Mit ‘emergenz’ getaggte Beiträge

Erstaunlich finde ich immer wieder, wie Themen im Netz emergieren, insbesondere auf der Basis kleiner, fast unbedeutender Nachrichten in Mikroblogging-Diensten wie twitter. Hier ein besonders schönes Beispiel:

Ausgangspunkt war ein Tweet von Thorsten Schönbohm in Twitter, der an mich persönlich gerichtet war: „Hallo Christian. Kleine Marienkäferfeldstudie. Bitte twitter mal die Frage, wer heute ungew. viele Marienkäfer gesichet hat. #marienkäfer“

Nichtsahnend, worum es überhaupt geht, habe ich folgenden Tweet abgesetzt: „Hat heute jemand von euch ungewöhnlich viele Marienkäfer gesichtet?“ Auf die Frage von HeileRibke, worum es denn genau geht, habe ich  „Ist geheim :-)“ geantwortet (natürlich deswegen, weil ich es etwas spannend machen wollte, und weil ich gar nicht wusste, worum es geht). Kurz darauf die erste Meldung von Vizekönigin: „ja #marienkäfer meine ich. ganzer balkon eingenommen, in der wohnung auch ganz viele.“ (Ich kannte bis zu diesem Zeitpunkt übrigens Vizekönigin gar nicht). Ein späterer Blick in ihr Weblog zeigte zudem, dass sie bereits darüber gebloggt hatte.

Ein wenig später sehe ich zufällig in meinem RSS-Reader, dass Claudia Kilian in ihrem Weblog auf meinen Tweet verweist: „ Hat heute jemand von euch ungewöhnlich viele Marienkäfer gesichtet? Was der Grund für diese Frage ist, weiß ich leider nicht. […]“. Das fand ich an dieser Stelle schon interessant, dass mein Tweet in die Blogosphäre eingetreten ist. Komplett verrückt wurde es aber kurze Zeit später, als ich die folgende E-Mail (!) von Michael Wühr erhielt:

Hallo,

ich habe gelesen das man Sie informieren soll, wenn mann große Ansammlungen von Marienkäfer beobachtet.

Ich habe heute eine solche beobachten können und zwar bei mir am Haus und in der Wohnung.
Schätzungsweise zwischen 200 und 300 Stück , vieleicht auch mehr .
Sie haben die Hauswand besetzt und sind durch das offene Badfenster in die Wohnung gekommen.
Es waren lauter verschiedene Farbvarieanten. Es waren schwarze mit roten Punkten ; 7 Punkt und Marienkäfer mit über 20 Punkten in unterschiedlichen Farbintensitäten.

Witzig daran ist: Ich kannte bis zu dieser Mail Michael gar nicht, und ich habe keine Idee, wie er auf mich aufmerksam geworden ist (Michael: vielleicht kannst du in einem Kommentar darstellen, wie bei dir der Weg der Information verlief?). Witzig finde ich auch die Formulierung „ich habe gelesen das man Sie informieren soll […]“, zumal ich immer noch keine Ahnung hatte, worum es geht.

Aber nicht nur ich war Ansprechpartner; Claudia Kilian twitterte einige Tage später: „64 Kommentare bei der unbeabsichtigten Meldestelle für #Marienkäfer“. In ihrem Blog wurde nämlich fleißig kommentiert. Wahnsinn!

Thorsten hatte sich ursprünglich übrigens gewundert, dass er und Herr Rau am selben Tag ein Marienkäferproblem hatten (obwohl sie räumlich sehr weit auseinander wohnen) und wollte wissen, wo überall das in Deutschland noch der Fall ist. Nun ist klar: Mit neuen Werkzeugen wie Twitter und Weblogs lässt sich relativ schnell eine große Zahl von Menschen erreichen, und wenn diese schnell reagieren, dann ist das Thema extrem präsent im Netz. Ein wirklich tollen Beispiel für das „Emergenz-Potenzial“ des Netzes…

Ich habe übrigens bis heute keinen einzigen Marienkäfer gesehen. 🙂