Archiv für die Kategorie ‘Reflection’

Blogpause: beendet!

Veröffentlicht: Sonntag, Januar 8, 2017 in Reflection
Schlagwörter:,

Gestern abend habe ich mir seit langem wieder einmal die Statistik meines Blogs angeschaut:

Die Tendenz ist klar zu erkennen: Seit 2014 ist mein Blog auf dem absteigenden Ast. 🙂 Kein Wunder: Im Jahr 2016 habe ich genau einen (in Worten: einen) Blogartikel verfasst, in dem ich ein Video eines Vortrags zum Thema Medienbildung, ITG und Informatik geposted habe. In den Jahren zuvor ist meine Blogaktivität auch zurückgegangen: Während ich in den Jahren 2009 bis 2011 noch 50 bis 80 Blogbeiträge pro Jahr geposted habe, waren es 2014 und 2015 noch 9 bzw. 6 Beiträge. Ein guter Zeitpunkt für eine Analyse!

Woran liegt es, dass meine Blogaktivität so stark zurückgegangen ist?

Diversifikation: Ich betreue nicht mehr nur einen Blog, sondern zig Blogs. Da wäre zum Beispiel meine Website dunkelmunkel.net, die ich dazu nutze, mal kurz eine Info rauszuhauen (wie beispielsweise einen Hinweis auf die Veröffentlichung eines Beitrags in einer Zeitschrift oder in einem Konferenzband). Dann gibt es die Blogs meiner Forschungsgruppe Playgroup Heidelberg, der Educational Design Research Group an der PH Heidelberg und des Projekts Flip your class! Diversifikation bedeutet dabei nicht nur, dass Beiträge über mehrere Informationskanäle verteilt werden, sondern dass auch die für das Bloggen begrenzten Zeitressourcen aufgeteilt werden. Und wenn man eine Seite wie dunkelmunkel.net hat, auf der man einfach schnell mal was raushauen kann, dann ist dies viel schneller gemacht, als einen ausführlichen Artikel auf cspannagel, dunkelmunkel & friends darüber zu schreiben.

Steigende Bedeutung von Video: Das Jahr 2013 war das Jahr des MOOCs. Mit dem MOOC Production Fellowship des Stifterverbands erhielten wir den Auftrag, einen Mathe-MOOC zum Thema Mathematisch denken! zu produzieren. Der Produktionsaufwand war immens – und zwar im Jahr 2014. Damit einher ging – wär hätte es gedacht, die Einrichtung eines neuen Blogs. Darüber hinaus produzierte ich ihm Rahmen von Flipped-Classroom-Veranstaltungen und Vorträgen jede Menge Videos. Und wer Videos produziert, hat keine Zeit mehr zum Schreiben.

Neue Aufgaben: Das Jahr 2016 war bislang das dünnste Blog-Jahr ever. Dies hängt damit zusammen, dass ich Anfang des Jahres neue Aufgaben in der Hochschule übernommen habe. Mit dem Prorektorat für Forschung, Medien und IT kümmere ich mich an der PH Heidelberg um die Ressorts Forschung und EntwicklungNachwuchsförderung, Transfer und Innovation, Medien, IT und Campusmanagement. Und das macht man nicht einfach so nebenbei – das hatte Top Priority. Die Einarbeitung war hart und aufwändig.

Mittlerweile juckt es mich aber wieder in den Fingern. Das heißt – das tut es schon lange. Ich habe immer wieder Stichpunkte gesammelt mit Ziel, „irgendwann“ mal darüber zu bloggen. Außerdem entstehen neue Blog-Ideen zu den Themen, mit denen ich mich im Prorektorat beschäftige. Jede Menge Stoff, kann man sagen.

2017 wird das Revival-Jahr für meinen Blog. (Das schreibe ich jetzt, um mich selbst zu pushen.) Und technisch bin ich dafür auch neu aufgestellt: Ich bin mittlerweile komplett auf iPhone, iPad und MacBook umgestiegen. Schneller, wendiger, effektiver und mit mehr Spaß habe ich noch nie gearbeitet. (Diese unglaubliche Macht der Mac-Tastenkombinationen!) Gestern habe ich mir zusätzlich noch Blogo installiert, in dem ich Blogskizzen sammle und weiterentwickle, bis sie publikationsreif sind.

Hach, ich freu mich, wieder hier zu sein. 🙂

Mein Urlaub-Mail-Experiment

Veröffentlicht: Sonntag, September 27, 2015 in Lifestyle, Reflection

Ich habe in den letzten 15 Jahren jeden Tag in meine E-Mail-Postfächer geschaut und habe neu eingegangene oder noch liegen gebliebene E-Mails bearbeitet. Von Studentinnen und Studenten, von Kolleginnen und Kollegen, von vielen mit mir in Kontakt stehenden Menschen. Also: Es gab keinen Tag in den letzten 15 Jahren, an dem ich nicht in meine Mails geschaut habe. Auch an Wochenenden, im Urlaub, rund um die Uhr. Getrieben war ich immer einerseits von Neugier (was gibt es Neues?), andererseits von Verantwortungsbewusstsein (bin ich nicht verpflichtet, schnell zu reagieren?).

Darüber hinaus war ich in den letzten Jahren natürlich immer auch auf Facebook, Twitter usw. permanent aktiv (mit Ausnahme der Auszeit, die ich mir damals genommen hatte). Sowohl Mails als auch soziale Medien nutze ich beruflich und privat. Beide Welten fühlen sich aber anders an:

  • Mails sind eher beruflich, und damit meine ich: dienstlich. Das heißt, sie betreffen eher organisatorische oder administrative Fragen. Dinge, die gemacht werden müssen. Aufträge, Probleme und Fragen, die an mich herangetragen werden.
  • Soziale Medien wie Twitter und Facebook nutze ich zum Teil privat, zum Teil beruflich. Beruflich bedeutet hier eher inhaltlich, als Forschung und Lehre betreffend. Ich chatte mit Freunden, ich stöbere in Links, die über Twitter an mich herangetragen werden, oder ich like interessante Beiträge im Web. Alles mehr oder weniger „freiwillig“.

Mails sind also eher „ich muss“, soziale Medien eher „ich will“. Wobei, genau genommen kommen auch ab und zu mal über Twitter und Facebook öffentliche, aber an mich adressierte Nachrichten rein wie beispielsweise

@dunkelmunkel Was denkst du zu der Seite? http://www.irgendeinlink.de

wodurch ich mich tendenziell genötigt fühle, mir etwas anzusehen, obwohl ich eigentlich ganz andere Dinge machen will. Das ist aber eher die Seltenheit, sodass sich soziale Medien für mich eher selbstbestimmt, Mails eher fremdbestimmt anfühlen.

Dieses Jahr war bislang das anstrengendste Jahr, das ich jemals hatte. (Ich habe das Gefühl, dass ich das jedes Jahr sage, aber diesmal ist es wirklich so.) Ich habe also dringend eine Auszeit gebraucht. Unsere Flitterwochen auf Lanzarote kamen da genau zum richtigen Zeitpunkt. Endlich Urlaub!

Bereits am ersten Tag hat es sich für mich falsch angefühlt, in meine Mails zu schauen. Früher war klar: „Hey, ich bin zwar im Urlaub, aber ich schaue regelmäßig in meine Mails. Also, wenn was ist, ich krieg’s mit.“ Diesmal hatte ich zwar auch den inneren Drang (Zwang? Sucht?), in meine Mails zu schauen, habe es aber am ersten Urlaubstag nicht gemacht. Und abends überlegte ich mir, dass es doch echt verwegen wäre, wenn ich die ganzen 15 Tage nicht ein einziges Mal in mein Postfach schauen würde. Das halte ich doch nie durch!

Ich hab’s gemacht. Es war eine recht spontane Entscheidung, und ich musste sie vor mir selbst rechtfertigen. Mir ist ein guter Trick eingefallen, mit dem ich mich selbst überzeugen konnte, dass es mal total interessant ist, das zu tun. Ich musste es mir gegenüber als Experiment deklarieren. Mal schauen, was passiert, wenn ich 15 Tage lang keine Mails lese. Verpasse ich irgend etwas wichtiges? Vielleicht irgend etwas existenziell wichtiges? Wie reagieren Studentinnen und Studenten, Kolleginnen und Kollegen? Ich hatte ja immerhin auch keine automatische Antwort mit einer Warnung eingestellt, dass ich gerade keine Mails lese, und dass man sich in dringenden Fällen an X oder Y wenden muss. Zunächst fand ich das ein bisschen unfair, dann habe ich mir aber überlegt, dass es das Experiment noch experimentieriger macht: Was passiert, wenn man zwei Wochen lang gar nicht reagiert? Und: Es ist ja immerhin Urlaubszeit, also müssten die Menschen ja tendenziell auch damit rechnen, dass man nicht in Mails guckt. Kann schon nicht schlimm sein.

Jetzt sind die 15 Tage vorbei, und hier ist das Ergebnis meines Experiments: Ich habe (auf allen meinen Mailaccounts) in diese Zeitraum insgesamt 732 E-Mails erhalten. Natürlich waren darunter jede Menge Mails wie Spam, tägliche Serverstatistiken, Newsletter, usw. Insgesamt waren es 495 automatisch erzeugte Mails und Massenmails (das sind ca. 68%). Zurück blieben 237 (ca. 32%) ernsthaft zu behandelnder Mails. Darunter befanden sich jedoch zahlreiche Mails, die ich einfach nur zur Kenntnis nehmen musste (also: lesen musste), bei denen aber keine Reaktion von mir erwartet wurde. Insgesamt handelte es sich um 163 (ca. 22%) relevante Mails ohne Antwortnotwendigkeit. Übrig blieben also nur 74 Mails (ca. 10%), bei denen eine Antwort von mir erwartet wurde. Bei den allermeisten dieser Mails war diese Antwort aber nicht dringlich. Das heißt: Es ist bei fast allen dieser Mails kein Problem gewesen, dass ich sie erst nach meinem Urlaub gelesen und beantwortet habe. Nur 5 dringliche Mails (0,7%) waren darunter, bei denen die Antwort innerhalb meiner Urlaubszeit notwendig gewesen wäre: eine Mail, bei der ich um Erlaubnis zur Verwendung eines Bildes befragt wurde (nicht tragisch), eine Anfrage wegen eines Vortrags (nicht tragisch), eine Mail wegen einer Autorenbeschreibung zu einem Artikel (nicht tragisch). Zwei Mails waren wichtig (eine Mahnung wegen einer Rechnung, eine organisatorische Angelegenheit wegen einer Tagung), und witzigerweise haben mich genau diese beiden Anliegen per Telefon im Urlaub erreicht, sodass ich sie vom Urlaub aus kurz regeln konnte (und selbst wenn nicht, es wäre nicht tragisch gewesen).

Alles in allem also: Es ist kein Problem, wenn ich zwei Wochen lang meine Mails nicht lese. Es ist einfach nichts passiert. Aber was soll auch passieren? Ich arbeite ja nicht in einem Krankenhaus, in dem es um Leben und Tod geht. Letztenendes ist alles nicht tragisch, jedenfalls nicht so tragisch, dass man sich die Freizeit dadurch belasten lassen muss. Was habe ich dadurch gewonnen: Extreme Erholung durch komplette Freiheit von der Fremdbestimmung. Und: Getwittert und gefacebooked habe ich im Urlaub natürlich schon, und das hat sich auch gut angefühlt.

Gelernt habe ich auch, dass ich Aktitiväten, die ich mich nicht so recht durchzuführen getraue, als Experiment bezeichnen muss. Und schon ist es keine bedenkliche Aktivität, sondern eine extrem spannende! Geiler Psycho-Trick, finde ich. Das nächste Experiment steht schon an: Ich werde ab nächster Woche versuchen, am Wochenende keine Mails zu lesen. Nichts ist so dringend, dass es nicht bis Montag warten kann. Garantiert.

Welche Experimente werdet ihr machen?

 

#MMC13 Reflexion: Über Zeit und Priorität

Veröffentlicht: Mittwoch, Januar 30, 2013 in Reflection
Schlagwörter:

Zurzeit findet der erste deutschsprachige Open Online Course zum Thema Wie mache in einen MOOC? (mooc = massive open online course) statt. Dabei handelt es sich genauer gesagt um einen cMOOC – also einen MOOC, der eine konnektivistische und teilnehmerzentrierte Form des Online-Kurses ist (im Gegensatz zu den xMOOCs wie diejenigen unter coursera oder udacity, die eher Vorlesungscharakter haben) und sich dadurch praktisch nahtlos zu den OPCOs #opco11 und #opco12 einreiht (Die Wikipedia-Seite zu MOOCs führt interessanterweise auch genau diese drei Kurse als cMOOCs auf). Gastgeberinnen sind Dörte GiebelMonika E. König und Heinz Wittenbrink. Die Teilnehmerliste (Stand 14.1.2013) führt 167 Teilnehmer(innen) auf. Das ist beachtlich, wenn auch noch nicht „massiv“. Aber das ist ja letztlich auch nicht so relevant (erzeugt nur vielleicht die eher künstliche Frage, ob es sich um einen MOOC oder ein OOC handelt).

In der zweiten Woche ging es rund um das Thema MOOC-Didaktik mit folgenden Leitfragen:

  • „Ist Konnektivismus eine Lerntheorie? Und wenn jein, was bedeutet sie in der Praxis?
  • Wer lehrt, wer lernt? Neues Rollenverständnis für Dozenten/innen und Trainer/innen als MOOC-Gastgeber/innen
  • Badges, Peer Reviews, Drop Out… Wer definiert und beurteilt Lernerfolge in einem MOOC?
  • Funktionieren MOOCs eigentlich für jedes Thema und jede Zielgruppe?“

Es gab zahlreiche Beiträge und Aktivitäten in dieser Woche – der Beitrag Wir sind doch kein xMOOC fasst alles schön zusammen. Am Ende der Woche dürfen mehrere Personen reflektieren – und ich darf es neben Andrea Brücken und Jutta Pauschenwein diese Woche tun.

Worüber reflektiere ich nun? Ich werde nicht über den Verlauf und die Inhalte der zweiten Woche reflektieren, und zwar aus folgendem Grund: Ich habe nämlich (fast) gar nicht teilgenommen. Mir war vorher (leider) schon klar, dass ich an dem Live-Event mit Joachim Wedekind nicht teilnehmen kann, weil ich am Freitag zu diesem Zeitpunkt eine Sitzung hatte. Aber auch die anderen Diskussionen im Web habe ich nur beiläufig mitbekommen (in meinem Tweetdeck gibt es seit einiger Zeit eine Spalte mit der Suche „#howtomooc OR #mmc13“). Einzig beim Special am Sonntag abend war ich 30 Minuten anwesend. Ursprünglich hatte ich mir für die Erfüllung meiner Reflektorenrolle das Folgende vorgenommen: Ich werde alle Aufzeichnungen, Texte usw. ansehen und lesen und aus meiner Perspektive in meinem Blog kommentieren. Am Sonntag (beim Wäscheaufhängen) habe ich mir aber überlegt, dass ich dadurch gerade nicht meiner Reflektorenrolle gerecht würde. Denn: Ich soll ja reflektieren, nicht kommentieren. Reflexion kann man natürlich unterschiedlich verstehen, also beispielsweise auch als „ich reflektiere anderen Personen ihr eigenes (Lern-)Verhalten“ (sozusagen als Feedback), aber so verstehe ich den Begriff nicht. In Lehr-/Lernsituationen verstehe ich Reflexion immer (auch und insbesondere) als Reflexion des eigenen Lehr-/Lernverhaltens, als das Nachdenken über eine Lehr-/Lernsituation, an der ich selbst teilgenommen habe (in welcher Rolle auch immer). Würde ich jetzt alle Texte und Aufzeichnungen lesen, zusammenfassen und unter einem von mir eigens herausgesuchten Aspekt kommentieren, so wäre das gerade im Kontext  eines cMOOCs nicht angemessen, weil mir das Wichtigste fehlt: die eigene Partizipation, die über das bloße lurken hinaus geht. Also bleibt mir letztlich nur eine sinnvolle Möglichkeit der Reflexion: Ich werde meine Nicht-Teilnahme reflektieren. Es handelt sich im Folgenden also um eine persönliche Reflexion, und es kann sein, dass euch die gar nicht interessiert. Dann könnt ihr jetzt abschalten… äh… wegklicken. Also, weitersurfen. Ihr wisst schon.

Tja, woran liegt es eigentlich, dass ich so „inaktiv“ war, obwohl ich sogar im Vorfeld die Rolle des Reflektors übernommen habe und daher eigentlich eine noch größere Verantwortung spüren sollte? Der erste Gedanke, der mir in den Sinn kommt, ist: „Ich hatte keine Zeit.“ Aber, wie wir spätestens seit dem denkwürdigen Blogbeitrag von Helge Städtler wissen: Es ist niemals ein Problem von Zeit, sondern immer eins von Priorität. Jeder von uns hat 24 Stunden pro Tag Zeit. Wie man diese Zeit aber nutzt, hängt von der Prioritätensetzung ab. „Keine Zeit“ zu haben ist somit nur die halbe Wahrheit.

Die halbe Wahrheit deswegen, weil man natürlich auch aus vielfältigen Gründen Prioritäten von außen gesetzt bekommt und nicht so arg viel Entscheidungsspielräume hat. Wenn man sich nun eine Woche ansieht (und ich nehme mal exemplarisch den Zeitraum vom 23.1.-29.1., also denjenigen Zeitraum, den ich heute hätte reflektieren sollen), dann werden so einige Prioritäten von außen bestimmt, aber einige kann ich mir auch selbst setzen. Es rentiert sich also für mich vielleicht wirklich einmal, den Zeitraum „aufzudröseln“ und genauer zu analysieren hinsichtlich der Nutzung einzelner Zeitslots. Nichts überzeugt mehr als nackte Daten.

Zunächst einmal diejenigen Zeiten, in denen ich keine Wahl hatte (die TOP-Priorität also von außen bzw. durch Terminvereinbarungen gesetzt wurde):

  • Mi, 8:00-12:15 Schulpraktikum: Betreuuung von Studierenden an den LernZeitRäumen im Fachpraktikum Mathematik. 
  • Mi, 15:00-16:00 Sprechstunde
  • Mi, 16:00-19:00 Fakultätsratssitzung
  • Do, 9:00-12:00 Sitzung des Instituts für Datenverarbeitung/Informatik (Rechenzentrum der PH)
  • Do, 14:00-15:00 Gespräch mit der Hochschulleitung
  • Do, 16:00-18:00 Seminar „Didaktik der Informatik“
  • Fr, 12:00-19:00 Sitzung im MWK in Stuttgart (mit entsprechenden Fahrzeiten hin und zurück)
  • Mo, 9:00-11:00 Sitzung
  • Mo, 12:00-14:00 Vorlesung „Ausgewählte Kapitel der Mathematik“
  • Mo, 14:00-16:00 Vorbesprechung mit Kolleginnen und Kollegen
  • Di, 8:00-10:00 Vorlesung „Mathematische Grundlagen 1 (Primarstufe)“
  • Di, 10:00-12:00 Tutorenseminar
  • Di, 12:00-14:00 Tutorenseminar
  • Di, 15:00-16:00 Besprechung letsfeedback.net
  • Di, 17:30-21:00 Kolloquiumsvortrag mit anschließendem gemeinsamen Essen

So, nun zu den Zeitslots, die ich mir selbst darüber hinaus verplant hatte:

  • Mi, 12:15-13:00 Wiki-Projekt in den LernZeitRäumen: Ich habe mit Schülern gemeinsam den Bereich des Goethe-Projekts im Schulwiki angelegt und bei ein paar technischen Fragen geholfen.
  • Mi, ab 19:00 Wertvolle Zeit mit Lieblingsmensch
  • Fr 9:00-11:00 Klausuraufgaben überlegt, Veranstaltungen vorbereitet, Kleinkrams abgearbeitet
  • Sa, 10:00-15:00 Videos für „Mathematische Grundlagen 1“ aufgezeichnet (habe ich den Studenten versprochen)
  • Sa, 15:00-17:00 Mit Hund auf der Hundewiese gewesen
  • Sa, 17:00-18:00 Einkaufen
  • So, 15:00-17:00 Mit Hund auf der Hundewiese gewesen II
  • Mo, ab 17:00 Lieblingsmensch-Zeit

Die komplett freien (d.h. im Vorfeld unverplanten) Zeiträume waren nun (wenn man noch Ortswechsel z.B. zwischen verschiedenen Gebäuden der PH mit berücksichtigt, diese Zeiten hab ich bereits entfernt):

  • Mi 13:15-15:00
  • Do 12:00-13:30
  • Do, ab 19:00
  • Fr, ab 19:00
  • Sa, ab 18:00
  • So, 11:00-15:00
  • So, ab 17:00
  • Di, 14:00-15:00
  • Di, 16:30-17:30

Wenn man mal davon absieht, dass die kurzen Zeiten zwischen den einzelnen Terminen nicht dazu taugen, sich in Ruhe in etwas einzulesen (insbesondere weil man da auch jede Menge Mails usw. abarbeitet und öfters Menschen ins Büro kommen, um etwas zu fragen oder kurz zu besprechen), dann bleiben als größere Zeitslots diejenigen übrig, die fett gedruckt sind. Das wären Zeiten gewesen, in denen ich mich intensiver mit dem MOOC hätte befassen können (also intensiver bedeutet hier: über „Zwischendurch-Tweets“ hinaus). Was genau hab ich da gemacht? Eine Twitter-, Mail- und Facebookanalyse ergibt:

In all den Zeiten hab ich zig Mails beantwortet, zu denen ich bislang nicht gekommen war. Darüber hinaus habe ich mich mit den folgenden Dingen befasst:

  • Donnerstag ab 19 Uhr hab ich mich intensiver mit Chrome und Cr OS Linux beschäftigt – da gab’s viel zu entdecken
  • Freitag ab 19 Uhr: erst mal Essen gewesen; dann weitere Explorationen von Chrome, außerdem weitere Tools wie picmonkey getestet
  • Samstag ab 18 Uhr: ein weiteres Video aufgezeichnet, dann im Wesentlichen Mails abgearbeitet. Später dann im Schwimmbad-Club tanzen gewesen
  • Sonntag 11-13 Uhr: gesurft
  • Sonntag 13-15 Uhr: Mit diesem Blogbeitrag angefangen; ich dachte, ich würde fertig…
  • Sonntag, ab 17 Uhr: Mit mathjax befasst, Bücher gelesen (ja, ich nehme mir in letzter Zeit wieder mehr Zeit dafür); und 30 Minuten Teilnahme am – ja, tatsächlich! – am MOOC

Dabei ist auch zu beachten, dass das alles Zeiten sind, in denen der „normale Arbeitnehmer“ seine Freizeit genießt. Ich muss mir also darüber bewusst sein, dass ich mir hier gerade die Frage stelle, warum ich nicht auch diese Zeiten zum Arbeiten genutzt habe. Und: Wäre der MOOC eigentlich Arbeit? Oder Freizeitinteresse? Oder beides?

Die Analyse der Woche zeigt jedenfalls: Ich hätte Zeit gehabt. In den freien Zeiten habe ich jedoch meine Prioritäten anders gesetzt. So hatte ich beispielsweise mehr Lust, mich mit Chrome zu befassen, weil mich das Tool einfach gereizt hat, und weil ich darüber hinaus wissen wollte, ob ich auf einem alten Rechner Chrome als OS zum Laufen bekomme. Meine Motivation, mich mit anderen Dingen zu befassen, war also höher, als mich mit dem MOOC zu beschäftigen. Woran liegt das?

Eine „sorgfältige Introspektion“ ergab folgende mögliche Gründe: 1) Ich bin (noch) kein MOOC-Maker. Meine Motivation war nicht sehr groß, an dem Kurs teilzunehmen, weil ich in absehbarer Zeit keinen MOOC anbieten werde und daher keine direkte Anwendungsmöglichkeit habe. Und für die „rein inhaltliche“ Beschäftigung mit der Grundphilosophie und den Definitionen von MOOCs weiß ich einfach schon zu viel darüber, als dass ich mich motivieren könnte, mich damit zu beschäftigen. Ich habe also keine Notwendigkeit gesehen, mich intensiver damit zu befassen, und daher hatte ich auch nicht so recht Lust dazu. 2) Die Grundstimmung im #MMC13 ist mir tendenziell zu „euphorisch“. Ich habe eine solche Euphorie selbst schon durchlebt (im Kontext des ersten EduCamps und dem Aufkommen einer Web-2.0-Euphorie vor einigen Jahren), aber mittlerweile stehe ich solchen Tendenzen eher zurückhaltend gegenüber. Vieles ist in den Web-2.0-Vernetzungswelten zu schnell „super“, „herrlich“ oder „toll“, und auch beim #MMC13 fällt mir dies wieder auf. Irgendwie fühle ich mich gehemmt, an einer solch euphorischen Grundstimmung teilzuhaben. 3) Ich bin (mittlerweile) von meinen „Pflichtaufgaben“ abends oder am Wochenende echt fertig, so dass ich keine Kraft habe, mich zu ganz anderen Lerntätigkeiten aufzuraffen, zu denen ich nicht hunderprozentig Lust habe. Die Zeitanalyse der Woche zeigt mir, dass insgesamt sehr viel Zeit und Energie in Sitzungen und Besprechungen aufgewendet wird. Das war früher („vor-professoral“) tatsächlich anders (d.h. weniger) gewesen. Mittlerweile habe ich viele solcher organisatorischer Verantwortlichkeiten, die einen guten Teil meiner Kraft beanspruchen, sodass ich einfach in bestimmten Bereichen keine Energie für Dinge mehr habe, die mich nicht vollends begeistern.

Eines habe ich aus dieser Analyse gelernt: Ich muss unbedingt einmal eine längere zeitliche Analyse meiner Tätigkeiten machen, um für mich realistischer einschätzen zu können, wie viel Kapazitäten ich für welche Aufgaben und Aktivitäten habe. Ich übernehme mich gerne weiterhin mit Tätigkeiten, weil ich (unrealistischerweise) denke, ich hätte diese Kapazitäten. Ich habe sie aber nicht. Und mit einer realistischeren Einschätzung würde ich eine aktivere Teilnahme an einem MOOC wie diesem oder den OPCOs (an denen ich auch nur sehr marginal rumgelurkt habe, ausgenommen der einen Sitzung, die ich selbst gestaltet habe) gar nicht in Erwägung ziehen, vermute ich. Und: Mit mehr Realitätssinn hätte ich der Anfrage bzgl. der Reflektorenrolle vermutlich besser nicht zugesagt. Ich sollte also realisieren lernen, dass es bei mir in Kontexten von MOOCs wie diesem für mehr als seltene beiläufige Twitter-Konversationen und Zufalls-Hangout-Teilnahmen nicht reicht.