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Mein Urlaub-Mail-Experiment

Veröffentlicht: Sonntag, September 27, 2015 in Lifestyle, Reflection

Ich habe in den letzten 15 Jahren jeden Tag in meine E-Mail-Postfächer geschaut und habe neu eingegangene oder noch liegen gebliebene E-Mails bearbeitet. Von Studentinnen und Studenten, von Kolleginnen und Kollegen, von vielen mit mir in Kontakt stehenden Menschen. Also: Es gab keinen Tag in den letzten 15 Jahren, an dem ich nicht in meine Mails geschaut habe. Auch an Wochenenden, im Urlaub, rund um die Uhr. Getrieben war ich immer einerseits von Neugier (was gibt es Neues?), andererseits von Verantwortungsbewusstsein (bin ich nicht verpflichtet, schnell zu reagieren?).

Darüber hinaus war ich in den letzten Jahren natürlich immer auch auf Facebook, Twitter usw. permanent aktiv (mit Ausnahme der Auszeit, die ich mir damals genommen hatte). Sowohl Mails als auch soziale Medien nutze ich beruflich und privat. Beide Welten fühlen sich aber anders an:

  • Mails sind eher beruflich, und damit meine ich: dienstlich. Das heißt, sie betreffen eher organisatorische oder administrative Fragen. Dinge, die gemacht werden müssen. Aufträge, Probleme und Fragen, die an mich herangetragen werden.
  • Soziale Medien wie Twitter und Facebook nutze ich zum Teil privat, zum Teil beruflich. Beruflich bedeutet hier eher inhaltlich, als Forschung und Lehre betreffend. Ich chatte mit Freunden, ich stöbere in Links, die über Twitter an mich herangetragen werden, oder ich like interessante Beiträge im Web. Alles mehr oder weniger „freiwillig“.

Mails sind also eher „ich muss“, soziale Medien eher „ich will“. Wobei, genau genommen kommen auch ab und zu mal über Twitter und Facebook öffentliche, aber an mich adressierte Nachrichten rein wie beispielsweise

@dunkelmunkel Was denkst du zu der Seite? http://www.irgendeinlink.de

wodurch ich mich tendenziell genötigt fühle, mir etwas anzusehen, obwohl ich eigentlich ganz andere Dinge machen will. Das ist aber eher die Seltenheit, sodass sich soziale Medien für mich eher selbstbestimmt, Mails eher fremdbestimmt anfühlen.

Dieses Jahr war bislang das anstrengendste Jahr, das ich jemals hatte. (Ich habe das Gefühl, dass ich das jedes Jahr sage, aber diesmal ist es wirklich so.) Ich habe also dringend eine Auszeit gebraucht. Unsere Flitterwochen auf Lanzarote kamen da genau zum richtigen Zeitpunkt. Endlich Urlaub!

Bereits am ersten Tag hat es sich für mich falsch angefühlt, in meine Mails zu schauen. Früher war klar: „Hey, ich bin zwar im Urlaub, aber ich schaue regelmäßig in meine Mails. Also, wenn was ist, ich krieg’s mit.“ Diesmal hatte ich zwar auch den inneren Drang (Zwang? Sucht?), in meine Mails zu schauen, habe es aber am ersten Urlaubstag nicht gemacht. Und abends überlegte ich mir, dass es doch echt verwegen wäre, wenn ich die ganzen 15 Tage nicht ein einziges Mal in mein Postfach schauen würde. Das halte ich doch nie durch!

Ich hab’s gemacht. Es war eine recht spontane Entscheidung, und ich musste sie vor mir selbst rechtfertigen. Mir ist ein guter Trick eingefallen, mit dem ich mich selbst überzeugen konnte, dass es mal total interessant ist, das zu tun. Ich musste es mir gegenüber als Experiment deklarieren. Mal schauen, was passiert, wenn ich 15 Tage lang keine Mails lese. Verpasse ich irgend etwas wichtiges? Vielleicht irgend etwas existenziell wichtiges? Wie reagieren Studentinnen und Studenten, Kolleginnen und Kollegen? Ich hatte ja immerhin auch keine automatische Antwort mit einer Warnung eingestellt, dass ich gerade keine Mails lese, und dass man sich in dringenden Fällen an X oder Y wenden muss. Zunächst fand ich das ein bisschen unfair, dann habe ich mir aber überlegt, dass es das Experiment noch experimentieriger macht: Was passiert, wenn man zwei Wochen lang gar nicht reagiert? Und: Es ist ja immerhin Urlaubszeit, also müssten die Menschen ja tendenziell auch damit rechnen, dass man nicht in Mails guckt. Kann schon nicht schlimm sein.

Jetzt sind die 15 Tage vorbei, und hier ist das Ergebnis meines Experiments: Ich habe (auf allen meinen Mailaccounts) in diese Zeitraum insgesamt 732 E-Mails erhalten. Natürlich waren darunter jede Menge Mails wie Spam, tägliche Serverstatistiken, Newsletter, usw. Insgesamt waren es 495 automatisch erzeugte Mails und Massenmails (das sind ca. 68%). Zurück blieben 237 (ca. 32%) ernsthaft zu behandelnder Mails. Darunter befanden sich jedoch zahlreiche Mails, die ich einfach nur zur Kenntnis nehmen musste (also: lesen musste), bei denen aber keine Reaktion von mir erwartet wurde. Insgesamt handelte es sich um 163 (ca. 22%) relevante Mails ohne Antwortnotwendigkeit. Übrig blieben also nur 74 Mails (ca. 10%), bei denen eine Antwort von mir erwartet wurde. Bei den allermeisten dieser Mails war diese Antwort aber nicht dringlich. Das heißt: Es ist bei fast allen dieser Mails kein Problem gewesen, dass ich sie erst nach meinem Urlaub gelesen und beantwortet habe. Nur 5 dringliche Mails (0,7%) waren darunter, bei denen die Antwort innerhalb meiner Urlaubszeit notwendig gewesen wäre: eine Mail, bei der ich um Erlaubnis zur Verwendung eines Bildes befragt wurde (nicht tragisch), eine Anfrage wegen eines Vortrags (nicht tragisch), eine Mail wegen einer Autorenbeschreibung zu einem Artikel (nicht tragisch). Zwei Mails waren wichtig (eine Mahnung wegen einer Rechnung, eine organisatorische Angelegenheit wegen einer Tagung), und witzigerweise haben mich genau diese beiden Anliegen per Telefon im Urlaub erreicht, sodass ich sie vom Urlaub aus kurz regeln konnte (und selbst wenn nicht, es wäre nicht tragisch gewesen).

Alles in allem also: Es ist kein Problem, wenn ich zwei Wochen lang meine Mails nicht lese. Es ist einfach nichts passiert. Aber was soll auch passieren? Ich arbeite ja nicht in einem Krankenhaus, in dem es um Leben und Tod geht. Letztenendes ist alles nicht tragisch, jedenfalls nicht so tragisch, dass man sich die Freizeit dadurch belasten lassen muss. Was habe ich dadurch gewonnen: Extreme Erholung durch komplette Freiheit von der Fremdbestimmung. Und: Getwittert und gefacebooked habe ich im Urlaub natürlich schon, und das hat sich auch gut angefühlt.

Gelernt habe ich auch, dass ich Aktitiväten, die ich mich nicht so recht durchzuführen getraue, als Experiment bezeichnen muss. Und schon ist es keine bedenkliche Aktivität, sondern eine extrem spannende! Geiler Psycho-Trick, finde ich. Das nächste Experiment steht schon an: Ich werde ab nächster Woche versuchen, am Wochenende keine Mails zu lesen. Nichts ist so dringend, dass es nicht bis Montag warten kann. Garantiert.

Welche Experimente werdet ihr machen?

 

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Videoaufzeichnung: Persönlichkeitsentwicklung im Web 2.0

Veröffentlicht: Mittwoch, September 7, 2011 in Lifestyle, Web 2.0

Auf der GML² 2011 in Berlin durfte ich einenVortrag zum Thema Persönlichkeitsentwicklung im Web 2.0 – E-Learning zwischen Todsünde und Tugend? halten. Aus dem Abstract:

Durch den Einsatz weltöffentlicher Web-2.0-Werkzeuge in der Hochschullehre begeben sich Dozenten  gemeinsam mit den Studierenden in ein unkontrollierbares Feld. Es lässt sich für Lehrende kaum abschätzen oder gar beeinflussen, welche Folgen die individuelle Auseinandersetzung mit Eindrücken in diesen Umgebungen für die Persönlichkeitsentwicklung der Lernenden hat. Noch überraschender kann es für Dozierende sein, wie sie selbst sich verändern. „Reale“ Persönlichkeitselemente wie Charaktereigenschaften, Werte und Hoffnungen werden durch das Bewegen in „virtuellen“ Umgebungen unvorhersehbar beeinflusst. In diesem Vortrag erwarten Sie 30 Minuten persönliche Selbstreflexion. Es werden Ergebnisse aus einer nicht systematisch durchgeführten Langzeitstudie mit N=1 berichtet. Dabei wird der Frage nachgegangen: Was hat die exzessive Nutzung des Web 2.0 in Lehre und Forschung mit der Person Christian Spannagel gemacht?

Die Vortragsaufzeichnungen, Materialien und vieles mehr wurden nun im Online-Tagungsband ins Netz gestellt (Danke an die Organisatoren!). Dort findet ihr die Vorträge von Rolf Schulmeister, Petra Grell, Claudia Bremer, Anne Thillosen, Martin Lindner und vielen anderen. Alle sehr sehenswert!

Die Aufzeichnung zu meinem Vortrag findet ihr hier:

Viel Spaß beim Ansehen – und kommentiert und diskutiert werden darf und soll hier natürlich auch!

PS: Ja, ich weiß, man spricht den Maler anders aus… 😉

 

cspannagel, dunkelmunkel & friends

Veröffentlicht: Donnerstag, September 1, 2011 in Lifestyle

Heute habe ich mich entschlossen, meinen Blogtitel zu ändern. „chrisp’s virtual comments“ war sowieso mehr so ein Provisorium. Aber wie jeder weiß: Nichts hält sich länger als ein solches. Ich hatte damals, als ich mir einen Blog angelegt habe, überhaupt keine Idee, wie ich ihn nennen soll. Kreativ war der Einfall nicht gerade. chrisp war mein längst vergessener Spitzname und gleichzeitig Accountname an der TU Darmstadt – aber erst der zweite. Als ich mit meinem Informatikstudium begonnen hatte, musste ich mich für einen Nutzernamen entscheiden. Ich hatte überhaupt keine Idee, was das ist und dass dieser ein Teil meiner E-Mail-Adresse sein würde (was beste Voraussetzungen für ein Informatikstudium waren – dort würde ich es ja lernen. :-)). Ich wusste nur, es dürfen nur 8 Buchstaben sein, und er musste etwas mit meinem Namen zu tun haben. Also wählte ich zunächst „spannage“, weil Spannagel ja bekanntlich aus 9 Buchstaben besteht und somit das „L“ hinten überhängen würde. Seitdem sprach mich aber jeder, der meine E-Mail-Adresse bzw. meinen Nutzernamen kannte, mit „Schpannaaaasch“ oder „Schpännätsch“ an (je nachdem, ob man „spannage“ lieber französisch oder lieber englisch interpretierte), was ich ziemlich doof fand. Ich ging zur Rechnerbetriebsgruppe und bat darum, ihn nochmal ändern zu dürfen  – herausgekommen ist chrisp (hat ja auch was mit meinem Namen zu tun, gell?). „chrisp’s virtual comments“ lag als unkreativer Blogtitel dann später nahe – schließlich wollte ich zu Beginn ja auch tendenziell eher Links und Texte kommentieren.

„cspannagel, dunkelmunkel & friends“ gefällt mir als Blogtitel aber tausend mal besser. Und: Es steckt sogar mehr dahinter. 🙂 Wie vielleicht einige wissen, hieß ich früher bei Twitter cspannagel. Nachdem ich kurzzeitig aus Twitter ausgestiegen war, wollte ich meinen alten Account wieder reaktivieren. Das ging leider nicht – denn: Wenn einmal ein Twitter-Account gelöscht ist, dann lässt er sich nicht wiederbeleben. Also musste ein anderer Name her: dunkelmunkel ist’s geworden. „cspannagel ist nun dunkelmunkel“ – manch einer hat damit immer noch Schwierigkeiten (liebe Grüße an @timovt ;-)). Dieser Wechsel hat den Schwerpunkt für mich von einer eher formellen auf eine eher informelle Ebene verlegt: dunkelmunkel ist „privater“ als cspannagel, und dies spiegelt sich auch in den letzten Blogartikeln wieder. Manch einer fragt sich vielleicht, was das soll. Für mich fühlt es sich einfach nur gut an, mein Weblog als Denkwerkzeug zu verwenden, egal, um welchen Bereich meines Lebens es geht.

Insgesamt finde ich und fand es immer komisch, verschiedene „Christians“ voneinander getrennt zu behandeln. Trotzdem: Man agiert in verschiedenen Kontexten mit verschiedenen Rollen: Man trägt verschiedene Masken. Die Schauspieler im alten Griechenland hatten im Theater verschiedene Masken, die Gefühlszustände ausdrückten – und Maske hieß auf Griechisch „persona“. Sogesehen bin ich verschiedene Personen: Professor, damit Dozent und Forscher, auch gleichzeitig Informatiker, Mathematiker, irgendwie auch Pädagoge, Grufti, Institutsleiter, Sohn und Enkel (also Kind?), Horrorfilmfan, Liebhaber, Freund, Bekannter, Kollege, wasweiß ich. Mit Adjektiven verschon ich euch mal lieber. Diese „Masken“ „unter einen Hut“ zu bekommen ist gar nicht so leicht. Mein Blog war bis vor kurzem überwiegend bestimmten Personen aus dieser Auswahl vorbehalten. Angefühlt hat sich dies immer unvollständig und irgendwie beschnitten.

Das Bild der Maske gefällt mir sehr gut: Hinter den Masken steckt ja immer derselbe Mensch (nämlich ich). In den verschiedenen „Rollen“ (oh, wie ich diesen Begriff leiden kann!) erfüllt man die Masken durch sein eigenes Ich-Sein mit seiner persönlichen Note (darf man „persönlich“ in diesem Kontext überhaupt so verwenden?). Aber wer bin ICH eigentlich? Bin ich nur beruflich Professor, aber eigentlich dunkelmunkel, so privat? Was bedeutet „eigentlich“ in diesem Zusammenhang? Ist privater eigentlicher? Wenn man länger drüber nachdenkt, möchte man am liebsten Begriffe wie Authentizität und Konsorten in die Tonne kloppen.

Integration ist ein lohnenswertes Ziel. Bis dahin grüßen cspannagel, dunkelmunkel & friends.

 

Desillusioniert? Fantastisch!

Veröffentlicht: Donnerstag, August 18, 2011 in Lifestyle

Heute habe ich mich mit einer guten Freundin über das Thema Märchen und Beziehungen unterhalten. Dabei sind wir auf das Thema „Verlieben“ gestoßen. Sie fand es „schade“, dass ich denke, dass ich mich nicht mehr verlieben kann, nicht verlieben will und auch glücklich damit bin. Ich gebe hier einmal ein Stück des Dialogs wieder (wobei es nicht der Original-Dialog ist, sondern hier und da von mir dreist verändert wurde, um die Aussage stärker hervortreten zu lassen :-)):

D: „Und was ist, wenn du dich verliebst?“

C: „Ich glaube, ich kann mich nicht mehr verlieben, und ich bin auch ganz froh darum.“

D: „Das ist aber schade! Das ist doch ein wahnsinnig schönes Gefühl, um das du dich da beraubst!“

C: „Ja, das stimmt. Aber es ist auch gefährlich. Es hat etwas von einem Rausch. Ein Liebesrausch, sozusagen. Rausch bedeutet aber auch, dass man nicht mehr klar denken kann und klar sieht. Man sieht den anderen nicht so, wie er ist, sondern man idealisiert ihn. Man verhält sich auch nicht mehr normal, sondern so, dass es dem Geliebten oder der Geliebten gefällt. Wenn es der andere ebenso macht, dann bindet man sich Stück für Stück aneinander, und zwar in einem Verliebtheitsnebel, in dem man nicht klar sieht. Irgendwann lichtet sich der Nebel langsam, und man beginnt, den anderen realistisch zu sehen – und dann beginnen die Beziehungsprobleme.“

D: „Aber trotz der ganzen Probleme, die dann vielleicht kommen, ist doch der Liebesrausch ein Gefühl, auf das ich nicht verzichten möchte.“

C: „Der Liebesrausch ist eine extreme Situation, genau wie der Drogenrausch. Manch einer würde auch sagen, dass er auf Drogenräusche nicht verzichten möchte und dafür alle möglichen Risiken eingeht. Wer Drogen des Rausches wegen nimmt, geht körperliche Risiken ein. Wer sich wegen des Liebesrausches verliebt, der geht Beziehungsrisiken ein. Ich verzichte auf diesen Rausch, und ich denke, das ist gut so. Das wird der anderen Person, mir, uns beiden und der ganzen Situation eher gerecht.“

D: „Das klingt aber sehr rational und unemotional.“

C: „Wenn man auf Liebesräusche verzichtet, dann heißt dies nicht, dass man auf Emotion und Liebe verzichtet. Wenn auf einer Emotionsskala von 0 bis 100 die Verliebtheit bei 95-100 liegt, und wenn man Verliebtheit ablehnt, dann bedeutet das nicht, dass man sich auf der Emotionsskala bei 0 befindet. Man kann doch trotzdem emotionale, tiefe, innige Bindungen mit Menschen eingehen (sagen wir mal, auf 70 bis 80 der Skala), ohne dabei ins Extrem zu gehen.“

D: „Ich finde es schade, dass du mit 34 Jahren schon so desillusioniert bist.“

C: „Betrachte dir das Wort einmal genauer: des-illusioniert. Keine Illusionen mehr. Das Wort trifft den Sachverhalt, den ich beschrieben habe, genau. Ich will keine Illusion. Ich will reelle Gefühle. Desillusioniert zu sein ist fantastisch! Ich will echte Emotionen, die ein reelles Gegenstück haben. Keine Emotionen, die auf Illusionen basieren. Ich empfinde das als einen Schritt in meiner persönlichen Weiterentwicklung. Oder, um mit Frau Fridurs Worten zu sprechen: Ich bin froh, diesen Schuhen entwachsen zu sein.“

 

Archiviertes Leben

Veröffentlicht: Samstag, Juli 21, 2007 in Lifestyle, Web 2.0

Neulich im Theaterhaus Stuttgart: Das letzte Band, ein Ein-Mann-Theaterstück von Samuel Beckett. Der Inhalt in Kürze: Krapp, ein alter, einsamer Mann, hat sein Leben auf Tonbändern aufgezeichnet und blickt nun anhand dieser Tonbänder auf sein Leben zurück.

Zunächst ist mir seltsam vorgekommen, dass jemand sein Leben auf Tonband protokolliert. Aber eigentlich ist das nichts ungewöhnliches. Das Führen eines Tagebuchs beispielsweise ist ein weitverbreitetes Phänomen. Und mittlerweile findet die Protokollierung des eigenen Lebens auch online statt:

  • Unzählige Menschen schreiben ihre persönlichen Erfahrungen in Weblogs auf.
  • Bei twitter verkünden Menschen, was Sie gerade im Moment tun. (Macht Spaß, die Liste zu durchstöbern.)
  • Über plazes.com kann man anderen mitteilen, wo man sich gerade befindet.
  • usw.

Die Online-Archivierung geht dabei weit über das Aufnehmen von Tonbändern hinaus: Man protokolliert nicht nur für sich, sondern für die ganze Welt nachvollziehbar.

Was steckt hinter dem Online-Protokollierungs-„Wahn“? Etwa der Wunsch nach Unsterblichkeit? Ich vermute, dass die Ursache viel mehr in der Tatsache liegt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und über die Mitteilung seiner Aktivitäten im Netz Kontakt zu Gleichgesinnten schließen kann. Social software eben.

Ürbigens: Günter Brombacher, der das letzte Band gespielt hat, ist ein genialer Schauspieler. Stücke mit ihm sind absolut empfehlenswert!