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Über die Dehnung von Geduldsfäden

Veröffentlicht: Donnerstag, Oktober 11, 2012 in Maputo, Uncategorized
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Die Kurse in Mosambik bescheren mit immer Lehrerfahrungen, die ich nicht missen möchte. In diesem Jahr wurde meine Geduld auf die extreme Probe gestellt, und beinahe wäre mir der entsprechende Faden gerissen. Aber nur beinahe gottseidank.

In diesem Jahr halte ich wieder (wie vor zwei Jahren) den Master-Kurs „Laboratory on Mathematics Education“. Meine Vorgabe (die ich einen Tag vor Abflug erhalten habe) war: Die Studenten sollen lernen, wie man Mathematik mit dem Computer erforscht. Okay, kein Problem, dachte ich mir, nimmste GeoGebra (eines meiner Lieblings-Mathetools) da haste zahlreiche Ideen, was du machen kannst. Kostet auch nix, können die Lehrer in Mosambik überall verwenden.

Und los ging’s. Die Kurszeit: 16 bis 21 Uhr, denn die Studenten arbeiten tagsüber. Dementsprechend müde, abgeschlagen und verspätet kommen sie auch. Der Kurs beginnt eigentlich nie vor 16:20 Uhr. Dieses Phänomen kenn ich schon von meinen anderen Kursen hier. Das ist schon die erste extreme Geduldsprobe für jemanden, der die „deutsche Pünktlichkeit“ gewöhnt ist. Damit komm ich aber mittlerweile ganz gut zurecht. Man sitzt halt da und wartet, bis die ersten Studenten eintröpfeln, irgendwann sind dann 75% da, und dann fangen wir an. Die letzten kommen bis zu zwei Stunden zu spät. Den ersten Kurstag verliert man dabei auch noch, weil am ersten Tag nur ein kleiner Teil der Studenten da ist. Das mag daran liegen, dass der Kurs eine besondere Blockveranstaltung ist und diese Info evtl. nicht gleich bis zu jedem durchdringt.

Zusätzlich störend ist, dass die Studenten immer alle ihre Handys anhaben, es ständig irgendwo klingelt, die Studenten dann rauslaufen und sich teilweise auch nicht scheuen, dabei schon bereits im Seminarraum abzunehmen und zu antworten. SMS hier, SMS da.

Ein weiteres Problem: Die Sprache. Ich spreche Englisch, die Studenten verstehen ein wenig Englisch, können aber zum Teil überhaupt nicht Englisch sprechen (obwohl das eigentlich eine Voraussetzung ist, um überhaupt zum Masterstudium zugelassen zu werden). Mein mosambikanischer Kollege hier ist immer mit dabei und übersetzt Englisch nach Portugiesisch und zurück. Vorträge dauern also immer mindestens doppelt so lange wie normal. Daher habe ich auch meine Vortragsteile minimiert und lasse die Studenten mehr selbst am Rechner ausprobieren, was ja ohnehin sinnvoller ist. (By the way: Ich stelle fest, dass ich in solchen Vorträgen besser auf den Punkt komme. Man hat ja während einer Übersetzung Zeit, sich den nächsten Satz zu überlegen. Die sind dann meistens gestochen scharf. Und weils in Englisch ist, komme ich mir dabei ein bisschen vor wie ein amerikanisches Lehrbuch. Einfache, englische Sätze. Mit einer Aussage. Punkt.) Also auch hier braucht man zusätzlich Geduld. So ein Unterrichtsgespräch dauert einfach ewig mit einem geringen inhaltlichen Ertrag. Immerhin verwendete ich die portugiesische Variante des Programms zur Demonstration, weil es für mich einfacher ist, mich in die portugiesischen Fachbegriffe einzudenken als für die Studierenden in die englischen. Jetzt weiß ich immerhin, was „Speichern“, „Mittelsenkrechte“, und „Spur anzeigen“ auf Portugiesisch heißt.

In diesem Kontext wurde ich in diesem Jahr zusätzlich auf die Geduldsprobe gestellt: Es handelte sich nämlich um eine extrem schwache Gruppe. Man fängt ja ganz naiv an, zeigt GeoGebra, hey, so konstruiert man sich zum Beispiel ein gleichseitiges Dreieck, Strecke, Kreis hier, Kreis da, ist klar, hier Schnittpunkt, fertig. Alles easy, Programm intuitiv, olé olé. Folie mit Aufgaben für die Studenten: Konstruiert doch nochmal das gleichseitige Dreieck, dann ein Quadrat, ein Rechteck, ein regelmäßiges Sechseck und ein regelmäßiges Achteck. Viel Üben, ich kann rumlaufen und helfen. So war mein Plan für die erste Stunde des zweiten (!) Tages. Wir haben allerdings den gesamten zweiten Tag für einen Teil dieser Aufgaben gebraucht.

Beim Rumlaufen merkt man, dass ein Student vor seiner gerade konstruierten Strecke sitzt. Kommt man 5 Minuten später wieder vorbei, sieht man, dass er immer noch davor sitzt. Man geht hin und fragt, ob man helfen kann, er fragt nach dem Kreis, man zeigt ihm kurz nochmal, wie das mit dem Kreis ging. Aha, okay, yes. 5 Minuten  später kommt man wieder vorbei, immer noch nur eine Strecke. Man zeigt es nochmal mit dem Kreis. Währenddessen klingelt sein Handy, kurze Ablenkung, also nochmal. 5 Minuten später kommt man wieder vorbei, und man merkt, wie der Student nochmals beginnt, die Strecke zu konstruieren. So langsam denkt man sich „hä? och nee!“.

Andere Studenten können 20 Minuten vor ihrem konstruierten Dreieck sitzen und nicht auf die Idee kommen, zur nächsten Aufgabe überzugehen. Andere wiederum hatten bereits extreme Probleme bei der Bedienung der Maus. (Man mag meinen, dass liegt daran, dass mosambikanische Studenten vielleicht keinen Zugang zu Computern hätten. Das mag für viele zutreffen, aber nicht für meine Gruppe. Jeder Student hatte seinen eigenen Laptop dabei!) Es ist für die Studenten teilweise schon schwierig, mit dem Mauszeiger einen Punkt anzuklicken. „Right klick here!“ …. „no, here“ …. „no, HERE“…. „ah, no, with the right mouse button“… „right klick“…. „RIGHT!!!“.

Ich musste eigentlich noch nie so oft tief durchatmen wie in diesem Kurs. Ein paar Mal war ich kurz davor, auszurasten und zu brüllen, dass jetzt doch mal bitte alle Handys ausgemacht werden und sich jeder verdammt noch mal konzentrieren soll, diese wirklich einfachen Aufgaben zu lösen.

Wenn man so weit ist, kommt man ins Grübeln. Diese innere Reaktion ist wirklich krass, denn: Natürlich tut man den Studenten unrecht damit:

  • Sie haben einen harten Tag. Abends nach der Arbeit noch ein paar Stunden lang konzentriert geometrische Konstruktionen zu machen ist schon eine Herausforderung. Außerdem sind die Bedingungen sowieso nicht so einfach. Und bei der Infrastruktur hier kann es auch schon mal sein, dass man einfach keine Chance hat, pünktlich zu kommen.
  • Was kann den ein Student dafür, wenn er die Maus noch nicht richtig bedienen kann? Vielleicht hatte er bislang nicht die Möglichkeit, sind intensiv mit Computern zu befassen? Natürlich kann man sagen, dass man auch dieses als Voraussetzung für die Aufnahme eines Master(!)-Studiums begreifen könnte, aber das ist dann ebenso nicht die Schuld dieses einen Studenten, der nun mal jetzt hier studiert.
  • Die Sache mit den Handys ist eine kulturelle Sache. Jeder macht das überall, es wird als normal empfunden, wenn man mitten im Gespräch stoppt und einen Telefonanruf beantwortet (diesen also höher priorisiert als das gerade stattfindende Gespräch).

Also, letztlich könnte man sagen: Dies sind alles meine Probleme, nicht die der Studenten, und meine (verdammte) Pflicht ist es, der Situation angemessen als Lehrperson zu agieren und einen Kurs zu gestalten, der dieser speziellen Gruppe von Studierenden auch etwas bringt.

Am Anfang der zweiten Woche dachte ich, dass ich mit jedem weiteren Kurstag die Wahrscheinlichkeit senke, dass die Studenten dieses Tool überhaupt jemals einsetzen und nicht abgrundtief hassen. Dann hab ich gottseidank die Kurve gekriegt, zur Zufriedenheit der Studenten und auch zu meiner eigenen Zufriedenheit. Ich bin dazu übergegangen, alles in der Gesamtgruppe Schritt für Schritt zu machen (was ich normalerweise überhaupt nicht leiden kann), aber für diese Gruppe war es GENAU das richtige. „Okay, jetzt alle mal eine Strecke konstruieren, und zwar so.“ … (zwei Minuten rumlaufen, schauen, bis es alle haben). „Jetzt konstruiert einen Kreis so….“…. (zwei Minuten rumlaufen, schauen, bis es alle haben). … usw. usw.

Gestern haben wir uns mit Funktionen befasst. Mittlerweile sind wir so weit, dass die Studenten auch selbst neue Programmfunktionalitäten erforschen oder plötzlich Fragen stellen, die sie interessant finden und beantworten wollen. Dies führte gestern zu einem grandiosen Unterrichtsgespräch, in der wir den Einfluss des Parameters b bei einer quadratischen Funktion der Form f(x)=ax²+bx+c untersucht haben: Gemeinsam Hypothesen finden, dann Geogebra-Sheet erstellen, ausprobieren, sich wundern, mmh, die Parabel scheint sich entlang einer weiteren Parabel zu bewegen (zumindest hat die Spur des Scheitelpunkts den Eindruck erweckt). Dann die grandiose Frage eines Studenten: „Wie hängen denn beide Parabeln zusammen?“ Versuch der formalen Lösung gemeinsam an der Tafel, Bestimmung der Funktionsgleichung, dann hinzuzeichnen des Funktionsgraphen in Geogebra und schauen, ob die Spur des Scheitelpunkts darauf verläuft. Volltreffer! Die Studenten happy, ich happy. Die Studenten sind sich einig, dass es sich um ein gutes Tool handelt, und mittlerweile können wir uns auch aus mathematikdidaktischer Sicht damit befassen (Was soll das Ganze?). Natürlich gibt es immer noch große Leistungsunterschiede in der Gruppe, ich habe aber das Gefühl, dass wir gemeinsam einen großen Sprung gemacht haben.

Woran man mal wieder sieht, dass man seine Methodenwahl auch nach der Lerngruppe ausrichten muss.

Morgen gehts wieder nach Hause. Schade.

Literatursuche in Mosambik

Veröffentlicht: Montag, Oktober 3, 2011 in Maputo, Uncategorized
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Eine Veranstaltung im Rahmen meines Workshops zum wissenschaftlichen Arbeiten in Mosambik hat sich rund um das Thema „Literatursuche“ gedreht. Wie man sich vorstellen kann, ist es in Mosambik erheblich schwieriger an Literatur zu kommen als anderswo auf der Welt. Die Bibliotheken sind nicht sonderlich gut ausgestattet, und ansonsten ist die Infrastruktur, um an Literatur zu kommen, auch nicht so toll. Hieran sieht man, dass das Internet eine ungeheure Bedeutung für Länder wie Mosambik hat, und dass ein wichtiges Bildungs- und Wirtschaftsziel in diesen Ländern sein muss, die Internet-Infrastruktur auszubauen.

Mit den Studierenden im Workshop haben wir folgende Strategien besprochen, wie man herausbekommt, welche Literatur relevant für das jeweilige Forschungsprojekt ist, und wie man sich diese beschaffen kann. Wie immer in Mosambik ist hier eines gefragt: Pragmatismus.

  • Ask an expert! Die einfachste und schnellste Methode, an Hinweise für grundlegende Literatur in einem Gebiet zu kommen, ist diejenige, einen Experten zu fragen. Expertengehirne sind ungeheuer wertvolle Anzapf-Ressourcen. Wir haben den Studierenden deutlich gemacht, dass sie sich nicht zu scheuen brauchen, einem Experten eine E-Mail zu schreiben. In der Regel fühlen sich Experten nicht belästigt, sondern eher geschmeichelt, und geben gerne Auskunft, wenn man freundlich fragt. Und wenn man in die E-Mail schreibt, dass man ein Student aus Mosambik ist, für den es schwierig ist, an Literatur zu kommen… vielleicht schickt einem der ein oder andere Autor dann auch gleich einen Artikel in digitaler Form zurück.
  • Bibliothek: Okay, logo. In die Bibliothek gehen, Register durchsuchen, in Schränken stöbern. Wer eine Arbeit zu einem bestimmten Thema schreibt, der muss das Bücherregal in der Bibliothek zu diesem Thema in- und auswendig kennen.
  • In Online-Datenbanken suchen: Eine der besten Datenbanken für Literatur im erziehungswissenschaftlichen Bereich ist ERIC. Dort kann man nämlich seine Suche einschränken auf Artikel zu einer bestimmten Schulstufe oder auf Journals, die für bestimmte Leserschaften geschrieben sind (Wissenschaftler(innen), Lehrer(innen), …). Darüber hinaus bekommt man eine Rangliste, welcher Autor zu welchem Thema am meisten veröffentlicht hat (zumindest die Suchergebnisse betreffend), und man bekommt über den Thesaurus auch Hinweise auf weitere nützliche Suchbegriffe. Darüber sind manchmal auch die Artikel als Full Text zu haben – oft allerdings gegen Gebühren. Zumindest beim Suchen ist ERIC aber auch jeden Fall hilfreich. Als weitere Suchmaschine habe ich Google Scholar empfohlen. Hier wird direkt rechts neben dem Suchergebnis angezeigt, wenn dieses als PDF-Datei online steht. Ganz oben wird derjenige Artikel angezeigt, der am meisten in anderen Artikeln zitiert wurde – oft handelt es sich dabei also um wichtige oder zentrale Artikel zu einem Suchbegriff. Darüber hinaus bekommt man wertvolle Hinweise auf weitere Artikel, wenn man auf den „Zitiert von..“-Link unter dem Suchergebnis klickt. Als dritte wertvolle Internetquelle schließlich habe ich Google Books empfohlen. Man kann zu Googles Vorhaben, alle Bücher der Welt zu scannen, stehen wie man will – für die Studierenden hier ist es oft die einzige Möglichkeit, einen Blick in ein Buch zu werfen. Und vielleicht hat man dort ja gerade Einblick in das Kapitel, das für die eigene Arbeit relevant ist.
  • Literaturverzeichnisse: Hat man einmal einen Artikel gefunden und gelesen, finden sich im Literaturverzeichnis dieses Artikels viele weitere Hinweise auf Publikationen, die ihrerseits wiederum Literaturverzeichnisse mit Hinweisen haben usw. Die Anzahl der Literaturhinweise wächst hierdurch exponentiell. Ich bin mir nur nicht sicher, ob die Studierenden verstanden haben, was ich in diesem Zusammenhang mit „snowball system“ meinte… :-).

Tja, und wonach sollte man Ausschau halten?

  • Standardbücher zu einem Thema. Ganz wichtig. Die sollte man kennen.
  • Review-Artikel. Die sind hilfreich, wenn man sich Arbeit sparen möchte: Review-Artikel fassen die Ergebnisse von zahlreichen Studien in einem Bereich zusammen. Man muss also mitunter nicht all diese Studien lesen, sondern nur den Review-Artikel und vielleicht einige ausgewählte Studien, die in diesem Artikel beschrieben werden.
  • Die neueste Literatur. Man muss den aktuellen Stand der Forschung kennen. Das bedeutet, man muss sich um aktuelle Literatur bemühen. Selbstverständlich darf man auch einmal ein ganz besonders wichtiges und zentrales Buch von 1950 einbringen, aber keinesfalls nur oder überwiegend. In diesem Kontext ist es auch hilfreich, sich einfach mal die letzten zehn Bände eines relevanten Journals in der Bibliothek herauszunehmen und diese nach interessanten Artikels zu screenen.
  • Literatur in Portugiesisch UND Englisch: Es ist überall auf der Welt gleich. Studierende vermeiden englischsprachige Literatur. (Okay, nicht überall auf der Welt: in England, in den USA und in Australien zum Beispiel nicht.) Dabei ist es so wichtig, auch englischsprachige Publikationen zu lesen. Ich habe den Studierenden gesagt: „Hey, you are LUCKY guys! You don’t have to write in English. You only have to read it. That means: Nobody knows how long it took you to read an article, and nobody gives you a grade in reading English. You can take your time, and I promise you: you will get used to it.”

Neulich hat mich übrigens wieder Rüdiger besucht (die kleine Eidechse, die ich auch zu Beginn meines Besuchs in meiner Unterkunft gesehen habe und die ihren Namen Herrn Larbig verdankt). Jetzt weiß ich auch, wie sie da reinkommt: durch die Ritze an der Decke. Durch diese Ritze scheinen vermutlich auch die überaus riesigen Spinnen zu kommen…

[Update: Mittlerweile bin ich zu Hause, konnte diesen Artikel uploaden und muss keine riesigen Spinnen mehr fürchten.]

Ein Festival der ITG: Meine opco11-Session

Veröffentlicht: Freitag, Juni 17, 2011 in Uncategorized
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Seit einigen Wochen findet der OpenCourse 2011 unter dem Titel „Zukunft des Lernens“ statt. Dabei handelt es sich um einen offen Kurs zu aktuellen Trends im Bildungsbereich, an dem jeder mitwirken kann (z.B. in Blogs oder in Twitter). Die Agenda legt wöchentlich Themen fest, und mittwochs findet zwischen 17 und 18 Uhr eine synchrone Online-Sitzung per ustream statt.

Nächste Woche (20.-26. Juni) ist das Thema Lernen kann doch jeder, oder? Über Kompetenzen und Bildung dran. Am Mittwoch zwischen 17 und 18 Uhr ist eine Online-Sitzung, die ich gestalten darf. In Woche 4 hatte Michael Kerres damit begonnen, den Vortragsteil zur Vorbereitung auszulagern und die Sitzung interaktiver zu gestalten. Das halte ich für eine sehr sinnvolle Sache. (Ähnliches mache ich auch gerade in meiner Arithmetik-Vorlesung, in der sich Studierende die Vorträge vorab auf Youtube ansehen.)

Also, ich habe mich entschlossen, am nächsten Mittwoch (22.6., 17 Uhr) ein Experiment zu starten: Ich möchte versuchen, mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine massive synchrone Online-Kollaboration durchzuführen. Hierzu habe ich eine Wiki-Seite erstellt mit Vorabinfos, Podcasts und Etherpads zur Vorbereitung der Sitzung. @dankegang hat mich dabei auf die Idee gebracht, dass ich hier einen Hauch von WGT-Atmosphäre mit einbringen könnte. Und das mache ich auch: Wir gestalten am Mittwoch zwischen 17 und 18 Uhr ein ITG-Festival (ausgeschrieben: Ein Festival der Informationstechnischen Grundbildung).

Wesentliche Infos zum Ablauf gibts auf der Festival-Seite. In Kürze: Wir veranstalten parallel verschiedene „Konzerte“ (Etherpads), zwischen denen man flexibel hin- und herwechseln kann. Jedes Konzert ist zweigeteilt: „Probe“ (Ideensammlung im Vorfeld zur Sitzung) und „Aufführung“ (das eigentliche Konzert am Mittwoch). Jedes Konzert wird zudem durch einen oder zwei Audioboos angekündigt. Meine persönliche Rolle dabei ist die eines Festival-Organisators: Ich stelle den Kontext bereit, mache Werbung, kümmere mich um das Programm, nehme an Konzerten teil und unterstütze die Musiker. Musizieren müssen aber die Teilnehmer!

Ich möchte somit alle opco11-Teilnehmer einladen,  auf die Festival-Seite zu gehen und sich bis Mittwoch in die Konzertproben (Brainstormings) einzubringen! Denn, eins ist klar: Konzerte sollte man nicht geben, ohne vorher geprobt zu haben! 🙂

Also: Herzlich willkommen beim ITG-Festival 2011!

dunkelmunkel

Projekt zur Unterstützung schwer kranker Kinder mit E-Learning

Veröffentlicht: Donnerstag, Juni 17, 2010 in Uncategorized
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Gemeinsam mit dem Verein B.L.u.T.eV (Bürger für Leukämie- und Tumorerkrankte) und mit der gemeinnützigen Gesellschaft lernmodule.net sucht das Institut für Datenverarbeitung/Informatik (IfD/I) Studierende der PH Heidelberg zur Unterstützung schwer kranker Kinder.

Kinder, die aufgrund einer schweren Krankheit eine längere Zeit in einem Krankenhaus verbringen müssen, werden zum Teil in speziellen Schulen für Kranke, die an große Krankenhäuser angeschlossen sind, unterrichtet. Diese Schüler sind neben ihrem tragischen Schicksal zudem dadurch stark belastet, dass sie aus ihrem normalen Umfeld herausgerissen wurden. Sie vermissen oft sehnlichst den Kontakt zu ihrer Schulklasse.

Mit Hilfe eines E-Learning-Konzepts unter Einbeziehung eines Konferenzsystems soll die Verbindung zur Heimatschule hergestellt werden. Lehrer und Schüler der Heimatschule halten den Kontakt zu dem kranken Mitschüler über das virtuelle Klassenzimmer. Ergänzend kommen Lernmodule zum Einsatz, welche die kranken Schüler in den Zeiten, in denen es ihnen einigermaßen gut geht, bearbeiten können – wobei die Lernergebnisse an die Tutoren oder die Verantwortlichen an den Heimatschulen rückgemeldet werden.

Weitere Infos gibt’s in der Ausschreibung.

Kennt ihr evtl. ähnliche Projekte?

Phoenix aus der Asche

Veröffentlicht: Mittwoch, Mai 12, 2010 in Uncategorized

Grenzerfahrungen sind für eine Sache besonders gut: Für die Rekonzeptualisierung des eigenen Selbst. Nach meinem kompletten Ausstieg aus der permanenten Vernetzung und in Verbindung mit den damit einhergehenden Zweifeln an liebgewonnenen Prinzipien habe ich begonnen, alles zu hinterfragen, was mir bislang selbstverständlich und einleuchtend erschien. Wenn man so will, bin ich in einen sokratischen Dialog mit mir selbst eingestiegen. Ich weiß, dass ich nichts weiß.

Sartre hat einmal in einem Interview gesagt: „Das Hier und Jetzt ist ein Zustand, den ich immer als provisorisch angesehen habe und den ich hinter mir lassen möchte. Ich halte da an einer Kindheitsillusion fest, der Vorstellung, dass man immer noch ein besserer Mensch werden kann. Ich sage mir, dass ich ein paar Bücher geschrieben habe, aber dass ich nicht mehr ich selber bin, wenn ich mich verpflichtet fühle, die in diesen Büchern vertretenen Ideen zu verteidigen, wenn die Dinge sich inzwischen geändert haben.“ So in etwa denke ich über Aspekte in Texten wie Öffentliche Wissenschaft: Eine Bastelanleitung und im Twitter Tip Sheet How an open scientist can use twitter.

Neben der permanenten Vernetzung hinterfrage ich mittlerweile insbesondere meine Haltung gegenüber Forschungsmethoden. Diese Überlegungen begleiten mich schon eine ganze Weile. Jetzt nagen sie an mir.

In meinem Studium und in meiner Promotion habe ich mich intensiv in die Methode des psychologischen Experiments eingearbeitet. Nach Wilhelm Wundt zeichnet sich ein Experiment durch drei Eigenschaften aus: Willkür, Wiederholbarkeit und Variierbarkeit (die drei W’s; alter Witz). Dadurch erlaubt das Experiment Rückschlüsse auf kausale Zusammenhänge. Der Experimentator ist dabei außerhalb des Geschehens. Ihm obligen die Steuerung und die Beobachtung des experimentellen Vorgangs. Dabei ist er aber externe Entität, also nicht selbst Teil des Geschehens. Insbesondere die Wiederholbarkeit des Experiments sichert dabei die Objektivität, weil auch andere Experimentatoren in ähnlichen Konstellationen idealerweise zu denselben Ergebnissen kommen sollen. Wenn die interne Validität des Experiments hoch ist, wenn also alles so sauber durchgeführt wird, dass Veränderungen in den abhängigen Variablen (z.B. Lernerfolg) auf die Variation der unabhängigen Variablen (z.B. Unterrichtsmethode) zurückzuführen sind, dann leidet oft die externe Validität, das heißt die Übertragbarkeit auf andere Situationen und den „Alltag“. Praktiker fragen hier oft nach der praktischen Relevanz der experimentell gewonnenen Ergebnisse. Lange habe ich das Experiment für die Königsmethode gehalten, und ich habe als Pädagoge neidisch auf die Psychologie geschaut. Ich fragte mich oft, weshalb die Pädagogik der Psychologie methodisch hinterherhinkt, und ich habe es begrüßt, dass sich immer mehr Pädagogen an den Methoden der Psychologie orientieren. Eine Übertragung der experimentellen Methode auf die Unterrichtsforschung lag nahe, wie man in den Artikeln zu Versuchsplänen mit Messwiederholung nachlesen kann (hier und hier). Auf die Hermeneutiker habe ich immer mit einem Lächeln, gespickt mit ein wenig Überheblichkeit, geschaut, wohl wissend, dass auch dieser Ansatz „eine gewisse“ Bedeutung hat.

Mit dem Einstieg in die hochschuldidaktische Forschung, insbesondere im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt SAiL-M, habe ich mich intensiver mit dem Ansatz der Aktionsforschung auseinandergesetzt. Aktionsforscher wollen keine allgemein gültigen, kausalen Zusammenhänge aufdecken, sondern eine konkrete Situation verbessern. Was liegt näher, als diesen Ansatz in der eigenen Lehre einzusetzen? In der Regel möchte man ja die Qualität der eigenen Lehrveranstaltungen heben. Idealerweise macht man dies nicht irgendwie, sondern theoretisch fundiert und systematisch reflektierend. Ich war wenig überrascht, dass auch Jean-Pol Martin diesen Forschungsansatz im Kontext von Lernen durch Lehren (LdL) seit mehreren Jahrzehnten verfolgt. Ähnliche problemlösende Ansätze sind unter den Begriffen design experiment und design-based research (beispielsweise in einem Artikel von Gabi Reinmann beschrieben) bekannt. Seit meiner Beschäftigung mit Aktionsforschung hadere ich mit meinen damaligen Überzeugungen von der Überlegenheit des Experiments (Vortragsaufzeichnung). Aktionsforschung finde ich sympathisch, weil man als Lehrender in mehr oder weniger kurzen Feedbackschleifen Rückmeldung über die Wirksamkeit von pädagogischen Interventionen erhält und daraufhin seinen Handlungsplan modifizieren kann (wie gesagt, immer theoriebasiert). Wichtig dabei ist, dass man sich immer wieder aus der Rolle des Lehrenden auf eine „Metaebene“ begibt, als Forscher die gewonnenen Erkenntnisse reflektiert und Konsequenzen für das weitere Vorgehen beschließt.

Neben der Frage von Michael Kerres, ob denn die Bildungsexpedition Forschung ist, bin ich jetzt neuerdings mit dem Selbstexperiment konfrontiert. Gabi Reinmann äußert prompt in einem Kommentar den Wunsch, dass auch dem Selbstexperiment in der Forschung eine gewisse Bedeutung zugebilligt werden sollte. Klar ist: Das Selbstexperiment darf nicht auf die persönliche Erfahrungsebene beschränkt bleiben, sondern jetzt ist es an mir (und uns), die Erfahrungen mit der permanenten Vernetzung zu konzeptualisieren und in die weitere Arbeit einfließen zu lassen.

Kann ein Experimentator (im obigen, psychologisch-methodischen Sinne) seinen Forschungsgegenstand so tief verstehen wie jemand, der ein Selbstexperiment durchgeführt hat? Besteht nicht gerade beim psychologischen Experiment die Gefahr, irrelevante Fragen zu beantworten? Ist das Selbstexperiment im Gegensatz dazu zur Beschränkung durch Subjektivität verdammt? Welchen Erkenntniswert hat welche Methode?

Tragisch ist, dass der pädagogische Wissenschaftsbetrieb die quantitativen Methoden immer mehr präferiert. TIMSS, PISA uns die ganze Kompetenzmesserei sind ein Zeugnis davon, und mein gefühlter Eindruck ist, dass im Bildungsbereich auch bei Forschungsanträgen diejenigen präferiert werden, die genau diesen Forschungsparadigmen folgen.

Manchmal gibt es Zufälle, von denen ich vermuten muss, dass es keine sind. Kurze Zeit nachdem ich meine permanente Vernetzung aufgegeben habe, flattert in mein Postfach ein Artikel von Rüdiger Görner (als Supplement zu einem „Forschung & Lehre“-Heft) mit dem Titel „Was hat der Mathematiker für ein Verhältnis zum Gewissen?“ Darin beschreibt er unter anderem Goethes Verhältnis zur Wissenschaft und zu objektiven Messmethoden. Görner schreibt auf Seite 13:

Goethe fordert praxis vom Wissenschaftler, Belehrung des Lebens durch das Lebendige, wie er sagt, und die Einsicht, dass „alles Faktische schon Theorie“ (HA 12, 432) sei genauso wie die Phänomene selbst bereits die Lehre seien. Warum diese Betonung auf dem Tun, dessen subtilste Variante für die Goethe die „zarte Empirie“ war (HA 12, 435), unter der ein „mit dem Gegenstand innigst“ Sich-identisch-Machen verstand? Weshalb dieser Zweifel am Sinn der Theoriebildung? Weil Goethes Naturverständnis, zu der auch die Natur des Menschen und die Natur des Geistigen gehörte, ethisch begründet war, wie Albert Schweizer als erster klar herausgestellt hat. Dies ergab sich für Goethe zum einen daraus, dass er von der Einheit des Göttlichen und des Natürlichen ausging; zum anderen, auch das hat Schweizer als erster gesehen, kannte Goethe bereits so etwas wie eine „Angst um den Menschen“.

Die Angst um den Menschen. In einem Gespräch mit einem sehr geschätzten Kollegen über meinen Ausstieg und über Forschungsmethoden gebrauchte er drei Tage zuvor die Formulierung „Es geht mir um den Menschen“. Alles Zufall?

Vernünftig ist meiner Ansicht nach folgende Einstellung: Alle Methoden haben gewisse Erkenntnisräume, und Räume haben Grenzen. Will ich als Bildungswissenschaftler Erkennismöglichkeiten nicht von vorneherein ausschließen, dann muss ich offen sein für eine Vielfalt an Methoden. Experimente sollten genauso zum Methodenrepertoire gehören wie Aktionsforschung, hermeneutische Methoden und Selbstexperimente. Überfordert dies Wissenschaftler? Oder ist ein breites Methodenrepertoire geradezu eine Notwendigkeit?

Gestern bin ich auf ein Buch gestoßen, dass meine Aufmerksamkeit auf sich zog: „Wahrheit und Methode“ von Gadamer. Zufall?

Ansichten zur Kommentarkultur in Schulmeisters Weblog

Veröffentlicht: Montag, Februar 15, 2010 in Uncategorized, Web 2.0

Seit Schulmeisters Veröffentlichung Ansichten zur Kommentarkultur in Weblogs juckt es mir in den Fingern. Ich trage mich seit zwei Tagen mit dem Gedanken, einmal Rolf Schulmeisters Weblog (bzw. das Weblog des Zentrums für Hochschul- und Weiterbildung in Hamburg)  zu untersuchen. Nach einigem Hin- und Her habe ich mich nun entschieden, diese mühsame Aufgabe auf mich zu nehmen.

Eins ist mir wichtig: Diese Analyse ist als SPASS gemeint und soll auch so aufgefasst werden. Ich hoffe, dass Rolf Schulmeister auch diesen kleinen Ulk versteht. 😉

Vorbemerkung

Bei dem ZHW-Weblog handelt es sich um ein Gruppenblog, in dem mehrere Personen bloggen,oft einfach auch nur unter dem Namen ZHW. 3 Blogartikel stammen von Rolf Schulmeister, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass er auch mal unter dem Namen ZHW gebloggt hat (dies kann nicht nachvollzogen werden).

Im ersten Beitrag vom 21. April 2008 steht:

Dieses Weblog wird ab jetzt von einer Reihe von Autor(innen) geführt werden. Die unterschiedlichen Perspektiven und Interessen der Mitglieder des ZHW, die sich in den namentlich gekennzeichneten Beiträgen widerspiegeln werden, sollen einen Eindruck vermitteln, woran wir im ZHW gerade arbeiten oder planen und welche Themen uns beschäftigen.
Wir hoffen, dass die eine oder andere Nachricht auch – ganz im Sinne der Web 2.0-Idee – zur Online-Diskussion anregen wird und wir mit Ihnen ins virtuelle Gespräch kommen.

Wollen wir mal sehen, ob das ZHW-Weblog diesem Anspruch gerecht geworden ist. 😉

Die Stichprobe

Nimmt man die Weblogs, ausgehend von der Blogroll des ZHW-Weblog, die sich wechselseitig verlinken, dann erhält man ein Netz von genau zwei Weblogs (nämlich ein Netz bestehend aus dem ZHW-Weblog und dem Weblog von Kerstin Mayrberger). Ok, bleiben wir mal beim ZHW-Weblog – dieses Weblog liegt ja in unserem hauptsächlichen Interesse.

Quantitative Analyse

In die quantitative Analyse sollen einmal alle Beiträge seit Gründung des ZHW-Weblogs eingehen. Ich habe zunächst einmal das Weblog um nicht zum Inhalt oder Kommentar zählende Informationen gestrippt (was bedeutet das eigentlich?). Der erste Beitrag erschien (wie oben bereits beschrieben) am 21. April 2008. Seitdem sind  ingesamt 38 Blogartikel erschienen. Das sind bei ca. 22 Monaten Laufzeit in etwa 1,73 Blogartikel pro Monat. Insgesamt wurden 19 Kommentare eingestellt, und zwar auf 15 Blogartikel verteilt (das sind 39% aller Artikel). Dies bedeutet, dass in der Regel 1 Kommentar gegeben wurde, wenn ein Artikel kommentiert wurde. Die Höchstzahl an abgegebenen Kommentaren pro Artikel war 3. Das Verhältnis „Kommentare / alle Posts“ beträgt 0,5, das Verhältnis „Kommentare / Posts mit Kommentar“ beträgt 1,27. Das ist vergleichbar mit einigen von Schulmeister untersuchten Weblogs (wobei Schulmeister auf S. 20 ein Verhältnis „Posts : Kommentare“ mit weniger als „1 : 1“ als „schon quantitativ betrachtet sehr dünn“ bezeichnet) . Unter den 19 Kommentaren waren übrigens 9 Trackbacks, d.h. (mit viel gutem Willen) waren es 10 echte Kommentare. Immerhin (in ca. 2 Jahren). ;-))

Ich hoffe, man verzeiht mir, dass ich nicht die Wörter in Artikeln und Kommentaren gezählt habe.

Art der Kommentare

Ich habe versucht, dieselben Kategorien wie in der Untersuchung von Schulmeister anzulegen (Sachbezug, Sozialbezug, Selbstbezug, Hinweise, Restkategorie). Mit bestem Wissen und Gewissen bin ich auf folgende Zahlen gekommen: 4 der echten Kommentare haben Sozialbezug, 3 haben Sachbezug, einer Selbstbezug und 3 sind Hinweise. Also immerhin 30% haben Sachbezug.

Qualitative Analyse des Weblogs

Viele Artikel im ZHW-Weblog sind Ankündigen (z.B. von Forschungsprojekten, Stellenausschreibungen u.ä.) oder Berichte zu ähnlichen Themen. Es ist schwierig, echte Kategoriegrenzen zu ziehen, aber ich würde sagen, 33 Artikel haben diesen Ankündigungs- oder Berichtcharakter. So ist es kaum verwunderlich, dass die vier Artikel, die ich eindeutig in „echte Inhaltsdarstellungen“ einordnen würde, auch die meisten Kommentare erhielten, so beispielsweise ein historischer Artikel über Weblogs von Rolf Schulmeister und ein Artikel über einen Referenzrahmen für e-Learning-Angebote von Kerstin Mayrberger mit jeweils 3 Kommentaren. Wobei zu sagen ist, dass im ersten Fall die drei Kommentare Trackbacks sind und  im zweiten Fall eine Nachfrage zu einem PDF-Dokument und zwei Antworten dazu.

Fazit

Betrachtet man das ZHW-Weblog, so könnte man zu der Auffassung kommen, dass Artikel, die hauptsächlich im Ankündigungs- und Bericht-Stil geschrieben sind, nicht so recht förderlich für eine wissenschaftliche Kommentarkultur zu sein scheinen. Jedenfalls helfen auch die explizitien Aufforderungen in den jeweiligen Artikeln, dass doch bitte kommentiert werden solle, nicht, mehr Kommentare zu erhalten wie z.B. im Blog-Beitrag über die Teilnahme an der Demo, der mit einem fettgedruckten

Was meinen Sie? Was waren Ihre guten Gründe für oder gegen die Beteiligung am Bildungsstreik? Schreiben Sie uns einen Kommentar!!!!

endet – leider erfolglos (0 Kommentare). Vielleicht ist es aber auch nicht der Charakter der Artikel, sondern die Tatsache, dass auf Nachfragen nicht geantwortet wird, wie beispielsweise hier. 😉 Oder vielleicht ist auch der Grund, dass es sich nicht um ein persönliches Weblog mit persönlichen Reflexionen handelt, sondern um ein institutionelles Gruppenweblog?

Na, was sagt uns das jetzt? Ich würde folgendes sagen:

Das ZHW-Weblog ist wie viele andere Weblogs deswegen wertvoll, weil  aktuelle Informationen zu einem bestimmten Themenbereich (nämlich den Themen des ZHW) eingestellt werden und sich Menschen, die an den Aktivitäten des ZHW interessiert sind, auf diese Weise leicht informieren können. Es ist doch nicht schlimm, dass wenig kommentiert wird. Weshalb auch, wenn es dort wenig zu diskutieren gibt? Die Autoren möchten anscheinend keine kontroversen Beiträge einstellen, welche zu heftigen Diskussionen führen könnten. Also: Die Intention des Weblogs scheint (auch wenn im ersten Weblog anders formuliert) die Information über das ZHW zu sein. Insofern entspricht doch das Kommentarverhalten in diesem Weblog exakt der Intention der bloggenden Autoren.

Schulmeister schreibt auf S. 21:

Im Bildungsbereich sollte man allerdings erwarten können, insbesondere wenn man die Absicht hat, diese Methode im Studium als Lern- oder Lehrmethode einzuführen, dass der Aus-
tausch von Ideen und Meinungen zu wissenschaftlichen Diskursen führt. Web 2.0 erhebt den Anspruch auf Partizipation, auf aktive Teilhabe, dieser Anspruch scheint aber noch nicht eingelöst zu werden.

Ich weiß nicht: Ich würde dieses Zitat wirklich (und das meine ich absolut ehrlich) nicht  auf das ZHW-Weblog beziehen wollen, weil ich das Gefühl hätte, diesem Blog damit Unrecht zu tun. Insofern wünsche ich (und auch das ist aufrichtig gemeint) dem ZHW-Weblog zukünftig weiterhin viele Leser – denn, auch das muss man sagen: Über die Reichweite des Blogs und die Anzahl der Leser können nur die ZHW-Leute etwas sagen!

Und ich ende mit einem Ausruf, der die Ernsthaftigkeit dieses Blog-Beitrags nochmals unterstreichen soll:

Helau!

Tafel-Wiki

Veröffentlicht: Freitag, Februar 5, 2010 in Schule, Uncategorized, Web 2.0, Wiki

Wenn man Quellen in Arbeiten verwendet, dann sollte man kritisch mit diesen umgehen – egal, um welche Art Quelle es sich handelt. Man muss wissenschaftlichen Artikeln gegenüber ebenso „grundmisstrauisch“ sein wie Wikipedia-Artikeln. Zu diesem vernünftigen Umgang mit Quellen gehört auch das Wissen, wie diese entstehen: Wissenschaftliche Artikel werden in der Regel von einzelnen wenigen Wissenschaftlern geschrieben und oft auch von solchen begutachtet. Manches Buch wird geschrieben, ohne jemals begutachtet zu werden. Und in Wikipedia entstehen Texte durch kollaborative Schreibprozesse und gegenseitige Begutachtung.

Mich würde einmal interessieren, wie viele Menschen eigentlich wissen, wie Artikel in Wikipedia entstehen. Schüler wissen es oft nicht. Diese Erfahrung habe ich zumindest neulich gemacht: Sowohl die Schüler in der 5. als auch in der 8. Klassen waren sich nicht bewusst, dass sie selbst auch jederzeit Artikel ändern können. Ihnen ist also nicht bewusst, dass Wikipedia ein Wiki ist und was das bedeutet. (Woher sollten sie das auch wissen?)

Demnächst möchte ich mit meiner 5. Klasse in einem Wiki arbeiten. Daher habe ich in der letzten Stunde das Wiki-Prinzip eingeführt. Dabei wollte ich zunächst auf allen technischen Ballast verzichten. Ich habe mich daher entschieden, ein Spiel mit den Schülern zu spielen: Tafel-Wiki.

Tafel-Wiki funktioniert folgendermaßen: Die Schüler schreiben sich zunächst auf einen Zettel irgendeinen Satz zu einem Thema auf (z.B. „Piraten!“), den sie zunächst „geheim“ halten. An der Tafel steht ebenfalls die Überschrift „Piraten!“. Anschließend darf ein Schüler seinen Satz an die Tafel schreiben und einen anderen Schüler aufrufen. Jetzt kommt ein Schaumstoffwürfel ins Spiel: Jeder Schüler, der nach vorne kommt, wirft zunächst den Würfel. Je nach Würfelergebnis führt er eine bestimmte Aktion aus:

Anschließend wir der nächste aufgerufen usw. So füllt sich Schritt für Schritt das Tafel-Wiki. Zwischendurch wird mal was gelöscht, ein Fehler eingebaut oder ein Fehler wieder entfernt.

Dies ist das Ergebnis von 15 Minuten Tafel-Wiki:

Anschließend habe ich den Schülern erklärt, dass Wikipedia ähnlich funktioniert: Alle können an dem Text ändern. Manchmal werden Fehler gemacht, und Fehler können auch wieder korrigiert werden. Zum Schluss haben die Schüler bei einer Wikipedia-Seite ihrer Wahl versucht herauszubekommen, wie viele Personen an der Seite mitgeschrieben haben.

Ich denke, dass das Prinzip „Man schreibt gemeinsam an einem Text“ den Schülern klar geworden ist. Die nächsten Schritte werden das Anmelden in unserem Schulwiki und das Füllen des eigenen Benutzeraccounts sein.

Was haltet ihr von dieser Wiki-Einführung? Habt ihr vielleicht Unterrichtsideen, wie man nun vielleicht ein ähnliches Spiel in einem echten Wiki durchführen kann? Zeitgleich können die Schüler ja schlecht an einer Seite schreiben….

Wikipedia als Quelle?

Veröffentlicht: Sonntag, Januar 31, 2010 in OeffentlicherWissenschaftler, Uncategorized, Web 2.0
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Vor etwas mehr als drei Jahren habe ich einen Weblog-Artikel zu der Frage verfasst, ob man Wikipedia in wissenschaftlichen Arbeiten als Quelle verwenden dürfe. Dieser Artikel gehört seitdem zu den recht häufig aufgerufenen in meinem Blog. Anlass genug, einmal ein Update meiner Position zu veröffentlichen.

Damals habe ich die Meinung vertreten, dass man Wikipedia zwar zur Orientierung verwenden dürfe, zitieren sollte man sie aber nur in Fällen, in denen es keine adäquate wissenschaftliche Literatur gibt (also beispielsweise bei sehr aktuellen Fakten wie der größten bekannten Primzahl).

Diese Position möchte ich nun lockern: Ich erlaube Studierenden, Wikipedia als Quelle zu verwenden und Seiten aus Wikipedia auch zu zitieren. Dies soll aber mit Verstand erfolgen:

  • Für Wikipedia gilt das  gleiche wie für wissenschaftliche Literatur: Man sollte sich nicht nur auf eine einzige Quelle verlassen. In Wikipedia können Fehler enthalten sein. In wissenschaftlicher Literatur auch. Somit sollte Wikipedia in der Regel nicht die einzige Quelle sein – eben genau wie bei wissenschatftliche Literatur. Mehrere Quellen verwenden ist die Devise.
  • Dabei kommt es auch auf die Bedeutung eines Inhalts für die gesamte Arbeit an. Wenn es sich z.B. um einen zentralen Begriff handelt, empfiehlt es sich, die Belege auf eine breite Basis zu stellen. Hierunter kann Wikipedia dann eine von vielen Quellen sein (Man muss sich dann aber überlegen, ob der Wikipedia-Beleg in diesem Kontext wirklich wichtig ist). Handelt es sich eher um einen „unbedeutenden“ oder „trivialen“ Inhalt, kann man vielleicht auch mal nur auf Wikipedia verweisen (beispielsweise in Unterrichtsentwürfen, wenn es um die Frage geht, was ein Vieleck ist).
  • Wird in Sekundärliteratur auf Primärliteratur verwiesen, dann empfiehlt es sich oft, einen Blick in die Primärliteratur zu werfen und diese als Beleg für Aussagen zu verwenden. In diesem Sinne ist Wikipedia in der Regel Sekundärliteratur, und es ist empfehlenswert, die in Wikipedia zitierte Literatur heranzuziehen.
  • Für Wikipedia gilt -wie für alle Quellen, auch wissenschaftliche -, dass man sich kritisch mit ihr auseinandersetzen muss. Warum sollte man sich z.B. nicht mal in einer wissenschaftlichen Arbeit kritisch mit einer Wikipedia-Quelle beschäftigen und dafür weitere Literatur heranziehen? Man könnte so Wikipedia-Artikel als „Aufhänger“ nehmen, um wissenschaftliche Begriffe zu diskutieren und beispielsweise mit Ansichten in anderer Literatur zu vergleichen und zu kontrastieren.
  • Jede Quelle muss in ihrer Glaubwürdigkeit überprüft werden; das gilt gleichermaßen für Wikipedia und für wissenschaftliche Literatur. Man muss sich überlegen: Wurde der Inhalt bereits von anderen überprüft? Wird diese Quelle auch von anderen Fachleuten verwendet? Beruht diese Quelle bereits auf einer breiten Literaturbasis? Wer hat den Artikel geschrieben? … Bei wissenschaftlicher Literatur ergibt sich die Glaubwürdigkeit in der Regel aus der Tatsache, dass sie von einem ausgewiesenen Fachmann geschrieben wurde, dass der Artikel in einem Journal von anderen Fachleuten begutachtet wurde usw. – dies schützt aber auch nicht vor Fehlern! Bei Wikipedia muss man u.U. andere Kriterien ansetzen: Wird der Artikel stark diskutiert? Wie viele Personen haben mitgeschrieben? Ist er durch Literatur belegt? Bei der Einschätzung können Dienste wie wikibu.ch helfen.

Die Erlaubnis, Wikipedia in wissenschaftlichen Arbeiten zu verwenden, kann also als Anlass genommen werden, mit Studierenden generell den Umgang mit Literatur zu diskutieren. Der kritische Umgang mit Wikipedia kann ebenso auf den Umgang mit wissenschaftlicher Literatur übertragen werden. Und nicht nur auf diesen – auch auf Weblog-Beiträge und andere Veröffentlichungsformate. In Zukunft wird zum wisssenschaftlichen Arbeiten die Einbeziehung von Internetquellen ganz selbstbverständlich dazugehören. Umso wichtiger wird es sein, den kritischen Umgang mit Quellen generell zu üben. Das ist etwas, das man sich auch von manchem Wissenschaftler wünscht, der ausschließlich wissenschaftliche Quellen verwendet, allerdings unreflektiert.

Zur Bildung bedarf es der Liebe

Veröffentlicht: Donnerstag, Dezember 31, 2009 in Uncategorized

Ich lese gerade das Buch „Erziehung zur Mündigkeit“, das eine Zusammenstellung verschiedener Texte von Adorno ist. Zurzeit interessiert mich besonders die Frage, wie man Lernsituationen gestalten kann, in denen die Lernenden zur Selbstständigkeit finden – und dies betrifft nicht nur den Schulunterricht, sondern durchaus auch das Studium. Daher habe ich nach diesem Buch gegriffen. Seit langem mal wieder ein philosophisches (und dies trifft, nebenbei bemerkt, zufällig zeitgleich auf eine Diskussion in Jean-Pols Blog über Philosophie, was einen mal wieder darüber nachdenken lässt, ob das wirklich zufällig ist).

Jedenfalls bin ich in diesem Buch unerwarteter Weise auf den Text Philosophie und Lehrer gestoßen. Dort beschwert sich Adorno darüber,  dass die Lehramtsstudenten den Philosophieprüfungen bzw. der Philosophie an  sich nicht mit der richtigen Einstellung begegnen. Sie bereiten sich streng nach Prüfungsordnung vor, sie lernen nur und bilden sich nicht. Ein insgesamt durchaus amüsanter Text (selbst wenn man an der ein oder anderen Stelle gerne die Studierenden in Schutz nehmen möchte). Eine Stelle möchte ich gerne wörtlich wiedergeben, eine Stelle über Bildung:

Denn Bildung ist eben das, wofür es keine richtigen Bräuche gibt; sie ist zu erwerben nur durch spontane Anstrengung und Interesse, nicht garantiert allein durch Kurse, und  wären es auch solche vom Typus des Studium generale. Ja, in Wahrheit fällt sie nicht einmal Anstrengungen zu, sondern der Aufgeschlossenheit, der Fähigkeit, überhaupt etwas Geistiges an sich herankommen zu lassen und es produktiv ins eigene Bewusstsein aufzunehmen, anstatt, wie ein unerträgliches Cliché lautet, damit, bloß lernend, sich auseinanderzusetzen. Fürchtete ich nicht das Mißverständnis der Sentimentalität, so würde ich sagen, zur Bildung bedürfe es der Liebe; der Defekt ist wohl einer der  Liebesfähigkeit.“

Wie entfacht man aber in anderen die Liebe zur eigenen Bildung, das Interesse an der eigenen (geistigen) Weiterentwicklung? Kann man das überhaupt im vorhandenen Bildungssystem? Haben wir überhaupt ein Bildungssystem, oder haben wir ein Lernsystem? Wäre eine solche Liebe zur eigenen Bildung nicht ein wichtiger Abschnitt auf dem Weg zum Glück – im Gegensatz zur Einrichtung des entsprechenden Schulfachs, das in diesem Lichte eher als Farce erscheint? Und welche Art von Bildung ist im Studium der Fächer Mathematik und Informatik zu erwerben? Kümmern wir uns dort um Bildung oder um Kompetenzen? Und welche Rolle spielt die Aufsplitterung in Teilkompetenzen und Teilkompetenzen von Teilkompetenzen, wenn es um ganzheitliche Bildung gehen soll? Möchten wir ein Bildungssystem haben, oder sollen wir es lieber in Kompetenzsystem umbenennen?

Mit diesen Fragen gehe ich ins Neue Jahr. Prost!

Literatur: Adorno, T. W. (1962). Philosophie und Lehrer. In Erziehung zur Mündigkeit (S. 29-49). Frankfurt: suhrkamp.

Forschendes Lernen

Veröffentlicht: Mittwoch, Oktober 28, 2009 in Uncategorized

Vor ca. 3 Monaten wurde ich von Ricarda T. Reimer gefragt, ob ich am 30.10. nicht an einem wissenschaftlichen Tagesgespräch über forschendes Lernen an der UZH in Zürich teilnehmen möchte.  Ich habe natürlich gerne zugesagt, allerdings unter dem Hinweis, dass forschendes Lernen eigentlich gar nicht mein Thema ist. Sie meinte, das mache nichts.

Mittlerweile ist es mein Thema.

Wie kam es dazu? Mir ist neulich (eine Woche vor dem Tagesgespräch) klar geworden, was der Begriff für mich bedeutet. Für mich bedeutet er nicht so sehr, Studierende in die Methodik empirischer Forschung und wissenschaftlich exakten Arbeitens einzuweisen. Hierbei fließt oft sehr viel Energie in die Methodik, und die Inhalte bleiben auf der Strecke. Es handelt sich dabei sowieso mehr um „Forschung lernen“ und nicht um „forschendes Lernen“. Der Unterschied ist subtil.

Man muss den Begriff auf sich wirken lassen. Forschen.

Bei dem Bild eines Forschers habe ich eine Person vor Augen, die sich durch Dickicht kämpft, um eine seltene Pflanze zu finden. Oder eine Person, die sich in einem Busch versteckt, um ein Tier zu beobachten. Oder jemand, der mit viel Geduld solange mit einem Löffel gräbt, bis er was findet. Ein Forscher ist jemand, der neugierig und wissbegierig ist. Das sind Eigenschaften, die man bei so manchem vermisst, der sich heutzutage „Forscher“ nennt.

In diesem Sinne haben wir in der Bildungsexpedition forschend gelernt. Wir sind „rausgefahren“  und haben Fragen gestellt, neugierig hingesehen und fleißig dokumentiert. Und genau diese Form des forschenden Lernens versuche ich mittlerweile, in meinen Lehrveranstaltungen umzusetzen: Die Studierenden forschen außerhalb der Hochschule (im „Bildungsdschungel“) und versuchen, relevantes Wissen für ihre Fragestellungen zu finden. Zwei Beispiele:

  • In meinem Seminar Didaktik des Informatikunterrichts dürfen Studierende selbst entscheiden, wie sie das Seminar gestalten. Sie kamen von selbst auf die Idee, an Schulen zu gehen und Lehrer, Schüler und andere Personen über Informatikunterricht zu befragen. Sie gehen raus und filmen, interviewen und protokollieren.
  • In der Kombiveranstaltung AnOrMaL (gemeinsam mit Ulli Kortenkamp an der PH Karlsruhe) suchen Studierende Personen, die sich beruflich in irgendeiner Weise mit Mathematik auseinandersetzen müssen, interviewen sie und versuchen, sich in das entsprechende mathematische Teilgebiet einzuarbeiten. Als ersten Schritt sind die Studierenden durch die Gegend gezogen und haben „Mathe im Alltag“-Fotos geschossen – wenn das mal keine forschende Vorgehensweise ist!

Für mich hat der Begriff „forschendes Lernen“ in den letzten Wochen diese besondere Bedeutung bekommen. Ich werde diese Sichtweise in das wissenschaftliche Tagesgespräch einbringen und freue mich auf eine anregende Diskussion.

Zum runden Abschluss dieses Beitrags eine Diskussion im Rahmen der Bildungsexpedition mit Michael Kerres und seiner Gruppe über die Frage: Ist das eigentlich Forschung? (zu 12:38 springen)

„Ist das Forschung?“  ist übrigens eine andere Frage als „Ist das forschendes Lernen?“.