Archiv für die Kategorie ‘LdLChronologie’

LdL-Projekt: Interview mit dem Schulleiter

Veröffentlicht: Freitag, Januar 23, 2009 in Didaktik des Informatikunterrichts, LdLChronologie
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Im Rahmen unseres gemeinsamen LdL-Projekts hat Lutz Berger aus dem ersten Interview an der Willibald-Schule in Eichstätt ein Video produziert, das jetzt angeschaut werden kann. Interviewt wurde der Schulleiter OStD Gerhard Miehling. Dort spricht Miehling über seine Schule, LdL und die Rolle des Webs im Unterricht.

Zudem hat Joachim Grzega die bisherigen Videos unseres Seminars auf die LdL-Seite gestellt. Vielen Dank!

Uneingeschränkt kann ich zudem die Beiträge auf dem Weblog von Jean-Pol Martin empfehlen. Dort kann man sich sehr gut einen Eindruck über die Beweggründe von Jean-Pol Martin hinsichtlich des Einsatzes von LdL machen, zum Beispiel in den folgenden Artikeln:

Die nächsten Videos werden folgen. Bei Lutz kann ich mich einfach nicht genug bedanken! 🙂

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LdL – mein Eindruck von Eichstätt

Veröffentlicht: Sonntag, Januar 18, 2009 in LdLChronologie
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Am Freitag haben mein Informatikdidaktik-Seminar, Lutz Berger und ich den Französischkurs von Jean-Pol Martin in Eichstätt besucht, um LdL („Lernen durch Lehren“) einmal live mitzubekommen. Im Rahmen der LdL-Blogparade, die gerade gestartet ist, möchte ich somit gerne hier meine Eindrücke von der Stunde schildern und dabei mit einigen Fehlvorstellungen über LdL aufräumen:

  • Unter LdL stellt man sich immer vor, dass Schüler eine ganze Stunde vorbereiten und diese dann halten – womöglich noch referatartig, was nichts anderes als Frontalunterricht mit anderen Mitteln wäre. Die Stunde, die wir gesehen haben, war aber gänzlich anders. Eine Schülerin hatte zu Beginn zunächst ein paar einführende Worte vorbereitet – der größte Teil der Stunde verlief aber eher als Diskurs anstatt als Präsentation: Die Schülerin hat immer wieder Fragen in die Runde gestellt, um die Mitschüler in ein Gespräch über das Thema (hier: Aufklärung) einzubinden. Jean-Pol hat dabei als Lehrer immer wieder eingegriffen und unterstützt. So hat beispielsweise die Schülerin gesagt, dass sie hier eine Enzyklopädie mitgebracht hat, worauf hin sich Jean-Pol mit den Worten eingeschaltet hat: „Das hättest du sie auch selbst entdecken lassen können.“ Somit ist LdL mehr ein diskursives Konzept ganz im Sinne der Neuronenmetapher.
  • Es war auch nicht so, dass die Schülerin die ganze Stunde geführt hat. Im zweiten Teil der Stunde ist eine andere Schülerin nach vorne gekommen und hat die Hausaufgaben mit den Mitschülern gemeinsam besprochen. Dabei hat sie nacheinander Mitschüler aufgerufen und mit ihnen die Lösungen einen Lückentexts, der ebenfalls von Schülern als Hausaufgabe vorbereitet worden war, geklärt. Bei LdL können also mehrere Schüler flexibel und wechselseitig die Rolle der Lehrperson übernehmen („Michael, komm du mal nach vorne und übernimm die Besprechung der Hausaufgaben.“). Überraschend dabei war auch, dass die Schüler von sich aus Dinge gesagt haben wie: „Thorsten, kannst du bitte zusammenfassen, was ich gerade gesagt habe.“ Diese Verhaltensweisen wurden natürlich im Rahmen des bisherigen LdL-Unterrichts eingeübt.
  • Die Schüler sitzen im Kreis, damit sie sich gegenseitig sehen können und eine diskussionsfördernde Atmosphäre entsteht. Derjenige Schüler, der gerade die Rolle der Lehrers übernimmt, steht vorne (ist aber ebenfalls ein Teil dieses Kreises).
  • Eine weitere Fehlvorstellung, die man bei LdL haben kann, ist die, dass der Lehrer hinten sitzt und nichts weiter tut als beobachten. In dem von uns beobachteten Unterricht war es ganz anders. Ich würde sogar vom Gegenteil sprechen wollen: Der Lehrer (in diesem Fall Jean-Pol) schaltet sich ständig ein, unterstützt, gibt Tipps, fragt nach. Dies scheint mir sogar wesentlich anspruchsvoller zu sein als vorbereiteter Frontalunterricht. Die Lehrperson muss sich immer wieder neu und flexibel auf die Äußerungen der Schüler einlassen und dem „Schülerlehrer“ dabei helfen, das Gespräch zu lenken. Jean-Pol spricht davon, dass der Lehrer eine „kognitive Position“ einnehmen muss. Er muss ich immer wieder vorstellen, welche Maßnahmen bei den Schülern bestimmte kognitive Effekte haben können, und er muss – und das erhöht meines Erachtens die Komplexität enorm – dem „Schülerllehrer“ Hinweise geben, wie dieser entsprechend vorgehen muss. (Beispiel: „Glaubst du, dass Maria das verstanden hat? Wie kannst du das rauskriegen? Genau, frag sie.“ usw.) LdL scheint mir für den Lehrer wesentlich anstrengender und fordernder zu sein als „herkömmlicher“ Unterricht.
  • LdL ist auch nicht Laissez-faire. Hier würde ich ebenfalls sagen: ganz im Gegenteil. Insbesondere wenn Schüler die Leitung übernehmen und jeder Schüleräußerung mit Respekt und Ernsthaftigkeit entgegnet werden soll, muss eine disziplinierte und absolut ruhige Atmosphäre herrschen. Jean-Pol spricht davon, dass er die „Basisdemokratie diktatorisch einführt“. Zu Beginn (also wenn eine Klasse in LdL eingeführt wird), muss die Lehrperson zahlreiche „Machtkämpfe“ bestehen – um klarzustellen, welche Verhaltensmaßnahmen im Rahmen des Schülerunterrichts geduldet werden und welche nicht. Immer wieder muss er anfangs einschalten und für Ruhe sorgen („Stopp, Carmen, warte einen Moment  – Tobias, hör bitte Carmen zu. – so, jetzt weiter“). Sobald sich die entsprechende Atmosphäre etabliert hat, sind solche Eingriffe nur noch selten notwendig. Bei der uns beobachteten Stunde habe ich derartige Hinweise kaum wahrgenommen. Die Schüler haben äußerst diszipliniert miteinander gesprochen.
  • Wie Ulrike Kleinau richtig bemerkt hat, führt diese Atmosphäre nicht nur dazu, dass die Schüler keine Angst haben, Fehler beim Französischsprechen zu machen, sondern auch dazu, dass extreme Freiheit in der Äußerung von Gedanken herrscht. Das liegt meines Erachtens unter anderem daran, dass der „richtige“ Lehrer mehr ein Wächter der Atmosphäre und ein Unterstützer des Gesprächs ist, weniger ein inhaltlicher Korrektor. Natürlich greift auch der Lehrer ein, wenn Fehler von den anderen unbemerkt gemacht werden. Im Rahmen dieser Atmosphäre wirkt dies aber weniger tadelnd, sondern mehr informativ. Ein äußerst positiver Effekt von LdL!

Weitere Berichte über unseren Eichstätt-Besuch sind im LdL-Blogparaden-Blog verlinkt. Ebenso sind alle aufgefordert, einen Blog-Beitrag über LdL zu schreiben, dort als Kommentar zu verlinken und sich so an der Blogparade zu beteiligen! Vielleicht habt ihr kritische Anmerkungen zu LdL? Oder vielleicht möchtet ihr weitere Aspekte zu LdL ergänzen? Oder ihr habt Fragen zu LdL? Dann schreibt einen Blog-Artikel und macht bei der Blogparade mit!

Zudem werden demnächst die ersten Videodokumentationen online gestellt (danke, Lutz!) und hier und auf dem Maschendraht-Miki verlinkt.

LdL: Es geht rund!

Veröffentlicht: Mittwoch, Januar 14, 2009 in LdL, LdLChronologie, Maschendraht
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Mit LdL (Lernen durch Lehren) es geht in dieser Woche aus vielerlei Gründen richtig rund!

Erstens: Die Studenten meines Informatikdidaktikseminars, Lutz Berger und ich fahren am Freitag nach Eichstätt, um die Schulklasse von Jean-Pol Martin zu besuchen und dort einmal an ihrem LdL-Unterricht teilzunehmen, diesen zu dokumentieren und mit Interviews zu begleiten. Eine richtig aufregende Aktion, wie ich finde. Und nicht nur ich finde das aufregend. 🙂

Zweitens: Passend zum Event am Freitag startet morgen die LdL-Blogparade, organisiert von Ulrike Kleinau, Lutz Berger und der Maschendraht-Community. Vom 15.1. – 5.2.2009 sind all diejenigen, die Lust dazu haben, aufgefordert, einen Weblog-Beitrag über LdL zu schreiben und einen Trackback an den LdL-Blogparade-Blogbeitrag zu schicken. Ein konzentrierter Austausch über LdL, verteilt über viele Blogs. Auch eine verdammt spannende Sache!

Drittens: Ebenfalls von der Maschendraht-Community gibt es jetzt ein Miki – einen Online-Flyer, auf dem es viele Dinge zu entdecken gibt. Einfach mal reinschauen ins Maschendraht-Miki!

Viertens (ganz frische Info): Wir veranstalten einen LdL-Lehrertag an der PH Ludwigsburg voraussichtlich am Samstag, den 9. Mai 2009. Wer Zeit hat und kommen möchte, sollte sich diesen Termin schon mal freihalten. Weitere Infos werden folgen.

Eine Sache muss auf jeden Fall mal gesagt werden: Die Studenten in dem Seminar sind wirklich außergewöhnlich gut. Ich habe noch nie ein Seminar erlebt, in dem die Motivation und die Produktivität derart hoch waren. Ich denke, die anderen Studenten stimmen mit mir überein, dass insbesondere Melanie Gottschalk und Ulrike Kleinau ein ganz großes Lob verdient haben. Melanie Gottschalk managt die Maschendraht-Community richtig gut (also richtig gut!), und Ulrike Kleinau hat die LdL-Blogparade ins Leben gerufen und das Miki gestaltet. Natürlich sind auch die anderen Teilnehmer des Seminars phänomenal bei der Sache. Aus diesem Grund werden wir auch mit dem gesamten Seminar eine Exkursion aufs EduCamp nach Ilmenau machen – die Studenten haben es sich verdient!

Außerdem: Tausendfachen Dank an Lutz Berger, der überall einfach mitmacht und wirklich tolle Ideen einbringt (z.B. die Ideen zur Blogparade und zum Miki). Außerdem hat er einen tollen interaktiven Banner erstellt. Grandios!

Und last but not James – äußerst wichtig: Einen ausgesprochen großen Dank an Jean-Pol. Für alles.

Wenn man als Dozent bzw. Lehrer vernetzt ist (z.B. über Twitter, Weblogs, Wikis, …), dann enstehen ganz neue Möglichkeiten, die eigene Lehrveranstaltung oder den Unterricht zu öffnen. Dies ist beispielsweise in meinem Seminar geschehen. Durch die öffentliche Diskussion von LdL sind mehrere Menschen (Lutz, Nils, …) auf unser Seminar aufmerksam geworden und sind mit uns „in Resonanz“ getreten. Über die zahlreichen Projekte, die dadurch entstanden sind, habe ich bereits berichtet.

Für das Konzept der grundlegenden Vernetzung eines Dozenten hat Ulrike Kleinau den Begriff Maschendrahtmetapher geprägt. Wichtig dabei ist, dass man sich nicht nur „unter Gleichartigen“ vernetzt (also Lehrer mit Lehrern und Dozenten mit Dozenten), sondern gerade eine breite, möglichst heterogene Vernetzung ist wichtig. Da ich im Bildungsbereich tätig bin, vernetze ich mich beispielsweise mit Lehrern, Referendaren, Studierenden, Schülern, Coaches, Videoproduzenten ;-), usw.

Aus unseren Erfahrungen im Seminar stellten wir uns die Frage, wie man dieses Modell für andere Dozenten und Lehrer nutzbar machen könnte. Wie schaffen wir es, dass andere

  • sich ebenfalls eine solche Grundvernetzung „zuzulegen“,
  • den Wert einer solchen Vernetzung zu erkennen und
  • die Vernetzung auch zur Öffnung der eigenen Lehre nutzen?

Neulich überraschten mich die Seminarteilnehmer damit, dass sie für genau diesen Zweck eine Online-Community gegründet haben: die Maschendraht-Community. Dort sollen grundlegende Werkzeuge für eine „Dozenten-Vernetzung“ vorgestellt und Chancen der Vernetzung diskutiert werden. Zudem soll eine Plattform entwickelt werden, die genau den Anforderungen der Maschendraht-Metapher entspricht.

Also: Einsteigen und mitmachen! 🙂

Lehrer aller Länder, vernetzt euch!

Hier ist der grandiose dritte Teil von Lutz Bergers Ludwigsburg-Trilogie: Eine Diskussion von Studierenden meines Seminars über die Möglichkeiten, die das Web 2.0 in Schule und Hochschule bietet, über Neuronen und Maschendrähte und über Ideen, wie man unsere Erfahrungen verbreiten könnte.

Dritter Teil der Ludwigsburg-Trilogie

An dieser Stelle nochmals einen ausgesprochen lieben Dank an Lutz, der extra aus Heidelberg nach Ludwigsburg gekommen ist, um Eindrücke auf Video festzuhalten.

Brandheiß: Das aktuelle Video von Lutz Berger mit Studierenden meines Didaktikseminars. Hier werden viele Themen angesprochen, die interessante Diskussionen versprechen. Was meint ihr zu den Statements?

Hier kommt der erste Teil der Dokumentation unseres Seminars von Lutz Berger. Im folgenden Video geben Teilnehmerinnen und Teilnehmer meines Seminars Statements ab zu ihren persönlichen Motiven, Lehrerinnen und Lehrer zu werden, und darüber, wie sich das Studium gestaltet („Reality-Clash“). Es sind äußerst interessante Aussagen dabei – unbedingt ansehen! 🙂

Auch hier wieder ein Dankeschön an Lutz!