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Playing the Name Game and the Positioning Game

Veröffentlicht: Samstag, Oktober 2, 2010 in Maputo, Spiel
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Ich werde in den nächsten zwei Wochen in Maputo mit einer Studentengruppe intensiv arbeiten. Daher ist es empfehlenswert, am Anfang eine persönliche Basis zu schaffen und „das Eis zu brechen“. Das ist insbesondere aufgrund sprachlicher Barrieren schwierig: Ich spreche kein Portugiesisch, und die Studierenden sprechen nur mehr oder weniger gut Englisch. Als erster Schritt ist es also bedeutsam, dass die Studierenden beginnen, in kleinen Schritten Englisch zu sprechen, und dass man sich gleichzeitig etwas näher kennen lernt, zumindest gegenseitig beim Namen nennen kann. Ich habe mir überlegt, hierzu am Anfang zwei Spiele zu spielen: The Name Game und The Positioning Game. Auch wenn es albern klingt, „Kennenlernspiele“ zu spielen – jeder spielt doch letztendlich gerne, und es macht einfach Spaß. Außerdem: Normale Kennenlernrunden sind total trocken und erzeugen irgendwie eine peinliche Stimmung („Oh Gott, ich muss mich vorstellen!“).

The Name Game: Dieses Spiel wurde von Morris und Fritz intensiv empirisch erforscht, und die Wirksamkeit auf das Namenbehalten ist praktisch belegt. Ich habe es schon oft in Seminaren eingesetzt, und es hat eigentlich immer ganz gut funktioniert. Das Spiel gibt es in verschiedenen Varianten, prinzipiell läuft es aber folgendermaßen ab: Alle sitzen in einer Runde, und die erste Person nennt ihren Namen und z.B. was sie gerne macht: „My name is Ana, and I like to go to the cinema.“ Die nächste Person sagt: „This is Ana, and she likes to go to the cinema. I am Tomás, and I like to read books.“ Die dritte Person wiederholt alles von Ana und Tomás gesagte und fügt ihren Namen und Hobby wieder hintenan undsoweiter undsofort. (Wenn ich das Spiel bislang immer erklärt habe, gab’s an dieser Stelle schon den ersten Lacher, weil alle wussten, dass die Person am Ende total gelitten hat.) Wenn das Spiel in etwa zur Hälfte rum ist, wirft der Dozent ein, dass am Ende die erste Person (in diesem Fall Ana) nochmal alles wiederholen muss. Wenn jemand „hängt“, dann darf die Gruppe helfen.

Das Spiel hat die folgenden Vorteile: Die Namen werden nicht nur gehört (wie in klassischen Kennenlernrunden, wo sich jeder vorstellt), sondern jeder muss die Namen wiederholen, d.h. aktiv abrufen (retrieval), und dadurch prägen sich die Namen besser ein. Dies gilt nicht nur für denjenigen, der gerade dran ist, sondern auch für all diejenigen, die noch drankommen werden – im Geiste üben diese nämlich bereits mit. Damit diejenigen, die schon dran waren, sich nicht zurücklehnen, gibt’s den Einwurf in der Mitte, der letztlich bedeutet: Jeder kann potenziell nochmal drankommen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Abstände, in denen ein und derselbe Name wiederholt werden, im Laufe des Spiels größer werden, weil neue Namen dazukommen. Das ist eine Form des spaced retrieval, eine Methode, die auch beim Vokabellernen erfolgreich eingesetzt wird. Die Zusatzinformation (Hobby, wasweißich, …) hilft übrigens wenig, die Namen zu behalten – es macht dadurch aber einfach mehr Spaß.

The Positioning Game: Das Spiel hab ich mal so getauft, weil mir keine bessere Übersetzung von „Aufstellungsspiel“ eingefallen ist. Das Spiel hab ich schon ein paar Mal im Unterricht gespielt, und es hilft, sich einen groben Eindruck über Verteilungen innerhalb einer Gruppe zu machen. Es funktioniert so: Man räumt den Raum leer, sodass genug Platz da ist. Jetzt wird der Raum genutzt, damit die Personen sich bezüglich einiger Eigenschaften positionieren, und zwar relativ zueinander. Mögliche Aufträge sind:

  • Imagine this floor is Mozambique (here is north, here is south, …). Go to the place where you live.
  • Go to the place where you were born.
  • Image a line from this side of the room to the other side. Order yourself with regard to your age.
  • Order yourself with regard to how much you like mathematics.
  • Imagine two spots on the floor, a „yes“ spot and a „no“ spot. Place yourself: Do you have a computer at home?
  • Order yourself with regard to how long you work at the computer every day (on average).

Die Teilnehmer müssen sich dann einerseits unterhalten, um sich relativ zu den anderen zu positionieren. Außerdem kommen dann oft interessante Gemeinsamkeiten heraus (Du bist auch in Beira geboren?), und es werden persönliche Bindungen geschaffen. Auf der anderen Seite erhält man als Dozent einen guten Überblick über die Gesamtgruppe (80% haben einen Computer, …).

Das Name Game ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn die Studierenden sich auch gegenseitig nicht gut beim Namen kennen. Falls Sie sich alle gut kennen, lasse ich es weg und mache nur das Positioning Game. Am Dienstag ist es soweit: Dann habe ich meine erste Sitzung. Ich bin gespannt, wie die Studierenden auf die Spiele reagieren. Darüber hinaus würde mich interessieren, ob ihr Erfahrung mit anderen guten Kennenlernspielen gemacht habt, und die man auch in Hochschulseminaren einsetzen kann. Evtl. muss ich nämlich am Dienstag flexibel sein, und da wäre es gut, wenn ich noch was anderen im Repertoire hätte…

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