für sich selbst bewerten und entscheiden, ob sie bzw. er zufrieden ist mit der persönlichen „inhaltlichen Ausbeute“ und überlegen, was sie bzw. er gelernt hat. Und das waren zum Teil witzigerweise auch „nebenläufige“ Dinge wie beispielsweise die Diskussion um mein Outfit. Man muss also die Teilnehmer fragen, was sie gelernt haben und ob der Ertrag ihrem persönlichen Einsatz entspricht (hier entlang zu den Reflexionen der Teilnehmer).
  • Eine organisatorische Schwierigkeit: Die Zeit war einfach zu knapp bemessen für die synchrone Arbeitsphase. Das habe ich auch eine Woche später in meinem Seminar „Didaktik der Informatik“ festgestellt: Ich habe die Studierenden die Ergebnisse der opco-Session auswerten und eigene Positionen finden lassen. Auch hier waren 60 Minuten Arbeitszeit zu wenig. Ich muss, glaube ich, die Zeit für solche Zusammenarbeitsphasen zukünftig wesentlich großzügiger bemessen.

Ich würde also – summa summarum – sagen, dass es eine lehrreiche Aktion war: Für mich in methodischer Hinsicht, und für die Teilnehmer (hoffentlich) auch in inhaltlicher. Ich erkläre hiermit das Festival für beendet und freue mich auf das nächste! Auf Wiedersehen! 🙂

(Bild: Danke an @FrauFridur!)

Diskussion zur Lehrerbildung

Veröffentlicht: Samstag, Mai 7, 2011 in Bildung, Schule

Eben komme ich gerade vom Bildungskongress der Grünen in Berlin. Die Diskussionsatmosphäre war hervorragend, und die Mischung der anwesenden Personen hat tatsächlich ganz verschiedene Bereiche des Bildungssektors abgedeckt: Schule, Kindertagesstätten, Lehrerbildung, Eltern, …

Im Forum zur Lehrerbildung , das von Anja Schillhaneck moderiert wurde, habe ich die Ergebnisse der Diskussion in meinem Weblog zunächst in einem kurzen Impulsreferat eingebracht (Folien).  Anschließend hat sich eine wirklich sehr angeregte ca. einstündige Diskussion ergeben. Ich habe den Teilnehmern versprochen, die Diskussion hier zusammenzufassen. Damit habt auch ihr einen Einblick in die Diskussion, und ich würde mir wünschen, dass wir weiterhin (jetzt auch gemeinsam mit den Teilnehmern des Forums) hier über gute Lehrerbildung diskutieren.

Zunächst einmal wurde festgehalten, dass die Schülerorientierung nicht erwähnt wurde (KS hatte dies bereits kommentiert). Eine Teilnehmerin (systemische Coachin) erwähnte, dass manches mal in einer Open-Space-Veranstaltung mit Lehrerinnen und Lehrer als „überraschendes“ Endergebnis herauskommt, dass die Schüler im Mittelpunkt stehen. Dies muss immer wieder bewusst gemacht werden: Schule ist für die Schüler da.

Kritisch angesprochen wurde der Begriff der Lehrerpersönlichkeit: Welche Elemente hat denn eine solche Lehrerpersönlichkeit? Welche muss man versuchen zu fördern? Welches Lehrerbild steckt dahinter? Und welches Menschenbild? Diese Fragen sind schwer zu beantworten. Jean-Pol hat bereits einen Vorschlag gemacht. Was zählt für euch zur Lehrerpersönlichkeit? Und: Sollte man hier nicht auch Vielfalt zulassen? (vgl. den Kommentar von tomvieth). Ab wann genau handelt es sich um einen „hoffnungslosen Fall“?

Ein Hinweis einer Teilnehmerin zur Lehrerpersönlichkeit: Lehrer müssen die Einstellung der gegenseitigen Wertschätzung und Anerkennung haben. Wenn beispielsweise Kinder in einer Stadt für eine längere Zeit aufs Land fahren, um dort Erfahrungen zu sammeln, aber einige Kinder in der Stadt bleiben, dann muss die Stadt sich verantwortlich fühlen, diesen Kindern ebenfalls einen Landbesuch zu ermöglichen (und sich dabei  nicht auf die Eltern verlassen). Letztlich müssen die Lehrer sich hier verantwortlich fühlen. Sie brauchen genau diese Grundhaltung: Wertschätzung und Anerkennung der anderen (letzlich sich verantwortlich fühlen, sich kümmern), und sich weniger um die eigene Sicherheit bemühen (die ja oft Motiv für das Lehramtsstudium ist).

Darüber hinaus die Frage der Auswahl zu Beginn: Wie kann man gut passende Lehramtskandidaten gleich zu Studienbeginn auswählen? Vermutlich sind hier Fragebogen wenig hilfreich. Eine Möglichkeit: Frühe Praktika mit einer guten Begleitung und ehrlichem (!) Feedback. Dozenten müssen auch genug Rückgrat haben, mal jemandem das Praktikum nicht als bestanden zu testieren. Immerhin geht es nicht nur um diesen einen Studenten, sondern um die Scharen von Schülern, die von demjenigen später unterrichtet werden müssen.

Es wurde hinzugefügt, dass vor der Auswahl von Studierenden auch die Werbung entscheidend ist: Wie bekomme ich die Top-Leute ins Lehramt? Ebenfalls wurde angesprochen, dass eine strenge Auswahl auch Werbung ist: Die künstlich erzeugte Verknappung bewirkt, dass mehr (auch gute) Menschen das machen wollen.

Zu den Inhalten der Hochschule: Hier wurde kommentiert, dass ganz viel träges Wissen erzeugt wird, und das oft auch nur auf mäßigem Niveau. Doch wie erzeugt man daraus Handlungswissen? Ideen: enge Verzahnung mit der Praxis mit intensiver Selbstreflexion, später bessere ganzheitliche Einbettung in der Schule (alle Lehrer ziehen mit unterschiedlichen Kompetenzen am selben Strang und machen sich gegenseitig „auf Augenhöhe“ fit im Sinne kollegialen Feedbacks).

Selbstreflexion benötigt Zeit, die man im bolognamäßigen Studium kaum hat. Ebenso hat man keine Zeit, neben dem Studium irgendwo arbeiten zu gehen (z.B. in einer Firma), um dort Lebenserfahrung zu sammeln, die zur Persönlichkeitsentwicklung dienen kann. Einzige Stellschraube hier: Die Struktur der Studiums ändern.

Eine Ethnologin kommentierte, dass es für das Verständnis, wie Schule funktioniert, nützlich sein kann, wenn Studierende während ihres Studiums eine ethnologische Studie in einer Schule machen, und zwar nicht mit Fokus auf die Schüler, sondern mit Fokus auf die Organisation Schule.

Zur Rolle der Fachlichkeit wurde ich rückgefragt. Ich habe nochmals verdeutlicht, dass das Fachstudium eine sehr wichtige Rolle spielt, wenn es sich nicht um „irgendwelche Fachinhalte“ handelt, sondern um die Vertiefung der schulrelevanten Bereiche. Ebenso muss sich das bildungswissenschaftliche Studium direkt um die Praxisrelevanz kümmern (sicher nicht überall, aber zu einem überaus großen Teil!)

Darüber hinaus habe ich die Wiedereinführung von Pädagogischen Hochschulen auch in anderen Bundesländern vorgeschlagen. Die Abschaffung hat dem Bildungssystem nicht gut getan. Die Universitäten haben gezeigt, dass sie nicht ausreichend an der Lehrerbildung in inhaltlicher Weise interessiert sind (höchstens in kapazitärer).

Wenn man die Ausbildung und Weiterbildung stärken will, woher soll man die entsprechende Ressourcen dafür nehmen? Ideen: Weniger sauteure psychologische Vergleichsforschung machen. Überhaupt den ganzen Kompetenzstandards-Formulierungs und Evaluations-Mess-Vergleichs-Bürokratieapparat abschaffen. Oder wie wäre es mit einem einheitlichen nationalen Bildungssystem? Immerhin leisten wir uns 16 lokale Bildungssysteme. Ist das nicht verdammt teuer?

Was meint ihr zur Diskussion? Habt ihr weitere Ideen?

Statements zur Lehrerbildung

Veröffentlicht: Samstag, April 23, 2011 in Bildung, Hochschuldidaktik, Schule

Am 7. Mai 2011 findet in der Reinhardswald-Grundschule in Berlin ein Bildungskongress von Bündnis 90/Die Grünen statt. Im Rahmen dieses Bildungskongresses wird in verschiedenen Foren über Bildungsqualität gesprochen. Ich bin dorthin eingeladen worden, um am Forum zum Thema Gute Schule braucht gute LehrerInnen – ein Forum zur LehrerInnenbildung teilzunehmen. Ich darf dort ein zehnminütiges Impulsreferat halten, mit dem in die Diskussion eingeleitet wird. Die Leitfrage dabei ist, welche Kompetenzen Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Studium erwerben sollen, um später guten Unterricht machen zu können.

Ich habe mir ein paar Statements überlegt, die ich dort gerne einbringen möchte. Im Folgenden erläutere ich die Statements kurz. Darüber hinaus würde ich gerne EURE Anliegen/Ideen/Vorstellungen mit nach Berlin nehmen. Insofern möchte ich gemeinsam mit euch hier diskutieren, auf welche Aspekte ich ebenfalls eingehen soll. Vielleicht habt ihr auch Beispiele, die erwähnenswert sind, und Erfahrungen, mit denen ich die Statements unterfüttern kann? Vielleicht habt ihr weitere Statements?

Statement 1: Im Lehramtsstudium müssen bildungswissenschaftliche, fachliche, fachdidaktische und unterrichtspraktische Kompetenzen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander und miteinander vernetzt erworben werden, und zwar in lehramtsspezifischen Lehrveranstaltungen!

Viele Lehramtsstudierende beklagen sich über die Curricula der universitären Lehramtsstudiengänge: Zu viel Fachliches, kaum Pädagogik/Didaktik. Darüber hinaus gibt es beispielsweise in der Mathematik häufig die Situation, dass die Lehrveranstaltungen für Bachelor- oder Masterstudierende und für Lehramtsstudierende gemeinsam angeboten werden, die Ausrichtung der Veranstaltungen aber an den Anforderungen der „reinen“ Mathematikstudierenden erfolgt, obwohl weitaus mehr Lehramtsstudierende in der Veranstaltung sitzen. Lehramtsstudierende werden oft nicht als bedeutsam wahrgenommen, man „schleppt die Lehrämtler halt so mit“. Sie haben also nicht nur überwiegend fachliche Veranstaltungen, sondern diese werden auch noch auf einem Niveau abgehalten, das nicht auf das spätere Berufsfeld zugeschnitten ist. Selbstverständlich ist ein solides fachliches Fundament für Lehrerinnen und Lehrer unerlässlich, und zwar vertieftes Wissen in den schulrelevanten Bereichen. Spezifisch fachdidaktisches Wissen ist aber ebenso unerlässlich, z.B. um Kenntnis darüber zu haben, wie man Schülerinnen und Schüler mit guten Aufgaben kognitiv aktiviert (siehe z.B. die COACTIV-Studie).

Darüber hinaus müssen Studierende logischerweise umfassende theoretische Kenntnisse über pädagogische, allgemeindidaktische und lern- und entwicklungspsychologische Aspekte erwerben. Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass man seine Kinder weder vom pädagogisch unfähigen Fachidioten noch vom fachlich unfähigen Superpädagogen unterrichtet sehen möchte. Das bedeutet letztlich, dass bildungswissenschaftliche, fachliche und fachdidaktische Kompetenzen in einem ausgewogenen Verhältnis erworben werden müssen – und miteinander vernetzt werden müssen! Dabei ist es aber wichtig, dass die Studierenden nicht nur den historischen Blick über die Pädagogik von Comenius bis Montessori erhalten, sondern insbesondere Inhalte, Ideen und Theorien kennen lernen, die im Zusammenhang mit der Unterrichtspraxis stehen.

Richtig: Ebenso müssen frühzeitig unterrichtspraktische Erfahrungen gemacht werden, damit man sein zukünftiges Berufsfeld kennen lernt und sich selbst in der Unterrichtssituation erproben kann. Wie immer gilt: Es ist nicht die Erfahrung, die zählt, sondern die reflektierte Erfahrung. Das heißt, die Unterrichtspraxis muss begleitet und gemeinsam mit einem Hochschuldozenten reflektiert werden.

Also: Fachliche, fachdidaktische, bildungswissenschaftliche und unterrichtspraktische Kompetenzen müssen das ganze Studium hindurch gleichermaßen erworben werden. Das Verhältnis dieser Kompetenzbereiche passt an den Pädagogischen Hochschulen Baden-Württembergs meines Erachtens sehr gut und kann als Beispiel für andere Hochschulen und Bundesländer dienen.

Statement 2: Keine Bildung ohne Medien

Ein besonderes Anliegen ist mir persönlich die Medien- und IT-Kompetenz. Wir bilden heute Lehrerinnen und Lehrer aus, die 40 Jahre ihren Beruf ausüben werden. In diesen 40 Jahren wird sich UNGLAUBLICH viel tun im IT- und Medienbereich. Lehrerinnen und Lehrer dürfen also nicht nur heutige Technologien kennenlernen, weil diese sowieso schnell wieder „out“ sind, sondern sie müssen fit gemacht werden, mit der Zeit gehen und sich vernünftig mit neuen Entwicklungen auseinander setzen zu können. Denn eins ist sicher: Die Kinder und Jugendlichen jeder Zeit werden mit den Technologien spielend umgehen können, nur leider unreflektiert. Dies muss in der Schule aufgegriffen werden.

Das Internet wird eine nie dagewesene Rolle in Lern- und Bildungsprozessen einnehmen, und wir können heute kaum einschätzen, was da noch alles passieren wird. Wir können heute aber bereits das Web konstruktiv und produktiv in Lernprozesse einbinden und damit die Lehramtsstudierenden an die reflektierte und vernünftige Nutzung von Web-Tools heranführen. Denn: Diese Werkzeuge lassen sich prima für die Öffnung von Lehr-Lern-Situationen einsetzen. (Auch dies wird ein Punkt in dem Forum sein)

Natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass auch andere allgemeine Kompetenzen wichtig sind: interkulturelle Kompetenz, Klassenführung, Sprechkompetenzen und wie sie alle heißen. Es wird ganz schön viel abverlangt von Lehrerinnen und Lehrern…

Statement 3: Nicht Wasser predigen, aber Wein trinken

Wer kennt nicht die 90-minütigen Frontalvorlesungen über selbstentdeckendes Lernen? Oder die Vorlesungen, in denen der Dozent eine PowerPoint-Folie nach der anderen zeigt mit der Überschrift „Methodenvielfalt“? Wir, d.h. diejenigen, die in der Lehramtsausbildung tätig sind, müssen Vorbilder sein. Wir müssen unsere Fachvorlesungen nach allen Regeln der Fachdidaktik gestalten. Welch eine Chance! Man kann dann mit Studierenden in Fachvorlesungen über die didaktisch-methodische Gestaltung der Fachvorlesung diskutieren. Wir müssen zeigen, dass wir mit Kritik und eigenen Fehlern konstruktiv umgehen. Wir müssen zeigen, dass wir an Rückmeldungen und Verbesserungsvorschlägen von den Studierenden interessiert sind und diese auch begründet umsetzen (oder auch nicht, Hauptsache begründet!). Wir müssen Medien und IT kompetent einsetzen. Oh – richtig – wir müssen uns selbst in diesem Bereich ständig up-to-date halten und weiterbilden, denn: Schließlich sagen wir ja den Studierenden, dass sie es in ihrem Lehrerberuf später auch tun müssen. Lasst uns in unseren Veranstaltungen nicht über Didaktik reden, lasst sie uns leben.

Statement 4: Kampf den Platitüden!

In pädagogische Grundhaltungen schleichen sich sehr leicht extreme Ansichten ein: Frontalphasen sind schlecht. Eigenes Handeln ist immer gut. Alles muss selbstentdeckt werden. Es muss konstruktivistisch gelernt werden. Und so weiter. Und so weiter. Und so weiter. Wie seicht ist das denn? Wir müssen dringend weg von solchen Platitüden. Nehmen wir mal den Konstruktivismus. „Dabei handelt es sich um konstruktivistisches Lernen.“ Wenn ich solche Sätze höre, dreht sich mir der Magen um. Selbstverständlich ist Lernen immer konstruktivistisch. Es geht ja gar nicht anders. Das ist ja der Witz am Konstruktivismus. Es wird immer vom Individuum in Lernkontexten eine eigene Bedeutung konstruiert. Solche Platitüden schleichen sich in die Hochschullehre ein, wenn rein theoretisch gearbeitet wird und dadurch immer mehr Luftschlösser gebaut werden. Ich plädiere dafür, mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben und einen klaren Blick auf Unterricht und die lernenden Schülerinnen und Schüler zu behalten. Dabei hilft es Hochschuldozenten übrigens, selbst ab und zu mal in der Schule zu unterrichten.

Selbstverständlich haben auch frontale Unterrichtsgespräche ihre Berechtigung – aber auch Phasen entdeckenden Lernens. Es geht um die Vielfalt, die Abwechslung, die angemessene Methodenwahl. Und es geht darum, ehrlich und aufrichtig einzusehen, dass eine Methode in dieser oder jener Situation völlig in die Hose gegangen ist, und anschließen zu reflektieren, welche Methode wohl geschickter gewesen wäre – und dies beim nächsten Mal auszuprobieren. Ich plädiere dafür, dass wir uns in der Lehramtsausbildung nicht von pädagogischen Ideologien, sondern von Visionen leiten lassen. Das ist ein Unterschied.

Statement 5: Selbstreflexion ist absolut notwendig, aber verdammt anspruchsvoll.

Tja. Mir wird in letzter Zeit immer mehr bewusst, wie schwierig Selbstreflexion eigentlich ist, und wie viele Menschen Probleme damit haben. Sein eigenes Verhalten ständig auf den Prüfstand zu stellen und immer zu reflektieren ist verdammt anspruchsvoll. Aber wir müssen das tun! Lehrerinnen und Lehrer müssen letztlich Aktionsforscherinnen und Aktionsforscher sein. Dazu zählt, die Schwierigkeiten und Probleme im Unterricht sehen zu wollen und anzunehmen, sie zu ergründen, sich kundig zu machen, kreative Ideen zu haben, diese tatsächlich in die Tat umzusetzen und anschließen kritisch zu prüfen. Und auch hier gilt: WIR (die Hochschuldozenten) müssen es vormachen!

So, das wären meine 5 zurzeit noch etwas rohen Statements. Welche Statements würdet ihr ergänzen? Welche Ideen habt ihr zu meinen Statements? Erzählt mir, was ich noch erzählen könnte! 🙂 Lasst uns diskutieren und gemeinsam die Statements schärfen und weiterentwickeln – wir haben noch zwei Wochen Zeit!

Im Landtag

Veröffentlicht: Mittwoch, März 2, 2011 in Bildung
Schlagwörter:

Heute war ich mit einem Kollegen vom Seminar im Landtag. Neben einem Gespräch, das wir dort mit zwei MdL geführt haben, durften wir auch an der Landtagssitzung als Zuschauer teilnehmen. Mann, war das interessant! Ich war völlig überrascht, wie unruhig es dort zu geht.  Das ist ja ein ständiges Gewusel, während vorne einer spricht. In einer Vorlesung würde ich ein solches Verhalten nicht akzeptieren. Und ständig wird reingerufen, aber auch total witzig teilweise. Beispielsituation: Der Präsident ruft jemanden auf. „Ich rufe den Abgeordneten der CDU Herrn Müller auf.“ – SPD-Abgeordneter ruft rein: „Herrn Müller oder Herrn Dr. Müller?“ – Anderer SPD-Abgeordneter ruft rein: „Herr Dr. Müller…. noch!“ Schallendes Gelächter. Oder, der Präsident ruft den Staatssekretär Mutig auf. Abgeordneter ruft rein: „Mutig, mutig!“ – Gelächter. [Die Namen sind frei erfunden.]

Zufällig gab es auch eine Diskussion zu einer Gesetzesvorlage der SPD zur Schulreform (die natürlich letztlich abgelehnt wurde). Es ging um die Fragen des Schulsystems, der unterschiedlichen Schulformen, Diversität usw. Was mich dabei völlig verblüfft hat, war, wie oft die Wissenschaft als Argument herangezogen wurde. Die CDU belegte ihre Aussagen mit einer Studie von Baumert, während die SPD mit einer Studie des Neurobiologen Hüther konterte. PISA, Iglu und sonstige Studien – sie alle wurden als Argumente genannt. So löblich die Tatsache ist, dass Forschung herangezogen wird, so ein flaues Bauchgefühl hab ich dabei aber auch bekommen. Ich selbst würde mich in wissenschaftlichen Argumentationen selten auf eine einzige Studie stützen. Und wenn es dann sogar um Diskussionen über das Schulsystem mit potenziellen realen, flächendeckenden, weitreichenden Konsequenzen geht…. mein lieber Mann. Und wenn die eine Partei dann ne Studie eines Bildungswissenschaftlers ranzieht, die andere die eines Neurobiologen, da dreht sich mir der Magen um. Gut ist allerdings daran wieder gewesen, dass es bei den Statements ja um überhaupt nix ging. Die Entscheidung war ohnehin schon längst gefallen (nämlich die der regierenden Fraktionen), insofern ging es ohnehin „nur“ um die nochmalige Darstellung der einzelnen Positionen.

Insgesamt war das heute aber ein sehr lehrreiches Stück. So funktioniert also Politik…

Bildung, Wissen und Kompetenz

Veröffentlicht: Mittwoch, Februar 9, 2011 in Bildung

Vor kurzem bin ich von Friedrich A. Ittner für den Newsletter der Gesellschaft für Wissensmanagement e.V. interviewt worden: Ganzheitliche Ansätze oder Bildung vs. Kompetenz – Was wollen wir wirklich? In dem Interview ging es um ganz unterschiedliche Themen, die aber alle irgendwie zusammenhängen:

  • Wissen und Wissenserwerb
  • Bildung und Kompetenz
  • Messbarkeit von Bildung
  • Computer und programmierter Unterricht
  • E-Learning als Sparmaßnahme
  • Coaching

Das Interview findet ihr im online-stehenden Newsletter. 🙂

Die Bedeutung der Begriffe „Bildung“ und „Wissen“ – im Gegensatz oder in Ergänzung des zurzeit häufig verwendeten Begriffs „Kompetenz“ – wird auch von einer nicht vor allzu langer Zeit gegründeten Gesellschaft für Bildung und Wissen in der Öffentlichkeit immer wieder hervorgehoben. Auf diese Gesellschaft möchte ich an dieser Stelle einmal verweisen, weil ich die Initiative sehr gut finde und selbst beigetreten bin.

In diesem Sinne…

Allgemeinbildung und freie Entfaltung: Eine Diskussion

Veröffentlicht: Mittwoch, Dezember 1, 2010 in Bildung, Educamp, Schule

Auf dem Educamp in Aachen haben Friedrich A. Ittner und André May eine Diskussionsrunde zum Thema „Zukunft der Bildung“ organisiert, die per Video aufgezeichnet wurde. Teilnehmer: Thomas Bernhardt, Felix Schaumburg, Karl-Heinz Pape, Marcel Kirchner und ich (Mostafa Akbari und Jean-Pol Martin sind später noch hinzugestoßen). In der Diskussion, die recht offen angelegt war, unterhielten wir uns über den Wert von Allgemeinbildung, über Möglichkeiten, Unterricht offener zu gestalten, und über Bildungsvisionen.

Bildung und Kompetenz – Mögen die Spiele beginnen!

Veröffentlicht: Freitag, Januar 1, 2010 in Bildung
Schlagwörter:,

In den letzten Jahren hat der Begriff „Kompetenz“ im Bildungsbereich einen enormen Aufschwung erfahren. Es werden Kompetenzmodelle erstellt, Kompetenzfragebogen kreiert und Kompetenzbereiche festgelegt. In der Curriculumsentwicklung geht es im Kontext der Output-Orientierung vorrangig um die Formulierung von Kompetenzen, welche die Lernenden am Ende einer Phase erworben haben sollten. Konzipiert man eine Lehrveranstaltung neu, dann überlegt man sich, welche Kompetenzen die Studierenden darin erwerben sollen.

In mir wächst in letzter Zeit ein Unbehagen über den inflationären Gebrauch des Konzepts „Kompetenz“. Alle reden über Kompetenzen und kaum einer über Bildung. Dies scheint allerdings etwas zu sein, an dem das Bildungssystem schon lange krankt – wie  ich erst gestern bei Adorno gelesen habe. Seit ich darüber gebloggt und getwittert habe, habe ich zahlreiche Impulse in Tweets und Kommentaren bekommen. Ich möchte an dieser Stelle einmal ein paar Aspekte und unzusammenhängende Gedanken zum Thema „Bildung und Kompetenz“ anreißen und würde mich freuen, wenn wir dazu eine Diskussion beginnen könnten.

  • Die Klärung des Verhältnisses zwischen Bildung und Kompetenz(en) wird inbesondere dadurch kompliziert, dass sowohl „Bildung“ als  auch „Kompetenz“ zwei sehr schwierige Begriffe sind. Was versteht man eigentlich beispielsweise unter „Bildung“? Hier kommen gleich die unterschiedlichsten Assoziationen auf wie etwa im Tweet von Walter:  „Allgemeinbildung a la Schwanitz? Höhere Bildung a la unsere „Eliten“? Herzensbildung (ein veralteter Begriff?)?“ Die in der Pädagogik seit langem geführte Diskussion um den Begriff „Bildung“ und die Definitionen des Begriffs „Kompetenz“ müssen im Kontext einer solchen Diskussion natürlich aufgearbeitet werden. Ich selbst gebe zu, nur einen intuitiven Begriff von „Bildung“ zu haben und sehe für mich persönlich hier definitorischen Nachholbedarf – der Klarheit wegen.
  • Interessant wäre einmal eine Untersuchung, wodurch der Kompetenzbegriff einen solch starken Aufwind erfahren hat. Ist PISA daran schuld? Zumindest habe ich den Eindruck, dass durch die PISA-Studien Normen gesetzt wurden, an denen sich alle Kompetenzformulierer orientieren.
  • Zudem scheint mir mit der Verwendung des Kompetenzbegriffs das Verlangen nach Messung von Lernerfolg eng verbandelt zu sein. Schließlich will man Kompetenzen auch messen, beispielsweise in landesweiten Vergleichstests und in Abschlussprüfungen. Kompetenzmessung ist aber ein komplexes Feld, insbesondere weil man Kompetenz nur indirekt über die Performanz messen kann. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden – wenn man es sauber macht. Aber auch hier wird so mancher Wissenstest als Kompetenztest verkauft. Und: Wie misst man eigentlich Bildung?
  • Fordert die Wirtschaft Kompetenzen? Wollen Personalchefs kompetente Mitarbeiter einstellen oder gebildete? Im Sinne der Beschäftigungsfähigkeit (auch employability, wie Jan und Peter bemerkten) sind wohl eher Kompetenzen gefordert. Und ob die Wirtschaft gebildete Konsumenten möchte, ist sowieso fraglich, insbesondere wenn sie massenweise auftreten würden.
  • Sind Kompetenzmodelle etwas, das sich inbesondere die Fachdidaktiken zu eigen machen? Dies ist zumindest mein subjektiver Eindruck.
  • Die Auflistung von Kompetenzen und Teilkompetenzen in der Curriculumsentwicklung erinnert nicht selten an die stark kritisierte Teilzielformulierung im Rahmen des Mastery Learning. Bei mancher „Kompetenz“, die im Rahmen umfangreicher Analyseprozesse herauskommt, kann man sich zudem fragen, ob es tatsächlich noch eine Kompetenz ist. Kurzum: Der Kompetenzbegriff wird sträflich auf alles, was Lernziel ist und sein kann, übergestülpt, weil es en vogue ist, das Ganze „Kompetenz“ zu nennen.

Ich möchte mich im Laufe des Jahres intensiver mit dem Bildungsbegriff und seinem Verhältnis zum Begriff der Kompetenz auseinandersetzen. Ich habe zahlreiche Anregungen auf relevante Literatur bekommen, z.B. von Peter und von apanat. Ich möchte dabei aber nicht theoretisch bleiben, sondern in meinem Unterricht und in meinen Lehrveranstaltungen ein Gespür dafür entwickeln, was es bedeutet, wenn die Lernenden die Möglichkeit bekommen sich zu bilden und nicht nur kompetent zu werden.

Ich halte den Kompetenzbegriff für eine Errungenschaft, die ernstgenommen werden muss und auf die wir nicht verzichten sollten.  Es hilft, sich über zu erwerbende Kompetenzen im Klaren zu sein, wenn man Lehrveranstaltungen durchführt und Unterricht hält. Und natürlich sollten auch die Lernenden wissen, was sie am Ende „können sollen“. Ich plädiere allerdings dafür, dass der Kompetenzerwerb eingebettet ist in ein Bildungskonzept, dass wir also nicht bei der Zergliederung in Kompetenzen stehen bleiben, sondern deren Integration in die gesamte Persönlichkeit im Sinne einer ganzheitlichen Bildung fordern.

Wie denkt ihr darüber?