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Ein Leben mit Sozialphobie

Veröffentlicht: Dienstag, Mai 31, 2011 in Gastbeitrag

Man bekommt selten mit, welche inneren Kämpfe Menschen führen, denen man begegnet. So war dies bei einer Person, die ich vor einiger Zeit kennen lernte und die nicht namentlich genannt werden möchte (nennen wir sie „phoby“). Ich wusste nicht und merkte nicht, dass sie an Sozialphobie leidet. Letztlich war dies ein Zeichen dafür, dass sie sich sehr gut an ihre Umwelt „anpassen“ kann, aber trotzdem große Ängste verspürt. Neulich meinte sie einmal zu mir, dass sie gerne darüber schreiben würde, um anderen zu erzählen, wie sich Menschen mit Sozialphobie fühlen, sich aber nicht gerne „outen“ würde. Ich bot ihr an, einen Gastbeitrag zu schreiben. Heute schrieb sie mich an und meinte, er sei fertig und würde gut zu meinem letzten Beitrag Memento mori passen. Ich finde das auch.

Ich – das ist eine junge, hübsche und liebenswerte Frau. Dieser positiven Selbstwahrnehmung geht jedoch ein langwieriger Prozess voraus, in dem ich mich immer noch befinde. Von diesem Prozess will ich hier erzählen.

Ich kann mich erinnern, dass ich immer ein schüchternes Kind gewesen bin. Meine Mutter erzählte mir vor kurzem, ich hätte im Kindergarten das gesamte erste Jahr die Erzieherin nicht an mich heran gelassen. Ich wüsste heute gerne, was es war, das mich als Kind dazu veranlasst hat. Ich war immer sehr sensibel und bin es noch heute.

Auch in der Beziehung zu meinen Eltern bohre ich nach Erinnerungen. Ich kann mich erinnern, dass mich meine Eltern manchmal alleine zu Hause ließen. Ich war damals etwa fünf Jahre alt und machte im Entdeckungsdrang Gegenstände kaputt. Als sie wieder kamen, gaben sie mir die Schuld daran, obwohl sie im Grunde Schuld hatten, weil sie mich alleine ließen.

Im heutigen Leben finde ich mich immer wieder in Situationen mit diesem Muster: Ich führe eine Handlung nach bestem Gewissen durch und mir unterlaufen dennoch Fehler, die ich vorher nicht absehen konnte. Ich erfuhr dabei wiederholt von unterschiedlichen Mitmenschen, dass die Absicht meiner Handlung völlig egal ist, wenn etwas Fehlerhaftes dabei heraus kommt.

Ich habe ein sehr großes Verantwortungsbewusstsein für mein Handeln und neige zu starken Schuldgefühlen. Wenn mir andere Menschen Schuld zuschreiben, glaube ich das, unabhängig davon, ob es tatsächlich stimmt.

Dieses Muster zieht sich durch mein gesamtes Leben. Ich bekomme Angst, etwas falsch zu machen, bevor ich überhaupt etwas mache. Es ist der Zwangsgedanke, etwas Falsches zu sagen, wenn ich den Mund aufmache. Es ist ein Gefühl der Unzulänglichkeit, das in einem Gefühl der Lähmung oder in Panikattacken münden kann. Ich bin in solchen Momenten handlungsunfähig. Wenn so etwas passiert, wäre ich gerne weg. Die größte Angst habe ich davor, im Beisein anderer Menschen etwas falsch zu machen, mich dann dafür zu schämen und es nicht verstecken zu können.

Ich hatte sehr lange Zeit meines Lebens Angst vorm Rotwerden. Ich erinnere mich, wie ich mich mit etwa fünf Jahren schämte und rot wurde und mich dann schämte, dass ich rot wurde. So richtig Probleme damit bekam ich als Teenager. Am Ende meiner Schulzeit entdeckte ich dann ein Make up, welches das Rotwerden meines Gesichts verdeckte. Diese „Tarnung“ war von diesem Zeitpunkt an mein ständiger Begleiter.

Meine berufliche Ausbildung erlebte ich als blanken Horror. Unser „Meister“ hat ungezügelt seine Launenhaftigkeit an allen ausgelassen. Ich habe Fehler gemacht, wie das ein Azubi eben macht. Er kritisierte mich wo er konnte und griff mich auf der persönlichen Ebene an. Ich bin oft zum Weinen aufs Klo gegangen. Es war das Durchleben einer Negativ-Spirale: Ich machte immer mehr Fehler, erhielt immer mehr Kritik und bekam immer mehr Angst. Ich wollte da nicht mehr hin, aber wohin hätte ich sonst sollen!?

In dieser Zeit habe ich mich von mir selbst weit entfernt, um das durchzuhalten. Ich wollte die Ausbildung nicht abbrechen, weil ich mir dafür selbst die Schuld gegeben hätte, was ich noch weniger ertragen hätte. Nach beendeter Ausbildung lautete meine traurige Bilanz, dass ich überhaupt nichts kann, weil ich alles falsch mache. Dies wurde mir in der Ausbildung immer wieder gesagt und ich hatte es immer wieder erfahren. Meine einzige Perspektive war eine längere Arbeitslosigkeit. Ich muss dazu sagen, dass ich ein Mensch bin, der seinen persönlichen Wert generell stark über Leistungen definiert.

Als ich so um die 25 Jahre alt war, nahm ich an einer längeren Weiterbildung teil. In diesem Rahmen bemühte ich mich, Referate zu halten. Dies konnte ich nicht ohne mein „Tarn“-Make up. Ich fühlte mich aber auch generell immer wieder beobachtet und aufgrund dessen unwohl. Ich hätte praktisch ständig etwas Falsches machen oder sagen können, was jeder mitbekommen hätte und was hätte kritisiert werden können und mir starke Selbstzweifel eingehandelt hätte. In dieser Zeit begann ich eine Verhaltenstherapie und erfuhr so, dass meine Symptome dem Krankheitsbild der Sozialphobie zugerechnet werden. Durch diese Therapie schaffte ich es, mein Verhalten langsam zu ändern. Ich habe es sogar einmal geschafft, ein Referat zu halten, ohne mich vorher zu schminken. Das war für mich ein riesiger Fortschritt.

Leider kam dann wieder etwas dazwischen, was mich von meiner persönlichen Weiterentwicklung abbringen sollte. Ich kam mit einem Mann zusammen, der es sehr gut verstand, meine Ängste und Schuldgefühle für seine Zwecke zu manipulieren. Er wurde öfter ungeduldig und laut, wofür er anderen Menschen, Situationen oder Gegenständen die Schuld gab. Er betrachtete seine Wutanfälle als persönliches Recht, mit der Begründung, dass er an den jeweiligen äußeren Bedingungen stark leidet. Aufgrund dieser Argumentationsbasis war ich oftmals schuld daran, wenn es ihm schlecht ging. Und wenn ich mal nicht daran schuld war, so war ich dennoch der „Mülleimer“ für seine Wut.

Ich hatte Angst davor, nicht das zu tun, was er will.

Meine Freunde haben viel eher als ich bemerkt, was da vor sich ging. Wieder einmal – aber in ungekannter Intensität – überwältigten mich Schuldgefühle, lähmende Angst und Panikattacken. Ich musste mir also eingestehen, dass die Verhaltenstherapie nicht die gewünschte Wirkung erbracht hatte, da ähnliche Symptome in anderem Kontext auftraten. Vermutlich war also die Verhaltenstherapie nicht die Methode der Wahl für mich gewesen. Ich begann eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie. Nach kurzer Zeit konnte ich damit aber noch weniger anfangen als mit der Verhaltenstherapie. Ich wurde auch nicht richtig warm mit meiner Therapeutin. Als ich die Therapie abbrach, sprach sie ihr Verständnis dafür aus, aber gab mir das Gefühl, meine Entscheidung wäre falsch. Daran erkenne ich zukünftig „schlechte“ Therapeuten: Wenn ich das Gefühl habe, ich muss mich auf sie einstellen, anstatt dass sie sich auf mich einstellen würden. Das sollte aber jeder für sich selbst heraus finden.

Gegenwärtig befinde mich in einem Weiterentwicklungsdrang: Extrovertiertheit ist mein Ventil. Ich bin lebendig, ich bin schön, ich tanze und singe, ich mache alles mögliche, um mich weiter zu entwickeln und dies alles nur für mich: Selbstverteidigung, Selbsthilfegruppe, Hypnosetherapie, Sport, persönliche Sinnfindung, auch durch berufliche Weiterentwicklung.

Heute geht es mir gut. Mein größtes Glück ist, dass ich mich nie ganz selbst verloren habe, weil ich jetzt lerne, dieses Selbst zu sein. Ich habe keine Angst mehr vorm Rotwerden. Kleine „Baustellen“ habe ich immer noch, wie zum Beispiel Angst vorm „Sprechen müssen“ vor Menschen. Ich will meine Angst komplett besiegen und ich glaube daran, dass ich es schaffe. Bald werde ich in der Öffentlichkeit Vorträge halten, damit ich es mir selbst beweisen kann. Ich beginne ein Leben nach eigenen Visionen und Idealen. Trotzdem nehme ich eigene Wünsche immer noch als Konflikt gegenüber gesellschaftlichen Normen wahr. Dies ist auch ein Grund, weshalb ich diesen Bericht anonym verfasst habe.

Ich werde weiter an mir arbeiten, denn heute weiß ich:

Angst ist Manipulation, egal wer dir Angst macht. Angst ist Stagnation. Leben ist Entwicklung und Entwicklung macht Spaß.

http://www.sozphobie.de/

Datenschutzethik – eine pädagogische Aufgabe

Veröffentlicht: Mittwoch, Mai 18, 2011 in Datenschutz, Gastbeitrag

Das Web 2.0 funktioniert nur deswegen, weil Menschen ihre Daten preisgeben. Social Bookmarking beispielsweise wäre nicht denkbar, wenn Menschen nicht allen mitteilen würden, welche Seiten sie besucht haben. Web-2.0-Nutzer müssen Grenzen für sich ziehen: Welche Daten gebe ich noch preis, welche nicht mehr? Und: Welche Daten gebe ich von anderen preis? Boris Kraut ist ein Student an der PH Karlsruhe, der sich intensiv um Datenschutz Gedanken macht und dabei weniger von der rechtlichen, sondern mehr von der ethischen und pädagogischen Seite ausgeht. Ich finde es schön, dass er sich bereit erklärt hat, hier einen Gastbeitrag zu schreiben. Bühne frei für Boris!

Gesetze werden uns nicht retten

Die meisten werden schon mal Erfahrungen mit juristischen Texten gemacht haben: Das Schreiben vom Anwalt, der einem erst erklären muss, dass man gerade vor Gericht gewonnen hat, seitenlange Belehrungen beim Antritt einer Stelle oder sich fest auf Paragraphen stützende Begründungen, warum ein „Fehlverhalten“ nun so oder so zu sanktionieren sei.

Das Problem dabei ist nicht, dass man in der Juristerei wie in jeder Wissenschaft eine eigene Fachsprache hat, nein, das Problem liegt deutlich tiefer. Es wird der Versuch unternommen Regeln und Folgen in eine sprachliche Form zu bringen, die nur eine Interpretation zulässt. Dabei wird die Sprache mit Konstrukten überladen, die ihr jegliche Natürlichkeit nehmen.

Diese Bemühungen sind aus zweierlei Sicht nicht zielführend:

Zum einen ist Sprache, wie es Hans Magnus Enzensberger formulierte, das „einzige Medium, indem Demokratie schon immer geherrscht hat“ – und damit meine ich nicht nur die Rechtschreibung, sondern insbesondere die Interpretation und Konnotation:  Die Deutungshoheit von Worten liegt ganz allein bei uns und ist bedingt durch unseren ganz eigenen Erfahrungs- und Gedankenkreis. Bezogen auf unser Problem bedeutet das, dass es – überspitzt gesagt – Willkür oder zumindest Auslegungssache ist, wie ein Richter entscheiden wird. Nicht ohne Grund sagt der Volksmund, dass man bei einer Frage an drei Juristen mehr als fünf Antworten erhält.

Wenn nun selbst Fachleute sich nicht über die Bedeutung einig sind, dann ist es – und damit komme ich zum zweiten Punkt – nur verständlich, wenn auch der Laie, also die Allgemeinheit, damit überfordert ist. Und gerade hier wäre doch Verständnis und Klarheit so wichtig, denn die Regeln und Gesetze sind ja kein Selbstzweck, sondern sollen ein alltägliches friedliches Zusammenleben sichern. Aber wer kennt schon alle Gesetze und handelt danach? Wohl niemand.

Viel eher scheint es einen ethisch-moralischen Grundkanon zu geben, nach dessen Werten man sich verhält. Dieser Kanon mag bei jedem anders ausgeprägt sein und immer nur in der konkreten, subjektiven Situation Anwendung finden, doch glücklicherweise scheint die Vorstellung, dass es Gesetze nicht ohne Grund gibt und man sich wohl besser danach richten bzw. orientieren sollte, bei den meisten zu diesem „Koffer der Gemeinsamkeiten“ zu gehören.

Ich möchte damit nicht sagen, dass Gesetze unnötig sind oder gar den Rechtsstaat in Abrede stellen. Nein, ich möchte nur darauf hinweisen, dass wir alle im alltäglichen Leben weit weniger auf Gesetze und deren Interpretation wert legen, als auf unsere – durchaus von Gesetzen beeinflusste – Vorstellungen von Ethik, Moral und Gerechtigkeit.

Gesetze werden uns nicht retten.

Datenschutzethik vs. Datenschutzrecht

Auch wenn der Datenschutz gerade in Deutschland noch einen sehr hohen Stellenwert besitzt, der sich auch in entsprechenden Gesetzen niederschlägt, so wird gerade auf mit Hinblick auf die Globalisierung und dem damit verbundenem Zuständigkeitsgerangel, welche lokalen Rechtsnormen Geltung haben, deutlich, dass hier noch viel zu tun ist.

Doch wie oben ausgeführt sind Gesetze nicht das, worauf es wirklich ankommt. Was im Alltag der Menschen zählt ist deren subjektive Einschätzung. Wenn man es also schaffen könnte, dass jeder einzelne Mensch seine ethisch-moralischen Vorstellungen um den Datenschutzaspekt erweitert, dann würde davon das gesamte Anliegen deutlich mehr profitieren als von neuen Gesetzen. Diese zusätzliche Dimension nenne ich im Gegensatz zu datenschutzrechtlichen Bestimmungen Datenschutzethik.

Würde sich dieses neue Bewusstsein durchsetzen, könnte das nicht nur Auswirkungen auf den privaten Bereich haben, sondern auch größere Unternehmen umkrempeln. Denn auch wenn man – mit guten Gründen – versuchen kann Privates und Berufliches zu trennen, so wird man doch stärker für das Thema sensibilisiert, schlägt im Zweifelsfall mal eher im Gesetzestext nach oder kommuniziert seine Bedenken.

Im Gegenzug könnte aber eine unkritische, bedenkenlose, generelle und prinzipielle Öffnung privater Daten, wie sie Vertreter der Post-Privacy-Theorien fordern, sofern sie zur ethischen Handlungsgrundlage der Menschen wird, viel verheerendere Auswirkungen haben, als wenn jemand lediglich mit der Öffnung seiner
eigenen Daten unvorsichtig ist. Dem gilt es entgegenzuwirken.

Ein weiterer positiver Aspekt der Datenschutzethik ist eine gewisse Leichtigkeit, mit der man auf potenzielle Missstände hinweisen kann. Als Nichtjurist möchte man ungern Dinge ansprechen, die man zwar nicht richtig findet, aber deren komplexe rechtliche Lage man nicht versteht. Man will – und kann – dem anderen keinen Vorwurf machen, er würde gegen das Gesetz verstoßen, wenn man selbst kein tieferes fachliches Wissen von der Materie hat. Mit der Datenschutzethik lässt sich nun aber ein gewisses Unbehagen formulieren, ohne dass sich jemand ertappt fühlen muss:

„Hier passiert etwas mit meinen Daten, das ich nicht richtig finde. Vielleicht ist es rechtlich kein Problem, aber lass uns mal darüber reden, wie wir die Situation für beide Seiten verbessern können.“

Allerdings darf eine starke Datenschutzethik nicht dazu führen, datenschutzrechtliche Bemühungen brachliegen zu lassen, denn auch hier besteht massiver Handlungsbedarf. Aber wenn wir wirklich etwas an der Situation verbessern wollen, dann muss man bei den einzelnen Menschen selbst ansetzen.

Datenschutz in der Lehrerbildung

Die logische Konsequenz ist, dass man solche datenschutzethischen Überlegungen auch in den Schulen thematisiert. Folglich müsste das dafür nötige Handwerkszeug auch während der Lehrerbildung vermittelt bzw. erlernt werden. Doch meine bisherigen Erfahrungen sowohl in der Fort- und Weiterbildung von Lehrern als auch in meinem eigenen Studium an einer Pädagogischen Hochschule sind eher negativ:

Weder Studierende noch Dozenten verhalten sich bei personenbezogenen Daten – seien es die eigenen oder fremde – besonders kritisch. Oftmals werden Klausurergebnisse in großem Kreis veröffentlicht oder werden Anwesenheitslisten mit Matrikelnummer und Klarnamen geführt. Widerstand seitens der Studenten gibt es nur vereinzelt. Warum auch? Die meisten wurden schon so weit sozialisiert, dass sie das alles ganz normal finden. Man lässt ja auch die Kommilitonen mal die eigenen Noten nachschauen, weil man nicht extra an die Uni oder PH fahren möchte, oder vertreibt sich die Pausen im Computerraum in sozialen Netzwerken.

Bei Nachfragen wird man oft verwundert angeschaut, denn die meisten würden das unliebsame Thema Datenschutz doch lieber an die Informatik-Hochburgen abschieben. Doch Datenschutz ist – wie oben erwähnt – kein primär rechtliches Problem und genau so ist es kein primär technisches Problem. Bei Datenschutz geht es um Persönlichkeit, um Menschen und deren Interaktion miteinander. Und wenn die zukünftigen Lehrer es nicht lernen, kritisch mit diesem Thema umzugehen, dann werden sie diese Verhalten auch an Generationen von Schülern weitergeben.

Das in dieser Sache Handlungsbedarf besteht, hat auch die neue grün-rote Koalition in Baden-Württemberg erkannt. In deren Koalitionsvertrag „Der Wechsel beginnt“ heißt es beispielsweise (Seite 68):

Datenschutz ist auch eine Bildungsaufgabe. Regelungen zur Vermittlung von Datenschutzbewusstsein müssen deshalb nicht nur in den Datenschutzgesetzen, sondern auch in den Lehrplänen von Bildungseinrichtungen verankert werden.

Einige Seiten später heißt es dort weiterhin (Seite 78):

Deswegen muss Medienpädagogik als Querschnittsaufgabe auch bei der anstehenden Neustrukturierung der Lehramtsausbildung – ebenso wie in den verschiedenen pädagogischen Studiengängen und Ausbildungen – durchgängig und verbindlich berücksichtigt werden. Zur Medienkompetenz gehört die Vermittlung von Datenschutz und Verbraucherschutz, insbesondere in sozialen Netzwerken.

Dass Datenschutz bzw. die -ethik also durch etwas mit Pädagogik zu tun hat erkennt man nicht nur an dem Wort „Medienpädagogik“, sondern auch, wenn man sich über die eigentliche Ziele klar wird. Es geht nicht darum, die digitalen Medien zu verteufeln, es geht auch nicht darum jemanden Vorschriften zu machen, wie er mit seinen oder fremden Daten umzugehen hat, ob er soziale Netzwerke nutzen darf oder nicht.

Es geht viel mehr darum, dass Schüler und Studenten lernen, kritisch zu hinterfragen (Wem vertraue ich? Technik? Menschen? Aus welchen Motiven wird gehandelt? Wer trägt die Kosten? Wem nutzt es?), Informationen zu sammeln und  auszuwerten und auf Grundlage dessen selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen, Entscheidungen die sie selbst betreffen, die andere betreffen, die das gemeinsame Zusammenleben  betreffen. Es geht um Mündigkeit, nichts weniger.

Mündigkeit.

Epilog

Auch wenn dieser Text keinerlei wissenschaftlichen Anspruch hat, nur die mehr oder weniger ausformulierte Meinung eines einzelnen Studenten ist, hoffe ich doch den ein oder anderen Gedanken angeregt zu haben. Ich bin natürlich über Kommentare dankbar, vielleicht kennt ja jemand einen guten Artikel oder gar Buch zu dem Thema? Denn leider scheint es da noch sehr wenig zu geben. Die meisten Schriften kommen aus Ländern, in denen der Datenschutz traditionell einen geringeren Stellenwert hat und sich daher seine ethische Betrachtung und Einschätzung auch fundamental unterscheidet. Das aus dem deutschen Raum stammende „Gewissensbisse“ behandelt generell ethische Fragen an die Informatik, verpasst aber die Gelegenheit wirklich tiefere pädagogische und auch didaktische Einblicke zu liefern.

Eines der anregendsten Gespräche hatte ich in Maputo mit Prof. Hans Saar. Hans war früher an der PH Leipzig tätig und ist vor einigen Jahren nach Mosambik ausgewandert. Heute ist er Professor für Pädagogik an der Universidade Pedagogica. In unserem Gespräch ging es unter anderem um die Primarlehrerausbildung und den Grundschulunterricht in Mosambik. Man kann sich kaum vorstellen, unter welchen Bedingungen Lehrerinnen und Lehrer in den Grundschulen arbeiten. Oft lehren sie in drei Schichten: Morgens unterrichten sie 70 Schüler, mittags kommen die nächsten 70, und abends nochmal 70 andere. Und das alles für wirklich wenig Geld! Es freut mich sehr, dass sich Hans bereit erklärt hat, einen Gastbeitrag über die grundlegenden Entwicklungsprobleme des Bildungswesens in Mosambik zu schreiben. Bitte schön:

Das Bildungswesen in Mosambik hat in den zurückliegenden Jahren mit den verstärkten Anstrengungen der Regierung und der Internationalen Gebergemeinschaft eine vor allem in quantitativer Hinsicht durchaus anerkennenswerte Entwicklung genommen. Ausdruck dessen ist die Politik der Expansion der Bildung in allen Provinzen des Landes, sind konkret der weitere Ausbau des Schulnetzes, die Verbesserung der materiell-technischen Basis der Schulen (auf noch immer niedrigem Niveau), der verbesserte Zugang zur Schule für die Kinder und insbesondere der Mädchen, die schnellere Bereitstellung von Lehrern für die Primarschule durch das Ausbildungsmodell 10 plus 1 etc.. Eingangsprofil zum Studium ist damit zum ersten Mal die 10. Klasse,was positiv zu bewerten ist, da es bisher nur Modelle mit der Eingangsvoraussetzung der 4.-8. Klasse gab. Leider wurde gleichzeitig die Ausbildungszeit auf ein Jahr reduziert, was wiederum die Qualität der Ausbildung beeinträchtigt.
Ein weiteres Problem der mosambikanischen Schule ist die mangelhafte Vorbereitung und Durchführung des sogenannten halbautomatischen Übergangs (eine Politik zur Reduzierung der hohen Sitzenbleiberrate, insbesondere in den ersten Grundschuljahren), welcher unter pädagogischen Aspekten durchaus vertretbar ist und einen wertvollen Beitrag zur Ausbildung der Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens aller Kinder leisten kann. Da der mosambikanische Primarschullehrer sich jedoch als Autorität versteht, wurde ihm damit das Machtmonopol der Zensur teilweise genommen, was für ihn unverständlich war und letztlich zu einer Art indirekten Arbeitsverweigerung führen konnte. Nicht das beabsichtigte Ziel, den Kindern mehr Selbstvertrauen zu geben und Kompetenzen ohne das „Schwert der Zensur“ zu entwickeln, wurde erreicht, sondern eine Degradierung von Qualität, so dass wieder mehr Schüler in Grundschulklassen ohne entsprechende Kenntnisse und Könnensqualitäten angetroffen werden.
Einerseits lassen sich im mosambikanischen Bildungswesen durchaus positive quantitative Entwicklungen feststellen, die jedoch unzureichend qualitativ unterlegt sind. Darin besteht u.E. das grundlegende Problem des mosambikanischen Bildungswesens.
Einer durchaus erfreulichen Entwicklung insbesondere unter quantitativem Aspekt stehen also neue große Herausforderungen gegenüber, wie das folgende Beispiel verdeutlicht. Mosambik verfügt in der Regel über insgesamt genügend ausgebildete Lehrer, wobei dies noch nichts über die Qualität der Ausbildung aussagt, sodass es kaum noch zur vertraglichen Bindung nichtqualifizierter Lehrer kommt. Es gibt bereits die Erscheinung, dass es Wartelisten zur Einstellung für den Lehrerberuf gibt. In den nächsten Jahren müssen qualitative Fragen weitaus stärker in strategische Überlegungen und konkretes Denken in allen Bereichen des Bildungssystems zum Tragen kommen.
Die Sicherung einer besseren und auf die mosambikanische Grundschule bezogenen Lehrerausbildung stellt eine der grundlegenden Herausforderungen dar. Der Weg dahin erfordert ein Umdenken aller Entscheidungsträger im Bildungssektor und für die Pädagogische Universität Maputo, die längst nicht mehr lediglich in Maputo zu Hause ist, sondern in fast allen Provinzen des Landes mit Delegationen vertreten ist, sodass man berechtigterweise von einer Landesuniversität sprechen kann.
Ohne die Schaffung neuer Wissenschafts- und Lehrdisziplinen, die einen engen Bezug zur Grundschule haben, wie die Grundschulpädagogik und –didaktik sowie die spezifischen Didaktiken der in der Grundschule vertretenen Fächer wird es kaum eine grundlegende Verbesserung in der Primarschullehrerausbildung und eine dringend erforderliche Verbesserung der Qualität der mosambikanischen Grundschule geben. Diese Entwicklung ist ansatzweise eingeleitet, und das zu erreichende Ergebnis sollten unter anderem Dozenten an den Primarschullehrer ausbildenden Einrichtungen sein, die wesentlich besser als bisher Lehrerstudenten auf ihre Tätigkeit an der Grundschule vorbereiten, die nicht im Allgemeinen verbleiben, sondern der Spezifik des mosambikanischen Grundschulkindes und einer adäquaten Pädagogik/Didaktik verbunden sind.
Unter anderem mit der Vertiefung der Hochschulkooperation zu deutschen Universitäten und der beabsichtigten Gründung eines Zentrums zur Entwicklung der Grundschule und zur Durchführung von Studien in der Provinz Gaza unternimmt die Pädagogische Universität Anstrengungen sich intensiver qualitativen Fragen der mosambikanischen Grundschule und der Primarschullehrerbildung zuzuwenden.

Web-2.0-Kenntnisse von Lehrerinnen und Lehrern

Veröffentlicht: Freitag, Oktober 8, 2010 in Gastbeitrag, Schule, Web 2.0

Hier in Maputo habe ich festgestellt, dass die Studierenden kaum Web-2.0-Kenntnisse haben. Einige kennen sogar Wikipedia überhaupt nicht. Das ist aber nichts besonderes: Auch in Deutschland haben Lehrerinnen und Lehrer nur marginale Kenntnisse, während die Schülerinnen und Schüler solche Tools täglich nutzen. Eine sinnvolle Behandlung von Möglichkeiten und Risiken im Unterricht ist daher nur begrenzt möglich. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Hausarbeit wird Katharina Schnorr einen Fragebogen entwickeln, um einmal Web-2.0-Kenntnisse von Lehrerinnen und Lehrern zu erheben. Ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse, aber zunächst einmal muss der Fragebogen entwickelt werden. Daher habe ich Katharina Schnorr angeboten, sich durch einen Gastbeitrag von euch Anregungen in meinem Weblog zu holen. Bitte sehr, hier ist er!

Schülerinnen und Schüler bewegen sich heute täglich im Web 2.0, ohne grundlegende Kenntnisse zu den Abläufen und Hintergründen zu haben. Viele veröffentlichen in ihrem Steckbrief in Online-Communities persönliche Fotos und Daten, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was mit diesen Fotos und Daten geschehen kann.

Wie Christian Spannagel in seinem Blog im Artikel Web 2.0 in der Schule: Das „Warum?“ schreibt, kann es also Aufgabe der Schule sein „die Jugendlichen zu einem vernünftigen, reflektierten und produktiven Internetgebrauch zu führen“. Doch dafür ist es unbedingt nötig, dass die Lehrinnen und Lehrer grundlegende Kenntnisse haben, wie dieser vernünftige, reflektierte und produktive Internetgebrauch stattfinden kann. Aus diesem Grund versuche ich in meiner wissenschaftlichen Hausarbeit herauszufinden, in welchen Bereichen die Kenntnisse der Lehrerinnen und Lehrer ausreichend für die Schule sind, aber auch vor allem in welchen Bereichen Kenntnisse und Fertigkeiten fehlen. Dafür erstelle ich derzeit einen Fragebogen, mit dem ich die Kenntnisse von Lehrern zum Web 2.0 erheben möchte. Als ein Ergebnis der Arbeit soll aus den erhobenen Daten eine Handreichung für Lehrerfortbildungen entstehen.

Ein Bereich des Fragebogens soll ein Wissenstest werden, in dem die Lehrer Fragen im folgenden Stil beantworten sollen:

1. Was ist ein Wiki?
a. Ein Artikel aus Wikipedia
b. Anwendung zur kollaborativen Texterstellung und Bearbeitung
c. Programm zum Schreiben von Texten auf dem PC
d. Eine Warnung auf Wikipedia vor falschen Artikeln
e. Ein Mikrobloggingsystem

2. Wer kann bei Wikipedia Artikel erstellen und ändern?
a. Nur angemeldete Nutzer
b. Autoren der Seite
c. Jeder; angemeldet und nichtangemeldet
d. Nur nichtangemeldete Nutzer
e. Nur Wissenschaftler

Diese beiden Fragen stammen aus dem Bereich „Wiki“. Weitere Bereiche sollen sein: Datenschutz, RSS-Feeds, Weblogs, Twitter, Online-Communities, Podcasts und Social Bookmarking.

Christian Spannagel hat mir nun angeboten seinen Blog dazu zu nutzen, weitere Ideen für Fragen zu sammeln: mit eurer Hilfe! Also: wer von euch kann mir Anregungen geben, was man in einem solchen Wissenstest fragen könnte? Vielleicht seid ihr absolute Experten in einem Bereich und habt super Ideen dazu. Gerade in Bereichen wie Datenschutz ist es doch sehr schwer als Laie wasserdichte Fragen zu formulieren. Wenn jemand noch Ideen für andere Bereiche hat, die man abfragen könnte oder ihr der Meinung seid bestimmte Bereiche sollten nicht abgefragt werden, her damit :-)! Was auch immer euch dazu einfällt… ich bin für jede Anregung dankbar!

Die Verkehrsplaner und das aktive Plenum

Veröffentlicht: Sonntag, Oktober 3, 2010 in Gastbeitrag, Hochschuldidaktik
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Anfang des Jahres habe ich an der TU Braunschweig einen Vortrag zum Thema Aktives Plenum gehalten. Unter den Teilnehmern war Jannis Rohde, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Verkehr und Stadtbauwesen der TU Braunschweig und Dozent an der Leibniz Universität Hannover. Jannis hat die Methode darauf hin selbst erfolgreich eingesetzt. Das habe ich zum Anlass genommen, Jannis zu fragen, ob er nicht einen Gastbeitrag über seine Erfahrungen mit dem aktiven Plenum schreiben möchte. Ich selbst habe bislang nur Erfahrungen mit dieser Methode in Mathematik(didaktik)veranstaltungen gemacht, und insofern ist es sehr gut, auch vom Einsatz in anderen Disziplinen zu erfahren. Danke, Jannis, für den folgenden Beitrag:

Im April 2010 habe ich die vom Kompetenzzentrum für Hochschuldidaktik Niedersachsen organisierte „After-Lunch-Session“ mit Christian zum Thema „Aktives Plenum“ besucht. Die Methode hat mich überzeugt, nicht zuletzt deswegen, weil Christian sie uns Teilnehmern „am eigenen Leib“ hat erleben lassen. Ohne es am Anfang zu merken, waren wir nämlich schon mittendrin in der Methode und haben ihre Vorgehensweise und Lernerfolg somit hautnah erfahren.

Im Sommersemester 2010 habe ich mich entschlossen, das aktive Plenum in meinem Bachelor-Projektkurs im Studiengang Bauingenieurwesen (6. Semester) an der TU Braunschweig auszuprobieren. Ziel des Projektkurses ist den Studierenden einen Einblick in die praktische Arbeit der unterschiedlichen Felder des Bauingenieurwesens zu geben.

Als Verkehrsplaner habe mich für das Thema Shared Space (gemeinsame Verkehrsfläche für alle Verkehrsarten) mit dem realen Untersuchungsobjekt Frankfurter Platz in Braunschweig entschieden. Als schnellen, aber effizienten Einstieg in das Thema beim ersten Projekttreffen und zum „Warmwerden“ der 13 Projektteilnehmer schien mir das aktive Plenum geeignet zu sein. Das Shared Space-Konzept wird in Wissenschaft und Praxis zurzeit kontrovers diskutiert, da es mit vielen Gewohnheiten herkömmlicher Straßenräume bricht, aber seine Wirkungen wenig erforscht sind. Es eignet sich daher sehr gut für eine pro- und contra-Diskussion im Rahmen eines aktiven Plenums. Beiden Gruppen habe ich ausgewählte Materialien (Auszüge aus Fachliteratur) gegeben, in denen sie Argumente für ihre Argumentation finden konnten und dann ging’s los…

Die Studierenden haben sofort engagiert mitgemacht! Christians Warnung „Diszipliniert euch als Dozenten in Zurückhaltung und greift möglichst wenig ein!“ musste ich gar nicht beherzigen, denn es entwickelte sich von ganz alleine eine lebhafte Diskussion. Am meisten hat mich gefreut, dass die Gruppen ihre Rollen richtig ernst „gespielt“ haben, soll heißen, während der Diskussion direkt auf die Argumente der Gegenpartei eingegangen sind, auch nachdem die vorgefertigten Argumente schon verbraucht waren. Es entstand zuweilen ein richtiger Schlagabtausch.

Fazit: Durch das Aktive Plenum wurde das Thema Shared Space mit seinen Potenzialen und Gefahren sehr gut erschlossen. Durch die ausgeteilten Materialien gelang zudem die Vermittlung des fachlichen Grundwissens. Die Methode Aktives Plenum habe ich erfolgreich in mein Methodenrepertoire übernommen und ich werde sie weiterhin einsetzen.

Classroom Presenter in Geometrieübungen

Veröffentlicht: Freitag, Juli 23, 2010 in Gastbeitrag, Geometrie, Hochschuldidaktik
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*m.g.* hat mich auf die Idee gebracht, dass Studierende, die bei mir/uns eine wissenschaftliche Hausarbeit schreiben, relativ am Anfang ihrer Arbeit einen Gastbeitrag in meinem Weblog veröffentlichen können.  Dies ermöglicht es ihnen, recht früh im Entstehungsprozess ihrer Qualifikationsarbeit Rückmeldungen von außen – d.h. von euch – zu bekommen. Ich finde, das ist eine grandiose Idee, und ich werde das in Zukunft allen Studierenden anbieten. Hier ist gleich ein erster Beitrag von Georg Feidenheimer und Simon Knoblauch. Sie setzen im Rahmen einer Geometrie-Veranstaltung, in der wir auch das Geowiki verwenden, ein System ein, das es ermöglicht, studentische Lösungen aus Aktivitätsphasen anynom nach vorne an den Dozentenrechner zu holen und dann bestimmte Lösungen (z.B. solche mit typischen Fehlern) zu präsentieren und gemeinsam zu besprechen. Bitte schön, Herr Feidenheimer und Herr Knoblauch, Sie haben das Wort:

Schule der Zukunft

Jeder Schüler hat einen Bildschirm vor sich auf dem Tisch liegen und bearbeitet die Aufgaben, die der Lehrer vorher über das Netz verteilt hat. Hat jemand eine Frage, so muss er sich nicht mehr bemühen die Aufmerksamkeit des Lehrers durch Heben des Zeigefingers auf sich zu lenken, sondern schreibt diese einfach auf und schickt sie ihm über das Netz zu. Im Zeitalter unserer „Schule der Zukunft“ haben die Schüler also die Möglichkeit anonym Fragen zu stellen, ohne sich vor den Reaktionen der Mitschüler und Lehrer fürchten zu müssen. Sie können sich also mitteilen, ohne Angst zu haben, dass sie jederzeit ausgelacht werden könnten. Außerdem herrscht in der „Schule der Zukunft“ kein Papierchaos mehr, denn mit einem „Klick“ verschickt der Lehrer die Aufgaben digital an seine Schüler. Die Schüler schicken die Lösungen zurück. Jeder kann sich alles auf einem Speichermedium sichern, mit nach Hause nehmen, damit lernen, Aufgaben bearbeiten oder, wer mag, auch einfach ausdrucken und abheften.

Uni der Zukunft

Ebenso könnten Vorlesungen, Seminare und Übungen in der Zukunft aussehen. Studenten trauen sich meist nicht zu fragen oder zu kritisieren. In der Zukunft können sie dies alles anonym tun. Keiner weiß, wer die Frage stellt. Der Dozent kann hier kleine Aufgaben in die Vorlesung einbinden, die von den Studenten bearbeitet und anonym an ihn zurück geschickt werden. Jetzt hat er die Möglichkeit, sich die Lösung herauszusuchen, welche er am geeignetsten für den weiteren Verlauf der Veranstaltung hält. Von außen betrachtet könnte man solch eine Veranstaltung mit einem riesigen Gehirn vergleichen. Ein „Instructor“ (Lehrer, Dozent) entscheidet dabei, welcher (Hirn)impuls wichtig ist und genau diesen gibt er dann zur Diskussion frei. Ebenso, wie in der Schule der Zukunft, kann hier natürlich auch alles abgespeichert und mit nach hause genommen werden.

Aktuelle Situation in der Schule

Der Lehrer verteilt Arbeitsblätter, welche die Schüler bearbeiten sollen. Zuvor erklärt er an einer OHP-Folie, wie er sich die Bearbeitung der Aufgaben vorstellt. Der eine oder andere Schüler fragt vielleicht mal nach, wenn er etwas nicht verstanden hat. Viele jedoch schauen auf das Blatt und wissen immer noch nicht was zu tun ist, sei es wegen mangelnder Aufmerksamkeit oder auch einfach weil sie es nicht verstanden haben. Die Schüler bearbeiten die Aufgaben, der Lehrer läuft durch die Reihen und erklärt hier und da noch einzelnen, wenn er etwas bemerkt. Bei der anschließenden Besprechung ruft der Lehrer einen Schüler auf, der die Aufgabe nochmal vorliest und seine Lösung auf die Folie schreibt. Ist nur noch wenig Zeit, übernimmt dies meist auch der Lehrer. Ist die Lösung richtig, ist alles wunderbar, alle nicken und gehen in die Pause. Ist die Lösung falsch, wird sie, falls noch Zeit ist, von einem anderen Schüler verbessert. Falls nicht, wieder vom Lehrer. Und dann gehen ebenfalls alle in die Pause.

Nächste Stunde:

Lehrer: „Kann mir jemand sagen was wir letzte Stunde gemacht haben?“
Schüler kramen in Ihren Ranzen und blättern ihre Ordner durch.
Susi: „Ja, das AB (xy).“
Mark-Oliver: „Das hab ich nicht…!“

Classroom Presenter

Der Classroom Presenter ist ein von der Universität Washington entwickeltes Programm für Tablet PCs. Das Programm erlaubt, dass der Vortragende in seine Folien skizziert, um manches deutlicher zu machen, und dass Zuschauer, die ihren PC mit dem Netzwerk verbunden haben, Notizen und Kommentare anonym an den Vortragenden senden können. An der PH Heidelberg erproben wir gerade eine Übungsveranstaltung für die Einführung in die Geometrie mit genau diesem „Werkzeug“.

Der Dozent bekommt alle in dieser Gruppe gesammelten Lösungen, kann sofort drauf zugreifen oder auch mit nach Hause nehmen, sie neu bearbeiten und in anderen Veranstaltungen einsetzen. Jeder Student hat die Möglichkeit sich anonym zu äußern.

Man stelle sich folgende Situation vor:

Ein Seminar mit einem Dozenten und seine Studenten. Jeder Einzelne hat einen Tablet PC mit Internetanschluss vor sich liegen:

Der Dozent öffnet als „Instructor“ das Programm und beginnt eine neue Präsentation. Jeder der Studenten öffnet das Programm ebenfalls, jedoch im Modus „Student“, und steigt in die Präsentation des „Instructors“ mit ein. Der „Instructor“ öffnet jetzt ein neues Deck und hat somit ein weißes Blatt vor sich liegen. Dieses weiße Blatt hat dann auch jeder einzelne Student vor sich. Alles, was der „Instructor“ jetzt aufschreibt, wird auch bei den Studenten sichtbar. Zum Beispiel könnte der „Instructor“ auch eine vorgefertigte Aufgabe einfügen, die seine Studenten bearbeiten sollen, um ihm diese anschließend bearbeitet wieder zurück zu schicken. Zusätzlich kann man auch noch einen „Public Display“ anschließen, den man wiederum mit einem Beamer verbindet, an dem man dann das aktuelle Deck des „Instructors“ sieht. Sobald die Lösungen der Studenten jetzt anonym beim „Instructor“ eingehen, kann er sich aussuchen, welche dieser Lösungen er als Beispiel mit der gesamten Gruppe bespricht. Dies hat den Vorteil (außer dem der Anonymität), dass er sich vorher überlegen kann, welche Lösung in dieser Situation am besten geeignet ist, um das Seminar weiter zu gestalten. Oder er nimmt die Lösungen einfach mit nach Hause und gestaltet daraus eine neue Aufgabe. Was folgt ist kein Papierchaos mehr. Alle können ihre Sachen abspeichern und mitnehmen. Jeder kann anonym Fragen stellen. Der Dozent kann die verschiedenen Lösungen weiter bearbeiten und auch anderweitig verwenden.

Zwischenbilanz

Was bisher geschah……

  • Die Technik war am Anfang die größte Herausforderung, der wir uns haben stellen müssen. W-Lan, Software und Co.  haben uns lange auf Trab gehalten, bis die mittlerweile ca.  sechs Jahre alten Rechner einigermaßen so funktioniert haben, wie wir es wollten.
  • Der Unterschied zu Powerpoint-Präsentationen ist der, dass man in Powerpoint nichts unterstreichen oder markieren kann, während man vorträgt. Mann muss vor an die Wand, um auf etwas zu zeigen oder auch anders gestikulieren, um etwas zu verdeutlichen. Mit dem Classroom Presenter ist das alles nicht mehr nötig, denn man kann viel besser verdeutlichen, was man meint, wenn man direkt in die Folie skizziert. Am Anfang unseres Projekts gingen wir noch aus Gewohnheit an die Wand um mit der Hand direkt auf etwas zu zeigen.
  • Haben die Studenten die Aufgaben gelöst und kommen dann Unmengen an Lösungen bei uns an, ist dies zunächst sehr gut, da wir jetzt eine ganze Menge Stoff haben, an den wir anknüpfen können. Jeder einzelne Lösungsvorschlag wird auf einer nebenstehenden Leiste angezeigt.
  • Die Folien werden leider so klein angezeigt, dass man nichts lesen kann. Zwar kann man die Größe noch ein wenig variieren, doch bekommt man die Folien einfach nicht groß genug, um anständig darin lesen zu können. Wenn man die Folien jetzt anklickt sieht man sie zwar in voller Größe auf dem Bildschirm aber auch gleichzeitig über den „Public Display“, was wir noch nicht möchten. Dieses Problem haben wir behoben, indem wir einen größeren Bildschirm angeschlossen haben und den Beamer immer ausschalten, wenn wir uns die Lösungen anschauen. Natürlich ist das nicht die optimale Lösung. Dieses Problem müsste im Programm selber behoben werden, indem es einen Button gibt, nach dessen Betätigung man sich anschauen kann was man will und sich am Public Display und an den Displays der Studenten nichts verändert.
  • Ein weiterer Punkt ist die Fähigkeit, auf die Schnelle alle oder zumindest die meisten Lösungsvorschläge vergleichen zu können und zu entscheiden, welche Folie jetzt die geeignetste wäre.
  • Außerdem ist uns aufgefallen, dass jeder Student eine Lösung gestaltet, welche er dann zu uns schickt – anders als bei konventionellen Methoden, bei denen dann die Hälfte der Studenten wartet bis die andere Hälfte einen Lösungsvorschlag erbringt.
  • Aus einer Umfrage in der Übungsgruppe kam deutlich hervor, dass durch die visualisierten Gedankengänge der Kommilitonen jeder einzelne Student einen besseren Zugang zu der Materie erlangt.

Verbindung zu Geowiki

Als Beispiel für die Verwendung der Studentenlösungen zeigt sich das bei Geowiki eingestellte Quiz zur „Einführung in die Geometrie“. Herr Schnirch hat hier zwei Lösungen der Studenten eingestellt und Aussagen zu diesen dazugeschrieben. Jetzt können die Studenten ankreuzen. Was stimmt, was stimmt nicht? Am Ende können sie sogar, mit Hilfe des Korrekturbuttons, sehen, ob sie mit ihren Aussagen richtig liegen oder nicht.

Dies ist erst der Anfang dieses Projekts. Sicher tauchen noch mehr Aufgaben im Geowiki“ uf, welche auf Lösungen von Studenten im CPS-Versuch basieren.

Was meint Ihr zu dem Versuch?
Was haltet ihr von unserer Vorstellung der zukünftigen Schule bzw. Uni?
Habt ihr Vorschläge oder Bedenken?
Was haltet ihr von der Möglichkeit anonym Fragen stellen zu können?
Was haltet ihr davon, dass dem Dozenten bzw. Lehrer immer alle Lösungen digital zur Verfügung stehen?
Schreibt was auch immer euch auf der Seele brennt. Zerpflückt den Versuch, zerpflückt das Programm. Jede Anregung, die wir von euch bekommen, hilft uns weiter.

Vor einiger Zeit habe ich mein Blog auch für Gastbeiträge freigegeben. Das wird noch viiiiel zu selten in Anspruch genommen. Daher freue ich mich ganz besonders, dass die Studentinnen Helen und Kathrin der Universität Tübingen einen Gastbeitrag im Rahmen eines Psychologie-Seminars bei Johannes Moskaliuk verfasst haben. Insbesondere freut mich daran, dass Helen und Kathrin hinterfragen, inwieweit bestimmte Ergebnisse der psychologischen Forschung auf die Schule übertragbar sind. (Zur Übertragbarkeit experimenteller Forschung siehe auch folgenden Beitrag.) Nun aber genug des Vorworts. Hier kommt der Beitrag von Helen und Kathrin zum Thema „Computerbasierte Kollaborationsskripte“:

In der Praxis zeigte sich, dass der Lernerfolg bei Gruppenarbeiten nur mäßig ist. Als Fördermaßnahme werden deshalb gerne sogenannte computerbasierte Kollaborationsskripte verwendet, mit dem Ziel den Gruppenerfolg und den individuellen Erfolg effektiver zu gestalten. Dabei handelt es sich um aufgabenbezogene Instruktionsmittel, die in ihrem Strukturiertheitsgrad variieren und die den Lernenden meist unterschiedliche Rollen zuweisen. Beispielsweise lernen in dem Kollaborationsskript von Baker und Lund (1997) zwei Schüler über ein Chatprogramm und mit zusätzlichen Hilfen von Diagrammen und einem Grundlagentext, wie ein Energiekettenmodell funktioniert. Dabei kommunizieren die Schüler über Buttons, die entweder vollständige Sätze wie z. B. „Lass uns mit Punkt xy anfangen“ oder Halbsätze, die vervollständigt werden müssen (Bsp. „Ich denke, dass…“), enthalten. Den Lernenden ist freigestellt, wer welche Rolle übernimmt, wer nun also erklärt bzw. lediglich kommentiert – meist entscheidet hierüber die individuelle Kompetenz.

Jedoch stellt sich die Frage, in wie weit die Anwendung solcher Skripts bei computerbasiertem Lernen in der Schule tatsächlich effektiv ist?!

Beispielsweise bietet sich das Lernen mit Hilfe eines Chats, Diskussionsforums etc. in der Schule nicht direkt an, da das Vorhandensein der technischen Möglichkeiten nicht unmittelbar gegeben ist beziehungsweise der Austausch über Chats innerhalb eines Raumes nicht sinnvoll erscheint. In welchen Situationen sind computerbasierte Kollaborationen in der Schule überhaupt sinnvoll?

Folgende Nachteile der computerbasierten Kollaboration werden dabei deutlich:

  • Fehlende nonverbale Hinweise (wie Gestik, Mimik, etc.) oder unvollständige Sätze führen des öfteren zu Problemen in der Kollaboration. Gerade bei leistungsschwachen Schülern können abstrakte (zum Beispiel naturwissenschaftliche) Lerninhalte, die über computerbasierte Kollaborationen vermittelt werden, zu vermehrten Verständnisschwierigkeiten führen.
  • Bei computerbasierten Kollaborationen fehlt eine direkte Überwachungsinstanz durch z.B. den Lehrer, welcher die Aufgabenausführung der Schüler sowohl kontrollieren als auch richtigstellen kann.
  • Das gezielte, akute Nachfragen bei Verständnisproblemen scheint in Chatrooms nahezu unmöglich, da die Zeit zwischen den Eingaben teilweise recht lang sein und eine Eingabe nicht sofort unterbrochen werden kann, falls sich der Gegenüber auf einen anderen, nicht gefragten und eventuell sogar irrelevanten Aspekt konzentriert.

Um einige Nachteile zu kompensieren bieten sich folgende Verbesserungsvorschläge an:

  • Bei Kollaborationen muss immer auch berücksichtigt werden, dass persönliche Faktoren wie Sympathie gegenüber der Gruppenmitglieder und die Motivation, ein Skript zu befolgen, eine wesentliche Rolle dabei spielen, in wie weit jemand bereit ist, seinen Lernpartnern sein Wissen mitzuteilen.
  • Darüber hinaus sollte das Kollaborationsskript gezielte Anweisungen enthalten, welche Aufgaben zu übernehmen sind und jedem Lernenden direkt eine verantwortungsvolle und relevante Aufgabe zuweisen.

Es zeigen sich durchaus auch große Vorteile für computerbasierte Kollaborationen:

  • Schüchterne Personen tun sich im vertrauten Umfeld und nicht unter direkter Beobachtung anderer leichter, ihr Wissen mitzuteilen und sich einzubringen.
  • Beim computerbasierten Lernen besteht die Möglichkeit, sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten am Gruppengeschehen zu beteiligen, vor allem dann, wenn örtliche Distanzen einen persönlichen Austausch verhindern. Dies bietet sich vor allem dann an, wenn akut Probleme bei Hausaufgaben oder bei der Lernvorbereitung auftreten. Die Schüler können problemlos in einem Forum ihre Schwierigkeiten schildern und so Hilfe von Mitschülern, aber auch eventuell Lehrern erhalten. Auch in Hinblick auf Referatsvorbereitungen eignen sich solche Foren sehr gut, wenn eine Terminfindung aufgrund der Gruppengröße schwierig wird.
    An Universitäten ist es beispielsweise auch möglich, solche Kollaborationsskripte im Hinblick auf weltweite Projektarbeiten einzusetzen. Studenten können sich nun zu verschiedensten Uhrzeiten  am Gruppengeschehen beteiligen, ohne sich jemals face-to-face zu treffen.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem zeigt sich im Konzept von Perkins (1993), der sich auf die „distributed cognition“ beruft. Es wird davon ausgegangen, dass die Intelligenz auf mehrere Personen innerhalb einer Gruppe verteilt sein kann und nicht wie in klassischen Ansätzen nur innerhalb einer Person lokalisiert ist. Das person-plus-surround-Konzept von Perkins (1993) unterscheidet zwischen person-solo und person-plus. Ersteres bezieht sich auf das interne Wissen jedes Einzelnen, wie eine ideale Gruppenarbeit aussehen sollte. Letzteres hingegen schließt noch andere Lernpartner und/oder Lernmaterialien mit ein. Eine Schwierigkeit dabei ist, dass die Lernenden ein nicht adäquates Vorwissen über Kollaborationen besitzen, sodass die Differenz zwischen internen und externen Kollaborationsskripten zu groß wird. Eine Folge davon ist eine ineffektive Kollaboration.

  • Wie kann man bereits im frühen Kindesalter eine Förderung seitens der Eltern und Schule so unternehmen, dass sie gezielt auf den Erwerb sozialer Kompetenzen ausgerichtet ist um eine erfolgreiche Kollaboration zu ermöglichen?
  • Könnte man das Problem der fehlenden Hinweisreize in soweit lösen, dass man die Möglichkeit besitzt auch auditive Erklärungen zu leisten oder gegebenenfalls sogar per Videosequenz miteinander kommuniziert?
  • Habt ihr schon mal computerbasierte Kollaborationsskripte im Unterricht eingesetzt? Welche Erfahrungen habt ihr dabei gemacht?

Helen & Kathrin, Uni Tübingen

Gastbeitrag von Anna Brakoniecka (@stoerungsquelle)

Anna habe ich auf dem EduCamp 2008 in Berlin kennen gelernt. Sie hatte damals von der Idee gesprochen, Europäer (insbesondere Deutsche und Polen) im Web 2.0 miteinander zu vernetzen. Diese Idee ist wahr geworden: Ihr Projekt scholar-online.eu ist mittlerweile online. Zudem ist sie mit Ihrem Projekt offizieller Partner der Bildungsexpedition Deutschland. Also ein doppelter Anlass für einen Gastbeitrag in meinem Blog!

Als ich nach Deutschland kam dachte ich, die Sprachkenntnisse reichen völlig aus, um die anderen Menschen zu verstehen. Nach 10 Jahren an verschiedenen deutschen Orten, sowohl im Osten wie im Westen, nach vielen interkulturellen Erfahrungen inkl. Sprachkursen wie „Sächsisch“ und „Fränkisch“, weiß ich, dass Sprachen keine Voraussetzung für volle Verständigung sind, aber sie helfen unglaublich, wenn man mit anderen kommuniziert.

Ein Wissens- und Meinungsaustausch war mir immer wichtig. Nur durch Kommunizieren können wir uns weiterentwickeln und Konflikte vermeiden bzw. ausarbeiten. Kommunikation ist entscheidend. Und da wir in einem vereinten Europa leben, gewinnen der Wissens-, Kultur- und Informationsaustausch international stets größere Bedeutung. Europäer sollten mehr kommunizieren: Rede und überwinde Vorurteile!

Das ist Motto meines Projektes. Es handelt sich dabei um eine Internetplattform Scholar-Online, die meist nur zum „Scholar“ (http://www.scholar-online.eu) abgekürzt wird, und die für alle Europäer zugänglich ist. Jeder kann sich äußern, auch ohne sich registrieren zu müssen, und jeder Kommentar wird zeitnah in andere Projektsprachen übersetzt, teilweise auch mit Zusatzerklärungen, die den Kontext verständlich machen. Nicht jeder Deutsche kennt die politisch-gesellschaftliche Situation in anderen Ländern, um die Nuancen und Wortspiele sofort zu erkennen, genauso wie die anderen Europäern nicht immer mit den typisch deutschen Ausdrucksweisen und Anspielungen vertraut sind.

Unser Projekt besteht aus drei Bereichen:

  • Wir haben ein Diskussionsbereich, wo wir 10 Themen vorgeschlagen haben. Das Hauptthema ist „Ich bin ein Europäer und bin stolz darauf“. Die Gespräche verlaufen je nachdem wie sich die Europäer äußern. Manchmal werden viele politisch-historische Argumente präsentiert, manchmal geht es um sozial-kulturelle Angelegenheiten. Und manchmal werden Fragen gestellt, aus denen lebendige Debatten entstehen.
  • Um die Stereotypen abzubauen und zu zeigen, wie heutige Europäer aussehen und wer sie sind, haben wir die Galerie der Europäer aufgebaut. Hier hat jeder die Möglichkeit, sich selbst zu beschreiben, wir übersetzen alles in die anderen Sprachen. Somit lernen wir uns besser kennen und sehen, dass es viele aktive und interessante Europäer im Alltag zu treffen sind.
  • Das neueste Teilprojekt heißt Galerie der Projekte und hier wollen wir vorstellen, womit sich Europäer täglich oder ausnahmenweise beschäftigen. Wie Young People UK schrieb wäre es schade, wenn der Wissensaustausch nur dadurch angehalten würde, weil uns die Sprachkenntnisse fehlen. Deswegen stellen wir Projekte dar und jeder kann sich darüber äußern, eigene Verbesserungsvorschläge, Fragen, Lob oder konstruktive Kritikpunkte aufschreiben und somit tauschen wir europaweit unsere Gedanken aus. Hier haben wir auch die Bildungsexpedition Deutschland vorgestellt und hoffen auf ein multikulturelles Feedback unserer Gäste.

Mein Team besteht aus vielen tollen, sehr freundlichen und engagierten Europäern, jeder hilft so weit es möglich ist (zuerst als Volontär) mit, um die Kommunikation zwischen Europäern zu fördern.

Uns freut jede Person, die unsere Seite besucht und am Projekt teilnimmt, auch wenn die Mehrheit meistens nur verfolgt, was die anderen geschrieben haben. Wir wünschen uns, dass uns noch mehr Europäer besuchen und sich am Meinungsaustausch beteiligen werden.

Europäer sollten mehr kommunizieren: Rede und überwinde Vorurteile! http://www.scholar-online.eu

Nachwort: scholar-online.eu kann man übrigens auch auf twitter verfolgen: @scholar_online. Ich finde die Idee, Texte in die jeweils andere Sprache zu übersetzen, wirklich toll. Grandios aber fand ich sie, als ich mein eigenes Profil in Polnisch vorfand. 🙂

Mit Blogpatenschaften die Vernetzung fördern

Veröffentlicht: Montag, März 16, 2009 in Gastbeitrag, Web 2.0

Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, in meinem Blog auch Gastbeiträge aufzunehmen, da ich dies für eine sehr schöne weitere Möglichkeit der Vernetzung halte. Daher bin ich ganz besonders froh darüber, dass diejenige Person den ersten Gastbeitrag in meinem Weblog verfasst hat, die sich im besonderen Maße für Gastbeiträge (insbesondere von „Offlinern“) einsetzt: Ina Müller-Schmoß, die Initiatorin von blogpatenschaften.de. Somit: Voilá – der erste Gastbeitrag in meinem Weblog:

Vor einiger Zeit hatte mich Christian gefragt, ob ich nicht mal das Projekt Blogpatenschaften bei ihm im Blog vorstellen möchte. Das will ich hiermit gerne tun.

Mit Blogpatenschaften wollte ich herausfinden, ob man die Vernetzungsmöglichkeiten von Blogs oder Microblogging-Systemen, wie z.B. Twitter dazu nutzen kann, zivilgesellschaftliches Engagement mehr ans Licht zu holen und miteinander zu vernetzen. Es gibt viele Menschen, die sich in ihrem privaten Umfeld für Umwelt, Bildung, Gesundheit oder andere soziale Themen einsetzen, deren Engagement jedoch von den klassischen Medien kaum wahr genommen wird. Darüber hinaus gibt es viele Einzelakteure, die gar nichts voneinander wissen. Für sie könnte eine bessere Vernetzung untereinander hilfreich sein.

Auch ist es so, dass im Internet zum einen oft jene Themen dominieren, die sowieso schon in den klassischen Medien präsent sind oder es geht um viel Technisches (welches Plugin ist mal wieder in Mode) oder um SEO-Aspekte (wie bekomme ich möglichst viele Backlinks und kann mit meinem Blog Einnahmen erzielen) oder die Blogosphäre dreht sich gern auch mal um sich selbst.

So betrachtet ist es kein Wunder, wenn Außenstehende, die kaum Berührungspunkte zum Internet haben, hier zunächst für sich keinen Mehrwert erkennen können und Bloggen und Twittern für reine Zeitverschwendung halten.

Im vergangenen Jahr habe ich auf der Re:publica08 und dem ersten SocialCamp in Berlin viele engagierte Leute getroffen, die wie ich der Meinung waren, dass man mit dialogorientiertem Internet vernachlässigte Themen aufgreifen und transportieren kann, am besten direkt heraus aus ihrer jeweiligen Nische bis hin zu einer Veröffentlichung in den klassischen Medien (Print, Radio und Fernsehen).

Ich dachte damals daran, z.B. für eine Suppenküche, ein Altenheim oder eine Selbsthilfegruppe einen PC mit Internetzugang kostenlos bereit zu stellen und Interessierten zu zeigen, wie das Bloggen funktioniert. Eine Art Blogpatenschaft also. Ich stellte mir dazu eine Kooperation vor mit Gewerbetreibenden aus dem jeweiligen Umfeld (Computerschule, PC-Firma …), die dadurch eine Möglichkeit bekommen, sich konkret vor Ort zu engagieren. Die Firma sollte die Bereitstellung von Hard- und Software finanzieren und eine Gruppe von engagierten BloggerInnen würde den Umgang mit Blogs, Twitter, Communities, Kommentarfunktion erklären und zeigen, wie Vernetzung funktioniert und möglichst auch regelmäßig dazu Hilfestellung geben.

Das das so einfach nicht geht, wurde mir schnell klar! Die angesprochenen Einrichtungen verstanden gar nicht, wieso es für sie gut sein sollte zu bloggen, und nannten auf mein Nachfragen hin sofort (ohne sich auf die Idee einzulassen) viele Gründe, warum das für sie nicht in Frage käme (Zeitmangel, Geldmangel, Arbeitsaufwand, Schulungsbedarf, Unsicherheit in Fragen des Datenschutzes, Verlust der Kontrolle über das, was innerhalb der Einrichtung gesprochen wird). Für Firmen, die ich wegen einer möglichen PC-Spende incl. Support angesprochen hatte, war das alles noch zu sehr „Beta“. Weiteres Nachfragen meinerseits erübrigte sich dann auch, weil keine der angesprochenen Einrichtungen überhaupt einen Bedarf nach „Web 2.0“ sah und ich als Privatperson ja nur sehr begrenzte Ressourcen habe. Meine ersten Nachfragen offline ergaben also: Kein Bedarf für so was wie Blogpatenschaften.

Online sah das ganz anders aus: Über mein Blog hatten sich inzwischen so um die 30 Blogger und Bloggerinnen gemeldet, die sich vorstellen konnten, in ihren eigenen Blogs Gastbeiträge von anderen zu veröffentlichen oder einem Web-Einsteiger das Bloggen zu erklären oder auch Patenschaften über eine Person oder ein bereits bestehendes sozial engagiertes Projekt zu übernehmen. Hans Fährmann eröffnete zusätzlich noch die www.offene-plattform.de, ein Blog für alle, die kein eigenes Blog haben (wollen) und es gab erste Gastbeiträge über interessante Projekte: Hier einige Beispiele:

Online gab es sofort Zuspruch und Unterstützung. Offline verstanden viele nicht, was ich ihnen da vorschlage. Natürlich ist es zunächst auch kein großer Aufwand, einen Link zu setzten und sich online zu vernetzen. Hier liegt die Herausforderung eben genau darin, dass engagierte Onliner eben auf Offliner zugehen müssen und nicht darauf warten können, dass hier jemand von sich aus nachfragt. Im Sinne einer Blogpatenschaft ist mehr gefragt, als nur mal schnell einen Link zu setzen. Mir wurde klar: Um „Offliner“ dafür zu gewinnen, über ihre Themen zu bloggen, muss man ihnen zunächst von den Möglichkeiten des Web 2.0 erzählen. Und man muss selbst den Kontakt herstellen. Das habe ich dann in meinem ganz persönlichen Umfeld hin und wieder ausprobiert, mit dem Ergebnis, dass der eine oder andere hier tatsächlich profitieren konnte.

Insgesamt und über den eigenen Tellerrand geblickt, finde ich, dass sich im zurückliegenden Jahr in Sachen soziales „Social Web“ einiges getan hat. Gerade auch durch Angebote, wie die Treffen im Rahmen der Socialbar sowie zahlreiche engagierte Internet-Plattformen, interessante Netzwerke, einen Nachhaltigkeits-News-Reader und ganz konkrete Einzel-Aktionen (Brunnen für Tani oder Aktion Uwe) kommt das Web 2.0 als Kommunikationstool so langsam auch im „Sozialen Sektor“ an.

Mit Blick auf Blogpatenschaften und meine ursprüngliche Idee, in Kooperation mit Gewerbetreibenden oder Bildungseinrichtungen vor Ort Brücken zwischen Online und Offline zu bauen, bin ich gespannt, wie es in Zukunft weiter geht.

Ich bin auch gespannt – vielen Dank für deinen Gastbeitrag!