Der Erich-Hammer-Bericht

Veröffentlicht: Samstag, März 21, 2009 in LdL, Uncategorized

Am Donnerstag hab ich Lutz in Heidelberg besucht, um die Schulstunde von Erich Hammer und die Schülerinterviews, die wir im Rahmen unserer Bildungsexpedition geführt haben, auf 10-Minuten-Youtube-Format zu bringen. Lutz hat seit Donnerstag dann noch mit Hochdruck am Video gearbeitet. Hier ist das Resultat: eine Übungsstunde im Mathekurs, 13. Klasse, FOS/BOS Kitzingen, Außenstelle Würzburg:

In dieser Schulstunde sieht man sehr schön, wie LdL im Matheunterricht funktionieren kann, selbst wenn  es sich  nicht um eine Einführungsstunde zu einem bestimmten Thema handelt. Dabei zeigt der Film, dass durch LdL sogar frontale Stunden zu einem echten Gruppenerlebnis werden können. Ich kann mir nach dem Besuch der Stunde durchaus vorstellen, dass in eine solche Klassenatmosphäre auch andere Methoden und Sozialformen sehr gut einbettbar sind.

Was ist eure Meinung? Bitte kommentiert!

Und: Vielen Dank an dich, Lutz! Es macht wirklich Spaß, mit dir zusammenzuarbeiten!

Kommentare
  1. ekirlu sagt:

    Sehr, sehr schön. Dieses Video vermittelt genau das Wesen der Stunde: Eine angstfreie Atmosphäre in der sich die Schüler wohlfühlen und beteiligen. Jeder arbeitet in dem Umfang mit, in dem er kann oder möchte. Und alle gehen hinterher mit gelösten Fragen oder Problemen raus.

    Es ist die Unterschiedlichkeit der Schüler, die dem Ganzen die Tiefe gibt. Denn Jeder hat andere Fragen, oder an einer anderen Stelle Probleme. Da diese im Klassenverband gelöst werden, behandeln alle Schüler deren Lösung. So sind viele Fehler schon im Unterricht gemacht worden und passieren in der Klassenarbeit nicht mehr.

    LdL goes Mathematik – und das ist gut so!

  2. Ein wirklich schöner Beitrag!

    Angeregt hat mich der Beitrag, gepaart mit einem Kommentar von Nils van den Boom in dem Artikel über „LdL im Matheunterricht“ zu folgenden Gedanken:

    Der Artikel berichtet über eine Übungsstunde, in der gemeinsam Lerninhalt von den Schülern erschlossen wurde.
    Ich finde das sehr ansprechend, da man in der realweltliche Berufswelt, nur ganz selten ein Einzelkämpfer ist. Oft müssen im Alltag des Arbeitslebens ebenfalls Aushandlungs- und Kooperationsprozesse erfolgen, um gemeinsam erfolgreich Projekte, Dienstleistungen etc… umzusetzen.

    Nils van den Boom hat in seinem Kommentar geschrieben: „In der Klausur muss er (der Schüler) die Aufgaben ja auch alleine lösen und hat nicht das `Gehirn` der Klasse zur Verfügung.“ In einem Vortrag von Peter Nieschmidt, greift der Redner das Thema auf, dass in einer Klausur (Prüfungssituation) jeder Kooperationsversuch eine Strafe nach sich zieht. Meine Frage ist seitdem, wie sinnvoll einzelne abgekoppelte Prüfungssituationen noch tatsächlich sind?
    Ein Schüler, der während seiner Schulzeit sehr gute Noten nachweisen kann, aber nicht kooperieren konnte, kann von einem Arbeitgeber nicht wirklich gebraucht werden. Ist der Schüler später Mitarbeiter wartet er auf seine Chance, sich selbst gegenüber den anderen Mitarbeitern mit seiner Idee gegenüber dem Chef zu profilieren. Hat man mehrere solche Mitarbeiter in der Firma ist eine Teamarbeit kaum noch möglich!

    Nebenbei ist mir gerade aufgefallen, dass mithilfe neuer Werkzeuge (bspw., dass im Web Mitschnitte von Unterrichtssituationen dargestellt werden), auch Personen, die sich theoretisch mit den Situationen auseinandersetzen einen viel besseren Einblick (auch wenn er immer noch gefärbt ist) in die Realität erhalten, als bisher. Danke dafür🙂 an Lutz Berger, Christian Spannagel und den jeweils dahinter stehenden Teams.

    LG
    Jana

  3. cspannagel sagt:

    Liebe Jana,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar!

    Ja, die schriftlichen Prüfungen sind in der Tat ein unpassendes Konzept, wenn es um das Erlernen von Kompetenzen geht. Hier sind eher Präsentationen, Kolloquiua oder ähnlich geeignet (alles auch wieder mit gewissen Einschränkungen). Es ist wirklich ein Übel mit den Prüfungen – ich habe noch keine zufriedenstellende Lösung gefunden.

  4. Hokey sagt:

    Geht das auch mit dreißig Schülern? Sek I? Unterschiedliche Schulformen? Gibt es da Erfahrungen?

  5. @Jana und Spannagel
    Ich bin nicht ganz einverstanden mit euch. Siehe:
    http://www.ldl.de/material/aufsatz/becker.pdf

    @Hokey
    Ja, es geht mit jeder Altersstufe, mit jedem Fach und mit jeder Schulform. Ich selbst habe beispielsweise eine 7., sehr unruhige Klasse im Fach Französisch mit 33 Schülern unterrichtet und tolle Erfolge erzielt. Gerade LdL war regelrecht die Rettung, um diese Schüler in den Griff zu bekommen und zu guten Leistungen zu führen.
    Und hier ein Link auf alle bisher gesammelten Erfahrungen mit LdL:
    http://www.ldl.de/material/bericht.htm

  6. Hokey sagt:

    Hmhmhmhm… ich werde mir das mal anschauen… bin ja durchaus (noch) skeptisch, aber ein paar Versuche ist es sicherlich wert…

    Wie sind denn eure „Profi“-Erfahrungen: Ich stelle mir gerade bei schwierigen Klassen vor, dass Außenseiter oder Schüchterne schnell „übersehen“ bzw. nicht miteinbezogen werden. Wie entgeht man dem bei Ldl?

  7. @Hokey
    Als Lehrer kannst du das bei LdL viel besser beobachten als wenn du selbst sehr aktiv bist. Daher kannst du gerade die weniger forschen Leute unterstützen und fördern.

    @Jana und Spannagel
    Noch einmal zu eurem statement (prüfungen vs. kooperation): im Leben steht man permanent je nach feld in Konkurrenzsituation oder in Kooperationssituation. Man muss die Schüler auf beide Anforderungen vorbereiten. Beispiel: als Spannagel bei der Wahl zum Hochschullehrerpreis mit anderen in Konkurrenz stand, arbeitete er zusammen mit Studenten und Kollegen (Kooperation) um besser zu sein als die Mitkonkurrenten. (das war nicht genauso denn spannagel wusste nichts von diesem preis, aber das ist nur ein beispiel).

  8. @jeanpol Ich gebe dir prinzipiell recht – dennoch halte ich schriftliche Prüfungen nicht für geeignet, um so etwas wie „Methodenkompetenz“ usw. abzuprüfen. Schriftliche Prüfungen haben natürlich ihre Berechtigung, aber sie dürfen nicht die einzige Prüfungsform in kompetenzorientierten Lernszenarios bleiben.

    @Hokey Es ist sogar so, dass Schücherne sich eher getrauen, Beiträge in den Unterricht einzubringen, wenn vorne nicht der Lehrer, sondern ein Mitschüler steht!

  9. @Spannagel
    „dennoch halte ich schriftliche Prüfungen nicht für geeignet, um so etwas wie “Methodenkompetenz” usw. abzuprüfen. Schriftliche Prüfungen haben natürlich ihre Berechtigung, aber sie dürfen nicht die einzige Prüfungsform in kompetenzorientierten Lernszenarios bleiben.“
    – Völlig einverstanden. Die Frage wäre, ob Kompetenzen überhaupt benotet werden sollen. Dass man Kompetenzen systematisch aufbauen muss, steht außer Frage. Aber diese Kompetenzen dienen ja nur der optimalen Zielerreichung (z.B. für einen Architekten ein solides Haus zu bauen). Wenn ein autistischer Architekt ganz allein ein tolles Haus baut, interessiert das fertige Haus und nicht, dass er beim Bau unkommunikativ war und allein gearbeitet hat. Oder? Wird sein Honorar gekürzt, weil er keine Partner einbezogen hat?

  10. Hokey sagt:

    Ah! Jean-Pol, danke für die letzten Worte!

  11. gophi sagt:

    Andere Perspektive (@jeanpol/Spannagel):
    Weil der Architekt die notwendigen Kompetenzen (Kooperation / Kommunikation) nicht anwenden kann, dauert es eh sein Haus fertig gebaut werden kann. Hat der Auftraggeber Zeit ist das gut für ihn. Dennoch muss er auch mit seinen Kunden kooperieren, dessen Wünsche erfragen, bei Bauarbeitern darauf hinweisen, wenn etwas nicht diesen Wünschen entspricht und im Notfall einen Lösungsweg finden, etc… Bleibt er unkommunikativ und kann auf die anderen nicht im geeigneten Sinne eingehen, schlägt sich das auf die Anzahl seiner Aufträge nieder bzw. welche Firmen er anheuern kann, um den Plan des Hausbaus umzusetzen.

    Noch schlechter sieht es für ihn aus, wenn der Kunde ihm eine kurze Frist vorgibt und man damit zur Zusammenarbeit gezwungen wird, weil das Pensum alleine gar nicht erledigt werden kann.

    Daher ist vl. Dein Ansatz Kompetenzen überhaupt nicht zu bewerten ein geeigneter Weg. Nur dann frage ich mich, in welchem Verhältnis Kompetenzen im Vergleich mit dem abfragbaren Wissen (Prüfungen) liegen?

  12. Oh, Sorry. gophi das bin ich😀 Das kommt davon, wenn man nicht aufpasst, wie man grad eingeloggt ist.

    Liebe Grüße
    Jana

  13. @Jana
    Wie immer, Metaphern haben ihre Grenzen. Ich denke, dass es widersinnig ist, den Prozess („Kompetenzen“) durch Noten zu behindern und zu stören. Wenn ein Schüler einen guten Text abliefert, frage ich nicht, wie er dazu gekommen ist. Vielleicht hat er den ganz allein auf einer Insel und ohne weitere Quellen als sein Gehirn verfasst, vielleicht hat er ihn nach einem Abend brainstorming mit der ganzen Familie und unter Zuhilfenahme der Familienbibliothek und des Internets geschrieben. Ich bewerte den Text und nicht den Prozess.

  14. cspannagel sagt:

    Ok, ich kann die Argumentation Jean-Pols nachvollziehen. Vielleicht muss man zwischen „bewerten“ und „benoten“ unterscheiden. Bewerten kann auch mit einem anderen Ziel erfolgen – nämlich, dem Schüler Feedback zum Prozess zu geben (informativ – wie sind Verbesserungen möglich?). Vielleicht könnte man sich auf folgendes festlegen: In der Lernsituation Prozess und Produkt bewerten (zwecks Feedback), in der Leistungssituation Produkt benoten?

  15. 1000sunny sagt:

    Hallo,
    ich bin neu bei LdL (erst dachte ich, es sei eine Form des „Vorrechnen lassens“).
    Dennoch stellt sich bei mir die Frage, ist das nicht die „totale Sozialisation“.
    Das scheint ja bedacht zu sein, da der autistische Architekt und der Schüler auf der Insel angesprochen wird. Allerdings sehe ich das in diesem Video nicht. Was passiert, wenn jemand hinten sitzt und schon ableiten kann – darf der ein Buch lesen oder sich schon mit Knotentheorien beschäftigen? (um überspitzt zu fragen).

  16. cspannagel sagt:

    @1000sunny

    Was meinst du mit „totale Sozialisation“?

    Vielleicht zur Erklärung: Das ist eine spezielle Form der Übungsstunde gewesen. Natürlich sieht nicht jede LdL-Stunde so aus. Was hier allerdings gut herauskommt, ist, wie die Schüler miteinander umgehen – daher das Video…

  17. 1000sunny sagt:

    Die Klasse funktioniert ja hier wie ein Gehirn, die Schüler sind die Neuronen. Alle arbeiten an einer Lösung. Würde jetzt jemand die Lösung schon kennen, oder hätte einen anderen Lösungsweg müsste ihn ja das Kollektiv korrigieren – oder er würde sich unsozial verhalten, wenn er die Lösung einfach sagt. Das bedeutet für andere Lösungswege ist kein Platz mehr, die Gemeinschaft bestimmt Lösungsweg und Geschwindigkeit.
    Oder wie würde das dann funktionieren? Vielleicht verstehe ich auch etwas falsch. Das Beispiel zeigt ja nur die Übung eines schon gelernten Arbeitsvorganges.
    ..
    Der Umgang ist allerdings wirklich um einiges netter und beteiligter, als man das gewohnt ist von einer Mathestunde oder der Schule.

  18. cspannagel sagt:

    @1000sunny Die Gemeinschaft kann doch unterschiedliche Lösungswege diskutieren. Es muss sich nur eine Kultur etablieren, in der man nach alternativen Lösungswegen fragt bzw. gemeinsam sucht.

    Außerdem muss das Finden der Lösung nicht komplett im Kollektiv stattfinden (so wie es hier gezeigt ist). Schüler können auch zunächst in kleinen Gruppen Lösungen erarbeiten und diese dann anschließend vergleichen. Zentral an LdL wäre dabei aber, dass ein Schüler die Moderation dieser Diskussion übernimmt und die Klasse „als Gehirn“ versucht, alternative Lösungen zu vergleichen, Vor- und Nachteile herauszuarbeiten usw.

  19. […] Interessierten. Es können anregende Diskussion in den Kommentarbereichen entstehen und das neue LdL (Lernen durch Lehren) kann in einer 2.0 Variante aus den Schulen in das Web übernommen werden […]

  20. […] habe ich das Erich-Hammer-Video gezeigt und gesagt, dass ich mir so in etwa die Interaktion in der Vorlesung […]

  21. Andreas Kalt sagt:

    @Jeanpol

    Vielleicht hat er den ganz allein auf einer Insel und ohne weitere Quellen als sein Gehirn verfasst, vielleicht hat er ihn nach einem Abend brainstorming mit der ganzen Familie und unter Zuhilfenahme der Familienbibliothek und des Internets geschrieben. Ich bewerte den Text und nicht den Prozess.

    Das finde ich allerdings tw. problematisch – vielleicht hat er den Text auch nur aufgeschrieben, während seine Mutter diktiert hat. Und was ist mit den Schülern, die zu Hause den Brockhaus und eine Familienbibliothek stehen haben und dem anderen Schüler, in dessen Wohnung es keine Bücher und keine gebildeten Eltern gibt?

    Das Produkt wird sehr unterschiedlich ausfallen – ohne dass die Kompetenzen der Schüler unterschiedlich sein müssen.

  22. Andreas Kalt sagt:

    Außerdem muss das Finden der Lösung nicht komplett im Kollektiv stattfinden (so wie es hier gezeigt ist). Schüler können auch zunächst in kleinen Gruppen Lösungen erarbeiten und diese dann anschließend vergleichen.

    Das ist ein interessanter Aspekt – das war mir bisher nicht klar – und passt gerade zu meiner Planung für morgen.

  23. […] Interaktion müssen die einzelnen Menschen sich dann wie Neuronen verhalten.“ In dem „Erich Hammer Bericht“ auf Christan Spannagels Blog wird sehr deutlich, dass die Gesamtheit einer Klasse durchaus in […]

  24. […] als wollten sie sich bei mir vergewissern, dass sie auch nichts Falsches gesagt haben. So wie es Erich Hammer macht ist es richtig: Man sitzt als Dozent hinten. So ist man aus dem Blickfeld, und die Studenten […]

  25. […] spannendes Projekt geworden ist. Damals saßen wir im Bus auf der Rückfahrt von Würzburg, wo wir den Unterricht von Erich Hammer gefilmt haben. Da habe ich mich zu einer einfach so dahingesagten Bemerkung hinreißen lassen: […]

  26. cspannagel sagt:

    Florian Dagner setzt die Methode gerade in seiner 9. Klasse ein. Erste Reflexionen der Schülerinnen und Schüler gibt es in dem Klassenblog: http://tinyurl.com/yggy63t

  27. […] Beispielfilm der Bildungsexpedition ist der Schulbesuch bei Erich Hammer, der LdL im Mathematikunterricht anwendet. LdL ist eine Unterrichtsmethode, die von Jean-Pol Martin […]

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